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NachrBl. bayer. Ent. 36 (1) 9. März 1987 ISSN 0027-7425

Inhalt: J. J. DE FrEına & B. Aussem: Chazara bischoffi (HERRICH-SCHÄFFER, 1846) und ihre nächstverwandten Arten (Lepidoptera, Satyridae) S. 1 — J. J. DE FREINA & T. J. WıTT: Über Tren- nungsmerkmale und die Verbreitung von Cilix glaucata (ScoroLı, 1763) und Cilix asiatica BANG- Haas, 1907 (Lepidoptera, Drepanidae) S. 10 — P. BRANDL: Anthaxia niehuisi sp. n., eineneue An- thaxia aus der Türkei (Coleoptera, Buprestidae) S. 14. — R. WAaGnER: Neue Thaumaleidennach- weise aus dem Mittelmeerraum, nebst Beschreibung zweier neuer Arten (Diptera, Thaumalaei- dae) S. 17 - R. Grimm: Pachychila denticollis sp. n. aus Südspanien (Coleoptera, Tenebrionidae) S. 21 — J. Wiesner: Wiederfund von Lophyridia aulica (DEJEAN, 1831) in Griechenland (Coleop- tera, Cicindelidae) S. 25 — F. Reıss: Tanytarsus cretensis sp..n„.eine neue westpalaearktische Chironomidenart aus Fließgewässern (Diptera, Ins ION Run SR. GERSTMEIER: Zwei- ter Nachtrag zur Chironomidenfauna Bayerns (Dißtera\Chirdnortidae)iß. 3% Aus der Münch- ner Entomologischen Gesellschaft S. 32. F \

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| FEB241088 |) Chazara bischoffi” (Herrich-Schäffer) 13 Aınd ihre

nächstverwandten Ärten (Lepidoptera, Satyridae)

Chazara bischoffi (HErrich-ScHÄFFER, 1846) and closely related species (Lepidoptera, Satyridae).

Von Josef J. de FREINA und Bernd AUSSEM

Abstract

The aim of this paper is to provide an identification guide to the bischoffi HERRICH-SCHÄFFER, 1846 — group, one of the taxonomically difficult problems within the genus Chazara MOORE [1893]. Illustrations of male and female genitalia point out the separate specific status ofthetaxa bischoffi HERRICH-SCHÄFFER 1846, egina STAUDINGER [1892] 1891, staudingeri A. BAnG-Haas 1882 and kaufmanni ERSCHOFF 1874 (stat. n.). In default of material the status of taxa sieversi CHRI- STOPH 1885, sartha STAUDINGER 1886 and tadjika GRUM-GRSHIMAILO 1890, which also belong to the bischoffi-group, could not be examined. However, they probably represent synonyms of staudin- geri A. B.-H. or kaufmanni ErscH. Contemporary in the course of the inquiryitappeared thatthe taxon aisha Rose, 1986 described as subspecies of egina STGr., is simply a local substrat form. It is sunk to synonymy (syn. n.) of egina STGR.

) Emendation. Der Artname „bischoffii“ HERRICH-SCHÄFFER 1846 ist falsch latinisiert und stellt so eine nomenklatorisch inkorrekte Schreibweise dar (Artikel 31, 32). Nach Artikel 31-34 schlagen wir als revidierende Autoren für das Taxon Satyrus bischoffü HERRICH-SCHÄFFER 1846 (Syst. Schmett. Eur. 4: 12, figs. 307-310) vor: Sehieishischoffs HERRICH-SCHÄFFER 1846.

In einem Artikel, der die Artberechtigung und subspezifische Gliederung von Cha- zara egina (StaupinGer [1892] (1891) behandelt (Rose 1986), werden Fragen aufgewor- fen, die Gegenstand von Untersuchungen der Verfasser sind. Gleichzeitig gilt es, einige in der zitierten Publikation enthaltene unpräzise und unzutreffende Bemer- kungen zu berichtigen. Darüber hinaus wird der Artstatus von Ch. staudingeri A. B.- H. und Ch. kaufmanni Esscn. (stat. n.) herausgestellt und das Taxon aisha Rose 1986 in die Synonymie zu egina STGr. verwiesen (syn. n.).

1. Zur Artfrage von Chazara egina (StaupinGer [1892] 1891).

Die Berechtigung des Artstatus von egina Star. leitet Rose aus dem syntopen Vor- kommen mit Ch. bischoffi sowie dem unterschiedlichen Flugverhalten bzw. der jah- reszeitlich etwas früheren Flugzeit gegenüber dieser ab. Eine genitalmorphologische Studie der J’O’ beider Taxa liefert ihm keine weiteren Argumente für das Artrecht von egina STGR.

So schreibt er in der Legende zu Abb. 4: „Uncus, Tegumen und Valven von egina und bischoffi(i) stimmen praktisch vollständig überein. Auch der Aedoeagus ist bei beiden Formen gleich gebaut. Hieraus läßt sich allerdings kein Argument für die art- liche Zusammengehörigkeit der beiden Taxa ableiten, da auch andere Chazara-Arten (briseis Linnarus 1764, prieuri Pıerrer 1837, anthe ÖcHsENHEIMER 1807) einen überein- stimmenden männlichen Genitalbau zeigen.“

Diese Aussage ist in zwei Punkten zu revidieren. Sowohl die Species egina StGr. und bischoffi H. S. als auch alle anderen Arten der Gattung Chazara Moore [1893] lassen sich bei beiden Geschlechtern genitalmorphologisch mehr oder weniger klar trennen. Die Darstellung der Genitalstrukturen von Arten des briseis- Linnarus-1764-Komple- xes ist jedoch Gegenstand einer weiteren Veröffentlichung (pe FrEına & Aussen, in Druck).

Was die genitalmorphologischen Unterschiede zwischen bischoffi H. S. und egina Stor. anbelangt, so sind diese wie folgt zu charakterisieren:

©

Uncus und Tegumen

Valve

Abb. 1: Männliches Genital von Chazara bischoffi H. S. (linke Valve entfernt): Türkei, Amasya (Gen. Präp. Museum Wirt Rhop 16).

Abb. 2: Männliches Genital von Chazara egina STGR. (linke Valve entfernt): Türkei, Prov. Tunceli, Ovacik (Gen. Präp. Museum Wiırr Rhop 2899).

Abb. 1: bischoffi

Von gleichmäßig leicht ge- krümmter Form

Insgesamt schlanker als die von egina, Valvenrük- ken zum distalen Ende gleichmäßig leicht gebo- gen. Valvenunterkante proximal bis zur Mitte ge- radlinig, zur Valvenspitze hin steil ansteigend. Eine

Abb. 2: egina

Mehr gerade

In der Grundform etwas breiter als die von bi- schoffi, die Valvenunter- kante ist jedoch nicht scharfwinkelig, sondern

gleichmäßig gebogen. Die ventrale Valvenfalte ver- läuft wie bei bischoffi. Ein

Penis

:

Lamina antevaginalis und Lamina post- vagenalis

Abb. 3: Weibliches Genital von Chazara bischoffi H. S.: Türkei, Prov. Erzincan, Ta- .nyeri (Gen. Präp. Museum Wırr Rhop. 882).

Abb.4: Weibliches Genital von Chazara egina STGr.: Tür-

kei, Prov. Tunceli, Ovacik (Gen. Präp. Museum Wiırr Rhop. 2898).

ventrale Einfaltung ver- läuft ungefähr in der Val- venmitte aus. Im distalen Drittel der Valvenober- kante sitzt eine zahnför- mige Erhebung, deren Spitze caudad gerichtet ist. Die Valvenspitze, die sog. Corona, ist stumpf und mit kleinen Zähnen bestückt.

Gerade, die Phallobasis läuft wie bei allen Cha- zara-Arten in einem keu- lenförmigen Gebilde aus.

Abb. 3: bischoffi

Die L. antevaginalis be- sitzt gleichmäßig verteilte schwache Faltenstruktu- ren, die zum Ostium bur-

wichtiger Unterschied zu bischoffi besteht in der Ausbildung des Valven- oberkantenzahnes. Dessen Spitze ist bei egina distal gebogen. Die Corona, wel- che relativ spitz ausläuft, besitzt keine zahnförmi- gen Strukturen.

Enspricht bis auf die zier- licher gebaute Phallobasis dem von bischoffi.

Abb. 4: egina

Im Gegensatz zu bischoffi zeigt die bei egina glatte Lamina antevaginalis nur in der Übergangszone zur

sae verlaufen. Die Lamina postvaginalis ist mit einem Mosaik feiner Rippen- strukturen besetzt, außer- dem ist sie tief eingebuch- tet:

Lamina Skleritleisten, die sich in den lateralen Bezirken der L. postvaginalis fortset- zen. Die distale Einbuch- tung ist wesentlich flacher als bei bischoff:.

postvaginalıs

Ostium bursae und Ductus bursae

Signa

Das Ostium bursae ist strukturlos und kreisför- mig. Der Anfangsteil des Ductus bursae ist nicht sklerotisiert.

Breiter als bei egina

Im Gegensatz zu bischoffi zeigt die bei egina glatte Lamella postvaginalis Skleritleisten, die sich in den lateralen Bezirken der L. postvaginalis fortset- zen. Die distale Einbuch- tung ist wesentlich flacher als bei bischoffi.

Das Ostium bursae zeigt einen weiteren Unter- schied zu bischoffi, da die- ser bei egina sklerotisiert ist.

Die Signa sind etwas län-

ger als jene von bischoffi, dafür jedoch schlanker.

Die konstatierten genitalmorphologischen Unterschiede zwischen beiden Arten treten konstant auf. Weder bei egina noch bei bischoffi zeichnet sich in der Genital- struktur eine erwähnenswerte Variabilität ab.

Für bischoffi ist dies durch die zusätzliche Untersuchung von mehreren, nachfol- gend aufgelisteten Tieren beiderlei Geschlechts und unterschiedlicher Provenienz dokumentiert:

2 0'O" Türkei, Zentral-Anatolien, Amasya (Gen. Präp. Rhop. Nr. 200 und 16).

3 dJ" Zentralanatolien, Prov. Nevgehir, Umgebung Göreme, 1100-1300 m, 24.-28.7.1978, leg. Rose (Gen. Präp. Rhop. Nr. 201, 884, 885).

2 0°C’ Türkei, Zentralanatolien, Prov. Nevsehir, Zelve, 1150 m, 18.7.1977, leg. C. u. S. NAu- MANN, coll. Nr. 1762 (Gen. Präp. Rhop. Nr. 888 und 889).

2 0°C’ Zentralanatolien, Topuzdag-Paß, 1500 m, 60 km südwestl. Kayseri, 26.7.1976, leg. Rose (Gen. Präp. Rhop. Nr. 886 und 887).

19 dto. (Gen. Präp. Rhop. Nr. 105).

1@ Anatolia or., Prov. Erzincan, Tanyeri, 1300 m, 22.7.1976, leg. G. JunGE (Gen. Präp. Rhop. Nr. 882).

1ı 9 Kleinasien, Prov. Artvin, 5km SE Sarigöl, 750 m, 31.7.—-9.8.1983, leg. DE FREINA (Gen. Präp. Rhop. Nr. 2008).

2@P dto. (Gen. Präp. Rhop. Nr. 2015 und 2016). (alle in Museum WITT, München)

2. Zur Berechtigung des Taxon aisha Rose 1986

Die vulkanisch stark erodierte Gegend um Gürün und Darende (Kleinasien, Prov. Malatya) zeigt analog dem kappadokischen Raum um Göreme (Prov. Nevsehir) auf- fallenden Landschaftscharakter. Typisch für diese Landstriche sind die weißgrau bis hellockerfarbenen Hügelformationen aus Kalk und Tuff.

Es fällt auf, daß um Gürün (wie auch in Kappadokien) sowohl viele Lepidopteren als auch Tiere anderer Insektenordnungen (so etwa Heuschrecken) als Folge der An- passung an ihren Lebensraum einen deutlich aufgehellten Habitus aufweisen. Dabei ändert der Grad des Merkmalwandels vom eigentlich typischen Habitus der Art über die aufgehellteren Tiere bis hin zur hellen Form mit der Biotopwahl bzw. mit dem am jeweiligen Biotop vorherrschenden Kolorit des Sediments ab. G%

Populationen aus Gürün jedoch deshalb als Unterarten herauszustellen, wie dies bereits für einige Arten erfolgte (z. B. Cossus cossus gueruenensis FrıepeL 1977, Lemo- nia via friedeli Wırr 1979, Cossulinus lignosus solgunus pe FreinA [1983], div. Noctui- den), stellt jedoch aus taxonomischer Sicht keine glückliche Lösung dar. Substratras-

b)

sen bzw. Lokalformen, und um eine solche handelt es sich bei den Populationen um Gürün, sollten infrasubspezifisch behandelt werden.

Bedingt durch ihre Lebensweise, zeigen unter den Tagfaltern um Gürün besonders die Satyriden eine aufgehellte Tracht. Dies trifft in besonderem Maße auf Arten der Gattungen Pseudochazara ve Lesse 1951, Chazara Moore [1893] und Hyponephele MuscHamp 1915 zu.

Folgte man nun dem Beispiel Rosr’s, so müßten, analog der Subspezies aisha Rosz 1986 für egina Ster., konsequenterweise auch Gürün-Populationen anderer Satyri- den-Arten als Unterarten abgetrennt werden.

Damit würde jedoch den Landschaften um Gürün bzw. Kappadokien quasi der Charakter von Artentstehungszentren bzw. Refugialgebieten zuerkannt, was sie aber zweifelsfrei nicht sind, zumal es sich bei Gürün-Populationen (zumindest nicht bei Satyriden) um keine geographischen Isolate handelt.

Es ist nachdrücklich zu empfehlen, fernerhin auf die Benennung heller Formen der bei Gürün lebenden Arten zu verzichten und dafür etwa als Kollektivnamen die infra- subspezifische Bezeichnung forma (f.) gueruenensis zu verwenden.

Das Taxon aisha Rose 1986 wird aus oben genanntem Grund von den Verfassern als Synonym (syn.n.) zur Nominatunterart von Chazara egina Star. gestellt und als infra- ‚subspezifische Bezeichnung (stat. n. als forma) behandelt. Für diese Wertung spricht auch die Tatsache, daß Gürün-Darende-Populationen von egina Star. nicht geogra- phisch isoliert sind, sondern mit den übrigen Populationen der Art im Gen-Austausch stehen.

3. Zur Artberechtigung von Chazara staudingeri (A. Banc-Haas 1882) und Chazara kaufmanni (ErscHorr 1874).

Nachdem das Taxon egina Ster. durch Rose als Art herausgestellt wurde, galt das Interesse der Verfasser der Frage, ob die Taxa staudingeri A. B.-H. und kaufmanni Erscn. ebenfalls als Arten zu behandeln sind. Rose (1986) äußert in seiner Arbeit, daß man geneigt sein könnte, egina vom äußeren Erscheinungsbild her zu Ch. staudingeri zu stellen, mit der die Übereinstimmung i im Habitus größer sei als mit bischoffi. Die verwandtschaftliche Beziehung von egina und staudingeri bedürfe noch einer nähe- ren Untersuchung.

Beschrieben wurden die Taxa staudingeri A. Banc-Haas 1882 und kaufmanni ErscHorr 1874 als Varietäten von Ch. bischoffi, entsprechend der heutigen Interpreta- tion dieser Kategorie also als Unterarten. Andererseits schaffte aber bereits Seırz (1909) durch seine Bemerkung „Alle diese Formen sind durch Übergänge derart mit- einander verbunden, daß sich Exemplare nur schwer einordnen lassen“, wieder taxo- nomische Unklarheit. Dr Lessk (1952) billigt lediglich staudingeri A. B.-H. Artstatus zu und behandelt kaufmanni Esscn. infrasubspezifisch, obwohl er noch 1951 (p. 42) äußert, daß neben staudingeri vielleicht auch kaufmanni eine von bischoffi „espece di- stincte“ sein könnte.

Saraı (1981: 188) faßt staudingeri wieder als Art auf, kaufmanni wird von ihm ohne Begründung als Unterart zu staudingeri gestellt.

Nun gibt die genitalmorphologische Untersuchung der Verfasser eindeutig Auf- schluß darüber, daß sowohl staudingeri A. B.-H. als auch kaufmanni Erscn. eigen- ständige Arten darstellen, die bischoffi H.S. und egina Star. in Zentralasien vertreten. Die Genitalstrukturen von staudingeri A. Bang-Haas 1882 und kaufmanni ERSCHoFF 1874 (stat. n.) sind wie folgt zu charakterisieren:

© Abb. 5: staudingeri Abb. 6: kaufmanni

Uncus und Tegumen Wie bei bischoffi, das Un- Ähnlich bischoffi, der Un- cus-Ende jedoch etwas cus ist jedoch vom Tegu- stumpfer. men durch eine leichte Er-

Valve

Abb. 5: Männliches Genital von Chazara staudingeri A.B.-H. (linke Valve ent- fernt): Afghanistan, Badaks- han, Kokscha-Tal (Gen. Präp. Museum Wiırr Rhop. 15).

Männliches Genital Chazara kaufmanni

Abb. 6: von

Erscn.: Ili-Gebiet (Gen. Präp. _

Museum Wirt Rhop. 899).

Penis

2

Lamina antevaginalis und Lamina postvaginalis

Ähnlich jener von bi- schoffi, Valvenunterkante bis zur Mitte ebenfalls ge- radlinig, dann aber nur leicht und im Gegensatz zu bischoffi gebogen zur Val-

venspitze ansteigend. Die zahnähnliche Erhebung auf der Valvenoberkante zeigt bei dieser Art die schwächste Ausprägung. Ihrer Basis ist breit, daher wirkt sie zudem stumpfer. Die sehr kurze Zahnspitze ist wie bei bischoffi caudad gebogen. Die Oberkante der Valveist zwischen Val- venzahn und Corona zu letzterer hin etwas ge- zähnt, die Corona selbst ist stumpf.

Ähnlich dem von bischoffi, gerade.

Abb. 7: staudingeri

Die L. antevaginalis ist wie bei egina glatt ausgebildet und zeigt nur lateral kleine Chitinleisten. Die L. post- vaginalis ist relativ breit und wie bei bischoffi mit einem Netz feiner Rippen-

hebung desselben abge- setzt. Der Uncus ist eher gerade und spitz auslau- fend.

Hinsichtlich der Grund- form zeigt die massive Valve von kaufmanni mit der von bischoffi die größte Ahnlichkeit. Unterschiede zu bischoffi und den ande-

ren drei behandelten Arten bestehen hinsichtlich der Ausbildung des distalen

Valventeils. Der Valven- zahn besitzt hier die mas- sivste Ausprägung. Wäh- rend dieser bei bischoffi und staudingeri caudad und bei egina distal ge- neigt ist, zeigt er bei kauf- manni vertikal, nur das obere Drittel ist leicht cau- dad gebogen. Die Corona läuft ähnlich wie bei egina relativ spitz aus, ist aber im Gegensatz zu dieser breiter.

Ähnlich dem von bischoffi, gerade, Phallobasis jedoch etwas zierlicher, die Aedo- eagus schlanker.

Abb. 8: kaufmanni

Wie bei egina und staudin- geriist auch bei kaufmanni die L. antevaginalis bis auf die lateralen Strukturen glatt. Die L. postvaginalis fällt dagegen relativ breit aus. Im Gegensatz zu den

Abb.7: Weibliches Genital von Chazara staudingeri A. B.-H.: Afghanistan, Baghlan, Dar-e-Andarab (Gen. Präp. Museum Wirt Rhop. 1004).

Abb. 8: Weibliches Genital von Chazara kaufmanni ErscH.: Ili-Gebiet (Gen. Präp. Museum WITT Rhop. 900).

Ostium bursae und Ductus bursae.

Signa

strukturen besetzt. Die di- stale Einbuchtung ist nur schwach ausgebildet.

Das Ostium bursae ist kreisförmig und struktur- los. Der Anfangsteil des Ductus bursae ist wie bei kaufmanni trichterförmig und sklerotisiert.

Im Vergleich zu den ande- ren drei Arten liegen sie bei staudingeri sowohl in ihrer Länge als auch in der Breite in ihrer stärksten Ausbildung vor.

anderen behandelten Ar- ten ist sie jedoch absolut strukturlos. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu den drei anderen Arten be- steht im Fehlen einer di- stalen Einbuchtung.

Das Ostium bursae ist ebenfalls kreisförmig. Der Ductus bursae ähnelt dem von staudingeri, ist aber über den Anfangsteil hin- aus bis zur Hälfte skleroti- siert.

Sehr schmal, sie erreichen nur zu 2/3 die Länge der verglichenen Arten.

Vergleicht man die Genitalstrukturen der behandelten vier Arten, so kann man dar-

aus folgern, daß sich die Taxa bischoffi und staudingeri bzw. egina und kaufmanni nä- herstehen (vgl. hierzu Abb. 9).

bischoffi egina

syt amı diäynsgr em i kaufmanni

Abb. 9: Vergleichende Darstellung der Valvenformen von Chazara bischoffi (l. o.), Ch. egina (r. 0.), Ch. staudingeri (l. u.) und Ch. kaufmanni (r. u.).

4. Zur Verbreitung und Ökologie von Ch. bischoffi und ihrer verwandten Arten.

Die Arten der bischoffi-Gruppe sind im Bereich montaner steppenartiger Land- schaften verbreitet. Sie sind an trockenwarme Biotope mit xerothermer Vegetation gebunden.

Zu Ch. bischofft:

Von bischoffi wissen wir, daß ihre vertikale Verbreitung von 850 m aufwärts bis ca. 2200 mreicht, wobei sieüberwiegend Höhenstufen zwischen 1000-1400 m besiedelt. Der Verbreitungsschwerpunkt dieses syrischen Faunenelements liegt in Kleinasien (siehe Abb. 10). Der westlichste Nachweis stammt aus der Provinz Antalya, ihre Nordgrenze erreicht sie in Mittelanatolien bei Amasya, in der Nordost-Türkei an den Südabfällen der Pontischen Gebirge (Ispir, Prov. Erzurum; Camliyayla und Yusufeli im Coruh-Tal, Prov. Artvin).

a bischoffii N © egina A

Abb. 10: Areal von Chazara bischoffi H.S. (4) und Chazara egina STGR. (@) in Kleinasien.

g

Im Süden erreicht sie über die Tigris-Landschaft den kurdischen Raum (Prov. Hak- kari). Obwohl die Art von Wır.rsHire (1957) nicht aus dem Irak gemeldet wird, erscheint nach den zahlreichen Funden in Hakkari das Vorkommen von bischoffi in den nord- östlichen montanen Landesteilen des Irak mehr als wahrscheinlich.

Aus den an die NO-Türkei angrenzenden russischen Gebieten liegen Nachweise aus Russisch Armenien (Kirip, Korg 1901 leg., in Museum Wırr), Eriwan und Nachit- chewan (Zool. Staatsslg. München) vor.

Das Vorkommen von bischoffi in Persien wird durch Exemplare aus dem Elburs- Gebirge (ex coll. Preırrer, in Zool. Staatsslg. München) belegt. Als Ostgrenze ihrer Verbreitung darf für bischoffi wohl das persisch-russische Kopet Dagh angenommen werden.

Je nach Höhenverbreitung setzt die Flugzeit der Art Mitte Juni (850 m) bis Mitte August (2000 m) ein. Die Art, die an Gräsern zur Entwicklung gelangt, ist univoltin.

Das Taxon nigrolimbata Staupincer [1892] 1891 bezeichnet lediglich eine infrasub- spezifische Form von bischofft.

Zu Ch. egina:

Nach bisherigen Kenntnissen beschränkt sich das Vorkommen dieser Art auf östli- che Gebiete Kleinasiens, wo egina aus den Provinzen Malatya, Elazig, Tunceli und Van bekannt war (vgl. hierzu Rose 1986). Nach Durchsicht einer Aufsammlung des Herrn J. Paczs, Rennes, kann der Erstautor zwei weitere Nachweise für egina aus der Provinz Adiyaman vermelden: Nemrut Dag$i, 1800 m, 1.8.86 bzw. 20 km N Nemrut Dagi, 1200 m, 2.8.86, leg. Packs.

Die Art lebt in mittleren Lagen von 600 m bis 1400 m; wie bischoffi, mit der sie syn- top auftreten kann, besiedelt sie trockenwarme Habitate. Die Flugzeit der Art setztin den letzten Junitagen ein und dauert bis Mitte August. Nach Rose (1986) erscheint egina bei gemeinsamem Vorkommen mit bischoffi früher als diese.

Auch Ch. egina ist einbrütig.

Zu Ch. staudingeri:

Die Art ist nach Tieren aus dem Pamir (Pendschakent) beschrieben worden. Über sie wissen wir insgesamt noch recht wenig. Als Verbreitungsgebiet kristallisiert sich neben nordostafghanischen Gebieten (Badakshan, Baghlan) der Tian Shan und die turkmenischen Gebiete bis zum Kirgisischen Alatau (Alexandergebirge, Exemplare in Zool. Staatsslg. München) heraus. Ch. staudingeri besiedelt laut Fundortangaben zumindest Höhenlagen von 1900-2300 m. Auch sie findet man in trockenwarmen Landschaftsbereichen. Die Flugzeit von staudingeri ist mit der von Ch. bischoffi iden- tisch.

Zu Ch. kaufmanni:

Als Heimat dieser Art wird Turkestan angegeben. Sichere Nachweise liegen aus dem Hissar-Gebirge (Tadshikischer Pamir), aus Dscharkent, dem Ili-Gebiet sowie dem Tian Shan vor. Angaben über ihre Höhenverbreitung fehlen bisher. Gleiche Fundortangaben lassen darauf schließen, daß kaufmanni zumindest sympatrisch mit staudingeri vorkommt.

Zu weiteren Taxa des bischoffi-Komplexes:

Aus Turkestan wurde sieversi ChristopH 1885 mit f. obscurior STAUDINGER 1887 be- schrieben. Mit ziemlicher Sicherheit stellt sieversi Christ. jedoch nur ein jüngeres Synonym zu Chazara kaufmanni Erscn. dar.

Exemplare aus dem Fergana (Usbekistan) bildeten die Grundlage zur Beschreibung der sartha StaupinGer 1886 (= gultschensis Grum-GssHimaıLo 1890). Dabei dürfte es sich ebenso um ein jüngeres Synonym zu staudingeri handeln wie bei dem Taxon tad-

10

jika Grum-GssHimaıo 1890 (= sartha Grum-Grshimamo 1890, Synonym zu tadjika Grum-GrsHimaıLo 1890 bzw. ungültiges Homonym zu sartha Ster.), dasnach Tieren aus Buchara (Usbekistan) aufgestellt wurde.

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Anschrift der Verfasser:

Josef J. DE FREINA, Eduard-Schmid-Str. 10, D-8000 München 90 Bernd Aussem, Gruberstraße 6, D-8011 Großhelfendorf

Über Trennungsmerkmale und die Verbreitung von Cilix glaucata (Scopoli, 1763) und Cilix asiatica Bang-Haas, 1907

(Lepidoptera, Drepanidae)

Distinguishing features and distribution of Cilix glaucata (Scororı, 1763) and Cilix asiatica Bang-Haas, 1907 (Lepidoptera, Drepanidae).

Von Josef J. de FREINA und Thomas J. WITT

Abstract

Cilix glaucata (ScoroLı 1763) and Cilix asiatica BAnG-HaAs 1907 are discussed in the view of their differences in habitus and genitalia. The geographical distribution of both species is dealt with.

Einleitung

Die von Warson (1968) durchgeführte Revision der Gattung Cilix Leac# 1815 läßt die Frage nach den Trennungskriterien von Cilix glaucata (Scorouı 1763) und Cilix asia- tica BanG-Haas 1907 offen. Zudem werden keine Angaben zur Verbreitung der beiden Arten diskutiert, so daß weder die östliche Verbreitungsgrenze von Cilix glaucata noch die Gesamtverbreitung und damit die westliche Verbreitungsgrenze von Cilix asiatica bekannt sind.

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Die Typenserie von Cilix asiatica besteht aus mehreren Exemplaren, als deren Pro- venienz „Syrien“, „Mardin“ und „Amasia“ angegeben ist (siehe BanG-Haas 1907). Der locus typicus ist nicht festgelegt. Warson (1968) gibt als Verbreitungsgebiet „Middle East“ an.

In Kleinasien treffen mehrere Faunenelemente aufeinander und zahlreiche Arten greifen von Kleinasien auf Südosteuropa bzw. von Europa auf das nördliche und westliche Kleinasien über. Daher durfte man ein Vorkommen von Cilix asiatica in Südosteuropa generell nicht ausschließen. Ebenso erschien aus zoogeographischer Sicht das gängige Verbreitungsbild von Cilix glaucata unlogisch, wonach die Art am Bosporus abrupt seine östliche Verbreitungsgrenze haben sollte.

Zwar werden von pe Freına (1979: 214, 1981: 58, 1983: 117) alle kleinasiatischen Ci- lix-Individuen mangels Untersuchungen provisorisch Cilix asiatica zugeordnet, aber bereits 1979 weist dieser Autor auf Mängel in der Kenntnis über die geographische Abgrenzung von Cilix glaucata und Cilix asiatica hin.

Die Trennungskriterien von C. glaucata und C. asiatica:

Aus dem reichhaltig vorliegenden Sammlungsmaterial europäischer und vorder- asiatischer Cilix-Individuen wurden 27 Exemplare ex coll. Wırr einer genitalmorpho- logischen Untersuchung unterzogen. Aufgrund der von den Verfassern erarbeiteten, weiter unten dargestellten Trennungskriterien, lassen sich die Tiere eindeutig jeweils einer der beiden Arten zuordnen.

Als zu Cilix glaucata ScoP. gehörig erwiesen sich Tiere folgender Provenienzen:

1 c Bavaria mer., Gräfelfing, 22.5.1950, leg. F. DAnIEL (Gen. Präp. Nr. 2762).

2 0'O" Austria, Burgenland, Kohfidisch, 660 m, 14.-15.8.1966, leg. T. Wırr (Gen. Präp. Nr. 2763 und 2764).

2 0'C' Shar planina, Pena Flußb. Brodec, 1100 m, 16.-19.7.1939, leg. DANIEL, FORSTER, PFEIFFER (Gen. Präp. 2765 und 2766).

1 © Macedonia centr., Shar Planina, Vratnica, 900 m, 29.6.-5.7.1955, leg. F. DANIEL (Gen. Präp. Nr. 2767).

1c© Macedonia ctr., Drenovo b. Kavadar, 200-800 m, 1.- 9.7.1956, leg. F. DANIEL (Gen. Präp. Nr. 2785).

3 0’O' Hungaria or., Nyirbator (Batorliget), 29.7.-14.8.1934, leg. F. DAnıEL (Gen. Präp. Nr. 2789, 2790, 2791).

1c Bulgaria c., Sistov, 20.-30.7.1933, leg. Fuss, ex coll. DAnIEL (Gen. Präp. Nr. 2783).

12 Sardinia sept., Umg. Tempio Pausania, Monte Limbara, 1000-1200 m,18.—-19.9.1974, leg. SOMMERER, WITT (Gen. Präp. Nr. 2784).

1cC' Kleinasien, SW-Anatolien, Sultan Dagh, Umg. Aksehir, 1000-1500 m, 1.7.-17.7.1976, leg. DE FREINA (Gen. Präp. Nr. 2768).

1cC Kleinasien, SW-Anatolien, Edegöl Dagh, Aksu/Egridir, 1200-1400 m, 19.- 26.5.1976, leg. DE FREINA (Gen. Präp. Nr. 2769).

1c Anatolien, Kicilcahamam, 10.1970, leg. PINKER (Gen. Präp. Nr. 2770).

Zu Cilix asiatica B. H. gehören:

2 0'C' Syria sept., Taurus, Marasch (= Maras), 6-900 m, 3.1930, leg. einheim. Sammler (Gen. Präp. Nr. 2786 und 2771).

2 0’O' Syria sept., Taurus, Marasch, 1000-1500 m, 10.-25.6.1929, leg. PFEIFFER, ex coll. DANIEL (Gen. Präp. 2772 und 2788).

1c' Kleinasien, Prov. Nevsehir, Göreme-Tal, 10.9.1983, leg. HACKER (Gen. Präp. Nr. 2782).

1cd Kleinasien, Prov. Hakkari, Tanin Tanin-Paß, 2000 m, 3.-5.7.1983, leg. W. THoMmAs (Gen. Präp. Nr. 2781).

1cC Kleinasien, Prov. Hakkari, Sat Dag., vic. Varagöz, 1850-2000 m, 21.- 24.7.1983, leg. DE FREINA (Gen. Präp. Nr. 2780).

3 d'CO’ Libanon, Bscharre, 1300 m, 15.-30.6.1931, leg. E. PFEIFFER (Gen. Präp. 2773,2774, 2787).

19 NW-Iran, Talysh, westl. Astara, 1600 m, 7.8.1978, leg. W. THoMmas (Gen. Präp. Nr. 2775).

19 Persia sept., Elburs mts. c. s., Tacht-i-Suleiman, Sardab-Tal (Vandarban), 1900-2200 m, 10.-14.7.1937, leg. E. PFEIFFER, W. FORSTER (Gen. Präp. Nr. 2776).

19 (alle Tiere in Museum WITT, München)

12 1. Die habituellen Unterscheidungsmerkmale:

Betrachtet man den Habitus kleinasiatischer Tiere, die ja innerhalb der Problem- stellung von besonderem Interesse sind, so würden weder Zeichnung noch Färbung der Falter Anhaltspunkte dafür geben, daß wir neben Cilix glaucata noch eine weitere Art vorliegen haben. Ein erster deutlicher Hinweis auf das Vorhandensein zweier Ar- ten ergibt sich aber bereits nach Untersuchung der Fühler (siehe Abb. 1 und 2).

Unterschiede im Fühlerbau sind wie folgt zu beschreiben: glaucata asiatica

Gliederform massiv, deutlich gegen das schlanker, kürzer, weniger nächste Glied abgesetzt. abgesetzt.

Paarige Fiederung schlank keulenförmig, an kürzer, dafür massiver, an der Basis dünn. der Basis kaum dünner als im oberen Drittel.

Abb. 1,2: Fühlerbau von 1) Cilix glaucata Scor. (Präp. 2765, Mazedonien, Shar Planina) und 2) Cilix asiatica B. H. (Präp. 2772, Südosttürkei, Maras).

Abb. 3: O-Genitalarmatur (a) von Cilix glaucata Scor., lateral, mit 8. Tergit (b). (Gen. Präp. Nr. 2763, Burgenland, Kohfidisch).

Abb. 4: O’-Genitalarmatur (a) von Cilix asiatica B. H., lateral, mit 8. Tergit (b). (Gen. Präp. Nr. 2774, Libanon, Bscharre).

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2. Die genitalmorphologischen Unterschiede.

Während die beiden Arten habituell lediglich im Fühlerbau differieren, zeigen sie dagegen in der Genitalmorphologie überraschend deutliche Unterschiede (siehe Abb. 3 und 4).

Innerhalb der Gattung Cilix Leac# 1815 finden sich so reichhaltige, zwischen den Arten bzw. Artengruppen so deutlich voneinander abweichende Genitalstrukturen, daß eine Unterteilung der Artenkomplexe in Untergattungen durchaus vertretbar wäre.

Im Falle glaucata-asiatica zeigen sich im Q-Genital nicht nur in der Form des Un- cus, der Valven, des Penis sowie des 8. Tergits Unterschiede; viel auffallender ist beim asiatica-J-Genital das Vorhandensein zweier symmetrisch angeordneter, skleroti- sierter und mit Haarbüscheln bestückter Lappen, die sicherlich als Pheromonträger fungieren dürften. Diese fehlen bei C. glaucata völlig.

