C% /'^ ?*^ .. > »-?' <^ ^fri ■f f.. 3^ 8^^ 0 v\ t"^ ^ */' ■ r^ ^ 1 ^ y 1^ W'' ^ 'k. ;»4 ■ _.,. ^- -y ' ._.<;« ü^- .'.- v ,■* w^,*^- r .-'<>-"'«.. ZOOLOGISCHE JAHRBÜCHER. ABTHEILÜNG FÜR SYSTEMATIK, GEOGRAPHIE UND BIOLOGIE DER THIERE. HERAüSeEGEBEN VON PROF. DR. J. IST. SPENÖEL IN GIESSEN. DREIZEHNTER BAND. MIT 38 TAFELN, 1 KARTE, 1 ROUTEN-KARTE UND 32 ABBILDUNGEN IM TEXT. JENA, VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 1900. Alle Rechte vorbehalten. I ö^ t Inhalt. Heft I (ausgegeben am 24. Februar 1900). Seite Sluitbr, C. Ph., Tunicaten aus dem Stillen Ocean. Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific. (Schauinsland 1896 — 1897.) Hierzu Tafel 1—6 1 Veriioeff, Cael, Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. X. Aufsatz: Zur vergleicbenden Morphologie, Phylogenie, Gruppen- und Artsystematik der Lysiopetaliden. Hierzu Tafel 7—9 und 3 Abbildungen im Text 36 Loman, J. C. C, Ueber die geographische Verbreitung der Opilio- niden. Hierzu Tafel 10 und 11 71 Heft II (ausgegeben am 12. Mäi-z 1900). Köhler, Franz, Die Duftschuppen der Gattung Lycaena, auf ihre Phylogenie hin untersucht. Hierzu Tafel 12 — 14 .... 105 KoENiKE, F., Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific (Schauinslanü 1896 — 97). Eine unbekannte Eylais-Form nebst einer Notiz zur Synonymie einer verwandten Art. Mit 7 Abbildungen im Text 125 Attems, Carl Graf, Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen im Jahre 1895. Hierzu Tafel 15—17 .... 133 Verhoeff, Carl, Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myi'iopoden. XII. Aufsatz : Ueber Diplopoden aus Griechenland. Hierzu Tafel 18 172 Spengel, J. W., Papilin asterias abeiT. calverleyi. Eine nachträg- liche Bemerkung 205 Heft III (ausgegeben am 30. Mai 1900). Bergh, R., Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific (Schaüinsland 1896 — 1897). Die Opisthobranchier. Hierzu Tafel 19—21 207 Boas, J. E. V., Ueber einen Fall von Brutpflege bei einem Bock- käfer. Hierzu Tafel 22 und 6 Textabbildungen .... 247 ly Inhalt. Seite Müller, G. W., Afrikanische Ostiacoden, gesammelt von O. Nkiimann im Jahre 1893. Hierzu Tafel 23 259 Cbdbkulom, Elin, Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern . . . 2G9 RossiNSKY, Demetkius, Der Maulwurfsbau. Hierzu Tafel 24 u. 25 und 4 Abbildungen im Text 287 Heft IV (ausgegeben am 20. Juni 1900). ScHMiEDEKNECiiT, 0., Die paläarktischeu Gattungen und Arten der Ichneumonidentribus der Lissonotinen 299 Heft V (ausgegeben am 30. August 1900). Stafforb, J., Some undescribed Trematodes. With Plate 26 . . 399 Kathariner, Ludwig, Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen als Luftweg und Geruchsorgan. Hierzu Tafel 27 — 28 und 4 Textabbildungen 415 Pütter, August, Alcyonaceen des Breslauer Museums. Hierzu Tafel 29—30 443 Jacobi, Arnold, Verbreitung und Herkunft der höheren Thierwelt Japans. Mit 1 Karte im Text 4G3 Heft VI (ausgegeben am 10. Oktober 1900). Werner, Franz, Reptilien und Batrachier aus Sumatra. Hierzu Tafel 31—35 479 Carlsson, Albertixa, lieber die systematische Stellung der Naii- dinia binotata. Hierzu Tafel 3G 509 Neumann, Oscar, Die von mir in den Jahren 1892 — 95 in Ost- und Central-Afrika, speciell in den Massai-Ländern und den Liindern am Victoria Nyansa gesammelten und beol)a('.hteten Säugethiere. Mit 1 Routen-Karto 529 Thiele, .Jon., Ueber einige Phyllopoden aus Deutsch Ost-Afrika. Hierzu Tafel 37 und 38 5G3 Tornier, Gustav, Neue Liste der Crocodilo, Schildkröten und Ei- dechsen Deutsch Ost-Afrikas. Hierzu 8 Abbildungen im Text 579 Nachdruck verholen. Uebersetzungsrecht vorbehalten. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific. (Schaüinsland 1896-1897.) Von Dr. C. Ph. Sluiter, Professor an der Universität Amsterdam. Hierzu Tafel 1—6. Die mir von Herrn Prof. Schauinsland zur Bearbeitung anver- traute Sammlung von Tunicaten aus verschiedenen Theilen des Stillen Oceans umfasst 36 Arten, und zwar 3 Ascidiacea socialia, 18 Asci- diacea merosomata und 15 Ascidiacea holosomata. Wie noch fast jede grössere Sammlung aus wenig durchforschten Gebieten, bringt auch diese wieder grössten Theils, nicht weniger als 25, neue Formen, die mit keiner der bis jetzt beschriebenen übereinstimmen. Von mehreren Arten ist es zwar überaus schwierig, ja fast unmöglich, mit Bestimmtheit zu sagen, ob zwei Thiere zu derselben Art gehören oder nicht, da es gewöhnlich unbekannt ist, wie weit der äussere Habitus variiren und der innere Bau fast völlig gleich sein oder nur in ganz untergeordneten Verhältnissen abweichen kann. Es gilt dies bekanntlich besonders für die Genera LeptocUnum, Ämaroucium, Polyclinum und einige andere merosome Ascidien. Eigenthümlich ist es, dass sich in der ganzen Sammlung nicht eine einzige Art aus der Familie der Ascididae findet. Es scheint wirklich, dass Ascidia-krt^ji im Stillen Ocean zu den Seltenheiten gehören. Ich lasse zuerst eine Liste der erbeuteten Thiere mit den Fund- orten folgen: Zool. Jahrb. XIII. Abth. f. Syst. 1 2 C. PH. SLUITER, A. Ascidiacea social! a {Clavellinidae). 1. Edeinascidia diligens n. sp. Insel Laysaii. 2. Edeinascidia garsiangi Sluit. Insel Laysan. 3. Sluiferia rubricoUis Sluit. Insel Laysan. B. Ascidiacea merosomata. a) Distomidae. 4. Colella pedunculata Q. et G. Warekauri (Chathara-Inseln). 5. Distoma parva n. sp. Insel Laysan. 6. Distoma fusca n. sp. Insel Laysan. 7. Distoma drcumvallata n. sp. D'Urville-Insel (Cookstrasse). 8. Distoma laysani n. sp. Insel Laysan. b) Polydinidae. 9. Polydinum fungosum Herdm. Waitangi auf Warekauri (Chatham-Inselu). 10. Polydinum meridianum n. sp. Bare Island. 11. Psammaplidiumfoliaceumn.sp. Warekauri (Chatham-Inseln). 12. PsammapUdium amhiguum n. sp. French Pass (Cook- strasse). 13. PsammapUdium sielliferum n. sp). French Pass (Cook- strasse). 14. PsammapUdium drcumvolutum n. sp. Maunganui auf Ware- kauri (Chatham-Inseln). 15. Amaroudum ritteri Sluit. French Pass und D'Urville- Insel (Cookstrasse). 16. Amaroudum varidbile Herdm. Warekauri (Chatham-Inseln). 17. Amaroudum constridum n. sj). Maunganui auf Warekauri. 18. Amaroudum ohesum n. sp. Waitangi auf Warekauri. c) Didemnidae. 19. Didemnoides lamhitum n. s^>. Waitangi auf Warekauri. 20. Leptodinum asperum Gottsch. Maunganui auf Ware- kauri und Pitt Island (Chatham-Inseln). 21. Leptodinum sddula n sp. French Pass, D'Urville-Insel. C. Ascidiacea holosomata. I. Phlebobranchiata, a) CorelUdae. 22. Corella japonica Herdm. Maunganui auf Warekauri; French Pass (Cookstrasse). 23. Corella novarae v. Dräsche. D'Urville-Insel (Cookstrasse). Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 3 IL Stolidobranchiata. b) Botryllidae. 24. Bofrylloides jaerspicuumÜERDM. FrenchPass (Cooks trasse). c) Styelidae. 25. Styela nisiotis n. sp. French Pass (Cookstrasse). 26. Styela hicormita n. sp. French Pass (Cookstrasse). 27. Siyela cerea n. sp. D'ürville-Insel (Cookstrasse). 28. Styela argillacea n. sp. Maunganui auf Waurekari. d) Cynthiidae. 29. Cynthia lutea n. sp. Red Cliff auf Warekauri. 30. Cynthia suhuculata n. sp. French Pass (Cookstrasse). 31. Cynthia pulla n. sp. Sumner auf Neuseeland. 32. Cynthia trita n. s}). Maunganui auf Warekauri. 33. Microsomus hirsutus n. sp. Red Bluff auf Warekauri. 34. Microcosmus miniaceus n. sp. Oahu, Pearl Harbour, Hawaii. e) Molgulidae. 35. Molgula martensi Traust. Red Bluff auf Warekauri. 36. Molgula inversa n. sp. French Pass (Cookstrasse). Unterordnung A. Ascidiacea socialia (Glavellinidae). 1. JEcteinascidia diligens n, sp. (Taf. 2, Fig. 1, 2, 3.) Aeussere Kennzeichen. Die mir vorliegenden Einzelthiere sind nicht mehr durch einen Stolo mit einander verbunden. Da aber bei einigen noch deutliche Reste von Stolonen zu erkennen sind, so zweifle ich nicht daran, dass die Thiere ursprünglich mittels solcher zusammengewachsen waren. Die Einzelthiere werden bis 7 mm lang und 3—4 mm breit, ohne die unten zu erwähnenden Bruttaschen, die zum Theil eine sehr grosse Ausdehnung erlangen können. Die Branchialöff"nung terminal und undeutlich gelappt. Die Atrialöifnung fast die Hälfte der Körperlänge, nur zuweilen etwas mehr als V.h weiter nach hinten und gleichfalls undeutlich gelappt. Die Farbe ist glashell, durchscheinend und ganz ohne Pigment, so dass die innern Organe sehr deutlich durchschimmern. Die Testa ist ziemlich dünn, glashell, ohne Blutgefässe, ohne Blasenzellen, aber mit zahlreichen Testazellen. Die Tunica lässt leicht von der Testa los und ist mit nur schwacher Musculatur versehen, welche fast ausschliesslich aus quer verlaufenden, aber viele Anastomosen bildenden Fasern besteht. Längs- fasern fehlen fast vollständig. 1* 4 C. PH. SLUITER, Der Kiemensack ist gross und erstreckt sich bis weit hinten in den Körper. Im Ganzen finden sich 11 Querreihen von länghchen Kieraenspalten. Die 16 — 17 Längsgefässe sind verhältnissmässig kräftig und werden von langen, zungenförmigen Verbindungsstücken getragen. Zwischen zwei Längsgefässen liegen drei oder vier Spalten. Die Quergefässe sind nur schmal und alle ungefähr gleich breit. Papillen auf den Kreuzungspunkten fehlen vollständig. Die Dorsal falte bildet einen ziemlich schmalen, glattrandigen Saum ohne zungenförmige Fortsätze, aber gerippt. Die Fliramergrube besitzt eine fast kreisrunde Oeffnung. Der Darm macht die gewöhnliche Doppelschlinge. Der Oeso- phagus ist kurz, der Magen längs gefurcht (4 oder 5 Furchen), der Enddarm mit schwach S förmiger Biegung, der After mit tiefer Ein- kerbung, wodurch zwei Lippen entstehen (Taf. 2, Fig. 3). Die Gonaden wie gewöhnlich in der ersten Darmscblinge. Das Ovarium in der Mitte, umgeben von den Hodenbläschen. Das Vas deferens und der Oviduct verlaufen längs des Enddarms und münden neben dem After aus. Im Peribranchial- und Atrialraum können zahlreiche Larven vorkommen, aber bei zunehmender Brut entwickelt sich eine Aussackung der Testa mit der Tunica zu einem geräumigen Brutraum, der fast die Grösse des ganzen Thieres erreichen kann und fast ganz mit aufgerollten Schwanzlarven augefüllt ist. Die Tentakel einfach und von drei verschiedenen Längen, die in gewöhnlicher Weise mit einander abwechseln. Fundort: Laysan, auf Steinen an der Ostseite. Mehrere Exemplare. Es sind besonders zwei Punkte, die bei dieser Ecteinascidia- Art unser Interesse beanspruchen. In erster Linie ist es das abweichende Verhalten der Dorsalfalte. Bekanntlich besitzt Ectein- ascidia sonst nur zungenförmige Fortsätze, die höchstens an ihrer Basis durch eine schmale Membran verbunden sein können. Bei unserer Art fehlen aber die Fortsätze vollständig, und die Dorsalfalte sieht genau aus, wie es der gewöhnliche Zustand bei Äscidia ist. Da aber sonst die Thiere in allem mit Ecteinascidia übereinstimmen, halte ich es nicht für wünschenswerth, bloss auf das abweichende Verhalten der Dorsalfalte hin eine neue Gattung aufzustellen. Es ist allerdings wahr, dass in der ganzen Familie der Clavellinidae die Dorsalfalte in Form von zungenartigen Fortsätzen auftritt, höchstens an der Basis durch eine schmale Membran vereinigt, wie bei Sluiteria und Pero- Tunicaten aus dem Stillen Oceau. 5 phora, aber immer mit ZüDgelchen versehen. Es scheint mir nicht ohne Interesse, dass auch bei einem Clavelliden eine typische glatte Dorsalfalte ohne jegliche Spur von Fortsätzen vorkommt, da ich für diese Gruppe noch immer ihre centrale Stellung befürworten möchte. Es ist übrigens bekannt genug, dass dem Verhalten der Dorsalfalte ein nicht sehr grosser Werth beizulegen ist, da auch in der Gattung Cynthia beide Formen der Dorsalfalte neben einander vorkommen. Merkwürdig ist ferner der sehr grosse Brutraum, welcher bei einzelnen zu einem grossen Sack von mehr als Körperlänge an der hintern Dorsalseite sich entwickelt hat aus einer Ausbuchtung der Tunica und Testa. Der Brutraum entwickelt sich allerdings erst, wenn eine grössere Anzahl von Embryonen sich angesammelt hat. Auch bei Thieren, die noch ohne Brutraum waren, fanden sich schon einige Embryonen im Peribranchialraum, wenn auch immer nur wenige. 3. Ecteinascidia garstangi Sluit. Sluitek, Tunicaten von Süd- Afrika, in: Zool. Jahrb., V. 11, Syst., 1898, p. 10. Mehrere Exemplare dieser Ecteinascidia- Art, welche vor einem Jahre von mir beschrieben ist, wurden von Prof. Schauinsland an der Ostseite von Laysan erbeutet. Obgleich die frühern Exemplare von der Küste von Mogambique stammten, kann ich doch keinen Unterschied zwischen den Thieren von diesen so weit von einander entfernten Fundorten ausfindig machen. 3. Sluiteria rubricollis Sluit. Sluiteb, Einfache Ascidien von der Insel Billiton, in: Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie, V. 45, p. 163. Ein kurzer Stolo, mit einigen wenigen, noch jungen Einzelthieren, wurde auf Laysan erbeutet. Das Pigment war nur sehr wenig ent- wickelt, die Blutgefässe in der Testa aber sehr deutlich. Unterordnung B. Ascidiacea merosomata. Familie 1. Distomidae. 4. Colella i)ediinciilata Qu. et G. (Taf. 1, Fig. 1.) QuoY et Gaimard, Voyage de l'Astrolabe, V. 3, Part. 2, p. 626. Herdman, Challenger Report on the Tunicata, Part 2, p. 74. 2 Colonien von 22 mm Länge dieser von Herdman in allen Einzelheiten ausführlich beschriebenen Art wurden auf den Chatham- 6 C. PH. SLUITER, Inseln erbeutet. Die Anordnung der Ascidiozooide in Längsreihen auf dem Kopf der Colonie war noch ziemlich deutlich zu erkennen. Ueber die innere Anatomie ist der genauen Beschreibung Herdman's kaum etwas hinzuzufügen. Bei der einen Colonie war der Stiel viel dicker (Taf. 1, Fig. 1), als es sonst der Fall zu sein scheint. 5. Uistoma jiarva n, sp. (Taf. 1, Fig. 2.) Aeussere Kennzeichen. Die Colonien bilden kleine, kurz gestielte Massen, welche an der freien obern Fläche abgeflacht sind und dort etwa 8 mm im Durchmesser haben. Der Stiel ist gelblich und nicht durchscheinend, das eigentliche Ascidiarium glasig, durch- scheinend, so dass die hell gelblichen Einzelthiere deutlich durch- schimmern. Jede gestielte Masse hat an der Oberfläche die Einzel- individuen deutlich durch eine Art Netzwerk von einander abgegrenzt. Mit der Lupe sind die beiden Oefi"nungen zu unterscheiden. Die Ascidiozooide werden höchstens 3 mm lang und stehen senkrecht zur Oberfläche. Sie sind in Thorax und Abdomen getheilt, die beide ungefähr gleich lang sind. Die Branchialöflfnung ist 61appig, die Atrialöffnung auf massig langem Atrialsipho und gleichfalls 6 lappig. Die Testa ist gallertig, ausschliesslich mit Testazellen, ohne Blasenzellen. Die Tunica ist ziemlich dick und mit massig kräftiger Muscu- latur versehen. Der Kiemensack besitzt nur 3 Reihen von Kiemenspalteu, welche nur zu 5 oder 6 in einer Reihe liegen. Der Endostyl ist massig breit und nicht geschlängelt. Die Dorsalfalte besteht aus einigen wenigen Zungenfortsätzen. Die Flimmergrube ist verhältnissmässig gross und kreisrund. Der Darm beginnt mit einem ziemHch langen Oesophagus, der in einen wenig geräumigen, glattwandigen Magen übergeht. Der eigentliche Darm läuft gerade nach vorn, der After kommt unmittel- bar hinter die Atrialöffnung zu liegen. Die Gonaden neben dem Darm verlaufend. Die Tentakel sind 28 in der Zahl und zwar von dreierlei Länge. Fundort: Laysan. Mehrere Colonien. Der anatomische Bau bietet allerdings wenig Auffallendes, aber der äussere Habitus macht die Thiere leicht kennthch, so dass es nicht schwer ist, die Colonien von den bis jetzt beschriebenen Arten zu unterscheiden. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. Y 6. Distoma fusca n, sj). (Taf. 1, Fig. 3; Taf. 2, Fig. 4, 5.) Aeussere Kennzeichen. Die Colonien bilden kleine, flache Polster von höchstens 8 mm Durchmesser, entweder kreisrund oder auch mehr länghch rund. Sie sind mit ziemlich breiter Basis auf Korallensand etc. festgewachsen. Die Oberfläche ist glatt und gallert- artig; ein netzartiges Maschen werk von dunklem Pigment überzieht die Oberfläche. Die Vorderenden der Einzelthiere sieht man als dunkle, fast schwarze Punkte durch die gallertige Testa hindurchschimmern, indem das Abdomen gelblich ist. Die beiden OeÖnungen sind mit der Lupe zu unterscheiden und liegen in einer von den mit Pigment um- säumten Maschen. Die Ascidiozooide sind klein, werden höchstens 1,8 mm lang und 0,8 mm breit. Sie sind in Thorax und Abdomen getheilt, welche ungefähr gleich gross sind. Der Thorax ist sehr dunkel pigmentirt, so dass nichts von dem Kiemensack hindurchschimmert. Das Abdomen ist gelblich gefärbt, obgleich, besonders am Vordertheil, noch pigmen- tirte Stellen der Tunica vorkommen. Die beiden Oeffnungen mit kurzen Siphonen und beide 6 lappig. Die Testa ist gallertig und besitzt zahlreiche kleine, rundHche Testazellen, aber keine Blasenzellen. Ausserdem liegen in der Testa zahlreiche Pigmentzellen, welche lange und dünne Ausläufer besitzen und fast schwarzes Pigment führen. Die Tunica ist am Vordertheil des Körpers ziemlich dick und reich pigmentirt mit demselben fast schwarzen Pigment wie die Testa. Das Pigment wird weiter nach hinten spärlicher und fehlt am Ab- domen fast völlig. Von der Musculatur ist die Ringmusculatur bei weitem am kräftigsten. Der Kiemensack ist breit, aber wenig lang, besitzt nur 3 Reihen von Kiemenspalten, und zwar nur 6 Spalten in einer Reihe. Auch der Kiemensack ist noch reichlich mit demselben schwarzen Pigment versehen, das sich regelmässig in Vierecken um die Kiemenspalten anordnet. Der Endostyl ist ziemlich breit und von geschlängeltem Verlauf. Die Dorsalfalte besteht aus 4 ziemlich langen, zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube ist verhältnissmässig gross und fast kreisrund. Die Tentakel sind 16 an der Zahl, alle ungefähr gleich gross. Der Darm ist nur kurz, beginnt mit einem kurzen Oesophagus, 8 C. PH. SLUITEK, der ventral nach hinten verläuft und in den wenig geräumigen Magen übergeht, welcher noch nach hinten gerichtet ist. Der eigentliche Darm macht keine Krümmung und geht gerade iu den Enddarm über, der weit nach vorn, hinter der Atrialöffnung ausmündet. Die Gonaden liegen als traubige Organe auf der hintern Krümmung des Magens. Fundort: Laysan. Mehrere Colonien. 7. Distoma circumvallata n. sj). (Taf. 1, Fig. 4; Taf. 2, Fig. 6.) Aeussere Kennzeichen. Die Colonien bilden kleine, polster- artige Massen, welche mit schmälerer Basis, aber ohne einen eigent- lichen Stiel zu bilden, auf Schwämmen, Korallen etc. festgewachsen sind. Sie scheinen sich besonders gern in vom Schwamm umwachsenen, becherförmigen Räumen einzunisten. An der breiten und flachen Oberfläche haben die Colonien einen Durchmesser von 6—12 mm. Die weisslich gefärbten Einzelthiere sind mit ihren beiden Siphonen deut- lich durch die glasige, durchscheinende Testa zu erkennen. Die beiden Siphonen münden mit einer 6 lappigen Oefifuung an der Oberfläche. Die Einzelthiere sind durch ein netzartiges Maschenwerk von etwas festerm Testagewebe von einander getrennt. Die Ascidiozooide werden bis 4^2 ^^ ^^og und sind in einen kurzen Thorax und ein langes Abdomen getheilt, das fast doppelt so lang ist wie der Thorax. Das Abdomen beginnt mit einem dünnern Stiel, ohne aber am hintern Ende besonders stark anzu- schwellen. Die beiden Siphonen sind scharf abgegrenzt und dünn. Der Atrialsipho liegt weit nach vorn. Beide Oeflnungen sind 6 lappig. Der Atrialraum ist stark angeschwollen und enthält gewöhnlich mehrere geschwänzte Embryonen, aber ein eigentlicher Brutraum wird nicht gebildet. Die Testa ist gallertig und besitzt nur Testazellen, keine Blasenzellen. Die Tunica ist massig dick, aber mit nur schwacher Musculatur versehen. Der Kiemensack ist klein und besitzt nur 3 Reihen von ziem- lich langen Kiemenspalten. Der Endostyl ist ziemlich breit und von geschlängeltem Verlauf. Die Dorsalfalte besteht aus einigen wenigen," zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube ist klein und fast kreisrund. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. Q Der Darm beginnt mit einem sehr langen Oesophagus, der ge- rade nach hinten verläuft und etwa 172^^1 so lang ist wie der Thorax. Der Magen ist nur klein und liegt hinten im Körper, ist glatt, ohne Falten. Der eigentliche Darm verläuft zuerst noch eine kurze Strecke nach hinten, biegt dann um und geht in den geraden, nach vorn verlaufenden, geräumigen Enddarm über. Der After liegt etwa in der Mitte des Thorax. Die Gonaden als die gewöhnlichen traubigen Drüsen auf der hintern Umbiegung des Darmes. Die Tentakel sind 16 an der Zahl und alle ungefähr gleich lang. Fundort: D'Urville-Insel. Einige zusammenhängende Colonien. 8. Distoma laysani n. sjy. (Taf. 1, Fig. 5; Taf. 2, Fig. 7.) Aeussere Kennzeichen. Die Thiere bilden kurz, aber breit gestielte Colonien von höchstens 5 mm Höhe. Die etwas breitere Krone erreicht 4 mm im Durchmesser und ist etwas heller gefärbt als der Stiel, welcher hell bräunlichgelb ist. In der Krone sieht man die etwa 12 Einzelthiere als hellere, weissliche Flecken, und mit der Lupe entdeckt man auch leicht die beiden Siphonen und die beiden 6 lappigen Oeffnungen. Die Abdomina setzen sich in den Stiel fort, wo sie als weisse Stränge zu unterscheiden sind. Jede Colonie bildet für sich ein gesondertes System, wenn auch öfters mehrere an der Basis zusammenhängen, ohne aber verästelte Stöcke zu bilden. Die Ascidiozooide werden bis 3 mm lang und sind in Thorax und Abdomen getheilt. Der Thorax ist 0,7 mm breit, das Abdomen Vs mni, aber doppelt so lang wie der Thorax. Der Branchialsipho ist kurz, der Atrialsipho massig lang. Beide münden mit 6 lappiger Oeffnung an der Oberfläche. Im Atrialraum findet sich wie gewöhn- lich eine aufgerollte geschwänzte Larve, zuweilen auch zwei. Ein Brutraum fehlt. Die T e s t a zeigt den gewöhnlichen gallertigen Bau ausschliess- lich mit Testazellen, keine Blasenzellen. Die Tunica ist dick und mit kräftiger Musculatur versehen. Der Kiemen sack ist gut entwickelt, hat aber nur 3 Reihen von langen Kiemenspalten, von welchen 13 — 15 in einer Reihe liegen. Längsgefässe fehlen. Der Endostyl ist massig breit und hat einen deutlich geschlängelten Verlauf. Die Dorsalfalte besteht aus einigen wenigen zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube ist ziemlich gross und kreisrund und liegt auf einem stark hervorragenden Dorsaltuberkel. 10 C. PH. SLUITER, Der Darm hat einen langen Oesophagus, der gerade nach hinten verläuft, um ganz hinten im Körper in den Magen überzugehen. Der eigentliche Darm verläuft wieder neben dem Oesophagus gerade nach vorn, nur der Enddarm biegt sich wieder dorsal, um kurz hinter dem Atrialsipho in den After zu münden. Die Tentakel sind alle ungefähr gleich lang und 16 an der Zahl. Die Gonaden als traubige Drüsen auf dem hintern Theil des Darmes, hauptsächhch linksseitig. Fundort: Laysan. Mehrere Colonien. Familie 2. Polyclinidae. 9. Polj/clinum fungosuni Herdman, (Taf. 1, Fig. 6.) Herdman, Challenger Report on the Tunicata, Part 2, p. 190. Mehrere grössere und kleinere Colonien von Waitangi, Chatham- Inseln, scheinen mir identisch zu sein mit dem einzigen Exemplar, das Herdman von Port Jackson beschreibt. Das Aeussere stimmt mit Herdman's Beschreibung genau überein, nur dass die Colonien viel grösser werden, da das grösste mir vorhegende Exemplar 55 mm lang und 40 mm breit war. Die Oberfläche war mit einer dichten Kruste von feinen Sandkörnchen überdeckt, die aber an verschiedenen Stellen abgerieben war, so dass die schwach röthlich schimmernde Testa zum Vorschein kommt. Bei einigen Exemplaren ragen die Ascidiozooide etwas über die Oberfläche hervor, bei andern aber sind sie ganz in die Testa zurückgezogen. Bei den giössern Exemplaren nimmt auch das Testagewebe beträchtlich an Umfang zu, so dass mehr als die Hälfte des ganzen Durchschnitts ausschliesslich von der Testa gebildet wird. Der allgemeine Habitus bleibt jedoch bei diesen grössern Exemplaren bewahrt, nur dass die Colonien mehr in die Länge ge- zogen sind. Die Grösse sowie der Bau der einzelnen Ascidiozooide stimmt genau mit der Beschreibung Herdman's übereiu, so dass ich an der Identität dieser Colonien von den Chatham-Inseln und den HERDMAN'schen nicht zweifle. Auch die geschwänzten Larven fand ich in ziemlich grosser Menge im Atrialraum. 10. JPolyclinwni nierulianuwi n. sp. (Taf. 2, Fig. 8.) Aeussere Kennzeichen. Die Colonie wird 14 mm hoch und 12 mm breit und lang und bildet eine kuglige Masse auf einem kurzen, kaum erkennbaren Stiel. Die Oberfläclie ist glatt, nur mit einigen unregelmässigen Runzeln versehen. Die Einzelthiere sieht man in Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 11 ihrer ganzen Länge durch die wenig massige Testa hindurchschimmern. Die Farbe ist hell grau, die Einzelthiere mehr gelblichgrau. Die Ascidiozooide werden bis 8 mm lang und etwas mehr als 1 mm breit, stehen dicht neben einander, so dass fast kein Raum zwischen ihnen bleibt. Sie sind in Thorax, Abdomen und Postabdomen getheilt, von welchen die beiden erstem ungefähr gleich gross sind, das Postabdomen etwa doppelt so gross wie die beiden erstem. Die Branchialöffnung ist 6 lappig, die Atrialöffnung ziemlich weit nach vorn, mit einem in 3 kurze Lappen getheilten Zungenfortsatz ver- sehen. Das Postabdomen ist an der ventralen Seite des Abdomens befestigt. Die Testa ist wenig entwickelt, so dass die Einzelthiere ein- ander fast berühren. Es sind nur Testazellen, keine Blasenzellen vorhanden. Die Tunica ist ziemlich dick und mit verhältnissmässig kräftiger Musculatur versehen. Der Kiemen sack hat 9 Reihen von Kiemenspalteu, welche massig lang sind. Es kommen etwa 14—16 Spalten auf eine Horizontal- reihe. Der Endostyl ist nicht sehr breit. Die Dorsalfalte besteht aus 10 zungenförmigen Fortsätzen, welche weit in den Kiemensack hineinragen. Die Flimmergrube besitzt eine rundliche Oeffnung. Der Darm beginnt mit einem engen Oesophagus, der sich etwas dorsal umbiegt, dann in den kugligen, glattwandigen Magen übergeht. Der eigentliche Darm wendet sich fast unmittelbar hinter dem Magen dorsal nach vorn, biegt noch über den Vordertheil des xMagens zurück, um in den weiten Enddarm überzugehen, der weit vorn in den After mündet. Das Postabdomen mittels eines dünnen Stiels mit dem Ab- domen verbunden, in dem die Gonaden in der für Polydinum typischen Weise entwickelt sind. Die Tentakel zahlreich, abwechselnd gross und klein. Fundort: Bare Island (kleine Insel zwischen Vancouver Isl. und dem Festland von British Columbia). 2 Colonien. 11. Psammaplidiufti foliaceu^u n. sp. Aeussere Kennzeichen. Die Colonie bildet eine dünne, reichlich mit Sand durchsetzte Kruste auf Korallen und Muschel- schalentrümmern. Zwischen der grauen, durch den Sand hervor- gerufenen Farbe sieht man die kleinen, gelblich weissen Einzelthiere. Keine gemeinschaftlichen Kloakenöffnungen. 12 C. PH. SLUITER, Die Ascidiozooide sind klein, nur 172 ^^ lang, senkrecht zur Oberfläche stehend und höchstens ^/g mm breit. Der Körper ist in einen Thorax und ein gleich langes Abdomen getheilt, während die Gonaden ein ganz kleines Postabdomeu hinter der Darmschlinge bilden. Die Branchialötfnung 6 lappig, die Atrialötfnung ziemlich weit vorn und mit einem grossen Zungenfortsatz versehen. Im Atrialraum findet sich fast immer nur eine grosse geschwänzte Larve. Die Testa ist in ihrer ganzen Dicke reichlich mit Sandkörnchen durchsetzt, so dass nur verhältnissmässig wenig Testagewebe übrig bleibt, da auch die Ascidiozooide dicht neben einander stehen. Die Tunica ist sehr dünn und mit sehr schwacher Musculatur versehen. Der Kiemensack ist gut entwickelt, besitzt 9 Reihen von Kiemenspalten, und zwar 8 nicht sehr lange Spalten in einer Reihe. Der Endostyl ist massig breit, mit glattem, nicht wellenförmig ge- bogenem Rande. Die Dorsal falte besteht, wie gewöhnlich, aus zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube sehr klein und rundlich. Der Darm mit massig langem, gerade nach hinten verlaufendem Oesophagus, welcher in den gleichfalls nach hinten verlaufenden Magen ausmündet. Dieser ist mit 8 Längsfalten versehen. Der eigentliche Darm setzt sich erst noch eine Strecke weiter nach hinten fort, um dann nach vorn umzubiegen und in den mit kleinen Kothballen ge- füllten Enddarm überzugehen. Der After liegt ziemlich weit hinter der Atrialöflfnung. Die Gonaden bilden ein nur ganz kleines Postabdomen. Fundort: Eine Colonie von den Chatham-Inseln. 13. I*sanima2)lidium ambiguum n. sp. Aeussere Kennzeichen. Die einzige kleine Colonie misst 1 cm in der Länge, V2 cm in der Breite und ist ^/^ cm hoch, an der Basis sich verjüngend, einen kurzen Stiel bildend. Die Ober- fläche ist fast glatt, mit wenig Sand, glasig grau, während die Einzel- thicre als gelblichweisse Punkte hervortreten. Die A scidio zooide bilden keine deutlichen Systeme, sind 2 mm lang, vorn ziemlich breit, V2 ^^^^^^ hinten aber sehr schmal. Der Thorax und das Abdomen sind ungefähr gleich lang, das Postabdomen sehr klein und spitz zulaufend. Die Branchialööuung 6 lappig, die Atrialöffnung mit einem massig langen Zungenfortsatz. Tunicaten aus dem Stillen Ocean, j^3 Die Testa ist nur in der untern Hälfte reichlich mit Sand- körnchen durchsetzt, dann vverden diese spärlicher, um in der äussersten Schicht ganz zu fehlen. Der Bau der Testa weist sonst keine Be- sonderheiten auf. Die Tunica ist dick und mit kräftiger Musculatur. Der Kiemen sack ist gut entwickelt, mit 8 Reihen von kleinen, runden Kiemenspalten. Der Endostyl ist nicht breit und verläuft gerade. Die Dorsalfalte besteht aus zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube ist sehr klein und rund. Der Darm beginnt mit einem ziemlich langen Oesophagus, der gerade nach hinten verläuft und in den Magen übergeht, welcher mit 8 breiten Längsfalten versehen ist. Der eigentliche Darm geht noch eine kurze Strecke weiter nach hinten, biegt dann nach vorn, um in den fast gerade verlaufenden und mit kleinen Kothballen gefüllten Enddarm überzugehen. Der After liegt neben der Atrialöffnung. Die Gonaden in einem kleinen Postabdomen, das sich an dem Hinterende zuspitzt. Fundort: French Pass. Eine Colonie. Obgleich die Einzelthiere denen der vorigen Art sehr ähnlich sind, ist doch der ganze Habitus beider ein recht verschiedener. Die Thiere sind jeden Falls grösser, aber besonders am Hinterkörper sehr schmal. Auch der Habitus der ganzen Colonie ist verschieden, da die vorige Art eine dünne Kruste bildet, diese aber eine kurz ge- stielte, dicke Masse. 13. JPsaniniaplidium stelliferum n. sp, Aeussere Kennzeichen. Die einzige Colonie bildet eine kleine, unregelmässig abgerundete Masse von 1 cm Länge, ^V-i cm Breite und Höhe und ist mittels breiter, lappiger Auswüchse an der Basis auf Korallentrümmern festgewachsen. Die Oberfläche des Ascidiariums ist glatt, die lappigen Auswüchse der Basis aber mit Sandkörnchen bedeckt. Gemeinschaftliche Kloakenöffnungen fehlen. Die Farbe der Testa ist grau, durchscheinend, die Einzelthiere schimmern als hell bräunliche Flecken und Streifen deutlich durch. Die Ascidiozooide werden 3,5 mm lang, sind vorn beträcht- lich breiter als hinten, nämlich ^/^^ mm. Der Körper ist deutlich in Thorax, Abdomen und Postabdomen getheilt. Der Thorax ist un- gefähr ebenso lang wie das Postabdomen, das Abdomen etwas kürzer; Abdomen und Postabdomen gehen ohne Einschnürung in einander 14 C. PH. SLUITER, Über. Die Branchialöffnung ist 6 lappig, die Atrialöflfnung ziemlich weit nach vorn und mit einem massig langen Zungenfortsatz versehen. DieTesta ist reichlich mit Sand durchsetzt und zwar besonders die lappigen Auswüchse an der Basis und der untere Theil des Asci- diariums. In der Testa kommen ausser den gewöhnlichen Testazellen noch einige eigenthümliche, sehr dunkle Pigraentkörperchen vor, die ausserordentlich lange, strahlige Ausläufer besitzen. Blasenzellen fehlen. Die Tunica ist ziemlich dick und nicht durchscheinend, obgleich die Musculatur nicht sehr kräftig ist. Der Kiemen sack ist gut entwickelt, besitzt 8 Reihen von läng- lich runden Kiemenspalten, von welchen 8 in einer Reihe liegen. Der Endostyl ist massig breit und nicht wellig gebogen. Die Dorsalfalte besteht aus den gewöhnlichen zungenförmigen Fortsätzen. Die Fl i mm ergrübe ist klein und rund. Der Darm beginnt mit einem sehr kurzen Oesophagus, der in den mit 8 breiten Längsfalten versehenen Magen übergeht. Der eigentliche Darm macht zuerst noch eine Schlinge nach hinten, um dann in den langen, gerade nach vorn verlaufenden, mit Kothballen gefüllten Enddarm überzugehen und in dem weit nach vorn liegenden After auszumünden. Das Postabdomen ist lang, noch etwas länger als der Thorax, und ist typisch, wie bei Ämaroucium gebaut. Fundort: French Pass. Eine Colonie. 14. JPsammaplidiufn circu^nvolutum n, sp, (Taf. 1, Fig. 7; Taf. 3, Fig. 1.) Aeussere Kennzeichen. Die Colonie bildet eine dicke, eiuheithche, feste Masse von 85 mm Länge, 30 mm Breite und 23 mm Dicke, ohne grössere, lappenförmige Einschnitte, aber die Oberfläche mit deutlichen Furchen, einer Vorderhirnrinde nicht unähnlich. Die ganze Oberfläche ist mit einer dichten, aus feinem Sande bestehenden Kruste bedeckt. Nur hier und da, wo der Sand abgerieben ist, tritt die bräunlichgraue Testa zu Tage. Aeusserlich ist von den Einzel- thieren nichts zu entdecken, und ebenso wenig sind gemeinschaft- liche Kloakenööhungen vorhanden. Die Ascidiozooide werden 4 mm lang und höchstens 0,6 mm breit. Sie sind getheilt in einen sehr langen Thorax, der mehr als die Hälfte der ganzen Länge erreicht. Das Abdomen ist sehr kurz, höchstens gleich der Breite der Thiere. Das Postabdomeu ist etwas Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 15 länger, durch eine tiefe Einschnürung scharf vom Abdomen abge- schnürt und an der dorsalen Seite angeheftet. Die Branchialöffnung ist 6 lappig, die Atrialöffnung weit nach vorn, aber doch dorsal ge- legen und mit einem ziemlich langen, vorn verbreiterten, zungen- förmigen Fortsatz versehen. Die Testa ist dick und sehr reichlich mit Sandkörnchen durch- setzt, welche sich hauptsächlich in der äussersten Schicht anhäufen, wo sie eine fest zusammenhängende Sandschicht bilden; aber auch das Innere der Testa ist reichlich mit Sandkörnchen versehen. Ferner sind nur Testazellen vorhanden, aber keine Blasenzellen. Die Tunica ist dünn und mit äusserst schwacher Musculatur versehen. Der Kiemensack ist lang, aber schmal und besitzt 14 Reihen von ziemlich kleinen Kiemenspalten, von welchen nur 6 — 8 in einer Reihe liegen. Der Endostyl ist nur schmal und nicht geschlängelt. Die Dorsal falte besteht aus zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube ist sehr klein und scheint kreisrund zu sein. Der Darm ist kurz, beginnt mit einem gebogenen, engen Oeso- phagus, der in einen glattwandigen, kugiigen Magen übergeht. Der Magen liegt quer im Körper und geht an der ventralen Seite in den eigentlichen Darm über, der unter dem Magen entlang biegt, um dann in den gerade nach vorn verlaufenden, mit länglich runden Koth- ballen gefüllten Enddarm überzugehen. Die Gonaden liegen in dem kleinen Postabdomen und zwar das Ovarium in der Mitte, umgeben von den Hodenbläschen. Das Vas deferens nimmt zuerst einen geschlängelten Verlauf, um dann neben dem Enddarm gerade nach vorn zu ziehen. Die Tentakel wenig zahlreich, höchstens 12. Fundort: Maunganui. Eine Colonie. 15. Amaroucium ritteri Sluit. Sluiter, Tunicaten, in: Semon, Zool, Forschungsreisen in Australien und dem Malay. Archipel, V. 5, p. 170. Eine Colonie dieser früher von mir beschriebenen Art, welche genau mit meiner frühern Beschreibung übereinstimmt, wurde bei French Pass erbeutet, und mehrere etwas kleinere an der D'ür- ville-Insel. 16 C. PH. SLUITEß, 16. AniaroticitfTri variabile Herdm. Herdman, Challenger Report Tunicata, Part 2, p. 216. Einige kleine Colonien dieser im äussern Habitus sein- variirenden Art von den Cliatham-Inseln. Die von der Challenger Expedition er- beuteten Exemplare stammen alle von Kerguelen Island, so dass es etwas befremden muss, dass auch in den tropischen Meeren dieselbe Art gefunden wurde. Sowohl das Aeussere als namentlich der Bau der Ascidiozooide stimmt aber genau mit der ausführlichen Be- schreibung, welche Herdman giebt, überein, so dass ich an der Iden- tität beider Arten nicht zweifeln kann. 17 . Amarouciuni constrictum n. sp. (Taf. 1, Fig. 8 a,) Aeussere Kennzeichen. Die Colonien bilden kleinere und grössere rundliche Massen, die sich zwischen verästelten Meeresalgen von sehr derber Consistenz eingenistet haben. Die Oberfläche ist glatt und glasig, während die Einzelthiere als gelblichweisse, ziem- lich grosse Flecken deutlich durchschimmern. Die Farbe ist braun oder gelblichweiss. Die Ascidiozooide sind ziemlich klein, nur 3 mm lang, aber verhältnissmässig dick, ^4 ^^d^- Sie stehen senkrecht zur Ober- fläche und sind in Thorax, Abdomen und Postabdomen getheilt, von welchen drei Theilen der Thorax und das Postabdomen ungefähr gleich lang sind, das Abdomen beträchtlich kürzer ist. Die Branchial- öffnung ist 6 lappig, die Atrialöffnung ziemlich weit nach vorn ge- legen und mit einem Zungenfortsatz versehen, der sich in 3 kurze Lappen theilt. Das Postabdomen ist ohne Einschnürung am Abdomen befestigt. Die Testa hat den gewöhnlichen Bau, nur liegen zwischen den gewöhnlichen Testazellen noch zahlreiche grössere, fast kreisrunde Körperchen, die eine feine, netzförmige Zeichnung besitzen, jeden Falls keine Blasenzellen sind, vielleicht aber Pigmentanhäufungen darstellen. Die Tunica ist nur dünn und mit schwacher Musculatur ver- sehen. Der Kiemensack ist nur kurz, hat 8 oder 9 Reihen von Kiemenspalten, und zwar etwa 10 in einer Reihe. Die Kiemenspalten selbst sind klein und rundlich. Der Endostyl ist breit und wellig gebogen. Die Dorsalfalte wie gewöhnlich aus zungenförmigen Fort- sätzen bestehend. Die Flimmergrube klein und fast kreisrund. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 17 Der Darm beginnt mit einem kurzen und engen Oesophagus, der in den geräumigen, mit 10 Längsfalten versehenen Magen über- geht. Der eigentliche Darm biegt hinter dem Magen unmittelbar nach vorn, kreuzt den Oesophagus und mündet mit weitem Enddarm ohne Kothballen neben der Atrialöffnung im After aus. Das Postabdomen ist etwas länger als das Abdomen und zeigt den gewöhnlichen Bau. Das Herz ist gross und liegt ganz hinten im Postabdomen. Fundort: Mehrere Exemplare von Maunganui, Chatham-Inseln. 18. Amaroucium obesuni n. sj). (Taf. 1, Fig. 9.) Aeussere Kennzeichen. Die Colonien bilden grosse, fleischige Massen, welche unregelmässig gelappt und hell rosa gefärbt sind. Sie sind mit nur einem kleinen Theil auf Muschelschalen etc. aufgewachsen, ohne Stiel. Die Oberfläche ist glatt, ohne Fremdkörper, aber schwammig durch die grossen Hohlräume in der Testa. Ge- meinschaftliche KloakeuöÖnungen sind vereinzelt als kleine, längliche Spalten vorhanden. Die Einzelthiere bilden keine deutlichen Systeme, sind aber öfters in ziemlich regelmässigen Reihen angeordnet. Die Ascidiozooide werden bis 6 mm lang, aber nicht mehr als 0,5 mm breit. Sie stehen senkrecht zur Oberfläche, sind aber vielfach tief in die Testa zurückgezogen. Bei ganz ausgestreckten Thieren sind die drei Abschnitte, Thorax, Abdomen und Postabdomen, alle ungefähr gleich gross, und zwar jeder 2 mm. Die Branchial- öfi"nung ist 6 lappig, die Atrialöffnung mit einem langen, einfachen Zungenfortsatz versehen und auf Vs der Länge des Thorax nach hinten gerückt. Das Postabdomen geht ohne scharfe Grenze in das Abdomen über. Die Testa ist sehr reichhch entwickelt, ist aber wenig fest und besitzt eine fast schwammige Consistenz, indem zahlreiche grössere und kleinere Lücken im Testagewebe vorhanden sind. Es finden sich nur kleine Testa-, aber keine Blasenzellen. Die Tunica ist massig dick und mit ziemlich kräftiger Muscu- latur versehen. Der Kiemensack ist laug und eng, besitzt etwa 14 Reihen von Kiemenspalten, welche klein und länglich rund sind. Der Endo- styl ist breit, mit wellenförmig gebogenem Rande. Die Dorsalfalte besteht aus zungenförmigen Fortsätzen. Die Flimmergrube ist kreisrund. Der Darm beginnt mit einem langen Oesophagus, der fast ge- Zool. Jahrb. XIII. Abth. f. Syst. 2 18 C. PH. SLUITER, rade nach hinten verläuft. Der Magen ist längs gefaltet, und zwar mit 9 Längsfalten. Der eigentliche Darm setzt sich noch eine Strecke weiter nach hinten fort und biegt dann gerade nach vorn, um vor der Atrialöffnung im After auszumünden. Der Enddarm ist mit regel- mässig hinter einander liegenden Kothballen angefüllt. Das Postabdomen verhältnissmässig kurz, höchstens 2 mm lang. Fundort: Waitangi, Chatham-Inseln. Zwei Colonien. Familie 3. Bidemnidae Giard. 19. jyidemnoides lamhituni n. sp, (Taf. 4, Fig. 1.) AeussereKennzeichen. Die Colonien bilden grosse, fleischige, öfters zungenförmige Massen, die bis 60 mm lang, 25 mm breit und 8 mm dick werden. Die Oberfläche ist grössten Theils glatt, wenn auch grössere und kleinere Höcker vorkommen. Gemeinschaftliche Kloakenöffnungen scheinen zu fehlen. Die Einzelthiere treten als sehr kleine, weisse Pünktchen in der hell rosa aussehenden Grundfarbe hervor. Die Colonien scheinen auf Korallensand und Schwämmen fest- gewachsen gewesen zu sein. Die Ascidozooide sind sehr klein, höchstens 0,8 mm, lang und in Thorax und Abdomen getheilt, welche durch eine tiefe Einschnü- rung von einander getrennt sind. Beide Theile sind ungefähr gleich gross. Branchialöffnung 6 lappig. Die Testa ist reichlich entwickelt, dick und fleischig. Es sind nur Testa-, keine Blasenzellen vorhanden. Die Kalkspicula sind sehr ungleichmässig vertheilt, so dass sich zuerst eine ziemlich dünne äussere Schicht mit zahlreichen Spicula findet. Auch neben den In- gestionscanälen der Ascidiozooide liegt eine Reihe von Spicula dicht neben einander. Sonst sind die Spicula viel spärlicher, liegen in ein- zeiligen Reihen zwischen den Einzelthieren und hier und da haufen- weise vereinigt. Die Spicula selbst sind von sehr verschiedener Grösse, sternförmig, mit nur wenigen Strahlen, die an der Basis dick und dornförmig sind mit einer zapfen förmigen Spitze. Die kleinen haben viel mehr Strahlen, welche mehr dreieckig und spitz sind. Die Tunica ist dünn und mit schwacher Musculatur versehen. Der Kiemensack hat 4 Reihen von kleinen, fast runden Kiemenspalten, von welchen nur 5 in einer Reihe liegen. Der Endo- styl ist sehr breit. Die Dorsalfalte besteht aus den gewöhnlichen zungenförmigen Fortsätzen. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. J0 Die Flimmergrube ist quer oval. Der Darm beginnt mit einem kurzen und engen Oesophagus, der in den glattwandigen Magen übergeht. Der Darm biegt dann dorsal nach vorn, um mit dem S förmig gebogenen Enddarm in dem After zu enden. Die Gonaden dorsal auf dem Darm liegend. Das Vas deferens macht 7 Spiral Windungen. Fundort: Waitangi, Chatham-Inseln. Mehrere Colonien. 20. Leptoclinum asperum Gottschaldt. (Taf. 1, Fig. 8 b.) GoTTscHALBT, SyDascidien von Ternate, in: Abb. Senckenb. naturf. Ges. Frankfurt a. M., V. 24, p. 653, 1898. Eine Colonie von Pitt Island und eine um Algen gewachsene von Maunganui stimmt mit der Beschreibung von Gottschaldt überein, nur dass vielleicht die Spicula etwas weniger zahlreich sind und die Oberfläche nicht schmutzig weiss, sondern wirklich weiss war. Das Vas deferens war 3 mal um den Hoden gewunden. 31. Leptoclinum scidula n, sp. Aeussere Kennzeichen. Die Colonien bilden sehr dünne Ueberzüge von noch nicht 1 mm Dicke auf Steinen. Die Oberfläche ist glatt, grauweiss; die Testa mit den zahlreichen Spicula zwar weiss, aber die massig weit aus einander stehenden Einzelthiere bilden dunklere Pünktchen, wodurch das Ganze mehr grau erscheint. Mehrere grosse, runde gemeinschaftliche Kloakenöffhungen. Die Thiere sind in unregelmässig verlaufenden Reihen angeordnet. Die Ascidiozooide sind klein, 0,8 mm lang, durchsetzen die ganze überaus dünne Testa, so dass das Hinterende fast die steinerne Unterlage berührt. Sie sind in Thorax und Abdomen getheilt, beide von gleicher Grösse. Die Testa ist sehr dünn, aber von zahlreichen Spicula durch- setzt, die den gewöhnlichen, vielstrahligen Bau besitzen, aber sehr ungleich an Grösse sind. Der Kiemensack hat 4 Reihen von kleinen, länglich runden Kiemenspalten. Der Endostyl ist sehr breit und hat einen wellig ge- bogenen Rand. Der Darm hat den gewöhnlichen Verlauf, ist kurz, der Magen ist glattwandig, der Enddarm, mit Kothballen gefüllt, endigt auf der Hälfte des Kiemensacks. 2* 20 C. PH. SLUITER, Die Gonaden sind typisch entwickelt, das Vas deferens macht 6 oder 7 Windungen um den Hoden. Zahlreiche Tentakel von verschiedener Grösse, ohne dass aber eine bestimmte Anordnung zu erkennen ist. Fundort: French Pass und D'ürville-Insel. Einige Bruchstücke von Colonien. Wie gewöhnlich bei den Arten von Leptoclinum ist es auch hier sehr schwierig, mit Bestimmtheit zu sagen, ob nicht vielleicht eine schon beschriebene Art vorliegt. Ich kann aber keine aus diesen Gegenden beschriebene Art finden, welche eine so überaus dünne Testa besitzt, die noch nicht 1 mm dicke Krusten bildet, und da die verschiedenen Exemplare, sowohl von D'ürville Island als von French Pass, dieselbe Eigenthümlichkeit zeigen, so glaube ich berechtigt zu sein, die Exemplare als eine noch nicht beschriebene Art aufzuführen, wenn auch die innere Anatomie kaum von vielen andern Leptocliuen zu unterscheiden ist. Unterordnung C. Ascidiacea liolosouiata, I. Phlebobranchiata. Familie 1. Corellidae. 23. Corella japonica Herdman. Herdman, Challenger Report on the Tunicata, Part 1, p. 190. 4 Exemplare wurden bei Maunganui und 5 im French Pass er- beutet. Sie stimmen alle genau mit der Beschreibung Herdman's im Challenger Report, nur zeigt sich bei dem grössten Exemplar eine eigenthümliche Verwachsung am Kiemensack. Zum Theil sind nämlich die Spiralen der Trichter derartig mit einander verwachsen, dass gar keine Spalten mehr übrig bleiben und der Kiemensack zum Theil ohne Löcher erscheint und die Trichter sich nur als Blindsäcke darthun. 23. Corella novarae v. Dräsche. V. Dräsche, in: Denkschr. Akad. Wiss. Wien, V. 48, p. 369. 2 Exemplare von D'ürville Island, ein grösseres von 3 cm und ein kleineres von P/4 cm, und 2 von den Chatham-Inseln liegen mir vor. Alle Thiere stimmen fast genau mit der Beschreibung von V. Dräsche überein. Es sind auch 100 Tentakel von zwei verschiedenen Grössen vorhanden, und auch der Kiemensack und die sonstigen Or- gane stimmen mit von Drasche's Beschreibung, nur fehlt bei allen Exemplaren die Einbuchtung an dem sonst hufeisenförmigen Dorsal- Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 21 tuberkel, welche v. Dräsche als eine Arteigeuthümlichkeit beschreibt. Ob die C. uovarae v. Dr. und C. eumyota Traust, zwei verschiedene Arten oder nur Varietäten sind, bleibt mir auch jetzt noch fraglich. II. Stolidobranchiata. Familie 2. Botryllidae Giard, 24. Botrylloides perspicuum Herdm. Herdman, Challenger Report on the Tunicata, Part 2, p. 45. Eine Colonie von 30 mm Länge und 20 mm Breite wurde von Prof. Schauinsland im French Pass erbeutet , welche sowohl in Farbe als im Bau der Ascidiozooide genau mit Herdman's Be- schreibung übereinstimmt. Familie 3. Styelidae. 35. Styela nisiotis n. sp. (Taf. 3, Fig. 2—5.) Aeussere Kennzeichen. Die Thiere werden 65 mm lang und 35 mm breit und sind mit der hintern rechten Seite auf Schalen- trümmern, Kalkröhren etc. festgewachsen. Der Branchialsipho ist lang und nach vorn gekehrt. Der Atrialsipho liegt in der Hälfte der Körperlänge, ist aber nur wenig hervortretend. Beide Oeffnungen deutlich 4 lappig, Die Oberfläche des Körpers hat links nur wenige Furchen, die aber hinten am Körper, auf der Rückenseite und auf den Siphonen zahlreicher werden. Nur wenige Fremdkörper auf der Oberfläche. Die Farbe ist bei den Alkohol-Exemplaren schmutzig gelbbraun. Die Testa ist dünn und lederartig, aber nicht sehr fest. Am Hinterkörper wird sie etwas dicker, bleibt aber auch hier nur schwach entwickelt. Innen schwach perlmutterglänzend. Die T u n i c a ist dick und fleischig, ohne eine kräftige Musculatur, indem die Hauptmasse aus einer mehr gallertigen Bindegew€bsraasse besteht. Der Kiemen sack hat jederseits 4 massig breite Falten. Zwischen 2 Falten liegen 6 Längsgefässe, auf jede Falte kommen ungefähr 20 bis 22 Längsgefässe. Die Quergefässe sind nur wenig verschieden in der Breite, liegen aber in ungleicher Entfernung von einander, da die Kiemenspalten ungleich lang sind. Auf jedes Viereck kommen ge- wöhnlich 5 längliche Kiemenspalten, die aber öfters in 2 vor einander liegende aufgelöst sein können. Vielfach findet man ein kleines, secun- däres Längsgefässchen , das in dem Viereck zwischen zwei Quer- 22 C. PH. SLUITER, gefässen verläuft und wieder durch eine Querverbindung mit den Längsgefässeu verbunden ist. Der Endostyl ist massig breit und hat vorn einen geschlängelten Verlauf. Die Flimmer grübe hat zuweilen eine regelmässig birnförmige Gestalt mit stark nach einander zu gebogenen Schenkeln, die an ihrem Ende zu einer Spirale aufgerollt sind. Zuweilen zeigt sie aber auch eine ganz unregelmässige Figur. Die Dorsalfalte ist nicht breit und glattrandig. Der Darm macht die gewöhnliche, ziemhch enge Schlinge. Der Magen zeigt Längsfalten, die Darmschlinge reicht etwas über die Hälfte nach vorn, der After liegt etwas hinter der Körpermitte. Die Gonaden finden sich links als 3 verästelte Drüsenschläuche, rechts Hegen 2 oder 3. Die Geschlechtsschläuche sind kurz und lappig eingeschnitten. Sehr grosse Endocarpen liegen in der Darmschlinge und zwischen den Gonaden und sehen glasig oder gallertig aus. Die Tentakel 40 an der Zahl, abwechselnd gross und klein. Fundort: French Pass. 6 Exemplare. 36. Styela Mcomuta n, sp, (Taf. 3, Fig. 6-8; Taf. 4, Fig. 2.) Aeussere Kennzeichen. Die Thiere werden bis 55 mm lang und 35 mm breit, sind mit der hintern ventralen Seite festgewachsen. Immer ist der lange Branchialsipho stark nach der dorsalen Seite umgebogen, und die 4 lappige Branchialöffnung schaut dadurch öfters sogar nach hinten. Der Atrialsipho liegt weit nach hinten, noch hinter der Hälfte des Körpers, ist kürzer als der Branchialsipho und nach vorn gerichtet. Die Atrialöffnung deutlich 4 lappig. Die Ober- fläche ist ziemUch regelmässig gefurcht und zwar so, dass die Furchen einander parallel, von dem Branchialsipho ab, die ganze Länge des Körpers durchziehen. Am Hinterkörper verlaufen die Furchen mehr unregelmässig. Die Farbe ist bräunlich grau, aber stellenweise finden sich deutliche, rothbraune Partien des Körpers, was wahrscheinlich die ursprüngliche Farbe im Leben gewesen ist. Die Testa ist ziemlich dünn, aber sehr fest und lederartig, innen grau, mit nur sehr schwachem Perlmuttcrglanz. Der Theil, welcher sich am Branchialsipho nach innen umschlägt, ist bei allen Spiritus-Exemplaren intensiv violett gefärbt. Die T u n i c a ist massig dick und fleischig, bei den verschiedenen Exemplaren mehr oder weniger verschieden, aber niemals ist die Musculatur besonders kräftig. Tunicateu aus dein Stillen Ocean. 23 Der Kiemensack hiit die gewöhnlichen 4 breiten Falten. Zwischen 2 Falten liegen 7 oder 8 Längsbalken. Die Quergefässe ungleich breit und zwar gewöhnlich so, dass ein breiteres mit zwei schmälern abwechselt. In jedem Viereck liegen 7 längliche Kiemen- spalten. Sehr regelmässig kommen die ersten Anfänge von secun- dären Quergefässchen vor, die aber nur 1 oder höchstens 2 Spalten überbrücken. Der Endostyl ist schmal und tritt nur wenig hervor. Die Flimmer grübe ist verschieden gestaltet. Meistens fand ich sie hufeisenförmig mit den beiden Hörnern nach derselben und zwar rechten Seite spiralig aufgerollt. Bei 1 Exemplar war sie in zwei Hälften getheilt, die sich beide unregelmässig schleifen artig ge- krümmt hatten. Die Dorsalfalte ist glattrandig, aber auffallend breit. Der Darm macht eine massig lange, aber enge Schlinge, die in den Hinterkörper zurückgedrängt ist. Der Magen ist nur wenig weiter als der sonstige Darm. Die Gonaden jederseits als zwei lange Schläuche als Abfuhr- canäle, in welche die eigentlichen gelappten Geschlechtsdrüsen jeder- seits einmünden. Bei dem grössten Exemplar sind die verschiedenen Drüsen zu zwei dicken und langen Massen zusammengewachsen, auf welchen die Abfuhrcanäle verlaufen. An der Innenseite der Tunica liegen ausserdem mehrere Endocarpen, Tentakel ungefähr 70, abwechselnd gross und klein. Fundort: French Pass. 4 Exemplare. Ausser den 4 eben beschriebenen Exemplaren vom French Pass liegen mir noch weitere 4 kleinere Sfyela-'StückG von Sumner vor, die in den meisten Hinsichten mit den oben beschriebenen Thieren übereinstimmen und vielleicht nur etwas jüngere Exemplare sind. Das Aeussere ist heller gefärbt, die Furchen auf der Oberfläche sind weniger deutlich in parallelen Streifen angeordnet, und der Branchial- sipho ist noch gerade nach vorn gekehrt. Die innere Anatomie ist in der Hauptsache auch die gleiche. Am Kiemensack kommen aber nur 4 — 6 Spalten auf jedes Viereck, und die secundären Gefässchen sind erst spärlich entwickelt. Die Flimmergrube zeigt wieder ver- schiedene Zeichnung, so dass die Endschleifen der Höruer auf ver- schiedene Weise gebogen und geschlängelt erscheinen. Eine Auflösung in zwei ganz getrennte Stücke aber, wie es bei dem grössten der Exemplare vom French Pass der Fall war, fand sich nicht. Die breite Dorsalfalte, der Darm, die Gonaden und die Polycarpen verhalten 24 C. PH. SLUITER, sich genau wie bei den Exemplaren vom Freuch Pass, so dass ich die Unterschiede nur als Altersunterschiede auffassen kann. 37. Styela cevea n. sp. (Taf. 3, Fig. 9—11.) Aeussere Kennzeichen. Der Körper wird ungefähr 25 mm lang und 15 mm breit. Das Thier ist mit dem grössten Theil der linken Seite festgewachsen. Die Siphonen treten nur wenig hervor, die beiden Oeffnungen sind 4 lappig, der Branchialsipho ungefähr in der Hälfte der Körperlänge. Die Oberfläche ist fast railchweiss mit unregelmässigen kleinen, wenig tiefen, aber zahlreichen Furchen. Die Testa hat eine knorplige Consistenz, während die faserige Structur nur wenig ausgeprägt ist, und ist an der linken Seite be- trächtlich dicker als an der rechten Seite. Die Tunica ist nur dünn und mit schwacher Musculatur ver- sehen. Der Kiemensack mit 4 breiten Falten. Nur 2 Längsbalken zwischen je 2 Falten. Regelmässig wechseln zwei schmälere Quer- gefässe mit einem breitern ab. In den Vierecken liegen 8 — 9 läng- liche Kiemen spalten, die aber öfters in zwei kleine hinter einander liegende gespalten sind. Secundäre Quergefässchen überbrücken öfters, wenn auch nicht regelmässig, die Spalten. Die Fl i mm ergrübe ist U förmig, die beiden Hörner sind nach der linken Seite gebogen. Die linke Schleife reicht etwas weiter nach vorn und ist etwas mehr umgebogen. Die Dorsalfalte ziemlich schmal und glattrandig. Der Darm beginnt mit einem kurzen Oesophagus, welcher in den längs gestreiften Magen übergeht, der ganz hinten im Körper liegt. Der eigentliche Darm macht eine enge Schlinge, die aber ziemlich weit nach vorn reicht, bis zum Magen wieder zurückgeht und dann in den Enddarm übergeht, der auf der Mitte des Körpers im After mündet. Die Gonaden sind jederseits nur in der Einzahl entwickelt, d. h. jederseits ist nur ein gelappter Drüsenschlauch vorhanden, die ihre Producte in das Vas deferens und den daneben verlaufenden Oviduct ergiessen. Der rechte war viel kräftiger entwickelt als der linke, der nur eine kleine, noch vor der Darmschlinge liegende Drüse bildet. Die Tentakel sind abwechselnd gross und klein und etwa 60 an der Zahl. Fundort: D'Urville-Insel. 