Die aus den Abbildungen 3 und 4 ersichtlichen deutlichen Unterschiede erlauben eine eindeutige und problemlose Determination. Deshalb können anhand des unter- suchten Materials auch präzisere Angaben über das Verbreitungsbild beider Arten gemacht werden.

Bei Cilix glaucata handelt es sich um eine Art mit holomediterranem Verbreitungs- typus, dieneben den bekannten europäischen und russischen Lebensräumen auch im westlichen und nördlichen Kleinasien verbreitet ist und dort vermutlich ihre Ost- grenze erreicht (siehe Abb. 5).

Nach den bisherigen Erkenntnissen schließen sich Cilix glaucata und Cilix asiatica geographisch aus. Cilix asiatica ist ein iranisches Faunenelement, das sich ausschließ- lich auf die östlichen und südöstlichen Regionen der Türkei, auf Nordsyrien und den Nordirak, den Libanon und weite Teile Persiens (sie besiedelt zumindest Nordpersien einschließlich dem Elbursgebirge und dem Talysh) beschränkt. Im Osten wird sie in Afghanistan von Cilix depalpata Srrann 1913 abgelöst. Die Westgrenze ihrer Verbrei- tung ist noch nicht endgültig geklärt, Erfahrungswerte mit anderen iranischen Fau- nenelementen lassen jedoch auf das in Abb. 5 gegebene Verbreitungsbild schließen.

4 Slaucata

W asiatica 8

Abb. 5. Die Verbreitungsbilder von Cilix glaucata Scor. und Cilix asiatica B. H. auf dem SE- Balkan und in Kleinasien.

Cilix glaucata: Cilix asiatica:

1+2. Makedonien, Shar Planina 6. Nevsehir 7. Maras

3. Prov. Ankara, Kicilcahamam 8. Libanon, Bscharre

4. Aksu/Egridir, Edegöl-Dagh 9. Hakkari, Tanin Tanin-Paß

5. Aksehir, Sultan Dash 10. Hakkari, Sat Dagh., vic. Varagöz Zusammenfassung

Cilix glaucata (ScoroLı 1763) und Cilix asiatica Banc-Haas 1907 werden in Hinblick auf ihre Unterscheidungskriterien in Habitus und Genitalmorphologie diskutiert. Die geographische Verbreitung beider Arten wird behandelt.

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Literatur

BanG-Haas, A. (1907): Neue oder wenig bekannte palaearctische Macrolepidopteren. — Dt. ent.

Z. Iris 20: 69—88.

FREINA, J. DE (1979): 1. Beitrag zur systematischen Erfassung der Bombyces- und Sphinges-Fauna Kleinasiens. — Atalanta 10: 175-224.

FREINA, J. DE (1981): 2. Beitrag zur systematischen Erfassung der Bombyces- und Sphinges-Fauna Kleinasiens. — Atalanta 12: 18-63.

FREINA, J. DE [1983] (1982): 4. Beitrag zur systematischen Erfassung der Bombyces- und Sphin- ges-Fauna Kleinasiens. Neue Kenntnisse über Artenspektrum und Nomenklatur sowie Be- schreibungen neuer Taxa (Lepidoptera). — Mitt. Münch. Ent. Ges. 72: 57-127.

GAEDE, M. (1931): Lepidopterorum Catalogus (Hrsg. E. STRAND), Pars 49: Drepanidae. — W. JunK, Berlin.

Warson, A. (1968): The Taxonomy of the Drepaninae represented in China, with an account of their World Distribution (Lepidoptera: Drepanidae). — Bull. Brit. Mus. (Nat. Hist.), Ento- mology, Suppl. 12:1-151.

Anschrift der Verfasser: Josef J. DE FREINA, Eduard-Schmid-Straße 10, D-8000 München 90 Thomas J. WıTT, Tengstraße 33, D-8000 München 40

Anthaxia niehuisi sp. n., eine neue Anthaxia aus der Türkei (Coleoptera, Buprestidae) Anthaxia niehuisi sp.n., anew Anthaxia from Turkey (Coleoptera, Buprestidae).

Von Peter BRANDL

Abstract

Anthaxia (Haplanthaxia) niehuisi sp.n. is described from material collected in Southern Tur- key. Its morphological characters place it near Anthaxia olympica KIESENWETTER and Anthaxia fulgidipennis Lucas. The differentiation is given.

Die Erforschung der Buprestidenfauna der Türkei kann für die vergangenen Jahre interessante Ergebnisse aufweisen. So wurde allein das Spektrum des Genus Antha- xia EschscHorLz um eine Reihe bemerkenswerter neuer Arten erweitert. Davon mögen an dieser Stelle genannt werden: A. (Haplanthaxia) cavazzutü Bıry, 1979, A. (Melan- thaxia) scurra Bıry, 1982, A. (Melanthaxia) bilyi Currerri, 1984, A. (Melanthaxia) mas- culina Bırx, 1984, A. (Melanthaxia) meregallii CurLerri et Macnanı, 1985.

Auch die Ausbeute an Buprestiden einer Sammelreise des Sommers 1985 in die süd- liche Türkei von Dr. M. Nienuvıs, Albersweiler, enthielt eine umfangreiche Serie einer unbekannten Anthaxia des Subgenus Haplanthaxia Reırter. Die Art war dem For- menkreis der olympica-Gruppe zuzuordnen. Es ergab sich bei eingehender Untersu- chung aller nächstverwandten Arten, daß eine für die Wissenschaft neue Species vor- lag, deren Beschreibung im folgenden niedergelegt wird.

Anthaxia (Haplanthaxia) niehuisi sp. n.

Recht kleine Art; Oberseite blau, schwarz und bronzefarben metallisch gefärbt; Ha- bitus siehe Abb. 1.

Augen stark vorgewölbt. Stirn flach, höchst fein und spärlich weiß behaart, blau- grün glänzend, Struktur aus rundlichen Zellen mit flachen Zentralkörnchen. Fühler schwarzgrün metallisch, lang und dünn, siereichen bis zum Hinterrand des Halsschil-

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Abb. 1 Habitus von Anthaxia niehuisi SPanA@; 8

Abb.2 a-c Hinterschiene von a A. niehuisisp.n. CO’ b A. olympica Kızsw. JO e A. fulgidipennis Luc. © d-f Skulptur des Halsschildes, Ausschnitt jeweils rechts der Mitte A. niehuisisp.n. A. olympica KıEsw. A. fulgidipennis Luc Aedoeagus von A. niehuisisp.n.

arm

des zurück; ab dem 3. Fühlerglied leicht kelchförmig verbreitert, letztes Glied spitz- oval.

Halsschild so breit wie die Flügeldecken, oben flach gewölbt; der Seitenrand gleich- mäßig verrundet, vor den Hinterecken seitlich leicht eingezogen und oben flach einge- drückt. Struktur aus großen, eckig genetzten Zellen mit sehr flachen, unregelmäßigen Zentralkörnchen und feinen Nabelpunkten (Abb. 2d). Scheibe ausgedehnt schwarz gefärbt; Randbereich in variablem Umfang blau metallisch glänzend.

Schildchen schwarz, herzförmig.

Flügeldecken rötlich bronzefarben glänzend, am Vorderrand blaugrün; spärlich, kurz weiß behaart; Seiten hinter den Schultern deutlich eingezogen und zur Spitze sich stetig verschmälernd; Apex gleichmäßig gerundet und kräftig gezähnelt.

Beine und Tarsen blauschwarz. Basalglied der Hintertarsen so lang wie die zwei nächstfolgenden zusammen. Innenseite der Mittelschienen vor der Spitze mit einer deutlichen Einkerbung. Besonders auffallend die Ausbildung der Hinterschienen: der

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Innenrand besitzt vor der Spitze einen stark vorgezogenen Zahn, der in leicht gezack- ter Ausrandung zur starken Innenspitze ausläuft (Abb. 2a).

Unterseite schwarzblau, spärlich, kurz weiß behaart; fein genetzt chagriniert. Analsternit vor der Spitze flach eingedrückt; Rand hier glatt, seitlich davor leicht ge- zähnelt. Seiten der Hinterhüften stark zahnförmig ausgezogen.

Aedoeagus einfach lanzettförmig, mit kleiner, vorgezogener Spitze; die Parameren zur Spitze sich gleichmäßig verjüngend (Abb. 2g).

Geschlechtsdimorphismus: Die Q 9 stets mit schwarzer Stirn; Fühler um 1/4 kürzer und feingliedrig; Mittel- und Hinterschienen gerade, ohne Auszeichnungen am In- nenrand.

Länge: 3,3-5,1 mm, (Holotypus 4,0 mm).

Holotypus: ©, S-Türkei, Termessos, Prov. Antalya, 16.-19.7.1985, leg. M. Nıeruis.

Allotypus: 9, dieselben Daten.

Paratypen: 197 O’CO’ und 9, dieselben Daten.

Holo- und Allotypus in der Sammlung Branpr, Kolbermoor.

Paratypen in der Zoologischen Staatssammlung (München), im National-Museum (Prag), im Zoological Institute, Acad. of Sciences USSR (Leningrad), im Museo Civico di Storia Naturale (Carmagnola) und in den Sammlungen MÜünrr (Pfaffenhofen), NıeHuis (Albersweiler), NOovAK (Wien) und BraAnDı (Kolbermoor).

Zur Bionomie: Nıenuis fand die Art zahlreich auf den Blütenständen einer ihm nicht bekannten, gelbblühenden Umbellifere sitzend. Die Fraßpflanze der Larven ist unbe- kannt.

Derivatio nominis: Ich erlaube mir, die neue Art nach ihrem Entdecker und ver- dienstvollen Kollegen in rebus buprestidarum Dr. Manfred Niernuss, Albersweiler, zu benennen.

Im diagnostischen Vergleich ist Anthaxia niehuisi sp. n. zwischen die ähnlich ge- färbten Arten Anthaxia olympica KırsenwErter 1881 und Anthaxia fulgidipennis Lucas 1846 einzuordnen. Beide Arten sind durchschnittlich jedoch wesentlich größer mit Längen zwischen 6-8 mm. Deutlich unterscheidet sich die neue Art besonders in der Struktur der Halsschildskulptur (Abb. 2d-f) und in den Auszeichnungen an den Hinterschienen der J’Ü’ (Abb. 2a-c).

Abschließend möchte ich an dieser Stelle meinem Freund Dr. M. Nirruıs besonders danken für die Überlassung des vorliegenden Materials zur Bearbeitung. Dank ge- bührt auch Dr. S. Bıry vom National-Museum, Prag, für wertvolle Hinweise und die Überprüfung von Typenmaterial im Zusammenhang mit der Anfertigung dieser Ar- beit.

Literatur

OBENBERGER, J. (1916): Holarktische Anthaxien. Beitrag zur Monographie der Gattung. — Archiv Naturg. 82. Abt. A, Berlin.

RICHTER, A. (1949): Fauna SSSR, XIII, 2. Buprestidae, Moskau-Leningrad.

SCHAEFER, L. (1949): Les buprestides de France, Paris.

THERY, A. (1928): Etudes Sur Les Buprestides De L’Afrique Du Nord. — Mem.d.1.Soc.d.Sc. Nat. d. Maroc, No. XIX, Paris-Rabat.

Anschrift des Verfassers: Peter BrAnnı, Spielhahnstr. 11, D-8208 Kolbermoor

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Neue Thaumaleidennachweise aus dem Mittelmeerraum, nebst Beschreibung zweier neuer Arten (Diptera, Thaumaleidae)

Von Rüdiger WAGNER

Einleitung

Die Thaumaleidenfauna Europas ist mit nunmehr etwa 80 beschriebenen Arten die bestbekannte der Erde. Es gibt aber noch immer eine ganze Reihe von Regionen, deren Artzusammensetzung noch nicht hinreichend erkundet ist. Dazu zählen vor allem die großen Inseln des thyrrhenischen Meeres, Korsika, vor allem aber Sardinien und Sizi- lien. Die Festlandsfaunen der Iberischen Halbinsel, Nordafrikas und der Apenninen- halbinsel sind durch die Veröffentlichungen von Bezzı (1913), Schmp (1951, 1958), VaıLLant (1953, 1968, 1970, 1981) und Wacner (1981) hinreichend bekannt. Für die Insel Mallorcaliegt der Nachweis von Protothaumalea algira (Vaillant) vor, und für die kor- sische Dunkelmückenfauna gibt es eine recht ausführliche Darstellung von VAILLANT (1970). Hinweise auf Thaumaleiden von Sardinien, Sizilien und aus Tunesien sind rar oder nicht vorhanden.

Die Reisen von Herrn Doz. Dr. H. MarLıckv, Lunz am See, in den Mittelmeerraum ha- ben auch in diesem Gebiet zu erneuten Nachweisen bekannter Arten geführt, siehaben aber auch zwei weitere, für die Wissenschaft neue Spezies zutage gefördert. Über diese Arten und ihre Verbreitung soll im Folgenden kurz berichtet werden.

Für die Überlassung des Materials, das sich vollständig in meiner Sammlung an der Limnologi- schen Flußstation Schlitz befindet, möchte Herrn Doz. Dr. Hans MALIckY herzlich danken.

Nachgewiesene Arten

Protothaumalea algira Vaillant

Material: 10,2 9, Tunesien: 3 km südlich Hammam Bourgiba, 8°30'/36°41’,460 m, 15.5.1982; 1cC, 4 km südlich Ain Draham, 8°40'/36°43', 530 m, 17.-18.5.1982.

Protothaumalea tarda (Loew)

Material: Frankreich, Korsika: 19, südlich Lac de Barrage de l’Ospedale, 9°12'’/41°39’, 12.6.1981; 19, 7 km östlich Zonza, 9°13’/41°44’, 760 m, 13.6.1981; 19, 4 km östlich Zonza, 9°12’/41°45’, 760m, 13.6.1981; 10, Restonica beim Campingplatz, 9°06’/42°16’, 600 m, 16.6.1981; 10, 4 km östlich Zonza, 9°12’/41°45’, 760 m, 17.10.1981.

Italien, Sizilien: 10°, 7 km nordwestlich Francavilla, 15°06’/37°56’, 480 m, 13.5.1982; 10), ebendort, 13.6.1982.

Verbreitung: Die beiden bisher bekannten Protothaumalea- Arten sind im Bereich des thyrrenischen Raumes verbreitet. Neben den hier vorgelegten Nachweisen von P. algira ist diese Art von der Insel Mallorca sowie aus Algerien bekannt. Protothau- malea tarda wurde schon in den 30er Jahren auf den Inseln Korsika und Sizilien ge- sammelt. Auffällig ist, daß sie bisher noch nicht auf dem europäischen Festland nach- gewiesen werden konnten. So fehlen trotz der intensiven Nachforschungen von ScHMmIp und VaıLLant bisher Nachweise von Protothaumalea algira vom spanischen Festland, obwohl sie auf der Insel Mallorca verbreitet ist. Ebenso fehlen auf der anderen Seite Nachweise von Protothaumalea tarda von der Insel Sardinien sowie vom italienischen

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Abb. 1: Bekannte Verbreitungsgebiete von Protothaumalea algira (VAILLANT) (senkrecht schraffiert) und P. tarda (LoEw) (waagerecht schraffiert).

Festland. Zumindestens aus Sardinien, wenn nicht auch vom italienischen Festland sollte diese Art zu erwarten sein. Die bisher bekannten Verbreitungsgebiete sind in Abb. 1 dargestellt.

Thaumalea restonicana Vaillant

Material: Frankreich, Korsika, 10°, Restonica bei Campingplatz, 9°06’/42°16’, 600 m, 16.6.1981; 20°, 19, 10 km südwestlich Calacuccia, 8°56’/42°18’, 1000 m, 17.6.1981.

Verbreitung: T. restonicana Vaillant ist ein Endemit der Insel Korsika.

Thaumalea sandaliae sp. n. (Abb. 2-5)

Material: (Holotypus) 10°, Italien, Sardinien: nördlich Desulo, am Rio Aratu, 9°15’/40°02', 970 m, 29.5.1981, leg. Malicky; 29, Paratypen, ebendort, 29.5.1981, leg. Malicky.

Beschreibung: Kopf dunkel, Antennen und Mundwerkzeuge braungelb. Thorax mit orangegelber Grundfarbe, Musterung wie bei vielen anderen Arten, lateral am Meso- notum je ein Paar dunkle Vierecke. Mesopleuren hellbraun. Beine gelb. Körperlänge: 9 5 mm; 0° 3,5 mm. Flügellänge: 9 5 mm, C’ 4 mm.

Genitalien ©: 9. Tergum in ventraler Ansicht oval, ohne auffallende Spitzen. Basi- styli fast 3mal so lang wie ihre größte Breite. Etwa in der Mitte der Basistyli befindet sich eine tiefe laterale Einbuchtung, während in der gleichen Höhe an ihrer Dorsalseite zwei innere Spitzen vorspringen. Die Dististyli besitzen einen zylindrischen Basalteil, der etwa zwei Drittel ihrer Länge ausmacht, der Distalteil ist sehr viel schlanker, nach innen gebogen, und besitzt zwei deutliche Spitzen. Der innere Anhang der Basistyli ist lang und schlank und weist distad; er besitzt 6-7 sehr deutliche lange spitze Fortsätze.

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Abb. 2-5: Thaumalea sandaliae sp.n.:2-C’ Genital ventral; 3- C’ Genital lateral (Parameren gerastert); 4— ? Genital ventral; 59 Genital lateral.

Seine Spitze reicht etwa bis in Höhe des Endes der Basistyli. Die Parameren sind in seitlicher Ansicht sehr schlank, in Ventralansicht wirken sie aber außerordentlich flä- chig, sie zeigen zwei distad weisende Spitzen. Die Cerci sind in der Seitenansicht deut- lich und etwa halbkreisförmig.

Genitalien 9: Das für die Unterscheidung der ® wichtige 9. Sternum zeigt in latera- ler Ansicht zwei deutliche äußere Spitzen, während der Innenteil relativ stumpf endet und leicht beborstet ist. Das 9. Tergum zeigt ebenfalls eine abwärtsweisende distale untere Spitze. In der Ventralansicht werden auch die Spitzen des 9. Tergums sichtbar, die nach innen etwa in Richtung der Cerci weisen. In der Mitte des 9. Sternums wird ein tiefer rechteckiger Einschnitt deutlich, von dem links und rechts die entsprechenden beborsteten Spitzen liegen, an den beiden lateralen Seiten zeigen sich sehr lange distad weisende Spitzen, die dem Teil entsprechen, der in Lateralansicht zweispitzig er- scheint.

Verwandtschaftsbeziehungen: Die Form der inneren Anhänge der Basistyli mit ihrer langen Bedornung zeigen, daß T. sandaliae sp. n. mit den Arten aus der Thaumalea serrata-Gruppe verwandt ist. Die geringe Komplexität der inneren Anhänge der Basi- styli und ihre deutliche und lange Bedornung sowie die Form der Parameren unter- scheiden diese sardische Art von allen anderen.

Verbreitung: T. sandaliae sp. n. ist mit großer Sicherheit ein Endemit der Insel Sar- dinien.

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Thaumalea appendiculata sp. n. (Abb. 6-7)

Material: (Holotypus), 10, Italien, Sizilien: südlich San Theodoro, 40°41’/37°15’, 790 m, 16.5.1981, leg. Malicky.

Beschreibung: Kopf braunschwarz, Antennen und Mundwerkzeuge braungelb. Beine hellgelblich. Thorax und Mesopleuren sowie Mesonotum braun. Flügellänge: 4,5 mm; Körperlänge: 4 mm.

Genital: Das 9. Tergum erscheint in der Ventralansicht abgerundet quadratisch. In Seitenansicht ist am Distalende ein deutlich ventral zeigender, ebenfalls quadrati- scher Anhang zu erkennen. Er hat eine deutliche Spitze, die nur in Ventralansicht zu erkennen ist. Die Basistyli sind etwas mehr als doppelt so lang wie ihre größte Breite. Die Dististyli sind kurz mit einem kugeligen basalen Teil, der distale Teil ist leicht ge- bogen und besitzt an der Spitze 3 deutliche Dornen. Basal an den Basistyli inserieren zweileicht gebogene Anhänge, deren Spitzen in Seitenansicht ventrad weisen. Die Pa- rameren sind in Seitenansicht kurz und zweispitzig, in Ventralansicht erscheint ein deutlich ausgebildeter basaler Teil, der mit einem Knick in einen rechteckigen Distal- teil übergeht. Die Spitzen beider Parameren überlagern sich leicht in der Mitte.

Verwandtschaftsbeziehungen: Es ist im Moment nicht eindeutig zu klären, zu wel- cher, der bisher bekannten Artengruppen diese neue Art gehört. Möglicherweise steht sie der T. verralli-Gruppe sehr nahe. Von ihren Arten unterscheidet sie sich aber deut- lich durch die kurzen ungezähnten inneren Anhänge der Basistyli.

Verbreitung: T. appendiculata ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Endemit der Insel Sizilien.

Die hier vorgestellten Arten zeigen offensichtlich nur geringe Verbindungen mit der Fauna des europäischen Festlandes. Es handelt sich hierbei möglicherweise um seit erdgeschichtlich längeren Zeiten isolierte Vorkommen auf den, den Festländern vor- gelagerten Inseln. Als Gegenbeispiel dazu kennen wir die Verbreitung der verwandten Arten von T. veletensis, die zum Teil in Nordafrika, auf der Iberischen Halbinsel und von dort aus bis weit in das westliche Mitteleuropa hinein verbreitet sind.

Abb. 6-7: Thaumalea appendiculata sp.n.:6-0’ Genital ventral 7-0’ Genital lateral (Parame- ren gerastert).

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Literatur

BEzzı, M. (1913): Thaumaleidi (Orfnefilidi) Italiani.- Boll. Lab. Zool. gen. agr. Portici 7, 227-266.

EDWARDS, F. W. (1929): A revision of the Thaumaleidae (Diptera). — Zool. Anz. 82, 121-142.

SCHMID, F. (1951): Notes sur quelques Thaumaleidae suisses et espagniols. — Bull. Inst. R. Sci. nat. Belg. 27, 1-6.

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WAGNER, R. (1981): Thaumaleiden aus dem Mittelmeergebiet (Diptera). — Spixiana 4, 143-152.

Anschrift des Verfassers: Dr. Rüdiger WAGNER,

Limnologische Flußstation des Max-Planck-Instituts für Limnologie, Postfach 260, D-6407 Schlitz.

Pachychila denticollis sp. n. aus Südspanien

(Coleoptera, Tenebrionidae)

Pachychila denticollis sp. n. from Southern Spain (Coleoptera, Tenebrionidae).

Von Roland GRIMM

Abstract

Pachychila denticollis sp. n. from Southern Spain is described. The new species is compared with P. dejeani SoL., P. servillei SoL., P. sublunata SoL., P. glabella HErgst and P. freyi Koch. P. denticollis sp.n. is closely allied with P. glabella, P. freyi and P. sublunata but differs from all three species by two toothlike processes in the middle of the base of the pronotum and by separa- tely terminating and mucronate elytra.

Einleitung

Im Frühjahr 1981 brachten mir die Kollegen Dr. B. und M. Bazar (München) eine 83 Arten umfassende Tenebrionidenausbeute aus Spanien mit. Darunter befanden sich zwei Exemplare einer Pachychila-Art aus Andalusien (Prov. Almeria, Cabo de Gata), bei der die Basalrandung des Halsschilds in der Mitte mit zwei nach hinten vor- springenden Zähnchen versehen ist und die einen dreieckigen Clypeus besitzt. Wäh- rend man mit den Bestimmungstabellen von PEvErımHorr (1927) und Espanor (1944), wegen des dreieckigen Clypeus nur mit Einschränkung zu P. germari kommt, führen die Tabellen von Reırtter (1900), Schuster (1919) und Antorme (1942) sicher zu P. ger- mari Sol. Auch Dr. F. Espaxor (Barcelona), der mir dankenswerterweise einen großen Teil der Ausbeute bestimmte, hielt die beiden Tiere für P. germari, eine nach Peverim- HOFF (1927) im westlichen Mediterraneum (Sardinien, Sizilien, Tunesien, Algerien, Marokko, Spanien) verbreitete Art. Während einer im Herbst 1984 nach Südspanien unternommenen Sammelreise wurden von mir drei weitere Exemplare dieser Pachy-

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chila-Art gefunden, und zwar ebenfalls auf dem Cabo de Gata. Beim Bestimmen fiel auf, daß diese durch die Ausbildung der Halsschildzähnchen sehr an P. germari erin- nern, ansonsten aber durch eine Reihe von spezifischen Merkmalen abweichen.

Auf die Beschreibung als neue Art wurde bislang verzichtet, denn im Jahre 1944 be- schrieb Koch Pachychila freyi von Roquetta (Rogetas de Mar), das dem Cabo de Gata, in einer Entfernung von nur etwa 40 km Luftlinie, auf der Westseite des Golfes von Al- meria gegenüberliegt. Nach der Beschreibung besitzt P. freyi zwar keine Zähnchen am Halsschildhinterrand, doch bestehen laut Koc# (1944) die engsten Beziehungen zu P. sublunata von den Balearen, bei der gelegentlich Individuen mit schwach bezahn- ter Halsschildbasis auftreten (Reıtrer 1900; Schuster 1919, 1921). Auch die Fundum- stände hielten mich zunächst von einer Neubeschreibung ab, denn sowohl P. freyi (Koch 1944) als auch die im folgenden neu zu beschreibende Art wurden in litoralen Dünen unter Pflanzen, im Sand vergraben aufgefunden. Inzwischen besorgte mir Herr Dr. G. Scherer (Zoologische Staatssammlung München) den im Museum Frey (Tutzing) befindlichen Typus von P. freyi, so daßich mich von der Verschiedenheit der beiden Arten überzeugen konnte.

Pachychila denticollis sp. n. (Abb. 1)

Holotypus: ©’ aus Südspanien, Prov. Almeria, Cabo de Gata, 4 km SW San Jose, 26.9.1984, leg. Grimm & Rachınsky in coll. Grimm.

Paratypen: Ebenfalls vom Cabo de Gata, 20°0°, 17.-19.4.1981, leg. B. & M. Barnr; 10',19,26.9.1984, leg. Grimm & Rachınsky. Sie befinden sich in coll. Grimm (20'0', 19) und in der Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (10°).

Diagnose: Schwarz, durch dichte Chagrinierung seidig matt. Kopf fein, zum Cly- peus etwas dichter als auf dem Scheitel punktiert. Augen aus der Seitenrandung des Kopfes kaum vorragend, ihr Hinterrand von den Schläfen vollständig umfaßt. Augen- leisten gut ausgebildet, über dem Hinterrand der Augen beginnend und sich nach vorne bis zum Außenrand der Stirngruben fortsetzend; letztere befinden sich hinter den Stirnstricheln. Fühler (Abb. 3) robust, zurückgelegt etwa die Mitte des Hals- schilds erreichend. Clypeus dreieckig, stumpfwinklig. Kehlfurche bis auf eine flache Grube in der Mitte reduziert. Halsschild quer, gewölbt; gleichmäßig, erloschener als der Kopf punktiert; die Seiten nach hinten stärker verengt alsnach vorn, Vorderecken

\ \

Abb. 1: Körperform von Pachychila denticollis sp. n. (Maßstrich = 2 mm).

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SS Teer 11 6 0,5mm 7

Abb. 2-3: Fühlerform und -größe. — 2: Pachychila germari, 3: P. denticollis sp.n. Abb. 4-7: Flügeldeckenenden. — 4.-6: Pachychila germari, 7: P. denticollis sp.n.

Abb. 8-11: Mitte der Halsschildbasis. 8: Pachychila servillei, 9: P. germari, 10: P. denticollis sp.n., 11: P. freyi.

abgerundet rechtwinklig; Hinterecken niedergedrückt, stumpfwinklig; bis auf eine kurze Unterbrechung in der Mitte des Vorderrandes vollständig gerandet; Hinterrand doppelbuchtig, in der Mitte mit zwei vorstehenden Zähnchen (Abb. 1, 10). Prosternum äußerst erloschen punktiert, Propleuren nahezu glatt, beide mit kräftiger Chagrinie- rung. Prosternalapophyse hinter den Vorderhüften niedergebogen. Flügeldecken wie der Halsschild äußerst erloschen punktiert, am Ende einzeln kurz zähnchenartig ver- längert (Abb. 1, 7); Basis ungerandet, da die Epipleuralrandung im Bereich der Schul- tern erlischt. Abdominalsternite unpunktiert, aber mit kräftigem Chagrin. Parame- ren siehe Abb. 12, 13. Länge: 9,5—-11 mm; Breite: 3,5—4 mm.

Differentialdiagnose: Wegen der Ausbildung von zwei zähnchenartigen Fortsätzen in der Mitte der Halsschildbasis weisen P. servillei Sor. (Abb. 8) und P. germari Sor. (Abb. 9) eine gewisse Ähnlichkeit zu P. denticollis sp. n. (Abb. 10) auf. Beide Arten unterscheiden sich jedoch von P. denticollis sp. n. durch eine Reihe von Merkmalen. So stehen bei dem korsosardischen Endemiten P. servillei die Zähnchen am Basal- rand des Halsschilds weiter auseinander (Abb. 8), die Vordertibien sind schlanker, der Clypeus ist nicht dreieckig, sondern abgerundet und die Flügeldecken sind an den Schultern mit einem kleinen Höcker versehen und am Ende gemeinsam abgerundet. P. germari stimmt mit P. denticollis sp.n. fast nur durch das Vorhandensein der Hals- schildzähnchen überein. Im Gegensatz zu P. denticollis sp.n. ist der Clypeus breit ab- gerundet, die Fühler (Abb. 2, 3) sind kürzer und dünner, die Basalrandung des Hals- schilds (Abb. 9, 10) ist im Bereich der Zähnchen unterbrochen und die Parameren sind zur Spitze stark gekrümmt und in der basalen Hälfte der Oberseite geschlossen (cf. PEyERIMHoFF 1927, Fig. 51). Die Flügeldeckenenden sind bei P. germari in der Regel gemeinsam abgerundet (Abb. 4) oder bilden zusammen einen stumpfen Winkel (Abb. 5), doch kommen auch Individuen mit einzeln zugespitzten Flügeldeckenenden (Abb. 6) vor.

P. denticollis sp. n. steht den Arten P. glabella Hesest, P. freyi Kocn und P. sublu- nata Sor. sehr nahe, unterscheidet sich aber von allen dreien durch die Basalzähnchen des Halsschilds (Abb. 10,11) und die einzeln zugespitzten Flügeldeckenenden (Abb. 7). Weitere Unterschiede zu P. sublunata bestehen in der tiefen und vollständi- gen Randung der Halsschildhinterecken, der nicht über die Vorderhüften vorge- streckten Prosternalapophyse und den, in Lateralansicht, nur sehr schwach geboge-

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nen Parameren (Abk. 12). Von P. glabella und P. freyi unterscheidet sich P. denticol- lissp.n. auch durch die äußerst feine und fast erloschene Punktur des Halsschilds, von P. glabella ferner durch glatte Halsschildpleuren und von P. freyi durch gut ausgebil- dete Augenleisten. Die männlichen Genitalien von P. sublunata, P. freyi und P. denti- collis sp. n. sind sich sehr ähnlich (Abb. 12-19), wobei die Parameren von P. sublu- nata durch ihre starke Krümmung abweichen (Abb. 18).

alla 141/15 16/ / 17 2

0,5mm 18

Abb. 12-19: Paramerenformen; 12, 14,16, 18 lateral; 13,15, 17,19 dorsal. — 12-13: Pachychila denticollis sp.n., 14.—-15: P. freyi, 16-17: P. glabella, 18-19: P. sublunata.

Danksagung

Frau Dr. B. Bacur (München) und Herrn Dr. M. Barkr (München) danke ich für die freundliche Überlassung von Tenebrionidenmaterial. Herrn Dr. G. Scherer (Mün- chen) sei für die Ausleihe von Material aus der Bayerischen Staatssammlung und vor allern für die Besorgung des Typus von Pachychila freyi Koch gedankt.

Zusammenfassung

Pachychila denticollis sp. n. aus Südspanien wird beschrieben und mit P. germari Sor., P. servillei Sor., P. sublunata Sor., P. glabella Hersst und P. freyi Koch vergli- chen. P. denticollis sp. n. steht den Arten P. glabella, P. freyi und P. sublunata sehr nahe, unterscheidet sich aber von allen dreien durch zwei zähnchenartige Fortsätzein der Mitte der Halsschildbasis und durch einzeln zugespitzte Flügeldeckenenden.

Literatur

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Wiederfund von Lophyridia aulica (Dejean, 1831) in Griechenland (Col., Cicindelidae)

13. Beitrag zur Kenntnis der Cicindelidae New record of Lophyridia aulica (Des. 1831) in Greece (Col. Cicindelidae). Von Jürgen WIESNER

Abstract

Lophyridia aulica (De».) is reported herein from Monemvasia vicinity, Peloponnese, Greece, the first actual record from Europe since eighty-four years.

W. Horn meldete im Jahr 1931 (p. 162, 163) den Fund von L. aulica (Des.) aus Süd- Griechenland als neu für die Sandlaufkäfer-Fauna Europas; der Sammler M. Horrz erbeutete die Tiere, etwa ein Dutzend, im Mai 1902 in der Nähe des Ortes Kardamyli (Lakonien, südlicher Peloponnes); die in Strandnähe gelegene, ca. 300 m? große Fund- stelle war durch die Brandung ausgewaschen und stark zerklüftet, mit verstreuten Felsresten und kleinen Sandflecken dazwischen; dort lief und flog aulica. In den seit- her vergangenen Jahren ist die Art nie wieder gefunden worden. F. Cassora berichtete 1973 (p. 37) sogar von der Zerstörung des historischen Fundortes. Für das Vorkommen von aulica auf dem Peloponnes fehlte seither jeglicher Nachweis.

In einer Bestimmungssendung des Staatlichen Museums für Naturkunde, Stuttgart, war nun dieser Nachweis enthalten, zwei O’O’ und ein 9 von aulica mit dem Etiket- tentext „GR: Peloponnes, 6 km S Monemvasia, 30.6.1986, T. Osten leg.“. Monemvasia liegt ebenfalls in Lakonien, jedoch weiter östlich, am Südostzipfel des Peloponnes. Dr. W. SCHAWALLER, Stuttgart, war so freundlich, eine Beschreibung der Fundstelle vom Sammler (dem Konservator für Hymenopteren am Naturkundemuseum Stutt- gart) zu erfragen; es handelt sich um einen Kiesstrand mit größeren Felsen und einge- streuten kleinen Sandflecken, wo die Käfer umherliefen und flogen. Beide Biotope ähneln einander sehr und die Vermutung liegt nahe, daß aulica an der Küste des mes- senischen und des lakonischen Golfs noch weiter verbreitet und in ähnlichen Bioto- pen aufzufinden ist.

Von Lophyridia littoralis nemoralis (OLwıer, 1790), die ebenfalls auf dem Pelopon- nes vorkommt, ist aulica leicht zu unterscheiden. Neben mehreren relativen Merkma- len (aulica ist kleiner, das Pronotum länger, die Elytren sind kürzer und flacher) bie- ten der Penis, das apikale Ende der Elytren und die Beine gute objektive Merkmale; der Penis von aulica hat apikal eine um ca. 90° abgewinkelte Spitze, die Penisspitze von nemoralis ist sanft bogenförmig ausgezogen; die Elytren von aulica sind apikal einzeln stark bogenförmig abgerundet und an der Mittelnaht kräftig nach innen ein- gezogen, die Elytren von nemoralis sind apikal nur wenig, seicht bogenförmig abge- rundet und an der Mittelnaht nicht oder nur sehr gering eingezogen; die Hintertarsen von aulica sind länger als die Hintertibien, die Hintertarsen von nemoralis kürzer als die Hintertibien.

Literatur:

CaAssoLaA, F. (1973): Etudes sur les Cicindelides. X: Materiaux pour un Catalogue des Cicindelidae de Grece (Coleoptera). — Biologia Gallo-Hellenica 5 (1): 25-41.

Horn, W. (1931): Zur Kenntnis der Cicindelen-Fauna von Cypern, Syrien, Sizilien, Aegypten und Süd-Griechenland (insbesondere der geographischen Verbreitung der Arten Cicindela aphrodisia BauDı, C. campestris suffriana LoEw, C. contorta FıscH. und dorsata Br. sowie C. aulica DEJ.). — Bulletin de la Societe Royale Entomologique d’Egypte: 157-163.

Anschrift des Verfassers: Jürgen WIESNER, Dresdener Ring 11, 3180 Wolfsburg 1

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Tanytarsus cretensis sp. n., eine neue westpalaearktische Chironomidenart aus Fließgewässern (Diptera, Insecta)

Tanytarsus cretensis sp. n., anew western-palaearctic chironomid species from running waters (Diptera, Insecta).

Von Friedrich REISS

Abstract

Tanytarsus cretensis sp. n. is described based upon © adults from Southern, Central and We- stern Europe and North Africa. T. cretensis is most closely related to T. chinyensis GOETGHEBUER. The immature stages of T. cretensis inhabit running waters, while T. chinyensis occur in me- dium-sized and large standing water bodies.

Einleitung

Bei der Bearbeitung von Chironomidenproben aus Nordwestafrika und einigen öst- lichen Mittelmeerländern fand sich einenoch unbeschriebene Tanytarsus-Art der chi- nyensis-Gruppe. Sie steht innerhalb dieser Gruppe Tanytarsus chinyensis GOETGHE- BUER, 1934, einer palaearktisch offenbar weit verbreiteten Art, am nächsten.

In den genannten Gebieten tritt dieneue Art an zahlreichen Lokalitäten in zum Teil hoher Abundanz auf und wurde überraschenderweise bald darauf auch in Mittel- und Westeuropa gefunden. Damit ergibt sich ein partiell sympatrisches Vorkommen mit Tanytarsus chinyensis. Wie noch zu zeigen sein wird, unterscheidet sich die neue Art in ihren ökologischen Ansprüchen deutlich von Tanytarsus chinyensis.

Für die Bereitstellung von Material und Daten möchte ich besonders Herrn Univ.- Doz. Dr. H. Mauıcky, Lunz, und Herrn Dr. J. VERnEAux, Besancon, danken.

Tanytarsus cretensis sp.n.

Tanytarsus sp.n. (creticus) Reıss 1977: 91,93; nomen nudum. Tanytarsus sp. n. Reıss & Konmann 1982: 82,85. Tanytarsus sp. n. Reıss 1983: 178.

Imago Cd’

Größe: Flügellänge 1,30- 1,60 mm (M = 1,49 mm; n = 23).

Färbung: In alkoholfixiertem Zustand ganz gelbgrün. Thorax mit angedeuteten, orangegelben Vittae.

Kopf: Winzige, gerundete Stirnzapfen, ca. 3 um hoch, vorhanden. AR = 0,72-0,91 (M = 0,78; n = 21). Länge der Palpenglieder 2-5 in um (Holotypus): 38, 106, 112, 212.

Flügel: Distale Hälfte dicht, proximale Hälfte schütter behaart.

Beine: Länge der Glieder in um (Holotypus):

Fe al Ta, Ta; Ta; Tay Ta; P; 765 415 890 435 350 280 135 Pr 765 600 345 180 120 85 70

Pın 810 765 930 295 265 170 100

27

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100um

Abb.1. Tanytarsus cretensis sp. n. Hypopyg dorsal. a. Analspitze lateral.

28

Vordertarsen nicht gebartet. Pulvillen fehlen. 4 Sensilla chaetica (n = 14) am Distalende des Ta} von Pı.

Hypopyg (Abb. 1): Analtergitbänder dünn, median getrennt. Lateralzähne am Analtergit scheinen zu fehlen. An der Basis der Analspitze 2-10 (M = 5,5; n = 28) kurze, mediane Analtergitborsten, die zum Teil in die apikalen Analtergitborsten übergehen.

Analspitze lang, schlank und distal spitz zulaufend. Analkamm paarıg, mittelhoch (Abb. 1a), maximal etwa ®%5 der Analspitzenlänge einnehmend. In zahlreichen Exem- plaren ist der Distalteil des Analkamms ringförmig geschlossen und vom Basalteil ab- gesetzt, so daß der Analkamm gekammert erscheint; in Einzelfällen kann der basale Kammteil ganz oder teilweise fehlen. Zwischen den Kämmen 1-5 (M = 2,4; n = 31) dunkle, kräftige und lange Dornen, die auf einem konischen Sockel stehen. Dornen fast ausnahmslos einfach, in einigen fraglichen Fällen vermutlich zweigeteilt.

Anhänge 1 abgeplattet, schrägstehend, lateral gerundet, median abgestutzt und distalmedian in einen stumpf gerundeten Zahn ausgezogen; basalmedian mit 2 margi- nalen Setae, auf der Distalhälfte mit einer transversalen Reihe von 5 Setae und lateral mit einem kleinen Mikrotrichienfeld.

Anhänge la sehr breit und lang, die Anhänge 1 um etwa deren Breite überragend, und distal stumpf gerundet; distal mit einer Längsfalte, basalventral mit einer Seta, die einem kräftigen zylindrischen Sockel aufsitzt.

Anhänge 2 breit, leicht s-förmig geschwungen, basalmedian mit einem flachen Lo- bus und distal nur leicht hochgewölbt.

Anhänge 2a sehr kurz (Länge ca. 15 um), gerade und apikal mit einem pinselförmi- gen Busch schlank lanzettförmiger Setae.

Gonostyli distal stumpf gerundet, im basalen Drittel am breitesten.

Imago 9 Unbekannt.

0 um

Abb. 2. Tanytarsus chinyensis GOETGHEBUER. Analspitze, Anhang 1 und la des Hypopygs dor- sal. a. Dorngruppen der Analspitze gequetscht.

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Puppe Bekannt durch Zucht. Von Tanytarsus chinyensis nicht sicher zu unterscheiden. Von einer Beschreibung wird daher abgesehen.

Larve

Vermutlich zur Art gehörige, aber nicht sicher zuzuordnende Exemplare aus Zucht vorhanden.

Material

Holotypus 10° Imago als Euparal-Dauerpräparat; Griechenland, Kreta, Protaria, 15.5.1971, Lichtfang, leg. H. Mauıcky, Probestelle K 79.

Weitere, ebenfalls dauerpräparierte 280° Imagines, 39 Puppen und 1 Exuvie folgender Her- kunft als Paratypen (Probenummern in Klammern):

Griechenland (leg. H. MAarıcky): Locus typicus; Kalonichtis, Kreta, 27.-28.9.1972 (K 335); Mithi, Kreta, 22.9.1972 (K 972B); Filipi, Kreta, 26.9.1972 (K 225); Lesbos, 6 km E Agia Paras- kevi, 26.5.1975 (L 13).

Marokko: Tata, Moyen Dra, leg. CHOUMARA 1967 (353—67); bei Barkane, leg. CHOUMARA 1968 (1378); Oase Meski, südlicher Hoher Atlas, 2.5.1979, leg. F. Auer und K. WERNER; zwischen Gorge de Todra und Gorge de Dades, 2500 m Höhe, Hoher Atlas, 3.5.1979, leg. F. AuER und K. WERNER.

Algerien (leg. E. J. FıTTKAu): Zousfana, Staubeckengelände, 19.3.1955 (F 27a); Colomb-Be- char, Oued Bechar in der Stadt, 26.3.1955 (F 37a); Oase Oued Melias, 22.3. und 18.4.1955, Zucht mit S- -Puppen und Exuvien (F 31a).

Deutschland (leg. H. UrscHik): Niederbayern, Auwald Bei Perach am unteren Inn, 5. 8.1976.

Frankreich (leg. J. VERNEAUx): Untere Rhone bei Chavanay südlich Lyon, 6. 10.1976.

Der Holotypus befindet sich in der Zoologischen Staatssammlung München. Para- typen ebenfalls in der ZSM sowie im Britischen Museum London, der Canadian Na- tional Collection Ottawa und im Zoologischen Museum der Universität Bergen.

Außer dem präparierten Typenmaterial liegen alkoholfixierte © Imagines folgender Prove- nıenzen VOr:

Griechenland (leg. H. Mauıcky): Kreta, Mithi, 3.8.1974 (K 337); Kreta, Aligi bei Sises, 21.5.1977 (K 401); Lesbos, 1 kmE Chidira, 28.5.1975 (L 19); Rhodos, 1 km W Kallitie, 10.5.1975 (R 21); Korfu, Lefkimi, 14.6.1977 (KB).

Zudem wurde T. cretensis von J. VERNEAUX (briefl. Mitt.) an der Unteren Rhone an folgenden weiteren Stellen gefunden: Chavanay, 13.8.1976; St. Vulbas 25.10.1976; Aramon, 18.9.1976.

Differentialdiagnose

Von der nächstverwandten, etwa gleich großen und gleich gefärbten Art Tanytarsus chinyensis (2) unterscheidet sich Tanytarsus cretensis (1) durch Hypopygmerkmale (Abb. 1 und 2): Analspitze distal schlank zugespitzt (1) — breit gerundet (2); nur 1-5 (M = 2,4) fast ausnahmslos einfache Dornen zwischen den häufig gekammerten Anal- kämmen (1) —- 6-12 (M = 8, 3; n = 6) transversale Dorngruppen, die aus 1-5 Einzel- dornen bestehen, zwischen den nicht gekammerten Analkämmen (2); Anhänge lain der distalen Hälfte breit (1) — distal verschmälert (2); Zahl der medianen Analtergit- borsten durchschnittlich 5,5 (1) — mit durchschnittlich 8,7 höher (6-11; n = 6) (2).

Verbreitung und Ökologie

Tanytarsus cretensis ist zur Zeit mit einer Häufung der Fundorte von Griechenland (Kreta, Rhodos, Lesbos, Korfu) Marokko und Algerien sowie vereinzelt aus Süd- deutschland und Ostfrankreich bekannt. Das Material wurde ausschließlich an oder in Fließgewässern gesammelt. In Südeuropa und Nordafrika sind es Bäche oder klei- nere Flüßchen, in Mittel-, resp. Westeuropa Flüsse oder Ströme, wobei die Wasser- temperaturen in den entsprechenden griechischen Bächen nach Messungen von Dr. H. Mauıcky zwischen 16,6 und 27,3°C lagen. In den rhitralen Bereichen mitteleuro- päischer Bäche, aus denen heute eine Vielzahl von Untersuchungen zur Chironomi- denbesiedlung vorliegt und deren Temperaturen mit durchschnittlich 10-12°C weit niedriger sind als in Südeuropa, ist die Artnichtnachgewiesen worden. Das Auftreten

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im vergleichsweise wärmeren mitteleuropäischen Potamal läßt jedoch vermuten, daß Tanytarsus cretensis eine vorzugsweise südlich verbreitete, wärmeliebende Fließwas- serart ist, deren Vorkommen in höheren Breiten Europas auf die relativ warmen pota- malen Fließgewässerzonen beschränkt bleibt. Ein potamales Larvenhabitat wäre auch eine Erklärungsmöglichkeit für die späte Entdeckung dieser genitalmorpholo- gisch recht auffälligen Tanytarsus-Art im gut untersuchten Europa nördlich der Al- pen. Gerade der potamalen Komponente unserer heimischen Chironomidenfauna, bzw. ihren der Umweltzerstörung entgangenen Resten, wurde erst in jüngster Zeit die gebührende Beachtung geschenkt.

Nächstverwandt zu Tanytarsus cretensis ist Tanytarsus chinyensis. Die Larven die- ser schon seit über 50 Jahren bekannten Art leben nach eigener Erfahrung und Litera- turangaben ausschließlich in litoralen und sublitoralen Weichsedimenten von Seen und anderen stehenden Gewässern, wie Altwasserarmen oder Teichen. Gesicherte Funde aus Fließgewässern fehlen. Die bisher bekannte Verbreitung, die von Mittel- schweden und Mittelfinnland bis Norditalien (Brunnpın 1949, Paasıvırra 1983, Reıss 1968) und bis in die Ostpalaearktis reicht (Reıss 1980), zeigt zudem, daß diese lakustri- sche Art kälteresistenter als T. cretensis ist. Die bislang fehlenden Nachweise in Süd- europa und im Vorderen Orient könnten mit einem Mangel an geeigneten kühlen Seen als Wohngewässer, in Verbindung mit ungenügender Sammeltätigkeit, erklärt wer- den.

Literaturverzeichnis

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Reıss, F. und KoHMANnN, F. (1982): Die Chironomidenfauna (Diptera, Insecta) des unteren Inn. — Mitt. zool. Ges. Braunau 4: 77—88.

Anschrift des Verfassers:

Dr. Friedrich Reıss, Zoologische Staatssammlung, Münchhausenstr. 22, D-8000 München 60,

FRG.

Zweiter Nachtrag zur Chironomidenfauna Bayerns (Chironomidae, Diptera) Second supplement to the chironomid fauna of Bavaria (Chironomidae, Diptera)

Von Friedrich REISS und Roland GERSTMEIER

Aus Bayern waren bisher 436 Chironomidenarten bekannt (Rkıss 1987 a). Mit der in- tensiver werdenden faunistischen und ökologischen Bearbeitung bayerischer Gewäs- ser steigt die Artenzahl erwartungsgemäß auch bei den Chironomiden stetig an, so daß eine kurzfristige Ergänzung der Faunenliste wünschenswert erscheint. Einschließlich der nachfolgend angeführten und bei Bedarf nachgeprüften 14 Neunachweise sind nunmehr aus Bayern 450 Chironomidenarten bekannt.

Frau Dipl.-Biol. Edith HıeBer und Frau Dipl.-Biol. Marlene WERNER, geb. GMELCH, danken wir für die Bereitstellung von Daten aus den Diplomarbeiten. Das Belegmaterial ist in der Zoologi- schen Staatssammlung aufbewahrt.

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Arctopelopia melanosoma (GoETGH.)

Eine nordische, kaltstenotherme Seenart, deren Erstnachweis aus den Alpen erst kürzlich ge- lang (CAspErs & Reıss 1987). Aus Oberflächendrift des Königssees vom 24.9.1984 liegen nun die ersten Exuvien für Bayern vor (leg. R. GERSTMEIER).

Thienemannimyia fusciceps (Epw.)

Eine ebenfalls nordische, kaltstenotherme Seen- und Fließgewässerart mit Erstnachweisen für Mitteleuropa. Exuvien aus Oberflächendrift der Altmühl bei Töging vom August 1982 (GMELCH 1986) und des Isarkanals bei Hofham, Landshut, vom Juli 1983 (HıEBER 1985).

Potthastia montium (Epw.)

Eine aus Schottland, Irland und Österreich bekannte, wenig zitierte und wohl euryöke Art. Ex- uvien vom 24.9.1984 aus Oberflächendrift des Königssees, leg. R. GERSTMEIER. Bryophaenocladius ?tuberculatus (Epw.)

Bisher nur aus Belgien und England nachgewiesene Art mit unbekannten Jugendstadien. 10 Imago, Niederbayern, Hangleiten W Niederviehbach, 26.8.1986, leg. F. REıss.

Chaetocladius sp.n.

Eine genitalmorphologisch sehr auffällige Art, deren Beschreibung demnächst erscheint und die bisher nur vom locus typicus in Niederösterreich bekannt war (CAspers 1987). 20°C’ Imagines, Niederbayern, schwärmend am Ufer des Badesees bei Gretlsmühle O Landshut, 11.10.1986, leg. F. REıss.

Cricotopus ornatus (MEIGEN)

Nach HırvenoJA (1973) ein Halobiont, dessen Vorkommen in einem Binnenlandkanal ohne Kenntnis des Larvenhabitats schwer zu verstehen ist. Zahlreiche Exuvien aus Oberflächendrift von Mai bis August 1983 im Isarkanal bei Hofham, Landshut (HiIEBER 1985).

Cricotopus ?similis GoETCH.

Vereinzelt aus Oberflächendrift der Altmühl bei Töging im Oktober 1982 (GmELcH 1986). Die Exuvien entsprechen Cricotopus Pel bei LAnGron (1984), die vermutlich die noch unbeschrie- bene Puppe obiger Art darstellen.

Eukiefferiella fuldensis Lernm.

Eine Rhitralart. Exuvien vom 24.9.1984 aus der Oberflächendrift des Königssees, leg. R. GERSTMEIER. Fraglos aus den Zuflüssen in den See eingeschwemmt.

Parakiefferiella triquetra (PAnkRrAT.)

Diese Art ist rezent nur als Larve aus Flüssen der nordwestlichen UdSSR bekannt. Im Königs- see konnten Larven in 8-20 m Tiefe im Mai und Juli 1984 (BLANK, HUBER & KOLBINGER 1985) und außerdem aus Renkenmägen (GERSTMEIER 1984) nachgewiesen werden.

Rheocricotopus atripes (Kırrr.)

Eine vereinzelt auftretende Fließgewässerart. Exuvien im Mai und September 1983 in Ober-

flächendrift des Isarkanals bei Hofham, Landshut (HıEBEr 1985). Chironomus lacunarius WÜLk. & KLörzuı Vorkommen in Almtümpeln bei Garmisch-Partenkirchen (WÜLKER & KLöTzu1 1973).

Rheotanytarsus pentapoda (Kıerrr.)

Eine europäisch verbreitete Fließgewässerart. HıEBER (1985) wies im Isarkanal bei Hofham Exuvien von Mai bis September 1983 nach. Tanytarsus cretensis Reıss

Eine eben beschriebene Fließgewässerart, die in Bayern aus dem unteren Inn bekannt ist (REISS 1987).

Bemerkungen

Die Bestimmung der folgenden zwei für Bayern neuen Arten ist noch nicht gesi- chert: Rheopelopia maculipennis (Zerr.) (Gmeich 1986) und Cricotopus ephippium (Zerr.) (HıEBer 1985).

32 Literatur

BLANK, K., HUBER, P., KOLBINGER, W. 1985: Zur Kenntnis der litoralen Fauna des Königssees unter besonderer Berücksichtigung der Insekten. — Dipl.-Arbeiten Ludwig-Maximilians-Uni- versität München.

Caspers, N. 1986: Chaetocladius insolitus n. sp., anew chironomid species from Lunz (Austria) (Diptera: Chironomidae). — Ent. scand. Suppl. (im Druck).

Casp&rs, N., REıss, F. 1987: Chironomidae des Lunzer Seengebietes in Niederösterreich (Insecta, Diptera, Nematocera). — Spixiana 9 (3), im Druck.

GERSTMEIER, R. 1984: Nahrungsökologische Untersuchungen an Fischen im Nationalpark Berch- tesgaden. — Unpubl. Bericht a. d. Nationalparkverwaltung Berchtesgaden.

GMELcH, M. 1986: Zur Ökologie der Altmühl mit besonderer Berücksichtigung der Chironomi- denfauna. — Dipl.-Arbeit Technische Universität München.

HiEBER, E. 1985: Qualitative und quantitative Erfassung der Chironomidae (Dipteren) durch Oberflächendrift im Isarkanal vor Landshut. — Dipl.-Arbeit Ludwig-Maximilians-Uni- versität München.

HIRVENoJA, M. 1973: Revision der Gattung Cricotopus van der Wurp und ihrer Verwandten (Dip- tera, Chironomidae). — Ann. Zool. Fennici 10, 363 pp.

LANGTOoN, P.H. 1984: A key to the exuviae of British Chironomidae. — P.H. Langton, Cambridge- shire. 324 pp.

Reıss, F. (1986) 1987 a: Erster Nachtrag zur Chironomidenfauna Bayerns (Diptera, Chironomi- dae). — Spixiana 9 (2), 175-178.

Reıss, F. 1987 b: Tanytarsus cretensis sp. n., eine neue westpalaearktische Chironomidenart aus Fließgewässern (Diptera, Insecta). -— NachrBl. bayer. Ent. 36 (1), 26-30.

WÜLKEER, W., KLöTzLı, A.M. 1973: Revision der Gattung Chironomus Mic. IV. Arten des lacuna- rius-commutatus-Komplexes. — Arch. Hydrobiol. 72 (4), 474-489.

Anschrift der Verfasser: Dr. Friedrich Reıss, Dr. Roland GERSTMEIER Zoologische Staatssammlung, Münchhausenstr. 21, 8000 München 60

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft

Programm für April bis Juni 1987

Montag, 13. April Vortrag: Dr. M. BAEHR: Zu Bau und Funktion der Sperrmechanismen der Elytren bei Scaritinae(Carabidae).

Montag, 27. April Bestimmungsabend Lepidoptera inder ZSM*

Montag, 11. Mai Vortrag: Dr. E.G. BURMEISTER: Heimische Wasserinsekten und ihre Larven.

Montag, 25. Mai Bestimmungsabend Lepidoptera in der Z5M

Montag, 22.Juni Bestimmungsabend Lepidoptera in der ZSM

* Die Bestimmungsabende „Lepidoptera“ werden von Dr. W. Dierr. in der Zoologischen Staats- sammlung, Münchhausenstraße 21, durchgeführt und beginnen um 19 Uhr.

In der Zeit von Juni bis September finden keine Vortragsveranstaltungen statt. Die Veranstaltungen der Gesellschaft finden in der Gaststätte „Zum Prälat“, Adolf-Kolping- Straße 1, München 2, statt. Beginn jeweils 19.15 Uhr.

Der Koleopterologische Arbeitskreis der Münchner Entomologischen Gesellschaft trifft sich am 6.4.,4.5.,18.5.,1.6., 15.6. und 29.6. jeweilsum 18 Uhr im Restaurant „Alter Peter“, Buttermel- cherstraße 5.

Diesem Heft liegt eine Zahlkarte zur Überweisung des Mitgliedsbeitrages bei. Beachten Sie bitte, daß der Beitrag auf DM 60,—, für Schüler und Studenten auf DM 30,— erhöht wurde! Wir bitten alle Mitglieder, die bereits für 1987 DM 45,— bezahlt haben, noch den Fehlbetrag von DM 15,— zu überweisen.

Bayerische Vereinsbank 305 719, BLZ 700 202 70 Postgiro München 315 69-807, BLZ 700 200 01.

25. Bayerischer Entomologentag

Der 25. Bayerische Entomologentag findet am 3. und 4. April in der Gaststätte „Zum Prälat“, Adolf-Kolping-Straße 1, statt. Bitte beachten Sie das beigelegte Programm.

Herausgeber: Münchner Entomologische Gesellschaft, Münchhausenstr. 21, D-8000 München Schriftleitung: Wolfgang Lorenz; Druck: Gebr. Geiselberger, 8262 Altötting

0% NachrBl. bayer. Ent. 36 (2) 20. Juli 1987 ISSN 0027-7425

Inhalt: E.-G. BURMEISTER: Beobachtungen zum Schwärmverhalten von Ephoron virgo OL. am

.Gard in Südfrankreich (Ephemeroptera, Polymitareidae) S. 33. —- H. DAFFNER! Orotrechus marti-

nellii spec. nov. vom Monte Baldo — Norditalien (Coleoptera, Carabidae, Trechinae) S. 39. — G. JunGe: Eine neue Unterart von Cosmosatyrus chiliensis GUERIN, 1832 aus Chile (Lepidoptera, Sa-

cinellidae) S. 52. — H. Fürsch: Eine neue Hyperäfpis+% dae) S. 53. — E.-G. BURMEISTER: Beobachtifngen.zUum' Larven (Diptera, Nematocera) S.55. — Taßung S. 56. — Aus der sellschaft S. 56. 'f

(Ephemeroptera, Polymitarcidae) Observations on the swarming behaviour of Ephoron virgo OL. at the river Gard in southern France (Ephemeroptera, Polymitarcidae)

Von Ernst-Gerhard BURMEISTER

Abstract

Attheriver Gard in southern France the mating flight of the mayfly species Ephoron virgo OL. could be observed. Thousands of individuals were attracted by lamps of high power. Males and females showed differences in reactions to light of different wave-lengths.

Copulation occurs between flying female subimagines and male imagines. The skin of the male subimago is slipped off during contact with the female, but the skin is still fixed to the end of the abdomen. The caudal filaments (cerci) remain in the subimaginal skin. Transport of sperma oc- curs only during a few seconds, when the sexes are in contact.

Until the beginning of this century, before the pollution of rivers and streams took place, mil- lions of individuals of aquatic insects could be observed during streams. In recent years, compa- rable mass flishts were reported from a few localities only, and without any continuity.

Der Massenflug aquatischer Insekten aus dem Potamal, d. h. großer Flüsse, ist ein unter natürlichen Voraussetzungen jahresperiodisch immer wiederkehrendes Phäno- men, das jedoch durch die Umstrukturierung unserer mitteleuropäischen „Wasser-

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straßen“ weitgehend verschwunden ist (Burmeister 1985). In besonderem Maße waren an diesen Schwarmphasen einige Eintagsfliegenarten beteiligt, deren Larven im Sub- strat des Fließgewässers leben, und die fast gleichzeitiginnerhalb weniger Tage durch einen synchronisierten Rhythmus schlüpfen. Besonders von Ephoron virgo Or. liegen alte Angaben über deren Massenauftreten an der Donau (ScHAFFFER 1757) und am Arno (Florenz: Tarcıont-rozzerrı 1741) vor. In Mitteleuropa ist Ephoron virgo weitgehend verschwunden oder in Kleinrefugien zurückgedrängt worden, in denen es nicht mehr zu derartigen Massenvermehrungen kommt. Neuerlich allerdings wurde diese Ein- tagsfliege wieder in großer Zahl am Main beobachtet (Grimm, Marzacher mündl. Mit- teilung).

Ephoron virgo Oı. ist über ganz Europa, von Spanien (Marokko) bis zum Kaukasus verbreitet und fehlt nur in Nordeuropa und den Britischen Inseln. In Anpassung an die Lebensweise in großen Tieflandflüssen meidet sie die alpinen Gebirge (s. Puruz 1978). Am 25.—27. August 1985 konnte ein Massenflug in Südfrankreich am Gard bei Nimes (Pont du Gard) beobachtet werden, wobei jedoch hinzugefügt werden muß, daß die Tiere von extrem starken Scheinwerfern (Bestrahlung des römischen Aquäduktes) angelockt wurden (Blendwirkung?). Der Gard, der in den Cevennen entspringt, fließt hier durch die Hügellandschaft der Causses und ist stellenweise wie im Bereich des Fundortes stark eingeengt, erweitert sich dann jedoch flußabwärts, wobei besonders im Sommer (Trockenphase, nach dem Hochwasser) ausgedehnte Schotterflächen trockenfallen. (Abb. 1). Mit Ausnahme von Ales flußaufwärts und Remoulin flußab- wärts befinden sich keine nennenswerten Städte im Einzugsgebiet des Flusses. Es ist möglich, daß hier am Eintrittin die Rhoneebene ein Refugium für eine Reihe von Fluß- arten erhalten ist, die ursprünglich auch in der stark veränderten und teilweise zer- störten Rhone lebten. Auch Biber wurden hier bei Pont du Gard beobachtet.

Über die Verbreitung von Ephoron virgo OL. gibt Verrier (1943, 1944, 1948, 1954, 1956) Hinweise vor allem aus Zentralfrankreich vom Fluß Allier; Denis, Parıs u. PıLLon (1937) erwähnen Funde von der Saöne und Verrıer (1948), Funde von Lesrace entlang der Rhone (Lyon, Avignon) und der Sarthe. Neuere Funde vom Doubs erwähnt Ver- neAux (1972, 1973). Uber die Bestandsentwicklungen des ‚Fallenden Manna‘ (Chute de Manne) liegen besonders für Südfrankreich keine Angaben vor.

Abb. 1. Der Fluß Gard bei Remoulin (Nimes). Blick vom Aquaeduct Pont du Gard (Fahrstraße) nach Nordwesten.

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Schwärmverhalten und Kopulation

Bei Beginn der Dämmerung zeigten sich über dem Flußabschnitt des Gard zahlrei- che fliegende Individuen von Ephoron virgo, die offensichtlich flußaufwärts gerich- tete Schwarmflüge unternahmen, wobei ein ‚Auf und Ab‘ in der Vertikalen nur ver- einzelt beobachtet wurde. Bei Dunkelheit war vor allem auch durch die Überstrah- lung der Scheinwerfer eine Beobachtung kaum mehr möglich. Um diese Lampen, die nach Mitternacht gelöscht wurden, waren Schwärme mehrerer tausend Individuen zu beobachten, die am Morgen den Boden um die Lichtquellen in einem Umkreis von mehreren Metern bis zu einer Auflage von 20-30 cm bedeckten. Offensichtlich star- ben die Tiere an zu großem Energieverlust, nur wenige an der direkten Kontaktierung mit den heißen Lampen. Um Mitternacht ebbte der Flug merklich ab. Die Flugaktivi- tät erstreckte sich offensichtlich über mehrere Tage, da unter den frisch toten Tieren im Lampenbereich (Abb. 2) eine dichte Bodenauflage von teilweise zersetzten Indivi- duen und vor allem Eipaketen zu finden war, die von einer wabernden Masse von Dip- teren-Larven (Calliphoridae?) gefressen wurden. Die tagsüber oberflächlich liegen- den Tiere wurden von Wespen (Vespa sp.) und Hornissen (Vespa grabro) weggetragen, wobei diese die Flügel vorher abbissen. Augenscheinlich kam es diesen Praedatoren besonders auf die Eipakete an, zumal im unmittelbaren Einzugsbereich der Lampen fast ausschließlich Weibchen von Ephoron virgo gefunden wurden. Abbildung 3 zeigt ein Weibchen mit den herausgedrückten Eisäcken, die unter natürlichen Bedingun- gen über dem Wasser abgeworfen werden (s. NeepHAm 1920, UrLmer 1924). Hier ausge- führte Beobachtungen zeigen, daß die Weibchen nach der Eiablage sich ermattet den Windbewegungen überlassen und auf die Wasseroberfläche fallen, wo sie von Fischen aber auch nachtaktiven Taumelkäfern (Gyrinidae) - Orectochilus villosus MÜLLER — gefressen werden, wie der Großteil der Eier. Ebenso wie die schwärmenden Eintags- fliegen an der Lichtquelle versammeln sich dort auch Mauersegler (bis späte Dämme- rung) und Fledermäuse sowie Fische und andere räuberische Wassertiere.

lien

Abb. 2. Ansammlung toter Individuen (meist ?2) von Ephoron virgo OL. an den Scheinwer- fern, die nachts das römische Aquaeduct anstrahlen.

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Am gegenüberliegenden Ufer des Gard, etwa in Höhe der stark strahlenden Licht- quelle, wurde eine energiearme Lichtquelle mit hohem UV-Lichtanteil installiert, die ausschließlich männliche Individuen von Ephoron virgo anlockte, bzw. diese wurden von dieser Lichtquelle geblendet. Demnach scheint die Anlockung bzw. Blendwir- kung für die Geschlechter unterschiedlich ausgeprägt. Eine signifikante Zeitfolge des Schlupfes und des Schwärmens der Geschlechter, wie dies von anderen Eintagsflie- gen bekannt ist, war nicht zu beobachten. Einzelne Individuen konnten bis 3 Uhr flie- gend beobachtet werden.

Der Schlupf der Tiere aus dem untersuchten Abschnitt des Flusses war nicht direkt, sondern nur aus dem Abfliegen der Subimagines zu erkennen. Wie bereits ULMER (1924) vermutet, häuten sich die Weibchen nicht weiter zur Imago, sondern sind in diesem Stadium nicht nur flugfähig, sondern auch geschlechtsreif. Die Konditionie- rung zeigt jedoch, daß diese Tiere sich bei Windstillenicht aus dem seitlich begrenzten aber naturnah erhaltenen Bereich entfernen. Hinweise von Urmer (1927), SCHOENEMUND (1930) und StanrLer (1924) von Nachweisen eine größere Strecke vom Flußabschnitt

Abb. 3. Einzelnes weibliches Tier aus der Ansammlung toter Individuen von Ephoron virgo OL. mit herausgedrückten und gequetschten Eipaketen.

Abb. 4. Männliche Individuen von Ephoron virgo OL. mit anhängenden Subimaginal-Häuten, in denen die Cerci noch stecken. Diese Häute werden im Fluge mitgetragen und erst während der Kopulation abgeworfen.

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entfernt beruhen vermutlich auf Verdriftungen. Dies erscheint besonders wahr- scheinlich, da die Imaginal-Häutung der Männchen (s. u.) und der Schlupf der Weib- chen mit anschließender Kopulation sich innerhalb weniger Minuten bzw. weniger Stunden über dem Gewässer abspielt.

Die von der Wasseroberfläche abfliegenden weiblichen ‚Subimagines‘ schwärmten mit flußaufwärtsgerichteter Tendenz über dem Gewässer (Beobachtungen vor Inbe- triebnahme der Lichtquellen). Die Männchen hingegen verließen als Subimagines ebenfalls die Wasseroberfläche, flogen dann jedoch die vegetationsreichen Uferzonen an. In diesem Bereich erfolgte die Imaginalhäutung innerhalb weniger Augenblicke, wobei die Tiere kurz rasteten. Dann flogen die Männchen mit der anhängender Haut der Subimago am Hinterende wieder zum Fluß (Abb. 4). Erst bei diesem Flug zum Schwarm der weiblichen Tiere wird die Haut (Exuvie!) langsam abgestreift, so daß diese nur noch die langen Cerci der Imago (C’) birgt (Thew 1958). Erst unmittelbar vor der Paarung oder selbst erst beim kurzen Ergreifen der Weibchen durch die Männ- chen werden die Cerci aus der Hülle herausgezogen, worauf die Exuvie herunterfällt. Die Phase, in der das Männchen mit der Subimaginalhaut in pendelndem flußauf- wärtsgerichtetem Flug zu beobachten ist, kann bis zu 2 Stunden dauern, ohne daß eine erfolgreiche Kopulation oder eine Kontaktnahme mit einem Substrat wie der Wasser- oberfläche erfolgt. Das Anhaften der Subimaginalhaut bei den Männchen kann mög- licherweise ein Hinweis auf einen Evolutionstrend hinsichtlich der unterdrückten Imaginalhäutung sein, wie dies bereits beiden Weibchen vollzogen ist. Das Abstreifen der Hülle erfolgt nicht um die Flugtüchtigkeit zu erhöhen, sondern um die männlichen Genitalorgane für die Kopulation vollständig freizulegen. Die anhaftende Haut löst sich meist erst beim Ergreifen der Weibchen durch die Männchen, wenn letztere das Abdomen zur Kopulation hochbiegen müssen und die extrem langen Cerci am Weib- chen zwischen den Flügeln im Bogen positioniert werden. Beobachtungen konnten hier nur flüchtig sein und entsprechen weitgehend den Angaben von Thew (1958). Erst das notwendige Spreizen der Cerci beim Aufbiegen des Hinterleibes und dorsaler De- ponierung der äußeren Genitalorgane wird ein Abstreifen der Subimaginalhaut not- wendig.

In den zeitlich aufeinanderfolgenden unterschiedlichen Schichten von der Licht- quelle attrahierter Individuen von Ephoron virgo konnte festgestellt werden, daß der Anteil der Männchen mit zunehmender Flugzeit zunimmt. Da nicht das Ende der Schwarmphase beobachtet werden konnte, sind Aussagen zur Populationsstruktur und Geschlechtsverteilung über die gesamte Flugperiode nicht möglich. Tnew (1958) erwähnt, daß bei Ephoron album (Say) die Männchen deutlich häufiger seien als die Weibchen.