2 Exemplare. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 25 38. Styela argillacea n, sp, Aeussere Keunzeicheu. Das einzige Exemplar war 22 mm lang und 11 mm breit, ohne den breiten und 12 mm langen Stiel, der an der hintern dorsalen Seite des Körpers entwickelt ist. Die rechte Seite des Stiels ist auf Schalentrümmern etc. festgewachsen. Die Siphonen sind kurz, äusserlich kaum zu unterscheiden, die beiden Oeffnungen deutlich 4 lappig. Die Furchen sind hauptsächlich am vordem und dorsalen Körpertheil entwickelt, das übrige mehr glatt. Auch an der vordem Ventralseite befindet sich noch ein Auswuchs der Testa zur Befestigung. Sonst ist die Oberfläche ohne Fremd- körper. Farbe hell gelblich weiss. Die Testa ist massig dünn, aber fest und lederartig, innen schwach glänzend. Die Tunica lässt leicht von der Testa los und ist mit ziemlich kräftiger Musculatur versehen. Der K i e m e n s a c k hat 4 nicht sehr breite Falten jederseits. Zwischen je 2 Falten liegen 4 Längsgefässe und zwar so, dass nach der dorsalen Seite hin zwischen der Falte und dem Längsgefäss zu- erst 3 Kiemenspalten kommen, dann folgen 3 Vierecke mit 4 oder 5 Kiemenspalten und endlich ein breiteres Viereck wieder neben der ventralen Falte mit 7 oder 8 Spalten. Die Kiemenspalten selbst sind lang und schmal und werden nicht von secuudären Quergefässchen überbrückt. Bei den primären Quergefässen wechseln regelmässig je 2 schmälere mit einem breitem ab. Die Flimmergrube hat eine umgekehrte S-Form, die vordere Schleife etwas mehr spiralig eingebogen als die hintere. Die Dorsalfalte ist glattrandig und nur schmal. Der Darm macht die gewöhnliche, nicht weite Schlinge, Der Oesophagus ist kurz, der Magen schwach längs gefaltet, die Darm- schlinge reicht etwas über die Hälfte nach vorn. Der After liegt ziemlich weit nach hinten. Die Gonaden als zwei lange, schlauchförmige Drüsen jederseits entwickelt, die vordere etwa doppelt so lang wie die hintere. Ferner ziemlich zahlreiche Endocarpen an der Innenseite der Tunica. Tentakel etwa 60, abwechselnd gross und klein. Fundort: Maunganui, Chathara-Inseln. 1 Exemplar. Im äussern Habitus und auch in Betreff der Innern Anatomie stimmt diese Art mehr oder minder mit der vorigen {St. cerea) über- ein, allein der abweichende Bau des Kiemensacks, die doppelte Anzahl 26 C. PH. SLUITER, der Gonaden, die andere Form der Flimmergrube veranlassen alle zu- sammen doch, dass ich sie nicht als zur selben Art gehörig ansehen kann, wenn auch jedes dieser Kenuzeichan für sich kaum dazu be- rechtigen würde. Familie 4. Cynthiidae. 39. Cynthia lutea n, sp. (Taf. 4, Fig. 3; Tal 5, Fig. 1—3.) Aeussere Kennzeichen. Die Thiere werden bis 72 mm lang und 35 mm breit, hinten mit einem deutlichen Stiel von etwa 10 mm versehen, womit sie auf der Unterlage festgewachsen waren. Die Oberfläche ist mit einigen tiefen Längsfurchen, die fast von vorn nach hinten verlaufen, eingeschnitten und jeder Längswulst von kleinern, weniger tiefen Furchen gekreuzt und mit Warzen besetzt. Der Stiel ist quer gerunzelt. Die Branchialöffnung ist nach der Dorsalseite umgebogen, wo auch die Längsfurchen ihr Ende nehmen. Der eigentliche Branchialsipho ist nur kurz. Der Atrialsipho hin- gegen ist lang und stark nach hinten umgebogen, und auch mit 2 tiefen Längsfurchen versehen. Beide Oefinungen sind deutlich 4 lappig Die Farbe ist gelblich braun mit einem etwas röthlichen Schimmer. Die Testa ist überaus dick, fest und lederartig, nur an den Furchen viel dünner. Die Innenfläche glatt und mehr oder weniger perlmutterglänzend. Die Tunica lässt leicht von der Testa los und ist mit der ge- wöhnlichen, aber nicht sehr kräftigen Musculatur versehen. Der Stiel, mit hauptsächlich quer verlaufenden Muskelfasern, tritt deutlich her- vor. Von den beiden Siphonen ist der Branchialsipho deutlich nach vorn, der Atrialsipho deutlich nach hinten gekehrt. Zwischen beiden sieht man die Neuraldrüse. Der Kiemensack besitzt 6 Falten jederseits. Zwischen je 2 Falten liegen 3 Längsgefässe und zwar 2 in geringer und das 3. in fast doppelt so grosser Entfernung. Zwischen den beiden ersten Längsgefässen liegen 5 resp. 8 längliche Kiemenspalten, während in den beiden übrigen Vierecken 10—13 Spalten vorkommen. Die Quer- gefässe haben im Allgemeinen einen recht unregelmässigen Verlauf, der zum Theil allerdings regelmässiger werden kann. Breitere und schmälere wechseln ohne bestimmte Ordnung mit einander ab, während secundäre Quergefässchen öfters, wenn auch bei weitem nicht immer, die Kiemenspalten überbrücken. Die Flimmergrube befindet sich auf einem länglich runden Tunicaten aus dem Stilleu Ocean. 27 Tuberkel und besitzt eine recht complicirte Zeichnung. Diese besteht aus einem Mittelstamm und mehreren links und rechts von ihm ab- gehenden Seitenästen, die zuweilen Spiralen bilden, zuweilen aber nur unregelmässige Verästelungen darstellen. Auch von der Seite her kommen noch kleine Einbuchtungen hinzu, die sich zwischen die andern einschieben. Das Ganze giebt eine eigenthiimliche Zeichnung, die bei der Grösse des ganzen Tuberkels schon bei Lupenvergrösse- rung zu erkennen ist. Die Dorsalfalte besteht aus zahlreichen, sehr schmalen, zungen- tormigen Fortsätzen, Der Darm macht die gewöhnliche, weite Schlinge und reicht weit nach vorn. Die Gonaden jederseits als grosse, in 4 oder 5 Lappen ge- theilte Drüsen, welche an der linken Seite die weite Darmschlinge ausfüllen. Tentakel etwa 30, von welchen 15 grössere mit 15 kleinem abwechseln. Fundort: Red CHff, Chatham-Inseln. 30. Cynthia siihuculata n, sp. (Taf. 5, Fig. 4—7.) Aeussere Kennzeichen. Der Körper wird bis 35 mm lang und 20 mm breit, ist mit dem grössteu Theil der linken Seite auf todten Korallen etc. festgewachsen, ohne Stiel. Die Siphonen und namentlich der Brauchialsipho lang und schmal. Die Oberfläche mit unregelmässigen Runzeln, die auf den Siphonen zu Längsfurchen werden. Beide Oeftnungen deutlich 4 lappig. Farbe gelblich grau. Die Testa ist zwar nicht sehr dick, aber fest und lederartig, ohne Blasenzellen, aber mit zahlreichen Testazellen. Die Tunica ist mit der gewöhnlichen, kräftigen Musculatur ver- sehen, die an den Siphonen in ringförmige Fasern übergeht. Sie lässt nicht sehr leicht von der Testa los. Der Kiemensack hat 7 breite Falten. Zwischen je 2 Falten liegen 4 Längsgefässe und zwar so, dass die Vierecke, die jederseits an die Falten grenzen, nur 4 oder 5 Spalten besitzen, die 3 mittlem aber 7 oder 8. Die Spalten selbst sind verhältnissmässig kurz. Es kommen aber mitunter auch Vierecke mit längern Spalten vor, die dann aber durch ein secundäres Gefäss überbrückt werden. Sonst wechseln breitere und schmälere Quergefässe ziemlich regelmässig mit einander ab, nur nach 3 breitern kommt ein sehr breites vor. Die Flimmergrube ist ziemlich variabel in ihrer Gestalt, und 28 C. PH. SLUITER, zwar fand ich bei einigen eine deutlich S förmig gebogene, bei andern aber die mehr U-Form mit eingebogenen Hörnern, das eine spiralig, das andere mehr geschlängelt. Die Dorsalfalte besteht in ihrer ganzen Länge aus zahlreichen, zungenförmigen Fortsätzen. Der Darm macht die gewöhnliche weite Schlinge, reicht aber nicht so weit nach vorn, wie es sonst bei Cynthia gewöhnlich der Fall ist. Die Gonaden jederseits als eine stark gelappte Drüse, welche grössten Theils aus von einander getrennten Stücken besteht, die alle in den gemeinschaftlichen Oviduct und Vas deferens ausmünden. Die Tentakel sind wenig verästelt und 22 an der Zahl, von welchen 16 gross sind. Fundort: Mehrere Exemplare von French Pass und eines von Sumner. 31. Cynthia pulla n. sp. (Taf. 5, Fig. 8—11.) Aeussere Kennzeichen. Die Thiere werden bis 6 cm lang und 372 cm breit. Die Siphonen treten nur sehr wenig hervor und sind 4 lappig. Das Aeussere ist durch anhaftenden schwarzbraunen Sand grau bis fast schwarz gefärbt und fühlt sich rauh an. An ver- schiedenen Stellen des Körpers kommen Haftfäden vor. Die Testa ist ziemlich brüchig, wohl zum Theil durch den in ihr liegenden Sand, vorn beträchtlich dünner als hinten, wo sie sehr dick wird. Die Farbe der Testa ist schon ziemlich dunkel grau, auch ohne den eingebetteten Sand, und hat eine mehr gallertige als leder- artige Structur, wie es sonst bei Cynthia kaum vorkommt. Die Tunica ist mit kräftiger Musculatur versehen. Die beiden Siphonen treten an der Tunica deutlich hervor und liegen auf einem mehr flachen Feld mit schwächerer Musculatur. Dieses Feld ist scharf von dem übrigen Theil mit kräftigern Muskelbündeln abgesetzt. Nur die Gonaden schimmern mehr oder weniger deutlich durch. Der Kiemensack hat 5 Falten jederseits, welche sehr breit sind und einander beim Flachlegen berühren oder sogar etwas be- decken. Zwichen 2 Falten liegen nur 3 oder 4 Längsgefässe, indem etwa 20 Längsgefässe auf eine Falte kommen. Auf jedes breite Viereck kommen 6 — 8 kurze, aber ziemlich weit offene Kiemenspalten, die grössten Theils von einem secundären Quergefässchen überbrückt werden. Die Quergefässe sind derartig angeordnet, dass drei ver- Tuiiicaten aus dem Stillen Ocean. 29 schiedene Arten vorkommen, und zwar liegen zwischen 2 sehr breiten 6 schmale und in der Mitte noch eins von mittlerer Breite. Die Flimmergrube hat die beiden Hörner spiralig eingerollt, und zwar liegt das linke Horu etwas weiter nach vorn als das rechte. Die Dorsalfalte besteht aus zahlreichen schmalen, zungen- förmigen Fortsätzen, und zwar in der ganzen Länge. Der Darm macht eine ziemlich enge Schlinge, die aber weit nach vorn reicht. Die Gonaden liegen an der linken Seite ausschliesslich in dem von der Darmschlinge frei gelassenen Raum, sind hier also verhält- nissmässig schwach entwickelt. An der rechten Seite sind sie viel mächtiger entwickelt, und zwar so, dass die Drüsen sich regelmässig zweizeilig an den Oviduct und das Vas deferens lagern. Tentakel + 30, reichlich verästelt. Fundort: 5 Exemplare von Sumner. 33. Cynthia trita n, sjj. (Taf. 6, Fig. 1, 2.) Aeussere Kennzeichen. Die Thiere werden 20 mm lang und 15 mm breit. Die Siphonen sowie die 4 lappigen Oeffnungen sehr wenig deutlich, die erstem kaum zu unterscheiden. Die Ober- fläche ganz von Sand, Schalentrümmern etc. bedeckt, kein Stiel, durch anhaftende Fremdkörper grau gefärbt. Die T e s t a ist an der Innenseite lederartig und fest, die Aussen- seite aber ist stark mit Sand und Kalk durchsetzt und dadurch brüchig. Die Tunica ist mit der gewöhnlichen, kräftigen Musculatur versehen. Der Kiemensack hat jederseits 6 nicht sehr breite Falten. Zwischen je 2 Falten liegen 3 Längsgefässe. Die Quergefässe sind ungleich gross, und zwar wechseln gewöhnlich 3 oder 4 schmale mit einem breitern ab. In den beiden mittlem Vierecken liegen 4 kurze und breite Kiemenspalten, in den beiden Vierecken neben den Falten nur 2 oder höchstens 3. Diese breiten Kiemenspalten werden ge- wöhnlich von einem secundären Quergefässchen überbrückt. Die Flimmer grübe ist deutlich leierförmig mit stark einander zugebogenen Endschleifen. Die Dorsalfalte über die ganze Länge als ziemlich kurze, zungenförmige Fortsätze. Der Darm macht die gewöhnliche, sehr weite Schlinge und reicht bis weit nach vorn. 30 C. PH. SLUITER, Die Gonaden sind jederseits als eine stark gelappte Drüse zweizeilig um die neben einander liegenden Ei- und Samenleiter gelagert. Die Tentakel verästelt und 12 an der Zahl. Fundort: MauDganui, Cliatham-Inseln. 2 Exemplare. 33. Microcosmus hirsutus n, sp, (Taf. 4, Fig. ö; Taf. 6, Fig. 3.) Aeussere Kennzeichen. Der Körper von unregelmässig knollenförmiger Gestalt mit nur sehr wenig hervortretenden Siphonen, die einander auf etwa Vs der Körperlänge nahe gerückt sind. Die beiden Oeifnuugen bei den Jüngern Thieren deutUch 4 lappig, bei den altern nur schwer zu unterscheiden. Die Oberfläche ist bei den grössern Exemplaren mit den verschiedensten Kalkgebilden, Algen und Sand bekleidet, so dass kaum eine Stelle der Testa frei liegt, bei den Jüngern erscheint die Farbe hell gelblich grau. Die Testa ist ziemlich dünn, aber zähe und lederartig. Der äussere Theil ist reichlich mit Sand etc. imprägnirt. Innen mit schwachem, ziemlich dunklem Perlmutterglanz. Die Tunica ist dick und fleischig und an der Aussenseite mit kräftiger Musculatur versehen. Auch an der Tunica erscheinen die Siphonen als kurze, breite Kegel. Der Kiemensack hat ausser 7 grossen und breiten Falten noch eine kleine, unvollständige neben dem Endostyl. Zwischen je 2 Falten liegen 5 Längsgefässe. Die Quergefässe sind nicht alle gleich breit, aber die breitern und schmälern sind unregelmässig vertheilt, so dass gewöhnlich 3 — 5 schmale zwischen 2 breitern liegen, zuweilen aber auch ^weniger. In jedem Viereck liegen 6 — 11 Kiemenspalten und zwar in den Mittelfächern 11 und in den Seitenfächern neben den Falten 6 oder noch weniger. Gewöhnlich überbrücken secundäre Ge- fässchen die Spalten, welche dadurch auch öfters in zwei Theile ge- theilt werden. Endostyl nur schmal. Die Flimmer grübe hufeisenförmig, die beiden Hörner spiralig eingerollt. Die Dorsal falte ist glattrandig, aber breit. Der Darm macht eine ziemlich enge Schlinge, die aber weit nach vorn reicht. Am Magen eine sehr grosse Hepatopankreasdrüse. Die Gonaden jederseits als eine sehr grosse, ovale, drüsige Masse, die Oetil'nung der Ausführungsgänge nach dem After zugekehrt. Die Tentakel sind reichlich verästelt, 12 grosse und 6 kleine. Fundort: Te One, Red Blutf, Chatham-Inseln. 5 Exemplare. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 31 34. Microcosmus miniaceus n, sp. (Taf. 4, Fig. 6; Taf. 6, Fig. 5, 6.) Aeussere Kennzeichen. Das einzige Exemplar ist 20 mm lang und ohne den kurzen Stiel 15 mm breit. An der ventralen Seite, den beiden Siphonen gegenüber, ist das Thier mit einem kurzen Stiel auf Kalkröhren etc. aufgewachsen. Ausser diesem Stiel finden sich in derselben Gegend noch mehrere wurzelartige Ausläufer. Die beiden Siphonen sind deutlich, der Branchialsipho länger als der Atrialsipho ; der erstere schräg nach vorn, der letztere schräg nach hinten gekehrt. Die beiden Oeffnungen deutlich 4 lappig. Die Ober- fläche mit unregelmässigen Furchen, die sich nur auf den Siphonen mehr zu Längsfurchen anordnen. Die Farbe des in Formol aufbe- wahrten Thieres ist röthlich. Die Testa ist dünn und lederartig, an der vorder Seite dicker als hinten. Die Innenseite nur schwach glänzend und gleichfalls röthlich gefärbt. Die Tunica ist nicht sehr dick, aber mit der gewöhnlichen, kräftigen Musculatur versehen und auch, wie das ganze Innere des Thieres, röthlich gefärbt. Der Kiemensack hat jederseits 7 Falten, die ziemlich breit sind. Zwischen je 2 Falten liegen nur 3 Längsgefässe. Die Quer- gefässe sind alle ungefähr gleich breit. In jedem Viereck liegen 4 — 5 Spalten, welche massig lang und ziemlich breit sind. Ueberall zwischen den Spalten zahlreiche kolbenförmige Papillen, die vielfach an der Spitze sich in zwei Knospen zu spalten beginnen. Auch die Längsgefässe sind am Rande mit zahlreichen zungenförmigen Fort- sätzen versehen. Uebrigens liegen die Papillen ganz unregelmässig an der Innenseite des Kiemensacks vertheilt. Der Endostyl ist breit, mit hohen, emporstehenden Lippen. Die Flimm ergrübe ist hufeisenförmig, die beiden Hörner nach innen in eine kurze Spirale umgebogen. Die Dorsalfalte ist schmal und glattrandig. Der Darm macht eine enge Schlinge, reicht aber ziemlich weit nach vorn. Der Enddarm legt sich an den Magen an, und der After liegt weit nach hinten. Eine mächtige Hepatopankreasdrüse bedeckt den Magen. Die Gonaden jederseits als eine einzige, grosse Drüse ent- wickelt, von denen die linke zum Theil in dem vordem, offen 32 C. PH. SLUITER, bleibenden Theil der Darmsclilinge liegt, dann über den Darm biegt und etwas hinter dem After in den Atrialraum ausmündet. Die Tentakel reichlich verästelt und 12 an der Zahl. Fundort: Oahu, Pearl Harbour, Hawaii. 3 Exemplare, 1 grosses und 2 kleine. Familie 5. Molgulidae. 35. Molgula ^nartensi Traust. TßAUSTEDT, Ascidiae simplices fra den stille Ocean, in : Vidensk. Meddel. naturh. Foren. Kjöbenhavn, 1884, p. 19. Ein Exemplar von Red Bluff, Chatham-Inseln, das genau mit der Beschreibung Teaustedt's übereinstimmt. 36. Molgula Inversa n, sp. Aeussere Kennzeichen. Das einzige mir vorliegende Exem- plar ist 15 mm lang und 10 mm breit. Die Siphonen äusserlich nicht zu unterscheiden. Auch die beiden Oeffnungen sind ganz durch Sand verhüllt, so dass die Zahl der Lappen äusserlich nicht zu unterscheiden ist. Die ganze Oberfläche ist mit Schalentrümmern, Kalkröhren und Sand bedeckt, so dass von der glasigen Testaober- fläche nichts zu sehen ist. Die Testa ist dünn und gallertartig und nach Entfernung der Fremdkörper durchscheinend, so dass der Innenkörper deutlich durchschimmert. Die Tunica ist auch dünn und mit der für Molgula typischen MusGulatur versehen. Die beiden Siphonen sind kurz und conisch. Der Kiemensack hat 7 sehr schmale Längsfalten mit nur 2 Gefässen in jeder Falte. Die schmalen Falten verlaufen über der Mitte der Infundibula, so dass in jedem Fache zwei halbe Infun- dibula liegen. Letztere sind in einer Doppelspirale aufgewunden, deren Windungen durch radiär verlaufende Muskeln zusammenge- halten werden. In den dreieckigen Feldern zwischen 2 Infundibula und den Quergefässen liegen noch 2 oder 3 kleine secuudäre Infun- dibula, gleichfalls spiralig gewunden. Die Quergefässe sind alle un- gefähr gleich breit und mit sehr breiten ins Innere des Kiemensacks hineinhängenden Membranen versehen. Der Endostyl ist schmal und wenig hervortretend. Die Flimmer grübe ist hufeisenförmig, die beiden Hörner spiralig eingerollt, aber die Oeffnung des Hufeisens ist nach hinten gekehrt. Tunicaten aus dem Stillen Ocean. 33 Die Dorsal falte glattrandig und ziemlich schmal. Der D!arm liegt links und macht die gewöhnliche, sehr enge Schlinge, so dass Oesophagus und Enddarm gegen einander zu liegen kommen. After glattrandig. Die Gonaden in der gewöhnlichen Form beiderseits entwickelt. Die Tentakel gefiedert, 18 an der Zahl, abwechselnd gross und klein. Fundort: French Pass. 1 Exemplar. Die Form stimmt in vielen Hinsichten mit M. septenfrionalis Traust, überein, so namentlich ausser dem allgemeinen Habitus und Bau verschiedener Organe besonders in der ganz eigenthümlichen Form des Dorsaltuberkels, welcher die Oefinung des Hufeisens nach hinten gekehrt hat. Die Localität „Arctic" wird von Traustedt mit einem Fragezeichen angegeben, so dass der so sehr verschiedene Fund- ort auch kein unabweisbares Hinderniss gegen die Gleichstellung der beiden Thiere sein würde, aber andrerseits ist der Kieraensack recht verschieden gebaut und stimmt auch die Zahl der Tentakel nicht, so dass ich dennoch beide Thiere als verschieden ansehen muss. Zool. Jahrb. 2III. Abth. f Syst. 34 C. PH. SLUITER, Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. Fig. Fig, Fig. 7. Fig. 8 a. Fig. 8 b. Fig. 9. 4. 5. 6. Erklärung der Abbildungen. Tafel 1. Colella pedunculata Q. et G Distoma j^cirva n. sp. Distoma fusca n. sp Distoma circumvallata n. sp. Distoma laysani n. sp. Polyclinum fungosum Herdm. PsammapUdium circumvolutum n Ämaroucium constrictum n. sp. Leptoclinum asperum Gottsch. Am.aroucium ohesum n. sp. X iVi sp. Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6. Fig. 7. Fig. 8. Fig. 9. Fig. 10. förmigen Pig Tafel 2. Ecteinascidia diligens n. sp. Ecteinascidia diligens n. sp. Dorsalfalte und Kiemensack. Ecteinascidia diligens n. sp. Enddarm mit Afterrand. Distoma fusca n. sp. Ein Ascidiozooid. Distoma fusca n. sp. Der Kiemensack. Distoma circumvallata n. sp. Ein Ascidiozooid. Distoma laysani n. sp. Ein Ascidiozooid. Polyclinum meridianum n. sp. Ein Ascidiozooid. PsammapUdium stelliferum n. sp. Ein Ascidiozooid. PsammapUdium stelliferum n. sp. Testa mit stern- Pigmentkörperchen. Tafel 3. Fig. 1. PsammapUdium circumvolutum n. sp. Ein Ascidiozooid. Fig. 2. Styela nisiotis n. sp. Das Thier aufgeschnitten und die linke Hälfte des Kiemensacks entfernt. Fig. 3. Styela nisiotis n. sp. Stück des Kiemensacks. Fig. 4 und 5. Styela nisiotis n. sp. Zwei verschiedene Flimmer- gruben. Fig. 6 und 7. Styela bicornuta n. sp. Zwei verschiedene Flimmergruben. Fig. 8. Styela bicornuta n. sp. Stück des Kiemensacks. Tunicaten aus dem Stillen Oceau. 35 Fig. 9. Styela cerea n. sp. Das Thier aufgeschnitten und fast der ganze Kiemensack entfernt. Fig. 10. Styela cerea n. sp. Stück des Kiemensacks. Fig. 11. Styela cerea n. sp. Flimmergrube. Tafel 4. Fig. 1. Didemnoides lamhitum n. sp. Fig. 2. Styela hicornuta n. sp. Fig. 3. Cynthia lutea n. sp. Fig. 4. Cynthia pulla n. sp. Fig. 5. 3Iicrocosmus Mrsutus n. sp. Thier ohne Testa. Fig. 6. Microcosmus miniaceus n. sp. Tafel 5. Fig. 1. Cynthia lutea n. sp. Das Thier ohne Testa. Fig. 2. Cynthia lutea n. sp. Stück des Kiemensacks. Fig. 3. Cynthia lutea n. sp. Flimmergrube. Fig. 4. Cynthia subuculata n. sp. Das Thier geöffnet und die rechte Seite des Kiemensacks entfernt. Fig. 5. Cynthia suhuculata n. sp. Stück des Kiemensacks. Fig. 6 und 7. Cynthia subuculata n. sp. Zwei verschiedene Flimmergruben . Fig. 8. Cynthia pulla n. sp. Das Thier geöffnet und die linke Hälfte des Kiemensacks entfernt. Fig. 9. Cynthia pulla n. sp. Das Thier ohne Testa. Fig. 10. Cynthia pulla n. sp. Flimmergrube. Fig. 11. Cynthia pulla n. sp. Stück des Kiemensacks. Tafel 6. Fig. 1. Cynthia trita n. sp. Flimmergrube. Fig. 2. Cynthia trita n. sp. Stück des Kiemensacks. Fig. 3. Microcosmus Mrsutus n. sp. Das Thier geöffnet und die linke Hälfte des Kiemensacks entfernt. Fig. 4. Microcosmus miniaceus n. sp. Das Thier geöffnet und die linke Seite des Kiemensacks entfernt. Fig. 5. Microcosmus miniaceus n. sp. Stück des Kiemensacks. Fig. 6. Microcosmus miniaceus n. sp. Flimmergrube. 3* Nachdruck verboten. Ueber setzungsrecht vorbehalten^ Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. X. Aufsatz^). Zur vergleichenden Morphologie, Phylogenie, Gruppen- und Artsystematik der Lysiopetaliden. Von Dr. phil. Carl Verhoeff in Bonn a. Rh. Hierzu Tafel 7 — 9 und 3 Abbildungen im Text. Inhalt: 1. Ahschnitt. Vergleichende Morphologie: Literatur, Gono- poden, Unterschiede von Polydesmiden , Gonocoxide , Telopodide, Stützen, Ventralplatten. 2. Abschnitt. Gruppenübersicht der Lysiopetaliden: Früher© Gruppen, Schlüssel der Unterfamilien, Sippen, Gattungen und Unter- gattungen (Verzeichniss der berücksichtigten Arten) ; Tribus- phylogenie ; 3 Unterordnungen. 3. Abschnitt. Ueber neue und wenig bekannte Lysiopeta- liden-Arten. Erklärung der Abbildungen. 1. Abschnitt. Vergleichende Morphologie. Im VIII. Aufsatz meiner „Beiträge", überschrieben: „Zur ver- gleichenden Morphologie, Phylogenie, Gruppen- und Artsystematik der Chordeumiden" ^) habe ich gezeigt , dass alle die verschiedensten Copulationsapparate dieser Thiere, seien sie auch noch so ver- wickelt gebaut sind, sich doch auf die normalen Laufbeinpaare nebst deren zugehörigen Coxalorganen, Ventralplatten und Tracheentaschen 1) Die frühern Aufsätze erschienen in : Verh. zool.-bot. Ges. Wien und in : Arch. Naturg., Berlin. 2) in: Arch. Naturg., 1899. Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 37 zurückführen lassen. Ich setze hier jene Erörterungen als bekannt voraus und kann daher, hidem ich auf eine Untersuchung der Copula- tionsorgane der männlichen Lysiopetaliden eingehe, ohne Weiteres den Ausdruck Gonopoden gebrauchen, welcher dort eingeführt wurde. Bei den Chordeuraiden musste zwischen vordem, hintern und Neben-Gonopoden unterschieden werden. Bei den Lysiopeta- liden giebt es nur vordere Gonopoden, weshalb ich weiterhin kurzweg von Gonopoden spreche. Auch bei den Lysiopeta- liden sind diese die bei weitem wichtigsten Körpertheile für Phylo- genie und Systematik, weshalb ich in diesem Abschnitt auch fast lediglich diese vergleichend erörtere, zugleich aber auch diejenigen Organe, zu welchen sie in inniger Beziehung stehen, nämlich Tracheen- taschen (Stützen) und Ventralplatten. Das 1. — 8. Beinpaar des cJ haben zwar auch mancherlei sexuelle Auszeichnungen, aber dieselben sind, im Vergleich mit den Gono- poden, so einfacher Natur, dass ich hier nicht besonders davon spreche, ich verweise vielmehr vorläufig auf die Einzelbeschreibungen. Dass keine Penes vorkommen, war schon den frühern Schriftstellern (Latzel u. A.) bekannt. Was nun die Literatur betrifft, in welcher etwas über Lysio- petaliden-Gonopoden vorkommt, so führe ich folgende Arbeiten auf: 1) Latzel. R., Die Myriopoden der österreichisch-ungarischen Monarchie, V^ien 1880-84, 2 Bände. 2) Verhoeff, C, Zool. Ergebnisse von Eschekich's Reise nach Klein- asien, L Theil, Myriopoden, in: Arch. Naturg., Berlin 1896, V. 1, 25 SS. 2 Taff. 3) — , Aphorismen zur Biologie, Morphologie, Gattungs- und Artsyste- matik der Diplopoden, in: Zool. Anz., 1895, No. 476 — 478, 27 SS., 4) — , Ueber die Copulationsorgane der Lysiopetaliden und ein Lysio- petalum aus Bosnien, ibid. 1896, No. 518, 12 SS., 4 Figg. ö) — , Ueber Diplopoden aus Bosnien u. s. w., IL u. III. Theil, in : Arch. Naturg., 1897. ■6) — , Ueber Diplopoden aus Kleinasien, in : Verb, zool.-bot. Ges. Wien, 1898, 15 SS., 2 Taff. 7) SiLVESTRi, F., Origine dell' organo copulativo nei Callipodidae, in: Naturalista Siciliano, 1895, 8 SS., 2 Figg. Im Anschluss hieran gebe ich folgende geschichtliche Daten: 1884 erklärte Latzel den Copulationsapparat der Lysiopetaliden als aus einem Laufbeinpaar entstanden. Da er ihn aber selbst nicht genauer zergliederte, fehlte hierfür der Hauptbeweis. 38 CARL VERHOEFF, 1895 untersuchte Verhoeff mehrere Formen genauer und kam zu der Ansicht, dass der Copulationsapparat aus zwei Laufbeinpaaren entstanden sei. (Es hätte dann eine grosse Analogie mit den luliden vorgelegen.) 1896 erkannte Verhoeff zwei Irrthümer seiner frühern Dar- legung: Die Stiele der Organe, welche im Folgenden als Telopodide aufgeführt werden, können nämlich unmöglich Stützen sein (wie erst angenommen), da sie nicht endoskeletal sind und übrigens einen Samengang enthalten. Ferner können die endoskeletalen Fortsätze der Gonocoxide der Callipus-krtm (im Sinne der weitern Darstellung) ebenfalls nicht umgewandelte Tracheentaschen sein (in Analogie mit den hintern Gonopoden der luliden), sondern coxale Fortsätze, weil die zugehörigen Anhänge der 2. Tracheentaschen (nach dem Vorigen) nicht da sein würden und weil übrigens Muskeln dieser Fortsätze an den Grund der Telopodide ziehen, die hier bereits auf Tracheen- taschen festsitzen. Mithin kehrt V. zu der Ansicht Latzel's zurück, dass die Copulationsorgane aus einem Laufbeinpaar entstanden sind; diese Ansicht erhält hiermit aber erst die nöthige Begründung. 1895 hatte Silvestri die Meinung vertreten, dass die Copulations- organe nicht aus Laufbeinen entstanden seien, sondern eine ganz eigenartige Bildung wären. Eine Begründung dieser auch von R. Hey- MONS vertretenen Anschauung ist bislang nicht erfolgt. In der weitern Abhandlung werde ich nun auf breiter Grundlage meine Darstellung von 1896 bestätigen und weiter ausbauen. Im Aufsatz VIII (a. a. 0.) unterschied ich an den vordem Gono- poden der Chordeumiden zwei Haupttheile und Glieder, Gono- coxide und Femoroide, die nur in wenigen Fällen mehr oder weniger verkümmern. Bei den Poly desmiden zerfallen die Gonopoden nach den Beobachtungen mehrerer Forscher (Attems, Brölemann u. A.) immer in zwei Glieder. Während nun das endwärtige Glied bei den Chordeumiden einen einheitlichen Eindruck macht, jeden Falls keine deutlichen Absetzungen erkennen lässt, weshalb ich es auch als Femoroid bezeichnete, kommen am endwärtigen Glied der Poly- desmi den- Gonopoden häufig mehrere Absetzungen vor, die das- selbe selbst wieder in Abtheilungen zerlegen, welche sehr an die übrigen Glieder eines Laufbeines erinnern und daher auch als Femoral-, Tibial- und Tarsalabschnitt unterschieden wurden. Es fehlt diesen Einschnürungen meist die gelenkige Beweglichkeit und immer die Musculatur, Eigenschaften, die im Laufe der phylogenetischen Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden, 39 Entwicklung, in Folge der veränderten Leistung, verloren gehen konnten. Weil nun am endwärtigen Hauptabschnitt, der immer durch Muskeln beweglich ist wie die Coxae selbst, so häufig Unterabtheilungen auftreten, die unzweifelhaft mehreren Beingliedern entsprechen, ist hier der Name Femoroid nicht anwendbar (natürlich aber auch bei den Chordeumiden in dem Fall, dass dort noch entsprechende Formen entdeckt werden sollten, was nicht undenkbar wäre). Deshalb unterscheide ich an den Gonopoden der Polydesmiden die beiden Hauptabschnitte als 1) G o n o c o x i d e und 2) T e 1 o - podide. Die Telopodide also zerfallen häufig wieder in Glieder mit un- vollständiger Trennung, Von einem Trochanter [wie Pocock ^) das gemeint hat] kann bei Gonopoden nicht die Rede sein, da dieses Glied stets den Charakter einer schmalen Zwischenscheibe hat, von den Femoralmuskeln, die aus der Coxa kommen, überbrückt wird und schon an normalen Lauf- beinen häufig fehlt, wenigstens an den vordem bei Chordeumiden. Es ist übrigens auch ganz undenkbar, dass ein so kleines Glied wie der Trochanter beim Uebergang von Laufbeinen zu Gonopoden plötz- lich zu einem grossen werden sollte, und meine Erörterungen über die hintern Gonopoden der Chordeumiden haben auch nichts Derartiges ergeben. Es ist vielmehr ganz offenbar, dass der Trochanter in die Hüften eingeschmolzen wird. Meine frühere Mittheilung (in No. 518 des Zool. Anz.), dass die Gonopoden der Lysiopetaliden in den Grundzügen grosse Aehn- lichkeit mit denen der Polydesmiden zeigen, kann ich jetzt nach Untersuchung vieler neuer Formen durchaus bestätigen und hebe daher insbesondere hervor, dass ebenfalls zu unterscheiden sind: 1) Gono- c 0 X i d e und 2. Telopodide. Es unterscheiden sich die Gonopoden beider Familien aber folgendermaassen : A. Folydesmidae: Gonopoden, im Zusammenhang mit den ver- schmolzenen Ventralplatten, offen daliegend, nicht einziehbar. Gono- coxide fast immer mit Hörnchen, die durch Muskeln bewegt werden (Coxalorgan). Stützen (Tracheentaschen) zapfen-, stab- oder balken- förmig, nicht muschelförmig und nie mit dem Telopodid verkittet. B. Lysiopetalidae : Gonopoden, im Zusammenhang mit den freien Ventralplatten, in eine Grube versenkt und vorstülpbar. Gonocoxide 1) Vgl. Myriopoda from Funafuti and Eotuma, 1898. 40 CARL VERHOEEF, ohne durch Muskeln bewegliche Hörnchen. Stützen (Tracheentaschen) meist muschelförmig ; wenn balkenförmig, sind sie mit dem Telopodid verkittet. Hüftfortsätze kommen in beiden Familien vor, bei den L y s i o - petaliden allerdings häufiger. Ein wichtiges gemeinsames Merk- mal ist der Sameucanal der Telopodide, der bei Lysiopetaliden durch- schnittlich enger ist und am Grunde mit einer mehr blasenartigen Grube beginnt. Hinsichtlich der Endigungsstelle der Rinne unterscheiden sich die Lysiopetaliden von den Polydesmiden in bemerkenswerther Weise, wie sich weiterhin zeigen wird, doch habe ich diesen Unter- schied soeben nicht aufgeführt, weil er bei Formen mit sehr einfachem Telopodid nicht feststellbar ist und übrigens noch weiter geprüft werden möge. Wir müssen beim Copulationsapparat der Lysiopetaliden folgende Theile unterscheiden: 1. die Gonopoden und zwar a) Gonocoxide und b) Telopodide; 2. die Stützen oder Tracheentaschen ; 3. die Ventralplatte. 1) Gonocoxide. Die Gonocoxide, d. h. die Hüften der Gonopoden, haben niemals eine Gestalt ähnlich der der typischen Hüften, vielmehr ragen sie immer nach einer Seite (oder auch zweien) bedeutend empor und zwar gewöhnlich vorn mit dem hornartigen Hüftfortsatz von sehr verschiedener Gestalt und Länge. Innen und meist hinten ent- halten sie eine tiefe Gelenk grübe, in welcher der Grund des Telopodids beweglich eingelagert ist. Der Hüftfort satz (Processus coxalis) kreuzt sich in manchen Fällen, wo er lang ist, vorn mit dem der andern Hüfte. Er geht am Grunde immer in fester Ein- schmelzung, ohne besondere Grenze und meist mit Verbreiterung in das Stammstück des Gonocoxids über. Einen andern Fortsatz, der sich mehr innen wärts und mehr hinten befindet, näher am Telopodid, nenne ich Hüftstab (Virgula coxalis). Er umfasst mit seinem Grunde, wie man z. B. aus den Textfiguren A und B (a) ersieht, bei Apfelhcclcia lendenfeldi von hinten oder bei Callipus hamuligeriis (Fig. 19 u. 23) von innen her das Telopodidgrundstück und nimmt an dessen Gelenkbildung oder Um- fassung Teil. Das erstere ist aber durchaus nicht immer der Fall, Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 41 namentlich nicht bei Callipus, wo das Telopodid auf den Stützen sitzt. Den natürlichen Zusammenhang des Hüftstabes (a) mit der Hüfte zeigen Fig. A und B von Äpfelheckia besonders schön. Hier ist aber der Verbindungsbogen noch gleichmässig geschlossen. Bei Callipus hamuUgerus ist er nicht nur verlängert und verschmälert, sondern an einer Stelle sogar fast von der übrigen Hüfte getrennt (Fig. 23 u. Fig. B. Fig. A. ^^ .r Ttv3 Fig. A. Lysiopetalum lendcnfeldi von innen, cpr vorderer Hüftfortsatz, a hinterer Lappen, oe Gelenkgrube, Oeflfnung für die Basis des eigentlichen Copulationsorgans, F Fenestra, nur zum Theil sichtbar, h Vorsprung, an den sich das Copuiationsorgan an- lehnt. An der Stelle des « setzt sich der hintere Retractor des Copulationsapparats au. m Coxalstückmuskel, / Muskelkante, ml und m2 Muschelmuskeln, mS Qaermuskel. Fig. B. Ansicht eines Coxalstückes nebst Muschelstütze (T), von aussen gesehen. Die Ventralplatte (d) ist in der Mitte durchgerissen und nur zur Hälfte gezeichnet. Ihre Seitenkante (dl) geht auf die Berührungsstelie (n) von Coxalstück und Muschelstütze, g proximales, g[ distales Gelenk zwischen Stütze und Coxalstück, c Theil der durch- schnittenen Querbrücke. Der untere * bezeichnet die Anheftungsstelle des hintern, der obere * die des vordem Retractors. Sonstige Bezeichnungen wie in Fig. A. (Aus meinem Aufsatz in No. 518 des Zool. Anz.) 24 hr), indem sich daselbst nur noch eine äusserst schmale Brücke vorfindet. Der Hüftstab selbst ist sehr schlank und stark eingekrümmt. Bei Callipus alternans (Fig. 34) hängt er ebenfalls nicht mehr deut- lich mit der übrigen Hüfte zusammen, während er bei C. foetidissimus (Fig. 36) zwar unzweideutig abgesetzt ist, aber doch durchaus noch mit der Hüfte gut verwachsen. Bei Lysiopetalum stossen wir überall nur auf mehr oder weniger schwache Ansätze zu einer Hüftstabbildung; am 42 CARL VERHOEFF, deutlichsten sah ich sie bei Lysiopetalum illyricum (Fig. 42 c). Am schwersten und vorläufig nicht sicher deutbar sind die betrefienden Theile von Borypetalum (Fig. 16, 17, 27). Wir haben dort nämlich einen glasigen Hüftstab (c), der seiner ganzen Lage nach diesem ent- spricht, aber es befindet sich ausserdem noch ein zweiter glasiger Stab am Grunde des Telopodids, mit diesem lose verbunden (Fig. 27 u. 37 JV), eine Erscheinung, die sonst bei Lysiopetaliden nicht be- kannt ist. Da erhebt sich die jetzt nicht zu entscheidende Frage : Ist der Hüftstab in zwei zerspalten, von denen der eine sich an das Telopodid angelehnt hat, oder ist der grundwärtige Nebentheil des Telopodids eine Abspaltung von diesem? Schliesslich kommt noch eine dritte Fortsatzbildung der Hüft- stücke vor, die sich am Rande der Telopodid-Gelenkgrube befindet und diesem als Gelenkhöcker dient. Sie ist ebenfalls in den Figg. A u. B bei h deutlich angezeigt, aber noch schwach entwickelt. Bei Lysiopetalum illyricum erscheint schon ein stärkerer Zahn (Fig. 42 h), und in noch andern Fällen (vgl. fig. 14 2 in Schrift No. 2) wird er so breit, dass er nicht ausschliesslich als Gelenkhöcker dient {Lysiopetalum hyzantinum). Es liegt nun die Frage nahe, da ja die den Gonopoden benach- barten Laufbeine sehr starke Hüftorgane in Gestalt von aus- und ein- stülpbaren Hüftsäcken besitzen, ob die Gonopoden selbst keine Hüft- säcke aufweisen. Hierauf antworte ich mit nein. Es kommen wenigstens einstülpbare, mit Muskeln versehene Hüftsäcke unter den bekannten Formen nirgends vor. Dagegen besitzt allerdings Callipus hamuligerus (Fig. 19 u. 22 coa) säckchenartige, behaarte, weichhäutige Ausstülpungen in den Hüftstücken, die ich als den Hüftsäcken homolog erachte, aber sie sind nicht mehr einstülpbar und haben keine Rück- ziehmuskeln. Ueber die Musculatur der Gonopoden habe ich besonders in der Schrift No. 4 gesprochen ; hier sei noch einiges hinzugefügt. Ich habe bei Callipus hamuligerus mihi folgende Muskeln beobachtet: 1) ein Bündel, das vom endoskeletalen Gonocoxidfortsatz (Fig. 23) zum endwärtigen Theil des Telopodidstiels zieht ; 2) ein Bündel von der braunen Querkante (Fig. 23 w) am Grunde des Hüftfortsatzes zum grundwärtigen Theil des Telopodidstiels. Dieses sind die Telopodid- oder Femoralmuskeln^), deren 1) Sie entsprechen meinen Femoraltheil- und Coxalstückmuskeln. Den Ausgangspunkt der erstem habe ich in meiner Schrift No. 4 als „in der Concavität der Muscheln" liegend angegeben. Das ist aber ein Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 43 Verhalten meine morphologische Auslegung bestätigt und den Ver- hältnissen an den Laufbeinen entspricht. 3) finden wir Muskeln zwischen der Tracheentasche und Rücken- plattenseite, sowie 4) zwischen der letztern und den Grundecken des Gonocoxids sowie dessen Endoskeletfortsatz ausgespannt; 5) zieht ein Muskel vom Bügel xy (Fig. 22 u. 23) des Hüftstabes zur Tracheentasche; 6) von dieser aus ein Muskel zum endoskeletalen Hüftfortsatz. Die Muskeln 3 und 4 sind Seitenmuskeln, Retractoren des ausgestülpten Copulationsapparats und entsprechen den „vordem und hintern Retractoren" bei Lysiopefalum. Die Muskeln 5 und 6 sind Hüft- oder Go nocoxidmuskeln; die letztern entsprechen den „Muschelmuskeln" bei Lysiopetalum und die erstem den Muskeln, welche ich a. a. 0. (unter 4) nur unbestimmt angedeutet habe. Die für einige der erwähnten Muskeln bestimmten endoskeletalen Fortsatzbildungen der Gonocoxide sind durchaus nicht gleichförmiger Natur. Besonders auffallende Stäbe i), welche ungefähr in entgegen- gesetzter Richtung von den Hüftfortsätzen sich erstrecken, den Tracheentaschen mehr oder weniger parallel laufen und mit ihrem Ende auch ungefähr so weit ragen wie jene (Fig. 36 epr u. Tr), finden wir bei CalUpus. Borypetalum (Fig. 16) besitzt einen endoskeletalen Quer- balken (&) und einen vorragenden Muskellappen {II). Bei Lysiopetalum und Apfelheckia haben wir es mit Innern vorspringenden Kanten oder Lappen zu thun (vgl. hier Fig. A u. B /"und hh der fig. 14 in Schrift No. 2), welche bisweilen eine ziemlich bedeutende Grösse erreichen (Fig, 42 b epr) und dann fast wie eine muschelartige Stütze erscheinen. Von den Tracheentaschen (Stützen) sind die Gonocoxide immer deutlich abgesetzt, bei CalUpus bisweilen völlig getrennt. Bei Lysio- petalum und Apfelheckia befindet sich in der Trennungslinie beider Theile eine rundliche Oeffnung, das Fenster (Fenestra, Fig. A und B F, Fig. 30 fen)^ hinter welchem ich mehrfach die Trennung durch eine Gelenkstelle angezeigt fand (Fig. B g und fig. 15 x in Schrift No. 2). Irrthum, den man mir verzeihen wird, da ich zur Untersuchung vieler Punkte nur 1 $ besass. Diese Muskeln gehen vielmehr von einer an die Muscheln anstossenden Kante der Gonocoxide aus. 1) Diese hielt ich früher irrthümlich, wie schon gesagt, für ein zweites Paar von Stützen, was man mir leichter verzeihen wird, wenn man an die Verhältnisse bei den luliden denkt! 44 CARL VERHOEFF, Fig. C. 2) Telopodide. Innerhalb der Telopodide finden sich keine Muskeln und keine wirklichen Gelenke. Dass sie selbst durch zwei Muskeln hin und her bewegt werden können, habe ich schon erörtert. Indessen kommen am Telopodid durch ganz bestimmte Einschnü- rungen oder Absetzungen charakterisirte Abschnitte vor, welche so auffällig an die weitern Beinglieder erinnern, dass sie auch (in der Folge von grund- nach endwärts) als Femoral-, Tibial- und Tarsal- abschnitt unterschieden werden können, wie es besonders deutlich in der neben- stehenden Fig. C von Apfelheckia zu er- kennen ist. Von diesen drei Theilen ist der F e m 0 r a 1 abschnitt immer vorhanden, häufig ist der Tarsal-, bisweilen aber auch der Tibialabschnitt verschwunden. Wie ich schon früher nachgewiesen habe, kommt in den Telopodiden, ent- sprechend den Verhältnissen bei Poly- desmiden, ein Samengang oder eine Sper- marinne vor (Fig. C r, rl und auf den Tafeln). Dieser S per macanal ist bei Lysiopetaliden auf den Femoral- abschnitt beschränkt und ein wichtiges Characteristicum für denselben. Der Beginn stellt sich immer als eine blasenähn- liche Grube am Grunde des Telopodids dar, während das Ende sich nicht an der Grenzstelle von Femoral- und Tibialabschnitt befindet, sondern in einem vor derselben beginnenden, also aus dem Femoralabschnitt entsprungenen Seitenastvon sehr verschiedener Grösse und Stellung, den ich als Can alast (Ramus canaliculi) bezeichne^) (siehe Tafeln). Bei den Polydesmiden dagegen durchzieht der Spermacanal zwei Glieder, wie man besonders schön aus der Arbeit von Attems über „Die Copulationsfüsse der Polydesmiden" ersehen kann. Es wäre nun denkbar, dass der von mir als Femoralabschnitt bezeichnete 1) Er kommt in analoger Weise bei manchen Polydesmiden vor. Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 45 Theil zwei ursprüngliche Abschnitte und Glieder verträte, wozu sich auch allenfalls Andeutungen finden Hessen, etwa bezeichnet durch die mittlem Höcker x der Figg. 39 u. 40 oder ^ der Fig. C. Indessen sind das doch zu ungewisse und auch nicht durchgreifende Charaktere, so dass, wenigstens vorläufig, die jetzt gegebene Darlegung die allein berechtigte ist. Die Grenze zwischen Femoral- und Tibialabschnitt ist bestens charakterisirt, denn es findet sich dort: 1) eine deutliche Einschnürung ; 2) geht bis dahin sehr häufig eine besondere Beborstung (wie sie auch bei Polydesmiden für den Femoralabschnitt charakterisirt ist); 3) läuft an oder kurz vor dieser Trennungsstelle stets der C analast ab. Dass die grundwärtige Hälfte des Femoralabschnittes nie beborstet ist, hängt mit der Leistung dieses Stückes zusammen, da es sich in der Gelenkgrube bewegt und daher oberflächlich glatt sein muss. Die grössere Enge des Spermacanals entspricht dem Fehlen eines Hüfthornorgans (Polydesmiden), es findet das Sperma also in noch erhöhtem Maasse in dem Canal nach dem physikalischen Gesetz der Haarröhrchen durch Aufsaugung Annahme. Drüsen habe ich bisher in der Umgebung der Blasengrube, am Grunde des Telopodids, nicht gefunden, obwohl es mir manchmal den Anschein hatte, als wenn ein derartiger Strang hinziehe. Ich empfehle den Punkt also weiterer Beachtung. Der Canal ast ist von sehr verschiedener Beschaffenheit, indem er bald frei steht, bald vom Tibialabschnitt mehr oder weniger schützend umgeben wird. Bei Borypetalum (Fig. 27) bildet er das Ende des Telepodids überhaupt, indem die weitern Abschnitte fehlen. Einen Uebergang zu solcher Erscheinung bietet Callipus alternans. Meist ist er am Ende in zwei Aermchen gespalten (Fig. 5, 9, 29, 33, 39, 43), deren eines die Rinne selbst enthält, während das andere meist fein ausläuft und den Eindruck einer langen Tastborste macht, bisweilen auch als ein langes Läppchen erscheint (Fig. 43 y). Der Tibialabschnitt, welcher bei Borypetalum völlig fehlt, ist schon bei Callipus mehr oder weniger klein, bei alternans (Fig. 34) erscheint er nur als eine Blase mit zwei Nebenstacheln. Sonst aber bildet er mehr oder weniger grosse, mehr oder weniger bestachelte, einer halb eingekrümmten Hand vergleichbare Blätter, deren Höhlung stets nach hinten geöffnet ist (Fig. 2 oe). In diese Höhlung ragt dann der Canalast in grösserm oder geringerm Maasse hinein. Offen- bar werden durch die Tibialabschnittmulden die Vulven des Weibchens 46 CARL VERHOEFF, umfasst und durch die verschiedenartigen Stacheln festgehalten. Einen eigenthüralich stielartigen Hals besitzt der Tibialabschnitt bei Lysiopetalum scahratum, wobei gleichzeitig der Canalast eine kolossale Entwicklung erfahren hat (Fig. 12 u. 13). Bisweilen ist der Tibial- abschnitt prächtig mit langen Grannen geschmückt, die wie ein Feder- busch herabwallen {Lys. koelbeli und vinciguerrae Fig. 45). Eine Spaltung in zwei, ziemlich gleich weit aufragende Aeste sah ich nur bei Lys. ülyricum Latz. (Fig. 42). Der Tarsalabschnitt fehlt den Gonopoden der meisten Lysio- petaliden, wo er aber vorhanden ist, erscheint er eingekrümmt oder zurückgeschlagen, wie man das schon bei kleinern Laufbeinen an den entsprechenden Abschnitten sieht. Besonders schön ausgebildet und am Grunde stark abgesetzt finden wir ihn bei Apfelhechia lenden- feldi (Fig. C Td) ; er erreicht dort überhaupt die grösste mir bekannte Entwicklung. Kleiner und einfacher und nicht mehr vorragend finden wir ihn bei Himatiopetalum icterum (Fig. 7), vielleicht ist auch der Fortsatz a bei Lysiopetalum scdbratum (Fig. 13) hierher zu rechnen. Bei Callipus, wo schon der vorige Theil schwach erscheint, fehlt der Tarsalabschnitt ganz. Bei einigen Untergattungen von Lysiopetalum kommen an der Grenze von Femoral- und Tibialabschnitt, oder ein wenig dahinter, ein bis mehrere, nach innen ragende Lappen oder Aeste vor (vgl. Fig. 8 a, /?, y, d, s, C und Fig. 31 ö), besonders auf- fällig in der Untergattung Callipodella. Es ist möglich, dass wir es hier theilweise mit Tarsalresten in Umwandlung zu thun haben. Um aber sichere Schlüsse zu ziehen, müssen mehr Formen bekannt werden, weshalb das vorläufig unentschieden bleibt. Sicher ist aber schon jetzt, dass nicht alle diese Grenzgebilde auf einen Tarsaltheil zurückführbar sind, weil schon bei Formen, welche einen solchen un- zweifelhaft besitzen, an der Grenzstelle von Femoral- und Tibial- abschnitt auffallende Bildungen vorkommen, z. ß. ein Stiftpolster bei H. ictericum (Fig. 7 K). 3) Die Stützen. Die Stützen oder Tracheentaschen wurden bereits im Vorigen mehrfach erwähnt. Sie sind von ihrer ursprünglichen Gestalt immer beträchtlich abgewichen und nehmen keine Tracheen mehr auf. Die balkenartigen Stützen von Callipus kommen der typischen Gestalt an den Laufbeinen (welche derjenigen bei Chordeumiden ziemlich ähnlich ist) noch am nächsten. Sehr weit abgewichen sind die Muschel- stützen, welche vorn mit der Innenecke an einander gelötet sind. Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 47 4) Die Ventralplatte. Auch die Ventralplatte ist derjenigen bei den Laufbeinen sehr unähnlich. Sie liegt stets vorn vor dem Grunde der Gonocoxide und ragt als ein querer, mehr oder weniger chitinisirter Lappen empor, der bald abgerundet ist (Fig. 3 a), bald abgestutzt (Fig. 14 F), bald mit den Seitenecken in Lappen ausgezogen. Grundwärts pflegt sie einen Fortsatz zu entsenden, welcher mehr oder weniger in die Verkittungsbrücke der Stützen eingetrieben ist und daran Theil nimmt (Fig. 14 w). Besondere Structurverhältnisse habe ich an der Bauch- platte nicht beobachtet. Sie ist bald glasig, bald gelb, bald gelb und schwarz. Immer ist sie in die Mitte gedrängt, seitlich von geringer Ausdehnung. Ihre Rolle ist überhaupt eine so unwichtige, dass sie ganz ent- behrt werden könnte, denn die ehemalige Rolle, als Trägerin der Hüftgelenke, hat sie ganz eingebüsst, indem diese Leistung von den Stützen übernommen wurde (Leistungswechsel). Zum Schluss nur noch wenige Worte über das hinsichtlich seiner phylogenetischen und systematischen Bedeutung bisher nicht beachtete Analsegment. Dasselbe zeigt schon in den Stufen der Anamor- phose die Neigung, sich immer mehr in das vorhergehende Segment einzusenken. Dem ganz entsprechend schwankt es hinsichtlich seiner Sichtbarkeit auch bei den verschiedenen Gruppen unter den Erwachsenen. Es ist nur bei 2 Untergattungen von Lysiopetalum ganz versteckt, nämlich bei Lysiopetalum und Äcanthopeialum , andere zeigen es wenig vorragend, z. B. ScMsopetalum. Alle Formen mit besonders niedern Merkmalen, wie Himaüopetalum und Äpfelbeckia, haben ein reichlich vorragendes, also noch am meisten in der Urlage gebliebenes Analsegment. 2. Abschnitt, (xruppenübersicht der Lysiopetaliden. Schon im Jahre 1883 hat A. S. Packard jun. eine „Revision of the Lysiopetalidae" (in: Proc. Americ. philos. Soc, p. 177 — 195) ver- öffentlicht, welche 6 Gattungen enthält. Von diesen sind aber in Wahrheit die meisten, nämlich 5, den Chordeumiden zuzuzählen, nur Lysiopetalum Brandt gehört zur aufgeführten Familie. Ob die von Packard für Lysiopetalum namhaft gemachte Vertretungsart, nämlich lactarium Say, wirklich in die heutige Gattung gehört, über- haupt in den Bereich der paläarktischen Formen, kann ich leider 48 CARL VERHOEFF, nicht entscheiden, da ich dieses Thier nicht aus eigner Anschauung kenne. (Es wird von Tennessee und Nord-Carolina angeführt.) Was Packard darüber schreibt, genügt nicht, um in dieser Arbeit daraus Nutzen ziehen zu können. Seine Angabe über „the male genital armature" (p. 181) seiner Lysiopetaliden ist nur ganz kurz und übrigens werthlos. Latzel (1884) kennt in seinen „Myriopoden der österreichisch - ungarischen Monarchie" auch nur eine Lysiopetaliden-Gattung und sagt auf p. 65 ausdrücklich: „Die Genera CalUpus Risso, Reasia Gray, Flatops Newport scheinen mit Lysiopetalum zusammenzufallen." Latzel hat zum ersten Mal wirklich gute Beschreibungen von Lysio- pefalum-Ai'ten gegeben und dieselben auch durch Darstellungen von Copulationsorganen ergänzt, welche für damals ebenfalls gut waren. Später habe ich selbst in meinen bereits erwähnten Schriften No. 2 und 3 eine Gruppentheilung hauptsächlich auf Grund des Baues der Copulationsfüsse und der Stirnbildung des S vorgenommen, die neuen Gruppen vorsichtiger Weise aber zunächst als Untergattungen von Lysiopetalum aufgeführt. F. Silvestri hat 1896 (in : „I Diplopodi, I. Sistematica", Genova) einen „conspectus generum" der Lysiopetaliden (= ^^Callipodidae Bollmann") geliefert (p. 150), wobei als Gattungen unterschieden werden : Spirostrephon, CalUpus und Bollmannia n. g. Der angegebene Unterschied zwischen Spirosirephon und CalUpus nach der Furchung ist nur ein Speciesunterschied und daher unbrauchbar. „CalUpus Risso" ist überhaupt eine undeutbare Gattung ! Den längst eingebürgerten Namen Lysiopetalum durch Spiro- sirephon zu ersetzen, ist um so zweckloser, als der Autor der gleiche ist. Die neue Gattung Bollmannia ist charakterisirt : „Organa copu- lativa persimplicia , virga singula perlonga , hiarticulata constituta ; tergifa carinis aucta.'^ Die Type „CalUpus orientalis Silvestri" ist im Zool. Anzeiger, 1895, No. 474, so kurz beschrieben, dass es un- möglich ist, sich von der neuen Gattung eine Vorstellung zu machen. Ich kann nicht umhin, in die Richtigkeit der obigen ersten Worte einigen Zweifel zu setzen. Jeden Falls wird man nach der folgenden Gruppendarstellung die Ueberzeugung gewinnen, dass mit einer solchen Diagnose nichts anzufangen ist. Was man sich unter der „virga singula'"'' vorstellen soll, weiss ich nicht, da dieser Ausdruck nirgends weiter begründet worden ist! Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopodeu. 49 Dass SiLVESTRi meine Gruppen in seinem „Conspectus" ganz aus- gelassen hat, will ich nur kurz erwähnen. Mithin stand mir in der Literatur, ausser Latzel's Handbuch und eigenen Vorarbeiten, nichts zu Gebote, was für das Folgende von Belang gewesen wäre. Selbstverständlich muss hier der Inhalt des ersten, vergleichend- morphologischen Abschnitts meiner Arbeit als bekannt vorausgesetzt werden, da sonst die folgende Gruppen darstellung nicht genügend verständlich sein würde. Schlüssel der TJnterfamilien, Sippen (Tribus), Gattungen und Untergattungen der Lysiopetaliden ^). I. Stützen (Tracheentaschen) der Gonopoden völlig getrennt, schmal, balkenartig, mit dem Telopodid fest verwachsen. Unterfamilie Callipodinae n. IL Stützen (Tracheentaschen) der Gonopoden vorn in der Mediane mehr oder weniger mit einander durch einen Fortsatz der Ventralplatte verkittet, von muschel- artiger Gestalt, meist sehr breit, seltener ziemlich schmal, immer völlig vom Telopodid getrennt. Unterfamilie Lysiopetalinae n. ad I. Callipodinae. Einzige Gattung Callipus n. g. Gonocoxide mit endoskeletalem, balkenartigem Fortsatz, der in der entgegengesetzten Richtung vom Hüftfortsatz sich erstreckt. Letzterer ist breit. Hüftstab vorhanden. Telopodid am Grunde nicht ge- spalten. Tibialabschnitt klein. Canalast (wenn vorhanden) klein. 4.-7. Beinpaar des S mit deutlichen Endkrallen. Stirn der SS ein- gedrückt. — Analsegment vorragend. a) Hüftstab mit innerm eingekrümmten Bogen. Gonocoxid mit Hautsack. Rumpfsegmentrippen verflacht. Untergattung Bdbduchopetalum n. subg. (Hierhin hamuligerus n. sp.) b) Hüftstab ohne eingekrümmten Bogen. Gonocoxid ohne 1) Der Schlüssel bezieht sich vorwiegend auf die SSi die $$ können vorläufig zum Theil nur mit Hülfe der SS sicher bestimmt werden. Zool. Jahrb. XIH. Abth. f. Syst. 4 50 CARL VERHOEFF, Hautsack. Telopodid wenig gekrümmt. Rumpfsegmentrippen ver- flacht. Untergattung CalUpus n. suhg. (Hierhin foetidissimus Savi.) c) Wie CalUpus, aber Rippen deutlich emporragend. Telopodid halbkreisförmig gekrümmt. Untergattung Süvestria Verh. ad n, Lysiopetalinae. A. Stützen halbmuschelartig, ziemlich schmal. Telopodid äusserst schlank, am Grunde mit abgespaltenem Nebenaste, am Ende ohne Tibialabschnitt. Gonocoxid ohne balkenartigen, vorragenden Endo- skeletfortsatz , aber mit querer Muskelleiste. Hüftstab vorhanden, Hüftfortsatz schmal. Stirn der S$ eingedrückt. (Kleine Formen.) 