Populationsreduktionen durch Lichtquellen

Immer wieder wird die Attraktion der künstlichen Lichtquellen für nachtaktive In- sekten als Ursache für Ausdünnungseffekte in der Population einzelner Arten gese- hen, da im Lichtbereich die anfliegenden Individuen sterben oder aber durch den ständigen Wiederanflug starke Energieverluste erleiden, die eine erfolgreiche Kopu- lation bzw. Reproduktion unmöglich machen. Die von den Weibchen von Ephoron virgo nicht im Wasser deponierten Eier — die Träger-?Q wurden durch die Lampen von der Reproduktion abgehalten — dem Lebenszyklus fehlen, liegt die Vermutung nahe, daß ein Ausdünnungseffekt erfolgt. Da jedoch die Lampen seit mehreren Jahren installiert sind und es dennoch zu derartigen Massenflügen kommt, sind Hinweise über Reduktionen der Population nicht zu erhalten. Ebenso ist der Anteil bzw. die adaptierte Populationsentwicklung der Eiräuber nicht abzuschätzen. Inwieweit eine spezifische Abfangwirkung geschlechtsreifer und eitragender Weibchen durch die Lichtquellen erfolgt, ist auch von anderen Standorten nicht bekannt.

Da keine Beobachtungen aus den Vorjahren vorliegen, die dieSchwärmphasen von Ephoron virgo am Gard belegen könnten, sind Aussagen über den Bestand und dessen Kontinuität nicht möglich. Zudem könnten nur die im Sediment grabenden Larven als quantifizierbarer Parameter herangezogen werden, da die Imagines attrahiert an

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einem Punkt zusammengezogen werden. An großen Flüssen läßt sich jedoch im Ge- gensatz zu den vergangenen Jahrzehnten ein neuer Besiedlungstrend feststellen. So war der Lebensraum zahlreicher Fließwasserarten bis in unser Jahrhundert durch seine innere Dynamik, aber im besonderen durch seine Kontinuität gekennzeichnet. Das ständig wiederkehrende Phänomen der Massenflüge (s. Fremumg 1973) und der beständige Bestand und Besatz an Arten blieb konstant. Diese Strategie ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten von einer großen Zahl von Arten aufgegeben worden und es kommt in zunehmendem Maße zu begrenzt lokalen und zeitlichen Populations- bildungen, die keiner Kontinuität unterliegen. Möglicherweise sind diese Erschei- nungen ein ‚Test‘ der Arten, inwieweit eine Besiedlung oder Rückbesiedlung möglich ist.

Literatur

BURMEISTER, E. G., 1985: Der Massenflug aquatischer Insekten (Imagines) — ein Charakteri- stikum unserer großen Flüsse am Beispiel der Alz (Chiemgau). — Nachr. bl. Bayer. Ent. 34 (1), 1-5.

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FREMLING, C. R., 1973: Factors influencing the distribution of burrowing Maytlies along the Mis- sisippi River. — Proceed. first Int. Conf. Ephemeroptera, Leiden, 12-25.

NEEDHAM, J. G., 1920: Burrowing mayflies of our larger lakes and streams. — Bull. U.S. Bur. Fish. 36, 269-292.

PuTHZ, V., 1978: Ephemeroptera — in ILLies (ed.): Limnofauna Europaea. — 315-367, Stuttgart, New York.

SCHAFFFER, J. C., 1766-1779: Icones insectorum circa Ratisbonam indigenorum coloribus na- turam referentibus expressae, I-III. -— Zunkel, Regensburg.

SCHOENEMUND, E., 1930: Eintagsfliegen oder Ephemeroptera — in Danr: Die Tierwelt Deutsch- lands, Teil 19. — Jena.

STADLER, H., 1924: Vorarbeiten zu einer Limnologie Unterfrankens. — Verh. Internat. Verein Limnol. 2, 136-176.

TARGIONI - TOZZETTI, G., 1741: Lettera sopra una numerosissima specie die farfallea vedutasi in Fi- renze sulla metä di luglio. Firenze 4, 32 pp.

THew, T. B., 1958: Studies on the mating flights of the Ephemeroptera I. The Mating flights of Ephoron album (Say) and Stenonema canadense (WALKER). — Fla. Ent. 41 (1), 9-12. ULMER, G., 1924: Ephemeroptera — in SCHULZE: Biologie der Tiere Deutschlands, Teil 34, 40 pp.

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ULMER, G., 1927: Verzeichnis der deutschen Ephemeropteren und ihrer Fundorte. — Kono- wia 6, 234-262.

VERNEAUX, J., 1972: Fauna Dulcaquicole de Franche-Comte — Le bassin du Doubs (massif du Jura) — IV: Les Ephemeropteres — V: Les Odonates. — Ann. Sci. Univ. Besan- con 3 (8), 3-20.

VERNEAUX, J., 1973: Cours d’eau de Franche-Comte (massif du Jura). Recherches ecologiques sur le reseau Hydrigraphique du Doubs. Presentacion pour l’obtention du grade de Docteur &s Sciences Naturelles, Faculte des Sciences de Besancon.

VERRIER, M. L., 1943: Notes biologiques sur quelques Eph&meropteres d’Auvergne. — Bull. Soc. Zool. France 68, 170-175.

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Anschrift des Verfassers: Dr. Ernst-Gerhard BURMEISTER Zoologische Staatssammlung, Münchhausenstr. 22, D-8000 München 60, FRG.

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Orotrechus martinellii spec. nov. vom Monte Baldo — Norditalien. (Coleoptera, Carabidae, Trechinae)

Orotrechus martinellii spec. nov. from Monte Baldo, northern Italy.

Von Hermann DAFFNER (Mit 7 Abbildungen)

Abstract

A new species of cave-dwelling Trechinae from the Grotta Tanella (N 79 V/VR), asmallcavein Italy, Prov. Verona, Monte Baldo, Pai, 279 m, is described, figured and compared with Orotrechus juccii PoMinı, 1940.

Riassunto

Viene descritto il primo Orotrechus raccolto ad ovest del fiume Adige. Orotrechus martinellü sp. nov. della Grotta Tanella (N 79 V/VR), una piccola grotta orizzontale sul versante ovest del Massiccio del Monte Baldo, Torri del Benaco, Pai (VR), 279 m. La nuova specie appartiene al gruppo-fabianiü-euganeus-vicentinus-juccii. Perla forma del pronoto & piü vicina all’ Orotrechus juccii Pominı, 1940, delle grotte dei Lessini Veronesi, ma da questo facilmente separabile: Per il pronoto appena piü largo che lungo, con doccia laterale larga, con angoli posteriori molto spor- genti e con margine posteriore presso gli angoli diritto, fig. 2 (e non visibile piü largo che lungo, con doccia laterale stretta, con angoli posteriori meno sporgenti e con margine posteriore presso gli angoli con un’ incisione, come in jucci, fig. 3) einfine, per la forma dell’ edeago e dellalamella copulatrice.

La nuova specie & dedicata al mio amico Arrigo MARTINELLI (Rovereto) che ha raccolto il primo esemplare.

Einleitung

Das alte Flußbett der Adige führte einst über den Lago di Garda in die Poebene. Der Fluß änderte jedoch im Verlauf der letzten Eiszeiten seine Richtung und trennte das Massiv des Monte Baldo von den Monti Lessini. So ist der Monte Baldo heute ziemlich isoliert zwischen dem Tal der Adige (Val Lagarina) und dem Lago di Garda eingela- gert. Es bestehen aber, besonders in faunistischer Hinsicht, noch enge Beziehungen zu den Monti Lessini, wo mehrere Arten der Gattung Orotrechus Mürrer, 1913, vorkom- men. Deshalb wurde schon seit langem versucht, auch vom Monte Baldo einen Vertre- ter dieser Gattung nachzuweisen. Dies gelang aber erst im vergangenen Jahr.

Die ersten Exemplare (229) wurden von meinen Freunden A. MarrıneıLı und M. Kanren in der Grotta Tanella (N 79 /V/VR) entdeckt. Bei dieser Höhle handelt es sich um eine kurze, horizontal verlaufende Wasserspalte auf der Westseite des Monte Baldo, bei der Ortschaft Pai, Torri del Benaco, 279 m, Prov. Verona. Vom 5.11. 1986 bis 1.3. 1987 wurden von den Kollegen M. Kanten, A. MarrtınerLı und G. Caopuro 23 weitere Exemplare aufgesammelt. Anhand dieser Serie konnten nun genauere Unter- suchungen vorgenommen werden. So stellte sich heraus, daß die Tiere aus der Grotta Tanella, wegen der Gestaltung des Aedoeagus, in die Orotrechus fabianii-euganeus- vicentinus-juccii-Gruppe einzuordnen sind. Wegen der nach außen geschwungenen Hinterecken des Halsschildes gehören sie systematisch in die Nähe von Orotrechus juccü Pommı, 1940, sind aber von diesem artspezifisch vor allem durch folgende Merk- male zu unterscheiden: Durch den Halsschild, der kaum breiter als lang ist, mit sehr breit abgesetztem Seitenrand, sehr spitz nach außen gezogenen Hinterecken und vor den Hinterecken gerade abgestutzter Basis (Abb. 2); (bei O. juceii ist der Halsschild

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deutlich breiter als lang, mit sehr schmal abgesetztem Seitenrand, weniger spitznach außen gezogenen Hinterecken und vor den Hinterecken beiderseits eingekerbter Ba- sis) (Abb. 3). Durch den sehr gedrungen gebauten Aedoeagus, der zur gerade nach vorne gezogenen Spitze stark eingeschnürt ist, sowie die große und sehr breit gestal- tete Kopulations-Lamelle, Abb. 4 und 5; (bei O. jucecii, ist der Aedoeagus langge- streckt und zur leicht nach unten gezogenen Spitze breit verrundet. Die Kopulations- Lamelle ist sehr schmal und gestreckt gestaltet, Abb. 6 und 7).

Da an der Berechtigung der sehr bemerkenswerten neuen Art vom Monte Baldo keine Zweifel bestehen dürften, wird diese nachfolgend beschrieben und abgebildet. Vorher soll aber noch den Herren Manfred Karren (Hall/Tirol) und Gianfranco Cao- puro (Verona) für das mir überlassene Material gedankt werden, sowie Sig. Arrigo Marrinerı (Rovereto), der das erste Exemplar entdeckte und dem die neue Art gewid- met ist.

Orotrechus martinellii n. sp.

Holotypus c’: Italia — Prov. Verona, Monte Baldo, Pai, Torri del Benaco, 279 m, Grotta Tanella (N 79 V/VR), 5.11. 1986, leg. M. KAHLen (in coll. DAFFNER).

Paratypen: Fundort wie Holotypus, 5.10. 1985, leg. A. MARTINELLI, 19 (in coll. MARTINELLT); 5.10.1985, leg. M. KAHLEn, 19 (in coll. KAHLEnN); 5.11. 1986, leg. M. KAHLEN, 10°, 19 (in coll. KAnH- LEN); 19 (in coll. DAFFNER); 10.11. 1986, leg. M. KAHLEn, 10,19 (incoll. KAuLen); 10,19 (incoll. DArFFNER); 8.12. 1986, leg. G. CAoDuRo, 19 (in coll. CAopuro); 31.1. 1987, leg. A. MARTINELLI, 10), 292 (in coll. MARTINELLI), 19 (in coll. DAFFNER); 1.3. 1987, leg. G. CAoDuro, 30°’, 5 PP (in coll. CAoDuro), 10°, 1Q (in coll. DAFFNER).

Abb. 1: Orotrechus martinelliün. sp. O', Habitus, Dorsalansicht.

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Länge 3,9-4,1 mm (einschließlich der Mandibeln). Körper (Abb. 1) robust, transpa- rent gelbbraun, Kiefertaster und Tarsen gelb. Oberseite glatt, nicht pubesziert. Mi- krostruktur deutlich, Kopf und Halsschild fein genetzt und am Grunde glänzend, Flü- geldecken fein und sehr dicht genetzt, dadurch seidenmatt glänzend.

Fühler kurz und kräftig gebaut, zurückgelegt nur bis zur Mitte der Flügeldecken reichend (Länge 2,45 mm); ab dem zweiten Glied dicht, weißgelb behaart. 1. Fühler- glied stark verdickt, doppelt so lang wie breit; 2. Glied 2,5mal so lang wie breit; 3.—6. Glied 3mal so lang wie breit; die restlichen Glieder zu Spitze immer kürzer; Endglied zugespitzt, 3mal so lang wie breit.

Kopf kurz und breit gebaut, hinter den angedeuteten Augenfurchen am breitesten, Längen-Breitenverhältnis 0,66x 0,65 mm (Länge, gemessen vom Vorderrand des Cly- peus bis zum Vorderrand des Halsschildes). Die kurz und spärlich behaarten Schläfen backenförmig erweitert. Hals sehr deutlich abgeschnürt. Stirnfurchen durchgehend, vom Vorderrand des Clypeus bis zum hinteren Porenpunkt grubig vertieft, von dort bis zum Ende der Schläfen fein aber deutlich verlängert. Außerdem ist neben der Füh- lerbasis noch eine kurze aber deutliche Furche ausgebildet. Oberseite beiderseits mit zwei langen Borsten besetzt; die erste Borste in der Mitte und weit nach außen ge- rückt, die zweite Borste im basalen Drittel, am Ende der vertieften Stirnfurche ange- ordnet. Clypeus durch eine deutliche Linie von der Stirn getrennt und am Vorderrand mit vier langen Borsten besetzt. Labium beiderseits spitzlappig nach vorne gezogen, nach innen tief eingeschnitten und in der Mitte halbkreisförmig ausgehöhlt; Vorder- rand beiderseits mit je drei langen Borsten besetzt. Mandibeln breit und kurz gebaut. Kiefertaster kräftig und gedrungen.

Halsschild (Abb. 2) nur wenig breiter als lang und deutlich breiter als der Kopf, breiteste Stelle im vorderen Viertel, Länge-Breitenverhältnis 0,73x0,77 mm. Ober- seite flach aber deutlich gewölbt; im vorderen Viertel mit je einer flachen Grube; zur Basis niedergedrückt und nur sehr spärlich gerunzelt. Mittelfurche fein aber deutlich. Seitenrand breit abgesetzt und kurz aufgebogen; im vorderen Viertel mit einer langen und vor den Hinterecken mit einer sehr kurzen Borste besetzt. Seiten zu den deutlich nach vorne gezogenen Vorderecken kurz verrundet, nach hinten fast gerade verengt. Hinterecken spitzwinkelig nach außen gezogen. Basis in der Mitte breit eingebuchtet und zu den Hinterecken gerade verlaufend. Epipleuren von oben nicht sichtbar.

Flügeldecken langoval, mit deutlich ausgebildeten Schultern, breiteste Stelle kurz hinter der Mitte, Längen-Breitenverhältnis 2,40x1,38 mm. Seitenrand breit abge- setzt und scharf aufgebogen. Trechusbogen kurz aber deutlich. Spitzen gemeinsam abgerundet. Oberseite hochgewölbt. Auf jeder Flügeldecke fünf bis sechs Punktstrei- fen angedeutet, wovon aber nur die inneren drei furchig vertieft sind. Am dritten Streifen befinden sich drei kräftige Borsten. Die erste Borste der Umbilicalserie ist nach innen zurückgerückt und befindet sich auf der Höhe der zweiten Borste; die zweite Borste ist genau in Höhe der Schulterecke, neben dem Seitenrand eingelagert; die dritte und vierte Borste sind etwas vom Seitenrand abgerückt.

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Abb. 2 und 3: Halsschild Dorsalansicht. 2: Orotrechus martinellü n. sp.; 3: Orotrechus jucciü Pominı, 1940; Skala 0,05 mm.

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Abb. 4und5: Orotrechus martinelliin.sp., aus der Grotta Tanella, Pai, Monte Baldo; Aedoea- gus Lateral- und Dorsalansicht; Skala 0,10 mm.

Abb. 6und 7: Orotrechus juccii PoMinı, 1940, vom Locus classicus, Grotta del Mago, Case Vecie, Grezzana, Lessini Veronesi; Aedoeagus Lateral- und Dorsalansicht; Skala 0,10 mm.

Beine kräftig und gedrungen gebaut und dicht, weißgelb behaart. Beim Männchen ist das erste Glied der Vordertarsen stark verdickt und an der Innenseite spitz nach vorne gezogen.

Aedoegeagus (Abb. 4 und 5) gedrungen gebaut, Länge 0,51—0,54 mm. Dorsalan- sicht: Basis breit verrundet, dann bauchig erweitert nach vorne verlaufend, vor der breit abgerundeten Spitze stark verjüngt. Lateralansicht: Von der breit verrundeten Basis leicht erweitert nach oben gezogen, an der Innenseite flach eingebuchtet, Spitze kurz verrundet und gerade. Kopulations-Lamelle — Dorsalansicht (Abb. 5): Von der weit nach links gerichteten Basis stark erweitert zur breit verrundeten Spitze verlau- fend. Lateralansicht (Abb. 4): Von der weit nach oben gezogenen Basis in einem brei- ten Band nach unten verlaufend, ab der Mitte gewunden nach vorne gezogen, Spitze dünn und leicht nach unten gerichtet. Parameren (Abb. 5) sehr breit und robust ge-

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baut. Beborstung variabel (wie bei allen Arten der Gruppe), auf der Oberseite jeder Paramere 2 bis 3 kurze Borsten, Unterseite mit 9 bis 13 sehr kräftigen und langen Bor- sten besetzt.

Literatur

Acazzı, G. (1959): Ricerche biospeleologiche nei Lessini sud-orientali. Il maschio dell’ Orot- rechus vicentinus GESTRO (Coleoptera, Trechidae). — Boll. Soc. Ent. Ital., 89: 24—8.

GESTRO, R. (1900): Gli anoftalmi trovati finora nel Veneto. — Ann. Mus. Civ. St. Natur., Genova, 40: 567-572.

JEANNEL, R. (1928): Monographie des Trechinae, IIl.-L’Abeille, 35: 324-357.

PAcCE, R. (1974): Descrizione di un nuovo Orotrechus G. MÜLLER dei Colli Euganei (Coleoptera, Trechidae). — Mem. Mus. Civ. St. Nat. Verona, 20: 495-501.

Pomint, P. P. (1940): Una nuova specie di Orotrechus (O. juccüi) delle Prealpi Veronesi (Coleop- tera, Carabidae). — Boll. Soc. Ent. Ital., 72: 81-86.

TAMANnINI, L. (1953): Gli Orotrechus dei Lessini e descrizione di due nuove forme (Coleoptera, Tre- chidae). -— Mem.Mus.Civ.St.Nat. Verona, 4: 13—24.

VIGNA TAGLIANTI, A. (1982): Le attuali conoscenze sui Coleotteri Carabidi cavernicoli italiani. — Lavori Soc. Ital. Biogeo., Biogeografia delle caverne italiane, 7: 358-369.

Adressen des Autors: Hermann DAFFNER

Günzenhausen Gruppo Speleologico Valdobbiadene Fuchsbersstr. 19 Via Mazzini 45 D-8057 Eching I-31049 Valdobbiadene (TV)

Eine neue Unterart von Cosmosatyrus chiliensis GUERIN, 1832 aus Chile

(Lepidoptera, Satyridae) Von Günter JUNGE

Abstract

A new subspecies of Cosmosatyrus chiliensis GUERIN, 1832, wygnankii subsp.n., ofthenorthern part of Central Chile ist described, figured and discussed.

Einleitung

Während einer längeren Reise nach Chile 1979/1980 fing ich in verschiedenen Ge- bieten des Landes Cosmosatyrus chiliensis Gusrım. Die Unterschiede zwischen den Faltern aus dem Norden und dem Süden sind so beachtlich, daß ich zunächst die Mög- lichkeit nicht ausschloß, 2 Arten vor mir zu haben. Die Genitaluntersuchung hat je- doch ergeben, daß weder bei den O’O’noch bei den PP Unterschiede im Genital beste- hen.

Material: Es wurden insgesamt 179 Falter (123 JO’ und 56 Q 9) untersucht, davon 60 J’J’ und 28 QQ in der Zoologischen Staatssammlung München und 63 JO’ und 28 ? in coll. m.

Cosmosatyrus chiliensis wygnankii subsp. n.

Holotypus: @ (Abb. 1, rechts) Apoquindo bei Santiago/Chile, 700 m, 10.12.1979, leg et in coll. JUNGE, Schriesheim-Altenbach. Allotypus: © (Abb. 1, links) gleicher Fundort, 11.12.1979, leg. et in coll. JUNGE.

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Paratypen: 23 JO’ und 9 ?9 gleicher Fundort, 8.-22.12.1979, leg. etin coll. JunGE, und 4 JO gleicher Fundort, 15. und 22.12.1979, leg. JUNGE in coll. Zool. Staatssammlung, München; ferner ziehe ich zur Typenserie: Paratypus 1 © Apoquindo/Santiago, Nov. 1891, coll. OyArzüun, in Zool. Staatssammlung, München.

Beschreibung und Abgrenzung:

Q: Oberseite der neuen subsp. dunkelbraun, auf dem Vorderflügel ein großer schwarzer Apikalfleck, der kräftige Farbfleck sehr verschiedenen Umfangs gelblich ocker, nicht rötlich braun wie bei der Nominatform (1.), vielfach gegen die Basis scharf abgegrenzt. Vor dem Außensaum eine aus Strichen zwischen den Adern beste- hende schwarze Linie, die bei der Nominatform fehlt oder nur vereinzelt schwach an- gedeutet ist. Die Hinterflügel zwischen den Adern etwas aufgehellt, bei etwa der Hälfte der 2 zu gelben Wischen verstärkt, die durch eine schwarze Zickzacklinie vor

Abb. 1: Cosmosatyrus chiliensis wygnankii subsp. n.: rechts Holotypus 9, links Allotypus Q', Mitte Paratypus Unterseite CO’

dem Außenrand begrenzt werden; der Außenrand gewellt; Fransen der Vfl. und Hfl. an den Aderenden dunkel, dazwischen weißgrau, dadurch gescheckt wirkend. Auf der Unterseite der Vfl. ist der von der Basis bis über die Mitte reichende Prachtfleck gelb- orange, nicht rot (1.), und größer als bei der Nominatform. Der kräftige schwarze Api- kalfleck hat beiderseits ockergelbe Wische; die Strichlinie vor dem Außenrand deut- lich. Die Hfl. sind unterseits grau marmoriert mit einer distal weiß begrenzten gewell- ten Linie, deutliche schwarz-weiße Zickzacklinie vor dem Außenrand. Die Adern sind weiß.

d: Oberseits ebenfalls dunkelbraun, etwas dunkler als das 9, jedoch etwas heller als die Nominatform. Über 80% der OO zeigen einen schwarzen Apikalfleck, zuwei- len mit gelbem Wisch beiderseits, auf den Hfl. eine schwarze Zackenlinie vor dem Au- Benrand; beide Merkmale fehlen den mir vorliegenden Faltern der Nominatform (1. Fig. 4). Unterseits zeigt der Vfl. den gleichen gelborangen Diskoidalfleck wie das ? und einen runden schwarzen Apikalfleck mit gelben Wischen beiderseits; die Hfl. wie bei P, meist mit feiner schwarzen Linie am Außenrand (Abb.1 u. 2). Fransen weiß- braun.

Von der subsp. elwesi Brvk, 1945 unterscheidet sich die neue subsp. dadurch, daß unterseits der diskoidale Prachtfleck der Vfl. bei jener auch rot (fuchsrot) ist und die Hfl. mehr monoton sind (5.), nicht marmoriert; der schwarze Apikalfleck ist in beiden Geschlechtern größer und von einem kräftigen gelben Ring umgeben (3., Fig. 9, 10). Beim ® ist oberseits die Aufhellung durch die dunkel verbleibenden Adern in Streifen

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Abb. 2: Rechts: Cosmosatyrus chiliensis wygnankü subsp. n., oben ©’, unten 9, Unterseite Links: Cosmosatyrus chiliensis chiliensis, oben O', unten Q,Unterseite

aufgeteilt; die Flügel sind schlanker, die Vfl. wirken dadurch spitzer; diesist auch auf den Abbildungen bei Erwes (3.) ersichtlich und wird durch meine Messungen bestä- tigt.

Die Beschreibung in Seırz (4.) führt einige Merkmale an (u. a. Flugzeit November/ Dezember, die Abb. — nur Q Unterseite — recht hell, usw.), die der neuen subsp. zuzu- ordnen sind. Es liegt keine Fundortangabe für sein Bezugsmaterial vor, es dürfte aber aus dem nördlichen Bereich der Verbreitung gestammt haben.

Variabilität:

Die Art ist variabel in Größe und Färbung, wie Prxa (7.) schon erwähnt, besonders die Oberseite der Vfl. der 22 variiert von ganz rötlich übergossen (Nom. form) bzw. von ganz ocker übergossen (subsp. n.) bis fast ganz schwarzbraun. Die Färbung inner- halb einer Population ist jedoch stets einheitlich rötlichbraun (Nom. form) oder ein- heitlich gelblich ocker (subsp. n.). Der Ansicht von Penxa (i. litt.), daß die Falter allge- mein in trockeneren Gebieten heller und in feuchteren kräftiger gefärbt sind, schließe ich mich an; dies kann man auch bei anderen Arten beobachten.

Größe:

Sie beträgt bei Faltern der subsp. n. beim J’ 42-49 mm, i. M. = 45,42 mm, beim 9 46-52 mm, i. M. = 48,37 mm und ist damit rd. 1,5 mm geringer als die Nominatform (46,63 und 49,65 mm). Guerin gibt 5 cm an.

Locus typicus

der Nominatform ist Concepciön/Chile (1.), der der neuen subsp. Apoquindo bei San- tiago (Abb. 3) und der der subsp. elwesi Bryk die Ostseite des Nahuelhuapi-Sees in Ar- gentinien (3.).

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Abb. 3: Locus typicus von Cosmosatyrus chiliensis wygnankii subsp. n., in Apoquindo/San- tiago

Verbreitung:

Der Falter ist weit verbreitet, aber keineswegs überall; an den Flugstellen häufig; er fliegt von der Küste bis in Höhe von 1600 min den Voranden, die subsp. n. von der Kü- ste bis 700 m Höhe (Santiago), von den anderen Fundorten dieser subsp. sind keine Höhen angegeben. Falter der Nominatform liegen mir vor aus den Provinzen Linares, Nuble (Chillän), Concepciön, Arauco und Cautin, also dem südlichen Mittelchile, dem sog. Kleinen Süden; Falter der subsp. n. von den Provinzen Coquimbo, Aconcagua und Santiago; die von Butter (2.) erwähnten Falter „near Valparaiso“ dürften auch der subsp. n. angehören. Übergänge liegen insgesamt nur bei3 @’C’ und 2? vorund zwar aus den Provinzen Curicö, Nuble (Las Trancas) und Bio-Bio (Laguna del Laja), alle leg. Prsa. In diesem Gebiet dürfte auch die Grenze zwischen der Nominatform weiter südlich und der subsp. n. nördlich davon liegen.

Biotop

der Nominatform sind offene Stellen von waldigem Gelände, der subsp. n. grasige Hänge mit Büschen (Abb. 3), der subsp. elwesi die grasige Pampa (5.).

Danksagung

Ich benenne diese neue Unterart wygnankii nach meinem Vetter Dr. Roman WyvGnANnkI, San- tiago/Chile, in dankbarer Erinnerung, daß er mich als jungen Menschen mit seinem großen Wis- sen an Beobachtung und Erkenntnisse in der Natur herangeführt hat. Dadurch ist mein ganzes Leben sehr bereichert worden. Herrn PENA G., Santiago/Chile, danke ich vielmals für seine sach- kundigen Hinweise und Literaturangaben, Herrn Dr. FORSTER (f) und Herrn Dr. DiErL, Zoologi- sche Staatssammlung München, sageich Dank, daßich das dortige umfangreiche Faltermaterial in meine Untersuchungen einbeziehen konnte.

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Zusammenfassung

Eine neue Unterart von Cosmosatyrus chiliensis GUERIN, 1832, wygnankii subsp. n., aus dem nördlichen Mittelchile wird beschrieben und abgebildet.

Literatur

l. GUERIN-MENEVILLE, F. E. 1832: In Duperry, L. J.: Voyage autour du monde sur la corvette La Coquille, 1822-25 v. 3-5,: Zoologie par R. P. Lesson, Prosper Garnot und Gu&erin-Meneville, Paris 1826-30 S. 280-281, Atlas, Ins., Taf. 16, Fig. 4-5 (nur © Ober- und Unterseite).

2. BUTLER, A. G. 1881: List of Butterflies collected in Chili by Thomas Edmonds. In: Transactions ofthe Entomological Society of London. S. 460 Nr. 21.

3. ELwEs, H. J. 1902/3: The Butterflies of Chile in: Transactions of the Entomological Society of London. S. 280 Nr. 19, Taf. XV, Fig. 9 CO’, 10 Q (ober- und unterseits, farbig).

4. SEITZ, A. 1906-1954: Die Gross-Schmetterlinge der Erde, A. Kernen-Verlag Stutgart, Bd. 5. Die amerikanischen Tagfalter (1924), TextS. 233 (1911), Taf. 51 Zeilea (nur O’ nur unterseits).

5. BRYK, F. 1945: Schmetterlingsausbeute aus Patagonien. In: Arkiv för Zoologi., Stockholm, Bd. 36A (3): 11 Nr. 8 (ssp. elwesi Bryk).

6. PENAG.,L.E. 1965-66: Revalidaciön de Cosmosatyrus chiliensis elwesi Bryk. In: Observacio- nes sobre mariposas de Chile (Lepidoptera) Bol. Soc. Biol., Concepeiön/Chile, XL: 99 Nr. 3.

7. PENA G., L. E. 1975: In: Guia para reconocer mariposas, Universidad de Chile, Faculdad de Agronomia, Santiago/Chile, S. 86-87 (Abb. O und 9 ober- und unterseits, farbig).

Anschrift des Verfassers: Günter JUNGE Zehntbergstraße 15, D-6905 Schriesheim-Altenbach

Cynegetis syriaca (MADER) neu für die Türkei (Coleoptera, Coccinellidae)

Cynegetis syriaca (MAper), new for Turkey

Von Helmut FÜRSCH

Abstract:

The second species of gen. Cynegetis, so far known only from Syria (type series) and Iran is re- corded from eastern Turkey.

Diese zweite Cynegetis-Art, die Maper als Subcoccinella beschrieben hat, war bis zur Meldung Duvsrcess aus der Provinz Tehran nur in der Typenserie aus Syrien (Ak- bes) bekannt. K. und S. WELLscHmien fanden nun 5 Exemplare in der Osttürkei bei An- takya am 17.5.85. Damit sind insgesamt 14 Exemplare dieser seltenen Art bekanntge- worden. Sieist Subcoccinella quatuordecimpunctata in Färbung und Zeichnung sehr ähnlich, davon aber leicht durch die drei verflossenen Flecken an der Basis jedes Ely- trons in der Nähe des Scutellums zu unterscheiden. Beschrieben und abgebildet in FürschH, H. 1986: Rev. Zool. Afr. 99 (4): 398. Leider hat sich dort ein Setzfehler einge- schlichen, der hier korrigiert sei: Es muß natürlich hinter Cynegetis rapillyi (einem Synonym von C. syriaca) heißen: „Stummelflügelig, in der Färbung und Zeichnung sehr ähnlich Subcoccinella quatuordecimpunctata.“ Punkt und Absatz nach „ähn- lich“ sind falsch!

Anschrift des Verfassers: Prof. Dr. Helmut FÜRSCH Universität Passau, Postfach 2540, D-8390 Passau

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Zwei für Deutschland neue Arten der Gattung Caryocolum (Lepidoptera, Gelechiidae)"

Two species of the genus Caryocolum, new for Germany.

Von Peter HUEMER

Caryocolum mucronatella (CHRETIEN, 1900) and C. klosi (REBEL, 1917), which have been mis- identified up tonow, are recorded from West Germany for the first time. Some data on the ecology and the distribution are given.

Die vom Autor am Britischen Museum (London) durchgeführten Revisionsarbeiten erbrachten den erstmaligen Nachweis der beiden Gnorimoschemini-Arten Caryoco- lum mucronatella und C. klosi für Deutschland. Obgleich die Funde von mucronatella in die letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts zurückreichen, erscheint ein rezentes Vorkommen in Bayern sehr wahrscheinlich. Mikrolepidopterologen dieses Gebietes sollten daher insbesonders der Larvensuche ihre Aufmerksamkeit widmen. Beide Ar- ten besiedeln nach bisherigen Kenntnissen in nur wenigen Populationen Mitteleuropa und bedürfen deshalb besonderer Schutzmaßnahmen, um so mehr, als sich die süd- deutschen Biotope im Randbereich des Verbreitungsgebietes befinden.

Bezüglich einer Diagnose, insbesonders der Genitalarmaturen, sei auf die Gat- tungsmonographie (Hvrner, in Vorbereitung) verwiesen.

Caryocolum mucronatella (Chre£rien, 1900) Bull. Soc. ent. Fr. 1900: 138 (Lita)

Eine Serie von 4 JO’O’und2 ?Q aus der Frey Sammlung ist teilweise mit „Kehlheim e. 1.“ etikettiert. Es handelt sich bei diesen Tieren mit größter Wahrscheinlichkeit um authentisches, bereits von Schmip (1887) unter Lita leucomelanella (ZELLEr) publizier- tes Material. Schmiv’s leucomelanella schließt zumindest noch die Arten C. vicinella (DovucLas) und mucronatella als Fehldeterminationen ein, eine Tatsache, die aus den heterogenen Angaben über die Lebensweise und Substratwahl der Raupen ersichtlich ist.

Ökologie: Die Larven der bayerischen Population wurden Ende Mai in weitläufigen Gespinsten zwischen den Stengeltrieben von Minuartia setacea (Thu). Have fest- gestellt (Schmp, 1887). Luomme ([1946]) meldet die ersten Stände für Juni und Juli an Minuartia mutabilis ScHinz & THELL ex BECHERER. Weitere Minuartia spp. wurden eben- falls als Substrat konstatiert. Die Imagines wurden von Ende Juni bis Ende August bis zu einer Höhenlage von 2300 m gefangen.

Verbreitung (nach untersuchtem Material): Spanien, Frankreich, Deutschland (Bayern), Schweiz, Österreich, Italien, Griechenland, Türkei, Syrien.

Fundorte in Bayern: Kehlheim. Nach Schmip (loc. cit.) wurde mucronatella auch bei Nittendorf und Wörth gefangen.

Caryocolum klosi (Reser, 1917) Verh. zool.-bot. Ges. Wien 67: 30 (Gelechia)

Die Art wurde bereits von Süssner (1966) als wahrscheinlich unbeschriebene Caryo- colum aus dem Schwarzwald gemeldet. Eine Untersuchung der Genitalarmaturen er- gab nun, nach Vergleich mit Typenmaterial von klosi, eindeutig die Zugehörigkeit zu letzterer. Außerlich weicht die Schwarzwaldpopulation von österreichischen klosi durch die kräftige dunkelbraune Beschuppung der Vorderflügel und die gleichzeitige Reduktion der orangebraunen Schuppen etwas ab (Abb. 1). Diese Differenzen beru- hen möglicherweise darauf, daß es sich um Zuchtmaterial bzw. um wenig geflogene

“ Mit Unterstützung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

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Abb. 1: Caryocolum klosi (REBEL) CO’, Württemberg, Schwarzwald (leg. Süssner) (Photo: Photo- graphische Abteilung des Britischen Museums [Nat. Hist.]).

Individuen handelt. Bis zur Klärung dieser Problematik erscheint ein Subspeeiessta- tus nicht gerechtfertigt.

Ökologie: Die Larven wurden im April zwischen versponnenen Trieben und Blätt- chen von Stellaria nemorum L. gefunden und die Imagines schlüpften in der zweiten Maihälfte (coll. Süssner). Im Freiland wurden die adulten Tiere von Ende Juni bis Ende Juli gefangen. Bevorzugte Biotope sind schattige Waldränder und Holzschläge.

Verbreitung (nach untersuchtem Material): Frankreich (Alpes Maritimes), Oster- reich (Kärnten, Steiermark, Oberösterreich), Deutschland (Württemberg, Bayern). Gozmany (1953) meldet klosi auch aus Rumänien.

Fundorte in Deutschland: Württemberg (Schwarzwald): Wildbad, Sprollenhaus und Sprollenmühle (Zuchtserien in coll. Süssner); Bayern (Oberfranken): Hof/Saale, 1 C',E. vii. 1960 (coll. Pröse).

Literatur

GOZMANY, L. A. (1953): New data to the Microlepidoptera Fauna of the Retyezat Range.-Annls. hist.-nat. Mus. Nat. hung. 4, 181-185.

HUEMER, P. (In Vorbereitung): A taxonomic revision of the genus Caryocolum GREGOR & POVOLNY (Lepidoptera, Gelechiidae).

LHOMME, L. ([1946 — 1948]): Catalogue des Lepidopteres de France et de Belgique. — 2 (4), 489-648. Douelle (Lot).

ScHmip, A. (1887): Die Lepidopteren-Fauna der Regensburger Umgegend mit Kehlheim und Wörth. — KorrespBl. naturw. Ver. Regensburg 40, 19-58, 83-98, 101-164, 165-224.

SÜSSNER, L. (1966): Bemerkenswerte Funde von Microlepidopteren in Württemberg. — Mitt. ent. Ver., Stuttgart 1, 91-103.

Anschrift des Verfassers: Dr. Peter HUEMER Tiroler Landesmuseum, Museumstr. 15, A-6020 Innsbruck

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Parornix compsumpta sp. n., a new species of Gracillariidae from south-eastern Europe (Lepidoptera, Gracillariidae)

By Paolo TRIBERTI

Abstract

The new species, which is closely related to Parornix acuta TRIBERTI, was collected in themoun- tains of Greece and southern Yugoslavia, at elevations between 1000 and 1600 m above sea-level. Diagnostic characters to distinguish the two related species are given.

Parornix compsumpta sp.n.

Holotype (C): Grecia, M. Taygetos, 1200 m, 8.8.1980, P. Trıserri leg. (Genital slide Trb 1345 0’), in coll. Trıserri.

Paratypes: 1 9,3.-10.9.1953, Petrina plan., Macedonis, 1600 m., J. THURNER leg. (G.s. Trb 1192 9), in coll. Zoologische Staatssammlung in München; 2 9 9,1 0, Grecia, Lakonia, Mt. Taygetos m. 1050, 27.7.1982 (Woodlux), G. BALDIZZONE leg. (G. s. Trb 1342 9, 1340 CO’) in coll. TRIBERTI; 1 Q, Jugoslavia, Ohrid, Openicam. 1100, 7.8.1979, P. TRIBERTI1eg. (G. s. Trb 777 Q) in coll. TRIBERTI; 1 9, Jugoslavia, Ohrid, Galicica, m. 1000, 7.8.79. P. TRIBERTIleg. (G. s. Trb 782 9) in coll. TRIBERTI.

Description. Face and head white-greyish, irrorated with brown scales. Labial and maxillary palpi whitish, apical segment of labial palpi spotted with brown; maxillary palpi 1/4 length of labial palpi. Scape brownish, spotted with white; pecten of few hairs. Segments of antennae white-ochreous, edged with brown apically. Thorax and tegulae white ochreous, irrorated with some brown scales. Fore and middle legs dark brown, coxae and femora with whitish blotches; hind legs ochre; all tarsi whitish, each segment with a dark apical blotch, less clear in the hind legs. Alar expanse 9-10 mm. Forewing white-ochreous, irrotated with brown scales; costa with numerous whitish strigulae, indistinct at basal half and oblique outwardly, except two at apex; these are direct orobliqueinwardly, apicalstrigulareaching almost dorsal margin; ci- lia brownish along termen with two blackish subapical lines, along dorsal margin wholly pale grey. Hindwings greyish-brown, with cilia greyish-white.

JO Genitalia. Tegumen short; tuba analis moderate in length, without setaceous areas at base; short, triangular and well defined subscaphium. Valva supplied with a tooth ventro-distally. Sacculus wide basally with two long curved projections; trans- tilla rather wide, a little projection at middle and a pair of short labides. Saccus slen- der, truncated apically. Aedoeagus curved, bluntly pointed apically, a short projec- tion at base; ductus ejaculatorius sclerotized anteriorly. Eigth sternite with a triangu- lar lobe on caudal margin.

? Genitalia. Postapophysis longer than antapophysis; papillae anales with lateral lobes. A deep hollow just above ostium bursae, that is placed on proximal margin of öth sternite. Ductus bursae long, narrow, a distinct scobinate area on cervix bursae; corpus bursae ellipsoidal, with two circular scobinate signa.

Biology. Unknown.

Distribution. Jugoslavia (Macedonia), Greece (Peloponneso). Itis interesting to note that the species has always been found between 1000 and 1600 m. in height.

Remarks. This species is related to Parornix acuta Trıe. butitis easily distinguished as follows: — In the male, the saccus is slender, straight, not rounded as in acuta; the aedoeagus is differently curved. In the female the antrum is not sclerotized and signa are circular.

Sl

Fig. 1-4. Parornix compsumpta sp. n. 1: Female genitalia. 2: Aedoeagus. 3: Male genitalia. 4A-B: Variability of lobe of 8th sternite.

92

5 6

Fig. 5-6. Parornix compsumta sp.n. 5: Jugoslavia, Ohrid, Openica (P). 6: Jugoslavia, Ohrid, Galicica (9).

Acknowledgements

I wish to express my cordial thanks to Dr. W. Dierr, Zoologische Staatssammlung München, and my dear friend, Dr. G. Barpızzone, Asti, for having allowed me to study their valuable material.

References

TRIBERTI, P. 1980: Parornix acuta n. sp. (Lepidoptera, Gracillariidae). — Entomologica, 16: 71-80.

Anschrift des Autors: Paolo TRIBERTI Museo Civico di Storia Naturale, Lungedige Porte Vittoria, 9, I-37100 VERONA

Scymnus (Nephus) klapperichi syn. nov. von Cryptogonus orbiculus (GYLLENHAL, 1808: 205)

(Coleoptera, Coccinellidae)

Von Helmut FÜRSCH

Scymnus (Nephus) klapperichi syn. nov. of Cryptogonus orbiculus (GyLLEnHaL, 1808).

L. Maper beschrieb 1955 in Koleopterol. Rundsch. 33 (1-6): 73 einen Scymnus (Ne- phus) klapperichi aus Kuatun (Fukien). Die Typen aus dem Museum Frry und der Sammlung KrarrerıcH konnten studiert werden und erlauben eine eindeutige Zuord- nung zu Cryptogonus orbiculus (GYLLENHAL). Die Art ist abgebildet bei Sasası, H. 1971: Fauna Japonica Coccinellidae: 194, 196 und PanGg XıonG-FEi & Mao Jınc-Long: Fauna Economic Insects 16: 59.

Anschrift des Verfassers: Prof. Dr. Helmut FÜRSCH Universität Passau, Postfach 2540, D-8390 Passau

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Eine neue Hyperaspis-Art für die Türkei (Coleoptera, Coccinellidae)

A new species of the genus Hyperaspis from Turkey.

Von Helmut FÜRSCH

Abstract

A new Coceinellid — Hyperaspis wellschmiedi spec. nov. from Turkey is described. Figures of habitus, male genitals and a differential diagnosis to closely related species are given.

Einleitung

Nachdem Uvcun & Fürsch (1981) die Hyperaspis-Arten der Türkei behandelt haben und Fürsc# (1985) Hyperaspis klapperichi beschrieben hat, sind bisher lediglich 9 Hy- peraspis-Arten für die Gesamttürkei bekanntgeworden. Karl und Susanne Werır- SCHMIED legten nun neben einem Neufund der Hyperaspis klapperichi eineneue Art aus der Provinz Antalya vor.

Hyperaspis wellschmiedi spec. nov.

Diagnose: Rundlich mit einer kleinen gelben Makel auf dem Hinterende jeder Flü- geldecke, J in den Elytrenvorderecken kleine gelbe Strichmakel. Abb. 1-4. Länge: 3,0=-3,2 mm; Breite: 2,2-2,3 mm.

Beschreibung: Körperform auffallend breit. Färbung: Kopf beim JO’ gelb mit etwa 25-28 Punkten auf der Stirn zwischen den Augen, Untergrund sehr deutlich genetzt. Punkte etwas größer als Augenfacetten. Beim ?: Kopf mit zwei länglichen rotgelben Makeln auf der Stirn beiderseitig neben den Augen. Pronotum schwarz mit breitem, stark medial erweitertem gelbem Seiten- und damit zusammenhängendem Vorder-

Abb. 1-4: Hwyperaspis wellschmiedi spec. nov.: 1 Habitus (Maßstab = 1 mm); 2 Phallobasis; 3 Sipho; 4 Basallobus ventral (Maßstab = 0,1 mm).

54

saum. Sculpierung etwa wie auf dem Kopf, so daß das Pronotum seidig schimmert. Elytren schwarz, beim © mit gelber Scutellarmakel und hellgelbem kleinem rundli- chem Fleck in der Elytrenhinterwinkeln, dem Rand stärker genähert als der Basis und vom Hinterrand der Elytren etwa einen Fleckdurchmesser entfernt. Beine und Mund- werkzeuge gelbbraun, Unterseite schwarz. Männliche Genitalorgane Abb. 2-4.

Differentialdiagnose: Ähnlichen Aedeagus aber rötliche Flecken haben: H. uhligi FürschH (1985) (ohne Scutellarfleck); H. klapperichi Fürsc# (1985) (ohne Scutellar- fleck), K. und S. WELLscHMIED haben diese Art, die bisher nur in einer Typenserie aus Aband, Westtürkei, bekannt ist auch bei Termessos gefunden; H. lata Fürsch (1985) (ist viel schlanker). Recht ähnlich ist auch H. algirica Crorc# (1874), schlanker aber auch mit rötlichen Makeln. Gelbgefleckt ist H. reppensis (Herssr 1783), auch diese Art ist schlanker und hat keinen Scutellarfleck. In der Tabelle der türkischen Arten (Fürsc# 1981) kommt man auf die Leitzahl 5: H. pseudopustulata Mursant (1853) (viel schlanker, rötliche Makeln, Apicalfleck weiter dorsad, rötliche Färbung auf dem Pro- notum breiter) und H. kansui Uvcun & Fürsch (1981): sehr ähnlich aber ganz andere Genitalorgane mit auffallend großem Sinus am Basallobus.

Untersucht: Holotypus: Asia minor, Prov. Antalya, Umgebung Myra Kalae, 2.5.78 Karl und Susanne WELLSCHMIED leg. (Coll. FürscH). Paratypus, @ Asia minor, Selale (Manavgat), 19.5.77 WELLSCHMIED leg. (Coll. WELLSCHMIED, München).

Dank

Für die Möglichkeit die interessante Coccinelliden-Ausbeute aus der Türkei unter- suchen zu können und besonders für die Überlassung des Holotypus bin ich Herrn Dr. Dr. WELLSCHMIED und seiner Frau Susanne zu großem Dank verpflichtet.

Literatur

UyvGun, N. & FÜRSCH, H. (1981): Die Hyperaspis-Arten der Türkei. — NachrBl. bayer. Ent. 30 (1): al);

CANEPARI, C; FÜRSCH, H. & KRrEiısstL, E. (1985): Die Hyperaspis-Arten von Mittel-, West- und Süd- europa. Systematik und Verbreitung. — G. it. Ent. 2: 223—252.

Anschrift des Verfassers: Prof. Dr. Helmut FÜrRscH Universität Passau, Postfach 2540, D-8390 Passau

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Beobachtungen zum Aggregationsverhalten von Bibionidae-Larven (Diptera, Nematocera)

Observation on the aggregating behaviour of Bibionidae-larvae. (Diptera, Nematocera).

Von Ernst-Gerhard BURMEISTER

Abstract

Autumn aggregations of fully grown larvae of Bibionidae were observed under layers of dead leaves, in a private garden in southern West Germany. The phenomenon is interpreted as a beha- viour to avoid desiccation during winter.

The aggregations also included juvenile Julidae (Myriapoda, Diplopoda).

Bei der Beseitigung angewehter dichter Laubauflagen unter Gebüsch in einem Gar- tengrundstück konnten in einer dabei freigelegten etwa 20 cm Durchmesser aufwei- senden Mulde (Tiefe etwa 10 cm) im Erdreich etwa 600 Larven von Bibionidae (März- fliegen) am 23. September 1986 beobachtet werden. Bereits im Frühjahr waren in die- sem Gebüschabschnitt zahlreiche Bibionidae-Imagines bei der Paarung beobachtet worden. Offensichtlich handelt es sich bei der beobachteten Ansammlung von Larven um ein Aggregationsverhalten vor der Überwinterung. Aus wievielen Gelegen diese erwachsenen Larven stammen ist nicht nachzuvollziehen.

Nach Entnahme einiger Larven wurde die Mulde wieder mit Laub bedeckt als Ver- such, die ursprünglichen Verhältnisse wiederherzustellen. Nach 4 Tagen wurde er- neut die Auflage entfernt, um festzustellen, ob sich die Larven verpuppen. Dabei stellte sich heraus, daß der gesamte Bestand an Larven abgestorben und ausgetrock- net war. Dies bedeutet, daß das Mikroklima durch die kurzzeitige Entnahme der dek- kenden Laubstreu derartig gestört wurde, daß die aggregierten Larven austrockneten ohne sich vorher im randlich verfestigten Humusboden tiefer eingraben zu können.

Aggregationen gerade vor einsetzenden Trockenzeiten (in Mitteleuropa der Winter) sind auch von anderen ‚feuchtigkeitsliebenden‘ Insekten wie etwa Carabidae (Lauf- käfer) bekannt. Offensichtlich dient als Austrocknungsschutz die gemeinsame redu- zierte Veratmung geringer Wassermengen.

Bei der Kontrolle der Mulde, die von den Bibionidae-Larven offensichtlich zur ge- meinsamen Überwinterung aufgesucht wurde, zeigte sich, daß unter den bei der Erst- kontrolle bzw. Aufdeckung ruhenden Larven zahlreiche (46 Indiv.) juvenile Julidae (Myriapoda, Diplopoda) lagen, die augenscheinlich auch dieses Kleinklima aufsuch- ten zur Überwinterung und jetzt ebenfalls ausgetrocknet waren.

Von Bibionidae-Larven ist bekannt, daß sie zeitweise in Massen auftreten und dann nicht nur verrottende Pflanzenteile, sondern auch Wurzeln lebendiger Pflanzen fres- sen. Daß jedoch die Individuen eines Geleges, das von den Weibchen im Boden depo- niert wird, vor der Überwinterung eine augenscheinlich gemeinsam gegrabene Mulde aufsuchen, deren Wandung verfestigt ist, war bisher nicht bekannt. Eine Vermutung, daß sich erwachsene Larven von verschiedenen Gelegen derartig ‚zusammengetan‘ haben, erscheint noch bemerkenswerter.

Am 9.11.1986 konnte im gleichen Gartengrundstück (Gernlinden bei Fürstenfeld- bruck, Oberbayern) in ähnlicher Vegetation und Bodenbeschaffenheit eine Ansamm- lung (etwa 400 Larven) beobachtet werden. Auch hier waren am Boden der Mulde zahllose juvenile Juliden mitintegriert in den Aggregationsverband. Die ausgewach- senen Bibionidae-Larven wurden über eine größere Fläche auf aufgelockertem Boden unter feuchtem Laub (ähnliche Bedingungen wie die Bedeckung der Mulde) vereinzelt ausgebracht. Bereits nach 2 Tagen waren in einer neugeschaffenen flachen Mulde

56

wieder etwa 80 Larven zusammengekommen. Vermutlich durch Frosteinwirkung wuchs die Zahl in der Folgezeit nur unwesentlich an. Ob noch weitere Aggregationen stattgefunden haben, konnte nur in einem Fall - Mulde mit etwa 50 Larven — bestä- tigt werden.

Im Verlauf dieser Beobachtungen konnten auch Aggregationen von Limoniidae- Larven unter flach angehäuftem faulendem Grasschnitt beobachtet werden.

Dr. Ernst-Gerhard BURMEISTER Graf Toerring Str. 8 a, 8031 Gernlinden

Tagung

Entomologen-Tagung der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomolo- gie vom 30. September bis 4. Oktober 1987 in Heidelberg. Tagungsort: Universität Heidelberg, Fakultät für Biologie, Im Neuenheimer Feld 504, D-6900 Heidelberg. Auskünfte erteilt: Dr. S. Hassan, Institut für Schädlingsbekämpfung der BBA, Heinrichstr. 243, D-6100 Darmstadt.

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft

Während des Sommers finden keine Bestimmungsabende „Lepidoptera“ statt.

Der Koleopterologische Arbeitskreis trifft sich am 13.7., 27.7., 10.8. und 21.9. jeweils um 18 Uhr im Restaurant „Alter Peter“, Buttermelcherstraße 5. Der Termin am 7.9. entfällt wegen Betriebsferien.

Herausgeber: Münchner Entomologische Gesellschaft, Münchhausenstr. 21, D-8000 München 60 Schriftleitung: W. Lorenz/Dr. R. Gerstmeier Druck: Gebr. Geiselberger, 8262 Altötting

NachrBl. bayer. Ent. 36 (3) 31. Oktober 1987 ISSN 0027-7425

Inhalt: K. Horstmann: Die europäischen Arten der Gattungen Echthronomas FÖRSTER und Eri- borus FÖRSTER (Hymenoptera, Ichneumonidae) S. 57 — E.-G. BURMEISTER: Die Arten der Gattung Ephemera Linnaeus, 1758 in Bayern — Diagnostik und Faunistik (Insekta, Ephemeroptera, Ephemeridae) S. 58 — K. SPORNRAFT: Zwei für Mitteleuropa neue Nitidulidae (Coleoptera, Niti- dulidae) S. 73 — E.-G. BURMEISTER: Ist eine Zusariin: eilt ter.Spezialisten und Sammler ver- schiedener Insektengruppen mit den NatugsChutzbe ö nögh CH®S, 76 — Autorenrichtlinien S. 84 — Aus der Münchner EntomologischHen Gesellschaft S. 84. " R

\ FEB24nge |) Die europäischen Arten’der Gattungen Eehthronomas FORSTER und Eribort sten

(Hymenoptera, Ichneumonidae)

Von Klaus HORSTMANN

Abstract

The European species of the genera Echthronomas FÖRSTER and Eriborus FÖRSTER (Hymeno- ptera, Ichneumonidae, Campopleginae) are revised, keys are provided for four and eight species, respectively, two lectotypes are designated, and two new synonyms are indicated. Three new spe- cies of Eriborus are described.

I. Echthronomas Förster

Die Gattung Echthronomas Förster ist mit wenigen Arten in der Holarctis und Orientalis verbreitet. Eine Beschreibung der Gattung und die Abbildung einer Art finden sich bei Townes (1970: 190£. u. 291). Die wenigen europäischen Arten sind sehr selten (mit Ausnahme von E. quadrinotata) und sind wahrscheinlich deshalb noch nie zusammenhängend bearbeitet worden. Die Arten sind untereinander sehr ähnlich, und die wenigen Unterschiede sind in der folgenden Tabelle angegeben.

a) Tabelle und Diagnosen der Arten

1. Mittelsegment fast ungefeldert; Area petiolaris lateral nicht begrenzt, nicht quergerunzelt; Areola lang gestielt (Stiel fast so lang wie die Areola selbst); Femora III schwarz; beim 9 Fühler 42gliedrig, vorletzte Glieder knapp solang

98

DD

b)

wie breit; 2. Gastersegment wenig länger als breit; Clypeus, Gesicht, Wangen, innere Orbiten, Schaft unten, Coxen und Trochanteren I und II und alle Tro- chantellen gelb; Gaster schwarz, nur das 2. und 3. Tergit apical gelbbraun ge- randet:.o}, unbekannt ak. mu ne Te facialis (Thomson) Mittelsegment mit angedeuteter Felderung; Area petiolaris lateral oft be- grenzt, fast immer quergerunzelt; Areola kurz gestielt oder punktförmig sit- zend; Femora III rot; beim 9 2. Gastersegment wenig breiter als lang; Gesicht nicht ganz gelb; Stirnorbitennurdorsalgelb. =. 2. 2er ne ee Coxen der Vorder- und Mittelbeine ganz gelb; beim ? Fühler 44gliedrig, vor- letzte Glieder so lang wie breit; Clypeus, Wangen, Gesichtsrand dorsal, schmale verticale Striche im Bereich des Wangenraums und Schaft unten gelb; Postpetiolus und das 2. bis 4. Gastertergit jeweils basal dunkel, apical rot gezeichnet; J’ nach Auserr (1973: 24) an den Coxen und auf dem Gaster ähnilich’gezeichnet, anscr.r 2 we tricincta (GRAVENHORST) Coxen der Vorder- und Mittelbeine ganz schwarz oder schwarz und rötlich gezeichnet; beim 9 Gesicht ganz schwarz (beim ©’ zuweilen Vorder- und Mittelcoxen ganz gelb, dann 2. bis 4. Gastertergit ganzrot)................ rücklaufender Nerv etwa bei ?/3 der Areola ansetzend; Wangen gelb; beim 9 Fühler 41gliedrig, vorletzte Glieder etwas länger als breit; Clypeus ganz gelb oder gelb mit kleinem zentralen dunklen Fleck; Schaft unten gelbbraun oder ganz schwarz; Coxen schwarz oder schwarz und rot gefleckt; Post- petiolus apical und das 2. bis 4. Gastertergit ganz rot; J unbekannt......... GE. TE EEE ER ochrostoma (HoLMGREN) rücklaufender Nerv fast im Endwinkel der Areola ansetzend; Wangen schwarz; beim 9 Fühler 43gliedrig, vorletzte Glieder so lang wie breit; Clypeus schwarz, lateral mit kleinen gelben Flecken; beim © Clypeus ganz gelb; Gesicht gelb mit schwarzen Flecken im Bereich der Clypeus-Gruben (ob Immer) A Ars 5a ae ne fra Nr re te are Postpetiolus ganz dunkel oder nur apical schmal rot gezeichnet; 2. und 3. Tergit rotbraun, oft dunkel gefleckt; 4. Tergit ganz schwarz oder nur basal rot- braun gerandet; Coxen ganz schwarz oder Coxen I schwarz und gelbrot gerleckt.. Au. N DM quadrinotata quadrınotata (THomson) Postpetiolus überwiegend und das 2. bis 4. Gastertergit ganz rot; oft auch das 5. Tergit ganz oder an der Basis rot; beim Q Coxen ausgedehnter gelbrot gezeichnet; beim J’ nach Auserr (1963: 875) Coxen Iund II ganz weißgelb.... EEE N EEE SR NEE ERTL quadrinotata meridionator AUBERT

Revisionen der Arten

Echthronomas facialis (Thomson)

se

Anilasta facialis THOMSON, 1887: 1174 — Lectotypus (P?) von mir beschriftet und von AUBERT (1972: 150) festgelegt: „Gallia“ (Lund)*.

Verbreitung: Nord- und Südfrankreich (der Lectotypus stammt nach Tnomson aus Südfrankreich, ein weiteres @ in Coll. Thomson aus Phalempin bei Lille in Nordfrank- reich). Die Art scheint nach ihrer Beschreibung nicht wieder aufgefunden worden zu

in.

Echthronomas ochrostoma (HoLMGREN)

Ai

Casinaria ochrostoma HOLMGREN, 1860: 50f. — Holotypus (?) von Hınz beschriftet und von

IBERT (1972: 148) zitiert: „Dv.“ (= Dovrefjell/Norwegen) (Stockholm).

* In der Regel wird nur selbst untersuchtes Material ausgewertet. Bei Museumssammlungen wird der Name der Stadt, bei Privatsammlungen der Name des Sammlers in Klammern ange-

geben.

39

Wirt: Setina irrorella (Linnazus) (Arctiidae) (Coll. Arrrs/Bonn). Die Parasitenlarve hat sich in der ausgefressenen Wirtshaut verpuppt (wie es auch für manche Hyposo- ter-Arten charakteristisch ist).

Verbreitung: Norwegen (Stockholm), Monschau/Westdeutschland (Bonn), Süd- frankreich (Avserr, 1972: 148). Anilasta ochrostoma sensu THomson (1887: 1174) und Echthronomas ochrostoma sensu SCHMIEDERNECHT (1908: 1593£.) und Prankuc# (1923: 169) gehören zu E. tricincta, Casinaria ochrostoma sensu Tschek (1871: 59) und Ech- thronomas ochrostoma sensu ULsricHt (1916: 11) gehören zu E. quadrinotata.

Echthronomas quadrinotata quadrinotata (Thomson)

Anilasta 4-notata Thomson, 1887: 1174 — Lectotypus (P) von Hınz beschriftet und von AUBERT (1972: 151) festgelegt: „Ostricourt.“ (bei Phalempin/Lille/Nordfrankreich) (Lund)

Wirt: Eilema sp. (Arctiidae) (Augert, 1959: 163).

Verbreitung: Nord- bis Süddeutschland (Hırrerr, Hınz, Horstmann, Berlin, Bonn), Nordfrankreich (Lund), Österreich (Horstmann, Wien), Bulgarien (Korarov), Nord- Ka- zakhstan (Leningrad). Die von mir gefangenen Tiere flogen auf abgetorften und mit Büschen bestandenen Mooren.

Echthronomas quadrinotata meridionator AUBERT

Echthronomas 4-notatus meridionator AuBERT, 1960b: 664 — Typus (9): „J. F. AUBERT, 23.9.1956, Castellar/Menton, France“ (AUBERT).

Verbreitung: Südfrankreich (Avsgerr).

Echthronomas tricincta (GRAVENHORST)

Campoplex tricinctus GRAVENHOBST, 1829: IIV530f. — Holotypus (?) von Townes beschriftet und von PFANKUcH (1923: 169) und AuUBERT (1973: 24) zitiert: ohne Originaletikett (nach der Be- schreibung aus Warmbrunn = Cieplice/Polen) (Wroclaw).

Verbreitung: Frankreich (Coll. Thomson/Lund unter Anilasta ochrostoma; Außer, 1973: 24), Polen (Wroclaw).

II. Eriborus Förster

Die Gattung Eriborus Förster ist mit vielen Arten in den Tropen und Subtropen der alten Welt verbreitet und erreicht nur mit relativ wenigen Arten die Westpaläarktis. Eine Beschreibung der Gattung, eine Auflistung der Gattungssynonyme und die Ab- bildung einer Art finden sich bei Townes (1970: 188£. u. 290). Die Kenntnisse über die Gattung waren bisher in Europa vor allem aus zwei Gründen ungenügend: Einmal war der Umfang umstritten, und noch von Horstmann (1969b: 414) wurden zwei Arten zu Diadegma Förster gestellt, die unzweifelhaft zu Eriborus gehören (Diskussion bei Horstmann, 1986: 147). Zum anderen sind mit den zwei am häufigsten zitierten Artna- men, Eriborus braccatus und E. perfidus, mindestens vier Arten bezeichnet worden, und zwar von den verschiedenen Autoren in unterschiedlicher Weise. So stimmen die Deutungen durch GravsnHorst (1829: IIV549£. u. 595£.) und durch Tnuomson (1887: 1175) überhaupt nicht überein. Deshalb sollten Literaturzitate, die diese Arten be- treffen, nur dann übernommen werden, wenn das den Veröffentlichungen zugrunde liegende Material untersucht werden konnte.

Unter den europäischen Arten lassen sich zwei Artengruppen erkennen. Zu der ei- nen gehört nur E. dorsalis, eine Art, die sich durch die sehr eng und rauh punktierten Pleuren und durch die stark gerunzelten Petiolus-Seiten auszeichnet. Außerdem sind bei ihr die Klauen lang und nur basal sehr kurz gekämmt und die Coxen rot. Die letzt- genannten Merkmale finden sich auch bei anderen Arten aus verschiedenen Gattun- gen der Unterfamilie Campopleginae, die in feuchten Wiesen vorkommen, und stellen deshalb vielleicht Anpassungen an die Lebensweise dar (Diskussion bei Townes, 1965: 413; Horstmann, 1973: 143). Die erstgenannten Merkmale sind dagegen sehr charakte-

60

ristisch. Für diese Art stünde der Gattungsname Zaporus Förster zur Verfügung, aber es soll ohne Kenntnis der vielen tropischen Arten nicht entschieden werden, ob die Abtrennung einer Untergattung gerechtfertigt ist. Die übrigen Arten sind unterein- ander recht nah verwandt.

a) Tabelle und Diagnosen der Arten

1. Scheibe der Mesopleuren sehr dicht und matt punktiert und gerunzelt, Zwischenräume zwischen den Punkten nur als Leisten ausgebildet; Petiolus lateral gestreift und grob gerunzelt; Klauen deutlich länger als der Pulvillus, nur basal kurz gezähnt; Coxen und Mitte des Gasters rot; Schläfen mäßig lang (wie Abb. 2), in Höhe des unteren Augenrandes breiter als die Mandibelbasis; Wangenleiste dicht an ihrem Treffpunkt mit der Mundleiste vollständig, etwa gerade und nicht eingebogen; Mundleiste nicht auffällig verbreitert; beim 9 letzte Gastertergite dorsal apical nicht ausgerandet; Bohrerklappen so lang wie die Tibien III (weitere Merkmale vgl. Horstmann, 1969b: 429f.).......... NE a, TERRA RE NIEREN IE BEIN dorsalis (GRAVENHORST)

— Scheibe der Mesopleuren mäßig dicht bis dicht punktiert, Zwischenräume stellenweise so breit wie die Punkte, fein gekörnelt; Petiolus lateral über- wiegend glatt oder sehr fein strukturiert; Klauen nur so lang wie der Pulvillus, in der Regel sehr deutlich lang gekämmt (Ausnahme: E. rufopictus);zumindest CoxenIlH.dunkel;sonst unterschiedlich. 24 a2 9 reed Se 2;

2. Wangenleiste dicht an ihrem Treffpunkt mit der Mundleiste eingebogen und teilweise verloschen; Mundleiste dort stark verbreitert; Schläfen im Bereich des unteren Endes der Facettenaugen breiter als die Mandibelbasis; bei einer Art Area superomedia etwa zweimal so lang wie breit, etwa so lang wie die Area petiolaris (Abb. 5); beim ® letzte Tergite dorsal apical nicht aus- gerandet; Bohrerklappen so langwie der Postpetiolus.................... —a.

— Wangenleiste dicht an ihrem Treffpunkt mit der Mundleiste vollständig, etwa gerade und nicht eingebogen; Mundleiste nicht auffällig verbreitert; Area superomedia in der Regel etwa 1,5mal so lang wie breit oder noch gedrunge- ner, deutlich kürzer als die Area petiolaris (Abb. 6-8); sonst unterschiedlich... —4.

3. Area superomedia etwa zweimal so lang wie breit, etwa so lang wie die Area petiolaris (Abb. 5), zuweilen lateral nicht begrenzt; Schaft auf der Unterseite ganz oder fast ganz gelb gezeichnet; Spitzen der Coxen I (oft auch II), alle Tro- chanteren und Trochantellen und die Tegulae hellgelb; Femora III auf der Basalhälfte dunkelbraun, apical meist rotbraun; Tibien III basal und median gelbbraun, subbasal und apical dunkelbraun; 2. und 3. Gastertergit meist basal schwarzbraun, apical rotbraun, die folgenden Tergite oft ganz rotbraun BEL Sa er Eee: er BE Mr ER IE braccatus (GMELIN)

— Area superomedia in der Regel 1,5mal so lang wie breit oder noch gedrunge- ner, deutlich kürzer als die Area petiolaris, lateral deutlich begrenzt; Schaft auf der Unterseite ganz dunkel oder nur apical gelb gezeichnet; in der Regel Mandibeln (bis auf Basis und Zähne), Spitze der Coxen I, Trochanteren I und II und alle Trochantellen gelb; Femora III überwiegend oder ganz dunkel- braun; Tibien III basal und median trüb gelbbraun, subbasal und apical mittel- bis dunkelbraun; Gaster ganz dunkel (oft beim ©) oder hinter dem 2. Tergit dorsal und lateral unterschiedlich stark rotbraun gezeichnet....... NE A ee Siesta Ace araisı- perfidus (GRAVENHORST)

4. Klauen nur basal kurz gekämmt; Femora III ganz rot; Gaster median breit rot (zumindest das 3. und 4. Tergit ganz oder fast ganz rot), apicalschwarz...... a er PIE rufopicetus Sp. n.

— Klauen bis fast zur Spitze lang gekämmt; Femora III nicht ganz rot und/oder

Gasterganzischwarz oder.apical.rotinr. 0 Ara ER MENSA EEE a . Schläfen mäßig lang (Abb. 2), in Höhe des unteren Augenrandes deutlich

breiter als die Mandibelbasis; Femora Ill rot und gleichzeitig Gaster ganz oder

fast ganz schwarz (höchstens das 2. und 3. Tergit wenig rot gezeichnet); beim

O1

Q letzte Tergite dorsal apical deutlich ausgerandet; Bohrerklappen länger als die Tibien III (weitere Merkmale vgl. Horstmann, 1969b: 453f.). ...........- terebrans (GRAVENHORST)

———

u

6

Abb. 1-4: Dorsalansicht des Kopfes. 1: Eriborus rufopictus (9); 2: Eriborus terebrans (9); 3: Eriborus obscurus (9): 4: Eriborus obscuripes (9).

Abb. 5-8: Form der Area superomedia. 5: Eriborus braccatus (9); 6: Eriborus rufopictus (9); 7: Eriborus obscurus (9); 8: Eriborus obscuripes (9).

62

— Schläfen sehr kurz und sehr stark verengt (Abb. 3-4), in Höhe des unteren Augenrandes nur so breit wie die Mandibelbasis; Femora III schwarz oder dunkel gezeichnet und/oder Gaster median oder apical deutlich rotbraun gezeichnet; beim 9 letzte Tergite dorsal nicht ausgerandet; Bohrerklappen kürzer;als das: 1..Gastersesment nn... mr TI —Bß

6. Mandibeln, Schaft unten, Tegulae und Hinterbeine fast ganz dunkel.........

EEE N ER NIE gran. SEE NE RE HERREN Kr of Dcohe obscurus Sp. n.

= zumindest die Tegulaehellgelb? 7. 22... Wen De a —UfE

7. in der Regel Mandibeln, Schaft unten, Tegulae, Coxen I fast ganz, Trochan- teren lIund II und alle Trochantellen gelb; Femora und Tibien III überwiegend hell rotbraun, Femora III zuweilen basal verdunkelt, Tibien III basal und apical dunkel gezeichnet; 2. Gastertergit mit subapicaler roter Querbinde; die folgenden Tergite in der Regel hellrot; beim 9 Bohrerklappen knapp so lang wieder Petiolusi tn. RW RE RE terebrator AUBERT

— in der Regel Mandibeln überwiegend schwarz, nur an der Basis der Zähne gelbbraun gefleckt; Schaft unten braun oder schwarz; Hinterbeine fast ganz dunkelbraun bis schwarz, nur die Tibien basal und median etwas aufgehellt; Gaster vom Enddrittel des 2. Tergits an rotbraun gezeichnet; beim @ Bohrer- Klappen deutlich’kürzer’als der Petiolus. ...2..2...n..0.... obscuripes sp.n.

b) Revisionen der beschriebenen Arten

Eriborus braccatus (GMELIN)

Ichneumon braccatus GMELIN, 1790: 2705 — Typen (? Holotypus) verloren, Neotypus (C) von AUBERT (1971: 220) festgelegt: „Jocator“ (Coll. Faprıcıus/Kopenhagen, unter „Ophion jocator“).