1. Sippe Dorypetalini n. Hierhin nur eine Gattung: Dorypetalum n. g. Nebenast des Telopodids einfach, lang und schlank. Hauptast ohne Grannenschmuck, ohne Beborstung oder Behaarung. 4. — 7. Bein- paar des S ohne Endkrallen. 8. mit vorspringenden Hüftkissen. Analsegment vorragend. {degenerans Latz., degenerans hosniense Verh. und degenerans trispiculigerum n. sp.) B. Stützen gross, breit, muschelartig. Stirn des stens sind uns aus dem Bernstein Europas vortrefflich er- haltene Opilioniden bekannt geworden, die aber über ihre Abstammung 1 ) M e c 0 s t e t li i Simon. 2) Karsch, Ueber Cryptostemma etc., in : Berlin, ent. Zeitschr., 1892, p. 21. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 31 nicht viel Licht verbreiten. Nur das kann man feststellen, dass in diesen altern tertiären Wäldern Opilioniden gelebt haben, die so wenig von den jetzt in Mitteleuropa vorkommenden Formen abweichen, dass man sie mit diesen sogar zu denselben Gattungen hat bringen müssen. Wir müssen deshalb weiter zurückgehen. Und dann treffen wir erst im Carbon Arachnidenreste an. Keine der dazwischen liegenden Zeiten hat uns bis auf den heutigen Tag irgend eine Spur von Opilio- niden geliefert. Denn die zahlreichen Palpites-Ueste aus dem litho- graphischen Schiefer werden wohl von Niemand mehr als Opilioniden betrachtet, nachdem ihre Natur als Crustaceenlarven so deutlich dar- gethan ist. Ebenso wenig kommt es mir wahrscheinlich vor, dass die Gattungen Phalangites und Hasseltides zu dieser Arachnidenordnung gehören. Auch diese scheinen mir besser unter die Crustaceen ge= stellt zu werden. Es liegt kein einziger hinreichender Grund vor, der ihre Spinnennatur ausser Zweifel setzte. Ausserdem macht die Beschaffenheit des lithographischen Steines das Vorkommen vieler Ueberreste solcher typischen Landthiere wie Opilioniden so gut wie unmöglich ^). Gleichwohl muss ich E. Haase Recht geben, wenn er behauptet, dass die von Oppenheim zu den Orthoptera gerechnete Halomeira eine Arachnide sei. Dieses merkwürdige Fossil, von ihm SternartJiron ^) genannt, stimmt noch am meisten mit Koenenia mira- hüls Grassi ^) überein, einer recenten Form von sehr geringer Grösse. Da aber dieser Arachnidenrest nicht die geringste Aehnlichkeit mit Opilioniden hat, muss ich hier weiter darüber schweigen. Im Carbon sind die Arachniden, in Folge der vielen Funde der spätem Jahre zahlreich vertreten, obgleich eigentliche Opilioniden fehlen. Es scheint mir, dass ihre nächsten Verwandten bei der Gattung Eophrynus gesucht werden müssen. Diese seltsame Form, ursprünglich als Käfer (CurcuUonides Buckl.) beschrieben, wurde von Woodward "^j unter die Pseudoscorpiones gerechnet. Wären damals die sonderbaren Thier- forraen aus der Familie der Oncopodoidae schon bekannt gewesen, 1) „Der Solenhof er Schiefer repräsentirt uns ein überaus feinkörniges Sediment aus einigen seichten Buchten mit ruhigem Wasser, wo nament- lich Krebse , Fische und Reptile in verhältnissmässig grosser Zahl lebten, und wohin vom nahe gelegenen Lande häufig fliegende Insecten gelangten" (Neumayk, Erdgeschichte, 2. Aufl., V. 2, p. 221). 2) E. Haase, in: Z. deutsch, geol. Ges., 1890, p. 653. 3) Hansen and Söeensen, in : Entomol. Tidskrift, V. 18, 1897, p. 223. 4) Woodward, in : Geol. Mag., V. 8, 1871. Zool. Jahrb. Xm. Abth. f. Syst. 6 82 J. C. C. LOMAN, das Urtheil hätte gewiss anders gelautet ^). Erst im Jahre 1890 ist Haase zu der Ueberzeugung gekommen, dass alle diese von Karsch 2) zu der Familie der Anthracomarti vereinigten Formen als Unter- ordnung zu den Opilioniden gestellt werden müssen. Er zerlegte diese Unterordnung in drei Familien: Kreischeriidae^ Anthracomar- tidae und Eoxilirynidae. Die erste Familie zeigt Verwandtschaft mit den recenten Troguloidae; die Änthracomartidae würden den Siro- noidae am nächsten stehen, während Eophrynus sich den lebenden Opiliones laniatores anschliessen würde. Auch Karsch^) kam, was die Kreischeria betrifft, zu demselben Schluss. Da ich aber, wie vorhin gesagt, weder die Troguliden noch die Sironoiden in dieser Abhandlung habe besprechen können, so müssen wir uns auf eine Vergleichung von Eojjhrynus mit den Opiliones laniatores beschränken. Wenn Haase damals Abbildungen von Oncopus hätte vergleichen können, so würde er in seiner Ansicht über die Verwandtschaft nur bestärkt worden sein. Da er nun aber die sonderbaren Oncopodoidae nicht einmal erwähnt, so ist es wahrscheinlich, dass ihm diese Familie nicht bekannt gewesen ist*). Und doch scheint mir, dass gerade hier der Anschluss gesucht werden muss. Ich habe auf Taf. 10 Abbildungen von E. prestvichi (Buckl.), Coalbrookdale (nach Woodward) und von Pelitnus segnipes Loman (Sumatra) gegeben , welche diese Ansicht näher beleuchten sollen. Der Umstand, dass alle Rücken- und Bauchsegmente zu einem Stück verwachsen sind, bringt beide Formen einander näher und entfernt sie zugleich von allen andern Opilioniden. Auch die Glieder der kurzen Beine sowie die Zahl und die Bewaff- nung der Rückensegmente bieten Punkte der Uebereinstimmung. Nur besteht der Cephalothorax von Eophrynus aus mehreren Theilen, welche unzweifelhaft, wie Haase nachweist, mit den embryonalen Thorakalsegmenten dieser Thiere verglichen werden dürfen^). 1) Oncopus doriae, der Typus dieser Familie, wurde im Jahre 1876 von Thokell beschrieben in: Ann. Mus. civ. Stör. nat. Genova, V. 9. 2) Kaksch, Ueber ein neues Spinnenthier aus der schlesischen Steinkohle, in: Z. geol. Ges., 1882. 3) Karsch, Ueber Cryptostemma Gü£;r., als einzigen recenten Ausläufer der fossilen Arachnoideenordnung der Meridogastra, in: Berlin, ent. Z., 1892. 4) Die ersten Abbildungen erschienen freilich erst zu Ende des Jahres 1891; die lateinische Diagnose ist vom Jahre 1876, konnte aber leicht der Aufmerksamkeit entgehen. 5) Balbiani, in: Ann. Sc. nat., V. 16, 1872. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. g3 Auch an der Bauchseite ist die Uebereinstimmung deutlich. Die keilförmigeu Coxaltheile der Beine, ihre gleichartige Stellung, die Zahl der Segmente, welche bei beiden dieselbe ist, tragen viel zu der Ueber- zeugung bei, dass sich hier der Stamm findet, zu dem auch die Opilioniden als Zweig gehören. Weiter können wir aber für den Augenblick nicht gehen. Denn Jeder, der die zu diesen Meridogastra Thor, i) (= Anthraco- marti Ksch.) gehörigen Thiere aufmerksam betrachtet, muss, wie mich dünkt, zu dem Schluss kommen, dass das einzige Merkmal, durch das sie vereinigt werden können und das Thorell so zu- treffend, so scharf durch den Namen bezeichnete, dieser in Segmente eingetheilte Hinterleib ist, welcher sich ohne Einschnürung an den Cephalothorax anschliesst. Im Uebrigen gehen diese Formen noch so sehr aus einander, dass man sie mit demselben Recht in mehrere Ordnungen zerlegen könnte, ohne auf ernstlichen Widerspruch zu stossen. Wenn man also mit Haase diese Anthracomarti als eine Unterordnung der 0 p i 1 i o n e s auffassen will, so muss man die Grenzen dieser Ordnung sehr beträchtlich ausdehnen, was mir durch nichts gerechtfertigt erscheint. Meines Erachtens thun wir besser, die aus so heterogenen Bestandtheilen zusammengesetzte Gruppe vorläufig als eine besondere fossile Arachnidenordnung zu betrachten, bis wir durch weitere Funde eine richtigere Einsicht in ihre Verwandtschaft ge- wonnen haben ^). 1) Siehe hierüber noch : Thorell, On a silurian Scorpion from Got- land, in: Svensk. Vet. Akad. Handl, V. 21, No. 9, p. 31, 1885. — ScuDDER, Illustrations of the Carboniferous Arachnids, in: Mem. Boston Soc. nat. Eist,, V. 4, 1886—93, p. 443. 2) Ich kann dieses Capitel nicht schliessen, ohne zwei Schriften über die geographische Verbreitung anderer Arachnidengruppen von PococK zu erwähnen (Scorpions and their geographica! distribution, in: Natural Sc, V. 4, p. 353, und : The geographica! distribution of the Arach- nida of the Orders Pedipalpi and Soüfugae, ibid. V. 14, p. 213). Ob- gleich ich mit grossem Interesse beide Abhandlungen gelesen und die scharfsinnigen Deductionen des Verfassers bewundert habe, so konnte ich mich eines unbefriedigten Gefühles nicht erwehren. Die Grund- festen des ganzen Gebäudes stehen hier nicht unerschütterlich fest. Es wü! mir scheinen, dass die Systematik dieser Gruppen, welche ganz auf äussern Merkmalen beruht und der wichtigen Stütze der vergleichenden Anatomie entbehrt, einer abermaligen Prüfung bedarf. Oben habe ich nachzuweisen versucht, wie sehr auch die Kenntniss des Innern für richtige systematische Schlüsse unentbehrlich ist, und da wir nur allzu 6* 84 J. C. C. LOMAN, II. Bionomie der Opilionideii. Unsere Kenntniss der Lebensbedingungen dieser Thiere ist bis jetzt nocli mangelhaft. Was wir davon wissen, wurde vor einigen Jahren von Henktng ^) gesammelt und mit seinen eignen Bemer- kungen bereichert. Es sind selbstverständlich bloss einheimische Formen, die er hat beobachten können ; über die ausländischen können wir allein per analogiam urtheilen. Was bekannt ist, ist in der Hauptsache Folgendes: Die Weberknechte sind keine reissendeu Thiere und überfallen also keine lebenden Insecten; ihre Nahrung scheint vielmehr aus todten thierischen Ueberresten zu bestehen. Wenn Henking ihnen todtgedrückte Fliegen zur Nahrung gab, wurden diese gierig verzehrt, aber so lange eines der Opfer auch nur durch die Zuckungen eines Beines irgend ein Lebenszeichen von sich gab, konnte er versichert sein, dass es von den Opilioniden ängstlich gemieden wurde. W^eiter ist Feuchtigkeit eine Hauptbediugung, diese Thiere am Leben zu er- halten; ohne dieselbe sterben sie bald. — So weit Henking. Für die grosse Mehrzahl ist eine feuchte, schattige Umgebung der Ort, an den sie gebunden sind. Zwar trifft man bisweilen Exem- plare im hellen Sonnenschein an, aber nur ausnahmsweise. Und wer soll entscheiden, wie oft in solchen Fällen der Forscher selber, indem er die Umgebung beunruhigte, die Thiere in ihrem Versteck aufgestört und eilfertig in die Flucht getrieben hat ? Als Regel ist anzunehmen, dass sie erst gegen Abend ihre Schlupfwinkel verlassen, um zu fouragiren. Je stiller, je versteckter sie sich am Tage halten, desto sicherer sind sie; denn die Unzahl ihrer Feinde, für die sie ein Leckerbissen sind, ist gross, und ihre einzigen Vertheidigungsmittel sind die langen Beine, womit sie sich geschwind aus dem Staube gut wissen, wie traurig es mit der vergleichenden Anatomie der von PococK besprochenen Thierformen bestellt ist, von der wir ohne Ueber- treibung behaupten dürfen, dass so gut wie nichts davon bekannt ist, so halte ich es für sehr wohl möglich, dass bei einer nähern Unter- suchung der innern Theile die systematischen Verhältnisse dieser Ord- nungen sich bedeutend anders gestalten werden. Es liegt hier ein weites, fruchtbares Feld der Forschung brach, das einer sorgfältigen Bearbeitung harrt! Die bahnbrechenden Schriften M. Laurie's über die Scorpione zeigen uns wohl den richtigen Weg. 1) Henking, Biologische Beobachtungen an Phalangiden, in : Zool. Jahrb., V. 3, Syst., p. 319. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. §5 machen. Und bei weitem nicht alle haben solche lange Beine ; viele sind nur träge in ihren Bewegungen. Ein anderes, aber wiederum passives Vertheidigungsmittel ist die Fähigkeit, in den Stinkdrüsen (Foramina supracoxalia) einen übel riechenden Stoff abzusondern, der sie für viele andere Thiere ohne Zweifel weniger schmackhaft macht. Auch können sie ihre Sicherheit dadurch vermehren, dass sie den trägfüssigen Körper mit Sand bedecken. Feuchte, schattige Wohnorte, von denen oben die Rede war, sind überall auf der Erde zu linden, vom Norden bis zum Süden, in den tiefsten Thälern wie auf den höchsten Bergen. Ich nenne nur Mauern, Zäune, Felsenspalten, Baumstämme, feuchtes Moos oder abgefallene Blätter auf dem Boden der Wälder u. s. w. Man kennt auch einige blinde, in Höhlen lebende Arten, welche aber mit andern Arten, die Augen haben, nahe verwandt sind. Selbstverständlich ist auch die Temperatur der Erdoberfläche ein wichtiger Lebensfactor, und in Folge dessen ist jede Art auf bestimmte Orte angewiesen. Dies hindert aber nicht, dass auf Spitzbergen und Grönland vereinzelt Weberknechte leben können, ebenso gut wie in den Tropenländern. Zahlreich sind sie allein in den wärmeru und gemässigten Gegenden; in Folge der Kälte nimmt ihre Anzahl ab, sowohl wenn man sich den Polen nähert, als beim Besteigen hoher Berge. Während aus Grön- land nur eine Art beschrieben ist, kennt man aus Südamerika sehr viele ^). Gehen wir also vielleicht nicht ganz irre, wenn wir annehmen, dass OpiHoniden im Allgemeinen eine nächtliche Lebensweise haben und sich von kleinen todten Thieren nähren, so müssen sie für jede Gegend insbesondere sehr verschiedenen Lebensbedingungen ent- sprechen. Die Lebensdauer dieser Thiere im hohen Norden kann sich kaum auf einige Monate belaufen; während des kurzen Sommers werden sie schnell wachsen, zur vollständigen Entwicklung gelangen, Eier legen, und beim Eintritt des strengen Winters steht ihnen der Tod bevor. Ihre Eier müssen die grimmige Kälte ertragen können, und die Entwicklung, welche bei niedrigen Wärmegraden fast gänz- lich still gestanden hat, kann erst im folgenden Frühling beginnen. 1) Dass die Anzahl der Individuen in gemässigten Gegenden auch weit grösser ist, als man vermuthen sollte, davon konnte ich mich im vergangenen Sommer überzeugen. Da sammelte ich, indem ich einen beinahe trockenen Graben über eine Länge von vielleicht 30 m syste- matisch absuchte, unter dem Moos und den dürren Blättern der Böschungen nicht weniger als 500 Exemplare in noch nicht einer Stunde. 86 J. C. C. LOMAN, Von dieser Entwicklung in unserm gemässigten Klima ist etwas bekannt durch die Forschungen Henking's^): „Bei uns überdauern die Thiere die kalte Jahreszeit im Ei. Die Eier sind etwa 1/2 ^^ gross, von weisser Farbe und völlig undurchsichtig. Doch lehren Schnitte durch dieselben, dass die Entwicklung auch in den kalten Monaten voranschreitet, wenn auch nur ganz langsam. Kälte können die Eier überhaupt sehr gut ertragen. Es ist mir öfters vorgekommen, dass im Winter die Eier in dem ungeheizten Zimmer mit der feuchten Erde zu einem starren Eisklumpen gefroren waren, ohne dass dadurch ihre Entwicklungsfähigkeit irgend welche Einbusse erlitten hätte. Eine schnellere Entwicklung beginnt mit dem Eintreten wärmerer Tage." Obgleich die Thiere also in unsern Breiten wahrscheinlich den Winter nicht überdauern, sondern sterben, nachdem sie Eier gelegt haben und wenn der Nahrungsmangel eintritt, so ist es doch möglich, dass sie in südlichem Gegenden älter als ein Jahr werden ; Blanc ^) wenigstens erwähnt, dass er bei Freiburg i. B. mitten im Winter einen lebenden Opilioniden gefunden habe. In den Tropenländern ist die Möglichkeit eines längern Lebens jeden Falls grösser, wiewohl wir hiervon ebenso wenig wie von der Entwicklung etwas mit Bestimmt- heit wissen. Aber gewiss müssen solche Temperaturdifferenzen, wie z. B. von Spitzbergen und Sansibar, grossen Einfluss haben auf die Entwicklung, auf die Lebensdauer, auf die Nahrungsverhältnisse, kurz, auf die ganze Biologie der Art. Wir sind aber bis jetzt nicht im Stande, irgend etwas über die Gesetze zu sagen, welche diese Dif- ferenzen beherrschen. Dennoch ist es eine Thatsache, dass an diesen Orten systematisch nahe verwandte Gattungen leben. Es ist jedoch eine Eigenschaft, welche sich aus der Verschieden- heit der Temperatur erklären lässt. Die Arten nämlich, welche haupt- sächlich in gemässigten oder gar in kalten Erdgürteln leben und welche alle zu der Familie der Phalangioidae gehören, legen ihre Eier 3) möglichst tief in die Erde, also gegen die strenge Winterkälte 1) Henking, 1. c. p. 329. 2) Blanc, in: Bull. Soc. Vaudoise Sc. nat., (2) V. 17, 1881. 3) Man findet dieses Eierlegen beschrieben von Menge, in : Sehr. Danzig. Ges., 1850, und von Henking, 1. c. p. 327, der ein eierlegendes Weibchen von Liohunum rotundum (Late.) abbildet. De Gkaaff, Sur la construction des organes genitaux des Phalangiens, 1882, p. 92, fig. 125, liat aber ein Weibchen von Phalangium Eier legen sehen auf ein dürres Blatt von Ampelopsis heder acea Michx. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. g7 SO gut wie möglich geschützt. Dem entsprechend besitzen sie eine sehr lange Legeröhre, die obendrein einer grossen Ausdehnung fähig ist. Alle andern Familien, die in tropischen oder subtropischen Ländern vorkommen, besitzen dagegen eine kurze oder sogar sehr kurze Legeröhre, da sie ihre Eier nicht tief in die Erde zu legen brauchen. Merkwürdig, ja fast unglaublich kommt mir vor, was Stoll ^) über die von ihm in Mittelamerika beobachteten Thiere bemerkt: „Es sind nächtliche, träge Thiere, die tagsüber unter Rinde, faulem Holz imd Steinen wohnen und deren besten Zug eine Art von Brutpflege bildet, indem die jungen Thiere, nachdem sie das Ei verlassen haben, noch eine Zeit lang sich um die Mutter schaaren, wie ich au den centralamerikanischen Arten oft beobachtete." Wenn diese Bemerkung sich als richtig erweisen und später bestätigt werden sollte, so hätten wir hier eine merkwürdige Erscheinung kennen gelernt. Thiere ohne festen Wohnsitz, echte Vagabunden, die ihre Eier nicht mit sich tragen, sondern sie, zu einem Häuflein verbunden, mittels einer zu diesem Zweck bestimmten Legeröhre in die Erde verbergen, wo sie ihre ganze Entwicklung durchmachen — solche Thiere sollten den Platz dieser Eier sorgfältig im Auge behalten, um ihre Jungen bei der Geburt zu erwarten und nachher eine Zeit lang zu pflegen? Es kommt mir wahrscheinlicher vor, dass kleinere und grössere Thiere in ein und demselben Versteck verborgen waren, wie dies häufiger der Fall ist, und, wenn sie gefunden, für Mutter und Kinder gehalten wurden. Auch könnte man hier an von parasitischen Milben heim- gesuchte Thiere denken, welche nicht so gar selten sind. — Entweder ist Stoll's Beobachtung eine richtige Interpretation der Thatsachen, und in diesem Fall müssen diese mittelamerikanischen Opilioniden, sowohl was Lebensweise als Körperbau anbelangt, vereinzelt dastehen, und eine nähere Untersuchung wird alsdann gewiss tief einschneidende anatomische Differenzen ergeben, — oder Stoll's Mittheilung beruht auf einem Irrthum und enthält lediglich eine falsche Erklärung seiner Wahrnehmungen. Ohne über diese Sache entscheiden zu können, muss ich jedoch erklären, dass erstere Lösung mir nicht wahrscheinlich vorkommt. Auch über die verticale Verbreitung ist einiges bekannt; allein hier macht sich in hohem Maasse der Mangel an zuverlässigen Höhen- angaben fühlbar. Bei altern Schriftstellern fehlen diese in der Regel 1) Stoll, 1. c. p. 23. 88 J. C. C. LOMAN, ganz und gar, und allein in dem gut bekannten Europa verfügen wir über genug Material, um zu einigen Resultaten zu gelangen. So wissen wir bestimmt, dass die Hochgebirge Mittel-Europas von einigen typischen Formen bewohnt werden und dass unter diesen namentlich Oligo- lophus alpinus (Herbst) auch in den schottischen Hochlanden, im nördlichen Skandinavien und auf Grönland vorkommt, während diese Art in den dazwischen liegenden Ländern fehlt. Im tropischen Süd- ost-Asien leben viele nahe Verwandte europäischer Opiliouiden, aber fast ohne Ausnahme im Gebirge, wo es kälter ist und ihre lange Legeröhre daher ausgezeichnete Dienste leistet. Andere P'amilien, mit kurzer Legeröhre, finden sich dort auch an wärmern, niedriger ge- legenen Orten. Und obgleich es mir vorkommt, als ob im tropischen Afrika und Südamerika die Familie der Phalangioidae nur auf den Bergen ihnen zuträgliche Lebensbedingungen findet , so lässt sich diese Ansicht für die letztern Welttheile nicht beweisen, weil die Ge- birge in Afrika und Südamerika noch zu wenig Material geliefert haben und dies ausserdem zu wünschen übrig lässt, was genaue Höhenangaben betrifi't, worauf hier ja alles ankommt. In diesem Capitel verdienen noch andere Fragen unsere Auf- merksamkeit. Die Kenntniss von den biologischen Factoren dieser Thiergruppe ist aber so gering, dass es vielleicht richtiger wäre, nicht über die Kenntniss zu sprechen, sondern auf die Lücken in derselben hinzuweisen. Es kommt hier zunächst der Zusammenhang zwischen der Thierart und der Bodenbeschafi'enheit in Betracht. Wenn man sein Augenmerk auf die Fundorte einiger gut bekannten europäischen Formen richtet, so zeigt sich in der That, dass in dieser Richtung die Untersuchung viel verspricht, aber zugleich, dass noch wenig ge- than ist. Die Ueberzeugung gewinnt bald Raum, dass jede Art auf ein bestimmtes Substrat angewiesen ist, dass einige nur in waldigen Gebirgsgegenden zu Hause sind, andere dagegen ausschliesslich in niedriger gelegenen Ländern leben können, wiederum andere ein ziem- lich ausgedehntes Areal bewohnen und von der Art des Bodens nahezu unabhängig sind. Aus eigner Untersuchung sind mir allein die Nieder- lande gut bekannt. Die Opilioniden, welche in diesem Lande ge- funden worden sind ^), lassen sich nach ihrem Vorkommen sehr deut- lich in drei Gruppen eintheilen: 1) 16 Arteo, wovon einige sehr selten. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 39 1) Allgemein verbreitet, vom Norden bis zum Süden, sind z. B. a) Phalangium opilio L. b) Phalangium parieiinum De Geer. c) Liohimum roUindum (Latr.). d) Oligolophus morio (Fabr.). 2) Nur auf Saudboden, in Wäldern und auf Haiden fand ich: a) Oligolophus fridens C. K. b) Acantholophus spinosus (Bosc). c) Platyhunus triangularis (Herbst). 3) Allein im Südosten des Landes, in der Provinz Limburg, wurden angetroffen : a) Nemastoma lugubre (Müller). b) Nemastoma quadripunctatum (Perty). Die unter 2 genannten Thiere wurden niemals in den niedrig ge- legenen Poldergegenden des Westens gefangen, die den grössten Theil der Provinzen Holland und Friesland bilden. Bloss auf diluvialem Sandboden können sie leben, und dort sind sie überall verbreitet. In der Umgegend von Amsterdam gelang es mir nicht, andere als zur 1. Gruppe gehörige Arten zu finden, obgleich ich jetzt schon seit nahezu 20 Jahren meine Aufmerksamkeit alljährlich darauf gerichtet habe. Wenn man sich aber von Amsterdam aus ostwärts begiebt, braucht man nur '/g Stunde auf der Eisenbahn zu fahren, um Arten der 2. Gruppe in der Umgegend von Hilversum und Muider- berg anzutreffen, zwei Orten, die bereits auf Sandboden liegen. Das- selbe gilt für Friesland. Im Innern dieser Provinz konnte ich nur Arten finden, welche der 1. Gruppe angehören, aber im Süden, in dem sogenannten „Gaesterland", einer diluvialen Sandinsel mitten im Alluvium, kommt Oligolophus tridens C. K. vor. Und was noch charakteristischer ist, die Nemastoma- Arten kommen ausschliesslich im südlichen Limburg vor, der einzigen Gegend in unserra Land, wo man secundäres Gestein (Maastrichter Kreide) an der Oberfläche antriflt. Es ist dabei bemerkenswerth, dass die Arten der 1. Gruppe alle vagabundiren, schnell laufen können und manchmal ziemlich hoch über der Erde auf Bäumen und Gemäuer angetroffen werden, während die der 2. und 3. Gruppe niemals die Erde verlassen und vielmehr schwerfällig in ihren Bewegungen sind. Dies führt uns wie von selbst zu der Betrachtung der Ver- breitungsmittel und der Hindernisse, die der Verbreitung im Wege stehen. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass die Eier zuweilen 90 ' J. C. C. LOMAN, von andern Thieren mit den sie einschliessenden Erdklümpchen fort- geschatft und so über grössere Strecken verbreitet werden. Ich kann aber kaum glauben, dass dies der vornehmste oder auch nur ein be- deutender Factor ist; denn die Weise, wie die Eier, in unsern Gegenden wenigstens, tief in der Erde verborgen werden, scheint einem Transport eher hinderlich als förderlich zu sein. Thatsächliches ist auch nicht bekannt; die Erfahrung lässt uns hier im Stich. Viel mehr spricht für eine directe Verbreitung der Thiere selbst, in so fern sie durch Temperatur, Art des Bodens und Nahrung ermöglicht wird. Langbeinige Formen mit einer umherschweifenden Lebensweise sind dabei gewiss im Vortheil, denn die geologische Beschaffenheit des Bodens ist für sie nicht von so überwiegender Bedeutung wie für andere. Wir werden in dieser Auffassung bestärkt durch die Wahrneh- mung, dass alle Opilioniden der Familie Phalangioidae, die man in weit von Europa entfernten Ländern angetroffen hat, solche langbeinige Vagabunden sind. Entschieden ein Hinderniss für die Verbreitung sind naturgemäss hohe Gebirge und das Wasser, wenn letzteres wenigstens von solcher Ausdehnung ist, dass ein Hinübergelangen auf treibenden Gegenständen oder durch irgend einen Zufall ausgeschlossen ist. Hohe Gebirgs- gegenden werden von einzelnen Formen bewohnt, die in den niedriger gelegenen Nachbarländern keine passenden Lebensbedingungen finden und mithin wie auf einer Insel leben. Für gewöhnlich findet man aber in der niedrigem Umgebung nahe verwandte Arten, deren Existenz eine höhere Temperatur bedingt. Ein Beispiel hiervon liefert uns OUgolophus glacialis C. K., der ausschliesslich in den Alpen bis zu einer Höhe von 3000 m vorkommt. OUgolophus alpinus (Herbst) hingegen, zwar auch eine Bergform Mittel-Europas, die ebenfalls die schottischen Hochlande, das nördliche Schweden und Grönland be- wohnt, steigt nicht so hoch wie ersterer, während endlich OUgolophus morio (F.) in ganz Nord-Europa einheimisch ist, aber nicht in den Alpen leben zu können scheint^). 1) E. Simon, Arachnides de France, V. 7, p. 240 ff. erwähnt bei diesen Arten Folgendes: 0. glacialis C. K. : Cette espece habite toute la chaine des alpes ; eile ne descend jamais au-dessous de 1800 metres d'altitude, et se ren- contre au moins jnsqu' ä 3000 metres. 0. alpinus (Hkijbst): Tres-commun dans toutes les regions monta- gneuses, dans la zone des forets et en dessus, dans les prairies. 0. morio (F.) : Environs de Paris. — Toute la region maritime du Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 91 Und wenn meine, sich auf viele Jahre erstreckenden Unter- suchungen über die Verbreitung über ein so äusserst kleines Areal wie die Niederlande mich nicht täuschen, so weisen sie deutlich darauf hin, dass es Opilioniden giebt, die bloss auf einem bestimmten Boden leben können und denen also das Ueberschreiten einer andern geologischen Formation, falls diese nur gross genug ist, sehr schwer, wo nicht unmöglich wird. Sonst scheint es mir nicht erklärlich, wie die oben unter 3 genannten Nemastoma- Arten allein im südlichen Limburg leben könnten ^). Denn das Klima von Süd-Limburg ist von dem der um ein wenig nördhcher gelegen Gegenden nicht verschieden, und es bleibt also nichts anderes übrig, als anzunehmen, dass die be- stimmte Beschaffenheit des Bodens, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der darauf vorkommenden Nahrung, zu den unentbehrlichen Lebensbedingungen dieser Arten gehören. Dasselbe gilt für die Arten der 2. Gruppe, welche sich überall finden, wo nur trockener Sand- boden ist. Auch sie sind auf dieses Substrat angewiesen, und das Alluvium mit seinen Poldern und seinen im Winter häufig über- schwemmten Wiesen kann ihre Lebensbedingungen nicht erfüllen. Mir scheint es deshalb nach den obigen Erörterungen ziemlich sicher, dass für solche Arten , deren Lebensbedingungen innerhalb enger Grenzen liegen, jeder von der ihnen passenden Formation ver- schiedene Boden fast ein ebenso grosses Hinderniss für ihre Ver- breitung ist, wie wenn es ein Meer von derselben Ausdehnung wäre. III. Creographische Verbreitung. Gestützt auf die Ergebnisse unserer Untersuchung in den vorigen Capiteln, schreiten wir nunmehr dazu, die uns bekannten Fundorte kartographisch darzustellen (Taf. 11). Zur Erleichterung der Uebersicht haben wir uns verschiedener Farben bedient, um damit die Familien zu unterscheiden, welche bisweilen auf derselben Karte vereinigt worden sind. Die Orte auf der Erde, von wo uns Opilioniden bekannt wurden, sind durch farbige Punkte bezeichnet. Schon nach einem flüchtigen Blick auf die Karte sieht man, dass nur in Europa und Nordamerika diese Punkte dermaassen zusammenfliessen, dass dadurch Nord. — Egalement en Norvege, en Angleterre et en Allemagne. C'est une espece septentrionale, recherchant les endroits froids et eleves. Dans le midi, eile ne se trouve que dans les montagnes. 1) Das secundäre Gestein fehlt im Norden Limburgs. 92 J. C. C. LOMAN, mitunter ein farbiges Ganzes entsteht; das bedeutet, dass aus diesen Gegenden viele Funde zu erwähnen sind. Auch Südamerika, wiewohl weniger bekannt, zeigt doch verhältnissmässig wenig weisse Flecken. Uebrigens konnten die Farben fast nicht anders denn als kleine Fleckchen angebracht werden, und wir werden dadurch an die vielen Orte erinnert, von wo gar keine Thiere aus dieser Ordnung be- schrieben worden sind. Die grösste Schwierigkeit bieten aber die Exemplare, deren Fundort sehr unbestimmt, wie Indien, West-Afrika, Brasilien u. s. w. angegeben wurde. Die Frage scheint also berech- tigt, ob es mit dieser mangelhaften Kenntniss wohl möglich sei, jetzt schon eine Uebersicht von der Verbreitung zu geben. Wäre es nicht vorzuziehen, noch 20 Jahre zu warten, bevor man das Bekannte zu- sammenfasst? Ich gebe natürlich zu, dass man nach solch einem Zeitraum einen grössern Schatz von Beobachtungen zur Verfügung hätte ; aber ich bin überzeugt, dass in vorliegendem Fall die Sachlage nicht so sehr verschieden sein würde. Wenn man nämlich mit einiger Aufmerksamkeit die verschiedenen Fundorte auf den Karten ins Auge fasst, so wird man sehen, dass diese für die behandelten Familien eine befriedigende Anzahl von Beobachtungen umfassen. Damit will ich aber nicht in Abrede stellen, dass man durch eine grössere An- zahl von Funden ein besser umschriebenes und geschlosseneres Ganzes erhalten wird, dass man namentlich die Grenzen der verschiedenen Gruppen, die bis jetzt nur ganz allgemein augegeben werden konnten, alsdann schärfer wird abstecken können. Allein es will mich dünken, dass das ganze Bild der Verbreitung, wie wir das mit unserer gegen- wärtigen Kenntniss entwerfen können, sogar durch zahlreiche neu zu beschreibende Arten und Gattungen sich nicht viel anders gestalten wird und gewiss der Hauptsache nach jetzt schon ohne Gefahr allzu grosser üngenauigkeit gegeben werden kann. JPhalangioidae (Taf. 11, Karte I, violett). Diese Familie ist nahezu an allen Orten gefunden worden, von wo Opilioniden zu uns gekommen sind. Wir kennen Arten aus dem hohen Norden, aus Spitz- bergen, Grönland, Island, Norwegen und Nordsibirien. Sie ist die vor- herrschende Familie in ganz Nordasien, Nordamerika, Europa und Nord-Afrika, während zahlreiche Arten gleichfalls aus Ceylon, Indien, dem Malayischen Archipel und Japan beschrieben worden sind. Aber auch in südKchern Ländern fehlt sie nicht. So wurde in Südamerika ihr Vorkommen festgestellt durch das Auffinden einzelner Formen, aus Ecuador, Brasilien, Paraguay, Feuerland, leider nicht immer mit ge- Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 93 uauer Ortsangabe. Und was Afrika betriiBft, so wissen wir, dass sie im Capland vorkommt; aber auch im Osten und im Westen dieses Welttheils fehlt sie nicht, wie Funde beweisen, welche aus West-Afrika, Natal, Sansibar, Abyssinien zu uns gelangt sind. Fügen wir endlich hinzu, dass in Südost-Australien und sogar auf Neuseeland die bewusste Familie durch spärliche Formen vertreten wird, so geht daraus her- vor, dass ihr Gebiet sehr ausgedehnt ist und dass sie wahrscheinlich über die ganze Erde verbreitet ist, wenn auch ihr Vorhandensein nicht überall hat festgestellt werden können. Das alles lehrt uns ein Blick auf das Kärtchen. Aber es kommt noch etwas hinzu. Während die Arten dieser Familie auf der nörd- lichen Halbkugel sehr zahlreich sind, kennt man aus südlichem Ländern verhältnissmässig viel weniger Formen. Das ist durchaus nicht allein dem Umstand zuzuschreiben, dass Europa und Nordamerika so viel besser untersucht sind ; denn aus Südamerika z. B. sind uns sehr viele Opilioniden bekannt, aber nur sehr wenige darunter gehören zu den Fhalangioidae. Mich dünkt, die Ursache dieser Erscheinung liegt anderswo; und folgende Erwägungen können uns auf die richtige Spur bringen. Unter den aussereuropäischen Ländern, deren Opilio- niden-Fauna ziemlich gut bekannt ist, müssen in erster Linie Hinter- indien und der Malayische Archipel genannt werden, wo sogar die höchsten Berggipfel untersucht worden sind. Nun sind aus diesen Ländern ausser vielen Formen, die zu andern, weiter unten erwähnten Familien gehören, auch nicht wenige Fhalangioidae beschrieben. Und wenn wir die Fundorte dieser letztern ins Auge fassen, so sehen wir, dass weitaus die Mehrzahl in grosser Höhe über dem Meeresspiegel, jm Gebirge gesammelt wurde. Nicht immer ist das in den Angaben ausgedrückt, da erst neuerdings auf eine genaue Höhenangabe beim Sammeln mehr Werth gelegt wurde. Das Fehlen dieser Angabe ist also noch kein Beweis, dass sie in den niedriger gelegenen, wärmern Theilen des Landes leben, wie ich anderswo schon aus einander zu setzen versucht habe^). Angesichts dieser Thatsachen kommt es mir durchaus erklärlich vor, dass aus andern tropischen Gegenden so wenig Arten aus dieser Familie bekannt sind. Die meisten Sammlungen nämlich wurden nicht in den hohen Gebirgsgegenden, sondern an den Küsten und an den Flüssen angelegt. Nach dieser Auffassung kann man daher aus den 1) LoMAN, Die Opilioniden der Sammlung Plate, in: Zool. Jahrb., ■Supplement Fauna Chilensis, V. 2, p. 2, 1899. 94 J. C. C. LOMAN, Gebirgsgegenden des tropischen Afrikas und aus den Anden des tropischen Südamerikas noch manche neue Formen erwarten, welche dieser Familie einverleibt werden müssen. Noch südlicher auf der Erde, wo die mittlere Temperatur niedriger wird, steigen die Opilioniden dieser Familie von den Bergen herab und können wieder im Flachland leben. Im Capland ist diese Familie durch einige Formen vertreten. Auf der Insel Hoste westlich von Feuerland, wo keine hohen Berge vorhanden sind, hat die französische Cap-Horn-Expedition Arten angetroffen. Ich wage es jedoch nicht, über die in Australien und auf Neuseeland lebenden Phalangioidae ein Urtheil zu fällen, weil hier aus der Angabe des Fundortes die Höhe nicht herzuleiten ist. Man sieht also, dass wir in erster Linie zahlreichere genaue Höhenangaben brauchen. Jetzt lässt sich diese Ansicht nicht beweisen, doch halte ich sie für wahrscheinlich. Thorell hat mit Recht diese Familie wieder in zwei Unter- familien eingetheilt: die Phalangüni und die Gagrellini. Während erstere über die ganze Erde verbreitet ist, wurde letztere bis jetzt nur in der orientalischen Region angetroffen, in einem Gebiete, das ungefähr ganz Südost-Asien von Ceylon bis Japan und den Malayischen Archipel umfasst. Die anatomische Untersuchung einer Gagrella-kvi aus Java, von der einige gut conservirte Exemplare in meinem Be- sitz waren, hat Thorell's Eintheilung völlig bestätigt. Aber es zeigte sich noch mehr. Dieser Gelehrte selbst hat schon auf die äussere Uebereinstiramung seiner Gagrellini mit den zu der europäischen Fauna gehörigen Arten von Liohunum hingewiesen. Bei einer sorg- fältigen Vergleichung der Arten von Phalangium opilio L., Liohunum rotundum (Latr.) und Gagrella sepia Loman zeigte sich nun deutlich, dass der Bau von Liohunum in jeder Hinsicht vollkommen mit dem von Gagrella übereinstimmte und also auch dieselben Differenzen wie diese gegenüber Phalangium aufwies. Folglich wird die Unterfamilie der Gagrellini^ welche auf sehr guten Gründen beruht, nothwendig die Gattung Liohunum und ihre Verwandten aufnehmen müssen, wo- runter auch einige in den gemässigten Gegenden Nordamerikas leben. Die Zergliederung einer amerikanischen Liobunum-ki% die allerdings schlecht conservirt war, führte zur Bestätigung der Verwandtschaft ^). 1) Wenn meine soeben ausgesprochene Vermuthung richtig ist, so dürfen wir also erwarten, dass diese Subfamilie auch in den hohen Ge- birgsgegenden des tropischen Afrikas und Südamerikas vorkommt, von wo bis jetzt noch keine Formen beschrieben worden sind. lieber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 95 Wir kommen also zu dem folgenden Resultat: Die Phalangioidae sind über die ganze Erde verbreitet; sehr zahlreich sind sie in den gemässigten und subtropischen Ländern der nördlichen Halbkugel vertreten, wo sie den Plauptbestandtheil der Opilioniden-Fauna bilden ; viel weniger zahlreich auf der südlichen Halbkugel, wo gerade andere Familien in den Vordergrund treten ; und in den Tropen werden sie fast nur in den kühlem Gebirgsgegenden angetroffen. Gonyleptoidae (Taf. 11, Karte H, grün). Diese Familie ist die vorherrschende in Südamerika, wo sie bis zum südlichsten Theil gefunden wird, am Cap Hörn und sogar auf den Falklands-Inseln. Ihre nördlichen Grenzen sind nicht genau anzugeben. Zwar kennt man Arten aus Westindien sowie aus dem warmen Süden Nord- amerikas; aber die Anzahl der hier gemachten Beobachtungen ist zu beschränkt, als dass man irgend ein Urtheil aussprechen könnte. Nur darf man annehmen, dass sie im gemässigten Nordamerika, das so viel besser durchforscht ist, verschwunden sind und den Phalangioidae Platz gemacht haben. Aus West-Afrika (Guinea) ist nur eine einzige Form aus dieser Familie mit Bestimmtheit bekannt, so dass wir wissen, dass sie auch hier vorkommt. Uebrigens ist die ganze W^est- küste Afrikas in dieser Beziehung noch so sehr eine terra incognita, dass nur eine grössere Anzahl von Funden uns Aufklärung bringen kann. Assamioidae (Taf. 11, Karte H, braun). W^enn man die Gony- leptoidae die Opilioniden Südamerikas nennt, so verdienen die Assa- mioidae den Namen Opilioniden des tropischen Asiens und Afrikas. Wie die Karte lehrt, findet man diese Familie in Persien, Bengalen, Hinterindien, auf Malakka, Sumatra, Java, Borneo, den Philippinen, Neuguinea, in dem östlichen Theil Neuhollands, auf Neuseeland, den Fidschi-Inseln und Samoa. Wenn man die Fundorte in Afrika in der Colonie Kamerun, im südlichen Abyssiuien und den benachbarten Gallaländern und auf der Insel R^union hinzufügt und dabei bedenkt, wie wenig Afrika durchforscht ist, so kann man mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit daraus den Schluss ziehen, dass diese Familie im ganzen tropischen Afrika, Asien und Australien Vertreter hat und sich gleichfalls über die subtropischen Theile, namentlich Australiens, verbreitet. Es muss dahingestellt bleiben, ob sie auch in Süd-Afrika und auf Madagaskar vorkommt. Die Gattung Sitalces E. S., welche man auf der Insel Reunion gefunden hat, kenne ich nicht aus eigner 96 J. C. C. LOMAN, Untersuchung, aber nach der Beschreibung zu urtheilen, gehört sie in diese Familie. Mit den Ässamioidae scheinen die Epedanoidae Thor. , die Samoidae Sör. und vermuthlich die Zalmoxoidae Sör. aufs nächste verwandt. Arten dieser Familien bewohnen den südlichen Theil Asiens, den Osten Neuhollands und einzelne polynesische Inselgruppen. Ihre Verbreitung schliesst sich also an die der Ässamioidae an; aber es fehlte mir an Material, die nähere Verwandtschaft auch durch eine Vergleichung der innern Organe ausser Zweifel zu setzen, mit Aus- nahme einer einzigen, zu den Epedanoidae gehörigen Form, deren Anatomie keine grossen Abweichungen ergab. Aus diesem Grunde habe ich darauf verzichten müssen, die Verbreitung dieser Familien durch verschiedene Farben zu bezeichnen; denn es schien mir dies unrathsam für Thiere, deren systematische Stellung noch so schwankend ist. Sie sind daher auf Taf. 11, Karte III durch ein braune Farbe bezeichnet, um ihre Verwandtschaft mit den Ässamioidae hervorzuheben. Biantoiclae (Taf. 11, Karte III, blau). Diese Familie, von welcher ich ein paar Exemplare unvollkommen zergliedern konnte, zeigte im Innern so viele Uebereinstimmungspunkte mit dem Bau der Ässamioidae, und ihr Aeusseres ist so typisch, dass es mir erwünscht schien, sie in diese Uebersicht aufzunehmen, Kamerun und Abys- sinien and weiter viele Orte in Süd- und Ost-Afrika wie auch Mada- gaskar bilden kein zusammenhängendes Ganzes ; aber der ungünstige Umstand, dass aus den dazwischen liegenden Theilen Afrikas nahezu nichts bekannt ist, kann das Fehlen des Zusammenhangs sehr wohl erklären. Im südlichen Asien wurde sie angetroffen auf Ceylon, in Bengalen und Hinterindien, auf Malakka und Sumatra, mithin in Ländern, die mehr zusammenhängen. Es ist aber unbekannt, ob sie sich noch weiter nach Osten verbreitet und vielleicht auch in Austra- lien vorkommt. Bis jetzt hat man sie dort noch nicht gefunden. Oncopodoidae (Taf. 11, Karte IV, gelb). Diese kleine, aber wichtige und gut gekennzeichnete Familie hat eine sehr beschränkte Verbreitung. Sie ist aus Borneo, Sumatra, aus dem nahe dabei ge- legenen Singapore und der kleinen Insel Pinang in der Malakka- Strasse bekannt geworden. Die Arten dieser Familie sind alle kurz- beinige, träge Thiere, die meist unter Steinen gefunden werden und deren Lebensweise als eine sehr versteckte bezeichnet werden kann. Es ist also wahrscheinlich, dass nach wiederholtem Suchen eine grössere Anzahl dieser Formen zu unserer Kenntniss gelangen wird. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 97 Triaenonychoidae (Taf. 11, Karte IV, roth). In so fern stimmt diese Familie mit der vorigen überein, als unter derselben auch kurz- beinige, träge Thiere mit sehr versteckter Lebensweise gefunden werden. Sie haben ausserdem, wie die Troguliden, oft die Eigen- thümlichkeit, sich den ganzen Körper und die Beine mit Sand- oder Lehmkörnchen zu bedecken, so dass sie schwer von ihrer Umgebung zu unterscheiden sind. Kein Wunder also, dass wir aus dieser Ab- theilung nicht viele Thiere kennen. Sörensen hat die Familie für Opilioniden aus Australien und den Fidschi-Inseln aufgestellt, und später zeigte sich, dass in Süd-Afrika und Madagaskar verwandte Gattungen leben. Schon im Jahre 1886 erwähnt Sörensen aber, dass diese Familie auch in Chile vorkommt, und durch die Gefällig- keit des Verfassers weiss ich, dass er den Fund im Berliner Museum gemacht hat. Obgleich die Beschreibung dieser südamerikanischen Form noch nicht veröffentlicht ist, habe ich doch keinen Anstand ge- nommen, auf seine Autorität hin auch Chile mit einem rothen Punkt zu versehen ^). Der Vollständigkeit halber sind noch die Fundorte der im 1. Capitel besprochenen fossilen Meridogastra auf Taf. 11, Karte IV mit schwarzer P'arbe angegeben. Diese liegen in Nordamerika, in Kohlengruben von Nord- Arkansas und Illinois. Europa weist sie auf in Schlesien, Böhmen, Mähren und Mittel-England. Es ist ein hoffnungsloses Unternehmen, die Familie der Phalan- Qodidae in dem System unterzubringen. E. Simon vereinigte zu dieser Familie viele Gattungen, die, wie sich später herausstellte, nicht zusammengefasst werden können und die entweder (wie Oncopus) den Typus einer neuen Familie lieferten oder (wie die Gattungen Feretrius, Epedanus^ Sitalces, Mermerus und Maracandus) zu andern Familien gebracht werden mussten, wohin sie besser gehörten. So scheint denn allein die ursprüngliche Gattung Phalangodes in dieser Familie übrig zu bleiben. Aber auch diese Gattung, deren Typus, Phalangodes armata Tellkampf, ein junges und mithin nicht zu be- stimmendes Thier ist, hat eine ungewisse Stelle in der Systematik. 1) Sörensen, Opiliones Australiasiae, in: L. Koch, Die Arachniden Australiens, V. 2 (p. 1 des Sep.-Abdr.) : „Triaenonychoidae autem etiam e parte occidentali (Chile) Ämericae meridionalis cogno- scuntur". Zool. Jahrb. xni. Abth. f. Syst. 7 98 J. C. C. LOMAN, Es ist denn auch nicht zu verwundern, dass die Anzahl synonymer Gattungen hier auf fünf gestiegen ist ^). Mit Ausnahme einer einzigen Art, der PJialangodes australis Sör. aus Neu-Holland, hat man alle andern Arten dieser Gattung in Süd- Europa und Nord-Afrika oder im Süden Nordamerikas gefunden. Dabei ist bemerkenswerth, dass unter ihnen mehrere blinde, in Höhlen lebende Formen sind. Bevor wir eine gute Anatomie einer dieser Arten besitzen, lässt sich über die Verwandtschaft von Phalangodes nicht urtheilen, und wie bedeutend die Verbreitung auch scheine, trage ich doch Bedenken, unter den obwaltenden Umständen von solchen schwankenden Angaben Gebrauch zu machen. Mir ist die Geschichte dieser Familie, dieses „Werden und Vergehen", der beste Beweis, dass die Systematik, welche sich nicht auf eine vergleichende Anatomie stützt, stets leicht auf Irrwege führt und der Wissenschaft mehr schädlich als förder- lich ist. IV. Schliisswort. Wir wollen nunmehr zur Combination der in den vorigen Capiteln festgestellten Factoren schreiten. Oder mit andern Worten: Zu welchem Resultat kommen wir, wenn wir die einfachen Thatsachen der geographischen Verbreitung mit dem vergleichen, was uns Syste- matik und Bionomie gelehrt haben? Im ersten Capitel, wo die Systematik der verschiedenen Familien besprochen wurde, waren wir schliesslich genöthigt, sie auf drei Gruppen zu vertheilen, welche in- und auswendig scharf von einander geschieden sind. Wie verhalten sich diese drei Gruppen zu einander? Welche ist die älteste, welche die jüngste? Kann man ihre Entwicklung aus einem gemeinschaft- lichen Opilionidenstamm nachweisen? Das sind einige sehr nahe liegende Fragen. Wodurch müssen wir uns bei der Lösung dieser Fragen leiten lassen? Welchen Organsystemen dürfen wir bei diesen vergleichenden Betrachtungen Beweisgründe entnehmen ? Gewiss nicht allen in gleichem Maasse! Die den mannigfachsten Einflüssen ausgesetzte Leibes- 1) Phalangodes Tellkampf 1844, Acanthocheir Lucas 1860, Scoto- lemon Lucas 1860, Erebomaster Copb 1872 und Ptychosoma Sörensen 1873. üeber die geographische Verbreitung der Opilionideu. 99 bedeckuDg, die Gestalt des Körpers überhaupt, die Dicke des Chitin- skelets, die Grösse und die Bewaffnung der Mandibeln und Palpen, die Länge und Dicke der Beine und ihre relative Muskelkraft, die Anzahl und die Art der äussern Ansätze, wie Haare, Zähne, Dornen, Stacheln : alles das darf nicht benutzt werden, wo es gilt, von Einzel- heiten abgesehen, im Grossen und Ganzen den Zusammenhang der ünterabtheilungen dieser Ordnung zu erforschen. Sind doch alle diese Merkmale so wenig beständig, dass sie nicht nur in derselben Gattung manchmal grosse Abweichungen aufweisen, sondern sogar bei alten und jungen , bei männlichen und weiblichen Individuen ein und derselben Art. Unter den übrigen äusserlich sichtbaren Eigenschaften giebt es nur einzelne, die sehr constant sind und daher, wenn sie mit Vor- sicht verglichen werden, wohl einige Anhaltspunkte für die Systematik gewähren. Dies sind zunächst die ursprünglichen Segmente des Körpers, namentlich die des Rückens, deren vollständige oder theil- weise Verwachsung uns bei der Sichtung gute Dienste leisten kann. Weiter dürfen wir auch das sehr constante Verhältniss der End- klauen der Füsse benutzen. An der Bauchseite endlich stehen die Hüften der Beine bald ungefähr parallel hinter einander (ohne Zweifel der ursprüngliche Zustand), wodurch das dazwischen liegende Stern um lang und schmal ist; bald gehen sie dermaassen strahlenförmig aus einander, dass das Stern um sehr kurz, aber breiter ist. Diese äussere Eigenschaft hängt wieder mit der Entwicklung der Copula- tionsorgane aufs Engste zusammen ; denn wo diese nahezu ebenso lang sind wie der Körper, erfordern sie einen Platz zwischen den Hüften und verdrängen dabei das Stern um. Thiere mit einer ge- ringen Entwicklung der chitinösen Copulationswerkzeuge besitzen da- gegen ausnahmslos ein wohl entwickeltes, in die Länge gezogenes Sternum, und die Geschlechtsöfifnung liegt in Folge dessen viel weiter hinter dem Munde. Die dicken Hüften der hintersten Gliedmaassen bei den Gony- leptiden besitzen gewaltige Muskeln, welche wieder feste Ansatzpunkte innerhalb des Körpers bedingen und mit kräftigen Nervenstämmen versorgt werden müssen, während ein reich verästeltes Tracheensystem den grossen Sauerstoffbedarf deckt. So leuchtet es ein, wie der innere Körperbau manchmal eine Folge des äussern Zustandes ist, und dass man daher auch bei der 7* 100 J. C. C. LOMAN, Vergleichung der anatomischen Diiferenzen vorsichtig sein muss. Körpertheile, wie beispielsweise der Darmcanal und die Geschlechts- organe, welche nicht so sehr von äussern Difierenzen abhängig sind, haben für das Studium der Verwandtschaft grössere Bedeutung. Weil aber die ausführliche Erörterung der Resultate dieser vergleichenden Anatomie nicht in den Rahmen dieser Arbeit passt und den Inhalt der oben (S. 76) schon erwähnten Abhandlung bilden soll, so will ich auf all diese Fragen nicht weiter eingehen. In so fern muss aber hier auf diese Schrift Bezug genommen werden, als die Resultate die Staramesgeschichte unserer Opilioniden betreffen und bei Deduc- tionen über geographische Verbreitung unentbehrlich sind. Nach einer sorgfältigen kritischen Vergleichung der im 1. Capitel genannten Familien hinsichtlich ihres Körperbaues habe ich die Ueberzeugung gewonnen, dass der einfachste anatomische Bau bei den Oncopodoidae angetroffen wird. Zu verwundern ist es also nicht, dass unter allen jetzt lebenden Opilioniden gerade diese Familie am meisten an den fossilen Eoplirynus erinnert, wenn auch hierbei von einer Vergleichung der Innern Theile selbstverständlich keine Rede sein kann.' Mit diesen Oncopodoidae sind jedoch, wie wir oben (S. 78) gesehen haben, die andern Familien verwandt, die zusammen die grosse Unterordnung der Laniatores bilden. Diese Laniatores müssen also phylogenetisch sehr alt sein. Sie sind in mehreren Familien über die ganze Erde verbreitet, mit Ausnahme der ge- mässigten und der kalten Zone der nördlichen Erdhälfte ^). Indessen beweist das Vorkommen verwandter Fossilformen in Europa und Nordamerika, dass sie in früherer Zeit auch in diesen Gegenden ge- lebt haben. Es scheint mir gewagt, hier zugleich ihre Abstammung suchen zu wollen, da wir ja die Fossilien aus dem Carbon anderer Welttheile nicht genügend kennen , und so lange ist jeder Schluss voreilig. Obschon die Unterordnung der Insidiatores ihrer äussern Er- 1) Es ist hier der Ort, nochmals auf den hohen Werth des Studiums der Phalangodidae mit ihren blinden Höhlenbewohnern hin- zuweisen. Falls es durch den anatomischen Bau bestätigt wird, dass diese Familie zu den Laniatores gehört, so haben wir in ihr so gut wie sicher die letzten Vertreter einer in frühern Zeitaltern zahl- reichern, aber jetzt grossen Theils ausgestorbenen Opilioniden-Fauna jener Erdstriche zu sehen (siehe oben S. 96). Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 101 scheinung nach den Laniatores am nächsten steht, so ist sie durch ihren innern Bau doch deutlich von diesen verschieden. Einiges deutet auf einen einfachem Bau hin, anderes wieder auf eine höhere Orga- nisation, wie sie allgemein bei den Palpatores angetroffen wird, ohne dass man aber von einer Uebergangsform sprechen darf. Dies macht, dass ihre Stellung unsicher und ihr Alter schwer zu bestimmen ist. Auf Grund all dieser Differenzen kommt es mir als das Wahrschein- lichste vor, dass man in ihr einen Zweig des Opilionidenstammes zu sehen hat, der nur wenig älter i) als der der Laniatores ist, der sich aber in ganz anderer Richtung entwickelt hat. Nach ihrem Vor- kommen in Chile, Süd-Afrika und Süd-Australien zu urtheilen, hat diese Unterordnung zweifellos früher ein viel grösseres Verbreitungs- gebiet gehabt als jetzt, und ihr Vorhandensein in so weit von ein- ander entfernten Gegenden lässt sich schwerlich anders erklären als durch die Annahme einer vormaligen Länderverbindung, welche später unterbrochen wurde. Dass ebenfalls auf dem so viel nördlicher gelegenen Madagaskar und auf den Fidschi - Inseln in Polynesien Arten aus dieser Unterordnung leben, ist gewiss ein Umstand, der gegen diese Auffassung spricht. Allein diese Schwierigkeit verliert sehr an Gewicht, wenn wir bedenken, dass die Opiliones in Bezug auf geographische Verbreitung keineswegs solche günstige Objecte sind, wie z. B. echte Süsswasserfische oder einige Molluskengruppen, und ganz gewiss die Fähigkeit besitzen, sich über grosse Strecken zu verbreiten, falls die Umstände dafür günstig sind. Denn alsdann kann die Möglichkeit nicht in Abrede gestellt werden, dass beispiels- weise Madagaskar zur Zeit des Zusammenhangs mit dem Festland von hier aus mit diesen Thieren bevölkert worden ist und dass sich australische Formen in frühern Perioden bis über den Fidschi-Archipel verbreitet haben können. Indessen dürfen wir nicht vergessen : 1) dass die der Unterordnung der Insidiatores angehörenden Thiere selten sind, eine versteckte Lebensweise haben und die Anzahl der Funde bis heute gering ist; 2) dass es sich also im Laufe der Zeiten wahrscheinlich zeigen wird, dass sie an Orten vorkommen, von wo man sie bislang noch nicht kennt. 1) Oder jünger? Das ist nicht zu entscheiden. 