Ichneumon jocator Fagrıcıus, 1793: 175 (AuBERT, 1971: 220) — Holotypus (J°) von HORSTMANN (1969a: 1) zitiert: „Jocator“ (nach der Beschreibung aus Kiel) (das gleiche Exemplar wie der Neo- typus von Ichneumon braccatus GMELIN).

Anilasta (Eriborus) braccata (GMELINn) forma nigriventris HABERMEHL, 1922: 239 — Holotypus (©): „Klaus. (7) HABERMEHL“ (= Klausen in Südtirol) (Frankfurt).

Die Typen der Schlupfwespen-Arten Gmeuims sind verloren (vgl. Horstmann, 1985: 143), und die Beschreibung stimmt mit der durch den Neotypus definierten Art gut überein. GravenHorst (1829: II/549£.) hat die Art Gmeums als erster gedeutet, sein Ma- terial ist ebenfalls verloren, seine Beschreibung stimmt ebenfalls mit der hier defi- nierten Art überein. Das gleiche gilt für Brıschke (1880: 172) und Thomson (1887: 1175). THomsons Deutung der Art ist allerdings unklar: Das von ihm zitierte Material (von Spalato = Split) ist nicht mehr vorhanden, und in seiner Sammlung steckt jetzt unter dem Namen „braccata“ Material von E. perfidus (2 Q9: „Gallia“) und von E. obscuri- pes (19: „Germ.“, vgl. unten). Die späteren Autoren haben in ihren Sammlungen un- ter dem Namen „braccatus“ Material von E. braccatus, E. obscuripes und E. perfidus stecken. Die von Ausgerr (1961: 183) beschriebene „f. niger“ istnach der Beschreibung nicht zu deuten; der Name ist nach den Nomenklaturregeln (Artikel 15) nicht verfüg- bar.

Der von Augerr (1971: 220) festgelegte Neotypus für Ichneumon braccatus GMELIN wird aus folgenden Gründen anerkannt: Das ursprüngliche Typenmaterial ist verlo- ren. Der festgelegte Neotypus stimmt in Aussehen und Fundort hinreichend gut mit der Beschreibung Gweums überein. (Gmeuım gibt die Farbe der Femora III als schwarz an, während diese bei dem Neotypus nur basal verdunkelt sind; dieser Unterschied wird hier als unwesentlich angesehen. Als Fundort gibt Gmeuin „Europa“ an.) Der Neotypus ist in seiner Eigenschaft als Holotypus von Ichneumon jocator Fasrıcıus gut charakterisiert und ist Eigentum einer anerkannten wissenschaftlichen Institution. Angaben zum Erkennen der Art, die Ausgerr in seiner Veröffentlichung nicht macht, finden sich in der vorliegenden Arbeit.

Wirte: Acronicta psi (Linnarus) (Noctuidae) (Paris; vgl. Seyrıc, 1927: 76). BRISCHKE (1880: 172) nennt Hypena rostralis (Linnarus) (Noctuidae). Nach seiner Beschreibung des Materials könnte die Determination korrekt sein.

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Verbreitung: Dänemark (Kopenhagen), Norddeutschland (Berlin, Bonn, Kopenha- gen), Norditalien (Frankfurt, München), Frankreich (Paris; Ausgerr, 1959: 160), Nord- ost-Spanien (HorRSTMAnN).

Eriborus dorsalis (GRAVENHORST)

Ischnoceros microcephalus GRAVENHORST, 1829: I/954 (PFANKUCH, 1924: 51) — Typen nicht un- tersucht, Deutung nach PFANKUcH (|. c.).

Campoplex dorsalis GRAVENHORST, 1829: IIV/528f. — Holotypus (C’) von Townes beschriftet und von HoRSTMANN (1969b: 429) zitiert: ohne Originaletikett (nach der Beschreibung von Breslau = Wroclaw) (Wroclaw).

Der Holotypus von Zaporus dorsalis (GRAvEnHoRSsT) var. longulus Kıss, 1924: 102 (J, „Czelna. 007.V.20.“, Budapest) gehört zu Nepiesta hungarica Sze£rLiceri (syn. nov.).

Verbreitung: Schweden (THromson, London), England (London), Norddeutschland (Horstmann, München), Polen (GRAVENHORST, SAWONIEWICZ).

Eriborus perfidus (GRAVENHORST)

Campoplex aberrans GRAVENHORST, 1829: II/496f., syn. nov. — Holotypus (C’) von TownES (1965: 417) zitiert: ohne Originaletikett (nach der Beschreibung von Barterode bei Göttingen) (Wroclaw).

Campoplex perfidus GRAVENHORST, 1829: IIV/595 £. — Holotypus (J’) verloren, Deutung nach der Beschreibung.

Eriborus perfidus (GRAVENHORST) var. obscuriventris Kıss, 1926: 107 — Lectotypus (©) hiermit festgelegt: „Szilägycseh, Dr. Z. Kıss“ (= Cehu Silvaniei/Rumänien) (Budapest).

Der Holotypus von Campoplex aberrans GRAVENHOoßSsT ist sehr stark zerstört, nur der hintere Teil des Thorax, der vordere Teil des Gasters, jeein Mittel- und Hinterbein, ein Vorderflügel und beide Hinterflügel sind erhalten. Die erhaltenen Teile stimmen mit E. perfidus gut überein. Für die Synonymisierung spricht auch, daß die Holotypen der beiden Taxa am gleichen Fundort am gleichen Tag gefangen wurden (GRrAVENHORST, 1829: 11/596).

Der Holotypus von Campoplex perfidus GravEnHorsr ist verloren, die Beschreibung stimmt mit der hier definierten Art gut überein. Die Deutung durch Tnonmson (1887: 1175) ist nicht ganz klar: Die Beschreibung ist sehr knapp. Tmomsons Material stammte aus Schlesien (früher zu Deutschland, jetzt zu Polen gehörend), und als Fundortangabe auf den Etiketten würde man deshalb „Silesia“ erwarten. In der Sammlung steckt jetzt unter dem Namen „perfida“ Material von E. obscurus (299, vgl. unten) mit der Fundortangabe „Germ.“ (= Germania). Es ist nicht sicher, ob es sich dabei um die beschriebenen Tiere handelt. Die späteren Autoren haben den Na- men Eriborus perfidus anscheinend stets auf die hier definierte Art bezogen.

Campoplex anomolus (!) GRAvENnHoRsT ist von MaArsHau: (1870: 14) und anderen Auto- ren mit Campoplex aberrans GRAVENHoRST synonymisiert worden. Der Holotypus die- ser Art ist sehr stark zerstört und deshalb noch ungedeutet, scheint aber zu Campo- plex GRAvENHoRSsT (sensu stricto) zu gehören.

Variabilität: Der Schaft ist unten ganz schwarz oder breit gelb gerandet, die Femo- ra III sind in der Regel schwarzbraun, gelegentlich aber rotbraun überlaufen, der Ga- ster ist ganz schwarz oder vom 2. Tergit an dorsal und lateral rotbraun gezeichnet. Von vielen Autoren sind die helleren Tiere als E. braccatus, die dunkleren als E. perfi- dus determiniert worden. Zwei QQ weichen in jeeinem Merkmal so stark von der Nor- malform ab, daß sie hier gesondert verzeichnet, aber mangels ausreichenden Mate- rials nicht benannt werden sollen. In beiden Fällen ist vom gleichen Fundort auch Ma- terial der Normalform vorhanden.

Var. 1: Femora und Tibien rot, Femora II und III basal und Tibien III apical nur schwach verdunkelt; gleichzeitig Gaster fast ganz schwarz (19 von Ellmau/Oberbay- ern) (München).

Var. 2: Area superomedia quer nierenförmig, in der Mittellängslinie nur 0,7mal so lang wie an der breitesten Stelle breit (19 von Pod£etrtek/Slowenien) (München).

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Wirt: Hypena proboscidalis (Linnaeus) (Noctuidae) (München).

Verbreitung: England* (London), Niederlande (London), Nord- bis Süddeutsch- land (GrAvEnHorsrt, Hınz, Horstmann, Berlin, Frankfurt, München), Polen (Hınz), Rumä- nien (Budapest), Osterreich (Hınz, Horstmann), Slowenien/Jugoslawien (München), Frankreich (Thomson).

Eriborus terebrans (GRAVENHORST)

Campoplex terebrans GRAVENHORST, 1829: IIV/503f. — Lectotypus (P) von Hınz beschriftet und von Towntzs et al. (1965: 304) festgelegt: ohne Originaletikett (nach der Beschreibung aus Piemont oder Genua) (Wroclaw).

Angitia (Dioctes) gigantea SZEPLIGETI, 1916: 373 (Townes et al., 1965: 304) — Lectotypus (?) von HORSTMANN (1969b: 453) festgelegt: „Bpest“ (= Budapest) (Budapest).

Eugnomus pyraustae OKAMOTO, 1921: 15£. (TOwNEs et al.,1. c.) - Typen verloren, Deutung nach Townss et al. (]. c.).

Angitia (Dioctes) punctoria Roman, 1923: 171f. (AuBERT, 1964: 64.) — Lectotypus (P) hiermit festgelegt: „570“ (nach der Beschreibung aus Südfrankreich) (Stockholm).

Wirte: Paranthrene tabaniformis (Rortemgurc) (Sesiidae) (London), Ostrinia nubila- lis (Hüsner) (Pyralidae) (Frıunı, London, Stockholm).

Verbreitung: Südfrankreich (Stockholm), Norditalien (FrıLLı, GrRAvEnHoRST, Lon- don), Ungarn (Budapest), Nordtürkei (London); bis Ostasien verbreitet (Townes et al., 1965: 304) und in Nordamerika eingeführt (Carıson, 1979: 671).

Variation: In Coll. Jussır.a befindet sich 10 aus Siikajärvi/Finnland, das mit typi- schen Exemplaren von E. terebrans ganz übereinstimmt, das allerdings nur etwa halb so groß ist. Durch dieses Tier würde das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Art stark nach Norden ausgeweitet. Zu einer sicheren Determination wäre die Kenntnis eines Weibchens aus dem gleichen Gebiet wünschenswert.

Eriborus terebrator AußErT

Eriborus terebrator AUBERT, 1960a: 489f. — Lectotypus nicht festgelegt, Deutung nach Synty- pen (? P) in Coll. Hınz und in München.

Verbreitung: Südfrankreich einschließlich Korsika (Ausgerr, Hınz, München).

c) Neubeschreibungen

Eriborus obscuripes sp.n.

Holotypus (9): „D, Ufr., Schondratal, an Holzstoß, 16.6.1974“ (HORSTMANN).

Paratypen: 19 „Germ.“ (Coll. Tromson/Lund unter Anilasta braccata), 19 „ND, Winkelsett, Lehmwand, 9.8.85, Pl.“, „bei Twistringen, Nordwestdeutschland“ (HoRSTMANN), 19 „Weisskir- chen, Mähren“ (Frankfurt), 19 „31.VII.33 — N“, „Styr., Podtetrtek, Dr. JAEGER“ (München), 10° „Suomi V Houtskari, 20.7.- 30.8.1965, H. Bruun leg.“ (JussıLa), 10° „Linz, St. Martin, 1959 12.5., leg. Max SCHwArz“ (München), 10° „Anilasta braccatae simillima, Ungarn“ (Berlin).

9: Schläfen sehr kurz und sehr stark verengt (Abb. 4), in Höhe des unteren Augen- randes so breit wie die Mandibelbasis; Fühler 35—-38gliedrig, etwas zugespitzt, vor- letzte Glieder kaum länger als breit; Wangenraum 0,7mal so breit wie die Mandibel- basis; Wangenleiste apical deutlich ausgebildet, etwa gerade, die Mundleiste dicht an der Mandibelbasis in spitzem Winkel treffend; Mundleiste dort wenig verbreitert; Fe- mora II 5,1mal so lang wie hoch; Klauen wenig länger als der Pulvillus, deutlich ge- kämmt; Mittelsegment vollständig gefeldert, in den Feldern gerunzelt; Area supero- media so lang wie oder etwas länger als breit (Abb. 8), 0,4—0,6mal so lang wie die Area petiolaris; Bohrerklappen etwa halb so lang wie das 1. Gastersegment.

* Im Britischen Museum in London befinden sich 5 0°C’, 1Q mit der Ortsangabe „Brit. Isles“ aus der Sammlung DesviGnes (unter den Namen „braccatus“ und „perfidus“). Auf diese Tiere be- zieht sich wahrscheinlich die Erwähnung bei MARSHALL (1870: 14) (vgl. MorLey, 1915: 208). Neuere Funde aus England liegen anscheinend nicht vor.

65

Schwarz; Palpen gelb; Mandibeln an der Basis der Zähne gelbbraun gefleckt; Schaft schwarz oder ventral braun gezeichnet; Tegulae und Flügelbasis hellgelb; Pterostigma dunkelbraun; Spitze der Coxen I und die Trochanteren und Trochantel- len Igelb; Vorderbeine sonst rot; Hinterbeine dunkelbraun bis schwarz; Tibien III ba- sal und median außen etwas aufgehellt (unterschiedlich stark); Mittelbeine meist wie die Hinterbeine gezeichnet, nur insgesamt heller; 1. und 2. Gastertergit apical und die folgenden dorsal und lateral rot bis rotbraun.

Kopf 130 breit*; Thorax 241 lang, 96 breit (Mesoscutum); Vorderflügel 494 lang; 1. Gastersegment 117 lang; Postpetiolus 43 lang, 43 breit; 2. Segment 90 lang, 65 breit; Tibien III 185 lang; Bohrerklappen 56 lang; Körper etwa 620 lang.

J: etwas heller; Femora, Tibien und Tarsen II hellrot; Femora Ill innen und apical rotbraun; Tibien III basal und median außen gelbbraun gezeichnet (wenn auch ver- schwommen); sonst etwa wie 9.

Verbreitung: Finnland, Nord- bis Süddeutschland, Mähren, Oberösterreich, Un- garn, Slowenien.

Eriborus obscurus Sp.n.

Holotypus (9): „24“, „Germ.“ (= Germania) (Coll. THomson/Lund unter Anilasta perfida). Paratypus: 19 ohne Fundortangaben (aber wahrscheinlich vom gleichen Fundort wie der Ho- lotypus) (Coll. THomson/Lund unter Anilasta perfida).

9: Schläfen sehr kurz und sehr stark verengt (Abb. 3), in Höhe des unteren Augen- randes so breit wie die Mandibelbasis; Fühler 39gliedrig, etwas zugespitzt, vorletzte Glieder kaum länger als breit; Wangenraum halb so breit wie die Mandibelbasis; Wangenleiste apical deutlich ausgebildet, etwa gerade, die Mundleiste dicht an der Mandibelbasis in spitzem Winkel treffend; Mundleiste dort wenig verbreitert; Femo- ra III 4,6mal so lang wie hoch; Klauen wenig länger als der Pulvillus, deutlich ge- kämmt; Mittelsegment vollständig gefeldert, in den Feldern gerunzelt; Area supero- media wenig länger als breit (Abb. 7), etwa halb so lang wie die Area postica; Bohrer- klappen 0,4mal so lang wie das 1. Gastersegment.

Schwarz; Palpen gelbbraun; Tegulae dunkelbraun; Flügelbasis hellgelb; Pter- ostigma mittelbraun; Femora, Tibien und Tarsen I und Tibien und Tarsen II gelbrot; Femora III rotbraun, basal verdunkelt; Tibien III median außen wenig aufgehellt; 1. und 2. Gastertergit apical und die folgenden Tergite dorsal und lateral braun bis dun- kelbraun gezeichnet.

Kopf 161 breit; Thorax 287 lang, 130 breit (Mesoscutum); Vorderflügel 587 lang; 1. Gastersegment 156 lang; Postpetiolus 56 lang, 56 breit; 2. Segment 102 lang, 74 breit; Tibien III 229 lang; Bohrerklappen 62 lang; Körper etwa 790 lang.

JO unbekannt.

Verbreitung: „Germania“.

Eriborus rufopictus sp.n.

Holotypus (9): „9/6 33, Hatert/Holland, E Herminia cribrumalis“, „leg. BoL.Dr“ (München). Paratypen: 30'C’, 19 vom gleichen Fundort und aus dem gleichen Wirt (10°, 19 HORSTMANN, 2 0°C" München), 10° „23.7.1953, Hannover“, „legit R. Hınz“ (Hınz).

Q: Schläfen kurz und stark verengt (Abb. 1), in Höhe des unteren Augenrandes so breit wie die Mandibelbasis; Fühler 36gliedrig, fadenförmig, zum Ende etwas zuge- spitzt, vorletzte Glieder kaum länger als breit; Wangenraum 0,7mal so breit wie die Mandibelbasis; Wangenleiste apical deutlich ausgebildet, etwas geschwungen, die Mundleiste dicht an der Mandibelbasis treffend; Mundleiste dort nicht erweitert; Fe- mora III 4,7mal so lang wie hoch, Klauen so lang wie der Pulvillus, basal kurz ge- kämmt; Mittelsegment vollständig fein gefeldert, in den basalen Feldern nur gekör- nelt, sonst gekörnelt und fein gerunzelt; Area superomedia 1,5mal so lang wie breit

* Maße in !/ıoo mm.

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(Abb. 6), etwa 0,6mal so lang wie die Area petiolaris; diese wenig eingesenkt, lateral nur undeutlich begrenzt, quergerunzelt; Bohrerklappen 0,4mal so lang wie das 1. Ga- stersegment.

Schwarz; Palpen, Mandibeln (Basis und Zähne dunkel), Tegulae, Flügelbasis, Co- xen Iund II und alle Trochanteren und Trochantellen gelb bis gelbrot; Coxen II basal zuweilen verdunkelt; Femora, Tibien und Tarsen hellrot, Tarsen III apical verdun- kelt; Schaft unten und Geißel basal gelbbraun überlaufen; Pterostigma mittelbraun; Apicalhälfte des Postpetiolus und das 2. bis 5. Gastertergit hellrot, das 2. Tergit basal und das 4. und 5. apical schmal dunkel gezeichnet; die letzten Tergite mit gelben End- rändern.

Kopf 113 breit; Thorax 188 lang, 80 breit (Mesoscutum); Vorderflügel 377 lang; 1. Gastersegment 107 lang; Postpetiolus 39 lang, 39 breit; 2. Segment 69 lang, 63 breit; Tibien III 149 lang; Bohrerklappen 49 lang; Körper etwa 600 lang.

J': Schläfen nicht so stark verengt und etwas breiter; Fühler 37—-38gliedrig, vor- letzte Glieder deutlich etwas länger als breit; sonst etwa wie 9.

Wirt: Macrochilo cribrumalis (Hüsner) (Noctuidae) (München).

Verbreitung: Niederlande (Horstmann, München), Norddeutschland (Hınz).

Danksagung

Für die Zusendung von Typen und anderem Sammlungsmaterial danke ich sehr herzlich: Dr. J.-F. AUBERT (Laboratoire d’Evolution des Etres Organises, Paris), Dr. R. DANIELSsonN (Zoologiska Institution, Lund), E. DiLLER (Zoologische Staatssammlung, München), Dr. M. FiscHEr (Naturhi- storisches Museum, Wien), Dr. M. G. Fırton (British Museum, Natural History, London), Prof. Dr. F. FriLLi (Istituto de Defesa delle Piante, Udine), H. HıLpErT (Forstliche Versuchs- und For- schungsanstalt, Freiburg), R. Hınz (Einbeck/Göttingen), Dr. R. Jussı.a (Paattinen/Finnland), Dr. M. KaX (Muzeum Przyrodnice, Wroclaw), Dr. D. S. Kasparyan (Zoological Institute, Aca- demy of Sciences, Leningrad), Dr. S. KELNER-PILLAULT (f) (Museum National d’Histoire Natu- relle, Paris), Dr. F. KocH (Zoologisches Museum, Berlin), Dr. J. A. KoLArov (Institute of Intro- duction and Plant Genetic Resources, Sadovo/Plovdiv), Dr. J.-P. KoPELKE (Natur-Museum Sen- ckenberg, Frankfurt), Dr. T. KRONESTEDT (Naturhistoriska Riksmuseet, Stockholm), Dr. J. Papp (Termeszettudomänyi Müzeum Allattära, Budapest), Dr. B. PETERSEN (Zoologisk Museum, Ko- penhagen), Dr. J. Sawonıewicz (Instytut Zoologii, Akademia Nauk, Warszawa) und Dr. H. UL- RICH (Museum Alexander Koenig, Bonn).

Zusammenfassung

In einer Revision der europäischen Arten der Gattungen Echthronomas FÖRSTER und Eriborus Förster (Hymenoptera, Ichneumonidae, Campopleginae) werden Bestim- mungsschlüssel für vier beziehungsweise acht Arten aufgestellt, zwei Lectotypen be- stimmt und zwei neue Synonyme angegeben. Drei Arten der Gattung Eriborus werden neu beschrieben.

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Anschrift des Verfassers: Dr. Klaus HoRSTMANN, Zoologisches Institut, Röntgenring 10, D-8700 Würzburg

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Die Arten der Gattung Ephemera LinnAEUSs, 1758 in Bayern — Diagnostik und Faunistik (Insecta, Ephemeroptera, Ephemeridae)

The species of the genus Ephemera in Bavaria — Germany — diagnoses and faunistic (Insecta, Ephemeroptera, Ephemeridae)

Von Ernst-Gerhard BURMEISTER

Abstract

The four Middle-European species of the genus Ephemera (Ephemera danica MÜLL., E. vulgata L., E. lineata Ern., E. glaucops Pıcr.) are described with special regard on their diagnostical re- marks and their habitat preferences. Their distribution in Bavaria is discussed. The species Ephe- mera lineata Ern. and Ephemera glaucops Pıcr. considered as rare are recorded in Bavaria re- cently. E. lineata was discovered on the riverbank of the Naab near Regensburg in a great num- ber. This species together with E. glaucops was also found in the collection of the ZSM during a revision.

In einer Zusammenfassung der bisher in Bayern nachgewiesenen Arten aquatischer Insekten erwähnt Burmeister (1983) unter den Ephemeroptera nur die Arten Ephe- mera danica Mürr. und Ephemera vulgata L. Neben diesen Ephemeridae konnten bei einer Sammlungsdurchsicht zur Neuaufstellung des Materials an Ephemeroptera der Zoologischen Staatssammlung München auch Individuen von Ephemera lineata Ern. und Ephemera glaucops Pıcr. ermittelt werden. Dabei handelt es sich um Erstnach- weise für Bayern, die hier dokumentiert werden. Ephemera lineata Ern. konnte auch in neuerer Zeit an der Naab (Burmeister im Druck) in größerer Zahl beobachtet wer- den.

Ephemera danica Mürırr, 1764

Die Körperzeichnung weist einen starken Kontrast zwischen dem elfenbeinweißen Abdomen mit der auf die Endsegmente beschränkten Zeichnung und dem schwärzli- chen Thorax auf. Auch die Stirn ist schwarz, und an den Augen zieht ein dunkler Rand bis ans Hinterhaupt (Abb. 1a). Die Gonostyli sind dunkel und die Gliedenden schwärzlich. Der durch eine schmale Membranleiste getrennte paarige Penis besitzt jederseits einen verrundeten stark sklerotisierten Fortsatz (Grimm 1983, Tuxen 1956), Abbildungen die beide Penisloben getrennt darstellen (Eruiorr & Humpesch 1983) sind falsch.

Ephemera danica Müu:. istin Bayern weit verbreitet und besiedelt (Larve) klare Ge- wässer. So findet man die Larven sowohl in Fließgewässern der Ebene und des Alpen- vorlandes, besonders aber in Gebirgsabflüssen und in Kleingewässern der Flußniede- rungen, aber auch in der Brandungszone kleinerer und großer Seen. Publizierte baye- rische Funde faßt Burmeister (1983) zusammen. Hinzu kommen neuere Beobachtun- gen aus dem Mündungsgebiet des Lech und seinen begleitenden Augewässern, von der

Abb. 1. Die vier mitteleuropäischen und in Bayern nachgewiesenen Arten der Gattung Ephe- mera. Links: Dorsalansicht des Weibchens, Extremitäten und Flügel entfernt. Rechts unten: Ventralansicht des Abdomenen des des Männchens mit Gonostyli und Penisloben, Cerci und Ter- minalfilum entfernt

a) Ephemera danica MÜLLER, 1764

b) Ephemera vulgata LinNAEUS, 1758

c) Ephemera lineata EATon, 1870

d) Ephemera glaucops PıcTET, 1843— 1845

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70

Donau (Strecke Neuburg bis Straubing!) der Isar, der Naab (Burmeister im Druck), der Amper und kleinerer Gewässer der Schotterebene (Maisach — Altwasser, München). Im Gegensatz zur Auffassung von ScHoEnEMunD (1930) scheint der Schlupf dieser Ein- tagsfliegenart synchronisiert zu sein, d.h. die flugfähigen Stadien erscheinen nur über einen Zeitraum von wenigen Tagen in Ausnahmefällen von ein bis drei Wochen am jeweiligen Wohngewässer der Larven. Zusammengefaßt und bezogen auf mehrere Untersuchungsgewässer zieht sich die Flugzeit von Mitte Mai bis Anfang September hin.

Ephemera vulgata Linnarus, 1758

Im Gegensatz zu Ephemera danica Mür:. besitzt Ephemera vulgata L. an allen Ab- dominalsegmenten eine dunkle kommaförmige Zeichnung, die in geringerem Farb- kontrast zur gesamten gelbbraunen Körperfärbung steht. Der Hinterleib besitzt keine laterale Zeichnung und auch die Unterseite weist nur schwache Längsbinden auf (Abb. 1b). Die dorsalen medianen Binden der letzten drei Abdominalsegmente diver- gieren nach außen und können sehr kurz sein. Der Kopf weist nur an der Basis der Ocellen dunkle Bereiche auf. Die Cerci besitzen nur an jedem 2. Segment dunkle Bän- der, die jedoch auch fehlen können. Demgegenüber weisen alle Cerci-Glieder bei E. vulgata und E. lineata Etn. dunkle Ringe auf.

Die paarigen Penisloben der Männchen besitzen deutlich nach außen gerichtete fußförmige Enden.

Ebenso weit verbreitet wie Ephemera danica Mür:. ist Ephemera vulgata L. Zudem scheint letztere Art gerade in Bayern einen Verbreitungsschwerpunkt zu besitzen, wie die Fundnachweise zeigen (Burmeister 1983). Im übrigen Deutschland scheint E. da- nica deutlich zu dominieren, eine Erscheinung, die erst in den letzten Jahrzehnten auffällt. Möglicherweise treten in den eingeengten Lebensräumen beide Arten in Konkurrenz. Die Flugzeit von E. vulgata reicht nur bis Anfang August, auch hier kön- nen große Schwärme nach synchronisiertem Schlupf beobachtet werden. Im Gegen- satz zu E. danica besiedeln die Larven von E. vulgata nicht nur feine Sedimente, son- dern auch Hartsubstrate ohne sich einzugraben. So ist E. vulgata auch besonders häu- fig in Kiesgruben (Amper-Einzugsgebiet) und in Flußschotterbereichen (Isar) zu fin- den. Auch die Massenfunde von E. vulgata-Larven in gemauerten Becken des Nym- phenburger Parks (München) zeigen die Nutzung derartiger nischenarmer Lebens- räume auf. Bedauerlicherweise wurde einer dieser beständig genutzten Habitate, der als konkurrenzarmer Regenerationsraum für E. vulgata anzusehen war, dauerhaft trockengelegt, was zum Verlust eines möglicherweise entscheidenden Populationsan- teiles führt (Nymphenburger Schloß, Nordflügel 1987). Die Potenz der E. vulgata- Larven, die Oberfläche von Hartsubstraten zu besiedeln, weist sie auch als Primärbe- siedler von neu geschaffenen Gewässern wie Kiesgruben aus.

Ephemera lineata Eaton, 1870

Abgesehen von der charakteristischen Längsbindenzeichnung der Hinterleibsober- seite und den besonders kräftigen Längsstrichen der Unterseite der Endsegmente des Abdomen (Abb. 1c) ist Ephemera lineata Ern. besonders hell. Der Kopf besitzt keine, der Pro- und der Meso-Metathorax besitzen nur schwache Verdunkelungen, ebenso die Knie der Extremitäten (Ende der Fermora) im Gegensatz zu allen übrigen mittel- europäischen Ephemera-Arten. Die männlichen Genitalanhänge ähneln denen von Ephemera danica Mürr., jedoch besitzen die paarigen Penisloben unterhalb der Spitze, die hier weniger stark sklerotisiert ist, einen nach median gerichteten deutli- chen Absatz. Zudem ist das zweite Glied der Gonostyli gleichmäßig gebogen und nicht im letzten Drittel geknickt.

Bei Ephemera lineata Ern. fehlen dunkle Flecken der Vorderflügel, die bei den übri- gen Arten vorhanden sind.

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Funde von Ephemera lineata Ern. aus Bayern waren bisher nicht bekannt. ScHoEnE- munn (1930) erwähnt neben Funden vom Elstergebirge und der Tschechoslowakei ein Vorkommen in der Eger, ohne jedoch anzugeben, ob es sich um einen Fund im Fichtel- gebirge oder im angrenzenden Waldgebiet bei Eger handelt. Auf Grund dieser Nach- weisunschärfe wurde dieser Fundort bei der Zusammenfassung bayerischer Epheme- ropteren nicht berücksichtigt (Burmeister 1983). In der Zoologischen Staatssammlung sind Individuen von folgenden Lokalitäten hinterlegt (Abb. 2):

1. Steinebach am Wörthsee, 15. VII.1949, leg. F. DANIEL 2. Südbayern Herrsching, 6. VII.1948, leg. F. DANIEL

3. Naab bei Kallmünz, 15./16. VIII. 1987, leg. F. SAUER

4. Naab bei Kallmünz, 17./18. VIII. 1987, leg. BURMEISTER

Die beiden erstgenannten Nachweise beziehen sich auf große stehende Gewässer des Alpenvorlandes. Eine Besiedlung der Brandungszone dieser Seen erscheint nicht ausgeschlossen, doch lassen die Fundangaben keine genauere Habitatangabe zu. Im übrigen europäischen Verbreitungsgebiet scheint Ephemera lineata Etn. Fließgewäs- ser der Mittelgebirge und Alpen zu bevorzugen.

Auf die Fundumstände von Ephemera lineata an der Naab bei Kallmünz weist Burmeister (im Druck) besonders hin, da diese Art mit ebenso seltenen Eintagsfliegen wie Ephoron virgo Oliv. und Oligoneuriella rhenana ImH. gemeinsam in großer Indivi- duenzahl beobachtet werden konnte. Uruer (1927) betont, daß Ephemera lineata in der Ebene fehlt.

Ephemera glaucops Pıcırr, 1843—1845

Unter den vier mitteleuropäischen Ephemera-Arten ist Ephemera glaucops Pıcr. die kleinste. Ahnlich wie bei Ephemera lineata Ern. ist die Oberseite von Kopf und Thorax hell, nur der Mesothorax zeigt lateral deutliche Randleisten. Die Abdominalsegmente zeigen dorsal nur schwache kommaartige dunkle Striche, die auf den Endsegmenten verdoppelt sind, jedoch im Gegensatz zu den übrigen Arten auf dem 9. Segment (End- segment) nur einzeln sind (2 Striche) (Abb. 1d). Die gestreckte Lateralzeichnung ist hier jedoch besonders kräftig. Die Hinterflügel zeigen einen deutlich dunklen Hinter- rand auch bei frisch geschlüpften Imagines wie Subimagines. Bei den Männchen fällt besonders das lange Basalglied der Gonostyli auf, das länger ist als die beiden End- glieder (Glied 3 und 4 der Gonostyli). Die median deutlich getrennten paarigen Penis- loben sind gerade gestreckt und ihre Spitze ist nach median abgeschrägt (Abb. 1d).

Auch von Ephemera glaucops Pıcr. fehlten bisher Nachweise aus Bayern. ULMER (1927), dem selbst keine Individuen aus Deutschland vorlagen, erwähnt Funde bei Ba- sel, aus dem Solling, der Lausitz und dem Elsaß. Jacos, Kauk, Kııma (1975) führen Funde aus dem Rheinland und vor allem bei Leipzig auf, wobei auffällt, daß diese alle aus Sekundärlebensräumen stammen. Alle ihre Beobachtungen beziehen sich auf wassergefüllte Gruben des ehemaligen und inzwischen eingestellten Braunkohleta- gebaus (Kölner Ville, b. Leipzig). Individuen aus Bayern sind in der Zoologischen Staatssammlung München von folgenden Fundlokalitäten hinterlegt (Abb. 2):

. Steinebach am Wörthsee, 22. VI. 1947, leg. F. DANIEL 1X . Steinebach am Wörthsee, 15. VII. 1949, leg. F. DAnIEL 13x . Steinebach am Wörthsee, VIII. 1949, leg. F. DANIEL 3x . Steinebach am Wörthsee, VII. 1949, leg. F. DAnıEL 1X . Ammersee Wartaweil, 18. VI.1947, leg. W. FORSTER 1X . München, leg. TAEUBER 1X

Ein Individuum vom Bodensee (Baden Bodensee, Überlingen, 6. VIII.1954, N. Par- Lıtzki leg.) bestätigt die Fundangaben von ScHornemunp (1930) und Jacog, KAuk, KrLıma (1975). Letztere Autoren geben ein Verbreitungsbild von Ephemera glaucops Pıcr. be- sonders aus dem östlichen Mitteleuropa. Offensichtlich liegt eine Habitatpräferenz für größere stehende Gewässer vor.

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Abb. 2. Fundlokalitäten von Ephemera lineata Ern. (1) und Ephemera glaucops Pıcr. (2)in Bay- ern und unmittelbar angrenzenden Gebieten

Literatur

BURMEISTER, E. G., 1983: Die faunistische Erfassung ausgewählter Wasserinsektengruppen in Bayern. Teil I — die faunistische Erfassung der Ephemeroptera, Odonata, Plecoptera und Trichoptera (Insecta) in Bayern. — Informationsber. d. Bayer. Landesamtes f. Wasserwirt- schaft 7/83, 9-141

= — 1988: Wiederfunde von Ephoron virgo OLIVIER, 1791, Ephemera lineata Eaton, 1870 und Oligoneuriella rhenana ImHorr, 1852. Ein Beitrag zur Biologie der Fluß-Eintagsfliegen (In- secta, Ephemeroptera). — Spixiana (im Druck)

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ELLIOTT, J. M., HUMPESCH, U.H., 1983: A key to the adults of the British Ephemeroptera. — Fresh- water Biological Association, Scient. Publ. 47 GRIMM, R., 1983: Vergleichend-anatomische Untersuchung der abdominalen Muskulatur und der Gonoducte männlicher Ephemeroptera-Imagines (Insecta). — Diss. Univ. Tübingen JACOB, U., KAuk, S., KLıma, F., 1975: Eine ephemeropterologische Überraschung — Ephemera glaucops PIcCTET bei Leipzig. — Entomol. Nachr. 19(12), 185-195 SCHOENEMUND, E., 1930: Eintagsfliegen oder Ephemeroptera. — In: Dank, F.: Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile. — Jena TUxEn, S. L., 1956: Taxonomist’s Glossary of Genitalia in Insects. — Copenhafen ULMER, G., 1927: Verzeichnis der deutschen Ephemeropteren und ihrer Fundorte. — Konowia 6, 234-262 Anschrift des Verfassers: Dr. Ernst-Gerhard BURMEISTER, Zoologische Staatssammlung Münchhausenstr. 21, D-8000 München 60

Zwei für Mitteleuropa neue Nitiduliden (Coleoptera, Nitidulidae)

Von Karl SPORNRAFT

Abstract

Two species of Nitidulidae are recorded from Central Europe for the first time: Meligethes reit- teri ScHILsky and Brachypterolus vestitus KIESENWETTER. Some data on their distribution and a differential diagnosis with figures are given.

Meligethes reitteri ScuiLsky

Am 5. Mai 1984 fing Wolfgang ScHiLLer, Grenzach-Wyhlen, bei Weil am Rhein in Südbaden an einem Kreuzblütler in Anzahl einen Meligethes der aeneus-Gruppe, den ich als M. reitteri Schiusky bestimmen konnte. Die Verbreitung dieses Käfers ist be- merkenswert: Schiuskys Typus stammt aus dem Kaukasus, ich selbst fing die Art im Kantabrischen Gebirge, Aunisıo (1975, 1976) erbeutete sie in den Albaner Bergen bei Rom, und schließlich gibt es noch einen Fundort in Südfrankreich (JELinek 1. litt.).

Ein Bestimmungsversuch mit meiner Tabelle (Spornrart 1967) wird bei M. anthracı- nus Br. enden, mit dem M. reitteri sehr nahe verwandt ist. Deshalb stelle ich hier die Unterschiede dieser beiden Arten gegenüber.

M. reitteri ScCHILSKY Vorderrand der Vorderschenkel gewellt (Abb. 4).

Flügeldecken sehr fein punktiert, Zwi- schenräume noch bei 20facher Vergröße- rung glatt und glänzend. Pygidium zugespitzt und an den Seiten leicht gewinkelt (Abb. 5).

Fühlerkeule kräftig, etwas stärker von der Geißel abgesetzt (Abb. 8).

JO: Penis zur Spitze hin gerundet verengt (Abb. 1; der ausgestülpte Lappen ist rein zufällig).

M. anthracinus Bkrısour

Vorderrand der Vorderschenkel ähnlich gebildet, aber sehr viel schwächer ge- wellt.

Flügeldecken fein und nicht ganz so weitläufig punktiert, Zwischenräume deutlich genetzt, nicht glänzend. Pygidiumspitze normal gerundet, seitli- che Winkelung höchstens schwach ange- deutet. F

Fühlerkeule schwächer, Übergang zur Geißel fließend (Abb. 9).

C': Penis auffällig zugespitzt (Abb. 2).

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Q: Die Styli der Ovipositoren erreichen 0: Die Styli stehen deutlich hinter den fast die Ebene der fast gerade abgestutz- abgeschrägten Spitzen des Ovipositors ten Spitzen (Abb. 6). (Abb. 7).

ER

Abb. 1. M.reitteri: 1 — Penis, 4 — Vorderschenkel, 5 — Pygidium, 6 — Ovipositorspitze, 8 — Füh- ler M. anthracinus: 2 — Penis, 7 — Ovipositorspitze, 9 — Fühler M. spornrafti: 3 — Penis

Von allen unseren Arten der aeneus-Gruppe haben nur drei keine gleichmäßig ge- rundeten Vorderränder der Vorderschenkel: die beiden oben verglichenen und der wegen seiner metallisch bläulichen Färbung abweichende M. coeruleovirens Förster. Aber eine weitere Art mit gewellten Vorderschenkelrändern ist im Westen unseres Faunengebietes noch zu erwarten: M. spornrafti Audisio. Diese hauptsächlich italie- nische Artist in den Westalpen (Piemont) bis 2000 m Höhe gefunden worden, meistan Dentaria-Arten. Da sie von M. reitteri nur sehr schwer zu unterscheiden ist, füge ich hier ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal bei, nämlich den Penis mit seiner cha- rakteristischen Einkerbung an der Spitze (Abb. 3).

13 Brachypterolus vestitus KıEsEnwETTER

Diese westmediterrane Art trat nach Devırre (1937) bereits 1920 im Raum von Paris auf, wurde 1970 am Kaiserstuhl gefangen und 1975 als Schädling an Antirrhinum in einer Gärtnerei bei Rastatt in Baden festgestellt (KonzeLmann). Weitere mir bekannte Fundorte: 1984 Prien am Chiemsee und 1982 Neusiedl am See (beide HırGstETTeEr).

Wir haben in Mitteleuropa nun zwei unauffällig behaarte Arten mit deutlich ausge- prägten Halsschildhinterecken, nämlich B. pulicarius (L.) und B. linariae (SterH.) (= cornelii Sp.) (s. a. Jounson 1967) und zwei sehr stark behaarte mit wenig markanten Halsschildhinterecken: B. villiger (Rrr.) und B. vestitus Kırsenw. Diese beiden letzte- ren stelle ich hier gegenüber.

B. villiger (Rrr.) B. vestitus Kırsenw. Länge: 2-2,6 mm Länge: 2,5-4 mm Oberlippe pechschwarz Oberlippe rot

Fühler, Vorderbeine und alle Tarsen rot; Fühler und Beine einfarbig rot. 1. Fühlerglied und Hinterbeine dunkel-

braun bis schwarz, Mittelbeine etwas

heller.

Literatur

Aupisıo, P., 1975: Note su alcune specie. — Boll. Ass. Romana di Ent. 30 (1-4), 3

— — 1976: Un nuovo Meligethes italiano. — Boll. Ass. Romana di Ent. 31 (1-4), 15-22 DEVILLE, J. Ste.-Cl., 1937: Catalogue raisonne des col&opteres de France. — Abeille 35, 265 JoHNson, C. 1967: The identity of B. linariae. — The Entomologist 1967, 142

SPORNRAFT, K. 1967: Nitidulidae, in: FREUDE-HARDE-LOHSE, Die Käfer Mitteleuropas 7,25, 40—41

Anschrift des Autors: Karl SPORNRAFT, Am Isabellenschacht 2, 8122 Penzberg

Ist eine Zusammenarbeit der Spezialisten und Sammler ver- schiedener Insektengruppen mit den Naturschutzbehörden möglich?

Von Ernst-Gerhard BURMEISTER

Das Erscheinen des neuen Gesetzes zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes mit den umfangreichen Artenlisten geschützter Tierarten vom Dezember 1986 hat wiederum die Frage aufgeworfen, ob das Insektensammeln und daran anschließend das Bearbeiten heute überhaupt noch möglich ist und im Rahmen der Legalität ausge- übt werden kann. Auch bei der Novellierung des neuen Anderungsgesetzes wurden die Belange der Kenner und Spezialisten bestimmter Insektengruppen zu wenig be- rücksichtigt und lokalfaunistische Vereine bei den Anhörungsverfahren von vornher- ein ausgeschlossen. Darum erscheint es dringend notwendig, daß auf der Ebene ge- genseitigen Verständnisses die Arbeit des Entomofaunisten verdeutlicht wird, der si- cher vom Gesetzgeber anders zu behandeln ist als ein Importeur von Fellen gefleckter Großkatzen oder ein Präparator von Greifvögeln, die er zum Kauf anbietet. So bedarf es etwa zur Bestimmung von Insekten, die für eine Arteninventarisierung unserer na- turnahen Lebensraumreste notwendig ist, der Entnahme einiger Tiere, da viele so- wohl lebend als auch auf einer Fotographie nicht eindeutig determiniert werden kön- nen. Abhilfe kann hier nur das Belegstück schaffen, dessen Fang und Konservierung

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als Beweissicherung bei geschützten Arten besonderen Auflagen und Genehmigun- gen unterliegt. Auch die Artenschutzliste enthält einige Arten, die der Anfänger der Entomologie, dieser Wissenschaftszweig braucht sicher zahllose Nachwuchskräfte, nicht im Freiland bestimmen kann und mit anderen Arten verwechseln könnte. Dem- gegenüber enthält diese Liste neben den Arten, deren deutsche Bezeichnungen teil- weise völlig unsinnige Artnamen bzw. Neuschöpfungen enthält, die unbrauchbar oder gar unwissenschaftlich sind, auch taxonomische Großgruppen, die nicht gefähr- deter oder naturschutzrelevanter sind als andere (z.B. Tagschmetterlinge, Libellen, unter den Käfern Carabus-Arten oder Buprestidae), dafür aber besonders groß, auf- fällig oder bunt sind. Besonders bemerkenswert ist, daß aus solchen Gruppen einige wenige „Schädlinge“ vom Schutz ausgeklammert wurden, wobei die Zuordnung durch den Pflanzenbau erfolgt und durch wissenschaftliche Kriterien nicht belegt werden kann. Schädliche Insekten spielen nur in der angewandten Forschung eine Rolle.

Um das Verständnis für die Entomologen besonders in Bayern bei den Genehmi- gungsbehörden zu intensivieren und in Teilbereichen zu wecken, wurden mit einem Rundschreiben die Naturschutzbeauftragten der Oberen Naturschutzbehörden ent- sprechend informiert, um auch klar zu stellen, daß die Verfahrensweise in der Ento- mologie bzw. der gesamten Wirbellosenkunde bzw. -forschung anders zu betrachten und zu werten ist als in der Botanik (wenige Arten, Entnahme zu Bestimmungnur von Pflanzenteilen) oder der Wirbeltiererfassung (wenige Arten, gute Kenntnisse der Bio- logie). Bei letzteren ist der Nachwuchs auch am lebenden Objekt zu schulen, bei Wir- bellosen ist die Determinationsarbeit ausschließlich am konservierten Objekt mög- lich und dadurch auch reproduzierbarer, eine zwingende Voraussetzung für die Fau- nistik als Wissenschaft. Sammlungsstücke lassen sich nicht wegdiskutieren, dagegen kann man Sichtbeobachtungen anzweifeln. Die Objektivität wird durch die subjek- tive Aussage ersetzt, eine Vorgehensweise, die in der angewandten „Forschung“ und besonders der Okologie immer mehr Fuß faßt. Die Aktivität der sog. Sammler, die in Folge einer Beweissicherung der Individuen von Arten als Faunisten fungieren — ihre Daten sind in Sammlungen als Dokumente hinterlegt — wurde bereits Anfang 1986 den Genehmigungsbehörden zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen des Verbo- tes der Entnahme geschützter Tierarten aus unserer Landschaft vorgestellt. „Nur“ von zweien der Naturschutzbeauftragten Nordbayerns kam bisher eine sehr zustim- mende und kooperationsbereite Stellungnahme, die übrigen hüllten sich in Schwei- gen, was positiv gesehen als verhaltene Zustimmung gewertet werden muß. Mehrere Nachfragen bei einer der zuständigen Naturschutzbeauftragten blieben weiterhin ohne Reaktion. Nicht zu vergessen ist dabei, daß die Grundlagen des Naturschutzes im Bereich der Wirbellosen mit den umfangreichen Arten- und Gruppenlisten auf die Aktivität der Sammler bzw. Faunisten zurückzuführen sind, da diese als Spezialisten geworben werden konnten und gleichfalls zur Erstellung sog. „Roter Listen“ ausge- storbener, gefährdeter oder bedrohter Arten herangezogen wurden. Letztere Krite- rien sind bei nicht monophagen Arten, der Mehrzahl der Wirbellosen, kaum einheit- lich und nicht lokal bezogen zu benennen.

Neben dem offenen Brief, der im folgenden abgedruckt ist und auf den nur zwei der sieben Angesprochenen reagiert haben, wurde ein Merkblatt beigefügt, das für Mit- glieder Entomologischer Vereine, Vollzugsbehörden der Naturschutzgesetze, d. h. der Oberen Naturschutzbehörden (Bezirksregierungen und der Unteren Naturschutzbe- hörden (Landratsämter), und Behörden mit dem Aufgabenbereich „Naturschutz“ (Landesamt für Umweltschutz) bestimmt war. Gleichzeitig wurde ein Konzept zur Ausfertigung von Sammelgenehmigungen bzw. zur Antragstellung vorgetragen, das von seiten der Genehmigungsbehörden keinerlei Widerspruch erfahren hat. Dieser Antragsvorschlag wird im Folgenden mit vorgestellt. Er kann von den Sammlern und Spezialisten, die geschützte Arten der Entomofauna bearbeiten oder in Schutzgebie- ten Bestandserhebungen durchführen wollen oder eine Sammlung geschützter Arten genehmigen lassen oder den Tausch geschützter Arten vornehmen wollen als Grund- lage herangezogen werden. Besonders der Austausch von Sammlungsmaterial ge-

I.

schützter Arten unter den Spezialisten im In- und Ausland hat bisher zu wenig Beach- tung gefunden. Dieser ist jedoch für Fragestellungen im Bereich der Faunistik, Zoo- geographie, Taxonomie und Systematik sowie Phylogenie von hervorragender Bedeu- tung und darf im Sinne der entsprechenden Wissenschaftszweige nicht durch Verord- nungen beeinträchtigt werden oder gar zum Erliegen kommen. Auch hier gelten si- cher andere Voraussetzungen als bei Wirbeltieren, auf die rechtlich gleiche Schutz- kriterien zur Anwendung kommen. Es kann nicht angehen, daß ein Spezialist einer Insektengruppe etwa von Tagschmetterlingen — ausnahmslos geschützt — zum Ge- dankenaustausch über schwer bestimmbare oder taxonomisch neue Fragen aufwer- fende Gruppen wie Erebien, Coenonympha-Arten oder Lycaenidae mit Material zum Kollegen ins benachbarte Ausland fährt und sich damit sowohl bei der Aus- wie bei der Wiedereinreise mit den Faltern strafbar macht.

Da die geltenden Naturschutzgesetze, die auf alle Interessengruppen zur Anwen- dung gebracht werden sollten, durch die Regelung der Ausnahmegenehmigung auf Grund übergeordneter Notwendigkeiten den Oberen Naturschutzbehörden den Frei- raum einräumt, Sammel- und Besitzgenehmigungen geschützter Arten und in Schutzgebieten auszustellen, ist die Zusammenarbeit zwischen den Bearbeitern von Insektengruppen und diesen Genehmigungsbehörden zwingend notwendig. Bedauer- licherweise wird das angesprochene Genehmigungsverfahren nicht einheitlich durchgeführt, da es den Zuständigkeiten der Regierung obliegt, die durch die Natur- schutzbeauftragten unterrichtet und vertreten werden. Die Arbeit der jeweiligen Spezialisten im Bereich der Entomologie war in diesen Gremien offensichtlich bisher kaum bekannt oder wurde nicht berücksichtigt. Dies ist möglicherweise auf den Be- ginn einer naturschutzrechtlichen Gesetzgebung mit ihren anfänglichen Interpreta- tionsschwierigkeiten zurückzuführen, die den Genehmigungsbehörden bei gesetzlich eingeräumten Ausnahmen einen großen auszuschöpfenden Spielraum ermöglicht. So bleibt zu hoffen, daß in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen den Naturschutzbe- hörden und den Beweissicherern in der Natur, nämlich den Sammlern, Spezialisten und Bearbeitern verschiedener Insektengruppen, intensiviert werden oder in anderen Bezirken erstmals aufgenommen werden kann. Die bisher zu verzeichnenden spärli- chen Ansätze sollten nicht entmutigen, sondern den Kontakt vermehren. Nur die Spe- zialisten sind in der Lage, den Behörden die Daten zu liefern, die für die Schutzstel- lung unentbehrlich sind und somit die Naturschutzkonzepte erst mit Inhalten füllen können. Dies bezieht sich nicht nur auf die aktive Arbeit vor Ort, sondern auch auf die Einbeziehung von Sammlungsmaterial zu Vergleichszwecken, monographischer Be- arbeitung einzelner systematischer Gruppen, Puplikationen und Bestimmungshilfen. Nur gemeinsam ist der Schutz der Reste naturnaher Landschaft mit ihrer Biozönose, d.h. Lebensgemeinschaft zu erreichen nach dem Wahlspruch: „Nur was man kennt, kann man erfolgreich schützen.“ Darum ist die Artenkenntnis unverzichtbare Vor- aussetzung und Bestandteil des Naturschutzes.

So ist in Anerkennung der Tätigkeit der Mitglieder Entomologischer Vereine durch das zur Verfügung stellen der erworbenen Kenntnisse und der Belegstücke (mit Fund- ortdokument) eine Mitarbeit am Arten- und Biotopschutzprogramm, an den Listen gefährdeter Tierarten und den Naturschutzprogrammen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden — in Bayern in zwei Zuständigkeitsbereiche getrennt — nicht nur möglich, sondern stets anzustreben aber auch zu würdigen.

Bezüglich der Kritik an der neu in Kraft getretenen Anderung zur Bundesarten- schutzverordnung (BArt. SchV. vom 31. 12.1986) durch die Bearbeiter verschiedener Tiergruppen der Wirbellosen, erscheint es notwendig, konkret entsprechende Hin- weise zu geben, die bei einigen Arten begründen könnten, daß ihre Aufnahme in die Bundesartenschutzliste möglicherweise nicht den biologischen Verhältnissen gerecht wird (z. B. eingeschleppte Arten — Hirudo medicinalis, Emys orbicularis-sporadische Zuwanderer, Wanderfalter, Arten, deren äußerste Verbreitungsgrenze unser Gebiet streift, etc.). Zudem sollte stets berücksichtigt werden, daß diese Artenschutzlisten für die angewandte Forschung oder als deren Ziel erstellt wurden und darum nicht wissenschaftlich zweckfreien Kriterien wie der Faunistik unterliegen und dadurch

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bedingt biologische Fehlinterpretationen beinhalten. Darum werden die Mitglieder der Münchner Entomologischen Gesellschaft (MEG) aufgefordert, entsprechende An- merkungen (möglichst schriftlich) zu der Artenliste der Bundesartenschutzverord- nung zu geben, bezogen auf die Tiergruppe, die Sie bearbeiten. Um entsprechende Hinweise und Rückfragen bittet der Vorstand der MEG, (2. Vorsitzender). Die Hin- weise können dann an die Vollzugsbehörden und Arten- und Biotopschutzgremien und Gesetzgebungsorgane sowie überregionale Naturschutzbehörden weitergegeben werden (AUFRUF!).

Sehr geehrte Naturschutzbeauftragte!

Es erscheint dringend notwendig, auf Grund der fortschreitenden Zerstörung von Lebensräu- men zahlloser Pflanzen und Tiere vermehrt faunistische und floristische Erhebungen durchzu- führen, um eine möglichst umfassende Kenntnis der Lebensgemeinschaften vor allem der Reste unserer naturnahen Landschaft zu erhalten. Diese Kenntnisse, die alle zusammengetragen sich immer nur einem Optimum nähern können, sind dann als Argumentationsgrundlage gegenüber anderen als den naturschützerischen Interessengruppen anzuwenden. Um die Basis des Natur- schutzes zu stärken, d.h. die Kenntnis über die zu schützenden und unter Schutz stehenden Areale zu vermehren und zu intensivieren, sollten Arteninventarisierungen in allen Lebensräu- men vermehrt initiiert und propagiert werden. Darum ergeht die Bitte unserer Gesellschaft an Sie, Anträgen, die dieses Ziel der Arterhebung oder die Erforschung der Lebensraumbeziehung taxonomischer Gruppen anstreben, weitgehend zu unterstützen und nicht wie dies bisher auch leider festzustellen war, zu behindern oder durch Verbote unmöglich zu machen. Ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, daß unser Verein durch seine Gemeinnützigkeit anerkannt ist und vor allem auch, daß in die Satzung, die ich Ihnen beilege, die Förderung und ausdrückliche Un- terstützung der Naturschutzbestrebungen aufgenommen ist.

Die tätige Mitarbeit und Unterstützung der Arten- und Biotopschutzprogramme durch Mit- glieder der Münchner Entomologischen Gesellschaft (MEG) läßt sich an den eingereichten Arten- inventarlisten bestimmter Habitate im Bayerischen Landesamt für Umweltschutz ablesen. Die bereits begonnene Zusammenarbeit erstreckt sich nicht nur auf die Erhebung von Primärdaten durch den entsprechend ‚organisierten‘ Faunisten, sondern vor allem auch auf die mittelbare Mithilfe der Spezialisten durch Bestimmungshilfen und der Einsichtgewährung in entspre- chende Daten- und Belegstücksammmlungen. Auch durch die Publikation von faunistischen Er- hebungen etwa in einer der beiden durch die „MEG“ herausgegebenen Zeitschriften werden Nachweise dokumentiert und zur Auswertung freigegeben.

Das Arten- und Biotopschutzprogramm vom Bayerischen Staatsministerium für Landesent- wicklung und Umweltfragen und das Bayerische Landesamt für Umweltschutz ist ebenso auf die Arbeit der Sammler und Beobachter sowie Spezialisten auf dem Gebiet der zoologischen Arten- kenntnis angewiesen. Letztere sind wiederum von der Aktivität der Sammler abhängig, die durch Tausch oder Vorlage von Belegstücken zu Bestimmungszwecken (oder sogar Kauf) die Informa- tionen durch Kontrolle der Sammlungsstücke für die faunistischen Argumentationslisten erwer- ben oder Einsicht nehmen können. Bisher konnten zahlreiche Mitglieder der MEG bei den ent- sprechenden Stellen — Arten- und Biotopschutzprogramm — Daten liefern, die etwa das LfU ohne unsere Mitarbeit nicht hätte erheben können. Um den Auftrag des Bayerischen Landtages, der das Programm gefordert hat, erfüllen zu können, ist die Sammeltätigkeit bei Insekten not- wendig. Hier ist besonders darauf hinzuweisen, daß nicht der Artenschutz besonders gefährdete oder bedrohte Arten erhalten kann, sondern ausschließlich der Biotopschutz. Das LfU als Koor- dinationsbehörde ist sicher weiterhin bestrebt, daß möglichst viele Fundmeldungen einlaufen, um Schutzprogramme entwerfen zu können. Die Durchführung von Vorhaben zur Arteninventa- risierung ist jeweils bei geschützten Arten oder in geschützten Biotopen von Ihrer Genehmigung abhängig. Es sollte nicht vergessen werden, daß ein Großteil der Mitglieder unserer Gesellschaft ehrenamtlich Daten zur Verfügung gestellt haben und an den sog. ‚Roten Listen‘ mitgearbeitet haben, die ursprünglich unter Biotopschutzaspekten erstellt, heute zu wesentlichen Hilfsmitteln des Naturschutzes geworden sind.

Ich möchte Sie bitten, um eine Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbehörden, den Schutz- programmen der Landesämter und unserer Gesellschaft bzw. den organisierten Sammlern und Spezialisten, als einem Organ der Datenlieferung mit Dokumentationsbasis und Kenntniserwei- terung möglichst fruchtbar zu gestalten, eine Kontaktaufnahme herzustellen oder zu intensivie- ren.

Wenn es uns allen wirklich um die Erhaltung letzter Reste einer naturnahen Landschaftmitih- ren Organismen geht, die wir kennen müssen, um sie auch wirksam schützen zu können, sollten

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wir gemeinsam Bestandserhebungen und folgend Schutzmaßnahmen entwickeln können. Die Aktivitäten früherer Sammlergenerationen versetzt uns heute in die Lage, Aussagen über Arten- inventar und Bestandsentwicklungen zu machen, jedoch nur durch die Verbindung von Daten- und Belegmaterial, dessen kritische Auswertung weitgehend nur dem auch durch Sammeln und Bearbeiten geschulten Spezialisten — dem Anfänger früherer Jahre — möglich ist. Hier muß nochmals betont werden, daß die Bedrohung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren und Menschen und nicht der Arten, — bezogen auf Insekten, — nicht von den Insektensammlern, son- dern von anderen Interessengruppen ausgehen. Bisher fehlen Gegenbeweise. Auch der Vorsit- zende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, Hubert WEINZIERL (NATUR 1986 4, 32-36) weist auf die eigentlichen Ursachen hin und erwähnt mit keinem Wort die Sammleraktivitäten, die wir im Sinne der Schutzprogramme werten müssen.

Durch die Naturschutzgesetzgebung seit 1980 sind besonders die sog. Sammler und damit auch Beleghinterleger, (Mitarbeiter bei der Beweissicherung) die in Bayern weitgehend in der MEG — aber auch anderen lokalfaunistischen Vereinen — organisiert sind, deren Interessen ich hier ver- trete, dermaßen verunsichert und diskriminiert worden, daß hier ein Umdenkungsprozeß erfol- gen muß. Mit Ausnahme weniger, die ihr sog. Hobby als Einnahmequelle benutzen und die ge- sammelten Objekte meist sogar ohne Belegstatus vermarkten, was durchaus nicht im Sinne unse- res Vereins ist (!), ist die Mehrheit auf eine Zusammenarbeit mit dem Naturschutz bedacht, zumal es um „einige besonders am Herzen liegende Arten“ geht, deren Habitate in das Biotopschutzpro- gramm unbedingt eingebaut werden sollten.

Das Zusammenwirken und die Erfassung aller Daten sowie deren Kontrolle durch die Spezia- listen, die in der angesprochenen Gesellschaft besonders häufig sind (Organisation) eröffnet dem Naturschutz und besonders dem Biotopschutz neue und bislang fast ungenützte Möglichkeiten. Eine Zusammenarbeit sollte auch regional den Vollzugsbehörden in Naturschutzangelegenhei- ten wie der Ihren, mit den entsprechenden regional versierten Fachleuten zur Biotopwertung (durch Artenkenntnis auf Grund von Sammelaktivitäten!) empfohlen werden. Diese können dann vermutlich beweisbare Daten zu den Habitaten und dem Arteninventar liefern und damit die Belange des Naturschutzes entscheidend unterstützen oder sogar die einzige beweisbare Grundlage liefern.

Aus den bisher gemachten Erfahrungen erscheint es wünschenswert, das Genehmigungsver- fahren (Ausnahmegenehmigung, Sammelerlaubnis) möglichst einheitlich zu gestalten und den Vorgang abzukürzen, denn Erfahrungen haben gezeigt, daß die Genehmigung in Einzelfällen erst nach Ablauf der Vegetationsperiode, d. h. Saison erfolgt ist und dann natürlich ihren Sinn verlo- ren hat. Esist auch besonders notwendig und im Sinne einer wissenschaftlichen Bearbeitung Un- tersuchungen über einen längeren Zeitraum (Jahre) zu ermöglichen. Denn nur so können langfri- stige Fluktuationen und Massenwechsel aus natürlichen Gründen von Veränderungen durch Umweltschäden möglicherweise unterschieden werden. Nach einem entsprechenden Zeitraum, in dem eine sinnvolle Bearbeitung erfolgen kann, soll ein Bericht über die Sammelaktivität dieim Antrag formulierten Vorgaben dokumentieren, wie Sie diesen in den Bescheiden fordern. Dieser Bericht, der sicher in Ihrem Sinne als Artenliste mit entsprechend spezifischen Habitatangaben, als ausgefüllter Erfassungsbogen (Gelbe Erfassungsbögen des Arten- und Biotopschutzprogram- mes, LfU) oder als Publikation — beste Möglichkeit, da für jedermann verfügbar vorgelegt wer- den soll —, gibt Ihnen die Möglichkeit, über die Person bei einem Folgeantrag neu zu befinden. Ich bitte Sie jedoch die Abfassung des Berichtes nicht mit dem Ende der Sammelaktivität zu verbin- den, da eine Ausarbeitungszeit notwendig ist, die wiederum von Tiergruppe zu Tiergruppe ver- schieden lang und intensiv ausfallen muß.

Im Interesse der wissenschaftlichen Dokumentation bitte ich Sie, Passagen der Bescheide wie: ‚Arten, bei denen eine Lebensbestimmung möglich ist, dürfen nicht eingesammelt werden‘ abzu- wandeln, da dies wissenschaftlich und für die Hinterlegung als Beleg notwendig sein kann und nur der Spezialist in der Lage sein wird, dies zu beurteilen. Zudem ist die größtmögliche Reduk- tion der zu sammelnden Individuen als Belegstücke Vorgabe genug. Gerade die Taxonomie und Systematik ist heute auf die Einbeziehung von Meßdaten angewiesen, die statistisch sich nur an einer Quantität von Individuen einer Art ermitteln lassen. Derartige Notwendigkeiten können in jedem Einzelfall begründet werden.

Neben der kommerziellen Nutzung wendet sich die Münchner Entomologische Gesellschaft auch gegen den unkontrollierten Massenfang von inzwischen hinreichend taxonomisch geklär- ten Arten. Ebenso werden unsere Mitglieder angehalten, unselektive Sammelmethoden zu unter- lassen, etwa die Anwendung einer Totlichtfalle, und statt dessen ein Leuchttuch zu verwenden. Diese Erziehungsarbeit zeigt bereits seit längerer Zeit bemerkenswerte Erfolge. Bei spezifischen habitat-, bzw. ökotypbezogenen oder tiergruppenrelevanten Erfassungen, kann es auch heute noch notwendig sein, unselektive Methoden einzusetzen, da die Arten in bestimmten Lebensräu- men nicht anders nachgewiesen werden können oder detaillierte quantitative Aussagen erarbei- tet werden müssen. Darum bitte ich Sie, bei entsprechenden Anfragen etwas zur Barber-Fallen- methode und die Einsetzung eines Driftnetzes zum Fang aquatischer Insekten, hier Ausnahmen

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zuzulassen und bei entsprechender Begründung diesen Einsatz zu genehmigen. Eine Rückspra- che mit der Zoologischen Staatssammlung und den dortigen fachberatenden Mitarbeitern wäre hier sicher hilfreich. Auch wäre es angebracht, dort bei dem für ganz Bayern zuständigen staatli- chen Museum anzufragen, in wie weit eine Hinterlegung von Belegstücken der bearbeiteten Auf- sammlung zur Dokumentation der bayerischen Faunenelemente gewünscht wird, was dann in den Genehmigungsbescheid aufgenommen werden müßte.

Bei den bisher vorliegenden Genehmigungsverfahren zum Erhalt der Sammlererlaubnis oder Besitzerlaubnis bestimmter Tiergruppen wurde die Möglichkeit des Austausches von Material ausgeschlossen. Zur Erhebung bzw- Arteninventarisierung in einem definierten Habitat bzw. Gebiet ist es bestandsschonender, wenn gleich mehrere Gruppen bei Anwendung der gleichen Methode von einer Person besammelt werden, die dann den entsprechenden Spezialisten zur Be- arbeitung zugeleitet werden können, als wenn viele Sammler in das gleiche Biotop ausgesendet werden, um dort jeder für sich seine spezielle Gruppe zu sammeln. Dabei kann es bei jedem einen entsprechenden Ausfall von Beifang geben. Auch ist der Tausch unumgängliche Voraussetzung für den Kontakt zwischen den Bearbeitern und damit der komprimierten Weitergabe biologi- scher und ökologischer Daten, die sich dann auf mehrere bearbeitete Gruppen beziehen können. Durch Tausch oder Weitergabe von Individuen läßt sich auch der Artenkonsum beim Anfänger, der in jeder Hinsicht zu fördern ist, als potentieller Zukunftsträger des bisherigen Wissens, auf ein geringeres Maß herabsenken.

Bedauerlicherweise wurden bisher die Schutzgebiete von einer sicher ebenso notwendigen Be- standsaufnahme ausgeklammert. Es wäre wünschenswert, wenn Sie in Zukunft hier eine gezielte Arteninventarisierung möglichst bei vielen Tiergruppen zulassen könnten. Gerade in diesen lei- der viel zu eingeengten Lebensräumen können die Populationen der hier kollektiv geschützten Arten unter anderen Vorgaben beobachtet werden. Hierbei sind besonders Daten zur Habitat- wahl, Biologie und Okologie sowie Verhalten unter geringer menschlicher Beeinflussung zu er- halten. Auch die Massenwechsel können möglicherweise Aufschlüsse über die Funktion des Schutzgebietes geben. Aus der Reaktion der Arten auf Veränderungen etwa in den Randzonen (auch Belastung durch Tourismus!) können Schlüsse gezogen werden, die dann auf andere zu- künftige Schutzgebietsausweisungen angewandt werden können und den Schutz der Biotope und deren Biozönosen verbessern helfen. Darum ist es in gewissen Abständen auch notwendig, Arteninventarisierungen etwa in Naturschutzgebieten durchzuführen, wollen wir den Wissens- stand über unsere heimische Fauna erhöhen. Wünschenswert wären möglichst umfassende fau- nistische monographische Bearbeitungen über die Naturschutzgebiete und Nationalparke.

Da die Mitglieder der Münchner Entomologischen Gesellschaft als Sammler und Antragsteller für Ausnahmegenehmigungen von den Naturschutzbestimmungen Ihnen ihre Daten liefern und für Ihre Naturschutzaufgaben zur Verfügung stellen und Ihre Behörde dieses Verfahren geneh- migen kann und sollte — weitgehend wird hier bisheriges Wissen und Erfahrung kostenlos mit- eingebracht —, erscheint es mir nicht gerechtfertigt, von den Antragstellern eine Gebühr zur Ver- langen. Für die Genehmigung erhält die Naturschutzbehörde eine Gegenleistung in Form von Ar- gumentationslisten im Sinne des Naturschutzes. Das Besammeln bestimmter Areale sollte stets als Beweissicherung angesehen werden, woraufhin die Tiere selbst heute als Kulturgut anzuse- hen sind und nicht als Trophäe (wie bei Jägern und Sportfischern). Gerade dann ist aber auch die Bewahrung in einer Sammlung mit den entsprechenden Vorgaben (ordnungsgemäße Präpara- tion, Etikettierung, Schutz vor Schädlingen und Zerstörung, ect.) im Sinne des Naturschutzes, der Dokumentation und der Kulturgutwahrung.

Durch die Auftragserteilung, die Belange des Naturschutzes zu wahren, an die Bezirksregie- rungen in Bayern als Obere Naturschutzbehörden ist es besonders dem überregional arbeitenden Entomologen erschwert, möglichst aus allen Regionen Daten zusammenzutragen, was Genehmi- gungsanträge an alle Bezirksregierungen, d. h. an Sie zur Folge haben muß. Möglicherweise ist auch hier eine Absprache mit den übrigen Naturschutzbeauftragen der Bezirksregierungen mög- lich bei entsprechend formulierten Antrag. Diese überregionale Sammeltätigkeit wird weitge- hend von Bearbeitern einzelner spezieller systematischer Gruppen angestrebt.

Abschließend möchte ich nochmals versichern, daß wir von seiten der Gesellschaft durch Auf- klärung und Erziehung versuchen, Verstöße gegen die Naturschutzgesetze, die immer ohne die Anhörung der betroffenen aktiven Sammlern und Spezialisten verabschiedet wurden, zu vermei- den. Bei den Verfahren für Ausnahmegenehmigungen von diesen Gesetzen bitteich jedoch im In- teresse des Naturschutzes unsere Arbeit entsprechend zu werten, die es Ihnen ermöglicht, den Schutz der naturnahen Umwelt mit Inhalten und Beweisen zu füllen und voranzutreiben. Seien Sie versichert, daß auch wir uns bemühen, unsere Verantwortung zu begreifen und weiterzuge- ben. Niemals vergessen sollten wir, daß unser Wissen um unsere heimische Tierwelt aus der Sam- melaktivität und wissenschaftlichen Bearbeitung und Beobachtung in der Vergangenheit und Gegenwart begründet ist. Nicht einzusehen ist, daß dies plötzlich in der Zukunft anders sein soll.

Der Wahlspruch: „Nur was man kennt, kann man erfolgreich schützen“ verbindet unser beider Anliegen. Sie übernehmen laut Auftrag den Schutz und wir gemeinsam mit zahllosen Biologen

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die Kenntnis, die wir ständig zu erweitern trachten. Ich würde mich freuen, wenn durch die ‚wechselseitige Erhellung‘ eine praktische und praktizierbare Zusammenarbeit zu Stande kom- men könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ernst-Gerhard Burmeister — Dipl. biol., Konservator —

2. Vorsitzender der Münchner

Entomologischen Gesellschaft

P.S. Anbei eine allgemein gefaßte Vorlage für eine Antragstellung auf Ausnahmegenehmigung für unsere Mitglieder mit der Bitte um Kenntnisnahme und notwendige Korrekturen dieses Rohentwurfes.