102 J. C. C. LOMAN, Wenn es deshalb auch nicht zu erwarten steht, dass (um nur etwas anzuführen) neue Arten aus dieser Unterordnung in Florida, Algier oder Japan gefunden werden, so sind doch Süd-Afrika und vor allem Australien und Polynesien noch viel zu wenig bekannt, als dass wir zu dem Schluss berechtigt wären, dass sie nicht vorkommen in Gegenden, wo man sie bis jetzt noch nicht hat finden können. Wir müssen hier mit unserm Urtheil zurückhalten. An letzter Stelle nimmt die Unterordnung der Palpatores unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Zu ihr muss man die Familien der Nemastomidae, der Ischyropsalidae und der Phalangioidae rechnen. Da die Anatomie der zwei erstem nicht bekannt und daher über den Zusammenhang der drei Familien nichts zu sagen ist, so müssen wir uns auf die kurze Mittheilung beschränken, dass Nemastomidae und Ischyropsalidae nur in den Gebirgsgegenden des gemässigten Europas, Sibiriens und Nordamerikas gefunden werden und dass sie in den nörd- lichem Gegenden zu fehlen scheinen. Der Hauptbestand der Palpatores wird durch die Familie der Phalangioidae gebildet, welche zu den anatomisch bekanntesten ge- hört. Bei ihr ist zweifelsohne die phylogenetische Entwicklung am weitesten vorgeschritten. Der Darmcanal mit seinen sehr zahlreichen Blindsäcken, die Verschmelzung aller Segmente der Rückenseite, die grosse Gliederzahl am Tarsus der Füsse (zuweilen mehr als 70) so- wie der zusammengesetzte Bau der Fortpflanzungswerkzeuge liefern Beweise dafür. Trotz ihrer Verbreitung über den ganzen Erdboden kann diese Unterordnung also nur die jüngste von den drei sein. Jeder Forscher, der längere Zeit der Untersuchung einer be- stimmten Thiergruppe widmet und schliesslich eine Uebersicht des Ganzen gewonnen hat, wird dadurch, ob er will oder nicht, zu all- gemeinern Begriffen geführt, die gewissermaassen aus dem grossen Factenbestand seines Geistes herauskrystallisiren. Die so entstandene Auffassung kann aber nothwendig nur eine zeitliche sein, denn sowie unsere Kenntniss der Thatsachen sich ver- mehrt, geräth sie in Gefahr, modificirt oder sogar als unhaltbar auf- gegeben werden zu müssen. Und dennoch sind solche Betrachtungen allgemeiner Art nicht ganz ohne Nutzen, weil sie in einem bestimmten Augenblick den Stand unseres Wissens genau angeben und somit eine Grundlage zu neuern Fortschritten darstellen können. Ueber die geographische Verbreitung der Opilioniden. 103 Fassen wir alles bisher Erörterte zusammen, so gelangen wir zu folgendem Ergebniss: Die Ordnung der Opiliones wird durch drei Sub- ordines gebildet: Insidiatores, Laniatores und Palpatores, von denen die zwei ersternviel älter sind als derdritte. Welcher der allerälteste ist, muss aber dahingestellt bleiben, D i e Insidiatores findet man in den südlichsten Theilen der Erde, in Chile, Süd-Afrika und Süd-Australien, vermuthlich als Reste einer ehedem reichern Fauna. D i e Laniatores k 0 m m e n auch in diesen südlichen Län- dern vor, aber sie sind ausserdem nördlicher über alle Tropen bis in den subtropischen Gürtel der nördlichen Halbkugel verbreitet. D i e Palpatores endlich bewohnen gleich fallsdiesüd- lichsten Landspitzen, scheinen in den Tropen auf die höhern Gebirgsgegenden beschränkt zu sein, aber bilden in den subtropischen und gemässigten Gürteln der nördlichen Erdhälfte ausschliesslich die Opilio- nidenfauna, welche diese Gegenden kennzeichnet. Nach dem Nordpol zu nimmt endlich ihre Anzahl wieder in starkem Maasse ab. Es ist nicht leicht, für diese ausgedehnte Verbreitung eine be- friedigende Erklärung zu geben, um so mehr als gerade die letzte Unterordnung sicher die jüngste ist. Denn wie aus dem Bau, so geht dies ebenfalls hervor aus der Formeinheit, die in dieser Gruppe vorherrschend ist. Aus allen Erdstrichen sind ja eng verwandte Genera aus der nämlichen Familie bekannt geworden. Es hat hier die zur Bildung tief einschneidender Unterschiede nöthige Zeit ge- fehlt. Ganz anders verhalten sich die so viel altern Laniatores, Wie sehr ist der träge, kurzbeinige, so gut wie unbewaffnete und unter Steinen verborgene Oncopus aus Borneo von dem schnellen, langfüssigen , schwer bedornten und ungestümen Gonylepfes aus Brasilien verschieden! Und doch steht fest, dass beide Aeste eines Stammes sind ! Dass die Palpatores zwischen den Wendekreisen vornehmlich im 1Q4 LOMAN, Die geographische Verbreitung der Opilioniden. Gebirge leben, scheint mir erklärlich zu werden, wenn man die That- sache bedenkt, dass auch hier Spuren einer Glacialperiode an vielen Stellen zu Tage treten. Damals war die mittlere Jahrestemperatur selbstverständlich um vieles niedriger als jetzt, und es müssen unsern Thieren zusagende Lebensbedingungen existirt haben. Als später das Klima ein heisseres wurde, sind viele Arten verdrängt worden oder ausgestorben, und nur in den kühlem Gebirgsgegenden konnte eine Opilionidenfauna auch weiterhin bestehen bleiben. Frommannsche Buchdriickerei (Hermann Pohle) in Jena, — 2009 Nachdruck verhüten. üeber setzungsrecht vorbehalten , Die Duftschuppen der Gattung Lycaena, auf ihre Phylogenie hin untersucht. Von Dr. Franz Köhler in Altenburg (S.-A.). (Aus dem Zoologischen Institut der Universität Freiburg i. B.). Hierzu Tafel 12—14. Von den secundären Sexualcharakteren der Schmetterlinge haben in den letzten Jahrzehnten die Duftschuppen, welche sich auf den Flügeln , selten an den Beinen oder andern Stellen, vieler männlicher Tagfalter finden, öfter das Interesse der Forscher erregt. Besonders wurde ihre äussere Form und ihre Stellung auf den Flügeln be- schrieben, zum Theil auch über ihre biologische Bedeutung discutirt, aber ihre Phylogenese, die Frage, wo sie eigentlich hergekommen sind, ist bis jetzt noch nicht näher berührt worden. Zum ersten Male .wurden sie im Jahre 1825 von einem Fran- zosen, Baillif, bei Pieris rapae entdeckt, und er nannte sie „plu- mules"; da er sie aber nicht bei allen Individuen fand, hielt er sie für blosse zufällige Missbildungen. Jedoch sein Landsmann, Bern- hard Deschamps, welchem er seine Entdeckung mitgetheilt hatte, zeigte bald, dass es sich nicht um zufällige Erscheinungen handle, sondern dass das Auftreten dieser Gebilde bei vielen Arten, und zwar nur bei den SS, ein ganz constantes sei. Er fand sie in den ver- schiedensten Gestalten, wie er sie auch abgebildet hat, bei nicht weniger als 36 in Frankreich vorkommenden Arten, über welche Studien er im Jahre 1835 eine Arbeit veröffentlichte. Damit waren die Untersuchungen auf diesem Gebiet für eine lange Zeit abgeschlossen, und erst im Jahre 1865 griff sie der Engländer John Watson wieder auf, welcher eine grosse Anzahl Arten von Weisslingen mit Erfolg untersuchte; 3 Jahre später wies er in einer Arbeit auf ihr Vor- kommen bei den Lycäniden hin und gab eine Reihe von Abbildungen. Zoul. Jahrb. iUl. Abth. f. Syst. 8 106 FRANZ KÖHLER, Eine grössere Abhandlung aber, die vor allen Dingen dadurch von Interesse war, dass in ihr zum ersten Male auf die Bedeutung dieser Schuppen hingewiesen wurde, erschien im Jahre 1877 von Fritz Müller, „üeber Haarpinsel, Filzflecke und ähnliche Gebilde bei männlichen Schmetterlingen" ; er untersuchte darauf hin viele brasilianische Tag- falterarten und konnte bei manchen an der Stelle, wo die betreffenden Schuppen standen , einen deutlich wahrnehmbaren Duft constatiren ; auch seine Kinder zog er in dieser Frage zu Rathe, und sie zeigten immer auf die fragliche Stelle, welcher der Duft entströmen sollte. Fritz Müller hielt diesen Duft für ein geschlechtliches Reizmittel. Wo sollte aber der Duft herkommen? War man doch allgemein der Ansicht, dass die Flügelbildungszellen nach der Ausbildung des Flügels zu Grunde gingen , weshalb höchstens in den am Leben bleibenden Adern noch drüsige Elemente vorhanden sein konnten, welche im Stande gewesen wären, ein ätherisches Oel zu secerniren, was aber keine Erklärung sein konnte für das Vorhandensein der Duftschuppen, welche über die ganzen Flügel verbreitet sind und nicht bloss an und auf den Adern sitzen. Da erklärte kurz nach dem Er- scheinen der MüLLER'schen Arbeit Weismann die alte Ansicht von dem gänzHchen Zugrundegehen der Flügelbildungszellen für irrig und zeigte, dass im fertigen Flügel, wenn auch nicht alle, so doch eine grosse Menge von Zellen noch am Leben bleiben, welche in mehr oder minder dichten Querreihen unter den Schuppenreihen hinziehen. Somit ist eine Secretion der lebenden Zellen sehr wohl möglich, während die Schuppen nur als Leitungsapparat dienen. Um sich von dem Duft zu überzeugen, wies Weismann auch auf ein einfaches Experiment hin, welches sich leicht bei einem unserer einheimischen Schmetterlinge, dem kleinen Weissling, Pieris napi, anstellen lässt. „Man braucht nur mit dem Finger über den Flügel des lebenden Thieres zu wischen und wird dann am Finger einen starken, ange- nehmen und würzigen Duft wahrnehmen, welcher etwa mit Citronen- oder Melissenäther vergleichbar ist; die nächstverwandte Art, Pieris rapae, duftet auch wahrnehmbar, aber weit schwächer und anders der Qualität nach." Schilde vergleicht den Duft von Oeneis norna mit dem einer feinsten Centifolienrose. Weitere genauere Untersuchungen über das Vorkommen und die Form der Duftschuppen wurden einige Jahre später von Aurivillius angestellt, welcher die in Schweden vorkommenden Tagfalterarten Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. 107 darauf hin besonders untersuchte ; auch er konnte sie nur bei den SS finden, und da er ihren Werth als Duftapparate bezweifelte, so nannte er sie Männchenschuppen; er war eher geneigt, sie für Sinnesorgane zu halten. Er giebt eine grosse Anzahl genauer Abbilduugeu und trifft nach ihrer Form eine Eintheilung, die ich hier kurz anführen will, um damit auf die verschiedene Gestalt dieser Gebilde hinzu- weisen. AuRiviLLius theilt die Duftschuppen ein in: 1) Federbuschschuppen , die an der Spitze mit einem Büschel kleiner, feiner Borsten enden; sie sind entweder pigraentirt und auf grössere oder kleinere Flecke der Vorderflügel beschränkt, wie bei Nymphaliden und Satyriden; oder sie sind nicht pigmentirt und über den grössern Theil der Vorderflügel und Hinterflügel verbreitet, wie bei Pieriden, 2) Spitzschuppen, an der Spitze in ein ungetheiltes Haar aus- laufend, wie bei Hesperiden, auch exotischen Papilioniden. 3) Haarschuppen, gleich breit, mit stumpfer, etwas ausgebreiteter Spitze, wie bei einigen Lycäniden, und einer etwas andern Form bei einer Hesperiden- Art, Thanaos tages. 4) Gliederschuppen, gegliedert und dicht zusammengedrängt, wie bei Pamphila comma. 5) Fächerschuppen, lang und schmal, an der Spitze aber in eine gerundete, stark gestreifte Scheibe ausgebreitet, wie bei Argynnis paphia und Pamphila sylvanus. 6) Blasenschuppen, klein, mehr oder weniger birnförmig, über die Vorder- und Hinterflügel verbreitet, wie bei den Lycäniden. 7) Punktschuppen, den andern Schuppen sehr ähnlich, aber ganz- randig, mit feiner Sculptur, wie bei den T^ecZa-Arten an der Vorder- ecke der Mittelzelle, Nach AuRiviLLius ist im Jahre 1888 noch eine Arbeit von E. Haase über Duftapparate indisch-australischer Schmetterlinge er- schienen, der uns ebenfalls eine grosse Fülle von verschiedenen Formen kennen lehrt. Wenden wir uns nun zu den Duftschuppen der Lycäniden, und zwar speciell zu denen der Gattung Lycaena. Da, wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, hinreichende Untersuchungen über Vorkommen und Gestalt der Duftschuppen im Allgemeinen angestellt sind, so musste es nun von Interesse sein zu versuchen, ob sich nicht irgend welche Anhaltspunkte finden liessen, 8* 108 FRANZ KÖHLER, um ihre Herkunft zu erschliessen. Es stellten sich hier verschiedene Fragen, vor allem die, ob die Duftschuppen etwa mit andern auf den Flügeln schon vorhandenen Schuppenformen in genetische Beziehung gebracht werden können ; dann weiter die Frage, ob die Duftschuppen- bildung bei den Lpcaena-krten ein schon abgeschlossener Vorgang ist oder ein noch im Gange befindlicher, ob wir also im einzelnen Falle ein Vor- oder Rückschreiten der Duftschuppenbildung nach- weisen können, und Anderes mehr. Bevor ich aber diese Fragen zu beantworten versuche, sei mir an dieser Stelle gestattet, meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Geheim - Rath Weismann für die Hinleitung auf dieses Thema meinen warmen Dank auszusprechen. Auch seinem Assistenten, Herrn Prof. Hacker, danke ich herzlich für die Rathschläge, mit denen er mich unter- stützt hat. Ich untersuchte HO verschiedene, aus allen Erdtheilen stammende Arten der weit verbreiteten Gattung Lycaena. Sehen wir uns nun die Oberseite eines Flügels an, welche allein die Duftschuppen trägt, so stehen sämmtliche Schuppen in dichten Querreihen , die sich dachziegelartig decken (Taf. 14) ; es sind typische Rhopalocerenschuppen, wie sie von Schneider bezeichnet worden sind, d. h. sie haben an der Basis eine Einbuchtung (Sinus), in welcher der Stiel sitzt, während den Schuppen der Heteroceren dieses Merkmal fehlt (Taf. 14, Fig. 3 u. 4). Es lassen sich auf der ganzen Flügelfläche, mit Ausnahme der nächsten Umgebung der Flügelwurzel, deutlich differenzirte Grund- (Stützschuppen, Spuler) und Deckschuppen unterscheiden; die Grundschuppen zeigen bei allen Arten ungefähr die gleiche Gestalt und braune Farbe, die Deck- schuppen dagegen unterscheiden sich nicht bloss häufig durch ihre Farbe, sondern auch durch ihre Form (Taf. 14, Fig. 5—8). Bekannt- lich wird die Farbe der Flügel in erster Linie durch die Deckschuppen bedingt; und da viele Lycaena- kviaxi nicht einfarbig, sondern auch gesprenkelt, wie diejenigen mit blauem Anflug, oder auch gescheckt sind, wie die tropischen Arten L. calice, L. rosimon, L. elna, L. marina, so kommen oft zweierlei gefärbte oder auch verschieden geformte Deckschuppen auf demselben Flügel vor. Während die braunen, gelben, rothen, weissen und schwarzen Deckschuppen ungefähr gleich lang und mit Zacken (Processus) versehen sind, so zeigen die blauen, die sich oÖenbar aus andern umwandeln, indem sie eine andere und feinere Striictur annehmen, eine vollständig abgerundete Form. Grund- Die Duftschuppen der Gattung Lycaena, 109 und Deckschuppen stehen zusammen in einer Reihe, indem zwischen zwei Grundschuppenbälge sich immer der Balg einer Deckschuppe einschiebt (Taf. 14, Fig. 1 u, 2, Reihe 6) ; die braunen Deckschuppen bedecken zwar die darunter liegenden Grundschuppen nicht ganz, wie das bei den blauen der Fall ist (Taf. 14, Fig. 5, 7, 8), jedoch wird das durch ihre Länge wieder ausgeglichen, da die Schuppen der folgenden Reihe sich mit über die unbedeckten Stellen der vorher- gehenden Reihe legen (Taf. 14, Fig. 2, Reihe 2 u. 3). Am äussersten Rande befinden sich die langen Fransenschuppen, welche eine ver- schiedene Länge haben (Taf. 14, Fig. 7, Reihe 17). Ferner finden wir, ebenfalls bei allen Individuen, Männchen wie Weibchen, nächst den Flügelrändern Schuppen, die wir als kurz haarförmig bezeichnen wollen zum Unterschied von den lang haarförmigen, die sich bei den Männchen vieler Arten hauptsächlich nach der Flügelwurzel zu finden und die nicht mit den langen, mit blossem Auge deutlich sichtbaren Haaren zu verwechseln sind, welche besonders au der Flügelwurzel der Hinterflügel sehr zahlreich auftreten und sich da über die ganzen Zellen 1 a u. b erstrecken. Die kurz haarförmigen Schuppen sind viel schmäler als die Normalschuppen und stehen nicht genau mit in den Reihen derselben, sondern bilden immer eine dicht daneben ver- laufende und wurzelwärts von ihnen stehende, weniger dichte Reihe für sich (Taf. 14, Fig. 1, 2, 5, 6, 8, Reihe 10); es verlaufen also an den Flügelrändern mehr oder weniger deutliche Doppelreihen von Schuppen ; geht man ungefähr 2 mm vom Rande weiter nach innen, so verlaufen bei allen Weibchen bis an die Flügelwurzel nur einfache Reihen (Taf. 14, Fig. 2 u. 6, Reihe 1—8), was auch bei den Männ- chen einer Anzahl von Arten, z. B. L. agestis (Taf. 14, Fig. 1) der Fall ist. Endlich finden sich bei zahlreichen Arten auf den Flügeln der Männchen Duftschuppen, die ich, obwohl sie zum Theil schon früher abgebildet wurden, hier von 78 Arten auf den Tafeln 12 u. 13 dar- gestellt und in der Reihenfolge angeordnet habe, in welcher weiter hinten die untersuchten Arten aufgeführt sind. Mit dem bis jetzt wohl noch nicht vollständig erkannten feinsten Bau dieser Schuppen habe ich mich nicht befasst; die äussere Form derselben ist meistens lautenförmig, sie stecken mit einem mehr oder weniger langen Stiel in dem Schuppenhalter und zeigen fast parallele Reihen von Längscanälen, auf welchen kleine, rundliche, in Abständen stehende Figuren, die nach einem englischen Forscher, John Anthony, kleine, gestielte Bläschen sein sollen, eine Tüpfelung der Schuppe 110 FRANZ KÖHLER, hervorrufen. Häufig scheinen die Längscanäle unterbrochen oder sind durch Querbrücken mit einander verbunden, so dass mau oft ein ganzes Netzwerk von Canälen erblickt (Taf. 12, Fig. 3 u. 41). Ganz abweichend von den übrigen Formen smd, wie schon Andere gesehen haben, die Duftschuppen von L. baetica Horsf., welche die charak- teristische Tüpfelung nicht zeigen (Taf. 13, Fig. 78). Auch bei L. thius fand ich dieselbe nicht (Taf. 12, Fig. 76 a, b, c), vielmehr nur die Längsstreifung, ähnlich der auf gewöhnlichen Schuppen. An welchen Stellen des Flügels stehen nun die Duftschuppen, und in welche Beziehungen lassen sie sich wohl mit andern auf den Flügeln bereits vorhandenen Schuppeuformen bringen ? Wie die übrigen Schuppen des Flügels stehen hier auch die Duftschuppen in regelmässigen Querreihen, und unter ihnen befinden sich, was auch Aurivillius beobachtet hat, bei vielen Arten lang haarförmige Schuppen, die bei den verschiedenen Arten eine verschiedene Grösse besitzen ; Taf. 13, Fig. 79 ist eine solche Schuppe von L. argus L. dargestellt; bei L. menalcus, welcher auf dem Vorderflügel gegen die Wurzel zu einen deutlich sichtbaren Haarpelz zeigt, sind sie noch einmal so lang; bei L. hyrcana Led. sind sie bedeutend kleiner. Ausser bei diesen genannten Arten finden sie sich noch bei L. pheretes Hb., L. eros 0., L. cyUarus Rott., L. icarius Esp., L. liylas Esp., L. alexis S. V., L. diimon Schiff., L. admetus var. ripperti\ sie finden sich auch noch bei einer Anzahl anderer Arten, aber diese Beispiele dürften genügen, um ihr Vorkommen als kein seltenes an- zusehen. Ihre Verbreitung auf den Flügeln ist keine gleichmässige: wie die Duftschuppen stehen auch sie nur auf der Oberseite der Flügel; am zahlreichsten finden sie sich nach der Flügelwurzel zu, vereinzelt im Flügelcentrum, wo sie auch oft ganz fehlen, und wo an ihrer Stelle dicht gedrängt die Duftschuppen stehen, während diese wiederum nach den Flügelrändern zu an Zahl abnehmen und von den oben erwähnten kurz haarförmigen Schuppen verdrängt werden. Diese Verhältnisse sind auf Taf. 14, Fig. 7 dargestellt. Da es hier unmöglich ist, diese Dinge auf einem ganzen Flügel zu veran- schaulichen, denn bei dieser Vergrösserung würde der Flügel ungefähr 1,20 m lang und 0,70 m breit werden, so habe ich aus verschiedenen Regionen des Flügels, in diesem Falle von L. menalcus, typische Reihen herausgegriffen und zusammengestellt. Bei allen Arten, welche Duftschuppen besitzen, sieht man auf den entschuppten Flügeln fast über die ganze Oberfläche ziemlich regelmässige Doppelreihen von Schuppenbälgen verlaufen ; nur einfache Reihen finden sich an der Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. iW Wurzel der Vorder- und Hinterflügel, und ausserdem in den Zellen 1 a u. b und 2 der Hinterflügel, wo die langen Haare stehen, welche bei beiden Geschlechtern leicht zu erkennen sind; auf dem sogen. Haftfeld der Hinterflügel stehen die Schuppen überhaupt nicht in Reihen . Betrachten wir nun Fig. 7, Taf. 14 im Einzelnen, so stellen die Doppelreihen 1—7 die Verhältnisse dar, wie sie sich von der Nähe der Flügel Wurzel an in distaler Richtung bis ungefähr in die Mitte des Flügels vorfinden. Der Kürze halber sind die der Flügelwurzel zunächst stehenden Hälften der Doppelreihen mit „A", die andern, dem Aussenrand zunächst stehenden mit „B" bezeichnet. In der Doppelreihe „1" unterscheidet sich A von B leicht durch die Grösse der Schuppenbälge, welche bei dieser Vergrösserung natürlich nur schematisch dargestellt werden konnten, aber von Spuler sehr genau abgebildet und beschrieben worden sind. In den grossen, breiten Bälgen stecken mit breiter Basis die lang haarförmigen Schuppen, wie das in der Reiiie 2 A gezeigt ist; während sich aber in 1 A nur diese breiten Schuppenbälge befinden, treten in 2A bereits auch kleine auf, in welchen Duftschuppen stecken; daneben taucht hier und da eine mehr oder weniger lange Schuppenform auf, welche die Structur der lang haarförmigen Schuppen aufweist, aber breiter und kürzer ist, wie in 2 A einige zusammengestellt sind. In den B-Reihen stehen immer die braunen Grundschuppen, welche von den hier bei L. me- nalcus bläulichen Deckschuppen vollständig bedeckt werden ; die Bälge sind hier gleich; in Reihe 12 sind die Deckschuppen nicht alle ge- zeichnet, so dass die Grundschuppen blossliegen. Je weiter man nun von der Flügelwurzel nach innen geht, werden, wie in Reihe 4—7 gezeigt, in den A-Reihen die grossen, breiten Schuppenbälge immer seltner, während die Zahl der Duftschuppen- bälge zunimmt ; schliesslich verschwinden die langen Haarschuppen ganz, und in den A-Reihen stehen nur Duftschuppen, welche von den Deckschuppen der von ihnen aus wurzelwärts stehenden Doppelreihe bis zur Hälfte bedeckt werden und auf diese Weise geschützt sind (Reihe 8 und 9). Nähert man sich nun vom Flügelcentrum aus mehr dem Flügelrande, so fallen io den Duftschuppenreihen hier und da einzelne Schuppen von verschiedener Grösse auf, die mehr oder weniger Aehnlichkeit mit Duftschuppen haben und zum Theil eine deutliche, wenn auch nicht stark ausgeprägte Tüpfelung zeigen ; zum Theil ist das auch nicht der Fall, und dann gleichen sie in ihrer Form eher den kurz haarförmigen Schuppen, zeigen aber nur undeutliche 112 FRANZ KÖHLER, Zackeü (Processus). Von da aus nach dem Flügelrande zu werden die Duftschuppen immer seltner (Reihe 11), bis schliesslich nur noch kurz haarförmige in den A-Reihen zu finden sind (Reihe 14). Am äussersten Rand stehen die langen Fransenschuppen, welche an ihrer Basis in eine stumpfe Spitze auslaufen. Noch bei verschiedenen andern Arten finden sich dieselben Ver- hältnisse, so bei L. alexis S (Taf. 14, Fig. 5) und L. damon $ (Taf. 14, Fig. 8); es stehen in den A-Reihen Duftschuppen, lang und kurz haarförmige Schuppen sowie alle möglichen Zwischenformen von Schuppen, die bald den Duftschuppen ähnlich sind, bald den lang und kurz haarförmigen Schuppen, die man wohl als üebergangsschuppen bezeichnen kann. Besonders häufig und deutlich treten sie bei L. damon und L. crschofß hervor. Wenn man auf einem in Canadabalsam eingelegten Flügel die Schuppenreihen einzeln durchsieht, fallen einem an verschiedenen Stellen unter den Duftschuppen manche auf, welche wohl weiter nichts sind als üebergangsschuppen zwischen Duftschuppen und haarförmigen Schuppen ; die einen von diesen Üebergangsschuppen sind mehr oder weniger lang gestreckt und zeigen die Structur der haarförmigen Schuppen, die andern gleichen in verschiedenen Grössen den Duft- schuppen, indem bei ihnen eine mehr oder weniger deutliche Tüpfe- lung wahrnehmbar ist. Auf Taf. 12 sind neben echten Duftschuppen verschiedene üeber- gangsschuppen dargestellt; Fig. 33 a ist eine Duftschuppe von L. astraea, daneben Fig. 33 b ist eine Uebergangsform, auf welcher be- reits eine Tüpfelung angedeutet ist ; Fig. 34 a ist eine Duftschuppe von L. donzelii, b und c sind üebergangsformen, ebenso Fig. 38 a und b, Fig. 75 a, b, c und Fig. 76 a, b, c. Man könnte nun wohl geneigt sein zu glauben, es lägen hier Verhältnisse vor wie bei einer Nymphaliden-Art, Argynnis 2)cq)hia L., bei welcher unter den Duftschuppen noch eine andere eigen thünilich geformte Art von Schuppen steht, von Aurivillius „Stützschuppen'' genannt, die jeden Falls einem ganz besondern Zweck dienen. Das dürfte jedoch hier deshalb nicht der Fall sein, weil die hier in Rede stehenden Schuppen keine bestimmte Form haben, sondern in ihrer Grösse und Gestalt bedeutend schwanken, und zweitens, weil sie nicht in bestimmter Anordnung vorkommen, sondern ganz regellos und ver- einzelt auftreten. Auch könnte man sie für Schuppen halten, die ihre normale Ausbildung nur zufällig nicht erlangt hätten, dass es viel- leicht der Schuppenmutterzelle an Bildungsmaterial gefehlt hätte, Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. 113 denn aus den Untersuchungen Semper's über die Entwicklung der Lepidopterenflügel in der Puppe geht hervor, dass nicht alle Schuppen des ganzen Flügels mit einem Male entstehen, sondern sich nach einander bilden, dass oft die verschiedensten Stadien der Schuppen- bildung bei einander sind, was aber dadurch wieder ausgeglichen wird, dass das Wachsthum der Schuppen in spätem Stadien bedeutend langsamer ist als in frühern. Es wäre also denkbar, dass einzelne Schuppen im VA'achsthum zufällig zurückgeblieben wären. In diesem Falle aber ist auch dies nicht wahrscheinlich, da sich gerade diese üebergangsschuppen nur in den Reihen der Duftschuppen, also nur in den A-Reiheu, finden, und ähnliche Gebilde in den Reihen der gewöhnlichen Schuppen, also in den B-Reihen, beim Männchen wie beim Weibchen nicht vorkommen. Man muss hier vielmehr an- nehmen, dass diese üebergangsschuppen die Tendenz haben, sich nach irgend einer Richtung hin umzubilden. Auch die Befunde bei L. an- teros deuten auf eine Umwandlung von Schuppen hin. L. anteros hat, wenigstens die von mir untersuchten Exemplare, noch keine charak- teristisch getüpfelten Duftschuppen , aber ähnliche Gebilde ; die Schuppen sind hier, wie bei solchen Arten, welche Duftschuppen be- sitzen, in Doppelreihen angeordnet, und bei genauer Betrachtung findet man in den A-Reihen Schuppen von der verschiedensten Grösse, welche einen mehr oder weniger lang ausgezogenen Stiel haben, ähn- lich dem der Duftschuppen. Taf. 14, Fig. 9 sind die eben erwähnten Schuppen „a" von den normalen Grund- und Deckschuppen „b" und „c" leicht zu unterscheiden. Noch bei vielen andern Arten, bei denen die Duftschuppen nicht über die ganzen Flügel verbreitet sind, finden sich Üebergangsschuppen, wie bei L. torgonta, L. thius^ L. adonis dberr. ceronus $, L. er- schofß. Bei L. haetica sind Uebergänge vorhanden von der abge- bildeten Form (Taf. 13, Fig. 78) bis zu solchen von doppelter Grösse, welche dann in eine feine, haarförmige Spitze auslaufen. Aus diesen Thatsachen kann man schliessen, dass einmal ein Umwaudlungsprocess stattgefunden hat oder vielleicht auch noch stattfindet, welcher nur die in den A-Reihen zusammen vorkommenden Duftschuppen und lang und kurz haarförmigen Schuppen betreffen kann. Auch die mehr oder weniger dichte Stellung der Duftschuppen bei den verschiedenen Arten weist auf den Zusammenhang mit den andern in ihren Reihen stehenden Schuppen hin. Denn bei L. menalcus (Taf. 14, Fig. 7), bei dem die langen, deutlich sichtbaren Haar- schuppen dicht neben einander stehen, zeigen auch die Duftschuppen 114 FRANZ KÖHLER, dieselbe dichte Stellung da, wo keine Haarschuppen mehr stehen : dasselbe gilt für viele andere Arten ; besonders auttällig ist es bei L. admetus var. rippertii^ bei welcher die Haarschuppen an der Flügelwurzel und nach dem Vorderrande des Vorderüügels zu eine weite Verbreitung zeigen, wohin auch die Duftschuppen reichen. Bei L. erschofß dagegen stehen die Schuppen in den A-Reihen, welche hier kurz haarförraig sind, bedeutend dünner, und diese geringe Dichte weisen auch die Duftschuppen auf. Ebenso war es bei L. argus, Sutschou, einer Localrasse, bei welcher die Duftschuppen dieselbe dichte Stellung zeigten, wie die langhaarförmigen Schuppen; es fanden sich hier auch viele Uebergangsschuppen. Bei einer andern Local- rasse, L. argus, Nasik, waren die Duftschuppen zwar über die ganzen Flügel verbreitet, standen aber in den Reihen in ziemlich weiten Ab- ständen von einander; Haarschuppen und üebergangsformen waren nicht vorhanden. Man sollte meinen, da sich doch ein Umwandlungsprocess zwischen den Duftschuppen und den haarförmigen Schuppen feststellen liess, es müssten noch um so mehr Haarschuppen auf den Flügeln stehen, je weniger Duftschuppen vorhanden sind und umgekehrt, was doch bei diesen eben erwähnten Localrassen von L. argus nicht zutrifft. Doch darüber werde ich weiter unten zu entscheiden suchen. Im Folgenden will ich erst die weitere Frage zu beantworten versuchen, ob die Duftschuppeubilduug im Vor- oder im Rückschreiten begriffen ist. Oft ist es ja schwer, in dieser Hinsicht über secundäre Sexual- charaktere eufigültig zu entscheiden, da sich ein directer Beweis nicht so leicht beibringen lässt. Wenn man auch in manchen Fällen die Paläontologie und das biogenetische Grundgesetz nicht vergebens um Rath fragt, so ist man doch oft gezwungen, in den gegenwärtigen Verhältnissen eine Erklärung zu suchen, was sich auch bei der vor- liegenden Frage nöthig macht, die sich, wie ich glaube, doch mit einiger Bestimmtheit entscheiden lässt. Zunächst wollen wir uns an der Hand einiger schematischer Zeichnungen etwas über die Verbreitung der Duftschuppen bei ver- schiedenen Arten orientiren. Auf Taf. 13, Fig. 1 a und b sind die Verhältnisse von L. eros dargestellt. Durch die punktirten Linien sind die Querreihen der Duftschuppen angedeutet und in jeder Zelle die genauem Zahlen angegeben. Die Reiben der andern Schuppen konnten bei dieser Vergrösserung des Flügels nicht eingezeichnet Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. Jl5 werden, da die Abstände von einer Doppelreihe zur andern nur 'Vi mm betragen müssten, wodurch das Bild vollständig undeut- lich werden würde. Wie die Vorderflügel im Allgemeinen eine stärkere Beschuppung zeigen als die Hinterflügel, so stehen auch die Duftschuppeu da be- deutend dichter und über die Fläche weiter verbreitet als auf den Hiuterflügeln ; im Centrum stehen sie am zahlreichsten und nehmen nach der Flügelwurzel und den Rändern zu an Zahl ab, was durch eine spärlichere Punktirung angedeutet ist. Im Fiügelcentrum stehen hier bei L. eros nur Duftschuppen in den A-Reihen, während da, wo sie an Zahl abnehmen, lang und kurz haarförmige Schuppen in ihren Reihen auftreten. Fig. 3, 4, 5, 6 zeigen die Verbreitung bei 4 weitem verschiedenen Arten. In Fig. 3 sind die Verhältnisse dar- gestellt, wie ich sie bei einem Exemplar von L. erschoffi vorfand, von welcher Art ich 6 weitere Stück untersuchte, welche in Bezug auf die Anzahl und Verbreitung der Duftschuppen alle ein verschie- denes Verhalten zeigten, wie dies in den Figuren auf S. 116 u. 117 genauer veranschaulicht ist. Die Figuren stellen immer dasselbe Stück des rechten Hinter- flügels, ein Stück der Mittelzelle, die Basis der Zelle 7 und der Zelle 8, von 6 verschiedenen Exemplaren von L. erschoffi dar ; die Verbreitung der Duftschuppen der Hinterflügel ist nur auf diese Stellen beschränkt, so dass alle Duftschuppeu, die im einzelnen Falle vorhanden waren, eingezeichnet werden konnten. Die schraffirten Schuppen sind verschiedene Grössen von llebergangsschuppen, welche auf in Canadabalsam eingelegten Flügeln deutlich zu erkennen und pigmentirt sind wie die andern Schuppen ; die wirklichen Duftschuppen sind nur in ihren Umrissen gezeichnet; sie sind unpigmentirt und zeigen auch die den Duftschuppen der Lycaena- ArtQü charakteristische Tüpfelung, welche hier bei der Kleinheit der Schuppen nicht ange- geben ist, um sie besser aus den llebergangsschuppen hervortreten zu lassen. In den Figg. 1—3 sind fast nur llebergangsschuppen und nur ganz wenig Duftschuppen vorhanden ; in diesen Fällen waren auf den Vorderflügeln keine vorhanden. Fig. 4 enthält eine einzige echte Duftschuppe, dagegen eine grosse Anzahl von llebergangsschuppen in verschiedener Grösse, von denen manche eine mehr oder weniger deutliche Tüpfelung zeigten; in den Figg. 5 und 6 sehen wir aber neben den llebergangsschuppen eine grosse Anzahl von Duftschuppen, die hier auch auf den Vorder- 116 FRANZ KÖHLER, flügeln zu finden waren, und zwar an der Basis der Zellen 3, 4 und 7. Bei diesen Exemplaren konnte ich auch ein verschiedenes Variiren der rechten und linken Plügel feststellen, indem auf der einen Seite mehr Uebergangsschuppen vorhanden waren als auf der andern. Taf. 13, Fig. 4 ist weiter die Verbreitung der Duftschuppen bei L. damon angedeutet, und Fig. 5 von L. admetus var. ripperii; in beiden Fällen erreichen die Duftschuppen die Flügelränder nicht ganz, aber bei L. admetus eher als bei L. damon; es fanden sich hier lang und kurz haarförmige Schuppen und zahlreiche Uebergangsformen in Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. 117 den Duftschuppenreihen , besonders nach den Aussenrändern der Flügel zu. Fig. 6 zeigt die grösste Verbreitung , wie ich sie bei L. teli- canus und L. hadarpa fand; üebergangsschuppeu konnte ich hier nicht finden ; ganz am äussersten Flügelrande stehen einige Reihen von kurz haarförmigen Schuppen. 118 FRANZ KÖHLER, Taf. 13, Fig. 2 ist der dritte Theil der Zelle 5 von L. Icadarpa, vom Rande aus dargestellt, es sind nur die Duftschuppen gezeichnet. Es kommen also in der Verbreitung der Duftschuppen nicht nur Verschiedenheiten bei verschiedenen Arten vor, sondern auch Schwankungen bei verschiedenen Individuen derselben Art, wie die 6 Fälle von L. erschoffi beweisen. Da es nun eine ganze Anzahl von Arten giebt, die keine Duft- schuppen besitzen, so fragt es sich, ob hier die Duftschuppen bereits wieder verschwunden sind oder überhaupt noch nie da waren. Wenn wir annehmen, dass die Männchen dieser Arten dieselben verloren haben, so könnte das auf zweierlei Weise geschehen sein; sie könnten einfach in Wegfall gekommen sein, oder sie könnten sich in andere Schuppen umgewandelt haben. Wären sie einfach weggefallen, so müssten bei denjenigen Arten, bei welchen die Duftschuppen nicht über die ganzen Flügel, sondern nur über eine mehr oder weniger grosse Fläche derselben verbreitet sind, an denjenigen Stellen, wo keine Duftschuppen stehen, nur einfache Schuppenreihen verlaufen, wie das bei den duftschuppenlosen Arten der Fall ist. Ferner dürften sich in den Duftschuppenreihen keine grössern, den Duftschuppen deutlich ähnlichen Uebergangsformen finden. Da aber beides nicht zutritft, sondern da sich bei allen Arten, bei denen die Duftschuppeu nicht dicht bis an den Aussenrand der Flügel stehen, Uebergangsformen und wirklich ausgebildete Schuppen, nämlich die lang und kurz haarförmigen, in den Reihen der Duft- schuppen finden, so können die Duftschuppen nicht einfach ausfallen, sondern müssten sich in andere Schuppen umwandeln. Wenn dem aber so wäre, müssten die duftschuppenlosen Arten auf denjenigen Stellen der Flügel, an welchen bei andern Arten Duftschuppen stehen, ebenfalls Doppelreihen von Schuppen aufweisen. Und das ist nicht der Fall. Demnach können die duftschuppenlosen Arten noch gar keine Duftschuppen besessen haben, und die Duftschuppen können nicht in regressiver, sondern müssen in progressiver Bildung begrifien sein. Dass sie auf den Flügeln nicht gerade auf das Verbreitungs- gebiet beschränkt sind, auf dem wir sie bei dem einzelnen Individuum gerade finden, beweisen die starken Schwankungen bei L. erschoffi. Ist die Bildung schon über einen grössern Theil der Flügel fortge- schritten, dann wird sich bei einzelnen Individuen derselben Art ein Unterschied nicht so leicht mehr Consta tiren lassen. Da es nun Arten giebt, bei denen die Duftschuppen bis dicht an Die Duftschuppen der Gattung liycaena. 119 die Flügelränder reichen, wie bei L. telicnnus und L. kadarjja, und bei denen Uebergangsschuppen und andere Schuppen in den Duft- schuppenreihen nicht vorkommen, so dass wir hier den Umwandlungs- process als beendet betrachten dürften , so lässt sich bei andern Arten, bei welchen die Verbreitung der Duftschuppen auf den Flügeln noch nicht so um sich gegritfen hat und bei welchen in den Duft- schuppenreihen Uebergangsformen und andere Schuppen stehen, wohl mit Recht noch eine Tendenz zur Vermehrung der Duftschuppen ver- muthen. Ja bei L. erschoffi ist das sogar höchst wahrscheinlich, denn die 6 Exemplare dieser Art können keine zufälligen Variationen sein, da wir doch aus den vorliegenden Thatsachen sehen, dass die Duft- schuppen nicht plötzlich entstehen, sondern durch allmähliche Um- wandlung anderer Schuppen. Daraus geht aber auch gleichzeitig hervor, dass sie nicht von den Urlycäniden auf die Nachkommen ver- erbt sind, sondern dass sie sich bei den einzelnen Arten unabhängig von einander erst später entwickelt haben und bei vielen noch ent- wickeln. Wir können in Folge dessen Kennel nicht beistimmen, wenn er unter andern die Hypothese aufstellt: „Die Duftschuppen, welche früher auch die Weibchen besessen hätten, wären im Schwinden be- griffen." Wenigstens für die LyGaena- Arten scheint das nicht zu- zutreflen. Es wäre nun noch die Frage zu erörtern, wo die oben so be- zeichneten A-Reihen, in denen die lang und kurz haarförmigen Schuppen stehen, hergekommen sind, da doch die Männchen der duftschuppen- losen Arten und alle Weibchen nur wenige dieser Reihen dicht am äussern Flügelrande besitzen. Das Wahrscheinlichere scheint zu sein, dass die Schuppen, welche zuerst in diesen Reihen standen, bei beiden Geschlechtern lang haarförmige waren, darauf deuten die bei den Männchen vieler Arten noch jetzt vorhandenen hin und dass sich die- selben bei den Männchen einer grossen Anzahl von Arten später in Duftschuppen und kurz haarförmige Schuppen umgewandelt haben, während sie bei den Männchen anderer Arten und bei allen Weibchen auf der Flügelfläche zum grössten Theil oder ganz verloren gingen und nur an den Flügelrändern stehen bliel)en und sich in kurz haar- förmige Schuppen umwandelten. Denn da die Schuppen der Lepido- pteren von den Haarschuppen der Trichopteren herzuleiten sein werden, so dürfen wir diese langen Haarschuppen, die sich nur in geringem Grade von denen der Trichopteren unterscheiden, kaum als erst später erworbene Gebilde ansehen. 120 FRANZ KÖHLER, Wollte man annehmen, dass die haarförmigen Schuppen erst neu entstünden und sich dann aus ihnen die Duftschuppen bildeten, so müssten diejenigen Arten, welche die Haarschuppen nicht besitzen, denjenigen gegenüber, welche bereits die ganzen Flügelflächen mit Duftschuppen besät zeigen, in der Entwicklung ungeheuer weit zu- rück sein, was zwar nicht unmöglich wäre, aber doch wohl unwahr- scheinlicher als die andere Annahme. Zum Schlüsse soll nun noch einiges über die Bedeutung der Duftschuppen hinzugefügt werden. Wie schon erwähnt, hielt sie Watson für Blasebälge, durch welche Luft in die Tracheen der Flügel gepumpt werden sollte, eine Ansicht, die keiner Widerlegung mehr bedarf. Aiirivillius glaubte ihnen den W^erth von Sinnesorganen bei- legen zu müssen ; doch, wie er selbst sagt, ist das eine durchaus nicht einwandsfreie Behauptung, denn ihrer hohen Bedeutung nach, die sie dann haben müssten, würden sie sich wohl bei den Männchen aller Arten derselben Gattung in grösserer oder geringerer Zahl finden müssen, was nicht der Fall ist; auch der Name „Männchenschuppen" oder „Androchonien", wie sie von Scudder bezeichnet worden sind, ist nicht ganz zutreffend, denn ich habe Duftschuppen auch bei einem Weibchen, L. adonis aberr. ceromis, gefunden, wenn auch nur in geringer Anzahl (Taf. 12, Fig. 75 a, b, c). Wir werden diesen Schuppen keine höhere Bedeutung beimessen dürfen, als Fritz Müller und Weismann es thun. Dass von den Flügeln der Männchen vieler Arten ein deutlicher Duft ausströmt, beweisen die Experimente der genannten Forscher; wenn er auch nicht immer für unsere abgestumpften Geruchsorgane wahrnehmbar ist, so ist das doch noch kein Beweis gegen seine Existenz, und er kann von den Schmetterlingen sehr wohl empfunden werden. Denn dass diese ein unendlich feines Geruchsunterscheidungs- verraögen besitzen müssen, leuchtet ja aus vielen Thatsachen ein. So wird allen Schwärmern doch nur der specifische Duft ihrer Lieb- lingspflanze für das Auffinden derselben ausschlaggebend sein, da ja die Blüthen in der Dämmerung unscheinbar sind ; und nur durch den für uns unfassbarcn Geruchssinn sind die Männchen im Stande, ihre Weibchen aufzuspüren, denn sonst würden sie bei Nacht nicht in Zimmer gelangen können, in denen gerade ein oder mehrere Weibchen im Käfig gehalten werden, wie das oft beobachtet worden ist. Das- selbe feine Geruchsvermögen darf man auch den Weibchen nicht ab- sprechen; und da sie von den Männchen aufgesucht werden, kann für Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. 121 sie der von jenen ausgehende Duft nur ein geschlechtliches Reiz- mittel sein, ähnlich den riechenden Secreten, wie sie im Geschlechts- leben vieler Säugethiere eine Rolle spielen. Im Folgenden seien noch die untersuchten Arten der Gattui Lycaena angeführt. 1. Lycaena aegon S. V. 34. Lycaena ', donselii Boisd. 2. 11 argus L. 35. 11 arqiolus L. 3. 11 Tiaherhaueri Stdgr. 36. 11 dorylas 4. 11 opülete Knoch. 37. 11 arcas Rott. 5. )i loewii Zell. 38. 11 torgonta Alph. 6. 11 zephyrus Friv. 39. 11 icylla 7. 11 pylaon Fisch. 40. )i cassius 8. « eurypüus Frr. 41. 11 galathca 9. 11 havius EvERSM. 42. 11 jynfeana 10. 11 plieretes Hb. 43. 11 mnrginola 11. 11 orUtulus Prun. 44. 11 alcon S. V. 12. 11 eroa 0. 45. 11 danis 13. 11 eroides Friv. 46. 11 pheres Stdgr. 14. 11 icarius Esp. 47. n marina 15. 11 escheri Hb. 48. 11 hadarp)a 16. 11 hylas Esp. 49. 11 melanops Boisd. 17. 11 admetus var. rip- 50. 11 cleodes pcrti BoiSD. 51. 11 placida 18. )) meleager Esp. 52. 11 hyrcana Led. 19. 11 menalcus Frr. 53. 11 elpis 20. !1 mWiridates Stdgr. 54. 11 schae/fera 21. 11 phyllis Christoph 55. 11 alsus S. V. 22. 11 dolus Hb. 56. 11 ancyra 23. 11 hopfferi H. S. 57. 11 aratus 24. 11 dania Stdgr. 58. n hollari 25. 11 kindermanni Led. 59. 11 comyntas 26. 11 iolas 0. 60. 11 amarah 27. » damon Schiff. 61. 11 abencerrngus Pier. 28. 11 alexis S. V. 62. 11 micyclus 29. 11 sehrus Boisd. 63. 11 dilectus 30. 11 corydon Hb. 64. 11 amanda 31. 11 cyane 65. 11 telicanus Lang 32. V tiresias Rott. 66. 11 cnejus 33. 11 astraea Frr. 67. 11 moriqua Zool. Jahrb . XTII. Abth. f. Syst. 9 122 FRANZ KÖHLER, 68. Lycaena hanno 69. „ cyllarus Rott. 70. „ celaeus 71. „ arion L. 72. „ isis 73. „ euphemia vera Stdgr. 74. Lycaena adonis S. V. 75. „ adonis aherr. cero- nus ? 76. „ thius 11. „ erschofß 78. „ baetica Horsf. Keine Duftschuppen haben: 79. I jycaen a anteros 95. Lycaena cissus 80. )7 ßscheri Eversm. 96. ■n astraptes 81. )) trochylus Frr. 97. )? argola 82. )) anisophthalma Koll. 98. )5 elna 83. » orion Fall. 99. )7 calice 84. )7 ly Simon Hb, 100. 57 rosimon 85. » anthracias Christ. 101. !) plato 86. V pretiosa Stdgr. 102. 55 niseus 87. V m?ns Stdgr. 103. 55 ilias 88. n astrarche Bergstr. 104. 55 elorea 89. V triphysina 105. 55 decidia 90. )r rhymnus 106. 55 palaemon 91. ?) eumedoyi Esp. 107. 55 elorina 92. n tengstroemi Ersch. 108. 55 cyanea 93. n cytis var. alaica 109. 55 phoenix 94. )) cayaya 110. 55 puspa Llteraturverzeiclmiss. Deschamps, B., Recherches microscopiques sur l'organisations des alles des Lepidopteres, in: Ann. Sc. nat., (2) 1835. Semper, Carl, Beobachtungen über die Bildung der Flügel, Schuppen und Haare bei den Lepidopteren. Kettblhoit, Th., De squamis Lepidopterorum, Bonnae 1860. Watson, J., Further remarks on the plumules or battledoor scales of the Lepidoptera, in : Mem. lit. phil. Soc. Manchester, (3) V. 3, 1869. Müller, Fritz, Ueber Haarpinsel, Filzflecke und ähnliche Gebilde auf den Flügeln männlicher Schmetterlinge, in : Jena. Z. Naturw., V. 11, 1877. Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. 123 Weismann, A., lieber Duftschuppen, in: Zool. Anz., 1878. Schneider, R., Die Schuppen aus den verschiedenen Flügel- und Körper- theilen der Lepidopteren, in: Z. ges. Naturw., V. 51, 1878. AüKiviLLius , Christopher , Ueber secundäre Geschlechtscharaktere nordischer Tagfalter, in : Bihang Svenska Vet. Akad. Handl., V. 5, 1880. KoLBE, H. J., Einführung in die Kenntniss der Insecten, Berlin 1893. Spuler, Arnold, Beitrag zur Kenntniss des feinern Baues und der Phylogenie der Flügelbedeckung der Schmetterlinge, in : Zool. Jahrb., V. 8, Syst., 1895. Kennel, Studien über sexuellen Dimorphismus bei Schmetterlingen, Ref. in: Biol. Ctrlbl., 1896. Erklärung der Abbildungen. Tafel 12. Fig. 1 — 76. Duftschuppen der untersuchten Arten, in der Reihen- folge angeordnet, in welcher die Arten oben aufgezählt sind. Fig. 38 a. Echte Duftschuppe von L. astraea ; 33 b Uebergangs- schuppe. Fig. 34 a. Echte Duftschuppe von L. donzelii ; 34 b Uebergangs- schuppe. Fig. 38 a. Echte Duftschuppe von L. torgonfa ; 38 b Uebergangs- schuppe. Fig. 75 a. Echte Duftschuppe von L adonis aberr. ceronus $; 75 b Uebergangsschuppe. Fig. 76 a. Echte Duftschuppe von L. thius ; 76 b Uebergangsschuppe. Tafel 13. Fig. 77a. Echte Duftschuppe von L. erschofß; 77 b und 77 c Uebergangsschuppen. Fig. 78. Duftschuppe von L. baetica. Fig. 79. Haarschuppe von L. argus. Fig. 1 a u. Ib. Verbreitung der Duftschuppen auf den Flügeln von L. eros. Die Duftschuppen sind hier fast über die ganzen Flügel verbreitet, auf dem Vorderflügel (Fig. 1 a) noch mehr als auf dem Hinterflügel (Fig. 1 b). Die punktirten Linien stellen die Reihen dar, wie die Duftschuppen stehen; in jeder einzelnen Zelle sind die genauem Zahlen angegeben. Fig. 2. Stellt den dritten Theil der Zelle 5 vom Aussenrande her von L. kadarpa dar; es sind nur die Duftschuppen gezeichnet. 9* 124 F. KÖHLER, Die Duftschuppen der Gattung Lycaena. Fig. 3. Verbreitung der Duftschuppen von L. ersclioffi. Fig. 4. „ „ „ „ L. damon. Fig. 5. „ „ „ „ L. admetus. Fig. 6. „ „ „ „ L. Jcadarpa. Tafel 14. Fig. 1. L. agestis $., hat keine Duftschuppen, es verlaufen nur einfache Schuppeiireihen über die Flügel, Reihe 1—8. Reihe 6 zeigt die Stellung der Grund- und langen, braunen, mit Zacken versehenen Deckschuppen in einer Reihe; zwischen zwei Grundschuppen steht immer eine Deckschuppe, welche die erstem bedeckt. Reihe 10 kommen noch die kurz haarförmigen Schuppen, in einer Reihe für sich stehend, hinzu, wie sie in der Nähe der Flügelränder vorkommen. Fig. 2. Zeigt die Verhältnisse bei L. agestis $, die denen von L. agestis S gleich sind; Reihe 2 und 3 zeigt das dachziegelartige Uebereinand erliegen der Schuppenreihen. Fig. 3 a u. b. Rhopalocerenschuppen an der Basis mit Sinus. Fig. 4 a u. b. Heterocerenschuppen, an der Basis ohne Sinus. Fig. 5. Zeigt die Verhältnisse von L. alexis S^ welches Duft- schuppen besitzt, weshalb die Schuppenreihen Doppelreihen sind; in den A-Reihen stehen die Duftschuppen, in den B-Reihen die braunen Grundschuppen und die blauen, abgerundeten Deckschuppen ; in den Duftschuppenreihen stehen lang und kurz haarförmige Schuppen. Fig. 6. L. agestis $, lang haarförmige Schuppen und Duftschuppen fehlen, wie bei den $$ aller Arten mit Ausnahme von L. adonis aberr. ceronus ?; es sind mit Ausnahme einiger Reihen am Flügelrande, wie eine solche in Reihe 10 veranschaulicht ist, nur einfache Schuppen- reihen vorhanden. In Reihe 5 stehen zwei aus braunen Deckschuppen umgewandelte blaue, welche den blauen Anflug bedingen. Fig. 7. L. menalcus S, besitzt Duftschuppen, die Schuppen stehen in Doppelreihen; in den A-Reihen (2 — 10 und IIA besonders) stehen lang und kurz haarförmige Schuppen mit Uebergangsformen ; der Aussenrand des Flügels, in Reihe 16 dargestellt, zeigt die langen Fransenschuppen, die in verschiedenen Grössen über einander liegen. Fig. 8. Verhältnisse bei L. damon $; besitzt Duftschuppen, in den Duftschuppenreihen stehen kurz haarförmige Schuppen und Ueber- gangsformen. Fig. 9. Zeigt die Schuppen von der Flügeloberseite von L. an- teros^ welche keine getüpfelten Duftschuppen besitzt, bei welcher Art aber die Schuppen in Doppelreihen stehen; in den B-Reihen stehen die Grundschuppen b und die Duftschuppen c; in den A-Reihen stehen die Schuppen a, deren verschiedene Grösse auf einen Umwandlungs- process schliessen lässt. NachdrucTc verboten. üeber setzungsrecht vorbehalten. ErgeMsse einer Reise nach dem Pacific (ScHAüimAND 1896-1897). Eine unbekannte Eylais-Form nebst einer Notiz zur Synonymie einer verwandten Art. Von F. Koenike in Bremen. Mit 7 Abbildungen im Text. Herr Prof. Schauinsland erbeutete auf seiner Reise in einer Lagune auf D'Urville-Ins. in der Cookstrasse (Neuseeland) eine neue Eylais-kxt, welche eine überraschende Verwandtschaft mit unserer europäischen Species Eylais infundibulifera Koen. aufweist. Ich war anfänglich bei Untersuchung des Weibchens der neuseeländischen Form geneigt, diese als Varietät der genannten Art zu betrachten; erst die Kenntniss des Männchens verschaffte mir Klarheit über die Eigen- artigkeit derselben. Sie möge dem Entdecker gewidmet werden unter der Bezeichnung: Eylais schauinslandi n, sp. Männchen. Grösse: Die Körperlänge beträgt etwa 2 mm, die grösste Breite 1,8 mm. Gestalt: Der Körperumriss ist bei Bauchansicht elliptisch (Fig. 1). Haut : Die Körperhaut zeigt eine grobe Liniirung mit eingestreuter Körnelung. Augen : Die Augenbrille hat eine Gestalt wie diejenige der E. in- fundibulifera Koen. [No. 1 1) , p. 295 , fig. 3] , woran sie insbe- 1) Die No. bezieht sich auf die am Ende der Arbeit gemachte nähere Literaturangabe. 126 F. KOENIKE, sondere durch das Vorhandensein eines Vorsprungs am Vorderrande der Augenbrücke erinnert; jedoch ist derselbe bei der exotischen Form minder kräftig und abwärts gebogen, als es bei unserer in- ländischen Art der Fall ist. Die sattelartig vertiefte Augenbrücke hat eine geringere Breite, und das unweit der Basis des Vorsprungs zw^ar in gleicher Höhe befindliche Borstenpaar steht abweichend nicht auf der Brücke, sondern auf der Augenkapsel. Der Rand des Durch- bruchs auf der Unterseite der Augenkapsel ist recht wulstig. Da aber der Durchbruch eine geringere, nach auswärts gehende Richtung aufweist, so erscheint der Randwulst nicht wie bei E. infundibuUfera an der Aussenseite der Augenkapseln. Mundtheile : Am Vorderrande des Maxillarorgans befindet sich eine flache Ausbuchtung. Die Mundpartie zeigt annähernd Kreisform und eine im Verhältniss bedeutendere Grösse als bei E. infundibuU- fera. Der Aussenring derselben ist durch den ausgebuchteten Vorder- rand des Organs unterbrochen. Der Innenring, die „Mundkrause" tragend, tritt erheblich weiter vor, als es bei E. infundibuUfera der Fall ist, wovon man sich bei Seitenlage des Organs überzeugt. Die Maxillarplatte besitzt hinter der Mundpartie in der vordem Hälfte grosse Poren, doch in etwas geringerm Umfange als bei der ge- nannten Vergleichsart. Die Maxillarfortsätze erweisen sich namentlich bei Seitenlage als merklich länger. Die Luftsäcke sind doppelt so hoch und breit wie bei der Vergleichsart. Der Pharynx ist hinten nur wenig verbreitert, doch tritt abweichend der Chitinbogen an beiden Enden höckerartig nach der Seite hin vor. Während E. in- fundibuUfera auf dem Hinterrande des Pharynx Ausbuchtungen in ähnUcher Weise besitzt wie die madagassische Form E. voelzhowi KoEN. (No. 2, tab. 20, fig. 15 i:>Ä), mangeln solche dem gleichen Organe der hier beschriebenen Art; dasselbe präsentirt sich vielmehr in Seitenansicht ähnlich wie bei E. megalostoma (No. 2, tab. 20, fig. 3 ph)., nur bemerkt man auf dem hintern Seitenrande zwischen Chitinbogen und Hinterrand eine niedrige, breite, höckerartige Er- hebung. Das Mandibelpaar hat eine Länge von 0,32 mm und besitzt vorn im Basalglied — von der Streckseite aus gesehen — eine ansehnliche Breite, welche nach hinten zu bedeutend abnimmt, wenn auch nicht in dem Maasse wie bei E. infundibuUfera, deren Mandibelpaar vorn eine abweichende Contour aufweist (Fig. 7). Der Streckseite des Mandibelpaares sind zwei Durchbrüche von ungleicher Form und Grösse eigen ; der grössere, vorn belegene ist von rechteckiger Gestalt Reise nach dem Pacific. Eine unbekannte Eylais-Form. 127 mit abgerundeten Ecken (Fig. 2 a)\ der kleinere, hinten befindliche ist lang gestreckt und schmal und hat die Form eines sphärischen Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. "■^^^^SÄ Fig. 4 Fig. 7. Eylais schauinslandi n. sp., $. a vorderer Durchbruch, b hinterer Durchbruch, h Man- dibeihäutchen, k Hakenglied, s Scheide, st Stigmenhöcker. Fig. 1. Bauchansicht. )x( 14. Fig. 2. Mandibelpaar, von der Streckseite aus ge- sehen. X 105. Fig. 3. Linke Mandibel in Seitenansicht. X ^^• Fig. 4. Rechte Palpe. X 9^- Fig. 5. Aeusseres Genitalorgan. X 1^^- Eylais infundihulifera Koen. Fig. 6. Aeusseres Genitaiorgan, nach einem $ von JurST gezeichnet. X ^^• Fig. 7. Mandibelpaar, von der Streckseite aus ge- sehen, nach einem $ aus dem Espenkruger See bei Danzig gezeichnet. X ^^■ Zweiecks (Fig. 2 &). Der vordere Durchbruch ist bei E. infundibuli- fera nennenswerth länger und besitzt unterschiedlich am Hinterrande 128 F. KOENIKE, zwei in den Darchbruch hinein ragende Fortsätze (Fig. 7). Die Seiten- ansicht der Mandibel ergiebt ein Bild, das demjenigen der E. degene- rata Koen. ähnelt, doch ist das Hinterende des Basalgliedes mehr abgerundet, auch tritt abweichend die am Grunde sehr breite Scheide wie bei E. voehkowi höckerartig vor, aber in geringerm Grade als bei dieser Art. Ferner ist das Basalglied am Vorderende auf der Beuge- seite stärker bauchig aufgetrieben , und dieser Stelle gegenüber mangelt der Streckseite ein Zapfen. Der Stigmenhöcker ist gross und spitz, doch weniger massig (Fig. 3 st). Vorn zeigt das Grundglied nur eine geringe Höhe, da dasselbe im Gebiet des vordem Durch- bruchs auf der Streckseite erheblich abfällt. Das verhältnissmässig lange Hakenglied erscheint in Seitenansicht am freien Ende schwach, bei Ansicht von der Streckseite aus stark verdickt (Fig. 2 und 3). Aus diesem Grunde gelingt es selten, die Mandibel unbeschädigt zu exstirpiren ; das verdickte Hakenende bricht gewöhnlich ab und bleibt in der Mundöönung stecken. Die Scheide erscheint — von der Streck- seite aus gesehen — als Anheftungsorgan des Hakengliedes. Neben dem vordem Durchbruch des Basalgliedes setzt sich dieselbe als kräftig chitinisirte Leiste fort und bildet daselbst einen erhöhten Rand (Fig. 2 s). Am freien Ende der Scheide findet sich ein deut- liches hyalines Mandibelhäutchen (Fig. 2 h), welches gebogenflächig ist und das Hakenglied theilweise überwölbt (Fig. 3 h). Der Maxillartaster ist nennenswerth kürzer und kräftiger als bei E. infundibulifera ; selbst das Endglied, als das schwächste, besitzt immerhin noch eine bedeutendere Dicke ; es hat am breit abgerundeten, freien Ende fast krallenartig gekrümmte, verhältnissmässig grosse Borsten (Fig. 4). Am stärksten ist das mit einem deutlichen Vor- sprung versehene 3. Glied ; der Vorsprung ist mit etwa 9 kurzen und ungegliederten Borsten ausgestattet. Das Basalsegraent hat auffallender Weise an der stark chitinisirten Beugeseite einen Fortsatz, der offen- bar einer festem Inserirung dient; bei der Exstirpirung der Palpe bleibt das Grundglied vielfach in der Tastergrube stecken. Das vor- letzte Segment besitzt am proximalen Ende zwei 0,016 mm von ein- ander entfernte, nicht poröse Chitinringe, zwischen denen die Palpen- haut kleinporiger ist als im Uebrigen. Die innere Reihe des 4. Palpen- gliedes enthält 6 ungetiederte Borsten von geringer Länge; und eine gleiche Anzahl etwas längere und kräftigere Borsten bemerkt man in der äussern Reihe. Der distale Rand der Beugeseite desselben Gliedes ist noch mit einigen kürzern Borsten bewehrt (Fig. 4). Geschlechtsorgan: Der Geschlechtshof ist, wie das allgemein Reise nach dem Pacific. Eine unbekannte EylaisForm. 129 innerhalb der in Frage kommenden Gattung beobachtet wird, sehr weit nach vorn gerückt (Fig. 1). Er erstreckt sich in seinem vordem Theil zwischen die 2 ersten Epimerenpaare, so dass nur ein geringer Abstand vom Maxillarorgan verbleibt. E. infundibulifera und die hier gekennzeichnete Form sind die einzigen bis jetzt bekannten Arten, welche im Männchen durch das Vorhandensein eines spröden Chitin- trichters gekennzeichnet sind, der durch Verwachsung zweier Genital- platten entstanden ist. Das in Rede stehende Gebilde bietet übrigens ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal der beiden in Frage kom- menden Arten. Dasselbe ist bei E. infundibulifera S in Bauch- ansicht desselben länglich rund mit nach vorn lang ausgezogener, stumpfer Spitze (No. 1, p. 295, fig. 4); dagegen erweist sich der Chitintrichter der E. schauinslandi S als nahezu kreisrund mit einer kürzern, ziemlich scharfen Spitze an der Vorderseite (Fig. 1). Ein noch auffallenderer Unterschied ergiebt sich aus der Seitenansicht des Gebildes. Während dieses nämlich bei unserer inländischen Art eine ausgezogene Trichterspitze besitzt (Fig. 6), so fehlt derjenigen der ausländischen Form die Spitze, um als Trichter bezeichnet werden zu können (Fig. 5). Die 0,062 mm lange Geschlechtsötfnung ist weiter nach vorn gerückt (Fig. 1) als bei der Vergleichsart (No. 1, fig. 4) und mit weit zahlreichern und längern Borsten besetzt (Fig. 5 und 6). Schliesslich mag auch noch auf beachtenswerthe Grössen- unterschiede bezüglich des Organs hingewiesen werden : bei der neuen Art misst dasselbe nämlich in der Länge 0,304 mm und in der Höhe 0,176 mm, bei der Vergleichsart hingegen 0,528 mm in der Länge und 0,336 mm in der Höhe. After: Das fast kreisrunde, 0,08 mm im Durchmesser betragende Analfeld findet sich zwischen dem letzten Epimerenpaar in der ven- tralen Längaxe (Fig. 1). Weibchen. Die Körperlänge des Weibchens beträgt 2,7 — 3,5 mm, die grösste Breite 2—2,8 mm. Der Maxillartaster ist im Ganzen schlanker als der des Männchens, besitzt aber im Uebrigen die gleichen speci- fischen Merkmale. Dem äussern Geschlechtsorgane mangelt ein Chitintrichter. Das Ei ist kugelrund und misst 0,12 mm im Durch- messer. Nymphe. Unter dem ScHAUiNSLAND'schen Material war eine Nymphe, die 130 F. KOENIKE, in den meisten Hauptmerkmalen mit den oben gekennzeichneten Imagines übereinstimmt und daher wohl ohne Anstand als zu E. scJiauinslandi gehörig angesehen werden darf. Der Körper misst in der Länge 1,6 mm und in der Breite 1,4 mm. Die Augenbrille zeigt in so fern eine Abweichung, als ihr der Vorsprung am Voi-derrande der Augenbrücke fehlt. Die Mandibeln besitzen ausser der überein- stimmenden Gestalt vor allem den kennzeichnenden Stigmenhöcker und ein am freien Ende verdicktes Hakenglied. Der Maxillartaster ist bei gleichem Längenverhältniss der einzelnen Segmente im Ganzen schlanker als der männliche, hat aber alle specifischen Einzelheiten, in Sonderheit die stark chitinös verhärtete Beugeseite des Basalgliedes mit dem Fortsatze. Zur Synonymie von Eylais infundibulifera Koen. PiERSiG glaubte in einer weiblichen Eylais-Form, welche ich ihm als E. infundibulifera Koen. zugesandt hatte, die Vertreterin einer von genannter Species verschiedenen Art erblicken zu müssen. Er bezeichnete dieselbe als E. bifurca Piersig (No. 3, p. 64 u. 65, fig. 4 u. 5). Auf meine Bitte um einen Beleg für seine Species Hess mir genannter Forscher die von ihm bildlich dargestellten Mundtheile und Augen zukommen. Piersig's Figur der Mundtheile entspricht im Allgemeinen der Wirklichkeit, nur ist der Pharynx ungenau. Der letztere besitzt nämlich am Hinterende Randausbuchtungen. Zunächst bemerkt man eine solche jederseits im Gebiete des Chitinbogeus, der sich höcker- artig in der Bucht erhebt; ausserdem weist der Hinterrand noch zwei solcher Buchten auf, zwischen denen sich eine Randerhebung in der Längsaxe des Pharynx befindet. Letzterer erinnert in dem bezeichneten Randmerkmale an E. voeUhowi Koen. (No. 2, tab. 20, fig. 15). Völlige Uebereinstimmung hinsichtlich dieses Merkmals constatire ich aber zwischen der PiERSiG'schen Art und E. infundi- bulifera Koen, Auch in Betreff der Mandibel lässt sich kein Unterschied zwischen E. infundibulifera und dem mir zugegangenen Belege der E. bifurca auffinden. Die Länge derselben beträgt übereinstimmend 0,394 mm. Das Mandibelpaar hat vorn im Basalglied ~ von der Streckseite aus gesehen — eine bedeutende Breite, läuft aber nach hinten zu fast spitz aus, beim Weibchen in etwas geringerm Grade als beim Männchen. Von den beiden Durchbrüchen der Streckseite Reise nach dem Pacific. Eine unbekannte Eylais-Form. 131 (Fig. 7 a, b) ist der vordere von bemerkenswerther Grösse und weist am Hinterrande zwei in den Durchbruch hineinragende Fortsätze auf (Fig. 7 a), welche beim Männchen nennenswerth deutlicher sind. In Seitenansicht zeigt die Mandibel etwa ein Bild, wie Fig. 3 es darstellt, doch ist sie hinten breiter; auch besitzt sie ein abge- rundetes Hinterende, ist mithin nicht geradlinig, wie ich früher an- gab. Der Stigmenhöcker (Fig. 3 st) ist bei weitem kürzer und minder lang, aber kräftiger. In Piersig's bezüglicher Abbildung (No, 3, p. 64, jäg. 4) hat der Stigmenhöcker eine zu scharfe Spitze erhalten. Die Scheide tritt am Vorderende des Durchbruchs höckerartig vor, was nur die Seitenansicht erkennen lässt. Das Hakenglied hat einen nach auswärts winklig abgelenkten Grundtheil (Fig. 7 k) ; und an der Stelle, wo diese Ablenkung stattfindet, ist ein bemerkenswerther Auswuchs, der beim Weibchen merklich kleiner ist. Was den Maxillartaster angeht, so giebt Piersig's Figur den Borstenbesatz der E. infundihulifera treffend wieder, nur stimmt das Längenverhältniss der einzelnen Palpensegmente nicht. Piersig's Bild entspricht übrigens hinsichthch dieses Punktes auch seiner An- gabe nicht: 8 : 10 : 11 : 35 : 17; das Bild zeigt vielmehr folgendes Verhältniss (an der Streckseite gemessen): 8 : 16 : 14 : 30 : 15, und in Wirklichkeit verhalten sich die 5 Tarsalglieder übereinstimmend bei meinen Präparaten (cJ und $) und dem PiERSia'schen Belege wie 8 : 12 : 12 : 23 : 11. Auch die von Piersig abgebildete Augenbrille (No. 3, p. 65, fig. 5) weist keine für eine besondere Art charakteristischen Merk- male auf; denn der am Vorderrande der Augenbrücke befindliche Vorspruug ist auch der E. infundihulifera (No. 1, p. 295, fig. 3) eigen. Auf den „undeutlich zweispitzigen Zapfen" dieses Vorsprunges dürfte kein allzu grosses Gewicht zu legen sein, da sich derselbe an Piersig's Beleg nicht auffinden lässt. Ferner erhalten die Augen- kapseln für E. hifurca keineswegs dadurch „eine eigenartige Gestalt", dass der Randwulst des Durchbruchs an der Aussenseite der Kapseln vortritt, vielmehr ist das bei E. infundihulifera in gleicher Weise der Fall. Es ergiebt sich mithin kein einziges Merkmal, das die Aufstel- lung einer besondern Art berechtigt erscheinen Hesse. Ich betrachte die von Piersig gekennzeichnete Form nach wie vor als das Weib- chen zu E. infundihulifera Koen. , das eines chitinösen Genital- trichters entbehrt, während das Männchen über einen solchen ver- 5^32 ^- KOENIKK, Eine unbekannte Eylais-Form. fügt (Fig. 6). Dass ich bei der iu Frage kommenden Species die beiden Geschlechter einander richtig zugetheilt habe, dafür scheint mir das oben bekannt gegebene Änalogon der E. schauinslandi einen beachtenswerthen Beweis zu bieten. Literaturverzeichniss. 1) F. KoENiKE, Zur Systematik der Gattung Eylais Latr., in: Abh. naturw. Ver. Bremen, 1897, V. 14, p. 279—295. Mit 6 figg. 2) — , Hydrachniden-Fauna von Madagaskar und Nossi-Be, in: Abh. Senckenb. naturf. Ges. Frankfurt, V. 21, p. 297—435, tab. 20 —29. 3) K PiERSiG, Einige neue Eylais-Arten, in: Zool. Anz., 1899, V. 22, p. ßl_67. Mit 8 figg. Nachdruck verholen, üebersetzungsrecht vorbehalten. Dr. BßAüEE's Myriopoden-AuslDeute auf den Seychellen im Jalire 1895. Von Dr. Carl Oraf Atteins. Hierzu Tafel 15—17. Unsere Kenntnisse von der Myriopoden-Fauna der Seychellen be- schränken sich fast ganz auf das, was uns Brölemann^) darüber mitgetheilt hat, der die Ausbeute M. Ch. Alluaud's, etwa 13 bis 14 Arten, beschrieb. Was sonst noch aus der Literatur bekannt ist, ist kaum der Rede werth : ein undeutbarer hdus seychellarum Gervais ^) und zwei von Pocock^) sehr mangelhaft beschriebene Trigonoiulus- Arten. Die Ausbeute, welche Herr Dr. August Brauer im Jahre 1895 auf diesen Inseln gemacht und die er mir zur Bearbeitung anvertraut hat, umfasst 23 Arten in zum grössten Theil gut conservirten Exem- plaren. Von diesen 23 Arten sind nur 7 — 8^) bereits von Bröle- MANN verzeichnet worden, je eine von Pocock für die Seychellen (Trigon. urophorus) und für Christmas Island (Cylindrodesmus hirsutus) ; die übrigen 13 Arten sind neu für die Wissenschaft, 2 davon aller- dings noch ungenügend gekannt, weil nur in defecten Exemplaren vorhanden (Scutigera und Cryptops). Dieser Umstand, dass zwei 1) Beölemann, Mission scient. de M. Ch. Alluaud aux lies Se- chelles, in: Mem. Soc. zool. France, 1896. V. 8, p. 518 ff., tab. 10, 11. 2) Gervais, Hist. nat. ins. Apt., V. 4, p. 172. 3) Pocock, in: Ann. Mag. nat. Hist., (6) V. 11, p. 251, 252, 1893. 4) Brölemann scheint auch Glyphiulus granulatus gefunden zu haben, streift ihn aber nur in der Einleitung, ohne ihn im eigentlichen Text zu erwähnen. 134 CARL ATTEMS, Sammler von denselben Punkten ein so verschiedenartiges Material zurückgebracht haben, lässt allein schon darauf schliessen, dass mit den bisher bekannten 29 Arten die interessante Fauna dieser Insel- gruppe noch lange nicht erschöpft ist, zumal beide Forscher nicht speciell auf unsere Thiere ausgingen. 19 von den 29 Arten sind nur von den Seychellen bekannt, Cylindrodesmus hirsutus ausserdem von Christmas Island, Glyphiulus granulatus von Isle de France und Bourbon, Die Chilopoden und Orthomorpha gracilis, coarctata sowie Trigonoiulus goesi sind so weit verbreitete Thiere, dass sie bei einer thiergeographischen Würdigung dieser Fauna nicht recht in Betracht kommen können, und ich unterlasse eine solche überhaupt, da dabei doch nichts herauskommt, so lange die ganzen, weiten, umliegenden Gebiete so mangelhaft bekannt sind. 4 von den neuen Arten mussten zu Vertretern neuer Gattungen gemacht werden. Die Zahl der auf den Seychellen vertretenen Gattungen ist damit auf 18 gestiegen. Liste aller bisher Ton den Seycliellen bekannten Myriopoden. von Po- COCK be- schrieben von Brölemann angegeben in Dr. Brauer's Sammlung 1. Scutigera sp 2. Lithobius seychellarum Brölem 3. Scolopendra suhsplnipes Leach 4. ,, machaeropus n. sp 5. Otostigma Orientale Foc 6. ,, rugulosus Poe 7. ,, seychellarum n. sp 8. Cryptops sp 9. Mecisiocephalus punctifrons Newp 9a. „ ,, var. glabridorsalis n. 10. ,, gigas Haase var. cyclops Brölem 11. Thalthybius melanostiyma n. g. n. sp. ... 12. Sphaerotherium forcipatum Brölem 13. Cylindrodesmus hirsutus Poe 14. Orthomorpha gracilis KoCh 15. ,, coarctata H. et S 16. „ crinita n, sp 17. Hyperothrix orophu7-a n. g. n. sp 18. G/yphiulus granulatus (iERV. 19. Agastrophus anguimis n. g. n. sp 20. Spirobolus teledapus n. sp 21. 2'rigonoiidus naresii Poe 22. ,, urophorus Poc 23. ,, alluauili Brölem 24. ,, goesi PoC 25. ,, braueri n. sp 26. Spirostreptus scpia Brölem. 27. Siphonophora braueri n. sp 28. ,, tropiphora n. sp 29. Orsilochus crassiceps n. g. n. sp + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 135 A. Obilopoda. Farn. Scutigeridae. 1, Sciitigera sp. In der Sammlung befinden sich auch mehrere Scutigera, zu einer Art gehörend, aber leider so verstümmelt, dass ich sie weder mit Sicherheit bestimmen noch zur Aufstellung einer neuen Art ver- wenden will. Länge des grössten Exemplares 22 mm, einer Antenne 55 mm. Grösste Breite 3,5 mm. Farbe jetzt: Rücken ziemlich gleichmässig braun, Bauch trüb gelbbraun, Tarsen und Antennen licht kastanienbraun, Augen schwarz. Eückenschilde mit zerstreuten , sehr kleinen, spitzen Körnchen. Ränder derselben fein sägezähnig und fein bewimpert, mit schmalem Randsaum. Seitenrand im Bogen in den Hinterrand übergehend ; letzterer in der Mitte eingekerbt, da wo das Stigma endet. Stigmen schlitzförmig, die Rückenplatte in seiner Umgebung aufgetrieben. 8. Rückenschild mit einer von zwei niedrigen Wülsten begrenzten, seichten Längsrinne. Hüften aller Beine mit einem grossen Stachel auf der Unterseite. Schenkel, Schiene und 1. Tarsalglied der vorhandenen vordem Beinpaare kantig, die Kanten fein bedornt. Bedornung des Schenkels -|-, der eine Dorn der Oberseite viel kleiner. Schiene mit 1 grossen Dorn oben und 1 kleinen innen, unten keiner. 1. Tarsalglied J. oder -|-. Fundort: Mah6. Fam. Lithobiidae. 2. Idthobius seychellarum Brölemann. 1836. Myr. des iles Sechelles, in: Mem. Soc zool. France, p. 523, tab. 10, fig. 15. Fundort: Mah6, Fam. Scolopendridae. 3. Scolopendra subsjnnipes Leach. Brölemann hat eine ausführliche Synonymie dieser weit ver- breiteten Art in der oben citirten Arbeit gegeben. Mir liegen 3 Exemplare von Mähe vor. 136 CARL ATTEMS, 4. Scolopendr'a machaeropns n, sp, Farbe: licht olivenbraun, der ganze Rückenschild sowie der Hinterrand und zum Theil auch der Seitenrand der übrigen Kiele dunkel grün. Länge ohne Analbeine 38 mm, Fühler ISgliedrig, zurückgelegt bis zur Mitte des 5. Segments reichend. Kopfschild dicht, aber seicht eingestochen punktirt. 1. bis vorletztes Beinpaar mit einem Dorn auf der Unterseite des letzten und vorletzten Gliedes. Analbeine lang und schlank; die Pleuren (im Sinne Latzel's) eher schlank, dicht von feinen Poren durchbohrt; der Innenfortsatz klein, am Ende mit zwei dunkel braunen Dörnchen; sonst keine Dornen auf dem Fortsatz. Schenkel lang und schlank, länger als die folgenden Glieder, seine Unterseite trägt eine messer- oder kielartige Kante. Lateral von diesem weissen, durchscheinenden Kiel stehen auf der Unterseite zwei Dornen hinter einander, und oberhalb des Kiels, auf der Innen- seite des Schenkels sitzt ungefähr in der Mitte ein Dorn. Der Endfortsatz des Schenkels auf der Dorsalseite ist zweispitzig. Fundort: Mähe. 5. Otostigma Orientale Pocock. Literatur vergl. bei Brölemann. Fundort: Mähe. 6. Otostigma seychellarum n, sp. Farbe: Rücken dunkel olivenbraun, Kopf und die ersten Seg- mente dunkel rothbraun, Bauchseite heller braun als der Rücken, Beine grünlichgelb. Länge ohne Analbeine bis 44 mm ; grösste Breite 3,5 mm. Antennen ITgliedrig, die ersten 2 Glieder oben unbehaart, seit- lich spärlich behaart, die übrigen Glieder ringsherum filzig behaart. Kieferfusshüfte mit 4 — 5 Zähnen jederseits, die Zähne nicht tief eingeschnitten. Schenkelfortsatz der Kieferfüsse einfach, ohne Neben- fortsatz. Kopf und die ersten 4 Segmente sehr glatt und glänzend; in feinen, punktartigen Grübchen stehen kleine Härchen. Rückenschilde vom 7. an mit je 9 Längsrippen, von denen die 3 mittlem etwas näher an einander stehen als die seitlichen. Die Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. I37 Kante der Eippen ist fein gekörnt, daher sägeartig rauh. Ebenso ist die Fläche zwischen den Rippen mit nicht sehr dicht stehenden Körnchen bedeckt und dazwischen sehr fein und kurz behaart. Die Rippen sind auf dem 5. und 6. Segment noch sehr schwach ausgeprägt und fehlen auf den ersten 4 Segmenten vollständig. Vorletzter Rückenschild mit sehr schwachen Kielen; letzter Rückenschild ganz ohne Kiele, hinten zackig vorspringend, die Fläche gar nicht eingedrückt. Seitenrand der Rückenschilde schmal wulstig gesäumt. Bauchplatten glatt und glänzend mit einem sehr seichten Mittel- grübchen. Vorletztes Glied des vorletzten Beinpaares mit einem kleinen Dorn auf der Unterseite; Schenkel ohne Innendorn am Ende. Analbein„pleuren" nicht aufgetrieben, dicht mit Poren bedeckt, Endfortsatz mit zwei nahe neben einander stehenden Dornen. Bei 2 von 4 Exemplaren fanden sich rechts 1, links 2 Dornen. Ungefähr in der Mitte der Hinterkante des Endfortsatzes 1 Dorn, Die Anal- beine fehlen leider bei allen 4 Exemplaren. Fundort: Mahö. Diese Art ähnelt dem 0. rugulosus von Mauritius, von dem sie sich folgendermaassen unterscheidet: Vorletztes Beinpaar mit einem Dorn auf dem vorletzten Glied (bei rugulosus ohne Dorn). Antennen hier ITgliedrig, bei rugulosus 21gliedrig. Pleuralfortsatz der Anal- beine mit 1 — 2 Dornen am Ende (rugulosus mit 4 Dornen) und einem seitlich (bei rugulosus einer seitlich und einer unten). Letzter Rücken- schild hier nicht eingedrückt. H. Cryptops sp. In der Sammlung befindet sich nur ein defectes und wahrschein- lich noch nicht ausgewachsenes Exemplar, das sich weder mit einer bereits bekannten Art identificiren lässt, noch zu einer vollständigen Neubeschreibnng eignet, weshalb ich von einer Namengebung absehe und das noch Erkennbare in Kürze mittheile: Farbe: Kopf und 1. Rumpfsegment orangegelb, das folgende Segment ebenso und am Rande seitlich mit einigen dunkel grünen Flecken, das 3. Segment schon stärker grün gefleckt, die übrigen zum grössten Theil dunkel grün. Länge ca. 10 mm. Breite ^/4 mm. Rückenplatten glatt mit einigen flachen Längseindrücken, Ein Stück vom Seitenrande entfernt ein auswärts gebogener Längskiel. Zool. Jahrb. XIII. Abth. f. Syst. 10 138 CARL ATTEMS, Bauchplatten mit kreuzförmigem Eindruck. Eine Punktirung weder dorsal noch ventral sichtbar. Die Unterseite des 1. und 2. Gliedes des vorletzten Beinpaares zugeschärft, ähnlich wie die Tarsalpolster der luliden. Die syste- matisch so wichtigen Analbeine fehlen. Fundort: Mah6. Farn. Geophiliäae. 8. Mecistocejyhalus punctifrons Newport var, glabri- dorsalis n, var, Farbe: Das ganze Kopfsegment sammt den Mundtheilen dunkel kastanienbraun, die Fühler heller. Rücken gelbbraun, Bauch heller braun, Füsse bräunlichgelb. Die hintern Füsse und die Seiten der hintern Segmente mit Häufchen von schwarzen Pünktchen. Länge 78 mm, Breite vorn 4 mm; von vorn nach hinten all- mählich sich verschmälernd. 49 Beinpaare. Fühler sehr lang und stark, bis zum 8. beintragenden Segment zurückreichend ; die Basalglieder mit zerstreuten, abstehenden Härchen, die 6 bis 7 Endglieder nur ganz kurz behaart, Kopfschild fast zweimal so lang wie breit, hinten etwas ver- schmälert und abgerundet, vorn zwischen den Antennenbasen mit einem kurzen Längseindruck. In der Mitte des hintern Theiles des Kopfschildes zwei Längseindrücke; in jedem derselben 6 Grübchen. Die übrige Fläche zerstreut grob punktirt; der Stirntheil durch eine feine, scharfe, gebogene Linie abgetrennt, Basalschild trapezförmig, vorn schmäler, unregelmässig punktirt, nicht so grob wie der Kopfschild, Die Kieferfüsse überragen geschlossen die Kopfspitze; ihre Hüften glatt und glänzend, mit sehr kurzen und feinen, in winzigen Grüb- chen stehenden Härchen. Basalglieder der Kieferfüsse zerstreut und seicht punktirt ; Schenkel mit einem kleinen Zähnchen in der basalen Hälfte und einem grössern Zähnchen am Innern Ende, Die zwei folgenden Glieder ebenfalls mit sehr kleinem Innenzahn ; das Krallen- glied mit kleinem Basalzahn. Rückenschilde sehr glatt und glänzend, zerstreut behaart, die Haare sehr kurz und dünn. Auf dem 5, beginnen zwei Längsfurchen, die auf den 6 bis 7 letzten Segmenten wieder verschwinden. Letzter Rückenschild lang, hinten fast gerade abgeschnitten, Ventralplatten sehr fein behaart; am Hinterrand beginnt eine scharfe Längsfurche, die bis zum ersten Drittel der Länge nach vorn Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 139 zieht und sich hier in zwei Aeste gabelt; das Ganze also Yförmig Die erste Ventralplatte ist so schmal, dass diese Furche nicht deut- lich zu sehen ist. Auch auf den letzten Ventralplatten wird sie wieder undeutlich, resp. die Mittelfurche reicht weiter nach vorn, und eine Gabelung derselben ist nicht zu bemerken. Die letzte Ventral- platte (zu den Analbeinen gehörig) ist fast quadratisch und reich- lich behaart. Das 1. Glied der Analbeine (Pleuren der Autoren, Hüfte nach mir) ist ziemlich dick aufgeblasen und reichlich behaart; die Poren sind sehr zahlreich und nicht zu zählen. Auf die Hüfte folgt ein kurzes Glied (Trochanter) und dann 5 ungefähr gleich lange, schlanke Glieder, von denen nur das 1. etwas kürzer ist. Das End- glied ist das dünnste und krallenlos. Fundort: Mähe (1 ^ ad., 1 juv.). Die Varietät unterscheidet sich von der Stammform dadurch, dass bei ihr die Rückenschilde nicht vom 2. an grob punktirt, sondern glatt sind; nur die Härchen stehen in winzigen Grübchen. Die Farbe ist auch eine andere und die Körperlänge scheint eine grössere zu sein (78 : 50 mm). Thalthyhius n. g. Kopf ziemlich gross, rundlich ; er und der Basalschild breiter als die folgenden, schwach halsartig verengten Segmente. Stirn nicht durch eine Furche abgetrennt. Fühler lang, keulig verdickt. Oberlippe ganz rudimentär. Oberkiefer mit einem Zahnblatt und einem Kammblatt. 1. Maxillenpaar ohne Spur von Tasterlappen, die Stämme in der Mitte verwachsen, die innere Lade abgetrennt, eingliedrig, die äussere zweigliedrig, beide abgerundet. Klaue der Lippentaster gross, etwas ausgehöhlt und gefranst. Chitinhnien der Kieferfusshüften vollständig, d. i. bis zum Vorderrand reichend. Praebasalschild nicht sichtbar, Basalschild gross und breit. Rückenschilde ohne Längsfurchen, grob granulirt; die Zwischen- schilde dorsal und ventral relativ gross. Bauchschilde vom 2. bis zum drittletzten mit grossem, quer ovalem Porenfeld in der Hinterhälfte. Letzter Bauchschild gross, rhombisch. Die Stigmenschilde grenzen knapp an die Rückenschilde. Analbeine Tgliedrig. Hüften derselben jede mit 2 sehr grossen Poren. Analporen nicht sichtbar. 10* 140 CARL ATTEMS, Diese Gattung ist am nächsten mit Schendyla verwandt, von der sie sich in folgenden Punkten unterscheidet: Die Chitinlinien sind vollständig. Die Rückenschilde haben keine Längsfurchen und sind dicht granuliert. Alle Bauchschilde vom 2, bis drittletzten haben ein scharf be- grenztes, auffallendes Porenfeld. Die Oberlippe ist ganz undeutlich, nicht mit kräftigen Zähnen bewehrt wie bei Schendyla. Die Fühler sind lang und keulig. 9. Thalthyhius melanostigma n. sp. (Taf. 15, Fig. 10 — 12.) Farbe : Heller oder dunkler olivengrün, Kopf und vorderste Seg- mente heller, Spitze der Antennen schwärzlich verdunkelt. Das Poren- feld der Bauchschilde bildet einen auffallenden grünschwarzen bis schwarzen Fleck. Länge bis 6 cm, Länge einer Antenne 1,43 mm, Verhältniss der Dicke einer Antenne an der Basis zu der am Ende wie 3 : 4. Breite in der Körpermitte 0,87 mm. Breite einer Ventralplatte daselbst 0,35 mm. Zahl der Beinpaare bei 2 erwachsenen Exemplaren: 101. Kopfschild rundlich, ungefähr so lang wie breit. Der Stirntheil nicht durch eine Furche abgesetzt. Kopf und Basalschild breiter als die folgenden Segmente, so dass eine schwache, halsartige Einschnü- rung des Vorderendes zu Stande kommt. Antennen zwar nur ^/^q der Körperlänge, aber im Verhältniss zur Grösse des Kopfes doch eher als lang zu bezeichnen. Sie sind keulig verdickt ; Basis zum Ende wie 3 : 4 in der Dicke ; das tritt noch mehr dadurch hervor, dass die basalen Glieder sehr hell, der Endkolben schwärzlich gefärbt ist. Sie sind reichlich behaart und tragen ausserdem am distalen Ende des 9. und 13. Gliedes einen Be- satz von kurzen, kräftigen Stiftchen, offenbar Sinnesorgane. Von der Oberlippe ist fast nichts zu sehen, nur einige schwache Zähnelungen in der Mitte. Ueber Mandibeln und Maxillen vergl. die Genusdiagnose. Die Kieferfusshüften sind am Vorderrand rund aus- geschnitten, gänzlich ohne Zahnhöcker; ihre Chitinlinien sind fein und reichen bis zum Vorderrand. Die einzelnen Glieder der Kieferfüsse entbehren innen ebenfalls völlig der Zahnhöcker; die Endklaue ist innen ganz glatt, geschlossen erreichen die Kieferfüsse den Stirnrand bei weitem nicht. Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen, X41 Der Basalschild ist gross und breit, seitlich tritt zwischen ihm und dem Kopfschild ein kleines Stück der Kieferfüsse bei der Ansicht von oben zu Tage (Fig. 12). Haupt- und Zwischenschilde dorsal grob granulirt; dazwischen nicht sehr dicht behaart. Die ganze Fläche, auch die groben Granula, ist fein polygonal gefeldert. Von Längsfurchen ist auf dem Rücken keine Spur vorhanden. Die Bauchschilde sind rechteckig, etwas länger als breit, also relativ schmal; vom 2. an bis zu der dem drittletzten Beinpaar, die Analbeine eingerechnet, entsprechenden Ventralplatte mit einem grossen, durch seine Farbe sehr auffallenden, etwas erhabenen Poren- feld von quer ovaler Gestalt, in der hintern Hälfte gelegen. Die zahlreichen, unter einander ganz gleich grossen Poren füllen dieses Feld aber nicht ganz aus, sondern lassen vorn und hinten in der Mitte einen Bogen frei, so dass der Umriss des Porenhaufens biscuitförmig ist (Fig. U). Keiner der Bauchschilde hat besondere Grübchen oder sonstige Auszeichnungen. Die nicht von den Poren eingenommene Fläche der Ventralplatten ist reichlich beborstet. Die Zwischenschilde ziehen ohne mediane Unterbrechung oder Verschmälerung querüber und sind ebenfalls kräftig beborstet. Die letzte Ventralplatte ist gross, bedeutend breiter als die sehr lange und schmale vorangehende, die ebenso wie sie porenlos ist ; sie ist rhombisch, hinten nur wenig schmäler als vorn. Die Hüften der Analbeine haben jede zwei sehr grosse, zum Theil von der Ventralplatte verdeckte Poren (sogenannte „Pleuralporen"). Die Hüften sind nur massig aufgetrieben. Die Analbeine sind Tgliedrig, das Endglied ist kegelförmig und hat keine Kralle. Analporen sah ich nicht (Fig. 10). Das ganze Hinterende reichlich behaart. Fundort: Mah6, am Boden zwischen alten Blättern. B. Diplopoda. Fam. Polydesmidae. 10. Cylindroäesmus hivsutus Pocock. (Taf. 15, Fig. 7-9.) Vgl. Attems, System, der Polydesmiden, 1. u. 2. Theil, 1898, 1899. Eine ausführliche Beschreibung dieser merkwürdigen Art, die sich dadurch auszeichnet, dass die erwachsenen SS 19, die $$ 20 Rumpfsegmente haben und die ebensolche 2gliedrige Borsten be- 142 CARL ATTEMS, sitzt wie Raplosoma strubelli Verh., habe ich im Nachtrag zum 1. Theil meines Systems der Polydesmiden gegeben. Die betreffenden Abbildungen, die ich dort nicht mehr anbringen konnte, mögen hier ihren Platz finden. Fundort: Mah6. 11. Orthoniorpha gracilis C. Koch. Ueber die Literatur vergl. Attems, System der Polydesmiden, p. 117, 1898. Diese weit verbreitete Art liegt in einigen typischen Exemplaren von Mah6 vor. 13. Orthoniorpha crinita n» sp, Farbe: Kopf und Rücken kastanienbraun, Unterseite der Kiele und Seiten etwas heller, allmählich in das trübe Gelblichweiss des Bauches übergehend, Beine wie der Bauch, Antennen bis incl. 5. Glied kastanienbraun, die Endglieder weiss. Länge ca. 18 — 20 mm, Breite 2,5 mm. Antennen lang und schlank, Vorderkopf kurz behaart. Scheitel fast unbehaart, glatt und glänzend, Scheitelfurche scharf. Halsschild seitlich abgerundet, ohne scharfe Hinterecken. Kiel des 2. Segments deutlich tiefer herabreichend, sein Vorder- eck fast rechtwinklig. Hintereck kurz lappig, rund. Rücken glatt und glänzend. Halsschild und alle Metazoniten reichlich mit feinen Haaren bedeckt, ö. — 18. Metazonit mit tiefer, glatter Querfurche. Quernaht glatt. Seiten glatt, unbehaart. Kiele gut entwickelt, horizontal, massig hoch angesetzt, der Rücken daher gut gewölbt. Vordereck der Kiele abgerundet, Seiten- rand ungezähnt, etwas schräg nach aussen ziehend. Das Hintereck fängt vom 6. Segment an zackig den Hinterrand des Metazoniten zu überragen. Seitenrand kaum wulstig, die Poren ganz nach der Seite gerichtet, nahe dem Hintereck. Segmente 2 und 3 an Stelle eines Pleuralkieles mit einem ganz unbedeutenden Höckerchen, alle andern Segmente ohne jede Spur eines Pleuralkiels. Ventralplatten breiter als laug, quer eingedrückt, dicht und fein behaart, ohne Dornen oder dergleichen. Schwänzchen zugespitzt, relativ schlank. Analschuppe dreieckig. Fundort: Mah6 (2 ??). Wenn ich das Männchen dieser Art auch leider nicht beschreiben Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. ' 143 kann, dürfte 0. crinita durch die Behaarung des Rückens in Ver- bindung mit andern, sonst bei den wenigen behaarten Orthomorpha- Arten nicht vorkommenden Merkmalen, unter andern die autfallende Färbung der Antennen, sicher wiederzuerkennen sein. Myperothrix n. g. Von den 20 Rumpfsegmenten ist das letzte, das Analsegment, sehr reducirt, indem nur das kleine, kegelförmige Schwänzchen, die Anal- klappen und die Analschuppe erhalten sind, die auf der Ventralseite des das Hinterende des Körpers bildenden 19. Segments gelegen sind. S mit 28 Beinpaaren, 18. und 19. Segment fusslos. Kopf nicht vom Halsschild verdeckt. Antennen keulig. Halsschild vorn aufgeworfen, etwas breiter als der Kopf, sehr gewölbt. Rücken stark gewölbt, mit herab gebogenen Kielen. Kiele des 2. Segments grösser als die folgenden, tief Slappig. Kopf und Ober- seite der Metazoniten mit zahlreichen Wärzchen bedeckt, welche kleine Stiftchen tragen, der Rücken dadurch filzig behaart erscheinend. Pro- zoniten rings herum grob granulirt. Oberseite der Metazoniten durch Furchen in Beulen getheilt, welche seitlich besonders merklich sind. Saftlöcher auf den Segmenten 5, 7, 9, 10, 12, 13, 15—18. Ventral- platten sehr schmal. Auf der 5. und 6. je zwei Fortsätze, zwischen den Beinen jedes Paares einer. Copulationsfüsse : Hüfte besonders stark entwickelt ; Hüfthörnchen sehr klein. Schenkel quer eiförmig, stark beborstet, deutlich vom Endtheil abgesetzt. Dieser hat einen schlanken, sichelförmigen Ast mit der Samenrinne, den Hauptast und einen aus mehreren basal ver- bundenen Platten bestehenden Theil, den Nebenast. Das Charakteristische dieser Gattung liegt vor allem in der Ge- staltung des Hinterendes. Es ist ein Mittelding zwischen 19 und 20 Rumpfsegmenten. Das „Schwänzchen" ist bei allen Polydesmiden nur die hintere Verlängerung der Dorsalseite des das Hauptstück des Analsegments bildenden Ringes. Hier nun sitzt es als kleiner Kegel mit verbreiterter, halbkreisförmiger Basis auf der Unterseite des 19. Segments, deutlich von demselben getrennt. Seine Verbindung mit den Analklappen und dieser mit der Analschuppe ist die typische. Es ist somit nur der cylindrische Haupttheil des Analsegments, in dessen hintere Oeflfnung Analklappen und -schuppen eingesetzt sind, so reducirt, dass letztere Stücke in das vorangehende Segment hinein- gerückt sind. 144 CARL ATTEMS, Bei der Gattung Urodesmus Porat soll ebenfalls das Analsegment vom 19. Segment bedeckt sein; vielleicht dass unsere Gattung mit diesem afrikanischen Genus näher verwandt ist. Sehr auffällig ist auch die Sculptur der Metazoniten ; ähnliches kommt bei Cyrtodesmus Ptrs. vor, mit welcher Gattung die hier be- schriebene auch die grössere Entwicklung der Kiele des 2. Seg- ments theilt. 18. Hyiierothrix orophura n. sp. (Taf. 15, Fig. 1 — 6.) Farbe: Kopf und Rücken schwarz, letzterer stellenweise unregel- mässig fleckig gelblichbraun aufgehellt, ebenso die Seitenränder der Kiele. Vorderer Theil jedes Prozoniteu und die ganze Bauchseite sammt Beinen gelbbraun. Antennen in der basalen Hälfte farblos. Endkolben gelblich. Ziemlich schlank. Die Länge ist nicht mehr genau messbar, weil das einzige Exemplar in mehrere Stücke zerlegt wurde. Breite eines Segments in der Körpermitte mit Kielen 0,65 mm, eines Prozoniten 0,38 mm. Der Kopf wird nicht vom Halsschild bedeckt. Er ist dicht besät mit kleinen Wärzchen, von welchen jedes wieder ein grössere Anzahl kurzer Stifte trägt. Scheitelfurche deutlich. Antennen relativ lang, endwärts keulig verdickt; 5. und 6. Glied mit je einem Feld von Sinneszäpfchen. Halsschild gross, der allgemeinen starken Wölbung des Rückens entsprechend ebenfalls stark gewölbt. Die Seitenlappen etwas weniger stark herabgebogen, seitlich verschmälert und abgerundet; ein ziem- lich breiter Streifen des Vorderrandes ist kräftig in die Höhe gebogen. Der Rücken ist sehr gewölbt, die Kiele zwar noch nach abwärts gerichtet, aber doch nicht ganz der Wölbung des Rückens folgend. Sehr auffällig ist die Sculptur der Metazoniten. Sie sind nämlich dicht mit ziemlich grossen Wärzchen, die ganz unregelmässig gestellt sind, bedeckt. Alle diese Wärzchen tragen ein dichtes Bündel kleiner, kurzer, am Ende geknöpfter Stifte (Fig. 6), so dass das Thier wie filzig behaart aussieht. Die DorsalÜäche der Metazoniten ist durch 3 Längs- und 1 Querfurche in undeutliche Buckel eingetheilt ; an der Basis der Kiele werden die Buckel zahlreicher und unregelmässiger. Die Unterseite der Kiele ist dicht mit denselben Stiftchen bedeckt, wie sie dorsal auf den Warzen stehen, entbehrt aber der letztern. Die Prozoniten sind dicht und regelmässig grob granulirt, sowohl dorsal als ventral. Sie sind durch eine Linie in zwei hinter einander Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 145 liegende Hälften getheilt, die der gelben Farbe vorn und der schwarzen hinten entsprechen. Längs dieser Querlinie sind die Granula mehr in die Länge gestreckt, und hinter der Linie ist die Granulirung etwas gröber als vor ihr. In einem schmalen Streifen knapp hinter der Querlinie stehen kleine Börstchen zwischen den Granula. Die Kiele sind wohl entwickelt, der Vorderrand springt an seiner Basis stumpf schulterartig vor, der Seitenrand ist auf den porenlosen Kielen durch 2 Einschnitte in 3, auf den porentragenden Kielen durch 3 Einschnitte in 4 runde Lappen getheilt. Die Kiele des 2. Segments sind viel grösser als die andern, lateral verbreitert und durch zwei besonders tiefe Einschnitte dreilappig (Fig. 1). Die Kiele des 3. und 4. Segments sind nur zweilappig, der hintere Lappen ist der längere. Auf den hintern Segmenten wird die Lappung des Seitenrandes un- deutlich. Abgesehen von den Lappen ist der Rand fein rundzähnig oder wellig. Vorder- und Hinterrand der Kiele sind auf den meisten Segmenten ungefähr quer zur Längsaxe; auf den hintersten Segmenten bildet das Hintereck einen breiten, stumpfen Zacken. Die Saftlöcher liegen auf den Segmenten 5, 7, 9, 10, 12, 13, 15 — 18, nahe dem hintern Einschnitt. Die Ventralplatten sind sehr schmal, die Beine daher sehr nahe neben einander inserirt; auf der 5. und 6. stehen je zwei conische Fortsätze, zwischen jedem Beinpaar einer. Die Breite des Körpers bleibt bis zum 16. Segment die mittlere; 17. und 18. Segment werden allmählich schmäler, beide haben noch wohl entwickelte Kiele. Das 19. Segment hat keine Kiele und. bildet das Hinterende des Körpers, indem es ziemlich lang ist und das zum Theil reducirte Analsegment ganz auf seiner Ventralseite liegt, so dass die Spitze des Schwänzchens nicht einmal heraussieht. Vom Ring des Analsegments ist eigentlich nur seine hintere Verlängerung, das Schwänzchen, übrig geblieben, ein kleiner Kegel. Die Analklappen sind gross, wenig gewölbt, mit geraden Seitenrändern und nicht auf- gewulsteten Innenrändern, welche die gewöhnlichen zwei Borsten tragen. Analschuppe fast dreieckig mit zwei grossen Borsten (Fig. 3). Die Beine zeigen keinerlei Besonderheiten. Das 18. Segment ist fusslos, das S besitzt daher 28 Laufbeinpaare. Copulationsfüsse (Fig. 2, 4, 5): Die Hüfte derselben ist ausser- ordentlich stark entwickelt, die beiden Hüften in der Medianlinie durch eine schmale Brücke verbunden, resp. auf eine kurze Strecke ^it einander verwachsen. Die Hüfte ist besonders in die Quere ent- wickelt und bedeckt auch lateral einen Theil der folgenden Glieder 146 CARL ATTEMS, von aussen (Fig. 2). Sie trägt das winzige Hüfthörnchen, Der Schenkel ist quer eiförmig mit einer muldenartigen Verlängerung medianwärts, in welche das Hüfthörnchen hineinragt. Der Schenkel trägt den Endtheil des Organes, an dem wir einen schlanken, sichel- artig gekrümmten Theil mit der Samenrinne und mehrere an der Basis zusammenhängende Lamellen unterscheiden können ; von letztern ragt eine als breiter, stumpfer Haken median vor, die andern bilden eine Art Mulde, in welcher der Hauptast mit der Samenrinne liegt, Fundort: MahL Fam. Canibalidae Bollman. 1893. Cambalinae Bollman, in: Bull. U. S. nation. Mus., No. 46, p. 156. 1895. Cambalidae Silvestri, in : Ann. Mus. civ. Stör. nat. Genova (2) V. 14, p. 748. 1895. „ PococK, in: Ann. Mag. nat. Eist. (6) V. 15, p. 363. 1896. „ SiLVBSTßi, in: Ann. Mus. civ. Stör. nat. Genova (2) V. 16, p. 167. Unter dem Namen Cambalidae wurden mehrere Gattungen zu- sammengefasst, die jedoch zumeist nur ganz ungenügend gekannt sind, so dass sich heute noch nicht eine definitive Umgrenzung dieser Familie geben lässt. Die hierher gehörigen Genera wurden mit Aus- nahme der altern, vorzugsweise von Pocock und Silvestri be- schrieben, in keinem Falle jedoch genau genug, und wie flüchtig diese Autoren vorgingen, sieht man beispielsweise daran, dass Pocock 1893 bei seiner Gattung Cambala auch Trachiulus als Synonym anführt, trotzdem letzterer nach der ausgezeichneten Beschreibung Humbert's aus dem Jahre 1866 über die Myriopoden Ceylons ein ganz anderes Gnathochilarium hat. Auf letzteres kommt es bei Abgrenzung der Familien in der Unterordnung der luloidea vor allem an, und solche Ungenauigkeiten lassen noch weitere Irrthümer als möglich erscheinen. Das Gnathochilarium ist nur von Cambala^ lulomorpha, Trichocambala und Glyphiulus bekannt; bei allen ist es übereinstimmend so gebaut, wie unten beschrieben. Die Copulationsfüsse und sonstigen Geschlechts- merkmale des Männchens wurden noch in keinem einzigen Falle in genügender Weise beschrieben oder abgebildet. Pocock sagt bei- spielsweise in seiner Gattungsdiagnose von Cambala 1893: „1, Bein- paar reducirt wie bei lulus."" Welche der drei zusammengezogenen Gattungen, die er 1895 selbst wieder trennt, damit gemeint istj bleibt unklar. Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seycehllen. 147 SiLVESTRi hat in den „I Diplopodi" eine neue Familie, Trachy- iulidae, aufgestellt, mit den Gattungen : Trachyiulus, Camhalopsis, Olyphiulus, Camhalomorpha. Als gemeinsames Merkmal beschreibt er ein Gnathochilarium, wie Trachiulus es hat. Glyphiulus hat nun sicher ein anderes, und warum er Camhalopsis und Camhalomorpha ein solches wie Trachiulus vindicirt, weiss man nicht, da er diese Formen nicht selbst untersuchte und ihr Autor nichts darüber sagt. Die Unsicherheit in dieser Gruppe ist noch gross, und die Familien- diagnose, die ich hier gebe, kann nur eine provisorische sein, ge- gründet auf die Kenntniss der beiden Gattungen Glyphiulus und Agastrophus. Die Gattungen Camhala, Nannoleue^ lulomorpha und Tricho- cambala ziehe ich ebenfalls in diese Familie, vielleicht gehören auch Camhalopsis und Camhalomorpha hierher. Die Diagnose lautet: Gnathochilarium, vor dem Hypostoma eine breite, ungetheilte Spange (das Infrabasilare Silvestri's), vor dieser das trapezförmige Mentum und davor das dreieckige Promentum. Die Stipites mit kleiner Angel, seitlich an das Infrabasilare stossend, durch das Mentum vollkommen getrennt. Die Zungenplatten bis vorn durch das Promentum getrennt. Antennen keulig verdickt. Ocellen in runden Haufen oder ein- reihig oder ganz fehlend. Segmente oft mit Längskielen oder Tuberkeln, ebenso der Hals- schild. Ventralplatten der vordersten Segmente frei, vom 5. Segment an mit der Rückenspange verwachsen. 1. — 3. Segment mit je einem Beinpaar, 4. Segment fusslos; vom 5. Segment an je 2 Beinpaare. Saftlöcher auf dem 5. Segment beginnend, nur bei lulomorpha auf dem 6. Segment. Dorsaltheil des Analsegments abgerundet, ohne Schwänzchen. 1. Beinpaar des S häkchenförraig oder ein nur in der Glieder- zahl etwas reducirtes gewöhnliches Laufbeinpaar. Copulationsfüsse aus beiden Extremitätenpaaren des 7. Ringes bestehend, das vordere Paar breit blattartig mit beweglich ange- setztem cylindrischem Aussenarm. Gattung Glyphiulus Gervais. 1844. Eist. nat. las. Apt., V. 4, p. 170. 1881. Karsch, in: Z. ges. Naturw. (3) V. 6, p. 14. 1895. PococK, in: Ann. Mag. nat. Hist. (6) V. 15, p. 363. 148 CARL ATTEMS, Die OcelleD bilden einen rundlichen Haufen jederseits und liegen in Längsreihen. Die Antennen sind sehr kurz und keulig verdickt. Die Mandibeln haben 6 Kammblätter. An das Hypostoma (liy) schliesst sich nach vorn eine fast gleich gestaltete Platte an (i). Die Stämme des Gnathochilariums haben eine kleine Angel; sie sind basalwärts verschmälert und vollkommen durch die Kinnplatte getrennt. Au das Kinn (m) stösst nach vorn das dreieckige Vorkinn {pm) an, das die Zungenblätter ilb) vollkommen trennt (Fig. 24). Der Halsschild ist recht gross und mit einer Anzahl vom Vorder- bis zum Hinterrand ziehender Längskiele versehen. Die 1. Ventralplatte des S trägt 2 Hörnchen, die mit ihr ganz verschmolzenen Reste des 1. Gliedmaassenpaares. Die Ventralplatte des 1. — 3. Segments frei, d. h. nicht mit der Rückenspange ver- wachsen. Die ventralen Enden des Halsschildes und 2. Segments bleiben weit von einander getrennt; während die verschmälerten Enden der Rückenspange des 3. Segments sich hinter dem Ausschnitt, in dem die Ventralplatte liegt, über einander legen, ohne jedoch zu ver- wachsen. Das 4. Segment ist fusslos ; die ventralen Enden der Rückenspange verwachsen mit einander, doch bleibt die Naht kennt- lich. Vorn ist ein runder Ausschnitt in der Mitte der Ventralseite. Vom 5. Segment an verwachsen die Ventralplatten mit den Rückenspangen. Die Metazoniten haben Querreihen von Tuberkeln oder Kielen. Analsegment glatt, mit einem medianen Längskiel, hinten ab- gerundet und etwas dachartig vorspringend. Analklappen ziemlich flach. Die Saftlöcher beginnen auf dem 5. Segment und liegen auf einem der Tuberkel der vordem Reihe. Copulationsring ventral geschlossen; die ventrale Spange hat in der Mitte vorn einen halbrunden Ausschnitt, aus dem die Copulations- füsse herausragen. In der Mitte eine Verwachsungsnaht. Copulationsfüsse : Ventralplatte des vordem Paares schlank drei- eckig, jeder Fuss des vordem Paares ungefähr eine dreieckige Platte, die in der Mitte aussen einen cylindrischen Nebenarm trägt. Hinteres Paar: Ventralplatte mit zwei Zapfen, an denen die Copulationsfüsse articuliren. Letztere an der Basis verwachsen, jede aus einer breiten, zweitheiligen Platte bestehend, die eine zarte, hyaline Platte und einen zarten Wedel trägt. Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 149 14. Glyphiulus granulatus Gervais. (Taf. 16, Fig. 20 — 24). 1844. Hist. nat. Ins. Apt., V. 4, p. 170, tab. 44, fig. 10. Farbe: Rückenmitte röthlichbraun, seitlich schwarz, Bauch und Beine bräunlich ; vorderer Theil des Kopfes gelblichbraun, Scheitel schwarz, Antennen braun. Die rothbraune Rücken färbung erstreckt sich über die drei mittlem Tuberkelreihen, die schwarze Farbe über drei Reihen jederseits ; die unterste Tuberkelreihe fällt schon in das helle Gelb des Bauches. Länge 17 — 20 mm bei erwachsenen $$ von 54 resp. 60 Seg- menten. Breite des Halsschildes 0,9 mm, eines mittlem Prozoniten 0,6 mm, eines Metazoniten 0,74 mm. Kopf sehr glatt und glänzend, ganz unbehaart, eine Scheitel- furche am Thier in toto nicht sichtbar. Antennen sehr kurz, keulig verdickt, bis zum Anfang des 3. Segments reichend. Ocellen schwarz, 23 in 6 Längsreihen, von oben nach unten zu : 4, 5, 5, 4, 3, 2. Halsschild gross, gewölbt, fast quer elliptisch, seitlich jedoch etwas unregelmässig abgeschnitten, Seitenlappen vorn etwas concav. Die Fläche ist mit ca. 12 Längskielen versehen, die vom Vorder- bis zum Hinterrand reichen ; im Uebrigen ist er glatt und glänzend. Die Metazoniten haben einen grössern Umfang als die Prozoniten, der Uebergang ist ein plötzlicher. Die Metazoniten haben eine sehr charakteristische Sculptur, jeder besitzt nämlich zwei Querreihen von spindelförmigen Tuberkeln oder Knöpfchen ; in der vordem sind deren 12, in der hintern 11; es entsprechen nämlich den mittlem 4 Knöpf- chen der 1. Reihe 3 etwas grössere der 2. Reihe; die andern decken auf einander auf. Die Saftlöcher, auf dem 5. Segment beginnend, liegen in der Mitte eines etwas vergrösserten runden Knöpfchens, das 4., von der Ventralseite gerechnet, in der vordem Reihe. Ausser diesen Tuberkelreihen sind Pro- und Metazoniten fein ge- körnelt, die Prozoniten etwas gröber. An der Grenze zwischen beiden eine feine, undeutHche Längsstrichelung. Analsegment dorsal nur mit einem schwachen Längskiel, abge- rundet, die flachen Analklappen etwas dachartig überragend. Die 1. Ventralplatte trägt zwei nach vom gekrümmte Hörnchen und vor denselben auf einer niedrigen Auftreibung eine Anzahl starker Borsten. Die Hörnchen stellen die Reste des 1. Gliedmaassenpaares vor. Eine Gliederung an denselben oder eine Abgrenzung gegen die Ventralplatte ist nicht mehr zu sehen (Fig. 23). 150 CARL ATTEMS, Die 2. Ventralplatte bestellt aus zwei seitlichen Hälften, zarten, schmalen Spangen, die in der Mitte, so weit sie nicht durch die Basen der Füsse getrennt sind, durch eine zarte Membran verbunden sind. Die Mitte jeder Ventralplattenhälfte trägt die dünne, etwas ge- wundene Tracheentasche. Das 2. Beinpaar ist 6gliedrig, die Glieder jedoch etwas undeutlich abgegrenzt. Die beiderseitigen Basalglieder sind einander sehr genähert und am Grunde sogar mit einander ver- wachsen. Auf das Basalglied folgt ein beinahe kugliges 2. Glied, ein längeres schlankes 3. Glied, 4. und 5. Glied kurz, 6. fast so lang als das 3.; die Unterseite aller dieser Glieder mit einigen kräftigen Borsten, die Endkralle kräftig, mit einer kleinen Nebenkralle auf der Unterseite (Fig. 22). Hinter dem 2. Beinpaare mündet der zweitheilige Penis. Neben jeder der zwei Oeffnungen eine kräftige Borste. 3. Beinpaar: Ventralplatte zart, aus einem Stück bestehend; Ex- tremitäten Tgliedrig; Hüften die längsten Glieder, knapp neben ein- ander inserirt, parallel; Trochanter deutlich, aber kurz. 3. — 6. Glied ungefähr gleich lang, Endglied wieder etwas länger. Unterseite der Glieder mit einigen kräftigen Borsten. Alle Beine ohne Tarsalpolster. Copulationsring ventral hinter dem halbkreisförmigen Ausschnitt für die Copulationsfüsse durch eine ziemlich breite Spange ge- schlossen. In der Medianlinie zeigt dieselbe eine deutliche Ver- wachsungsnaht. Copulationsfüsse; Vorderes Paar (Fig. 21), Ventralplatte ein ziemlich schlankes Dreieck, dessen basale Ecken sich in die mit je einem schrägen Innenast versehenen Tracheentaschen fortsetzen, und dessen Spitze sich zwischen die verbundenen Basen der vordem Copulationsfüsse hineinschiebt. Letztere sind am Grunde breite Platten, und die beiderseitigen Hälften hängen nur durch eine schmale Brücke mit einander zusammen. Jede zieht sich auf der Medialseite in einen ziemlich langen Zipfel aus, so gross, dass die innere BegrenzungsHnie eine Gerade bleibt und das ganze Blatt unregelmässig dreieckig wird. Ungefähr in der Mitte des Blattes, etwas mehr nach aussen, ent- springt ein Nebenarm (N) in Gestalt eines stumpfen Balkens, dessen Ende in einen schräg nach innen und distal gerichteten dünnen, halb- rinnenförmigen Zipfel ausläuft. In die Basis dieses Nebenarms scheint eine Drüse einzumünden. Hiuteres Paar (Fig. 20): Die Ventralplatte ist zum Theil kräftig chitinisirt und articulirt durch zwei zapfenartige Vorsprünge mit den Basen der in der Medianlinie kurz verwachsenen Copulationsfüsse. Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 251 Nach dem Körperinnern setzt sich die Ventralplatte in die mit je einem Innenast versehenen Tracheentaschen fort. Der basale Haupt- theil jedes Copulationsfusses besteht aus einer fast viereckigen, un- deutlich zweitheiligen Platte, deren mediale, distale Ecke ein wenig wulstig verdickt und beborstet ist. Nahe dem Seitenrande steht eine Gruppe kleiner Stiftchen, und eine stärkere Borste steht an der Basis nahe der medianen Verwachsungsstelle mit dem Fuss der andern Seite. Aus der Mitte dieser Grundplatte entspringt eine zweite ab- gerundete, endwärts etwas verbreiterte, zarte, hyaline Platte {Hp), die nur in der Mitte eine stärker chitinisirte Rippe hat. Neben ihr entspringt ein Stiel, der nahe seiner Basis eine Articulationsstelle be- sitzt und am Ende in ein Büschel zarter Fransen sich auflöst. Fundort: Mah6 (Brauer), Inseln Mauritius und Bourbon (Gervais). Ag astrophus n, g. Körper klein und sehr schlank. Antennen massig lang, keulig verdickt. Ocellen in rundlichen Haufen, in Reihen geordnet. Mandibel mit grossem Zahn, grob gezähnter Platte und 6 Kamm- blättern. Gnathochilarium ganz ähnlich wie bei Glyphiulus (Fig. 29) : Vor dem Hypostoma eine breite Spange, das „Infrabasilare". Daran nach vorn anstossend das Mentum, das somit die Stipites bis zu ihrer Basis herab weit trennt. Letztere mit kleiner Angel. Das Mentum ist trapezförmig. Das Promentum dreieckig und trennt die Zungen- blätter bis zu ihrem Vorderende. Stipites mit je 2, Zungenplatten mit je einem Faden mit dem bekannten Sinneszäpfchen. Segmente sehr glatt; Saftlöcher weit hinter der Quernaht. Anal- segment ohne vorragendes Schwänzchen. Die ersten 4 Segmente haben zusammen 3 Beinpaare; welches Segment fusslos ist, gelang mir an dem einzigen Exemplar nicht fest- zustellen. Die Ventralplatten dieser vordersten Segmente sind nicht mit der Rückenspange verwachsen, die ersten 2 beim $ ein wenig verändert, indem sie aus zwei, durch eine Naht verbundenen seit- lichen Hälften bestehen. Die erste hat medial von jedem Beinansatz ein Zäpfchen, die zweite scheint mit den Hüften des 2. Beinpaares zu verwachsen. Vom 5. Segment an verwachsen die Ventralplatten mit der Rücken- spange, doch bleibt die Grenze zwischen beiden noch deutlich im 152 CARL ATTEMS, Chitin. Die vordere Ventralplatte jedes Doppelringes ist grösser als die hintere; am Hinterrande hat sie zwei halbrunde Ausschnitte, welche die vordere Begrenzung der Löcher für das vordere Beinpaar bilden ; schräg davor und nach aussen liegen die kleinen Stigmen. Die hintere Ventralplatte ist klein, unregelmässig quer oval und wird rückwärts umgriffen von den ventralen Enden der Rückenspange, die jedoch in der Medianhnie nicht mit einander verwachsen, sondern einen kleinen Schlitz offen lassen, der in das biscuitförmige Loch für die zwei hintern Beine führt (Fig. 25). Der Copulationsring ist ventral offen. Das 1. Beinpaar des 6 ist ögliedrig, ebenso das 2., doch scheint bei letzterm das Hüftglied mit der Ventralplatte verschmolzen zu sein, wäre also 6gliedrig. Vom 3, Paar an sind die Beine Tgliedrig. Der Penis, hinter dem 2, Beinpaar, ist 2theilig. Copulationsfüsse : Ventralplatte des vordem Paares kräftig ent- wickelt, ohne sichtbare Grenze in die Tracheentaschen übergehend. Die Copulationsfüsse erinnern in ihrem Bau sehr an die von Glyph- iulus und auch Isohates. Sie bestehen aus breiten, an der Basis ver- bundenen Platten, deren distaler Rand Faltungen und Taschen bildet; in der Mitte seitlich sitzt, beweglich angesetzt und durch kräftige Muskeln bewegt, ein cylindrischer Nebenarm. Das hintere Paar ist recht einfach gestaltet, kolbenförmig, in einen schlanken Zipfel auslaufend. 15. Agasti'ophus angiiinus n, sp. (Taf. 16, Fig. 25—30.) S' Farbe schwarz. Kopf und die 4 ersten Segmente gelblich, Beine und Antennen dunkel braun. Länge 17 mm, Breite ca. 0,6 mm. Sehr schlank. Zahl der Seg- mente: 55. Ocellen schwarz, in 5 Längsreihen zu 2, 3, 4, 4, 3 (links) oder 3, 3, 4, 4, 3 (rechts) oder in 4 Querreihen zu 3, 5, 5, 3 (links) oder 3, 5, 5, 4 (rechts). Fühler massig lang und keulig verdickt, beborstet. Vorderkopf beborstet. Scheitelfurche kurz, aber sehr deutlich. Der ganze Körper sehr glatt und glänzend, in der Naht zwischen Pro- und Metazoniten sind die Segmente nur leicht eingeschnürt. Metazoniten mit zwei Querreihen winziger, abste-hender Härchen. Saft- löcher von der Quernaht weit entfernt, fast in der Mitte der Meta- zoniten gelegen. Analsegment ganz ohne Schwänzchen ; Analklappen- ränder nicht merklich aufgewulstet. Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 153 1. Beinpaar (Fig. 27): Die Ventralplatte lässt noch deutlich ihre Zusammensetzung aus zwei seitlichen Hälften erkennen durch eine Naht im Chitin. Medial von jedem Beinansatz bildet sie einen runden Zapfen. Die Tracheentaschen, die mit Ausnahme eines kleinen Schlitzes im untern Theil kein Lumen haben, haben je einen kräftigen Innen- ast, der mit dem der andern Seite zu einer bogenförmigen Spange verwächst, die knapp unter der Ventralplatte liegt. Die Extremitäten sind ögliedrig; vom dicken Basalglied an nehmen die Glieder all- mählich an Umfang ab; das Endglied hat eine kleine Kralle ohne Nebenkralle. 2. Beinpaar (Fig. 30): Die Ventralplatte ist klein und zart, und es scheint, dass die Basalglieder (Hüften) der Extremitäten mit ihr verschmelzen. Am Ende der zwei die weitern Glieder tragenden Fortsätze der Ventralplatte sieht man nämlich Gelenkzäpfchen, wie sie sonst nur auf Beinghedern sich finden. Auch hier ist eine Trennung in zwei Seitenhälften durch eine Naht angegeben. Die Innen- äste der Tracheentaschen berühren sich auch, aber sie verwachsen nicht mit einander. Freie Glieder sind 5 vorhanden, von denen das 2., das längste, der Tibia entsprechen würde, wenn die Annahme richtig ist, dass die Hüfte mit der Ventralplatte verschmolzen ist. Ein Trochanter ist nicht erkennbar. Das 3. Beinpaar hat, wie die folgenden, eine normale, aus einem Stück bestehende Ventralplatte und 7gliedrige Extremitäten. Die Beine haben keine Tarsalpolster. Der Penis ist ganz wie bei Glyphiulus gestaltet, 2theilig, neben jeder röhrenförmigen Ausmündung eine starke Borste. Der Copulationsring ist auf der Ventralseite nicht geschlossen, sondern offen. Copulationsfüsse : Vorderes Paar (Fig. 28): Ventralplatte kräftig entwickelt, nach aussen mit einem dreieckigen Zipfel zwischen die Basen der Copulationsfüsse eindringend, nach innen ohne recht sicht- bare Grenze in die Tracheentasche übergehend. Die Copulationsfüsse sind an ihrer Basis durch eine kurze Brücke mit einander verwachsen. Sie sind 2gliedrig ; das basale Glied ist eine grosse, breite Platte mit glattem Innen- und Aussenrand. Der distale Rand ist mehrfach ge- zackt und gefaltet und bildet in der Mitte eine becherartige Höhlung. An der Innenecke ist er etwas verdickt und beborstet. Das 2. Glied sitzt in der Mitte der basalen Platte, etwas mehr nach aussen, hat die Gestalt eines schwach gekrümmten Hörnchens, dessen Ende ab- Zool. Jahrb. Xm. Abtli. f. Syst. 1 1 154 CARL ATTEMS, gerundet und beborstet ist, und überragt die Platte kaum. An seine Basis setzt sich ein sehr kräftiges Muskelbündel an, und zwar auf der Medialseite etwas oberhalb seiner Basis, so dass durch den Zug desselben das Hörnchen nach einwärts gezogen wird; letzteres dürfte somit als Greiforgan fungiren. Hinteres Paar (Fig. 26) : Sehr einfach gestaltet, im Ganzen kolben- förmig, nach dem Körperinnern zu in die mit einem langen, schlanken Innenast versehene Tracheen tasche übergehend. Am distalen Ende ein schlanker Zipfel; an mehreren Stellen Gruppen kräftiger Dornen. Fundort: Insel Silhouett (1 6). Fam. Spiroholidae. Gattung Spirobolus Brandt. 