Vielen Dank

Hinweise zur Ausfertigung eines Antrages auf Erteilung einer Sammel- und (oder) Besitzgeneh- migung einer Sammlung geschützter Arten durch Mitglieder der Münchner Entomologischen Gesellschaft

Adressat: An den Naturschutzbeauftragten der. Bezirksregierung yon! ....... nern nun naananuedene sr.

(für die Arterhebung mit Einbringung von Belegstücken in Nationalparken ist die Kreisverwal- tung zuständig).

Betr.: Vollzug der Naturschutzgesetze;

Antrag auf eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zum Sammeln geschützter Arten

derinsektengruppert er ee. IMIBESTELUNSSPEZIERN TEN m N

außerhalb von Schutzgebieten.

— Antrag auf Erteilung einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung zum Sammeln vonwArteniderInsektengsruppeiderN er. ae 2 En in den unten beson- ders aufgeführten Schutzgebieten unter der Versicherungszusage der Wahrung naturschutz- rechtlicher und naturschutzrelevanter Bedingungen.

— Antrag auf Erteilung einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung zum Besitz einer Sammlınslan.ı. u... (nach dem 25.8.1980 eingebrachte geschützte Arten — Arten- schutzverordnung - ‚ Etikett alsanerkanntes Dokument). ..............2.2u.e.eu.22en.es

— Antrag auf Erteilung einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung zur Einfuhr ein-

heimischer und geschützter Artender.................. (Insektengruppe).............. Antragsformulierung zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung............-..-2-0r000- 3 Zweck:

1. Lokale Arteninventarisierung (größere Insektengruppe mit geschützten Arten) — Faunistik

2. Faunistische Bearbeitung einer spez. Insektengruppe (über einen arealbezogenen Rahmen hinaus)

3. Notwendigkeit von Individuen geschützter Arten für taxonomisch-systematische Studien

4. Bearbeitungen mit ökologischen Fragestellungen

5. Belegsammlung geschützter Arten bei der Bedrohung ihrer Habitate (aktuelle Naturschutz- aufgaben)

6. Vervollständigung der Sammlung als Grundlage für faunistische, taxonomische, systemati- sche, phylogenetische, morphologische (anatomische), ökologische Untersuchungen

WaBesitzderSammlunealsGrumdläagertuer nn Veen ee a ee ee

— auch geographische Sammlung als Auswertungsgrundlage für faunistische und natur- schutzrelevante Erhebungen

8. Aufsammlung in Schutzgebieten als Nachweis der Funktion der Schutzgebiete — Refugien

9. Aufsammlung in Schutzgebieten zur Beweisführung der natürlichen Massenwechsel und Sukzessionen

10. Aufsammlungen in Schutzgebieten zur Artinventarisierung der Insektenfauna in naturna-

hen Lebensräumen (möglichst zahlreiche Spezialisten für verschiedene Tiergruppen heran- ziehen, in bestimmten zeitlichen Abständen wiederholen) — monographische Bearbeitung —

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le

Einfuhr von heimischen und geschützten Arten als Ausnahmegenehmigung zur EG-Verord- nung zur: siehe Punkt 6 und 7

Gegenstand:

1 2. 3.

Tiergruppe (möglichst eingeschränkt!)

Gebiet, Areal der Untersuchungen und Vorhaben

Methodik, Art der Besammlung

grundsätzlich ist eine artspezifische Sammelmethode anzuwenden. Beim Einsatz unselekti- ver Methoden sollten nur Lockfallen verwendet werden, dazu gehören:

a) Lichtlockfallen = Leuchttuch (keine Totfallen!)

b) Bodenköderfallen = Barberfallen ohne Tötung

c) Flugfallen = Ein Entlassen von lebenden Individuen ist möglich

d) Lockstoffallen = Attraktion für zahlreiche Arten ohne Leimheftung od. Tötung am Köder e) Eklektoren, Schlüpffallen = ohne Tötung

Zu Insektenfallentypen, die nicht auch direkt geschützte Arten mit einbeziehen bzw. anlok- ken gehören:

a) Driftnetze = Fang von schlüpfenden und geschlüpften aquatischen Insekten in Fließge- wässern

b) Schlüpffallen = Einsatz über kleinräumigen terrestrischen oder limnischen Arealen

c) Baumeklektoren = Fang von baumaufwärtswandernden Individuen (am Stamm).

(Abzulehnen und, oder nur in besonderen Fällen einzusetzen (Begründung!) sind Totfallen-

typen z.B.:

a) Totlichtfalle (auch Fallentypen mit Sack, dernichtin kurzen Zeiträumen entleertwird und die Leerung erst nach 3.00 Uhr morgens erfolgt.

b) Autoketscher

c) Lockstoffallen mit Totfangeinrichtung, die spez. auf geschützte Arten abgestellt sind — eine besondere Fragestellung in einer Untersuchung kann den Einsatz dieser Methoden notwendig machen, eine entsprechende Genehmigungist dann einzuholen — (Begründung im Antrag)

Zeitraum:

Angabe des zeitlichen Rahmens, in dem die Untersuchungen, für die eine Ausnahmegeneh- migung beantragt wird (Sammeln, Besitz einer Sammlung, Einfuhr).

Die Angabe des Zeitraumes steht in keiner Beziehung zum Zeitraum der Genehmigung, die dann auszusprechen ist.

Angebot und Zusage:

IE

1

Mitarbeit im Arten- und Biotopschutzprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen sowie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt- schutz durch Lieferung von Erhebungsdaten, d.h. Fundnachweise von Arten (geschützte und ungeschützte!) in Gegenwart — Zukunft — Vergangenheit — zur Verwendung naturschutz- bezogener Aussagen und Argumentationen.

. Mitarbeit bei naturschutzbezogenen Fragestellungen, die die Artenkenntnis zur spez. Tier-

gruppe erfordern, durch die Obere- und Untere Naturschutzbehörde.

. Mitarbeit bei Planungen und Vorhaben der Naturschutzbehörden.

Bereitschaft zur kurzfristigen Datenlieferung geschützter Arten, bzw. bemerkenswerter Ar- ten aus einem Lebensraum, der durch andere Interessen bedroht wird.

. Zusage der bestandsschonenden Sammelaktion, Beschränkung auf ein vertretbares Maß an

Belegstücken.

Die vom Aussterben bedrohten Arten — Bundesartenschutzverordnung fett gedruckt — wer- den weitgehend von der Sammlung von Belegstücken ausgenommen.

Gefährdungen von Populationen, die an der Grenze ihrer Minimalgröße angelangt sind, wer- den vermieden.

. Zusage, daß die Schutzgebiete von der Besammlung ausgeklammert werden

— oder bei entsprechendem Antrag — die Bedeutung der Schutzgebiete bekannt ist und eine Aufsammlung in diesen besonders schonend für die gesamte Lebensgemeinschaft erfolgt.

. Zusage, daß eine Weitergabe von Belegstücken aus Schutzgebieten zur Bearbeitung nur an

Spezialisten erfolgt, die darauf aufmerksam gemacht wurden, daß die Fundmeldungen an die betreffenden Behörden weitergeleitet werden müssen.

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7. Fundmeldungen mit den genauen Daten (Lokalität, Datum, Sammler) müssen und werden als Dokumente gehandhabt, ebenso wie die Etikette am Belegstück selbst.

8. Zusage, daß die private Insektensammlung für wissenschaftliche Untersuchungen und Erhe- bungen zugänglich ist und bleibt.

(Sinnvoll ist hier eine testamentarische Erklärung, daß die Sammlung nach Ableben des Sammlers einem angesehenen Museum zu übergeben ist).

9. Zusage, daß Beifänge in eine Staatliche Sammlung oder Museum übergeben werden oder ei- nem anerkannten Spezialisten, der eine Bearbeitung zusichert. Die hierbei gewonnenen Er- gebnisse sind dann ebenfalls den betreffenden Behörden mitzuteilen.

10. Zusage, daß einer Forderung von Belegstücken für ein Staatliches Museum (z. B. Zoologische Staatssammlung nachgekommen wird.

11. Zusage, daß geschützte Arten einer Sammlung (auch bei Einfuhr) nicht ohne Mitteilung an die Oberste Naturschutzbehörde an Dritte weitergegeben werden.

12. Hinweis, daß die Tätigkeit von Nachwuchsentomologen gefördert wird und diesen die Sam- melerfahrungen und Daten über Funde und Lebensweise der Arten weitergegeben werden, um den „Konsum“ des Anfängers an Tieren möglichst gering zu halten.

13. Zusage, daß bei Aufsammlungen möglichst Imgagines als Sammlungsbelege eingebracht

werden, deren Fortpflanzungsperiode bereits beendet ist. Für eine Belegsammlung und zur Erfassung faunistischer Daten mit Belegen sollten auch äl- tere oder abgeflogene Stücke verwendet werden (die ausschließliche Besammlung frisch ge- schlüpfter geschlechtsreifer Tiere ist nicht zu vertreten und erinnert an das sog. Briefmar- kensammeln, was für den ernsthaften Entomologen nicht in Frage kommen kann und der Vergangenheit angehören muß).

Hinweis auf Referenzen:

1. Mitgliedschaft in der MEG

2. Mitarbeit beim Arten- und Biotopschutzprogramm

3. Hinweis auf Staatliche Institutionen bei denen der Antragsteller Freier Mitarbeiter oder Ge- ber von Sammlungsmaterial ist

4. Persönliche Referenz von anerkannten Spezialisten

— Die beste Referenz bleibt die Bereitschaft und die tätige Mitarbeit bei Programmen zum Schutz der Lebensräume —

Auf Grund von Vorfällen ist nochmals därauf hinzuweisen, daß die Angabe von Referenzen mit dem Bürgen bzw. der Staatlichen Institution nur nach Rückfrage erfolgen kann (schriftlich!). Nicht abgesprochene Referenzangaben sind unzulässig ebenso wie Hinweise auf Auftragsarbeit für eine Institution, die nicht belegt sind (bei Auftragsarbeit sind die gesammelten Belege an den Auftraggeber zu übergeben).

Referenzen sind vor allem auch bisher erhobene Daten der privaten Sammlung (nicht geschützte Arten, geschützte Arten müssen besitzrechtlich angemeldet werden) und vor allem Publikatio- nen.

Abschluß:

Bitte um möglichst rasche Bearbeitung des Antrages auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung ZI ee ee ee ein

Einheitliches Verfahren für die Datenerhebung:

— Gelbe Erfassungsbögen vom Landesamt für Umweltschutz mit detaillierten Fundortangaben ELCH (mit Hinweisen zur Artenschutzkartierung:! )

— möglichst eine genaue Fundlokalitätenbezeichnung auf einer Kopie einer 1:25 000 oder 1:50 000 Karte

— Abgabe von Listen: 1. Genaue Fundortangabe, Zeit, Sammler 2. Angehängte Liste der beobachteten bzw. nachgewiesenen Arten (nicht umgekehrt!)

— Kurzer Kommentar über bemerkenswerte Arten und Artengemeinschaften, die Rückschlüsse auf das Habitat zulassen (Einsatz für Schutzmaßnahmen).

Hinweise von Naturschutzinstitutionen (+ Arten- und Biotopschutz)

Angabe (auch Nachfrage) von Gebieten oder Tiergruppen, in denen besonders aktuell Arterhe- bungen durchgeführt werden sollten (Gefährdung durch Nutzungsansprüche, Funktionsprüfung von Schutzgebieten, Beweissicherungen etc.)

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Nachfrage: Welche Spezialisten wären bereit, eine Überprüfung der im Artenschutzprogramm eingegebenen Artdaten (EDV-Ausdrucke) - Angabe der Tiergruppe — vorzunehmen? Ein begrenzter Tausch mit anderen Spezialisten und jüngeren bzw. beginnenden Entomologen sollte auch im Sinne naturschützerischer Belange zugelassen werden, da die Übergabe von Beleg- stücken beim Aufbau einer Sammlung (Übersichtssammlung) besonders hilfreich ist und auch bedingt, daß diese Art — teilweise ältere Individuen — nicht mehr der Natur entnommen werden muß. Ebenso dienen derartig übereignete Objekte der Wissenserweiterung auch des Spezialisten (siehe Punkt 1-11 der Zweckformulierung) und dem Schutz der Biotope (nur 1 Besammler!). Auf den Austausch an „Material“ sind die Spezialisten stets angewiesen, wenn sie taxonomisch- systematisch oder faunistisch oder biologisch-ökologisch arbeiten Wie in anderen Bereichen ist eine Informationspflicht zu fordern, d. h. der Übernehmende geht gleichzeitig die Verpflichtung der Meldung (nach Bestimmung) und der Gebende die der Doku- mentation ein. Dies bezieht sich vornehmlich auf geschützte Arten oder Arten aus Schutzgebie- ten!

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft

Programm für November bis April 1988

Montag, 9.November Vortrag: A. Hausmann: Oberschleißheim — Ein (fast) vergessenes Nacht- faltereldorado, 60 Jahre nach OÖsthelder.

Montag, 16. November Bestimmungsabend Lepidoptera

Montag, 23. November Vortrag: Dr. W. Dierr: Reisebilder aus Afghanistan.

Montag, 7. Dezember Bestimmungsabend Lepidoptera

Montag, 14. Dezember Weihnachtsverlosung

Montag, 18. Januar Vortrag: Dr. F. SAuER: Bergwanderungen am Ruwenzori (Rwanda, Zaire, Uganda)

Montag, 1.Februar Bestimmungsabend Lepidoptera, mit Anleitung zur Genitalpräparation

Montag, 15. Februar Vortrag: Eckrıch: — Titel nicht festgelegt (Fledermäuse und Schmetterlinge!)

Montag, 14. März Bestimmungsabend Lepidoptera

Montag, 28. März Vortrag: M. Carı: Entomologische Ergebnisse meiner Irak-Reisen 1985-1986

Montag, 11. April Bestimmungsabend Lepidoptera

Montag, 25. April Vortrag: R. OswALp: Der Nordjemen

Autorenrichtlinien

Wir bitten die Autoren von Artikeln und kurzen Mitteilungen für das Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen, die Richtlinien für die Annahme von Beiträgen der Mitteilungen der Munabusr Entomologischen Gesellschaft einzuhalten (Rückumschlag der Mitt. Münch. Ent.

Ges.). Für die Form der Manuskripte ist das jeweils letzte Heft des Nachrichtenblattes maßge-

bend. Vielen Dank! Ihre Schriftleitung

Zur Beachtung

Die Vortrags- und Bestimmungsabende finden in der Zoologischen Staatssammlung, Münchhau- senstraße 21, statt. Beginn jeweils 19 Uhr.

Der Koleopterologische Arbeitskreis der Entomologischen Gesellschaft trifft sich am 19. 10., 2.11., 16.11.,30.11., 11.1.1988, 25.1., 8. 2., 22. 2., 7.3., 21.3. und 18.4. jeweils um 18 Uhr im Re- staurant „Alter Peter“, Buttermelcherstraße 5

26. Bayerischer Entomologentag

Der 26. Bayerische Entomologentag findet am 15. und 16. April 1988 im Hörsaal der Zoologischen Staatssammlung, Münchhausenstraße 21, 8000 München 60, statt.

Herausgeber: Münchner Entomologische Gesellschaft, Münchhausenstr. 21, D-8000 München Schriftleitung: Dr. Ernst-Gerhard Burmeister; Druck: Gebr. Geiselberger, 8262 Altötting

NACHRICHTENBLATT

DER BAYERISCHEN ENTOMOLOGEN

NachrBl. bayer. Ent. 36 (4) l. Dezember 1987 ISSN 0027-7425

Inhalt: N. CAspers: Mycetophiliden-Fänge am Breitenbach/Osthessen (Bundesrepublik Deutschland) (Insekta, Diptera, Nematocera). 1. Nachtrag S. 85 — R. Grimm: Beitrag zur Kenntnis der Eintagsfliegenfauna der Iller (Hymenoptera) S. 95 — J. Ropper, und B. Dries: Bemerkenswerte Käfervorkommen in Niederösterreich und im Burgenland (Col., Cerambycidae, Clavicornia, Cleridae, Scarabaeidae, Sternoxia, Teredilia) S.103 — R. WAGNER und S. NIESIOLOWSKT: Zwei neue Chelifera-Arten aus der flavella-Gruppe (Diptera, Empididae) S. 109 — W. Bönm: Zum Vorkom- men von Erebia styx FREYER in den Allgäuer Alpen (Lepidoptera, Satyridae) S. 112 — H. HAcKER: Ein Projekt wird vorgestellt: Die Kartierung der Lepidoptera, Neuroptera und Trichoptera der bayerischen „Naturwaldreservate“ S. 113 — M. Postner und E.-G. BURMEISTER: Libellenbeob- achtungen im Norden Münchens (Insecta, Odonata) S. 114. — Arbeitsgemeinschaft Nordbayeri- scher Entomologen S. 115 — Aufruf an die Mitarbeiter der , Mama Bavarica Lepidoptera“ S. 116.

Mycetophiliden-Fänge am Breitenbach/Osthessen

(Bundesrepublik euand) > roman, \THSONIATT

(Insecta, Diptera, Nematocera) > ar Y

1. Nachtrag*) { FEB 24 1988

Von Norbert CASPERS IN

——_

N „LIBRARIES _ 4

Abstract

The “Schlitzer Produktionsbiologische Studien” (IuLLıes 1971) on the insect fauna of “Breiten- bach” (F. R. G.) resulted a remarkably high number of insect species with a terrestrial resp. se- miaquatic larval development. Among these the fungus gnats (Diptera, Mycetophilidae) played animportantrole. In the years 1969 and 1981-1983 a total of 171 species was caught in the green- house emergence traps used at Breitenbach (CAspers 1984 a). The present paper adds 22 more spe- cies, two of them new to science (Anatella emergens sp. n., Exechia chandleri sp. n.) and one spe- cies recorded for the first time ever from the Western Palaearctic region (Brevicornu glandis LASTOVKA & MATILE).

Gezielte Aufsammlungen von Beifängen terrestrischer Nichtzielgruppen des Schlitzer Emergenz-Projektes am Breitenbach (vgl. Iruızs 1971) erbrachten für die Jahrgänge 1969 (partim) und 1981-1983 eine Liste von 171 Mycetophiliden-Arten (Caspers 1984a). Bei der systematischen Durchmusterung von Restbeständen der Emergenz-Jahrgänge 1980, 1981 und 1983 fanden sich weitere, zum Teil sehr bemer-

*) mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

EG BEN >. BLSEINENR REN NS SE Sa) ® ‘“ N \ \ j 5 ‘

Oben Abb. 1: Anatella emergens sp. n., Hypopygium ventral; Maßstab = 0,1 mm Anatella emergens sp. n., Hypopygium dorsal; Maßstab = 0,1 mm

Unten Abb. 2:

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kenswerte Arten, die in diesem Nachtrag vorgestellt werden sollen. Hierunter fallen auch zwei neue Arten, die bisher nur vom Breitenbach bekannt sind (Anatella emer- gens sp.n., Exechia chandlerisp.n.)und ein Erstnachweis für die westliche Paläarktis (Brevicornu glandis LastovkA & MarıLe).

Herrn Dr. CHANDLER (Taplow, Maidenhead) danke ich für die Überprüfung der beiden neuen Arten. Die Holotypen werden in der Zoologischen Staatssammlung München deponiert. Herrn Dr. WAGNER (Limnologische Flußstation des Max-Planck-Instituts für Limnologie, Schlitz) danke ich für die Überlassung der hier bearbeiteten Mycetophiliden.

1. Bolitophila (Cliopisa) occlusa Enwarps, 1913 10°, Emergenzfalle III, 1980

2. Mycomya affinis (STAEGER), 1840 20°C’, Emergenzfalle IV, September 1983

3. Mycomya wankowiecziü (Dzienzickt), 1885 20°C, Emergenzfalle III, 1980

4. Phthinia humilis Wınnertz, 1863 10, Emergenzfalle IV, Mai 1980

Phthinia mira (ÖstRovERKHovaA), 1977 *) Coelophthinia mira OsSTROVERKHoVA, 1977: 24 Phthinia mira (OstroverkHova), 1979: 84, Abb. 18/1 Phthinia humilis Wınnerrz, 1863 sensu Zaıtzev, 1984: 831, Tafel 1, Abb. 9,10 Phthinia plassmanni Caspers, 1984b: 189, Abb. 2a, 2b, Syn. nov.

Diese markante Phthinia-Art wurde schon in der ersten Mycetophiliden-Liste des Breitenbachs (Caspers 1984a) sub. nom Phthinia plassmanni Caspers, 1984b aufge- führt. Die Erstbeschreibung durch OsrroverkHova sub. nom. Coelophthinia mira er- folgte jedoch schon im Jahre 1977. Zwei Jahre später wurde sie von der gleichen Auto- rin in die Gattung Phthinia transferiert. Zarrzev (1984) stellte Phthinia mira in seiner Gattungsrevision fälschlicherweise als jüngeres Synonym zu Phthinia humilis Winnerzz, der Typusart der Gattung Phthinia. Beide Arten unterscheiden sich ledig- lich durch den Feinbau des männlichen Genitals, insbesondere durch leichte Form- unterschiede des Gonocoxitfortsatzes und des Gonostylus.

Die Richtigkeit der oben aufgeführten Synonymieliste ergibt sich aus der detaillier- ten Abbildung der genitalmorphologischen Merkmale von „Phthinia humilis WINNERTZ“ sensu Zaıtzev (1984).

Sichere Nachweise von Phthinia mira liegen somit aus der UdSSR, der Bundesrepu- blik Deutschland und aus Österreich (Casrers 1984 b) vor.

5. Boletina nigricoxa STAEGER, 1840 2 0'C', Emergenzfalle A, April 1984

6. Anatella emergens sp.n. (Abb. 1-4)

Holotypus JO, Breitenbach (Schlitz), Emergenzfalle III, Juli 1980; leg. R. WAGNER.

Beschreibung des C:

Kopf braun-grau; Fühlerbasis bräunlich-gelb, proximale Hälfte des ersten Anten- nengeißelgliedes hellbraun, der Rest des Flagellums mittelbraun gefärbt.

Thorax dunkelbraun; Vorderrand und seitlicher Rand des Mesonotums undeutlich aufgehellt. Zwei kräftige Skutellarborsten und einige schwächere, haarartige Borsten vorhanden. Pleuren gelb-bräunlich. Pronotum und Proepimeron nicht vollständig ge-

*) Während der Drucklegung der vorliegenden Arbeit erschien eine Arbeit von CHANDLER (1987), in der die volle Synonymieliste von Phthinia mira (ÖSTROVERKHOVA), 1977 wiedergegeben wird. CHANDLER meldet die Art von mehreren Fundstellen auf den Britischen Inseln.

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Abb. 3: Anatella emergens sp. n., Zangenapparat (links), Innenansicht; Maßstab = 0,1 mm

trennt, beide Sklerite mit je einer großen Borste und einigen schwächeren Haaren. Metepisternum caudad mit drei kleinen Borsten. Halteren weißlich-gelb.

Grundfärbung des Abdomens braun, hintere Tergite stärker verdunkelt.

Hypopygium (Abb. 1-3) gelblich-braun.

Beine gelb, Tarsalia etwas dunkler. Metatarsus und Tibia des Vorderbeins gleich lang. Femora von p, mit sehr schwachem Haarbesatz. Außerer Sporn der Mitteltibien etwa halb so lang wie innerer Sporn. Beborstung der Hintertibien: 4d, 5a, 12 kurze p-Borsten in der distalen Hälfte der Tibia. Coxen von p; mit einer deutlich entwickel- ten postero-basalen Borste.

Flügel (Abb. 4) klar. Nervatur grau. C deutlich über das Ende von R, hinaus verlän- gert. Basis der Cu-Gabel auf gleicher Höhe wie die Basis der M-Gabel. R mit 26 Bor- sten, R, mit 23 Borsten, R, mit 32 Borsten; Flügelgabeln ohne Borsten. Flügellänge: 1,9 mm.

Das Weibchen und die Jugendstadien der neuen Art sind unbekannt.

Abb. 4: Anatella emergens sp.n., Flügel 0’; Maßstab = 0,5 mm

Abb. 5:

Abb. 6:

Exechia chandleri sp. n., Hypopygium ventral; Maßstab = 0,2 mm

Exechia chandleri sp. n., Hypopygium dorsal; Maßstab = 0,2 mm

89

90

Systematische Beziehungen:

Nach genitalmorphologischen Merkmalen ergeben sich weitgehende Übereinstim- mungen mit Anatella minuta (StAazcer), 1840 (vgl. CHanpLer 1977: 69 fig. 6), möglicher- weise auch mit der ungenügend bekannten Anatella clavata OsrroveErkHova, 1979.

Ein schlüssiges Konzept zur infragenerischen Gliederung der Gattung Anatella Winnerrz Kann zur Zeit noch nicht angeboten werden. Tuomıkoskı (1966) weist darauf hin, daß die phylogenetischen Beziehungen innerhalb des Gattungskomplexes vorerst noch unklar sind, obwohl sich einige, allerdings unscharf abgegrenzte Verwandt- schaftsgruppen herausdifferenzieren lassen.

7. Exechia separata Lunpström, 1912 1, Emergenzfalle II, Juli 1980

8. Exechia seriata (MeEıcen), 1830 10, Emergenzfalle III, Juli 1980

9. Exechia chandleri sp.n. (Abb. 5-8)

Holotypus JO, Breitenbach (Schlitz), Emergenzfalle IV, Oktober 1983; leg. R. WAGNER. Paratypen: 7 0°C’, Breitenbach (Schlitz), Emergenzfalle IV, Oktober 1983; leg. R. WAGNER. Die Paratypen verbleiben in der privaten Mycetophiliden-Sammlung des Autors.

Abb. 7: Exechia chandleri sp. n., Zangenapparat (links), Innenansicht; Maßstab = 0,2 mm

Beschreibung des J:

Kopf dunkelbraun; Palpen hellgelb. Fühlerbasis und proximale Hälfte des ersten Antennengeißelgliedes hellbraun, der Rest des Flagellums mittelbraun gefärbt.

Thorax dunkelbraun; Vorderrand und seitlicher Rand von Mesonotum, Skutellum und Metanotum aufgehellt. Zwei kräftige Skutellarborsten und einige schwächere, haarartige Borsten vorhanden. Pleuren hell- bis mittelbraun, fleckig. Propleuren und Proepimeren mit je zwei kräftigen Borsten; bei einigen Paratypen mit je einer zusätz- lichen, schwächer ausgebildeten Borste auf beiden Skleriten. Pleurotergite mit weni- gen hellen Haaren, Metepisternum caudad ebenfalls mit kleiner Borstengruppe. Hal- teren weißlich.

91

Grundfärbung des Abdomens dunkelbraun. Segment I und Segment II mit gelben, undeutlich begrenzten Lateralflecken, deren Ausdehnung innerhalb der Typenserie sehr stark variiert.

Hypopygium (Abb. 5-7) gelb.

Beine gelblich, Tibien und Tarsalia leicht verdunkelt. Beborstung der Mitteltibien: 2-4d, 5a (sowie 5-8 weitere, deutlich kleinere a-Borsten), 3-4 kleine p am distalen Ende der Tibia. Beborstung der Hintertibien: 4-5d, 5a (sowie einige weitere, deutlich kleinere a-Borsten), 5-6 kleine p-Borsten am distalen Ende der Tibia. Coxen von p; mit einer kräftigen Basalborste.

Abb. 8: Exechia chandleri sp. n., Flügel CO’; Maßstab = 0,5 mm

Flügel (Abb. 8) klar. Beborstung, Nervatur und Längenrelationen von Längs- und Queradern entsprechen dem Grundtypus der Gattung (vgl. Tuomikoskı 1966). R mit 22 Borsten, R, mit 25 Borsten, R; mit 48 Borsten; M-Gabel und Cu-Gabel ohne Bor- sten. Flügellänge: 2,3 mm.

Das Weibchen und die Jugendstadien der neuen Art sind unbekannt.

Systematische Beziehungen:

Die neue Exechia-Art hebt sich von allen aus der westlichen Paläarktis bekannten Arten der Gattung Exechia Winnerrz sehr deutlich ab. Möglicherweise ist sie mit der sibirischen Exechia pullata OstroverkHova, 1979 näher verwandt, von der nur sehr un- genügende Abbildungen vorliegen (OstrovERKHoVA 1979).

10. Exechiopsis (Exechiopsis) magnicauda (Lunpsrröm), 1911 10, Emergenzfalle IV, Oktober 1980

11. Exechiopsis (Xenexechia) membranacea (Lunpström), 1912 1c, Emergenzfalle III, Juli 1980

Diese Art wurde nach ihrer Erstbeschreibung nicht mehr als eigenständige Spezies anerkannt und mit der nächstverwandten Exechiopsis leptura (MeEıcen), 1830 synony- misiert (Lanprock 1940). Die differentialdiagnostisch wichtigen Genitalmerkmale beider Arten werden bei Caspers (1984b) abgebildet. Sichere Funde von Exechiopsis membranacea liegen aus Finnland (Erstbeschreibung durch Lunpsrröm, 1912), Oster- reich und nunmehr auch aus der Bundesrepublik Deutschland vor.

Abb. 9: Brevicornu (Brevicornu) glandis LASTOVRA & MATILE, Hypopygium ventral; Maßstab = (0,2 mm

Abb. 10: Brevicornu (Brevicornu) glandis LA$TovkA & MATILE, Hypopygium dorsal, Maßstab = 0,2 mm

12.

13.

14.

15.

16.

93

Rymosia virens Dzienzickı, 1910 10°, Emergenzfalle IV, 1980

Pseudorymosia fovea (Dzienzickı), 1909 10, Emergenzfalle IV, September 1983

Allodia (Brachycampta) rara PLassmann, 1977 10, Emergenzfalle Breitenbach, ohne Funddaten

Brevicornu (Brevicornu) boreale (Lunpström), 1914 1, Emergenzfalle III, ohne Funddaten

Brevicornu (Brevicornu) glandis LastovkAa & Marıue, 1974 10, Emergenzfalle II, Oktober 1981 1 0, Emergenzfalle F, September 1983

Die Art war bisher nur aus der Mongolei bekannt (Lasrovka & MarırE 1974), d.h. die Funde vom Breitenbach stellen einen Erstnachweis für die westliche Paläarktis dar. Das Genital der männlichen Imago und der Flügel des Männchens werden abgebildet (Abb. 9-12).

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Abb. 11: Brevicornu (Brevicornu) glandis LASTOVKA & MATILE, Zangenapparat (links), Innen- ansicht; Maßstab = 0,2 mm

1%.

18.

Brevicornu (Brevicornu) ruficorne (Mkıcen), 1838 10, Emergenzfalle A, Januar 1984

Trichonta melanura (STAEGER), 1840 10, Emergenzfalle III, Juli 1980

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19. Phronia disgrega Dzienzickı, 1889 1 C', Emergenzfalle III, Juli 1980

20. Mycetophila dziedzicki CHAannLer, 1977 10, Emergenzfalle IV, 1981

21. Mycetophila occultans Lunpsrröm, 1913 2. 0°0', Emergenzfalle III, April 1983

22. Platurocypta punctum (Stannıus), 1831 2 0'C', Emergenzfalle III, 1981

Abb. 12: Brevicornu (Brevicornu) glandis LASTOVKA & MATILE, Flügel O'; Maßstab = 0,5 mm

Literatur

CAsPpERSs, N. 1984a: Mycetophiliden-Fänge am Breitenbach/Osthessen (Insecta, Diptera, Nema- tocera). — Beitr. Naturkde. Osthessen 20, 109-125.

— — 1984b: Mycetophiliden aus Lunz, Niederösterreich (Diptera, Nematocera, Mycetophili- dae). — Entomofauna 5, 173— 205.

CHANDLER, P. J. 1977: Studies of some fungus gnats (Diptera: Mycetophilidae) including nine ad- ditions to the British list. — Systematic Entomology 2, 67-93.

— — 1987: Notes on British fungus gnats of the smaller families and sub-families (Diptera, My- cetophiloidea). — Proc. Trans. Br. Ent. Nat. Hist. Soc. 20, 105-118.

ILLıes, J. 1971: Emergenz 1969 im Breitenbach. — Arch. Hydrobiol. 69, 14—59.

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LASTOVKA, P. & MATILE, L. 1974: Mycetophilidae (Diptera) de Mongolie. — Acta Zool. Acad. Sci. Hung. 20, 93-135.

LUNDSTRÖM, C. 1912: Beiträge zur Kenntnis der Dipteren Finlands VIII. Supplement 2. Myceto- philidae, Tipulidae, Cylindrotomidae und Limnobiidae. — Acta Soc. Fauna Flora Fenn. 36, 1-70, Tafeln 1-7.

OSTROVERKHOVA, G. P. 1977: New and little-known species of fungus-gnats (Diptera, Mycetophi- loidea) of northern Tomsk Province (in russ.). — Tr. Nauchno-Issled. Inst. Biol. Biofiz. Tomsk. Gos. Univ. 8, 23-27.

— — 1979: Fungus-gnats of Siberia (Diptera, Mycetophiloidea) (in russ.). — Izd. Tomsk Univ. 307 S.

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TUOMIKOSKI, R. 1966: Generic taxonomy of the Exechiini (Dipt., Mycetophilidae). — Ann. Ent. Fenn. 32, 159-194.

ZAITZEV, A. 1. 1984: Holarctic species of the genus Phthinia WInneErTZz (Diptera, Mycetophilidae) (in russ.). — Rev. d’Ent. URSS 63, 830-839.

Anschrift des Verfassers: Prof. Dr. Norbert Caspers, Morgengraben 8,5000 Köln 80

Beitrag zur Kenntnis der Eintagsfliegenfauna der Iller (Ephemeroptera)

Von Roland GRIMM*

Abstract

A survey of the mayflies of the lower Iller (Federal Republic of Germany) was conducted during 1984-1986. 33 species were collected. A list of the species with collecting data is given.

Einleitung

Im Normalzustand weisen Fließgewässer von ihrer Quelle bis zur Mündungeine Zo- nierung mit charakteristischen Lebensgemeinschaften auf. Anhand dieser Biozöno- sen werden die Fließgewässer in bestimmte Regionen gegliedert. Durch Begradigun- gen und Staumaßnahmen geht die ursprüngliche Abfolge verloren. So wurde die Iller im größten Teil des Untersuchungsabschnitts (Abb. 1) — dieser gehörte ursprünglich sehr wahrscheinlich zur Aschenregion (Hyporhithral) und dem Übergangsbereich zur Barbenregion (Epipotamal) — durch Korrekturen, Staustufen und stellenweise fast völlige Wasserentnahme für Wasserkraftwerke zu einer Abfolge von Staubereichen und Fließwasserbereichen mit niedriger Wasserführung. Die in einigen Fällen fast nur durch Grund- und Oberflächenwasserzutritt gespeisten Fließwasserbereiche wa- ren oft sehr schmal und wiesen in der Regel nur geringe Strömungsgeschwindigkeiten auf. Sie bildeten unterhalb einiger Staustufen Bereiche, die am ehesten mit kurzen Bachläufen vergleichbar waren. Die für einen Voralpenfluß von Illergröße typischen Fließwasserbereiche gab es nur unterhalb der Einmündung des Illerkanals in die so- genannte „Rest-Iller“ bei Fluß-km 17.6. Der geschilderte Zustand dauerte über Jahr- zehnte an. Erst seit November 1984 verbleibt in der „Rest-Iller“ eine Mindestwasser- menge von 5 m”/s. Künftig ist eine jahreszeitlich wechselnde Wasserführung zwi- schen 3 und 8 m’/s geplant. Um die Auswirkungen der Mindestwasserführung doku- mentieren zu können, führten die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg in den Jahren 1983 bis 1986 ein umfangreiches Untersuchungsprogramm