1833. in: Bull. Soc. Natur. Moscou, V. 6 (ex p.). 1894. PococK, in: J. Linn. Soc. London, V. 24, p. 484. 1896. SiLVESTRi, I Diplopodi, p. 58. Jederseits 3 — 5 Labralgrübchen. Halsschild seitlich verschmälert und abgerundet. Saftlöcher hinter der Quernaht gelegen. Keine Scobina vorhanden. Analsegment ohne oder mit kurzem Schwänzchen. Segmente glatt oder fein gestreift, ohne Kiele oder Höcker oder dergleichen. Copulationsfüsse: Vorderes Paar aus zwei hinter einander ge- legenen Blättern bestehend, von denen das hintere äussere das innere an Grösse beträchtlich überragt. Ventralplatte ungefähr in Gestalt eines umgekehrten römischen V, die Tracheentaschen am Ende der Arme derselben angesetzt. Das innere Blatt der Extremitäten setzt sich nach dem Körperinnern in einen den Tracheentaschen ähnelnden Stab fort. Hinteres Paar: Sehr einfach gestaltet, die beiderseitigen Hälften in der Mitte kaum zusammenhängend. Prostatadrüse fehlt (immer?). Samengrube und Rinne sehr kurz. Die Copulationsfüsse der Spiroholus zeigen grosse Aehnlichkeit mit denen von Bhinocricus und Trachelomegalus, mit erstem sowohl in dem vordem als hintern Paar, und gehören zum ersten Typus der zwei von Voges ^) aufgestellten Typen von Spirobolus. 1) Voges, in: Z. wiss. Zool., V. 31, 1878, p. 160. Dr. Brauer's Myiiopoden- Ausheute auf den Seychellen 155 16. Spiropolus teledapus n. sp. (Taf. 15, Fig. 13 — 16.) Farbe : gelbbraun oder erdfarben, Antennen und Beine heller gelb ; zwischen den schwarzen Augen eine schwarze Binde auf dem Kopf- schild; in der Umgebung der Saftlöcher ein schwarzer Fleck. Länge ca. 16 mm. Breite IV* — IV2 nam. Zahl der Segmente 37-38. Ocellen in einem abgerundet dreieckigen Haufen, die einzelnen wegen der geringen Grösse des Ganzen etwas schwer unterscheidbar. Unterhalb der Augen befindet sich eine Grube, in welche sich die Antennen hineinlegen können; letztere sehr kurz, massig dick. Die Backen des S bilden einen abwärts gerichteten, kleinen, spitzen Zahn. Oberlippe mit 4 + 4 Grübchen. Halsschildseiten von vorn und hinten gleichmässig verschmälert und ziemlich breit abgerundet; Vorderrand des Seitentheils fein ge- säumt ; die ganze Fläche sehr glatt und glänzend. Die Metazoniten haben einen merklich grössern Umfang als die Prozoniten, der Körper ist daher ein wenig rosenkranzförmig. Meta- zoniten sehr glatt und glänzend, Prozoniten etwas matt; die Naht zwischen beiden Theilen deutlich ; die Saftlöcher liegen weit hinter der Naht in der Mitte der Metazoniten. Unterhalb der Saftlöcher sind Pro- und Metazoniten sehr fein und weitschichtig regelmässig längs gestreift. Analsegment ohne Schwänzchen; die Analklappen gleichmässig gewölbt, ihre Ränder nicht merklich aufgeworfen oder aufgewulstet. Analschuppe flachbogig. 1. und 2. Bein paar des S im Wesentlichen gleich gebaut (Fig. 15): Ventralplatte zweitheilig, Tracheen tasche ohne Innenast. Beine 6gliedrig, 1 . Glied weitaus das grösste (dickste und längste) ; beide nahe neben einander inserirt und parallel, die folgenden 5 Glieder ziemlich kurz und dick, mit vereinzelten Borsten auf der Unterseite. Alle Beine ohne Tarsalpolster. Copulationsring ventral geschlossen. Copulationsfüsse : Das vordere Paar (Fig. 13, 14) erinnert ein wenig an diejenigen von Bhinocricus. Die Ventralplatte lässt in der Mitte die Zusammensetzung aus zwei Hälften erkennen. Basalwärts hat sich eine gebogene Spange (Sp) abgetrennt. Die Tracheentaschen des vordem Paares sitzen am Ende der lateralen Arme der Ventralplatte. Die Extremitäten bestehen auch hier wie bei Trigonoiulus und Bhino- cricus aus 2 Blättern, von denen das innere (Li) sehr klein ist; nach 11* 156 CARL ATTEMS, dem Körperinnern zu geht es ganz wie bei Rhinocricus in einen Sehnen und Muskeln zum Ansatz dienenden Stab (M) über. Das äussere Blatt (Le) ist etwas gefältelt und am Rande gebuchtet, und birgt in der Ruhelage zwischen seinen Falten den hintern Copulations- fuss. Die distale mediale Ecke bildet einen einwärts gekrümmten rundlichen Lappen. Die hintern Copulationsfüsse (Fig. 16) gleichen gar nicht denen von Trigonoiulus, sondern durch ihre Einfachheit viel eher denen von Rhinocricus und Trachelomegalus. Die beiderseitigen Copulations- füsse sind nur ganz schwach häutig verbunden, und jeder steckt, wie schon erwähnt, mit seinem distalen Theil in den Falten des vordem Copulationsfusses darin. Die Basis ist ziemlich breit, in der Mitte ist das Organ verengt und wird am Ende wieder dicker ; nach der Verengerung sieht man eine undeutliche, blasige Einsenkung (bei * Fig. 16), wahrscheinlich das Homologon der Grube bei Trigonoiulus, aus der die Samenrinne entspringt; eine solche konnte ich hier nicht beobachten. Das Ende des Fusses ist in eine runde, fein geriefelte Platte und eine krallenartige, kräftige Spitze gespalten. Die Tracheen- tasche ist ein langer, dünner Stab ohne Lumen. Fundort: Mah6 (einige S6)- Gattung Trigonoiulus, 17. Trigonoiulus naresi (Pocock). (Taf. 16, Fig. 31.) 1893. Spiroholus naresi Pocock, in: Ann. Mag. nat. Hist., (6) V. 11, p. 252, tab. 16, fig. 4. 1896. „ „ Brölemann, Myr. des iles Sechelles, in: Mem. Soc. zool. France, 1896, p. 534, tab. 10, fig. 1-8. Die Beschreibung Pocock's ist sehr kurz und sagt über die Copulationsfüsse gar nichts. Brölemann hat letztere zum Theil ab- gebildet und ergänzt auch die Angaben Pocock's (Hüftfortsätze des 3., 4. und 5. Beinpaares). Diese Art gehört übrigens in die Gattung Trigonoiulus und nicht zu Spiroholus. Es sind 2 4-2 Labralgrübchen vorhanden, die Saftlöcher liegen vor der punktirten Quernaht. Der Halsschild ist seitlich zu- gespitzt. Scheitelgrübchen fehlen, ebenso eine Verlängerung des Anal- segments, ein Schwänzchen. Die Prozoniten sind glatt, die Meta- zoniten dorsal ebenso, ventral sind sie fein längs gestreift. Die hintern Copulationsfüsse sind bisher nicht beschrieben und t)r. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. ]^57 auch nicht abgebildet, während Brölemann von dem vordem Paar zutreffende Abbildungen, allerdings ohne Beschreibung, gegeben hat. Vorderes Paar : Die Ventralplatte hat die gewöhnliche Form eines römischen V mit ziemlich breit abgestutztem Winkel ; von den beiden hinter einander liegenden und lateral gelenkig mit einander ver- bundenen Theilen der Extremitäten ist das vordere oder innere Blatt (Li) in der Mitte etwas eingeschnürt, am Ende abgerundet mit schräg nach aussen abgeschnittenem Rande. Das hintere oder äussere Blatt (Le) ist an der Basis breit kegelförmig, verjüngt sich dann zu einem schlanken, in stumpfem Winkel nach innen gebogenen Cylinder, dessen Spitze wieder ein stumpfes Häkchen, lateral gerichtet, bildet. Hinteres Paar (Fig. 31): Die nur an einzelnen Stellen stärker chitinisirte, sonst zarthäutige Ventralplatte, der Prostatagang mit seiner Blase wie bei allen Verwandten. Vor dem Innenarm (J) auf der Hohlseite 2 runde, hyaline Lappen. Der Innenarm selbst gross, am Ende etwas breiter als an der Basis, die Ränder gefranst, die Oberfläche fein gestrichelt. Zwischen dem breitzähnig einwärts ge- richteten Ende des Copulationsfusses und dem Innenarm eine zu einer Rinne eingefaltete Lamelle. Die Art und Weise der Weiterbeförderung des Spermas durch die Copulationsfüsse lässt sich bei dieser Art recht gut erschliessen. An der Basis des hintern Copulationsfusses befindet sich eine trichter- artige Grube (ö), functionell der Samengrube im Schenkel der Poly- desmiden - Copulationsfüsse entsprechend. (Morphologisch natürlich nicht, da sie bei beiden in verschiedenen Fusspaaren vorkommt.) Aus dieser Grube entspringt eine Rinne, die Anfangs eine Schlinge macht und dann auf dem medialen Rand des Copulationsfusses zum Innen- arm hinzieht. Bei naresi mündet sie am Ende des letztern. In die Grube mündet die Blase (JB), die das Endreservoir für das Secret der Prostatadrüse vorstellt, welches ihr durch den Prostatagang (Pr) zu- geführt wird. Da den Copulationsfüssen der Spiroboliden ein dem Hüfthörnchen oder einem Flagellum entsprechendes Organ fehlt, dürfte deren Thätigkeit durch das Prostatasecret ersetzt werden, indem es eine Weiterleitung der Spermaballen befördert. Fundort: Mah6. 18. Trigonoiulus urophorus (Pocock). (Taf. 16, Fig. 34—36.) 1893. Spiroholus urophorus Pocock, in: Ann. Mag. nat. Hist. (6) V. 11, p. 251, tab. 16, fig. 3. ]58 CARL ATTEMS, Die citirte Beschreibung Pocock's ist etwas kurz und sagt ins- besondere über die auch nicht abgebildeten Copulationsfüsse gar nichts, so dass eine Neubeschreibung nicht überflüssig sein dürfte. Farbe : geringelt, Prozoniten dunkel sepiabraun, Metazoniten gelb- braun, Beine braungelb, Kopf und Antennen dunkel braun, Oberlippe gelblich aufgehellt. Länge über 40 mm, Breite 3,50 — 4,30 mm. Zahl der Segmente bei erwachsenen SS: 52, 54. Kopfschild glatt, Scheitelfurche seicht, bis zum Beginn der Augen reichend. 2 -f 2 Labralgrübchen, Antennen kurz, zurück- gelegt etwa bis zum Hinterrand des 3. Segments reichend, massig verdickt. Halsschild seitlich verjüngt, am Ende abgerundet; Vorderrand der Seitenflügel gerade oder unmerklich concav, Hinterrand leicht convex. Die Naht zwischen Pro- und Metazoniten ist eigentlich nur auf der Rückenmitte als scharfe Linie deutlich ; weiter unten ist in ihrer Gegend nur eine seichte Depression zu bemerken, die nur durch den Farbenunterschied zwischen Pro- und Metazoniten hervortritt. Pro- zoniten dorsal spiegelglatt und glänzend ; unterhalb der Saftlöcher sehr seicht und schräg längs gestreift, Metazoniten fein gerunzelt, auf der Rückeumitte mit un regelmässigen, seitlich unterhalb der Saftlöcher mit regelmässigen, weitschichtigen, parallelen Längsstricheln versehen. Saftlöcher gerade in der Quernaht. Hinterende des Körpers merklich verjüngt ; Analsegment dorsal mit hakigem Schwänzchen, etwa wie beim europäischen lulus molyhdinus. S. Endglied der Beine, vom 3. Paar angefangen, mit grosser Haftsohle. Hüften des L und 2. Beinpaares sehr verlängert und parallel neben einander; sie sind mit der Ventralplatte fest und un- beweglich verbunden, die Grenzen jedoch noch deutlich sichtbar, die folgenden Glieder innen hervorgewölbt, kurz, mit einzelnen kräftigen Borsten. Ein deutlicher Trochanter ist nicht sichtbar. Copulationsfüsse : Vorderes Paar (Fig. 34) : Ventralplatte endwärts allmählich verjüngt und abgerundet, die basalen Schenkel etwas aus- gebogen. Der innere Lappen der Extremitäten (i.i) etwas kürzer als der äussere, abgerundet; der äussere {Le) mit einer seichten, rinnen- artigen Depression in der Mitte. Hinteres Paar (Fig. 35, 36) : Wenn auch die Copulationsfüsse bei allen Trigonoiulus im Wesentlichen gleich gebaut sind, ergeben sich doch überall Difl'erenzen in der Gestalt der einzelnen Theile und in Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 159 der Chitinisirung. Hier z. B. sind beide Hälften der Ventralplatte durch kräftige, bogige Spangen mit einander verbunden, während bei naresi gerade die Mitte weichhäutig bleibt. Der Prostatagang mit seiner Endblase (B), die Grube und die daraus entspringende Samen- rinne wie bei naresi beschrieben. In der Mitte der Hohlseite gewahrt man einen spitzen, hyalinen Lappen. Einen deutlich abgetrennten Innenarm kann man nicht unterscheiden, sondern die correspondirenden Theile sind in fester Verbindung mit dem Hauptstamm des Organs, und nur das Ende der Samenrinne löst sich als schlanker Zipfel los. Ende des Fusses abgerundet mit einem zarten, gefransten Läppchen auf der Hohlseite. Fundort: Mah6. 19. Trigonoiulus braueri n. sjp. (Taf. 15, Fig. 17—19; Taf. 16, Fig. 32, 33.) Farbe: graubraun, in der Höhe der Saftlöcher ein schwarzer Längs- streifen jederseits, Beine gelbbraun. Länge ca. 45 mm. Breite 4 mm. Zahl der Segmente 54 (1 . S. 13. Vorderer Copulationsfuss, von vorn. V^ Ventralplatte, Li Lamina interna, Le Lamina externa, Tr.T^ Tracheen- tasche, 31 Sehnen und Muskelansatz. 14. Vorderer Copulationsfuss, von hinten. >S^; von der vordem Ventralplatte abgetrennte Spange, Cp^ hinterer Copula- tionsfuss, Tr.T^ Tracheentasche des letztern. Die übrige Bezeichnung wie bei Fig. 13. 15. 2. Beinpaar. Y 2theilige Ventralplatte, Tr.T Tracheen- tasche, 1 — 6 die Beinglieder. 16. Hinterer Copulationsfuss. * Blasige Einsenkung, Tr.T Tracheentasche. Fig. 17 — 19. Trigonoiulus hraueri n. sp. 17. Basaltheil des hintern Copulationsfusses , von derselben Seite gesehen wie Fig. 19, stärker vergrössert. Pr Pro- stata-Ausführungsgang, jB Blase, in welche der vorige mündet, C Verbindungsgang zwischen Blase und Grube Zool. Jahrb. XIH. Abth. f. Syst. 12 170 CARL ATTEMS, (Cr), aus welcher die Samenrinne (Sr) entspringt, ^K" stark chitinisirter Zapfen in der Ventralplatte, Fig. 18. Ventralplatte und Hüfte des hintern Copulationsfusses von der andern Seite als Fig. 17 und 19. 19. Ganzer hinterer Copulationsfuss. ** Grenze zwischen Hüfte und Schenkel, Tr.T Tracheentasche. Tafel 16. Fig. 20 — 24. Glyphiulus granulatus Gerv. 20. Hinteres Paar der Copulationsfüsse. 21. Vorderes Paar der Copulationsfüsse. N Nebenarm, Y Ven- tralplatte. 22. 2. Beinpaar. P Penis. 23. 1. Beinpaar, mit der Ventralplatte verschmolzen. 24. Gnathochilarium. Fig. 25—30. Agastrophus anguinus n. sp. 25. Ventraler Theil eines gewöhnlichen Doppelsegments. F^ vordere, V^ hintere Ventralplatte mit den kleinen Stigmen, 0 Oeffnungen für die Beine. 26. Hinterer Copulationsfuss. 27. 1. Beinpaar. IV. T Tracheentaschen mit ihren verschmolzenen Innenästen (J"), F Ventralplatte. 28. Vorderes Paar der Copulationsfüsse. 29. Gnathochilarium. 30. 2. Beinpaar. YG Ventralplatte und Hüfte verschmolzen, 1 Schenkel, 2 Tibia, 3—5 Tarsus. Fig. 31. Trigonoiulus naresi Poe, hinterer Copulationsfuss. Fig. 32 u. 33. Trigonoiulus hraueri n. sp. 32. Vordere Copulationsfüsse. 33. Ende des hintern Copulationsfusses, stärker vergrössert. Fig. 34 — 36. Trigonoiulus urophorus Poe. 34. Vorderer Copulationsfuss. 35. Hinterer Copulationsfuss. 36. Ende des vorigen, stärker vergrössert. Tafel 17. Fig. 37 — 42. Siphonophora hraueri n. sp. 37. Kopf, Ventralseite. 38. Vorderer Copulationsfuss, von der Seite. 39. Ende des hintern Copulationsfusses. 40. Beide Paare der Copulationsfüsse, in toto , von hinten. I vorderes, II hinteres Paar. 41. Rückenspange eines Segments aus der hintern Körperhälfte. 42. Mundtheile. Dr. Brauer's Myriopoden-Ausbeute auf den Seychellen. 171 Fig. 43—50. SiphonopJiora tropiphora n. sp. 43. Ende eines vordem Copulationsfusses. 44. Ganzer vorderer Copulationsfuss. 45. Ende des hintern Copulationsfusses. 46. Hinterende, Ventralseite. 47. 50. Segment, Rückenspange. 48. 1. Beinpaar. 49. Pleuren des 6. und 7. Ringes. 50. Rückenspange des 7. Ringes. (Vergrösserung 2 mal die von Fig. 47.) Fig. 51 — 60. Orsilochus crassiceps n. sp. 51. Vorderende, Dorsalseite. 52. Vorderende, Ventralseite. 53. Ventrale Hälfte des Rüssels (Unterlippe), von innen. 54. Kiefergerüst. 55. Vorderende des vorigen, stärker vergrössert. 56. Eine Tracheentasche mit Tracheen. St Stigma. 57. 1. Beinpaar des 8. Ringes. V Ventralplatte, PI Pleural- platte. 58. Hinteres Paar der Copulationsfüsse. 59. Vorderes Paar der Copulationsfüsse. 60. Ende eines vordem Copulationsfusses, von der andern Seite als Fig. 59. 12* Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht vorbehalten^ Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. XII. Aufsatz. Ueber Diplopoden aus Griechenland. Von Dr. phil. Carl Verlioeff in Bonn a. Rh. Hierzu Tafel 18. I. Vorbemerkungen. Die Zahl der Griechenlandreisenden ist heute nicht mehr gering^ aber gering ist die Zahl der Naturforscher unter ihnen. Daher sind wir, was insbesondere die Fauna Griechenlands anbelangt, von einer einigermaassen gründlichen Erforschung noch weit entfernt, obwohl es damit naturgemäss in den verschiedenen Thierclassen sehr ver- schieden aussieht. Da meines Wissens bisher noch nie ein Zoologe den Diplopoden und Chilopoden seine Hauptaufmerksamkeit in Griechenland zugewandt hat, so will ich, der ich in erster Linie nach dieser Richtung hin thätig war, einige allgemeine Bemerkungen voraus- schicken, welche an sich nur wenig oder gar nichts Neues enthalten, auch nicht für Botaniker oder Geologen bestimmt sind, in Bezug auf die Faunistik der genannten Classen und zur Charakterisirung der allgemeinen Naturverhältnisse aber Wichtigkeit haben und viel- leicht auch für manchen andern Forscher nützlich sind, der bisher (wie ich) von den Balkanländern nur die nördlichen kannte. Meine Forschungen erstreckten sich auf 1) Corfu, 2) Attika, 3) den Peloponnes. In letzterm lernte ich (von der Insel A e g i n a abgesehen) die Landschaften A c h a j a , A r g o 1 i s , Ar- kadien und Messenien kennen. I. Corfu (1 Woche in der 1. Hälfte des April). Berühmt sind die herrlichen Olivenwälder. Von wirklichen Wäldern kann hier Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 173 Übrigens nicht die Rede sein, so prächtig ausgewachsen auch viele der grubenreichen, zerklüfteten, alten Baumgestalten anzutreffen sind. Vielmehr bemerkt man (so weit ich wenigstens gesehen habe) überall schon an den gleichraässigen Abständen die ordnende Hand des Menschen. Am häufigsten von auffallendem Kräutern trifft man in den Olivenpflanzungen in deren wenig dichtem Schatten allenthalben die im April blühende Liliacee Asphodelus ramosus L. In manchen Olivenhainen ist sie völlig herrschend, und hier ist die Fauna der Myriopoden arm. Wo dagegen Buschwerk von Rubus, Pistaceen, Quercus ilex, von typischem Quercus u. s. w. dicht verschlungen steht, ist auf reichere Beute zu rechnen, besonders wenn Steintrümmer hinzukommen. Hier finden sich auch vielfach Arum, Genista (blühend), Pteris und Lorbeereichen. Geschlossene Laubwälder fehlen fast vollständig, auch Nadel- waldungen habe ich nicht bemerkt. Die typischen Quercus sind für das Vorkommen verschiedener Formen sehr wichtig, treten aber äusserst spärlich auf. Vereinzelte Bäume nützen dem Myriopoden- Forscher wenig, weil ihr Fallaub meist verweht wird, kleine Bestände müssen aber mühsam gesucht werden, und ich habe (am Fusse des Mt. Salvatore) überhaupt nur ein kleines Eichenwäldchen gefunden, theilweise Buschwerk, theilweise Bäume. Das Erstere dient besonders zum Festhalten des Fallaubes. In der nähern Umgebung der Stadt Corfu findet sich viel Sand- stein, der bei dem Zerfall einen zähen Lehmboden bildet. Bei Man- dukio sind die ganzen Abhänge am Meer zäh lehmig und besetzt mit einer flach glockig bis tellerartig ausgebreiteten Distel. Die Oliven- haine bei Alipu in hügeliger Gegend sind fast steinlos, weil der Saudsteingrund und sein Zerfallstoff, der Lehm, vorherrschen. Hier und da giebt es bröcklige Sandsteinklumpen. Sonst findet sich ausserordentlich viel Conglomerat auf der Insel, das in rundliche, verschieden grosse Trümmer zerfällt. Diese pflegen die Bauern an den Feldrändern zu rohen Mauern aufzu- schichten, besonders am Rande der Weinpflanzungen. Da diese Con- glomeratstücke viele Löcher enthalten, bieten sie zahlreichen Kerb- thieren vorzüglichen Unterschlupf. Auch Kalkstein ohne Conglomerat ist häufig, so bei Mandukio (Kalkbrennerei). Am Dekaberg wittert er vielfach zu scharfen, ver- worren gestalteten Zacken aus. Am Mt. Salvatore giebt es in Kugeln zerfallenden Kalk, häufig auch conglomeratartigen. Zwischen Potamo 174 CARL VERHOEFF, und Pyrgi trifft man die terra rossa und gleich in ihrem Gefolge Erica arborea. An verschiedenen Punkten dehnen sich üppig grüne Wiesen aus, mit zahllosen Ranunculus, Ajuga, Geranium, Bellis, Chrysanthemum und kleinen Umbelliferen. Die Bachbetten sind meist mit trockenem Geröll erfüllt, einen kräftigen Bach sah ich nur bei Potamo, Mehrere Teiche sind reich- lich mit Schilf bestanden und beherbergen am Rande verhältniss- mässig viele Chilopoden, als Feinde der vielen dort hausenden In- secten u. a. Die Berge (Höhe: Deka 568 m und Salvatore 914 m) sind auf den Kuppen ebenfalls waldlos, au den Abhängen ziehen sich theilweis die Olivenpflanzungen hinauf. Nur den Deka habe ich theilweis be- stiegen und untersucht, aber nicht bis zur Spitze, da sich bald heraus- stellte, dass die Fauna der Abhänge mit den tiefern Gebieten im WesentHchen übereinstimmte. Der Mt. Salvatore machte mir einen ähnlichen Eindruck, weshalb ich seine Besteigung unterliess. Die Hochfläche, die schon bei der Ankunft des Reisenden vom Dampfer aus so auffallend gerade erscheint, macht einen wüsten Eindruck. Besucht habe ich von Corfu aus das Gebiet zwischen Salvatore und Deka, darüber hinaus nicht. Die Fauna macht an den ver- schiedenen Punkten einen ziemlich übereinstimmenden Eindruck. Die Unterschiede sind auf Rechnung des verschiedeneu Vorkommens von Holzpflanzen zu setzen. Die üppigsten subtropischen Anpflanzungen finden sich bei Kastrades und Gasturi (Achilleion), haben aber für die Myriopoden keine namhafte Bedeutung. Eine eigentliche Laubwaldfauna fehlt gänzlich, die spärlichen Reste von Laubwald genügten offenbar nicht, um eine solche zu er- halten. Die Lysiopetaliden (6 Arten) bilden den hervorragendsten Charakterzug der Myriopoden-Fauna. Regen fiel bei meiner Anwesenheit 2 — 3 mal, so dass der Boden genügend befeuchtet war, ohne dass eigentliche Nässe herrschte. Auf die Vorliebe einiger Arten für gewisse Pflanzen komme ich weiter unten zurück. n. A 1 1 i k a (1 Woche in der 2. Hälfte des April). Wasser- arme St ein wüste ist die kürzeste Charakterisirung dieses arm- seligen Gebiets, dem man auch die Insel Aegina zuzählen kann. Attika ist ein schroffer Gegensatz zu Corfu, der schroffste, den man (von den Hochgebirgen abgesehen) in Griechenland überhaupt Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 175 finden kann. Allerdings habe ich zum Ueberfluss auch noch un- günstige Witterung getroffen, da der Frühlingsregen ausgeblieben war und so seit Januar eine fortgesetzte Dürre herrschte. Die Hügel rings um Athen und weiterhin die Abhänge des Hymettos, bestanden mit niedern, charakteristischen "Wüstenpflanzen, Hessen nirgends auch nur die geringste Feuchtigkeit erkennen, vielmehr war auch unter Pflanzenresten und Steinen gänzliche Dürre anzutreffen. Die Strassen bedeckte zoll- bis fusstiefer Staub. Viele Hügel lassen mehr Stein- trümmer als Pflanzen erkennen, obwohl hier und da eine saftstrotzende Umbelliferenknospe sich zwischen den Steinen hervorbrach und dann, schon ehe sie sich öffnete, durch Haufen von Amphicoma (Scara- bäiden) belagert wurde. Manche lehmreichern Flächen sind reich be- deckt mit einer tellerartig ausgebreiteten Silenee, unter deren Zweig- lein auffallend viele Kerbthiere Schutz suchen. Die Umgegend von Athen ist waldlos. Die Kephissos-Ebene, deren 4—5 und wohl noch mehr Meter tiefer Lehmboden ausgedorrt ist, enthält zwar viele Oel- bäume, aber unter diesen herrscht dieselbe Dürre wie im Hymettos, der hier und da Pinienbestände aufweist. Asphodelus ist auch bei Athen gemein, stand aber schon überall in Frucht uad zeigte fast ganz verdorrte Blätter. Weiter im Innern von Attika (bei Morusi und Kephisia) giebt es hier und da üppige Anpflanzungen, gespeist durch theilweis künst- liche Wasseradern, und hier ist die uns interessirende Fauna weniger dürftig, aber auch nur an sehr wenigen, besonders begünstigten Stellen. Sind solche Kunstanlagen neuern Datums, so wird man selbst an Plätzen mit genügender Feuchtigkeit umsonst nach massiger Beute ausspähen. Der sehr schwach und dann vorwiegend mit Pinien bewaldete Pentelikon zeigte die gleiche Dürre wie die übrigen Gegenden Attikas. Ahorn und Eiche trifft man nur sehr vereinzelt, und dann war unter dem Fallaub nur selten noch Feuchtigkeit zu spüren. Nur zwei tiefere Bachklüfte wiesen hier und da noch Wassertümpel auf, zwischen denen bisweilen auch noch eine schwache Wasserader rieselte. Da gab es denn hier und da wieder etwas feuchtes Laub mit einigen Kerbthieren. Erica arborea und verschiedene Kräuter, die vordem auf Corfu blühten, waren hier schon längere Zeit abgewelkt. An einer Wasserrinne bei der Hochquelle stehen stachlige Grasbüsche, zwischen denen sich auch noch einiges Thierleben erhalten hatte. Als wir uns im Schatten der Pinien auf ausgedörrte Nadeln hinstreckten, war auch der Boden darunter wie ausgeglüht. 176 CARL VERHOEFF, Aegina machte einen ebenso wüstenartigen Eindruck wie Attika. Aspliodelus und Oliven sind häufig, Ahorn und Eichen habe ich nicht bemerkt. Das Diluvium zeigt lehmigen Boden, in dem viel Wein gezogen wird. Der Fels zerfällt in viele rundliche Trümmer, die zahlreich die wüsten Felder bedecken. Grössere Felsstücke bilden hier nnd da geradezu Felsenmeere. Stachlige Grasbüschel stehen spärlich an feuchten Stellen des Strandes. Opuntien, Aloe und Feigen sind ebenso spärlich vertreten. Vom Küstenstreifeu, soweit er felsig war, und einer einzigen, kleinen, tiefen Mulde abgesehen, herrschte unter und zwischen den Felsstücken völlige Thieröde. III. Peloponnes (3 Wochen, 2. Hälfte des April und Anfang Mai). Eine so üppige, subtropische Vegetation wie stellenweise auf Corfu traf ich annähernd nur in einigen Gebieten des ebenen Mes- seniens. Die Bodenfeuchtigkeit war (von Patras abgesehen) eine aus- reichende, zumal mehrfach zum Theil heftige Niederschläge erfolgten. In Argolis und Arkadien herrschte zum Theil kühle Witterung. Die Gegenden von Nauplia, Tiryns und Argos sind waldlos, zwischen diesen Plätzen dehnt sich eine fruchtbare Ebene, und un- gefähr in ihrer Mitte erhebt sich der Hügel von Tiryns. Oelpflanzungen mit ihren charakteristischen Kräutern, Stauden und niedern Sträuchern sind genug vertreten, aber nirgends Laubbuschwerk, an den Land- strassen hier und da prächtige Espen. Grossfrüchtige Urticaceen und grossblumige, breitblättrige Distelgewächse fallen bei Nauplia be- sonders auf, zahlreich sind auch wieder filzige Salvien und in der Ebene nahe der Meeresbucht zahllose stachlige Grasbüschel. Ein- zelne Wassergräben mit genistführenden Rändern sind besonders beachtenswerth. In der arkadischen Hochebene bei Tripolitza fehlt wieder der Wald, nur hier und da trifft man Gebüsche von Quercus ilex. Vor- herrschend sind neben Getreidepflanzungen peträische Abhänge, an denen besonders eine saftstrotzende Euphorbiacee vorherrscht, auch Felsenmispeln, Aromia, sind nicht selten. Asphodelus steht meist noch in Blüthe. Obstbäume und Oliven wachsen nur hier und da an geschützten Stellen. Opuntien, Oleander, Cypressen fehlen ganz oder fast ganz. Die rothe Erde ist vorwiegend, der Kalkstein hart, nur an kleinen Stellen schieferartig zertrümmernd. Bei Leontarion gegen Messenien zu tritt plötzlich schön grüner Laubwald auf, gebildet vorwiegend von der an der Oberseite der Blätter fein behaarten arkadischen Eiche. Meist ist es Buschwald, ab und zu finden sich aber auch stattliche Bäume, die namentlich in Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden, 177 zerstreuter Anordnung an kahlem Abhängen vorkommen. Durch solche sehr schütte Baumpflanzungen wird sowohl die Bodenhumus- bildung zum Schaden des Waldes beeinträchtigt, als auch, im Zu- sammenhang damit, die reiche Entfaltung der uns hier interessirenden Bodenkerfe gehemmt. Auch in dieser Gegend blüht Asphodelus und ist sehr häufig. Hier und da giebt es kleine Bestände von Carpinus und Acer, häufiger ist Pteris, besonders aber ein gelb blühendes Spartium, das im Verein mit dem in Griechenland so ungewohnten frischen Eichengrün an heimische, deutsche Wälder erinnert. Zerstreut stehen umher Oliven, Rubus und Crataegus. Boden löss- oder lehm- artig, mit geringer Kiesbeimischung. Diese Quercus-Zone bildet den Uebergang zum eigentlichen Mes- senien, indem beim Abstieg in die obere messenische Ebene die Laubgewächse immer spärlicher werden, bis mit der Erreichung jener gesegneten Gefilde immer mehr die Lorbeer- und Fettgewächse vor- herrschen, also die Landschaft, welche wir von Corfu her kennen. Neben den im Gebiet von Nauplia vorherrschenden Pflanzen treffen wir also wieder Opuntien, Cypressen, Feigen, Wein, blühende Oel- bäume u. s. w. In Untermessenieu herrschen an Oedplätzen wieder Disteln und Nesseln vor. Der Grund besteht aus Lehm oder Sand, mit Kies eingeschlossen. Der Fluss bei Kalamata (Nedon) von sehr breitem Geröllbett enthielt nur wenig Wasser in kleinen Adern, ist hier und da schlickig und grenzt mehrfach an Sandwände, mit Lagen von verbackenem Ge- röll oder Kies (daraus die Burg zusammengeklebt!). Weiter östlich kommt ein Bach aus tiefer Geröllschlucht, in der Oleander, Quercus ilex, Manna-Eschen, Pistaceen u. a. gedeihen. Auch hier giebt es nirgends eigentlichen Laubwald. Nur einen einzigen Eichenwald (in ca. 350 m Höhe) habe ich am Ithomeberge besucht, er erinnert nach Charakter und Lage an die Gegend von Leontarion. Das Gebirge ist in Messene vorwiegend karstig, die Küste sah ich nur kiesig-sandig, ohne Tang oder Seegras, und daher thieröde. In Achaja haben wir drei verschiedene Gebiete der Tiefenland- schaft: 1) die wüstenartigen, peträischen Hügelgelände, die Bach- geröllgebiete und dürren Culturländer, 2) trockene Pinienwälder und 3) Eichenbestände. Die Pinienwälder (z. B. bei Lampiri) stehen in Lehm oder terra rossa auf grobem Kies, sind sehr dürr und be- sonders untermischt mit Quercus ilex, Pistaceen, Malven, Myrthen, Lorbeereichen und verwilderten Oelbäumen, natürlich thierarm und an einen kiesigen, tang- und seegrasöden Strand stossend. Die Eichen- 178 CARL VERHOEFF, bestände (z. B. bei Lappa, westlich von Achaja) sind die prächtigsten, die mir im Peloponnes vorgekommen, gleichwohl arm an LJntergebüsch und daher auch ziemlich dürr und arm an ungeflügelten Bodenkerfen, immerhin viel belebter als die Pinienwälder. Die einzelnen Eichen, oft von mächtiger Gestalt, stehen wieder sehr zerstreut und lassen daher den glühenden Sonnenstrahlen zu viel Gelegenheit, den Unter- grund, den oft nur magere Gräser besetzen, gewaltig auszudörren. Alle geschilderten Gebiete stimmen mithin darin überein, dass ein gemischter Laubwald, wie wir ihn aus nördlicheren Ländern kennen, entweder ganz fehlt oder in Folge mangelnden oder schwach entwickelten Unterholzes Fallaub am Boden nur in geringem Maasse aufweist. Auch in den günstigsten Fällen (Leontarion) hemmt ein sehr trockenes Klima die Entwicklung der Laubthiere. Patraea oder Steinwüste, dies ist die vorherrschende Landschaft, Lauraea an günstigen Gestaden hängt namentlich von milden Seelüften ab, daher ist auch das lang gestreckte Corfu für Griechenland ein be- sonders begünstigtes Gebiet, wie wohl überhaupt die ionischen Inseln. Wie wir sehen werden, entfaltet sich auch auf Corfu das verhältniss- mässig reichste Leben an Diplopoden. II. Einschlägige Scliriften. Die bedeutendste Arbeit, welche bisher über griechische Myrio- poden erschienen ist, wurde von Eugen v. Daday verfasst: Myrio- poden extranea Musaei nationalis hungarici, in : Term. Füzetek, 1889, p. 115 — 156, mit 2 Tafeln. Darin werden aus Griechenland folgende Diplopoden angegeben : 1. Dolistenus savii Fanz, 2. Platydesmus typhlus Daday 3. „ mediterraneus Dadäy 4. lulus austriacus Latz. + 5. fallax Mein. + 6. fuscipes C. K. (+) 7. varius C. K. (-f) 8. cattarensis Latz. 9. hermanni Dad. 10. melancholicus C. K. (?) 11. fuscofasciatus Dad. 12. fuscifrons Dad. (?) 13. Lysiopetalum fasciatum Latz. -\- 14. „ degenerans Latz. + Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 179 15. Lysiopetalum trifasciatum Dad. + 16. „ imicolor Dad. (?) 17. „ scabratum L. K. 18. ,, erheri L. K, 19. ,, uniUneatum Dad, (?) 20. „ longicorne Dad. (?) 21. Craspedosoma tvagae Gervais (?) 22. Trachydesmus simoni Dad. 23. Paradoxosoma granulatum Dad. 24. Polydesmus complanafus L. (?) 25. „ denticulatus C. K. (?) 26. „ graeciis Dad. 27. „ wawws C. K. (?) 28. „ mediterraneus Dad. 29. Gervaisia costata Waga var. acutula Latz. L. Koch, Zur Myriopodeofauna Südeuropas, Oct. 1867, in: Verh. zool.-bot. Ges. Wien, beschreibt folgende Formen: 1. Lysiopetalmm scabratum 3. Lysiopetalum erheri 2. „ idericum (?) 4. „ corcyraeum (?) F. Karsch, Verzeichniss der von v. Oertzen in Griechenland und auf Kreta gesammelten Myriopoden, in: Berlin, entom. Z., 1888, p. 220—224 erwähnt: 1. lulus fallax Mein. + 2. Pachyiulus varius F, + 3. „ semiflavus C, L, K. = flavipes F. 4. „ fuscipes C. L. K. (?) 5. „ atticus Karsch -f- 6. lulus {Allaiulus) impartitus Karsch 7. Lysiopetalum sicanum Berlese + Endlich hat noch F. Silvestri einige Thiere von Zante bekannt gemacht: Chilopodi e Diplopodi di Zante, in: Ann. Mus. civ. Genova, 1896, p. 5-8: 1. Polydesmus mediterraneus Dad. 2. Pachyiulus varius (F.) (?) 3. Ophiiulus pilosus (Newp.) (?) 4. „ parellenicus Silv. 5. Chromatoiulus podabrus Latz. 6. Brachyiulus pusillus Leach + 7. Callipus trifasciatus Dad. (?) 180 CARL VERHOEFF, Zieht man alle diese Aagaben zusammen, so ergiebt sich eine Gesammtzahl von 39 Diplopoden, bekannt von Corfu, Attica und dem Peloponnes. Diese Zahl muss um so grösser erscheinen, als die Hochgebirge bislang nicht erforscht wurden. Leider ist einerseits ein Theil der Arten zu schlecht beschrieben, um den heutigen Anforderungen ge- ntigen zu können, andrerseits eine ganze Reihe unrichtig gedeutet worden, was im Folgenden (Abschnitt IV) weiter erörtert werden wird. Hinsichtlich der Lysiopetaliden verweise ich auf meine in den Zoologischen Jahrbüchern erschienene Arbeit über paläarktische Lysiopetaliden, welche auch die griechischen behandelt. IIL Eigene Funde. In den oben bereits genannten Gegenden Griechenlands habe ich im Ganzen folgende Formen beobachtet: 1. Bolistenus savii Fanzago 2. Platpdesmus mediterraneus E. Daday 3. „ typhlus Dad. nebst var. roseus n. 4. Gervaisia costata corcyraea n. suhsp. 5. Strongylosoma (Paradoxosoma) arcadicuni n. sp. 6. „ (TracJiydesmus) simoni Dad. 7. Polydesmus graecus Dad. 8. „ mediterraneus Dad. 9. „ sp. 10. Lysiopetalum aJbidicoUe n. sp. 11. „ scahratum L. Koch. 12. „ scahratum peloponnesiacum n. suhsp. 13. „ dorsovittatum n. sp. 14. „ argolicum n. sp.. 15. „ comma n. sp. 16. Himatiopetalum ictericum (L. Koch) mihi 17. Dorypetalum degenerans trispicuUgerum n. suhsp. 18. lulus (Leptoiulus) trilineatus C. K. var. ohscurus Verh. 19. Typhloiulus sp. 20. Brachjiulus {Cyphohracliyiulus n. suhg.) euphorbiarum n. sp. 21. „ „ argolicus n. sp. 22. „ (Chromatoiulus) sp. 23. „ (Microhrachyiulus) apfelhecki Verh. 24. „ „ corcyraeus n. sp. 25. „ „ corcyraeus arcadicus n. suhsp. 26. PacJiyiulus fuscipes C. K. var. arcadicns n. Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 131 27. Pachyiulus (Megaiulus) cattarensis Latzel 28. „ „ flavixyes F. nebst var. cattarensoides n. und var. rufas n. 29. Heteroporatia (?) sp. 1. Dolistemis savii Fanzag o. Nur in 2 $S (20 mm) und 1 ? (18 mm) am Ithomeberge in Messenien, wo ich alle drei in einem kleinen Walde an Eichenrinde fand, alle mit 66 Rumpfsegmenten. (In die völlige Uebereinstimmung mit den Thieren aus Italien setze ich vorläufig noch etwas Zweifel.) Hinsichtlich der Mundtheile der Colobognatha muss ich hier einige Bemerkungen einschalten, Latzel i) sagt auf p. 57 seines Diplopodenwerkes, dass die „Mundklappe selten andeutungsweise vor- handen" sei. Das ist aber nicht richtig ^). Wie man aus meiner Fig. 1 ersieht, ist das Gnathochilarium von DoUstenus ganz gut ausgebildet, besitzt Hypostoma (%), ein grosses Mentum (nie), sogar die Spur eines Promentums, deutliche, getrennte Lamellae linguales (11), grosse Stipites gnathochilarii (stg) und auch die Andeutung kleiner, rund- licher Cardines, nur die Endlappen fehlen. Es sind also alle Hauptt heile einer Mundklappe erhalten. Dasselbe gilt für die Gattung Platydesmus, deren Mundtheile sehr ähnlich gebildet sind (nur die Cardines sind grösser, frei und schärfer abgesetzt). E, V. Dadat hat sie a. a. 0. in fig. 3 zum ersten Male dargestellt, aber nicht völlig richtig, in so fern als das kleine Promentura ver- gessen, die Lamellae zu kurz und die Cardines zu klein angegeben sind. — Man kann auch die Maodibeln nicht (mit Latzel) als „ge- wöhnlich sehr verkümmert" bezeichnen. Sie liegen allerdings, im Verhältniss zu den andern Chilognathen, sehr verdeckt, weil keine deutlichen, vortretenden Backen entwickelt sind, auch sind sie in der That klein, aber dennoch deutlich ausgebildet. Latzel hat gewiss Recht, wenn er p. 355 behauptet, dass bei den Colobognathen ein „wirkliches Saugen nicht stattzufinden scheint". Die Kleinheit der Mandibeln halte ich für entsprechend der vor- wiegenden Aufnahme von weichem Mulm und weichen Borkentheil- chen, und die schmale Form des kleinen Kopfes ermöglicht ein besseres Durchsuchen enger Rinden- und Holzspalten. 1) Die Myriopoden der österr.-ungar. Monarchie, 1880 — 1884. 2) Eür Polyzonium hat das auch J. Muhr dargelegt (vgl. Mund- theile von Scolopendrella und Polyzonium, Prag 1882, in: Jahresber. des deutsch. Gymnasiums). 182 CARL VERHOEFF, Hinsichtlich des 1. Rumpfsegments der Diplopoden hatR. Heymons in einer hübschen Arbeit „Ueber Segmentirung und Körperbau der Myriopoden", in: SB. Akad. Wiss. Berlin, 1897, gezeigt, dass das An- hangspaar desselben rückgebildet wird. Das gilt aber nicht für die Colobognatha, indem bei ihnen vor dem 7. Rumpfringe nicht (wie gewöhnlich 7) sondern 8 Beinpaare stehen, deren erstes dem Collum- segment angehört, was übrigens niemals „mehr oder weniger rudi- mentär" ist, wie Heymons behauptet, sondern stets (wenigstens rücken- wärts) gut ausgebildet. Der Besitz der genannten 8 Beinpaare, im Verein mit dem eignen Typus der niedrig orgauisirten (namentlich vordem) Copulationsfüsse, die eigenartige Kopfform und Kleinheit sowie verdeckte Lage der Mandibeln (nicht aber die Beschaffenheit der Mundklappe) bewirken, dass ich die C o 1 o b o g n a t h a wieder aus den Chilognatha heraus- stelle und als eine diesen und den Pselaphoguatha gleichwerthige Gruppe (Unterclasse) erachte, so wie es bereits von Latzel aufge- fasst wurde, obwohl unsere Begründungen nicht ganz übereinstimmen. Das 4.-8. Beinpaar des S haben innen am Ende der Krallen- spitze eine feine, glasige Verbreiterung, die an weiter gediehene ähnliche Bildungen bei Polysonium erinnert. 2. Platydesmus ty^^hlus Daday. Obwohl Daday's Diagnose nicht ganz mit meinen Thieren über- einstimm.t, meine ich doch, dass in Wirklichkeit unsere Formen über- einstimmen, denn einmal stimmen meine Stücke von Corfu mit denen, welche ich in Messenien sammelte, überein, zeigen also, dass die Art in Griechenland weiter verbreitet ist, sodann giebt auch Daday Corfu und den Peloponnes als Fundorte an, endlich machen mir die Zeich- nungen Daday's den Eindruck, als seien sie etwas zu eilig hergestellt. Diese Art fand ich ausschliesslich unter Eichenrinde: Corfu, mit 28 und 37 Rumpfsegraenten (cJö). S$ von 72/3— 11 mm Länge, ? 9—15 mm lang; ein junges ? von 5^2 ™i^i- Am Ithome-Berge nur an wenigen Bäumen, dann aber immer gesellig. S von IIV2 ^^^-^ "^it 37 Segmenten, S von 18 mm, mit 48 Segmenten; ? von 17 mm, 49 Segmenten und, ? von 10 V2 ro^Q, 45 Segmenten. Folgende jungen $? habe ich untersucht: 91/, mm mit 32 Segmenten \ ,, .... , n^i 91 l ^'^® "^^^ gelblicher 5VJ ;; ," 21 ;; (S st.) J Körperfarbe Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 183 5^/2 mm mit 22 Segmenten \ 4:^1^ „ „ 19 „ I alle von gelblicher 4^/2 „ „18 „ j Körperfarbe 4 „ „ 16 „ (2 St). ) 1. — 4. Beinpaar des S an den beiden letzten Gliedern innen mit Borstenkamm, das 5. und 6. noch am letzten Glied mit solchem, am 7. und 8. stehen nur noch zerstreute, gewöhnliche Borsten. 1. und 2. Beinpaar ohne Hüftsäcke und ohne Trochanteren. 3. — 8. Beinpaar des eloponnesiacuni Verh. Pentelikon, Kephisia, Nauplia, Burg Larisa, Tiryns, Leontarion, Ithome, Kalamata. Fast immer unter Steinen. 16. Dorypetalum degenerans trispiculigerum Verh. Nur auf Corfu gefunden. Nicht häufig, hier und da unter Laub oder Steinen. 17. Mimatiopetalum ictericttm (L. Koch) Verh. Nur auf Corfu. Lebt an ähnlichen Plätzen wie Lysiopetalum alhidicolle unter Steinen und ist ebenfalls mehr in den Küstengebieten als im Innern zu finden. (Näheres über diese 8 Lysiopetaliden findet man in meiner schon angeführten Arbeit, X. Aufsatz.) 18. lulus (Leptoiulus) tvilineatus C. K. var, obscura Verh. Die SS stimmen in den Gonopoden durchaus mit denen aus andern Mittelmeerländern überein, wodurch aufs Neue meine Dar- legung bestätigt wird, dass diese Art durch östliche mediterrane Ge- biete weit verbreitet ist. Auch die Stücke von Corfu entsprechen dem Typus. Das Velum der Hinterblätter ist ungezähnt oder besitzt höchstens vor dem Ende noch ein Nebenspitzchen. Die helle Grundform ist mir nirgends vorgekommen, aber ein- zelne Stücke gehen schon zur var. nigra Verh. über. Vorkommen: Corfu, in Eichengebüschen unter Laub und in Rubus-Dickichten (nur 1 S, sonst meist ?? und junge SS)- Pelo- ponnes nicht selten : Patras, unter Acer-Laub ; Leontarion, unter Acer- und Quercus-Laub ; Ithome ebenso; Kalamata, unter faulenden Opun- tien-Stücken; Lappa bei Achaja im Eichenwald. Tripolitza, unter Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myriopoden. 191 Laub von Quercus ilex. Attika bei Kephisia 1 junges S im Mulm von Pappel. An allen diesen Fundorten $$ und junge SS, nur bei Ithome 1 S, das durch mancherlei kleine Verletzungen sich als ein schon altes Stück ergab. Diese Vorkommnisse führen, im Verein mit meinen frühern Mittheilungen aus der Herzogowina, zu dem Schluss, dass die reifen (Je? in der heissen Sommerszeit in dürren, nicht besonders hoch gelegenen südeuropäisch-mediterranen Ländern fehlen, indem sie vor dieser Periode absterben. 19. Typhloiulus sp. Corfu, unter Eichenlaub am Fuss des Mt. Salvatore nur 1 $ von 13 mm Länge, 42 Rumpfsegmenten und 71 Beinpaaren, also 4 beinlosen Endsegmenten. Gehört entweder zur Untergattung Typhloiulus oder Haploprotopus Verh., was erst durch Auffindung des $ entschieden werden kann. Erinnert sehr an T. ganglbaueri Verh., doch ist der Endfortsatz gerade, also nicht oder doch nicht deutlich herabgekrümmt. Be- borstung aller Segmenthinterränder deutlich ausgebildet und auch fast senkrecht abstehend, aber kürzer als bei ganglbaueri. 30. JBrachyiulus Untergattung Cyphobrachyiulus mihi. Im Uebrigen mit Chromatoiulus übereinstimmend, aber ver- schieden durch die Hüften des 2. Beinpaares des The gen. of recent Moll., V. 2, 1858, p. 26—27. Hirundella Gray, Figures, V. 4, 1850, p. 95; Guide, 1857, p. 193. Forma corporis ut in Doridiidis propriis ; clypeus dorsalis posterior attamen postice ufrinque in processum elongatum compressum continu- atus {rhinophoria nulla). Gray, der in seinem bekannten „list" (1847) die typische Form dieser Gattung gar nicht erwähnt, stellte erst später (1850) seine Hirundella auf, welche mit der Chelidonura ^) von Adams identisch ist. Was die Namen-Priorität hier betriÖ't, so ist die Benennung des letztern Verfassers (der wenigstens doch die Schale des Thieres ge- sehen zu haben scheint) wahrscheinlich vorzuziehen und die Be- rechtigung Gray's vielleicht nicht grösser als bei Ceratosoma (Adams et Reeve)2). Die Gattung, die bisher sich fast nur auf die Beschreibung Quoy's von seiner Bulla hirundinina stützte^) und sehr zweifelhaft stand, wird jetzt genauer festgestellt. Sie steht den echten Doridien sehr nahe und unterscheidet sich 1) xüiÖMv — ovQci Schwalbenschwanz. 2) Vgl. meine Malacol. Unters., Heft 10, 1876, p. 391 Note 1. 3) Voy. de l'Astrolabe, Zool., V. 2, 1832, p. 367—369, tab. 26, fig. 20—25. Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier, 213 im Aeussern wesentlich nur durch ganz andere Form der Hinter- flügel, die lang und zusammengedrü ckt sind. Die von QuOY erwähnten räthselvollen „trois petits pinceaux de soies courtes" auf dem „Kopfe" sind aller Wahrscheinlichkeit nach (s. unten) eigen- thümliche Tastapparate. Auch im innern Bau (Prostata) sind viel- leicht Unterschiede von den echten Doridien vorhanden. Die von Quot entdeckte Form (Bulla hirundinina) stammt von dem Ile de France bespülenden Meer^) und ist vielleicht selbst mit der unten untersuchten aus dem Stillen Meer stammenden identisch. Angas hat übrigens noch eine Form der Gattung (in : Proc. zool. Soc. London, 1867, p. 116, 227 ; tab. 13, fig. 32), die Chelid. angasi PiLSBRT 1. c. V. 15, 1893, tab. 59, fig. 14 erwähnt. Chelid, hirundinina (Q. et G.) var. elegans Bgh. n. ? sp, (Taf. 19; Taf. 20, Fig. 26—33.) ? B. hirundinina Q. et G., 1. c. 1832, p. 867—369, tab. 26, fig. 20 -25. Chelidonura hirundinina (Q. et G.) Maktens, in: Beitr. zur Meeres- fauna der Ins. Mauritius und der Seychellen, 1880, p. 305, tab. 21, fig. 5, 6. Pars marginalis pleuropodiorum latere externa linea coloris laeti ornata. Von dieser Form lagen mir 8 fast ganz gleich grosse Individuen vor, bei der kleinen Koralleninsel Laysan (800 Meilen NW. von 1) Mit der Bezeichnung „ Chelidonura sp. ? " hat Rev. R. Boog Watson mir im Jahre 1894 die (12 mm lange) Bleistiftskizze eines bei Funchal (Madeira) gefischten Thierchens geschickt. Dasselbe konnte der undeutlichen kleinen Skizze zu Folge und der beigelegten kleinen bräunlichen Schale nach vielleicht eine Chelidonura gewesen sein. Der auch mitgeschickten flüchtig entworfenen Beschreibung lässt sich nicht entnehmen, ob eine Chelidonura oder ein Boridium vorliegt. Watson liefert keine Grössenangabe, dagegen beschreibt er die Farbe des Thieres. Dasselbe ist opak-weiss oder wenigstens nicht ganz durchsichtig (quite translucent) ; überall, besonders am Fuss und am Vorderschild, mit einigen ganz kleinen carmesinrothen Punkten (ticks of crimson) ausgestattet ; die Spitzen der Schwänze sind carmesinroth. Am Hinterkörper schimmert, besonders an der linken Seite, ein mehr opaker, bräunlicher Körper durch. — Watson sah nie das Thier schwimmen, dagegen suchte es sich immer mit einer dünnen Lage von Sand zu bedecken und kroch in demselben. Es scheint hier eine bisher unbeschriebene Thierform, vielleicht eine neue Chelidonura, vorzuliegen. 214 R. BERGH, Honolulu) gefischt und meistens in 4-proc. Formol aufbewahrt. — 6 Individuen wurden der anatomischen Untersuchung geopfert. Die einander sehr ähnlichen Individuen hatten eine Länge von 14 mm (mit den Hinterfltigeln) bei einer Breite (bei ausgeschlagenen Fussflügeln) von 5 — 6 mm und einer Höhe (an dem Hinterende des Vorderschildes) von 4 mm. — Die Farbe der Fussohle und der Aussenseite der Parapodien war sammetschwarz, längs des Randes der letztern verlief eine weisse Linie (Fig. 2), die nur am Vorderende des Fusses abgebrochen war; die Innenseite der Parapodien grau mit Durchschimmern der erwähnten Linie. Die Körperseiten und der Zwischenraum zwischen den Schildern sowie das Hinterende des Körpers gräulichgelblich; die Kieme, der Anus und die Vulva (Vesti- bulum genitale) etwas mehr weisslich, ebenso die Genitalfurche. Die obere Seite des Vorder- wie des Hinterschildes sammtschwarz, ebenso und an beiden Seiten die Flügel des letztern. Am Vorderschild (Fig. 1) waren zwei vorn und hinten in einander bogenartig übergehende, hier und da in kleine Flecken (Fig. 14) aufgelöste, schmale, weisse Linien vorhanden, die nach aussen meistens 1 — 2 kurze Zweige abgaben (Fig. 1); zwischen den 2 Linien fanden sich mitunter einige in einer oder zwei Linien geordnete Fleckchen. Der Hinterschild zeigte ganz ähnliche, mehr oder weniger continuirliche Linien, immer aber drei, die von einander geschieden waren und von welchen sich die äussern längs der Aussenseite der Hinterflügel, meistens bis an ihre Spitze fortsetzten. Auch längs der Mitte der Innenseite der Flügel fand sich eine ähnliche weisse Linie, mitunter in längliche Fleckchen aut- gelöst (Fig. 3). Die Unterseite der Ränder der Schilder grau (Fig. 3). Die Formverhältnisse im Wesentlichen wie bei andern Doridiiden. Der eigentliche Kopf unter dem Vorderrande des Stiruschildes etwas verborgen, den Fussrand kaum überragend. Derselbe war an der Vorderseite abgeplattet und in der Mitte etwas eingesenkt, mit rund- lichem oder quer ovalem Ausseumunde (Fig. 4). Oberhalb desselben fand sich jederseits ein kleiner Höcker, welcher sich bei 20maliger Vergrösserung (Leitz) mit kleinen, weissen Spitzen besetzt zeigte. An jeder Seite des Aussenmundes lag ein länglicher, senkrecht stehender, nicht schmaler Wall, der auch mit den eben erwähnten ähnlichen Spitzen bedeckt war; der Wall setzte sich mit einer mehr niedrigen und schmälern Verlängerung auf den Vorderrand des Vorder- schildes fort (Fig. 4). — Der ziemlich flache, ganz ebene, 6 mm lange Vorderschild (Fig. 1, 3) vorn abgestutzt und jederseits einen kleinen Höcker bildend (Fig. 14); seine Seitenränder ein wenig ge- Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 215 löst hervortretend; sein gerundetes Hinterende lappenartig stark hinaufragend und wie der ganze Schild schräg aufsteigend (Fig. 3). Von diesem Schild durch einen in die Körperseiten übergehenden, von vorn nach hinten etwas concaven Zwischenraum geschieden liegt der Hinterschild (Fig. 1, 3). Derselbe ist auch ganz eben, nach allen Richtungen etwas gewölbt; der Vorderrand fast nicht gelöst, und die Seitenränder nur ganz wenig; etwa an der Mitte der Seitenränder findet sich eine Einkerbung ; in der stärkern rechten liegen die Vulva und der Grund der Kieme entblösst. Hinten ragt der Schild frei hervor und geht jederseits in einen am Grunde dicken und breiten Hinter flügel über, welche über das Hinterende des Körpers stark hervorragen. Diese Flügel (Fig. 1, 3) sind fast so lang oder etwas länger als der Hinterschild, am Grunde breiter, der rechte meistens breiter als der linke und ein Halbdach über die Kieme bildend ; dieser breitere Theil ist an der Unterseite durch eine schräg verlaufende Leiste begrenzt (Fig. 5). Die Flügel sind sonst beide von derselben Länge, zusammengedrückt , eben , allmählich zugespitzt (Fig. 5) ^). Die Körperseiten (Fig. 3) sind eben, wenig gewölbt, nicht sehr niedrig, fast am höchsten zwischen den Schildern, wo sie in einander über- gehen , am ein wenig verschmälerten , gerundeten Hinterende des Körpers setzen sie sich in einander fort. An der rechten Körper- seite zeigte sich nach hinten unter dem Ausschnitt des Randes des Hinterschildes ganz oben die Anal Öffnung und unter derselben die 3,5 mm lange, nur am Grunde befestigte, sonst frei nach unten, hinten und links absteigende Kieme (Fig. 3). Vor dem Grunde der letztern und ein wenig mehr nach unten findet sich die gleichsam gespaltene Vulva (Fig. 3), von welcher ab sich die feine, zweilippige Genital- furche nach vorn in gewöhnlicher Weise hinzieht. Oben fand sich dicht unterhalb des Vorderschildes ein kleiner Fleck, vielleicht Re- präsentant eines Geruchorgans. — Der grosse Fuss (Fig. 2) vorn schmäler, mit gerundeten Ecken ; der 2 mm lange Schwanz hinten gerundet. Der Fuss geht ohne Grenze in die grossen Pleuropodien (Fig. 1) über, die etwa halbmondförmig waren und allmählich niedriger sich an das Vorder- wie an das Hinterende des Fusses fortsetzten ; sie waren ziemlich dünn, aussen wie innen glatt; der Rand kaum dünner, schwach wellenartig gebogen. 1) Bei' dem einen Individuum (aber nur bei diesem) fand sich am obern Rande des linken Hinterflügels gleichsam eine kleine Geissei (Fig. 15), gewiss nur eine zufällige Abnormität. 216 E. BERGH, Die Schale (Fig. 8, 9), die in der Länge der vollea Hälfte des eigentlichen Hinterschildes entspricht, verhält sich ganz wie bei den andern Doridiiden. Sie umfasst hinten das hintere Ende der Zwitter- drüse und der Leber und hängt mit dem Hinterrand der grossen letzten Windung fest an der äussern Körperwand. Die Länge der Schale betrug 3,5 mm; die Farbe war röthlichgelb, nur der der ganz verkalkten Nuclealpartie (Fig. 9) angrenzende hinterste Theil der grossen Windung kalkweiss ; sie war relativ hart, aber leicht zerbrech- lich, nur im weissen Theil stärker; die Anwachsstreifen der grossen Windung ziemlich stark. Die vordere Randpartie war cuticulaartig und bei dem einen Individuum nur die Nuclealpartie verkalkt. Das Centralnervensystem (Fig. 10, 11) sowie überhaupt die Ganglien abstechend weiss; sie waren von rundlicher Form. Die auf dem Vorderende des Schlundkopfes liegenden cerebralen Ganglien (Fig. 10 a, 11 a) durch eine starke, aber ziemlich kurze Commissur verbunden; sie sind durch ganz kurze Connective mit den pleuralen und pedalen Ganglien verbunden. Die pleuralen Gang- lien hinter den vorigen liegend, durch ebenfalls kurze Connective mit den pedalen Ganglien verbunden. Das rechte ist grösser, an der Mitte etwas eingeschnürt; der obere Theil, das eigentliche pleurale Ganglion, ist rundlich, fast so gross wie das andere pleurale Ganglion ; der untere, ein wenig kleinere Theil, das branchiale Ganglion, ist mehr birnförmig. Das linke pleurale Ganglion liegt hinter dem etwas grössern cerebralen, mitunter (Fig. 11) etwas einwärts, ist rundlich. Die pleuralen Ganglien sind durch eine ziemlich lange Commissur ver- bunden, an welcher sich unten in der Nähe des rechten Randes des hintern Endes der Schleimdrüse ein genitales Ganglion (Fig. 10c) entwickelt findet, auch in der Mitte eingeschnürt. Von dem branchi- alen Ganglion geht ein N. branchialis aus, welcher am Grunde der Kieme ein secundäres Gangl. branchiale (Fig. 10 d) bildet. Hinter und nach aussen von den cerebralen Ganglien liegen die rundlichen pedalen Ganglien (Fig. 10 hh, 11 66), die nur wenig grösser als jene sind, unter einander durch eine ziemlich lange Commissur (Fig. 10) verbunden. Die buccalen Ganglien (Fig. 10 e) an gewöhnlicher Stelle, kleiner als die andern, durch eine ziemlich kurze Commissur verbunden. — Die Nervenzellen erreichten kaum einen grössern Durch- messer als 0,08 mm. Die schwer zu entdeckenden, in den Eckhöckern des Vorderrandes des Vorderschildes liegenden Augen von einem Durchmesser von 0,16 mm. Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 217 Die an der Innenseite der Fussknoten hinter dem pleuro-pedalen Connectiv liegenden Otocysten (Fig. 12 a) rundlich, von einem Durchmesser von 0,10 mm. Die hellen Flecken und Linien der Haut durch Fehlen von Pigment entstanden und, wie es schien, eine geringere Menge von den kleinen sack- artigen Drüschen enthaltend, deren Oeffnungen meistens einen Durchmesser von 0,007—0,02 mm hatten. Am Vorderrande des Vorderschildes, be- sonders in der Gegend innerhalb seiner Eckhöcker, kamen kleine, bis 0,25 mm hohe, unpigmentirte Cylinder vor (Fig. 17—21), aus deren Oeff- nung Fühlerborsten mehr oder weniger (bis zu einer Höhe von unge- fähr 0,25 mm) hervorgestreckt werden konnten ; die Borsten waren pinsel- artig, aus feinen Haaren zusammengesetzt, zugespitzt, gerade oder etwas gebogen oder zurückgeschlagen. Aehnliche Bildungen waren in der Mundgegend, wie oben erwähnt, vorhanden (Fig. 4). xMit dem Grunde jener, auch mehr oder weniger ausstülpbaren Cylinder stand je eine Fühlerknospe durch einen längern oder kürzern Stiel in Verbindung. Diese letztern (Fig. 17 aa, 19, 20) waren kolbenartig, kürzer oder länger (0,10—0,25 mm lang), aus einer Menge von kleinen, die Haare tragenden Zellen zusammengesetzt; am untern Pol standen sie mit einem langen Nerven in Verbindung (Fig. 17 ö, 19, 20). Vorn am Vorderschild fanden sich übrigens eine Menge von rundlichen Flecken oder Oeffnungen, meistens von einem Durchmesser von etwa 0,10 mm) 1). — Im Vorderrande des Fusses ein starkes Drüsen- lager. 1) Der Conservirungszustaud gestattete keine mehr eingehende Untersuchung. Wahrscheinlich entsprechen diese Bildungen den von Boll (Beitr. zur vergleich. Histologie des Mollusken typus, 1869, p. 59, fig. 32) er- wähnten Papillen an den Tentakeln der Carinaria, Die von Quoy u. Gaimard (1. c. p. 367, tab. 26, fig. 20, 21) er- wähnten und abgebildeten „trois petits pinceaux de soies courtes" bei ihrer Bulla hirundinina werden wohl als hierher gehörend zu deuten sein. Vgl. auch Flemming, Ueber Org. vom Bau d. Geschmacksknospen an den Tastern verschiedener Mollusken, in : Arch. mikrosk. Anat., V. 23, p. 141 — 148, tab. 8. MöBius, der (1. c.) diese Thierform lebend gesehen und gezeichnet hat, hat auch die „eigenthümlichen Tastorgane — wie Büschel von Borsten" (fig. 5a, 6 ab) beobachtet. Er beschreibt sie als „conische Röhren, auf deren abgestumpftem, freiem Ende ein Büschel zahlreicher, sehr feiner Haare steht". Er hat die zugehörenden Ganglien gesehen sowie das schnelle Ein- und Ausstülpen der Röhre. 218 R. BERGH, Die starken Contractoren des Körpers wie bei andern Doridiiden (vgl. 1. c. 1893, p. 119). Um den Aussenmund und um die kurze, schwarze Mundröhre unten eine grosse, rundliche, graue Drüsenmasse (Fig. 23 a) von 1,5 mm Durchmesser, aus zwei undeutlich geschiedenen Hälften bestehend; nach oben stösst sie an eine kleinere, mehr weissliche Masse. — Der Schlundkopf (Fig. 23 &, 24, 25), der bei 2 Individuen in seiner ganzen Länge hervorgestreckt war, dem Contractionszustand nach 0,75 — 1,5 mm lang, von gräulicher Farbe, von den gewöhnlichen Form Verhältnissen. Der Innenmund gleichsam schief von oben nach unten geschnitten, ge- streckt herzförmig, indem der obere Rand in der Mitte gerundet ein- geschnitten ist (Fig. 24). Der Rand dieses Mundes ist mit den oben erwähnten, ähnlichen, aber kleinern (nur bis etwa 0,04 mm hervor- ragenden) Fühlerorganen versehen (Fig. 18, 21). Die untere Seite (Fig. 25) abgeplattet, gerundet in die schrägen, nach oben und innen aufsteigenden Seitenflächen übergehend, welche sich in einem gerundeten Rückenkamm (Fig. 25) begegnen. Die Anzahl der dicht an einander liegenden Quer-(circulären)Bänder des Schlundkopfes wenigstens 30 bis 40. Die Lichtung (Fig. 25) desselben, wie gewöhnlich, pfeilförmig; die an den Seiten dickern Wände sind von einer nicht ganz dünnen Cuticula überzogen und zeigen, wenigstens (hinten und) oben, einen eigenthümlichen Bau (Fig. 21). Die weisslichen, kurzen Speicheldrüsen (Fig. 23 cc\ 28 a) länglich, von einer Länge von etwa 0,4 mm, bei einem Durchmesser von 0,09 mm, wenig höckerig, vom Schlundkopf seitwärts und nach unten hervorragend. Die Speiseröhre ganz kurz (Fig. 26 d). Der Magen (Fig. 23 d^ 26 6, 27 V) mit seinem Vorderende die Leber überragend, sonst in eine leichte Vertiefung oder tiefere Kluft der Unterseite derselben eingelagert; sackförmig, 2 — 3 mm lang; die feinen Falten der Innen- seite setzen sich durch den Magen in den Darm und bis in den Anus fort. Der Darm (Fig. 23 e) biegt gleich links, zeigt unweit vom Pylorus 2 oder 3 Gallenöffnungen, steigt, von der Leber eingehüllt, empor, erscheint mehr rechts oder mehr links an der Oberfläche der- selben und verläuft erst quer, dann unter dem Pericardium ziemlich gerade längs des obern Randes der Schleimdrüse an den Anus (Fig. 26, 27) ; seine ganze Länge betrug etwa 8 mm. — Der Inhalt der Ver- dauungshöhle war unbestimmbare thierische Masse, mit einzelnen Kieselnadeln und Stückchen von Entomostraken vermischt. Die ziemlich grosse Leber (Fig. 26, 27) schwach gelblichgrau, Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 219 mitunter ein wenig schwarz punktirt; vorn gerundet, links mehr als rechts hervortretend ; von schwammigem Bau , bei zwei Individuen fand sich eine grössere Höhle. In dem hinter der sattelförmigen Vertiefung zwischen den Rücken- schildern, unter dem vordersten Theil des Hinterschildes schräg liegenden Pericardium lag das Herz mit der Spitze nach vorn und links gerichtet (Fig. 27). — Die abgeplattete Blutdrüse (links) unter dem Pericardium liegend. — Die Gegend unter dem Pericardium stark schwarz pigmentirt. Die etwas gebogene, pinnate Kieme etwa 3,5 mm lang, mit 13—15 wieder geblätterten Doppelblättern jederseits (Fig. 6, 7, 16, 26, 27). Die hinten und rechts liegende Niere wie bei andern Doridiiden i). Das pericardio-renale Organ birnförmig, fast 0,45 mm lang. Die Zwitterdrüse ziemlich gross, gelb oder gelblich, den hintern Theil der Leber oben (unter der Schale) und an der linken Seite überziehend (Fig. 27) und noch hinter der Leber einen com- pacten Kegel bildend. Es schien, als ob die Follikel (zum grössten Theil wenigstens) allein männliche oder weibliche waren. Der gräu- liche Zwitterdrüsengang bildete einen Knäuel von Windungen (Fig. 29 a) vorn an der Unterseite der Zwitterdrüse, hinter der grossen Schleim- drüse, wird dann dünner, schwillt wieder etwas an und verläuft an der untern Seite der Eiweissdrüse (Fig. 26) und theilt sich in den männlichen und weiblichen Zweig. Der kurze männliche Zweig trägt in der Nähe seines Endes im Vestibulum genitale eine kugelförmige Erweiterung (Fig. 31). Die grosse vordere Genitalmasse liegt in der Mitte der Unterseite der Eingeweidemasse, ist stark abgeplattet, von 3 mm Länge (Fig. 26), weisslich oder kalkweiss. Sie besteht aus der lang gestreckten, schlingenartig gebogenen Schleimdrüse mit aus- gedehnter, abgeplatteter Höhle und der an ihrem Hinterende liegenden, zahlreiche feine Windungen zeigenden Eiweissdrüse (Fig. 29 c). Ausser- halb oder hinter der Eiweissdrüse findet sich die kugelförmige Samen- blase (Fig. 26 d, 29 d), von einem Durchmesser von 1 mm, immer einen grossen Samenballen enthaltend (Fig. 30); ihr Gang länger als die Blase, hinter dem Vestibulum genitale einmündend, am Ende etwas 1) Vielleicht fand sich (wie bei Oastropteron) oberhalb der Anal- öffnung an der Eingeweidemasse auch eine (der desselben ähnliche) schwarze Nierenöffnungsscheibe von einem Durchmesser von 0,16 — 0,20 mm. 220 R. BERGH, erweitert. — Die scharf ausgeprägte Samen rille geht in die Oeff- nung des Penis über (Fig. 1, 3, 32 a). Der einen gestreckten Sack bildende Penis war immer ganz eingestülpt (Fig. 32 &), 1,5—2 mm lang bei einem Durchmesser am gerundeten Hinterende von 0,45 mm ; eine starke und mehrere feine Furchen (Fig. 33) schienen durchzu- schimmern. Eine Prostata schien ganz zu fehlen ^). Archidoris Bgh. Vgl. System der nudibranch. Gasteropoden, 1. c. 1892, p. 1092. Archidoris sp. (Taf. 21, Fig. 73.) Von dieser Form wurde ein Individuum bei den Chatham-Inseln gefischt. Das in Sublimatlösung conservirte Exemplar war hell einfarbig gräulichweiss, stark erhärtet und contrahirt. — Die Länge betrug 3 cm bei einer Breite von 2,3 cm und einer Höhe von 1,2 cm; die Höhe der Rhinophorien 2,5 mm, die Länge der Tentakel 1,2 mm; die Breite der schmalen Kiemenspalte betrug 7 mm, die Höhe der Kieme 4 mm. Die Breite des Mantelgebräms bis 6 mm ; die Breite des Fusses bis 1,5 cm, die Länge des Schwanzes 4,5 mm. — Die Consistenz des Thieres war etwas härtlich, ziemlich brüchig. Die Form war etwa wie bei andern Archidoriden ; der etwas gewölbte Rücken schwach granulirt, fast glatt, das Rückengebräm nicht schmal. Die weit nach vorn liegende Rhinophor-Oetfnungen stark zu- sammengezogen ; die stark contrahirten Rhinophorien wie gewöhnlich. Die weit nach hinten liegende Kieme stark zurück- und zusammen- gezogen ; wie es schien aus zwei symmetrischen Seitengruppen von je 7 (?) Blättern gebildet; die Analpapille niedrig. Die Tentakel ein wenig abgeplattet; der Kopf klein. Der Fuss stark. An der Unterseite des Mantelgebräms schimmerten hier und da stark quer gehende Spiculazüge durch. — Die Eingeweide waren sehr erhärtet. Das Centralnervensystem und die Augen wie gewöhnlich; ebenso die Rhinophorien und die Haut mit ihren Spicula. Die Mundröhre 2,5 mm lang, stark. Der Schlund köpf 3 mm lang; die Raspelscheide hinten und unten vortretend. Die Zunge wie gewöhnlich breit, die Raspel fast farbloss. Die Anzahl der Zahn- 1) Die neben dem Penis liegende (Fig. 23 a) grosse Drüsenmasse schien ausschliesslich der Mundröhre anzusrehören. Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 221 plattenreihen im Ganzen 46, die 4 jüngsten noch nicht fertig gebildet. An jeder Seite der schmalen Rhachis etwa 40 Zahnplatten. Diese letztern farblos, von gewöhnlicher Form (Fig. 73), ihre Länge betrug 0,2 mm bei einer Höhe des Hakens bis zu 0,14 mm. Die Speiseröhre wie gewöhnlich. Der (flache) Magen 10 mm lang bei einer Breite bis zu 6 mm. Der Darm wie gewöhnlich. Die gelbe hintere Eingeweidemasse 15 mm lang bei einer Breite bis zu 8,5 mm und einer Höhe bis zu 9 mm, in ihrer grössten Länge an der rechten untern Seite durch die vordere Genitalmasse abgeplattet. In den Läppchen der Zwitterdrüse reife Geschlechts- producte. — Die vordere Genitalmasse meniscusförmig, 13 mm lang bei einer Höhe von 9 mm und einer Dicke von 5,5 mm. Die grosse Schleimdrüse kalkweiss, die Eiweissdrüse gelblich. Der starke Erhärtungszustand gestattete keine genauere Eruirung der anatomischen Verhältnisse. Der Conservirungszustand schliesst eine genauere Artbestimmung aus. Von so südlichem Fundort sind bisher nur Ä. australis und A. kerguelensis (Kerguelen-Insel) bekannt. Archid. tuherculata (Cuv.) ? Archid. tuherculata (Cuv.) H. Bergh, Die Opisthobranchier, Report on — „Albatross", in: Bull. Mus. comp. Zool. Harvard Coli., V. 25, No. 10, 1894, p. 159. An derselben Localität, Bare-Isl., wo ein Exemplar von Dendro- notus dalli gefischt wurde, wurde auch am 16. Mai 1896 ein Indivi- duum wahrscheinlich dieser Art gefangen. Das in Formol aufioewahrte Individuum war sehr zusammengezogen und verdreht. Die Farbe war durchgehends gelblichweiss. Die Länge des Thieres betrug (wenn ausgestreckt) 13 mm bei einer Breite von 8 mm und einer Höhe von 4 mm ; die Breite der Fussohle 5,5 mm, die Länge des Schwanzes 2,5 mm. Die Fo r m Verhältnisse sonst wie bei der typischen Archidoris. Der Rücken überall mit dicht stehenden kleinen Papillen mit einge- mischten grössern von einem Durchmesser bis zu 0,5 mm bedeckt. Die Zahl der (stark zurückgezogenen) Kiemeubüschel schien 9 zu betragen. Das Centralnervensystem wie bei andern Archidoriden. Die grössten Nervenzellen erreichten den kolossalen Durchmesser von 0,24 mm. Der Durchmesser der Augen betrug 0,09 mm. Die Länge der Mundröhre 2 mm. Die Länge des Schlund- 222 R. BERGH, köpf es 2,5 mm, von welchen 1 mm auf die starke, aufwärts ge- bogene Raspelscheide kam. Die Lippenscheibe wie gewöhnlich. Die breite Zunge mit gelblicher Raspel, welche 10 Zahnplattenreihen ent- hielt, weiter nach hinten waren deren 16 vorhanden, die 3 hintersten waren noch nicht fertig. Zu jeder Seite der ganz schmalen Rbachis bis 37 Zahnplatten. Diese letztern gelblich, übrigens ganz wie sonst bei der typischen Art. Ich glaube, das Vorkommen dieser Art des Atlantischen Meeres früher auch (1. c.) in dem Unter-Californien bespülenden Meer nach- gewiesen zu haben. Arcfiid, nyctea n. sp, (Taf. 21, Fig. 70—72.) Von dieser Form wurde am 16. Mai 1896 ein Individuum bei dem kleinen Bare -Island (zwischen Vancouver- Insel und Britisch Columbien) gefischt. Das durchgehends gräuliche, nicht harte, zusammengezogene und -gebogene Thier hat eine Länge von etwa 5 cm bei einer Breite von 2,8 cm und einer Höhe von 1,5 cm ; die mit ihrem fein knotigem Rande ein wenig vortretenden Rhinophorspalten 4 mm lang, die Höhe der Rhinophorien 6 mm; die quer ovale Kiemenspalte von einem Durchmesser von 6 mm, mit vortretendem, knotigem Rande; die Höhe der Kieme 6,5 mm ; die Breite des Mantelgebräms bis zu 8 mm. Der Kopf klein, die Länge der Tentakel 1 mm. Der Fuss stark, bis zu 1,8 cm breit; das Fussgebräm bis zu 5 mm breit, die Länge des Schwanzes 5 mm. Der Rücken war überall mit kleinsten und kleinen, niedrigen, gerundeten Papeln von einem Durchmesser bis zu 2 mm bedeckt. Die Anzahl der Kiemenblätter 8 ; die Höhe der Analpapille 2,5 mm. Die Ganglien des Centralnervensystems ziemlich dick; ihre Zellen von einem Durchmesser bis zu wenigstens 0,2 mm. Die Keule der Rhinophorien mit wenigstens 30 ziemlich starken und breiten Blättern, die durch lauge, stark erhärtete Spicula von einem Durchmesser bis zu wenigstens 0,035 mm in gewöhnlicher Weise steif gemacht waren. Die Haut, und besonders die Papeln des Rückens, in gewöhnlicher Weise mit ähnlichen Spicula wie die oben erwähnten ausgestattet. Der Schlundkopf 9 mm lang bei einer Breite von 6,5 mm und einer Höhe von 6 mm ; die starke Raspelscheide hinten und unten noch dazu 4 mm vortretend. Die Lippenscheibe mit weisslicher Cuti- cula überzogen. In der braungelben Raspel der breiten Zunge Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 223 11 Reihen von Zahnplatten, die vordersten Reihen sehr unvollständig und ihre Zahnplatten stark beschädigt ; weiter nach hinten waren noch 26 Reihen vorhanden, die 6 hintersten noch unfertig; die Gesammt- zahl derselben somit 37. Die schmale Rhachis der Raspel zeigt läng- liche, ziemlich un regelmässige und ungleiche Verdickungen (Fig. 70 aa) (falsche mediane Platten) von einer Länge von 0,06 — 0,09 mm, zu jeder Seite derselben fanden sich bis zu ungefähr 70 Seitenplatten. Diese letztern von gelblicher Farbe und der gewöhnlichen Hakenform ; die Höhe der äussersten 3 betrug 0,06 — 0,08 und 0,12 mm; die Höhe des Hakens stieg bis zu 0,28 mm bei einer Länge der Grundplatte bis zu 0,30 mm (Fig. 71). Die innersten Platten etwas kürzer und mit mehr niedrigem Haken (Fig. 70), die äusserste mit kürzerer Grund- platte und von ein wenig abweichender Form (Fig. 72 a). Die weissen Speicheldrüsen lang gestreckt, den vordem Theil der Speiseröhre begleitend, in der vordersten Strecke abgeplattet ; der Ausführungsgang ganz kurz. Die Speiseröhre 14 mm lang bei einem Durchmesser von 4 mm. Der mit Speisebrei stark gefüllte Magen 11 mm laug bei einer Breite von 10 mm und einer Dicke von 5 mm. Der aus dem Vorderende des Magens entspringende, wenig geschlängelte Darm 3,3 cm lang bei einem Durchesser von 1,5 — 2 mm. — Der Inhalt des Verdauungscanais (Magens) war eine unbestimmbare , thierische Masse, darin Stückchen von Hydroidpolypen, von Copepoden, Calci- spongien u. s. w., ferner Diatomeen sowie ausgerissene Zahnplatten des eigenen Thieres. Die Länge der hintern, im vordem Drittel tief und breit, keilartig geklüfteten Eingeweidemasse (Leber) betrug 19 mm bei einer Breite von 12,5 mm und einer Höhe von 10 mm ; das Hinterende gerundet. — Die Leber hell schmutzig gelblich; ihre Höhle ziemlich eng. Die an der linken Seite des Magens liegende, stark vortretende Gallenblase gross, kurz birnförmig, von einem Durchmesser von 4 mm, an Länge mitsammt ihrem Gange 9 mm messend ; ihre Wand dünn ; der reichliche Inhalt wesentlich mit dem des Magens übereinstimmend. Die schlaife Herzkammer 6,5 mm lang. Die grossen, abge- platteten, am Rande stark gelappten Blutdrüsen über dem Central- nervensystem zusammenschmelzend und dasselbe ganz deckend. — Die Niere schien sich wie bei der typischen Art zu verhalten. Das reno-pericardiale Organ melonenförmig, von 3 m Länge. Das dünne, den grössten Theil der Leber umspinnende Lager der Zool. Jahrb. XIU. Abth. f. Syst. Ig 224 R. BERGH, Zwi tterdrüse von etwas hellerer Farbe als jene; in ihren Läpp- chen reife Geschlechtselemente. Die vordere Genitalmasse ziemlich gross, von dreieckigem Umriss, unten und besonders vorn dicker; ihre Länge betrug 13 mm und ihre Höhe ebenso viel, die Dicke unten und vorn 6,5 mm. Unten am Hinterende der Masse bildet die aus der Tiefe der Leberkluft hervortretende Ampulle des Zwitterdrüsenganges einen Knäuel von Windungen, die ausgestreckt eine Länge von 4 cm bei einem Durchmesser von meistens 1 mm hatten. Vor diesem Knäuel der der Windungen des Samenleiters, die etwa dieselbe Länge bei halb so grossem Durch- messer hatten; der Penissack lang und zusammengebogen. Unten am Vorderende der Genitalmasse die Samenblasen. Die kugelförmige Spermatotheca von 3,5 mm Durchmesser; der vaginale Ausführungs- gang 5 mm lang, in der untern Hälfte weiter, mit Samen überfüllt. Die kugelförmige Spermatocyste an die vorige geheftet, von 1,5 mm Durchmesser, ihr Ausführungsgang 8 mm lang. Die Schleim-Eiweiss- drüse durchgehends gelblich. Die hier untersuchte Form ist sicher eine ÄrcJiidoris [keine Äniso- doris'^)] und bildet wahrscheinlich (hauptsächlich wegen der rhachidi- alen Raspel verdickungen) eine neue Art. Hexabranchidae. Vgl. R. Bergh, System der nudibranchiaten Gasteropoden, 1892; Mala- colog. Unters., in: Semper , Philippinen, V. 2, Heft 18, p. 995 —1165. Die Hexabranchiden sind grosse, längliche, ziemlich abgeplattete und ziemlich weiche (cryptobranchiate) Dorididen mit glattem Rücken und starkem, wellenförmig gebogenem Mantelgebräm. Die Tentakel sind gross, lappenartig, mit stark gekräuseltem Rande ; die Rhinophorien mit etwas zurückgeknickter, stark durchblätterter Keule. Die Kieme aus mehreren (6 — 8) in einen Kreis gestellten, weder in eine ge- meinschaftliche, noch in besondere Höhlen zurückziehbaren, aus mehreren kleinern zusammengesetzten Büscheln bestehend, deren Aeste lang gestreckt und tripinnat sind. Hinten im Kiemenkreis die vortretende Analpapille; rechts und vor derselben die Nierenpore, und links ein kleiner den Hexabranchiden, wie es scheint, eigener Porus. Der 1) Vgl. R. Bergh, Die Opisthobranchier der Sammlung Plate, in: Zool. Jahrb., Suppl. Pauna Chilensis, 1898, p. 508. i Beise nach dem Pacific, Die Opisthobranchier. 225 Fuss stark, aber viel schmäler als der Rücken, durcligeheüds fast von derselben Breite, vorn gerundet. Das Centralnervensystem zeigt die Ganglien ungewöhnlich wenig von einander geschieden. Die Haut ist ohne Spicula oder sonstige erhärtete Elemente, — Die Lippenscheibe jederseits mit einer starken, aus Stäbchen gebildeten Lippenplatte versehen. Die Zunge trägt eine nicht grosse Anzahl (16—29) von Zahnplattenreihen, und die Anzahl der übrigen war meistens nicht viel grösser; die Anzahl der haken- artigen Zahnplatten zu jeder Seite der schmalen, nackten Rhachis nicht sehr gross (57 — 100). — Es findet sich nur eine (vordere) Blut- drüse, Der unbewaffnete Penis ist sehr lang und dem entsprechend die Vagina. Diese meistens recht prachtvoll (roth) gefärbten Thiere, die mit Hülfe ihres grossen Mantelgebräms schwimmen können, scheinen nur im Rothen, Indischen und Stillen Meer vorzukommen. Eine Reihe von (etwa 20) Arten ist (meistens nach Unter- suchungen an Alkoholexemplaren) angegeben, welche zum allergrössten Theil doch wohl nur Varietäten oder Localformen einer sehr ver- breiteten, längst erwähnten Art sind^), des Eexah\ lacer Cuv. M, indic, //. praetextus Eheenb. M. rubrum. H. saTiguineus (Rüpp. et Leuck.). M. rubrum, H, siiezeusis Abraham. M. rubrum. H. petersi Bgh. M. africano -indic. H. orbicularis Abraham. M. africanp-indic. //. maurüiensis Abraham. M. africano-indic. //. gloriosus (Kel.). M. indic. H. marginatus (Q. et G.). M, indic. //. faustns Bgh. M. phillppinense. H. flarmmdatus (Q. et G.). M. pacific. H. sandwichensis (Souleyet). M. pacific. H. superbiis (Gould). M. pacific. H. anaitciis Bgh. M. pacific. H. noiattis Bgh. M. pacific. H. sumptiiosus (Gould). M. pacific. H. cardinalis (Gould). M. pacific. H. pulchellus Pease. M. pacific. 2). 1) Vgl. die Uebersicht in : Malacolog. Unters., Heft 13, 1878, p. 548—550; Heft 16, 2, p. 827—828. 2) Ganz zweifelhaft sind H. pellucidulus Abraham, H. burnetti (A. Adams) und H. adamsi Adams. 16* 226 R. BERGH, Hexahranchus lacer (Cuv) (Taf. 20, Fig. 58—60 ; Taf. 21, Fig. 61—68.) Von dieser Form lag ein sehr grosses, ganz ausgestrecktes, in 4-proc. Formollösung aufbewahrtes Individuum vor, in der Nähe der kleinen, unbewohnten Koralleninsel Laysan (800 Meilen NW von Hono- lulu) gefischt. — Dasselbe sollte, soweit möglich, für das Museum ge- schont werden. Das Thier war durchgehends von grauweisslicher Farbe. — Die Länge ^) des Körpers betrug 15 cm bei einer Breite bis 8,5 cm und einer Höhe bis 2,5 cm ; die Breite des Rückengebräras vorn 0,8, sonst meistens 3,2 cm betragend. Der Fuss nicht viel kürzer als der ganze Körper, seine Breite fast 4 cm, die Breite des Fussgebräms 1,2 cm, die Länge des Schwanzes 1,7 cm. Die Breite des Kiemenkranzes (durch die Spitzen der Kiemen) 5 cm, die Länge der einzelnen Kiemen bis 2 cm betragend; die Höhe der Analpapille 2 mm bei einem Durch- messer von 3,5 mm. Die Höhe der Rhinophorscheiden 3 mm, die der (ausgestreckten) Rhinophorien 13 mm; die Länge der Tentakel 16 mm^ ihre Breite 12 mm. Die Länge des mit dem Schlundkopf hervor- gestülpten Mundrohres betrug 2,7 cm bei einer Breite bis 1,6 cm und einer Höhe bis 2 cm ; die Länge der Lippenplatten 10,5 bei einer Breite bis 2,5 mm. Die F 0 r m Verhältnisse des Thieres waren wie die anderer (grosser) Hexabranchen '^). Die sehr grossen, blattartigen Tentakel mit stark gekräuseltem Rande, Die aus rundlichen Oeffnungen her- vortretenden Rhinophorien mit starkem, rundlichem Stiel, die etwas zusammengedrückte und eckige Keule ein wenig länger als der Stiel, stark perfoliirt. Der Rücken fast eben ; der eigentliche Rücken ein wenig breiter als das Gebräm an den Seiten und hinten, von dem- selben ein wenig wulstig abgegrenzt; das gegen den Rand verdünnte Gebräm stark wellenartig herauf- und herabgeschlagen, der dünne Rand stark gekräuselt. Der flache Kiemenkreis schien aus 8 Kiemen gebildet; jede Kieme war wie sonst bei dieser Thierform aus mehreren (meistens 2 — 4), am Grunde mehr oder weniger isolirten, 3- oder 1) Ehrenbeeg giebt die Länge (des Hexabr. praetextus) zu 18 cm (7") an, QuoY u. Gaimard (die von Doris marginatä) zu 16 — 18 cm (6 — 8") und RüppELL u. Leückart (die von Doris sanguinea) zu 16 cm (etwa 6") an. 2) Vgl. 1. c. 1878, p. 551—552 {H. faustus), p. 557 — 558 (H. ana- iteiis), p. 561 {H. petersi). Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 227 4fadi gefiederten Bäumchen zusammengesetzt. Hinten im Kiemen- kreis, denselben gleichsam completirend, die cylindrische, abgestutzte Analpapille; an ihrem Grunde rechts und etwas vorn die Nierenpore (die bei Hexabrauchen sonst links vorkommende Pore konnte nicht gesehen werden). Die Kör per selten (bei diesem Individuum) nicht hoch ; etwa an der Grenze zwischen erstem und zweitem Drittel der Körperlänge die gewölbt vortretende, starke Genitalpapille mit zusammengezogener Oetfnung. — Der starke F u s s fast durchgehends von derselben Breite, aber vorn und hinten ein wenig schmäler; das Vorderende mit starker Randfurche und gerundeten Ecken ; das Fuss- gebräm ziemUch breit, das Hinterende (des Schwanzes) gerundet. Der mit der ausgestülpten Mundröhre freiliegende Schlundkopf wurde für die anatomische Untersuchung herausgenommen , das Thier übrigens unversehrt gelassen. Das Vorderende des Schlundkopfes ragte 12 mm aus dem Vorderende der umgestülpten Mundröhre hervor. Aus dieser letztern herausgeschält, mass der (stark zusammengezogene) Schlundkopf an Länge 19 mm bei einer Höhe von 16 mm und einer Breite bis zu 14 mm ; die Formverhältnisse desselben wie gewöhnlich ; hinten und unten ragte die (6 mm) dicke und kurze Raspelscheide fast 3 mm hervor; ausserhalb der letztern hefteten sich an den Seitentheilen des Schlundkopfes die in mehrere neben einander liegende Bündel aufge- lösten Enden der grossen Retractoren des Schlundkopfes. An der convexen, ovalen, weisslichen Lippenscheibe zeigten sich die starken, schmutzig röthlichbraunen Lippenplatten von länglicher Form, fast durchgehends von derselben Breite, oben und unten gerundet und da- selbst von einander geschieden; ihre Oberfläche zeigte 15—20 ziem- lich starke Querrippen; besonders der äussere Rand war durch Ab- nutzung in geringem Grade zernagt. Die Lippenplatten waren kaum 0,25 mm dick; wie gewöhnlich aus dicht zusammengedrängten, fast senkrecht stehenden, gegen die freie, abgestutzte Spitze hin etwas ge- bogenen, eckig-cylindrischen Stäbchen von einem Durchmesser bis zu 0,007 mm bestehend. Die starke, hohe und breite Zunge mit tiefer Kluft, die bis auf den obern Rand hinauf mit Zahnplattenreihen be- deckt war. Die gelbbraune Raspel zeigte (am Aussenrande gezählt) 27 Zahnplattenreihen, von welchen die 7 vordersten ganz kurz waren und die meisten Zahnplatten sehr beschädigt darboten; weiter nach hinten und in der Raspelscheide noch 29 Reihen, davon die 4 hintersten noch nicht ganz fertig entwickelt; die Gesammtzahl der Zahnplatten- reihen betrug somit 56. An jeder Seite der schmalen Rhachis waren 228 R. BERGH, hinten an der Zunge bis zu 78 Zahnplatten vorhanden ^), und die An- zahl derselben schien in der Raspelscheide etwas zu wachsen. Die Zahnplatten wie früher beschrieben. An derselben Localität, aus der das vorige stammt, wurden zwei andere Individuen gefischt und leider auch in 4-proc. Formollösung aufbewahrt. Sie waren mehr zusammengezogen und, besonders das eine, mehr zusammengebogen, schienen deshalb kleiner, die Farben waren aber ganz schön erhalten. — Sie waren lachsfarbig oder von stark gelblich- rother Farbe an der obern Seite, besonders lebhaft war sie am äussern Theil des Mantelgebräms an der obern wie an der untern Seite. Die Unterseite der Thiere war weisslich, Spuren der rothen Farbe aber noch sehr deutlich an der obern Seite des Fussgebräms. Die Tentakel waren von der Farbe des Rückengebräms ; die Keule der Rhinophorien rothbraun, ihr Stiel mehr gelb. — Die Länge der Individuen betrug 8,5 und 11 cm bei einer Breite von 7 und 8 cm und einer Höhe von 3 und 4 cm; die Breite des Mantelgebräms meistens 3 cm; der Durchmesser des Kiemenkreises 3,8 cm; die Länge der Tentakel etwa 17 mm bei einer Breite von 12 mm; die Breite des Fusses war 3 und 5 cm, wovon das Gebräm 1 — 1,7 cm betrug. Die Länge der Lippenplatten belief sich bei zurückgestülpter Mund- röhre auf 7,5 mm bei einer Breite von 3 mm. Die F 0 r m Verhältnisse waren im Ganzen wieder wie oben. Die Keule der Rhinophorien mit ungefähr 50 Blättern. Im Kiemenkreis schienen nur 7 Kiemen vorzukommen. Die Analpapille stark zurück- gezogen, und die Analöffnung präsentirte sich nur als eine runde Oeffnung an der grossen, gewölbten Kiemenscheibe 2) ; die spalt- förmige Nierenpore an gewöhnlicher Stelle; die ganz feine (Drüsen-) 1) Die Anzahl der Zahnplattenreihen betrug bei H. faustus 48—49 (25 + 24), bei H, anaiteus 48 (29 + 19), bei H. petersi 44 (28 + 16), bei H. notatus 34 (19 + 15), bei H. marginatm 41—83 (19 + 22—16 + 17). Die Anzahl der Zahnplatten in den Reihen war bei H. faustus 82 — 84, bei H. anaiteus stieg sie bis zu 92, bei H. petersi war sie 66, bei H. notatus 57 und belief sich bei B. marginatus auf 70—100. 2) Vgl. die Zeichnung von Cuvier (1. c. tab. 1, fig. 1. Die Lage der Nierenpore ist übrigens hier verkehrt, an der linken statt an de£ rechten Seite des Anus gezeichnet). Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 229 OeffnuDg links am Grunde des Anus liegend. Die Körperseiten und der Fuss ganz wie oben. Das grösste dieser Individuen wurde genauer anatomisch unter- sucht. Das Peritoneum fast farblos. Keine besondern Mm. retractores branchiarum. Das schwach röthlichgelbe Centraine rvensystem (Fig. 67) Hess sich nur mit einiger Schwierigkeit aus der starken, durch eine spinngewebsartige Bindesubstanz anhängenden Kapsel herauspräpariren^). Die Länge derselben betrug 4 mm bei einer Breite von 5 mm und einer Dicke von 3 mm. Die zwei Hälften der Ganglienmasse waren an der obern wie an der untern Seite wenig von einander abgegrenzt, am meisten im Vorder- und Hinterrande, und ebenso wenig die cere- bralen von den pleuralen Ganglien, die pedalen etwas mehr von den andern. Die Oberfläche der Ganglien, besonders die der obern Seite, zeigte überall grössere und kleinere, mitunter fast gestielte (Fig. 59) Knötchen, die aus Nervenzellengruppen bestanden. Die cerebro- pleuralen Ganglien nur wenig grösser als die pedalen; die erstem länglich, die letztem rundlich. Die (dreifache) (Fig. 67 c) grosse Com- missur weit; es fand sich eine sehr dünne subcerebrale Commissur (Fig. 67 d). Die (distalen) Ganglia olfactoria zwiebeiförmig (Fig. 67 e). Die buccalen Ganglien rundlich, fast an einander stossend, die gastro- oesophagalen auch rundlich, kurzgestielt (Fig. 67 /"). Die zahlreichen Nerven durchbohren die Kapsel, und mehrere von denselben nehmen eine sich allmählich verlierende Umhüllung mit. Die Nervenzellen er- reichten einen Durchmesser bis 0,35 mm. Die ziemlich kleinen Augen (Fig. 67) von einem Durchmesser von 0,2 mm, mit schwarzem Pigment und gelblicher Linse. Die Ge- hörblasen (Fig. 67) von ungefähr 0,15 mm Durchmesser, mit blassen Otoconien prall gefüllt. In den Blättern der Keule der Rhino- phorien die gewöhnlichen, langen, aber (wegen des Formols) ganz blassen Spicula. Die zurückgestülpte Mundröhre 1 cm lang. Die Länge des Schlundkopfes betrug 17 mm bei einer Breite von 14 mm und einer Höhe von 16mm; die Raspelscheide unten am Hinterende etwa 1) In der früher von mir (Malacolog. Unters., Heft 16, 2, 1889, tab. 83, fig. 36) gelieferten Zeichnung des Centralnervensystems (von Hex. marginatus Q. et G.) hat der Kupferstecher die Grenzen zwischen den Ganglien ein wenig zu stark markirt. 230 R. BERGH, 3 mm vorspringend; die Länge der grossen, röthlichen Retractoren betrug wenigstens 2,5 cm, die Breite an ihrer Insertion 6 mm. Die Lippenscheibe und die Lippenplatten ganz wie oben ; an den letztern waren 25 — 30 dickere und dünnere Querrippen vorhanden, die am äussern Ende mehr oder weniger beschädigt waren, wodurch ein zackiges Aus- sehen des Aussenrandes hervorgebracht wird; der Bau der Platten ist der gewöhnliche. Die Wände der Mundhöhle etwas röthlich. Gegen die sonst weissliche Zunge contrastirte die (röthlich)-gelbe Raspel. Die letztere enthielt 27 Zahnplattenreihen, davon die 6 ersten sehr beschädigt und von nach vorn rasch abnehmender Länge ; weiter nach hinten waren 25 Reihen vorhanden, die 4 hintersten noch nicht aus- gebildet; die Gesammtzahl der Reihen betrug somit 52. Die hohe „Zunge" (lingula) des Raspeldaches von einer starken, gelblichen Cuticula überzogen. In den Reihen des hintern Theils der Zunge waren ungefähr 70 Zahnplatten vorhanden. Die Zahnplatten (Fig. 61 — 64) wie gewöhnlich mit bräunlichgelber Grundplatte und hell gelblichem, an der Spitze farblosem Haken. Die Länge des Hakens der 5 äussersten Platten (Fig. 64) betrug 0,10-0,14-0,16—0,18-0,20 mm, und die Höhe erhob sich allmählich bis zu 0,53 mm, um nach innen wieder bis zu etwa 0,14 mm zu sinken (Fig. 61). Die etwas abgeplatteten , weisslichen Speicheldrüsen lang, sich längs der Speiseröhre erstreckend, ausgestreckt etwa 2,5 cm an Länge messend, bei einer Breite vorn von 4, sonst in ihrer grössten Länge von 2 mm ; etwa im letzten Viertel stark verdünnt (Fig. 58) ; die Oberfläche der Drüse bis an ihr hinteres Ende (Fig. 60) fein knotig. Der Ausführungsgang ganz kurz (Fig. 58 a). Die gräuliche Speiseröhre (Fig. 65a — c) 5 cm lang bei einem Durchmesser vorn (Fig. 65 a) von 5—6 mm, dann in einer Strecke (Fig. 65 b) stark (bis zu einem Durchmesser von 11 mm) erweitert, in der übrigen Strecke dünner (von einem Durchmesser von 3 mm), nur hinten in der Pylorus-Partie (Fig. 65 c) wieder (bis zu 6 mm) weit. Die längs der Unterseite der vordem Genitalmasse verlaufende Speiseröhre öfihet sich in das rechte Ende des ziemlich grossen, von der Zwitterdrüse und der Leber ganz bedeckten, etwa 2,5 cm langen, 2 cm breiten, 1 cm dicken Magens (Fig. 65 d), in dessen Hinter- ende sich die zwei ziemlich weiten Gallenöffnungen finden (Fig. 65 e). Der aus dem Vorderende des Magens heraustretende graue Darm (Fig. 65 ff) erst nach vorn gehend und seine Schlinge über die vordere Genitalmasse hinlegend, dann nach hinten umbiegend, am linken Rande^ der Zwitterdrüse in eine Furche eingelagert, bis an die Analpapille Beise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 231 verlaufend. Die ganze Länge des Darmes beträgt 10 cm bei einem Durchmesser von 5 — 3 mm und in der langen hintern Strecke von 11 mm. Die Innenseite des Verdauungscanais zeigte, wo derselbe nicht zu stark erweitert war, feine Längsfalten, unter welchen eine stärkere auf einer grossen Strecke des Darmes hervortrat. — Der sehr reichliche, graue und braune Inhalt der Verdauungs- höhle bestand aus unbestimmbarer, thierischer Masse, darin viele zerstückelte, glashelle Spicula (von Mollusken?), Massen von einfachen und dreistrahligen Kieselnadeln, Stücken von Hydroid - Polypen und zerstreuten, bräunlichen Röhren von einer Länge bis 2,5 cm bei einem Durchmesser von 1 — 1,5 mm. Die schwarzgraue Leber umfasst den Magen, dessen Vorder- ende jedoch frei hervorragte; sie war nur durch lose Bindesubstanz an denselben angelöthet; sie öffnete sich mit zwei unweit von ein- ander liegenden Oeffnungen in den Magen. Ihre kleinen Höhlen vorn waren mit dem gewöhnlichen Speisebrei gefüllt ; sonst war sie von ziemlich compactem Bau. Unter dem Magen, an die linke Hälfte der Leber angelöthet, und etwas in dieselbe eingebettet, fand sich die rothgelbe, kugelrunde, dickwandige Gallenblase, von einem Durch- messer von 5,5 mm; durch einen kurzen Gang öffnete sie sich in die Cardia oder an derselben. Das grosse Pericardium ist 2,4 cm lang bei einer Breite von 2,5 cm, vom Herz fast vollständig ausgefüllt, die breite Vorkammer hinter und unter der Kammer liegend, die einen schwachen röthlichen Anflug hatte. — Die (einzige) Blutdrüse (Fig. 68) hinter dem Centralnervensystem an der Speiseröhre liegend, rothbraun, an der Unterseite etwas mehr röthlich; mit concavem vordem, convexem hintern Rande, breiter als lang: 19 mm breit bei einer Länge in der Mitte von 10 mm ; die Dicke betrug in der "Mitte 2 mm, gegen die Seitenränder nahm die Dicke etwas ab; die obere Seite zeigte eine mediane Längsfurche, und die Flächen waren sonst durch oberfläch- liche Furchen in grössere und kleinere Lappen gleichsam getheilt. Das schwach röthliche pericardio-renale Organ (Nieren- spritze) kurz birnförmig, 3,5 mm lang bei einem Durchmesser von 3 mm. Die Urinkammer schien sich, wie früher von mir (1. c. p. 554) beschrieben, zu verhalten. Die hintere Eingeweidemasse war wegen der an ihrer Oberfläche liegenden Zwitterdrüse lebhaft rothgelb ; ihre Länge betrug 5,5 cm, ihre Breite vorn 2,7, hinten 2 cm ; ihre Dicke fast durchgehends 3 cm. Die obere Seite war in der hintern Hälfte ein wenig concav, 232 E. BEKGH, die untere convex. Der hintere Theil war ein wenig (links) gebogen, das Hinterende gerundet. Das Vorderende war breit und tief ge- klüftet, die Kluft erstreckte sich an der obern Seite durch die vordere Hälfte, an der untern durch das vordere Drittel; in der Kluft, die vom Magen ganz ausgefüllt war, war die schwarzgraue Leber ent- blösst; rechts ragte die Eingeweidemasse etwas mehr als links hervor. — Die Zwitterdrüse überzog mit Ausnahme der Kluft sonst überall die Leber mit einer 1,5—2,5 mm dicken Lage, die vorn eben über den Rand der Kluft hervortrat; die Oberfläche der Drüse war von seichten Furchen durchzogen. In den Läppchen grosse oogene und Eizellen sowie Zoospermienbündel; vorn schienen sie zum Theil nur Zoospermien zu enthalten. Etwas hinter dem Vorderende des rechten Lappens der hintern Eingeweidemasse ausserhalb seines Randes trat der dünne, gelbgraue Zwitterdrüsengang frei hervor, wurde gleich ein wenig dicker und setzte sich in korkzieherartigen Windungen fort, die bei einem fast durchgehenden Durchmesser von 0,75 mm, ausgestreckt, eine Länge von ungefähr 5 cm hatten und sich an der linken Seite der vordem Genitalmasse in die Ampulle fortsetzten. Diese Masse ruhte auf der Speiseröhre und hatte auf ihrer obern Seite die Schlinge des Darmes. Sie war gross, 3,4 cm lang bei einer Breite von 1,6 cm und einer Höhe von 1,8 cm; fast die vordere Hälfte derselben war von den gelblichweissen und rosaröthlicheu Windungen des Penis gebildet (Fig. 66 ee); hinter demselben fand sich an der obern Seite die graue, kugelförmige Spermatocyste und unter derselben der weissliche Knäuel von Windungen der Vagina, beide an der Schleimdrüse ruhend, an deren linker Seite der Zwitterdrüsengang und die Ampulle desselben. Der Zwitterdrüsengang (Fig. 66 a) setzte sich in das proximale Ende "der ganz zusammengebogenen, gelblichweissen Ampulle (Fig. 66 h) fort, welche, ausgestreckt, eine Länge von 24 mm bei einem fast durchgehenden Durchmesser von 4 mm hatte. Von dem distalen Ende der Ampulle ging der kurze Eileiter und der dünne, stark gewundene, lange Samenleiter (Fig. 66 c) aus. Dieser letztere verlief, von den Windungen des langen Penis ganz um- schlungen bis an das Hiuterende des letztern (Fig. 66 d). Das mäch- tige Penis -Organ (Fig. 66 de) hatte, ausgestreckt, eine Länge von 11 cm bei einem fast durchgehenden Durchmesser von 5,5 mm. Das durch seine ganze Länge hohle Organ (Praeputium) hatte eine ziemlich dicke, musculöse Wand, innen von einer dünnen Cuticula überzogen;, die (fast 10 cm) lauge, weisse, peitschenförmige Glans bis an die Spitze Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 233 von der Fortsetzung des Samenleiters durchzogen. Die kugelförmige, graue Spermatothek von einem Durchmesser von 12 mm; ihr uteriner Gang lang und geschlängelt; an demselben hing die wurst- förraige, 8 mm lange Sperraatocyste ; der vaginale Gang kurz (5 mm lang) und dick, in die Vagina übergehend, welche gewunden einen weisslichen Knäuel von 10 mm Durchmesser bildet, ausgestreckt maass dieselbe 3 cm bei einem durchgehenden Durchmesser von fast 2 mm, ihre Innenseite war von einer dicken, faltigen, grünlichgelben Cuticula überzogen. Die Schleim-Eiweissdrüse ungefähr 11 mm lang bei einer Breite und Höhe von 10 mm; die Farbe ihrer Windungen gelblichgrau und kalkweiss. Der Schleimdrüsengang kurz und stark, mit starker Längsfalte i). Aeolidiella Bgh. Vgl. B,. Bergh, System der nudibr. Gasteropoden, 1. c. 1892, p. 1019 —1020. Ae. drusilla n. sp. (Taf. 20, Fig. 41—46.) Von dieser Form lag ein einzelnes Individuum vor, im French Pass an der Cookstrasse (zwischen der Nord- und Südinsel von Neu- seeland, gegenüber d'Urville-Island) gefischt. Das in Formollösung aufbewahrte, wie es schien, ziemlich stark zusammengezogene Individuum zeigte die dicht gedrängten Papillen des Rückens grau mit durchschimmernder, braungelber Axe (Leber- lappen) und weisser Spitze, die Rhinophorien weiss; sonst war die Farbe durchgehends weisslich. — Die Länge betrug 2,8 cm bei einer Breite von 1,8 cm und einer Höhe des Körpers ohne die Papillen von 0,7 cm; die Länge des Fusses 2,8 cm bei einer fast durch- gehenden Breite von 0,9 mm, die Breite des Fussgebräms 2,2 mm, die Länge der zurückgebogenen Fussfühler 1,5 mm, die des Schwanzes 1 mm ; die Länge der Tentakel 4 mm, die Höhe der Rhinophorien 3,5 mm, die der Papillen bis 5 mm. Die Form des Thieres war etwas abgeplattet, vorn und hinten nur wenig schmäler. Der Kopf kurz und ziemlich breit, jederseits in einen am Grunde dickern Tentakel (Fig. 46) auslaufend; im Genick, zwischen den vordersten Papillenreihen und an dieselben stossend, die durch ihre weissliche Farbe abstechenden, cylindrischen, oben ab- 1) Die Untersuchung der Genitalorgane war wegen des Erhärtungs- zustandes derselben sehr schwierig. 234 R. BERGH, gestutzten Rhinophorien. Vom Rücken zeigte sich nur das vordere Viertel, hinter den Rhinophorien, iu der Mitte entblösst, sonst war derselbe von den nach hinten und aussen jederseits gleichsam ge- kämmten Papillen bedeckt, die in dieser Weise, von oben betrachtet, ganz ungeordnet, nicht in Reihen gestellt, schienen. Nachdem die Papillen weggepflückt waren, zeigte sich die Art der Ordnung der- selben ; sie standen in etwa 25 Reihen, von welchen die hintern kurz und quer gehend waren, die übrigen sehr schräg, nach vorn und aussen verlaufend ; auf einer grossen Strecke des Rückens stiessen die Reihen beider Seiten ^) in einem spitzen Winkel unmittelbar an einander. Die kurzen, vordersten Reihen enthielten nur 3—4, 7 — 8, 11—12 Papillen, in der 6. (9 mm langen) waren 21 vorhanden, und die Anzahl stieg kaum erheblich höher ; die hintersten Reihen enthielten nur ganz wenige Papillen. Die fest anhängenden Papillen leicht gebogen, cylindrisch, oben etwas zugespitzt. Zwischen dem innern Ende der 5. und der 6. Papillen- reihe fand sich die niedrige, abgestutzte Analpapille. In demselben Interstitium, mehr nach vorn, die Nierenpore. — Der Rücken ging gerundet in die niedrigen Körper selten über, vorn an der rechten die wenig vortretende Genitalöffnung. — Der Vorderrand des F u s s e s gebogen, mit starker Randfurche, die sich bis an das Ende der nach hinten gebogenen Fussfühler fortsetzte; das Fussgebräm nicht schmal, der Schwanz kurz. Die Eingeweide schimmerten (mit Ausnahme der papillären Leber- lappen) nicht durch. Das Centralnervensystem (Fig. 41) zeigte kaum eine Ein- schnürung an den cerebro-pleuralen (Fig. 41 a) Ganglien, die etwas grösser als die pedalen (Fig. 41 b) waren; die (Fig. 41 c) 3 Com- missuren sehr deutlich geschieden; die kurz gestielten Ganglia olfac- toria länglich. Die fast sessilen Augen gross, von 0,2 mm Durchmesser, mit stark lichtbrechender Linse (Fig. 41). Die Mundröhre war in einer Länge von 3,5 mm umgestülpt. Der Schlundkopf von der bei den Aeolidiellen gewöhnlichen Form, 4,5 mm lang bei einer Breite von 3,25 mm und einer Höhe von 3 mm ; die Raspelscheide gar nicht aussen vorspringend. Die Mandibeln ziemlich kurz (3 mm lang) und hoch, mit starker Schlosspartie, mit 1) Das Hinterende des Körpers war geklüftet (Monstrosität?), jede Hälfte desselben mit Papilleureihen beiderseits und mit kurzem \ Schwanz. Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 235 ebenem, fein streifigem (Fig. 42) Kaurand, hell bernsteingelb. Die Zunge wie gewöhnlich, am Vorderende und am obern Rande mit 11 Zahnplatten; weiter nach hinten fanden sich deren 8, davon die 2 hintern noch nicht ganz entwickelt; die Gesammtzahl der Zahn- platten somit 19. Die Platten (Fig. 43, 44) hell bernsteingelb, der Schneiderand breit ausgerandet, mit starker, medianer Spitze und zu jeder Seite derselben an den ältesten Platten 23, an den hintersten 35 spitze Dentikel; die Breite der Platten stieg bis zu 0,55 mm. Die kleinen Speicheldrüsen (Fig. 41 e) weisslich, abgeplattet. Die etwas geschlängelten Mundröhrendrüsen (Gland. ptyalinae) milchweiss, (1,5 cm) lang, die eine erstreckte sich median längs der Unterseite der grössteu Länge der Zwitterdrüse; die andere war an der Unterseite der vordem Genitalmasse aufgerollt. Der Durchmesser der Drüsen betrug 0,5—0,75 mm. — Die Speiseröhre kurz, der Darm kurz. Die Leberlappen der Papillen füllten die Höhle derselben fast aus, zeigten sich feinknotig an der Oberfläche, ihre Höhle nicht eng. Der ovale Nesselsack enthielt Massen von länglichen Cnidae von einer Länge bis zu 0,08 mm (Fig. 45). Die schwach gelbliche Zwitterdrüse ist 11 mm lang, im Hinter- ende geklüftet, aus vielen grossem Lappen (von einem Durchmesser bis zu 2 mm) zusammengesetzt, die an der Unterseite der Drüse längs einer medianen Längsfurche geordnet waren, in deren Tiefe der Zwitter- drüsengang verläuft. In den Läppchen der Drüse reife Geschlechts- elemente. — Die rundlich - subquadratische vordere Genital- masse von 6,5 mm grösstem Durchmesser ; an ihrem Hinterende der starke, opake Knäuel der Ampulle des Zwitterdrüsenganges; am Vorderende die Windungen des Samenganges; die Samen blase kugel- förmig. Die ganze Masse mit sammt der Schleim-Eiweissdrüse war weisslich. Der Conservirungszustand gestattete keine nähere Unter- suchung. Ae, fmistina n. sp. (Taf. 20, Fig. 39—40.) Mit der vorigen Form zusammen wurde ein Individuum einer ganz verschiedenen Art gefischt. Dasselbe hatte, auch in Formollösung aufbewahrt und auch ziem- lich zusammengezogen, eine Länge von 15 mm bei einer Breite des Körpers von 3,5 mm; die Breite der Fussohle betrug 3,5 mm, die Länge des Schwanzes 1,5 mm, die Länge der Fussfühler 0,75 mm; die Länge der Papillen 4 mm, der Rhinophorien und der Tentakel 236 R. BERGH, 2,25 mm. — Die Farbe war durcbgeheiids schmutzig hellgelblich; durch die Körperseiten und die Fussohle schimmerten sehr stark die dunkler gelblichen Lappen der Zwitterdrüse durch, ebenso durch die Papillen die knotigen gelben Leberlappen. Die F 0 r m Verhältnisse wie bei andern Aeolidielleu. Die Papillen Hessen fast keine Partie vom Rücken entblösst erscheinen; vorn bildete die Anordnung derselben zwei hufeisenförmige Figuren, hinter diesen 4 waren noch etwa 10 etwas schräge Reihen vorhanden; in jeder Reihe schienen 6—8 Papillen zu stehen ; die etwas cylindrisch- kegelförmigen Papillen dicht an einander stehend. Die Analpapille schien sich hinter dem innersten Theil der etwa 6. Reihe zu finden. Das Centralnervensystem wie oben. Die grossen Augen von einem Durchmesser von 0,2 mm; die Otocysten von einem Durchmesser von 0,14 mm, viele Otoconien enthaltend. Der Schlundkopf 2 mm lang, sonst wie bei der vorigen Art. Der Kaurand der hell gelblichen Mandibeln auch fein streifig (Fig. 40). Die Zunge mit 13 Zahnplatten ; weiter nach hinten fanden sich deren 12, wovon die 2 hintersten noch nicht ganz entwickelt; die Gesammt- zahl der Zahnplatten somit 25. Die Platten (Fig. 39) hell gelblich; die Breite zwischen den Beinen der vordersten 0,16 mm und stieg nach hinten bis zu 0,35 mm; die Höhe der des vordem Theils der Zunge 0,045 mm. An jeder Seite der kleinen medianen Spitze waren bis 35 spitze Dentikel vorhanden. Die Mund r Öhrendrüsen wenigstens ebenso lang wie bei der vorigen Art. Die knotigen Leber läppen füllten die Höhle der Papillen ganz aus. Die länglichen Nesselsäcke strotzten von Cuidae von einer Länge bis zu 0,08 mm. Die meisten der wenigen bisher bekannten Aeolidiellen gehören dem Mittelmeer und dem Atlantischen Ocean an, eine kommt im An- tillen-Meer und eine andere im Sunda-Meer vor, welche aber von den hier beschriebenen verschieden scheint. Fam. Flabellinidae. E. Bergh, System der nudibranchiaten Gasteropoden, 1892, p. 1133 — 1184. Die untersuchte neue Thierform scheint wegen ihrer festsitzenden und theilweise wenigstens gleichsam auf einem Sockel stehenden Papillen der Familie der Flabelliniden anzugehören, zeigt auch den^ Reise nach dem Pacitic. Die Opisthobranchier.' 237 Kaurand der Maudibel wie bei diesen beschaffen sowie 3 Reihen von Zahuplatten. Sie kann aber nicht unter die echten Fla bellinen, die einen bewaffneten Penis haben, eingeordnet werden; auch nicht unter die Pteraeolidien, die (ausnahmsweise) nur eine Reihe von Zahnplatten zeigen ; und ebenso wenig unter die C a 1 m e n , die (aus- nahmsweise) einfache Rhinophorien und einen bewaffneten Penis haben. Diese Thierform kann sonst auch nicht unter den andern mit 3 Reihen von Zahnplatten versehenen Aeolidiaden (Coryphelliden ; Galvina, Capellinia^ Hero, Madrella) untergebracht werden und muss unserer jetzigen systematischen Auffassung nach eine neue Gattung bilden, Samla n. g. Forma corporis ut in Flahellinidis. Rhinophoria perfoliata. {Podarium antice rotundatum.) — Radula triseriata; dentes laterales margine inferno denticulati. — Penis inermis. Die Samlen 1) haben die langgestreckte, schlanke Form aller Flabelliniden und schöne, durchblätterte Rhinophorien ; der Vorder- rand des Fusses zeigt gerundete Ecken. — Der Innenrand des Hakens der Seitenplatten der Raspel ist denticulirt. Der Penis ist un- bewaffnet. Von der Gattung ist bisher nur die unten stehende neue Art bekannt. Samla annuligera n, sp, (Taf. 20, Fig. 47 — 55.) Bei der Insel Laysan wurde am 24. Juli 1896 ein Individuum ge- fischt und in Sublimatlösung conservirt. Das lebende Individuum war von „weissbläulicher Farbe mit dunklern, bläulichen Ringen; die Kiemen (Papillen) mit schön orange- farbigen Bändern". — In der Lösung war die Farbe durchgehends einfarbig matt hellgelblich geworden. Die Länge betrug 11 mm bei einer Körperhöhe von 1,5 mm; die Länge der Rhinophorien betrug 2,5 mm, die der Tentakel 4 mm, der Papillen bis 3 mm ; die Breite der Fussohle durchgehends 1,5 mm, die Länge des Schwanzes 1,5 mm. Die Eingeweide schimmerten nirgends durch oder höchstens an einzelnen Papillen nur die Leberlappen. Die Form war lang gestreckt und schlank (Fig. 47). Der kleine Kopf mit sehr starken Tentakeln und kurz gestielten Rhinophorien 1) Mose lib. I, cap. 36, vers. 36. 238 R. BERGH, mit durchblätterter Keule nnd Endpapille (das eine Rhinophor fehlte). Der ziemlich schmale Rücken gerundet in die Körperseiten über- gehend; an jeder Seite desselben waren 8 Papillengruppen vorhanden, in den 3 ersten fanden sich je 3 Papillen, in den 3 folgenden je 2 und in den 2 letzten eine. Die nicht abfallenden Papillen spindelförmig, wie gewöhnlich von aussen nach innen an Länge zunehmend, die 2 äussern am Grunde fast verschmolzen. Im Rückenrande unmittelbar vor der zweiten rechten Papillengruppe die etwas vortretende Anal- papille (Fig. 47, 48 a). Die rechte Körperseite zeigte unter der ersten Papillengruppe die starke Genitalpapille. Der Fuss vorn gerundet und mit Randfurche ; das Fussgebräm etwas vortretend ; der nach hinten zugespitzte Schwanz kurz. Das Gen tralnervensyst em (Fig. 49) war wie bei verwandten Thierformen ; die cerebro-pleuralen Ganglien (Fig. 49 a) grösser als die durch eine kurze Commissur verbundenen pedalen (Fig. 49 6); die fast sessilen Ganglia olfactoria (Fig. 49 c) rundlich, gross, nicht viel kleiner als die pedalen. Die buccalen Ganglien von ovaler Form, durch eine kurze Commissur verbunden. Die sessilen Augen von einem Durchmesser von 0,06 mm. In der Keule der Rhinophorien ungefähr 12 ziemlich schmale Blätter. Um den Aussenmund ein starkes Lager von Drüschen. Der Schlundkopf 1,2 mm lang; die Raspelscheide hinten fast gar nicht vortretend. Die hell gelben Mandibeln mit kleiner Schlosspartie (mit kleiner Crista connectiva) ; der Kaurand eine Reihe von (etwa 18) am Ende gerundeten Dentikel von einer Höhe bis zu 0,013 mm tragend, am Grunde der Dentikel je ein niedriger Höcker (Fig. 50). Der Ein- gang in die Nebenmundhöhle ziemlich weit. Die Zunge ziemlich kurz ; in der Raspel und ihrer Fortsetzung im Ganzen 20 Zahnplatten- reihen, davon die 2 hintersten noch nicht fertig entwickelt. Die medianen Zahnplatten hell gelblich, von einer Breite von 0,06 mm und einer Höhe von 0,035 mm, mit geklüftetem Hinterrande, mit kurzem, gebogenem Haken und jederseits meistens 15 — 16 Dentikel tragend (Fig. 51 a, 52 a, 53). Die lateralen Platten fast farblos, lang gestreckt, mit (ungefähr 0,08 mm) langem äussern und kürzerm innern Beine; der Innenrand des frei hervorragenden Hakens mit 5—7 spitzen Dentikeln (Fig. 51 6, 52 h). Die knotigen Leberlappen füllten fast die Höhle der Papillen aus. Der gestreckt-birnförmige Nesselsack enthielt runde und stab- förmige Cnidae. Die vordere Genitalmasse ziemlich gross, von ovaler Form, Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 239 von 1,5 mm Länge. Der dünne Samenleiter (Fig. 54 a) in eine in der Mitte eingeschnürte Partie (Fig. 54 h) übergehend, die sich in den kurzen, kegelförmigen, etwa 0,30 mm langen, unbewatfneten Penis fortsetzte (Fig. 54 c, 55). Die kugelförmige Saraenblase von Samen strotzend, ihr Ausführungsgang fast so lang wie die Blase (Fig. 54 d). FionCb marina (Forsk.). Eolis plicata Hutton, Note on some branchiate moll., in: Trans, and Proc. New Zealand Inst, V. 14, 1882, p. 1G6; tab. G, fig. F. Fiona marina (ForskIl), R. Bergh, Die Opisthobranchier der Samm- lung Platb, in : Zool. Jahrb., Suppl., Fauna Chilensis, V. 1, Heft 3, 1898, p. 560—561. Von dieser Form lagen 2 Individuen vor, in der Pigeon-Bai ge- fischt und als Eolis plicata Hutton bezeichnet. Dieselben waren mit einander in Form- und Grösseverhältnissen ganz übereinstimmend, stark zusammengezogen. Ihre Länge betrug ungefähr 17 mm; ihre Farbe war hell schmutziggelblich, die Papillen mehr bräunlich. Die Individuen stimmten im Aeussern sonst ganz mit den zahlreichen früher untersuchten Individuen überein. — Der Schlundkopf des einen Exemplares wurde mit samrat dem Central- nervensystem exviscerirt. Das Centralnervensystem mit den Augen und den Otocysten ganz wie früher beschrieben. Der Schlundkopf auch ganz wie früher öfter dargestellt; das Vorderende der Mandibeln sehr stark roth mahagonifarbig. Die lange und schmale Zunge trug am Unterrande 9 Zahnplatten, und am Grunde derselben lagen noch 2 abgefallene; am obern Rande fanden sich auch 9, und weiter nach hinten deren 15 und 2 jüngere; die Gesammtzahl der Zahnplatten somit 35 (37). Die Breite der vordersten Platten betrug ungefähr 0,12 mm, die der jüngsten 0,2 mm ; die Zahl der Dentikel war jederseits 9 — 12. Ein anderes, ein wenig grösseres Individuum wurde bei Manganui auf den Chatham-Inseln (300 Meilen OSO. von Neuseeland) gefischt. Phylliroe Per. et Les. Ph. atlantica Bgh. (Taf. 21, Fig. 78—81.) PÄ. hucephala Souleyet (nee Vi^R. et Les.), Voy. de la Bonite, Zool., V. 2, 1852, p. 399—415; tab. 35, fig. 1—18. PJi. atlantica Bgh., in: Verh. zool.-bot. Ges. Wien, V. 21, 1871, p. 1302 —1305. Pk atlantica Bgh., in : Malacolog. Unters., Heft 5, 1873, p. 212—231 ; tab. 28, fig. 1 — 18; tab. 29, fig. 1 — 15; tab. 30, fig. 1; tab. 31, fig. 1—2. Zool. Jahrb. XIII. Abth. t. Syst. ]^7 240 n. BERGH, P/i. a^?aw^«ca Bgif., Report on tlie Nudibranchiata, in: Challenger Exp., Zool., V. 10, 1884, p. 5—7. Sacci Jiepatici posteriores medio non coarctati. Gl. Jiermaphro- disiacae p)ciginci inferiore castaneae. Das in Plankton zwischen Laysan und Honolulu gefischte Indi- viduum, in Sublimatlösung mit Osmiumsäure conservirt, hatte eine Länge des Körpers (ohne die Rhinophorien) von 16 mm bei einer Höhe von 5 mm ; die Länge des Kopfes betrug 2,5 mm, die der Rhino- phorien 7 mm, die des ausgestreckten Penis 9 mm. Das Centralnervensystem wie früher von mir beschrieben. Die Nervenzellen erreichten einen Durchmesser von 0,06 mm. Das grosse buccale Ganglion (von einem Durchmesser von 0,30 mm) zeigte keine Spur einer Verschmelzung von zwei Ganglien. — Die sessilen Augen von 0,06 mm Durchmesser, mit farbloser Linse. Die grossen Otocysten von 0,12 mm Durchmesser. Der Schlundkopf ganz wie früher von mir beschrieben (1. c. p. 217 — 221), so auch die Mandibel und die kleine Zunge. Die Länge der Mandibel (in situ) betrug 2,5 mm bei einer Breite von 1 mm. Die Zunge trug 14 Reihen von Zahnplatten, weiter nach hinten in der Raspelscheide fanden sich noch 3 entwickelte und 2 jüngere Reihen ; die Gesaramtzahl derselben somit 19 ^). Die Zahnplatten ganz wie früher beschrieben; die Länge der ältesten medianen betrug 0,035, der jüngsten 0,08 mm. An jeder Seite der medianen waren in den hintern Reihen der Zunge 6 laterale vorhanden, in der Raspel- scheide 7; die 2 äussersten Seitenplatten, von welchen die äusserste meistens viel kürzer war, ohne Dentikel. — Die kleinen Speichel- drüsen wie gewöhnlich. Die kurze Speiseröhre geht in den gestreckt sackartigen, bei einem Durchmesser von 2 mm volle 4,5 mm langen Magen über. Der Darm ist 2,5 mm lang. Der Inhalt der Verdauungshöhle war thierische Masse, hauptsächlich von Fangfäden kleiner Acalephen ge- bildet. — Die Leber Säcke wie gewöhnlich; die an den flossenartigen Rückenrand gehefteten obern, und zwar besonders der vordere, knotig und selbst mit einigen kurzen Aesten (Fig. 78) versehen. Das Herz, der Nierensack und das reno-pericardiale Organ (Nierenspritze) wie gewöhnlich. Es fanden sich 3 ganz getrennte Zwitterdrüsen von einem 1) Die Anzahl der Zahnplattenreihen betrug bei den früher unter- suchten (10) Individuen 22 — 29, bei 3 später anatomisch untersuchten 18, 20 und 26 (Challenger). Reise nach dem Pacific. Die Opisthobrunchier. 241 Durchmesser von 2 mm ; die Unterseite derselben (chocoladeufarbig-) schwarz. Die Ampulle des Zwitterdrüsenganges von gewöhnlicher Form, von einem grössten Durchmesser von 1 mm und an der einen Seite von der eben erwähnten Farbe. — Der lange, ausgestülpte Penis zeigte oberhalb des gewöhnlichen Hemmflügels (Fig. 79 a) (vgl. 1. c. p. 227—228) die cylindrische, an der Spitze etwas ge- schwollene, 4 mm lange Glans (Fig. 79 h). Diese Glans zeigte sich unter der Lupe in ihrer obern Hälfte ganz und auf der übrigen Strecke längs der einen Seite mit kleinen, spitzen Kegeln bedeckt (Fig. 79 &), während die andere Seite nur feine Querfalten darbot. Diese Kegelchen waren dicht an einander gedrängt (Fig. 80); ihre Grundfläche meistens rundlich, von einem Durchmesser bis zu 0,12 mm, und die Höhe der Kegelchen stieg bis zu wenigstens 0,10 mm (Fig. 81). An der Spitze der Glans fand sich eine kleine Vertiefung, in welcher der sich durch den Penis geschlängelt windende Samenleiter endigt (Fig. 79). Die hier untersuchte Form ist ohne Zweifel mit der im Atlan- tischen Meer so verbreiteten Art {Ph atlantica) identisch, die wieder wahrscheinlich mit einer der aus dem Stillen Meer beschriebenen {PJi. rosea, xmnctulata^ lichtensteini) zusammenfällt und vielleicht den altern Namen einer derselben annehmen muss. Dendronotus Alder et Hang. Dendronotus dalli Bgh. (Taf. 21, Fig. 74—77.) Dendron. dalli Bgh., On the nudibr. gaster. moll. of the North. Pacific Oc, I, 1879, p. 150, in: Explor. of Alaska, V. 1, .0, tab. 1, fig. 21; tab. 2, fig. 9—12; tab. 3, fig. 2—6. Dendron. dalli Bgh., Die Opisthobranchier, Rep. on — „Albatross", in: Bull. Mus. comp. Zool. Harvard Coli., V. 25, No. 10, 1894, p. 139 —141, tab. 3, fig. 2—5. Ein einziges Individuum wurde am 16. Mai 1896 bei Bare-Isl. gefischt. Das in Formol massig gut erhaltene Thier war ganz einfarbig gräulichweiss. Die Länge betrug 4,2 cm bei einer Dicke des Körpers bis 1 cm und einer Höhe desselben bis 1,5 cm; die Höhe der Rhino- phorscheiden ohne die Zipfel war 4 mm, die der Kiemen betrug bis 8 mm, die Breite der Fussohle 6 mm, die Länge des Schwanzes 1 mm. Die Form Verhältnisse wie bei der typischen Art. Um den Aussen- mund fanden sich mehrere kleine Papeln; am Stirnrande jederseits 2 baumartig verzweigte Anhängsel. Aussen am Grunde der Rhinophor- scheiden ein starkes, baumartiges Anhängsel; der Rand der Scheide 17* 242 K. BERGH, iu 4—5 ziemlich lange, kurzästige Zipfel ausgezogen, von welchen der hintere oder äusserste der längste ist; die Keule der Rhinophorien mit ungefähr 20 Blättern. Am gerundeten Rückenrande in Abständen, die von vorn nach hinten allmählich abnahmen, 6 Papillen gewöhn- licher Art, die an Höhe auch allmählich abnahmen. Die 2 vordersten bestanden aus 2 am Grunde vereinigten Stämmen und trugen aussen am Grunde einen starken Zipfel, der an der 3. viel kleiner war und an den letzten vielleicht fehlte. An der Mitte zwischen der 1. und 2. (rechten) Papille die starke Analpapille, an ihrem Grunde die kleine, spaltenartige Nierenpore. Das Centrainer vensystem ganz wie früher von mir be- schrieben. — Die lang gestielten Augen von einem Durchmesser von 0,12 mm, mit einem deutlichen Gangl. opticum verbunden, das etwas grösser als das Auge war. Die Otocysten wie gewöhnlich. Der Schlundkopf wie gewöhnlich; seine Länge betrug 8 mm bei einer Breite von 5 mm und einer Höhe vorn (durch den löfifel- artigen Fortsatz der Mandibel) auch von 5 mm. Der schmale, gelb- lichgraue Greifring am Innenrande der Lippenscheibe wie gewöhnlich aus dicht gedrängten, leicht chitinisirten Papillen von einer Höhe von 0,013—0,016 mm (Fig. 75) gebildet. Die schönen, glänzend bräunlich dunkel citronengelben Mandibel wie bei der typischen Art ; der kurze, gebogene Kaufortsatz mit den zahlreichen, niedrigen Dentikeln, die, wenigstens mehr hinten, mit kleinsten Höckerchen versehen waren (Fig. 74). Die kräftige Zunge wie gewöhnlich, die Raspel schillernd gelb ; an dem kurzen, geraden obern Rand der Zunge 2 Zahnplatten- reihen, an dem langen, schrägen Unterrande 22, unter dem Raspel- dache und in der langen, nach unten gebogenen Scheide 21, davon die 3 hintersten noch nicht ganz entwickelt; die Gesamratzahl der Zahnplattenreihen somit 45. Die medianen Zahnplatten mit bräun- licher, in der Scheide mahagonifarbiger Grundplatte, mit bernstein- gelbem Haken ; die Seitenplatten farblos. Die Breite der ältesten medianen Platten betrug 0,25, die der jüngsten 0,30 mm ; die Länge der längsten Seitenplatten betrug mehr vorn 0,24 mm, ganz hinten 0,30 mm. Die medianen Platten von der bei den Dendronotiden gewöhnlichen Grundform, aber mit ganz glattrandigem Haken (Fig. 76). Die Seitenplatten auch von gewöhnlicher Form, an Zahl bis zu 16 betragend ; die innerste (Fig. 77) mit kürzerm Haken, die folgenden 5 — 7 mit längerm, der meistens 6—8 spitze Dentikel trug; die folgenden fast oder ganz hakenlos, immer ohne Dentikel (Fig. il ä). Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 243 Erklärung der Abbildungen. Tafel 19. Chelidonura Mrundinina (Q. et G.) var. elegaus. Fig. 1. Das Thier, von der obern Seite. rig. 2. Dasselbe, von der Unterseite. Fig. 3. Aehnliches, von der rechten Seite. Fig. 4. Der Kopf, von vorn, mit Aussenmund und jederseits einem Polster mit Fühlerborsten. Fig. 5. Hinterflügel, vor denselben die Kieme, von der Unterseite. Fig. 6. Die Kieme, vom Rande. Fig. 7. Dieselbe, von der Seite. Fig. 8. Die Schale, von oben. Fig. 9. Nuclealpartie der Schale. 100 : 1. Fig. 10. Centralnervensystem, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. a Ganglia cerebralia, hinter denselben G, pleuralia, hb G. pedalia, c G. genitale, d G. branchiale, e G. buccalia. Fig. 11. Centralnervensystem eines andern Individuums, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. Bezeichnungen wie oben. Fig. 12. Gangl. pedale, mit Cam. lue. gez. 200 : 1. a Otocyste. Fig. 13. Gangl. genitale (mit Gangl. secund.), mit Cam. lue. gez. 100 : 1. Fig. 14. Vorderende des Rückens des Thieres. Fig. 15. Abnormes Ende eines Hinterflügels. Fig. 16. Spitze der Kieme. Fig. 17. Fühlerapparate, vom Vorderrande des Rückens. aa pinseltragende Fühlerknospen (Ganglien), b N. tactilis, c Deckzellen der Pinselscheiden deutlich. Fig. 18. Pinsel vom Mundrande. Fig. 19. Fühlerknospe mit Grund der Pinsel und Nerven. Fig. 19 a. Aehnliche. Fig. 20. Pinsel vom Mundrande. Fig. 21. Vom obern Theil der Seiten wand des Schlundkopfes. Fig. 17—21 mit Cam. lue. gez. 350 : 1. 244 R. BERGH, Fig. 22. Oberes Ende eines Kiemenblattes, mit Cam. lue. gez. 200 : 1. Fig. 23. Vorderende des Verdauungssystems, von der Unterseite, mit Cam. lue. gez. 20 : 1. a Drüsenmasse um den Aussenmund, h Schlundkopf, cc Speicheldrüsen, d Magen, e Anfang des Darmes, f Penis. Fig. 24. Hervorgeschobener Schlundkopf eines andern Individuums, von der Unterseite, aa Polster mit Fühlerpinseln. Fig. 25. Senkrechter Querdurchschnitt des Schlundkopfes. Tafel 20. Chelidonura hirundinina (Q. et G.) var. elegans. Fig. 26. Hintere Eingeweidemasse, von der untern Seite, a Speise- röhre, hinter derselben h Magen, c Schleim-Eiweissdrüse, d Samenblase, e Kieme. Fig. 27. Dieselbe, von der obern Seite, h Magen, c Leber, d Zwitterdrüse, e Kieme. Fig. 28. a Speicheldrüse, & Rand des Schlundkopfes, mit Cam. lue. gez. 200 : 1. Fig. 29. Schleimdrüse m. M., von der Unterseite, a Zwitter- drüsengang, h Schleim- und c Eiweissdrüse, d Samenblase. Fig. 30. Samenblase, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. Fig. 31. Ende des männlichen Zweiges des Zwitterdrtisenganges, hinter der Vulva mit a Divertikel, mit Cam. lue. gez. 100 : 1. Fig. 32. a Samenrille, h Penis. Fig. 33. Senkrechter Querdurchschnitt des vordem Theiles des Penis. Pleurohranchus aurantiacus Risso. Fig. 34. Schale, von der Pückenseite, mit Cam. lue. gez. 5:1. Fig. 35. Stück der Mandibelplatte. Fig. 36. Element der Mandibelplatte, von der Seite. Fig. 37. Tb eil einer Zahnplattenreihe. Fig. 38. Aehnliche Platten in andern Stellungen. Fig. 35—38 mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Aeolidiella faustina Bgh. Fig. 39. Zahnplatte. Fig. 40. Stück des Kaurandes. Fig. 39—40 mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Aeolidiella drusilla Bgh. Fig. 41. Centralnervensystem, von oben, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. aa Ganglia cerebro-pleuralia, hh Gr. pedalia, c die drei Commissuren, d G. buccalia, e Speicheldrüse (Gl. salivalis). Fig. 42. Kaurand mit Ende des Kaufortsatzes, mit Cam. lue. gez. 100 : 1. Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. 245 Fig. 43. Eine der vordersten Zahnplatten, mit Cam. lue. gez. 200 : 1. JFig. 44. Partie einer der jüngsten Zahnplatten, mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Fig. 45. Nesselelemente, mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Fig. 46. Tentakel, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. Samla annuJigera Bgh. Fig. 47. Vorderes Drittel des Thieres, von der rechten Seite ; vor der zweiten Papillengruppe die Analpapille. Fig. 48. Zweite Papillengruppe der rechten Seite, a Analpapille. Fig. 49. Centralnervensystem , von oben. a Ganglia eerebro- pleuralia. h Gr. pedalia, c Gr. olfactoria (rhinophoralia). Fig. 50. Kaufortsatz. Fig. 51. Stück der Raspel, a mediane, h laterale Zahnplatten, von oben. Fig. 52. Aehnliehes, von der Seite, a und h wie oben. Fig. 53. Mediane Zahnplatte, von der Unterseite. Fig. 50—53 mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Fig. 54. a Samenleiter, b an der Mitte eingeschnürte Fortsetzung desselben, c Glans penis in der geöffneten Vorhaut, d Samenblase. Fig. 55. Glans penis, mit Cam. gez. 200 : 1. Pleurohranchaea novae-zealandiae Chebsem. Fig. 56. Element der Mandibelplatte, von der Seite. Fig. 57. Aehnliche, von der freien Fläche. Fig. 56—57 mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Hexdbranchus lacer (Cuv.). Fig. 58. Speicheldrüse, a Ausführungsgang. Fig. 59. Läppchen des cerebralen Ganglions, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. Fig. 60. Hinterende der Speicheldrüse, mit Cam. lue. gez. 100 : 1. Tafel 21. Hexdbranchus lacer (Cuv.). Fig. 61. Inneres Ende einer Zahnplattenreihe, a innerste Zahnplatte. Fig. 62. Innerste (erste) Zahnplatte, vom Innenrande. Fig. 63. Zweite Zahnplatte. Fig. 64. Aussenende einer Zahnplattenreihe, a äusserste Zahnplatte. Fig. 61—64 mit Cam. lue. gez. 200 : 1. Fig. 65. Verdauungscanal. a Pharynxmündung der Speiseröhre, b vordere und c hintere Erweiterung an derselben, d Magen, e Gallen- öffnungen ff Darm. Fig. 66. a Zwitterdrüsengang, b Ampulle desselben, c Samenleiter, d Hinterende des Penis, dessen Windungen ee um den Samenleiter leicht angedeutet sind. Fig. 67. Centralnervensystem, von oben, a cerebro-pleurale , bb pedale Ganglien, c die grossen Commissuren, d subcerebrale Commissur, 246 ^- BERGH, Reise nach dem Pacific. Die Opisthobranchier. ee die distalen Gangl. rhinophoralia, f die buccalen und gastro-oeso- phagalen Ganglien. Die Ganglien mit Cam. lue. gez. Fig. 68. Die Blutdrüse, von der obern Seite. 2 : 1. Pleurohranchaea novae-zealandiae Ch. Fig. 69. Zahnplattten, mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Ärchidoris nyctea Bgh. Fig. 70. Zahnplatten von der mittlem Partie der Raspel. aaRliachis mit falschen Zahnplatten. Fig. 71. Zwei der grössten Zahnplatten. Fig. 72. Aussenende zweier Zahnplattenreihen, aa äusserste Platte. Ärchidoris sp. Fig. 73. Zwei der grössten Zahnplatten. Dendronotus dalli Bgh. Fig. 74. Hinterende des Kaufortsatzes. Fig. 75. Chitinisirte Papillen der Lippenscheibe. Fig. 70—75 mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Fig. 76. Zwei mediane Platten, von oben, mit Cam. lue. gez. 200 : 1. Fig. 77. Eine Reihe von Seitenzahnplatten. a äusserste Platte, mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Phylliroe aÜantica Bgh. Fig. 78. Oberer vorderer Lebersack, mit Cam. lue. gez. 55 : 1. Fig. 79. Penis, a Hemmflügel, h Glans. Fig. 80. Stück der Bewaffnung der Glans, mit Cam. lue. gez. 100 : L Fig. 81. Stückchen derselben, mit Cam. lue. gez. 350 : 1. Nachdruck verboten, üeberaetzungsrecht vorbehalten. lieber einen Fall von Brutpflege bei einem Bockkäfer. Von Dr. J. E. V. Boas in Kopenhagen. Hierzu Tafel 22 und 6 Textabbildungen. Vor Kurzem erhielt ich von meinem verehrten Collegen, dem Botaniker Herrn Lector Dr. E. Rostrup, einen Ast von Salix vimi- nalis, dessen Rinde in eigenthümlicher Weise angenagt war, mit der Frage nach dem Urheber der Beschädigung. Der Ast, welcher im Juli 1899 bei Hornbäk (auf Seeland) ge- sammelt ist, zeigt eine grössere Anzahl sehr gleichmässig ausgeführter Nagefiguren (Taf. 22, Fig. 1). Jede derselben besteht aus einer regel- mässig hufeisenförmigen in die Rinde eingeschnittenen Furche; die Oeffnung des Hufeisens ist überall nach oben gerichtet. Die von der Furche umgebene Rindenpartie (welche etwa 10 mm lang und 7 mm breit ist) ist mit quer gestellten, zerstreuten Nagestellen bedeckt, welche ganz oberflächlich sind, während die hufeisenförmige Furche selbst ziemlich tief eingeschnitten ist. Bei weiterm Nachsehen bemerkte ich in der Furche am untern Ende des Hufeisens eine rundliche Vertiefung, welche an einigen der Nagefiguren weisslich erscheint durch Holzspänehen, welche aus der- selben hervorgucken. Beim Einschneiden fand ich dann die ganze von der Hufeisenfurche umgebene Rindenpartie unterhöhlt und von dort aus einen Gang in den Holzkörper sich fortsetzend, in welchem eine eingetrocknete Larve lag, welche sich als wahrscheinlich die- jenige von Saperda populnea herausstellte. Im September und October habe ich dann mehrere Excursionen nach den in der Nähe von Kopenhagen liegenden Waldungen gemacht, um weiteres Material zu sammeln. Saperda populnea ist hier stellen- 248 J. E. V. BOAS, weise sehr gemein, und es gelang mir leicht, eine grössere Anzahl Aeste und Stämmchen von Populus tremula, Salix caprea und Salix cinerea zu sammeln, welche mit Larven von Saperda populnea besetzt waren ; ich konnte dabei überall ähnliche Nagefiguren, resp. Reste von solchen, wie an dem vorhin erwähnten Ast constatiren. Die Unter- suchung des gesammten Materials ergab Folgendes : Vor der Ablage jedes Eies nagt Saperda populnea eine ganz schmale (nicht einmal millimeterbreite) Furche in die Rinde hinein; die Furche ist gewöhnlich sehr regelmässig länglich hufeisenförmig, die Oeffnung des Hufeisens fast immer nach oben gerichtet i); die Furche schneidet nicht halbwegs durch die Rinde hindurch. Die von der Furche umgebene halbinselförmige Rindenpartie — welche wir fortan als die Rinden- Halbin sei bezeichnen wollen — wird weiter ganz oberflächlich in unregelmässigen Querstreifen vom Insect angenagt, welches dann um untern Ende des Hufeisens (also genau in der Mitte der Furche) ein Ei ablegt. Das Loch, worin das Ei liegt, durchbohrt die Rinde bis auf den Holzkörper, wie aus einigen Fällen ersichtlich war, in welchen die weitere Entwicklung unterblieben war (unter gewöhnlichen Umständen fliesst das betreffende Loch natürlich mit der später von der Larve genagten Rinden-Aushöhlung zusammen) ; wahrscheinlich hat die Legeröhre das Vermögen, die Rinde zu durchbohren, nachdem vorerst die äussern Rindentheile vom Thier weggenagt sind. Durch die beschriebene Behandlung der Rinde vor der Eiablage wird ohne Zweifel eine gewisse Vertrocknung oder Abschwächung der Rinden-Halbinsel erreicht; die Behandlung erinnert an den von den Gärtnern ausgeführten „Einkerben- Einschnitt", welcher unterhalb eines Astes oder „Auges" gemacht wird, um das Wachsthum des be- treffenden Theiles abzuschwächen-). Es ist hervorzuheben, dass das Hufeisen fast immer nach oben offen ist, der Einschnitt also unter- halb und seitlich von der Rinden-Halbinsel; wenn das Hufeisen umgekehrt läge, würde möglicher Weise die Folge eine wesentlich andere sein: ich erinnere daran, dass, wenn der Einkerben-Einschnitt von den Gärtnern oberhalb eines „Auges" oder Astes angebracht wird, es zum Austreiben resp. zur Verstärkung desselben führt. 1) Nur ein ])aar Mal (unter Hunderten) habe ich die Oeffnung des Hufeisens nach unten gerichtet gefunden. 2) Vgl. z. B. Bp:3er, Grundzüge der Obstbankunde, Wien 1872, p. 178. Ueber einen Fall von Brutpflege bei einem Bockkäfer. 249 Nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei ernährt sich die Larve zu- nächst von den innern Theilen der Rinden-Halbinsel, welche ganz oder theilweise unterhöhlt wird, so dass nur noch die äussere Schicht übrig bleibt und nachher als trockene, todte Schuppe dasitzt. Von der Rinde frisst die Larve nur diese Partie. Nachdem die Larve die Rindenschuppe unterhöhlt hat, geht sie, wie längst bekannt, rechts oder links in den Holzkörper hinein und ernährt sich zunächst von den äussern Holzschichten, und zwar derart, dass sie in der Regel eine oberflächliche Lage schont, also die Rinde nicht berührt. Wenn man die Holzpartie, in welcher die Larve dabei arbeitet, näher untersucht, wird man aber — was bisher, wie es scheint, nicht beobachtet worden ist — dadurch überrascht, dass mitten drin im Holz Gruppen von zweifellosen Bastfasern (und andern Bastelementen) sich finden. Ich habe es natürlich nicht ver- säumt, einem befreundeten Botaniker, Herrn Lector Dr. 0. G. Petersen, welcher sich speciell mit der Histologie der Bäume beschäftigt hat, die Objecte vorzulegen, und derselbe hat mir die Bestimmung der fraglichen Structuren als Bastfasern bestätigt. Wir stehen somit hier einer pathologischen Holzbildung gegenüber. Es mag zunächst bemerkt werden, dass dieselbe mit der Unterhöhlung der Rinden- Halbinsel durch die Larve in Verbindung steht; wenn die Larve — wie ich in mehreren Fällen gefunden habe — nach Unterhöhlung der Rindenschuppe abstirbt, ohne in das Holz hineinzudringen, kann man trotzdem nachher dieselbe pathologische Holzmasse mit eingestreuten Bastfasern finden i). Die genannte pathologische Holzmasse ist es also, in der die Larve ihren oberflächlichen Gang anlegt, indem sie, wie bereits be- merkt, meistens eine äusserste Schicht schont. Bisweilen wird übrigens die äusserste Holzschicht in grösserer oder geringerer Ausdehnung mit verzehrt, und in diesen Fällen trocknet natürlich die ausserhalb liegende Rinde ein. Wie entsteht aber die pathologische Holzmasse mit den einge- streuten Bastfasern? Eine Untersuchung von Quer- und Längsschnitten hat ergeben, dass an der betreffenden Stelle die Thätigkeit des normalen 1) Stirbt aber schon das Ei ab und unterbleibt somit eine Uuter- höhlung der Rinden-Halbinsel, so findet eine derartige pathologische Holzbildnng nicht statt; der kleine Ei-Canal in der Rinde wird dann durch einen Calluspfropfen verstopft, und die Rinden-Halbinsel lebt fort (nur die äusserste Lage trocknet ein). 250 J. E. V. BOAS, Cambiums erlischt (wohl in Folge einer Art Vergiftung von Seiten der Larve), und es entsteht eine neue Cambialpartie in der Rinde, und zwar nach aussen von den Innern Bastfaser- bündeln ; und indem dieses neue Cambium Holz bildet, werden die Innern Fig. A. Fig. B. / r Fig. A. Radiärer Längsschnitt durch einen von Saperda ^o/JM^wea angegriflfenen Ast; das Thier ist, nachdem es die „Rinden-Halb- insel" unterhöhlt hatte, abgestorben, hat sich nicht in das Holz hinein genagt; trotzdem hat die pathologische Holzbildung in der Rinde stattgefunden. / Bastfaserbündel ; die weissen Körperchen in der Rinde sind Stein- zellennester, a abnormes, n normales Holz aus dem Jahre 1899, n' älteres Holz, r Rinde. Vgl. den Text. 7 mal vergr. Fig. B. Radiärer Längsschnitt durch eine Galle von S. populnea. Den peripheri- schen Larvengang sieht man gegenüber dem Buchstaben g. a abnormes, »i normales Holz, / Bastbündel, von dem peripherischen Larvengang durchschnitten, g' centraler Larvengang, m Mark. 4 — 5 mal vergr. Bastfasern in den Holzkörper eingeschlossen. Dass dem so ist, ergiebt sich z. B. deutlich aus dem in Fig. A abgebildeten Radialschnittt- Das Bastfaserbündel f ist auf der Strecke x—y sowohl aussen als innen von Holz begrenzt, biegt aber bei x und bei 1/ in die Rinde üeber einen Fall von Brutpflege bei einem Bockkäfer. 251 hinaus. Sein Verlauf ist natürlich ursprünglich ein gerader gewesen ; bei der Bildung der abnormen Holzmasse in der Rinde ist es aber beim Dickenwachsthum des Astes auf der Strecke x—y zurückge- halten worden, während es oben und unten mit der übrigen Rinde in normaler Weise nach aussen gedrängt wurde. Diese Erscheinung tritt in dem abgebildeten Fall besonders deutlich hervor, weil die Larve, nachdem sie die Rindenschuppe unterhöhlt hat, abgestorben und die abnorme Holzpartie also nicht von dem Larvengang durch- bohrt worden ist ; aber auch in den gewöhnlichen Fällen kann man manchmal an den Radialschnitten dasselbe beobachten (Fig. B). Auch eine Untersuchung mancher Querschnitte ist sehr lehr- reich. In Fig. C ist ein solcher abgebildet. Auf der Strecke ahbc hat die abnorme Holzbildung in der Rinde stattgefunden, wobei ein Fig. C. Querschnitt durch eine Saperda pop^lnea-GMe an einem drei- jährigen Ast von Populus tremula. Oc- tober 1899. r Rindenschuppe, r' aufge- bogene Ränder derselben; a und <£ Rinden- furche, durch das Dickenwachsthum des Astes breiter geworden. Die hellen Flecken in der dunkel gehaltenen Rinde sind Steinzellennester und Querschnitte von Bastbündeln; auf der Strecke b — c sieht man solche auch in dem letzten Holz- Jahresring eingeschlossen. Der Larvengang (ebenfalls dunkel gehalten) ist mit Holzspänen gefüllt. Vgl. übrigens den Text Ungef. 4 mal vergr. grösserer Theil der Bastschicht in das Holz eingeschlossen und die Rinde entsprechend auf derselben Strecke verdünnt wurde (vgl. die Strecke ahc mit der Strecke cd). Die in das Holz eingeschlos- senen Basttheile sind auf der Strecke abb wieder verschwunden, indem sie von der Larve gefressen wurden ; auf der Strecke bc sind sie aber erhalten geblieben, indem der Larvengang schon bei b nach innen biegt. — In Fig. D ist bei etwas stärkerer Vergrösserung ein Theil des Querschnittes eines von Saperda populnea angegriffenen Astes dargestellt; die Larve ist hier nicht in das Holz eingedrungen. Bei h ist die Rindenhöhle, welche von der Larve ausgenagt worden ist. Im angrenzenden Theil der Rinde findet man die abnorme Holz- bildung; es ist sogar zweimal eine Cambialbildung in der Rinde auf- getreten, einmal ausserhalb der andern, so dass sich zwei dünne 252 J. E. V. BOAS, Holzlagen, a und &, letztere dicht an der Oberfläche, in der Rinde befinden. Die beschriebene Holz-Neubildung findet, wie schon oben erwähnt, in Folge einer Einwirkung statt, welche von der Larve während ihres Aufenthaltes innerhalb der Rinden- Halbinsel ausgeht, oder wird jeden Falls schon dann eingeleitet. Sie hat eine grössere oder geringere seitliche Ausdehnung, bisweilen erstreckt sie sich rund um den ganzen Holzkörper. Meistens ist die abnorme Holzlage etwas oder bedeutend dicker als die angrenzende normale oben und unten, und somit ent- Fig. D. Theil des Querschnittes eines von 8. popvlnea angegriffenen Astes von Pop. tremula, um die abnorme Holzbildung in der Rinde zu zeigen. Es haben sich zwei dünne Holzsthicliten, a und Z», in der Rinde gebildet, h die Höhle unterhalb der hier abgefallenen Rindenschuppe. Die hellen Flecken in der dunkel gehaltenen Riude sind Steinzellennester und Querschnitte von Bastfaserbündeln, 99 Jahresring 1899. Vergl. übrigens den Text. Ungefähr 10 mal vergr. steht die bekannte Anschwellung, die Galle. Die meisten aus 1899 stammenden Gallen waren übrigens nicht sehr hervortretend, was wahrscheinlich eine Folge des trockenen Sommers war; einige Gallen aus 1898 waren viel kräftiger. Das rührt nicht etwa daher, dass der Jahresring 1899 an der Galle aus 1898 stärker als am übrigen Ast wäre; das ist nicht der Fall, die grössere Dicke der Galle rührt lediglich her vom stärkern Dickenwachsthum in dem Jahre, in welchem die Galle gebildet wurde. Die abnorme Bildungsweise des Holzes in der Sapcrda x^opulnea- Galle hat übrigens ihr Seitenstück in der normalen Entwicklung üeber einen Fall von Brutpflege bei einem Bockkäfer. 253 gewisser Pflanzen. Nach dem Lehrbuch der Botanik von Stras- burger, NoLL, Schenk u. Schimper (2. Aufl., Jena 1895, p. 115) „hört bei den Cycadeen und bestimmten Gnetum-Arten unter den Gymnospermen, bei Chenopodiaceen , Amarantaceen , Nyctagineen, Phytolaccaceen und noch andern Familien unter den Dicotylen, der erste in gewohnter Weise entstandene Cambiumring alsbald zu func- tioniren auf, und es bildet sich ein neuer Cambiumring ausserhalb FiEC. F. Fig. E. Fig. E. Querschnitt einer Saperda popuhiea-GaXlQ aus dem Sommer 1899. Zwei- jähriger Ast. October 1899. Vergl. Fig. C. r Reste der Rindenschuppe, abbbc die Strecke, auf welcher die Holzbildung in der Rinde stattgefunden hat und auf welcher die Rinde dem entsprechend verdünnt ist; bei h sieht man Querschnitte von Bastfaser- bündeln im Holz. Der peripherische Larveugang umfasst einen grössern Theil des Ast- umfanges als in Fig. C. Der grösste Theil des Holzes ist bräunlich gefärbt (die dunkler gehaltenen Partien) von dem Larvengang aus. üngef. 4 mal vergr. Fig. F. Querschnitt einer Saperda populnea-GaWe. aus dem Jahre 1898. October 1899. In dem aus 1898 stammenden Holze findet sich eine Anzahl Bastbüiidel. Das Holz in grosser Ausdehnung braun gefärbt. Die Wunde (») hat sich fast ganz geschlossen (vgl. Taf, 22, Fig. 4). Die Galle war schon mit einem Flugloch versehen. 3 — 4 mal vergrössert. der Bastzone, meist im Pericykel oder einem von demselben ab- stammenden Gewebe. Dieser Cambiumring bildet nach innen Holz, nach aussen Bast nebst den zugehörigen Markstiahlen, dann erlischt er, und ein neuer, ausserhalb der Bastzone entstehender tritt an seine Stelle. Der Vorgang wiederholt sich und führt zur Bildung concentrischer Holzbastringe. Solche lassen sich schon mit dem blossen Auge an Querschnitten durch eine Zuckerrübe unterscheiden." Es ist dieser Vorgang offenbar dem bei Populus tremula unter dem Einfluss von Saperda populnea stattfindenden durchaus analog; nur ist der 254 J. E. V. BOAS, Unterschied zu verzeichnen, dass die neue Cambialzone in unserm Fall in der Bastschichte, bei jenen Pflanzen dagegen weiter nach aussen entsteht^). Was die äussere Configuration des angegriffenen Astes oder Stammes betrifft, so ist noch zu bemerken, dass im Herbst die huf- eisenförmige Rinne meistens noch deutlich als solche erscheint, wenn sie auch schon etwas klafft und die Rindenschuppe schon trocken ist. In manchen Fällen war aber die trockene Rindenschuppe bereits zer- fallen und unkenntlich und die Furche, wegen des Dickenwachsthums des Astes, sehr viel breiter geworden (Taf. 22, Fig. 3). Das Rinden- loch schliesst sich nachher in gewohnter Weise, und im nächsten Herbst ist die ursprüngliche, zierliche Rindenverwundung nur noch in der Form einer gewöhnlichen Narbe zu erkennen (Taf. 22, Fig. 4), Bekanntlich geht die Larve zuletzt tiefer ins Holz hinein und bildet einen aufsteigenden Längsgang mitten im Holzkörper. Einige der von mir im Herbst gesammelten Larven hatten schon einen an- sehnlichen Längsgang gebildet, obgleich sie offenbar diesjährig waren. Andere befanden sich noch in dem oberflächlichen Holzgang. Nach meinen Befunden muss ich entschieden eine einjährige Generation an- nehmen; Gallen, welche nach der Jahresringbildung 1898 angelegt waren, waren schon 1899 von ihren Insassen verlassen ; auch die weit vorgeschrittene Entwicklung mancher diesjähriger Larven und das gänzliche Fehlen von Larven, welche aus 1898 stammen könnten, spricht entschieden dafür 2). 1) Es versteht sich, dass ich nicht der Meinung bin, das vorliegende Object botanisch erschöpft zu haben; vielmehr ist es meine Ueber- zeugung, dass für einen Botaniker noch eine nicht unbedeutende Nach- lese zu halten sein würde. Ich möchte deshalb sehr zu einer Unter- suchung des Objects von Seiten der Botaniker auiFordern. 2) Vgl. Judeich u. Nitsche, Lehrbuch d. mitteleuropäischen Forst- insectenkunde, p. 575: „Allgemein nimmt man an, die Larve mache den peripherischen Frass im ersten, den centralen im zweiten Sommer ihres Lebens und verpuppe sich im dritten Frühjahre, um im Juni desselben den Käfer zu liefern. Die Generation wäre also zweijährig. . . . Wir haben aber in sicher einjährigen Aspen-Stockausschlägen, welche also erst in demselben Jahre mit Eiern besetzt sein konnten, im Herbste sowohl den peripherischen, wie den centralen Frass gefunden, so dass also hier sicher beide Frässe aus demselben Jahre stammten. Da die in diesen Gallen enthaltenen Larven klein und auch ihre Frassgänge demgemäss von kleinem Caliber waren, so ist trotzdem wohl möglich, dass sie noch ein weiteres Jahr zur vollen Entwicklung brauchen," Üeber einen Fall von Brutpflege bei einem Bockkäfei'. 255 Schliesslich sei noch bemerkt, dass die oben mitgetheilten Be- obachtungen auf der Untersuchung von Populus tremula fussen; ganz ähnliche Erscheinungen werden aber, so weit meine Beobachtungen gehen, auch an den Salix-Arten von Saperda populnea hervorgerufen. Was bei den hier mitgetheilten Beobachtungen besonders von zoologischem Interesse sein dürfte, ist die Art und Weise, in welcher die Imago das Futter für die neugeborene Larve im voraus zu- bereitet; ihr Verfahren in dieser Beziehung verdient gewiss neben demjenigen der Pillen- und Kosskäfer und der Grabwespen genannt zu werden. Denn es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, dass die eigenthümliche Behandlung, welcher die Rinde vor der Eiablage unterworfen wird, die Bedeutung hat, dass hierdurch die betreffende Rindenpartie in einen für die junge Larve geniessbaren Zustand ver- setzt wird; die Umringelung des Rindenstückchens wird entschieden einen gewissen pathologischen Zustand, wahrscheinlich eine geringere Saftigkeit desselben, herbeiführen. Wenn wir bedenken, dass die meisten rindenbrütenden Käfer erst das Material mit Eiern belegen, wenn dasselbe entweder abgestorben oder kränklich, also pathologisch verändert ist, kann es keineswegs verwundern, dass eine Form wie Saperda populnea, welche vollkommen gesundes Material benutzt, dasselbe vor der Eiablage für ihre Brut derartig vorbereitet, dass die Larve als ihre erste Nahrung eine kränkliche Rindenpartie vorfindet. Wir stehen somit hier einer eigenthümlichen Form von Brutpflege gegenüber, derjenigen weit verbreiteten Form nahe stehend, welche dadurch charakterisirt ist, dass das Ei auf einem im voraus von der Mutter zusammengeschaiften Futterhaufen angebracht wird. Dass in unserm Fall von einem Theil einer lebendigen Pflanze die Rede ist, während bei den meisten andern Formen mit ähnlicher Brutpflege das Futter aus gelähmten Insecten oder todten Abfallstoflfen besteht, ist natürlich nicht von principieller Bedeutung. Denjenigen Fall von Brutpflege, welcher meines Wissens dem hier beschriebenen am nächsten kommt, finden wir bei dem Rüsselkäfer Änthonomus ruhi, welcher seine Eier in die Blüthenknospen von Himbeere und Erd- beere ablegt, dabei aber in den Blüthen stiel in einigem Abstand von der Knospe ein Loch hineinnagt, was ein Nicht-Oefl'nen der Knospe zur Folge hat. Auch hier wird also das Futter, welches ein Zool. Jalirli. XIII. Ahth. f. Syst. 18 256 J. E. V. BOAS, Theil einer lebendigen Pflanze ist, so zu sagen von der Mutter für das Junge im Voraus präparirt ^). Die oben beschriebenen Eigenthümlichkeiten der Eiablage von Saperda poimlnea scheinen bisher übersehen zu sein ; auch ist meines Wissens Aehnliches bisher bei keinem andern Bockkäfer beobachtet worden. Ich gebe nachstehend einige Auszüge aus frühern Mit- theilungen über die Eiablage und den ersten Larvenfrass von Saperda populnea. Ratzeburg (Forst-Insecten, 1. Theil, 2. Aufl., p. 235—236) macht folgende Angaben: „Wenn die Käfer im Mai und Juni fliegen, 1) Zum Vergleich ziehe ich noch den Cephus (Phylloecus) com- pressus an, über dessen Lebensweise Goureau in: Annal. Soc. Entom. France (ser. 3) V. 6, 1858, p. CCXXXII, und seinen „Insectes nuisibles" Mittheilungen gegeben hat (letztere Arbeit citire ich nach Andr*:, Species d. Hymenopteres, V. 1, p. 524, wo die betreffende Stelle wieder- gegeben ist; vgl. auch Rampon, Ennemis de l'agriculture, 1898, p. 202, und Brocchi, Traite de Zool. agricole, 1886, p. 487). An jungen Sprossen des Birnbaums macht der Cephus eine spiralige Reihe von Einstichen, welche „interrompant la libre ascension de la seve, produisent la fletrissure des feuilles. La seve, arretee en ce point, s'accumule et produit un leger gonflement du bois". In einem der Einstiche ist ein Ei abgelegt worden, und die Larve lebt nachher in dem proximalen Theile des Astes vom Mark. Offenbar stehen wir auch hier einer Prä- parirung des Larvenfutters gegenüber; allerdings scheint es sich hier nicht um eine Abschwächung, sondern vielmehr um eine Verstärkung des zum Futter bestimmten Pflanzentheiles zu handeln. Vgl, auch die Angaben über die ähnliche Lebensweise des verwandten amerikanischen a (Ph.) flaviventris (z. B. „Insect Life", V. 7, p. 377). Durch Herrn Dr. F. Meinest ist meine Aufmerksamkeit auf die interessanten exotischen holzschneidenden Cerambyciden der Gat- tung Oncideres hingeleitet worden, welche um so mehr Interesse für uns darbieten , als es sich hier um ziemlich nahe Verwandte unserer Saperda handelt. Die betreffenden (amerikanischen) Arten legen ihre Eier in lebende Aeste, welche unterhalb der Stelle, wo das Ei abge- legt ist, in einigem Abstand von derselben, tief in das Holz hinein von der Eilegerin umringelt werden, so dass der Ast abstirbt und sehr oft durch den Wind abgebrochen wird; manchmal ist die Erde unter den Bäumen mit abgebrochenen Aesten bedeckt. (Vergl. z. B. Lansdown GuiLDiNG, Nat. Hist. of Lamia amputator, in : Trans. Linn. Soc, V. 13, 1822, p. 604; Blanchard, Metamorph, etc. d. Insectes, 1868. p, 557; Fifth Rep. U. S. Entom. Comm., 1890, p. 288; Scheffer, in: Insect Life, V. 7, p. 345.) Die Analogie mit dem Verhalten von Saperda populnea ist trotz aller Verschiedenheit sehr augenfällig. (Zusatz bei der Correctur.) Ueber einen Fall von Brutpflege bei einem Bockkäfer. 257 sieht man sie an solchen [den Stamm chen der Wurzelbrut der Aspe] häufig in Begattung. So dünn die Rinde auch ist, so zeigt sie doch schon kleine Risse und in diese legt das Weibchen wahrscheinlich, oder es nagt auch eine (später wulstige) Stelle aus, um hier zu legen. Die Larve frisst sich dann gleich bis ins Holz . . ." Altum macht in seiner Forstzoologie (3. Theil, 1. Abth.) gar keine Mit- theilung über die Eiablage; von dem ersten Larvenfrass schreibt er nur Folgendes (p. 350) : „Kreisförmige, runzlige, kleine Ueberwallungs- wülste auf der Rinde .... bezeichnen die Stelle, an der die junge Larve sich etwa im Juli durch die Rinde ins Innere einbohrte. Im Sommer platzt sie eine breite Fläche in den obersten Splintlagen in etwa halbem Umfang um den Stamm oder Zweig aus. . ." Nitsche (in: Judeich und Nitsche, Lehrb. der mitteleuropäischen Forst- insectenkunde, p. 574) schreibt: „Das Weibchen legt die Eier einzeln in Rindenritze oder eigens hierzu genagte, später wulstig über- wallende, kleine Rindenlöcher; die ausgeschlüpfte Larve frisst sich bis in den SpHnt durch und nagt zunächst in diesem" u. s. w. Wie man sieht, hat auch dieser sorgfältige Beobachter nichts von der wahren Sachlage gesehen, und in den übrigen vorliegenden Mit- theilungen über Saperda populnea habe ich ebenso wenig etwas hierüber gefunden. Die pathologische Holzbildung scheint auch bisher nicht genauer studirt oder richtig erkannt zu sein; Nitsche schreibt, nachdem er den Frass der Larve in den „äussersten Splintschichten" erwähnt hat: „Auf diesen Frass reagiren die Pappelarten durch Bil- dung einer gallenartigen Anschwellung", und in ähnlicher Weise habe ich auch in meiner „Forstzoologie" die Sache aufgefasst. Dass vor dem Frass in den äussern Splintschichten eine pathologische Gewebe- bildung eingeleitet wird und dass der Frass eben in dieser statt- findet, scheint bisher ebenso wenig beobachtet zu sein, wie die sehr eigenthümlichen Charaktere, welche dieselbe darbietet. Schliesslich erlaube ich mir, meinen besten Dank meinen hiesigen botanischen Collegen, den Lectoren Dr. E. Rostrup, Dr. O. G. Petersen und W. Johannsen, auszusprechen, dem erstem für die Anregung, welche er durch seinen Fund des vorhin erwähnten Astes zu der vorliegenden Mittheilung gegeben hat, den beiden andern Herren für freundliche Hülfeleistung bei den die Botanik berührenden Seiten der Arbeit. Anfang Deceraber 1899. 18* 258 '^- ^- ^- BOAS, Brutpflege bei einem Bockkäfer. Erklärung- der Abbildung eii. Tafel 22. Fig. 1. Ast von Salix viminalis, gesammelt im Juli 1899, mit 3 hufeisenförmigen, von Saperda populnea genagten Figuren. Bei e ist das kleine Loch, in welches das Ei gelegt wurde. Etwa 3 mal ver- grössert. Fig. 2. Ast oder Stämmchen von Populus tremula, gesammelt im October 1899, mit 3 ähnlichen Nagefiguren von Saperda populnea aus dem Sommer 1899. Die Furchen sind beim Wachsthum des Astes bedeutend breiter geworden. Etwa 2 mal vergrössert. Fig. 3. Aehnlicher Ast vom October 1899, mit 2 Nagefiguren derselben Art aus dem Sommer 1899, welche aber viel undeutlicher geworden sind, indem die Rindenschuppe grössten Theils zerfallen ist. Natürl. Grösse. Fig. 4. Ast von Populus tremula, gesammelt im October 1899 mit 3 aus dem Jahre 1898 stammenden Saperda pop^dnea-G^^.\Qn•, die Rinden Verwundungen sind narbig geschlossen, f Flugloch. Natürl. Grösse. Nachdruck verholen, Uebersetzuny Brecht vorbehalten. Afrikanische Ostracoden, gesammelt von 0. Neumann im Jahre 1893. Von O. W. Müller. Hierzu Tafel 23. Vom Kgl. Zoologischen Museum in Berlin wurden mir 4 Gläs- chen mit Ostracoden zur Untersuchung übergeben, welche Herr O. Neu- mann in Afrika gesammelt hatte. Bei allen 4 Gläschen war als Fundort Massai Nycke angegeben, alle waren im Juni 1893 gesammelt. Die Sammlung enthielt 3 Arten, die sämmtlich noch unbeschrieben sind. Alle 3 Arten gehören der Gattung Cypris (im weitern Sinne) an, eine der Untergattung Sienocypris, eine der Untergattung Eury- cijpris; bei einer dritten Art wäre es vielleicht berechtigt, für die- selbe eine besondere Untergattung aufzustellen, doch belasse ich sie bei Cypris. Ich will an dieser Stelle auf eine beraerkenswerthe Thatsache hinweisen, welche die Untersuchung zu Tage gefördert hat: bei Cypris licornis finden sich deutliche Reste paariger Augen (vergl. Taf. 23, Fig. 7, 8 sowie unten S. 265). Eury cypris neumanni n. sp, (Taf. 23, Fig. 14 — 21.) Linke Schale des S. Die Höhe ist grösser als die halbe Länge (etwa 3 : 5), der höchste Punkt liegt vor der Mitte, auf | der Schaleu- länge. Der Dorsalrand bildet einen Winkel mit abgerundeter Spitze, dessen vorderer Schenkel deutlich steiler abfällt als der hintere. Der Vorderrand ist ziemlich schmal gerundet, noch schmäler der Hinter- rand. Bisweilen, nicht immer, findet sich eine flache Bucht am Vorder- rand, etwa an der Grenze von Vorder- und Dorsalrand. 260 G. W. MÜLLER, Der Ventralrand wird nur zum Theil durch den eigentlichen Schalenrand gebildet, zum Theil wird diese Linie verdeckt durch die übergewölbte Schale, so besonders in der hintern Hälfte. Der so ent- standene Ventralrand ist stark wellig gebogen, unter den Schliess- muskelansätzen deutlich ein-, davor und dahinter deutlich ausgebuchtef Gegen den Vorderrand ist der Ventralrand durch eine deutliche Bucht abgegrenzt. Gegen den Hinterrand fehlt eine deutliche Grenze (die in der Figur dort sichtbare Spitze erscheint gewöhnlich nicht in der Protilansicht). Die Schalenoberfläche ist massig dicht mit rundlichen, flachen Gruben bedeckt. Die Ventralfläche ist in der hintern Körper- hälfte deutlich stumpfkantig gegen die Oberseite der Schale abge- setzt, die Kante ist in 4 oder 5 Spitzen ausgezogen, dieselben sind im Profil leicht zu übersehen, besser in der Ansicht von oben zu beobachten. Die Saumlinie entfernt sich vorn ziemlich weit vom Schalenrand, am Ventralrand fällt sie mit ihm zusammen. Die verschmolzene Zone ist schmal, nur am Vorderrand sichtbar, sie wird von zahlreichen schlanken, unverzweigten Canälen durchsetzt. Die rechte Schale unterscheidet sich von der linken in folgenden Punkten : die Spitze des Winkels, welchen der Dorsalrand bildet, ist stärker abgerundet, die Bucht an der Grenze von Vorder- und Veutral- rand ist tiefer, der Saum entfernt sich viel weiter vom Schalenrande (etwa ^/lo der Schalenlänge, links etwa ^/gs), die verschmolzene Zone ist ebenfalls breiter, sie bildet über ^j ^ des jenseits des Saumes liegenden Schalenrandes. Zwischen den zu Borsten führenden un- verzweigten Porencanälen finden sich fein verzweigte, welche nicht zu Porencanälen führen ; dieselben fehlen links. Die Hodenschläuche bilden beiderseits einen nach vorn oöenen Bogen, dessen unterer Schenkel unter- halb der Schliessmuskelansätze im Profil etwa dem Ventralrand parallel verläuft; sie reichen bis in die vordere Schalenhälfte, wo sie etwa dem Schalenrande parallel nach oben umbiegen. Die Schale des ? gleicht im Profil der des $. Von oben gesehen (Fig. 16) ist das Thier sehr breit, die Breite etwa gleich ^1-^^ der Länge. Die grösste Breite liegt etwas hinter ^1 -^ der Schalenlänge. Die Seiten sind in der Gegend der grössteu Breite gerundet, die Rundung unterbrochen durch 4—6 deutliche Spitzen. Am Hinterrande tritt an Stelle des Bogens eine gerade Linie, welche mit der der andern Seite einen sehr stumpfen Winkel bildet, dessen Spitze nur wenig durch den Schaleuverschluss unter- brochen wird. Ebenso tritt nach vorn an Stelle der Rundung eine Afrikauische Ostracoden. Ofil gerade Linie, welche mit der der andern Seite unter spitzem Winkel convergirt. Nahe dem Vorderende tritt an Stelle der geraden links eine schwach, rechts eine deutlich Sförmig geschwungene Linie. Hinten umfasst die linke Schale die rechte, ohne sie zu überragen, vorn umfasst die rechte die linke, überragt sie etwas. Ueber die Färbung des Thieres vermag ich nach dem conservirten Material nichts zu sagen. Grösse: 2,5 — 2,9 mm. Innere Organe. Die Klauen am 3. Kaufortsatz der Maxille stark gezähnt. Am rechten Greiforgan des S ist der Stamm nach der Spitze hin etwas verbreitert, am Ende schräg abgestutzt; die untere in einen kurzen Fortsatz ausgezogene Ecke trägt zwei kleine Borsten, von denen im Profil nur eine sichtbar ist. Der Finger ist etwa so lang wie der Dorsalrand des Stammes ; er ist plump, stumpf- winklig gebogen. An seinem Ursprung nimmt er ungefähr die Hälfte des Endrandes des Stammes ein, er verschmälert sich nicht, resp. erst nahe dem abgerundeten Ende. Letzteres besitzt einen sehr kleinen, zarten Anhang, Am linken Greiforgan ist der Stamm ähnlich gestaltet wie rechts, nahe dem Ende etwas eingeschnürt. Der Finger entspringt mit breiter Basis, verschmälert sich rasch, so dass sein grösserer distaler Ab- schnitt weniger als halb so breit ist wie die Basis ; er ist etwa recht- winklig gebogen. Die Furcaläste (Fig. 21) sind schlank. Vorder- und Hinter- rand fast gerade, die Endklauen schlank, schwach gebogen, die längere über halb so lang wie der Vorderrand, Die Wimperung an Klauen und Hinterrand des Stammes ist so fein, dass sie nur bei stärkerer Vergrösserung (Zeiss C) nachzuweisen ist. Am Penis (Fig. 18) unterscheiden wir zwei grössere Fortsätze, einen Innern, kürzern, am Ende abgerundeten und einen mittlem? längern, welcher den innern weit überragt; derselbe ist zugespitzt, die Spitze nach innen gerichtet; ein dritter kleiner Fortsatz, der an der Aussenseite des Stammes entspringt, legt sich dem Stamm dicht an. Das Vas deferens macht zahlreiche Schlingen. Gefunden in der Massai Nycke im Juni 1893. Cypris Mcornis n, sp, (Taf. 23, Fig. 1 — 13.) Linke Schale des $. Die Höhe ist wenig grösser als die halbe Länge, der höchste Punkt liegt etwa auf ^/g der Schalenlänge. Der Dorsalrand bildet hier einen stumpfen Winkel mit gerundeter Spitze, 262 G. W. MÜLLER, dessen vorderer Schenkel deutlich steiler abfällt als der hintere. Der vordere Schenkel geht nach kurzem Verlauf in den breit gerundeten Vorderrand über, gegen den er sich mit einem deutlich einspringenden Winkel oder einer Bucht absetzt. Der hintere Schenkel verläuft bis etwa ^/4 der Länge geradlinig, fällt sehr deutlich ab, geht ohne An- deutung einer Grenze in den Hinterrand über. Letzterer bildet einen flachen Bogen, der in seiner untern Hälfte sehr steil, fast senkrecht abfällt. An der hintern untern Ecke ist die Schale in eine deutliche Spitze ausgezogen, welche etwa in Vs der Schalenhöhe liegt, mit deutlich convexer Linie in den Hinterrand übergeht. Der Ventralrand ist unterhalb der Schliessmuskelansätze deutlich eingebuchtet, steigt im letzten Drittel im flachen Bogen zu der erwähnten Spitze auf. Die Contour der rechten Schale gleicht fast vollständig der der linken, die Unterschiede sind sehr gering, ebenso sind die Schalen des $ denen des S sehr ähnlich. Die folgenden Angaben beziehen sich auf beide Schalen und beide Geschlechter. Hinter der Mitte der Schale, etwa auf ^/^ der Länge und in halber Höhe, erhebt sich eine ziemlich umfangreiche, nach hinten ge- richtete Spitze. Nicht selten fehlt dieselbe, und zwar anscheinend stets beiderseitig; in diesem Pralle tritt an ihre Stelle eine flache Warze. Die Verwachsungsliuie entfernt sich am Vorderrand ziemlich weit vom Schalenrand, etwa V2 0 der Schalenlänge ; die verschmolzene Zone ist hier dicht von breiten, an der Spitze verzweigten Porencanälen durchbohrt, die Streifen der verschmolzenen Region, welche die Poren- canäle zwischen sich stehen lassen, sind schmäler als die Poreucanäle. Am übrigen Schalenrande ist die verschmolzene Zone viel schmäler; am Ventralrand entzieht sie sich fast ganz der Beobachtung, erscheint erst im letzten Drittel wieder; sie ist hier von zahlreichen unver- zweigten oder verzweigten, am Hinterrand von wenigen un verzweigten Porencanälen durchsetzt. Der Saum entfernt sich am Vorderrand weit vom Schalenraud, nähert sich dem Inuenraud, am Ventralraud fällt er im Profil mit dem Schalenrand zusammen, überragt ihn nicht, entfernt sich wieder etwas an der hintern Ecke. Die Schale ist ziem- lich dicht mit massig auffälligen Porencanälen bedeckt, dazwischen finden sich kleine, flache, wenig auflällige Gruben. Die Borsten der Fläche sind ziendich kurz und dünn, aber steif, sie fallen wenig auf, nur am Vorderrand ist die Behaarung dicht und ziendich aufl'ällig. Die Thiere sind lebhaft gefärbt, wir finden auf hellem Grunde (ver- muthlich im Leben weiss oder weissgelb pigmeutirt) eine grüne Zeich- Afrikanisclie Ostracoden, 263 nung, die der Hauptsache nach aus einem von der Mundgegend an den Vorder- und Dorsalrand bis etwa zur hintern obern Ecke be- gleitenden Streifen und einem die Schliessmuskelansätze und Leber- schläuche umziehenden Streifen besteht. Von oben gesehen liegt die grösste Breite, wenn wir von den Spitzen absehen, etwa in der Mitte, wenig hinter derselben, die Breite beträgt ohne die Spitzen weniger als die halbe Länge, mit den Spitzen mehr als diese; die Seiten bilden Bogen, welche nach vorn hin verflachen. Nahe dem hintern Körperende sind diese Bogen deut- lich, nahe dem vordem nur undeutlich eingedrückt. Wenig hinter der Mitte erhebt sich auf breiter Basis jederseits eine Spitze, welche etwa ^/g der Gesammtbreite einnimmt; dieselbe ist nach hinten ge- richtet. Das vordere Schalenende ist stark zugespitzt, das hintere endigt in zwei klaffende Spitzen (die Spitzen der untern hintern Ecke); die- selben scheinen sich auch bei vollständig geschlossener Schale nicht weiter zu nähern. Länge: ., aber Flower u. LydekkerI) geben für Xerus | ^j. an Der vorderste Prämolar im Oberkiefer ist immer kleiner als der folgende, doch stärker als sein Vorgänger. Am deutlichsten fand ich dies bei Arctomys und Spermophilus, wo er auch complicirter als der Milchzahn ist. Der hintere Prämolar stimmt mit dem Milchzahn und den Molaren überein. In einigen Fällen scheint jedoch ihr vorderer Rand eine grössere Neigung zu haben sich auszubreiten, als es bei den Molaren der Fall ist. Die Gestalt der Zähne variirt sehr. Es finden sich Formen, die hierin eine Annäherung an die Hystricomorphen zeigen. Vollständige Wurzeln. 1) Flower and Ltdekker, Extinct and now living Mammals. Zool. Jahrb. XIII. Abth. f. Syst. 1 9 272 ELIN CEDERIJLOM, Castoridae (Castor). Backenzähne f , mit sehr regelmässig augeordneten Schmelzfalten. Die Anzahl dieser Falten ist im Ober- und Unterkiefer gleich. Der Zahnwechsel geht spät vor sich, nicht früher als bis der 4. Zahn im Gebrauch gewesen ist. Pd und P stimmen bezüglich der Kronen mit einander überein, der Milchzahn aber hat vollständige Wurzeln, sein Ersatzzahn, wie die übrigen Zähne, offene. Aplodonüae [Äplodontia nach Schlosser ^) und Flower u. Lydekker ^)]. Backenzähne f. Der 1. obere Prämolar klein, stiftförmig. Beide Prämolaren werden gewechselt. Der Milchzahn weicht bezüglich der Krone nicht von den Permanenten ab, ist aber mit vollständigen Wurzeln, die in Anzahl und Anordnung mit dem Verhalten bei Sciurus übereinstimmen, versehen, während die permanente Dentition offene Wurzeln hat. Myomorpha. GUridae {Myoxus glis^ M. avellanarius, GrapJiiurus capensis, G. murinus). Backenzähne f. Bei Myoxus mit deutlichen Querfalten, bei GrapJiiurus kaum mit einer Andeutung von solchen. Bei Graphitirus capensis fand ich einen Milchzahn, bedeutend kleiner als sein Nach- folger, aber im übrigen stimmten sie mit einander überein. In der permanenten Dentition war der 1. Zahn der kleinste. Dasselbe fand ich bei Myoxus^ wo ich nur Thiere mit perma- nenter Dentition hatte. Bei M. avellanarius war ausserdem der vor- derste Zahn einfacher, mit weniger Querfalten, als die folgenden. Schlosser^) hat einen Zahnwechsel bei Myoxus beobachtet und giebt an, dass auch hier der Milchzahn kleiner als sein Nachfolger ist, aber im übrigen keine Abweichung im Bau zeigt. Alle Zähne hatten mehrere wohl ausgebildete Wurzeln, mit Aus- nahme des vordersten des Unterkiefers, der eine einfache Wurzel be- sass. Der Milchzahn bei GrapJiiurus capensis war sowohl im Unter- ais im Oberkiefer mit mehreren Wurzeln ausgestattet. 1) Die Nager des europäischen Tertiärs, in : Paläontographica, 1884, V. 31. 2) Mammals, extinct and now living. 3) 1. c. Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern. 273 Muridae {Cricetus^ Mus, Arvicola^ Myodcs). Da in dieser Gruppe nie mehr als 3 Backenzähne sich vorfinden und kein Wechsel constatirt ist, habe ich nur einige Formen, mehr zur Vergleichung mit den übrigen, untersucht. Backenzähne | {Hydromys f ), mit Höckern oder Falten. Nehmen in der Regel nach hinten zu an Grösse ab, der vorderste also der grösste und auch am meisten complicirte, der hinterste der einfachste. Bei Arvicola gilt dies jedoch nicht für den Oberkiefer, wo der 3. oft complicirter ist als der 2. Die Wurzeln sind vollständig oder fehlen. Es findet kein Zahnwechsel statt. Dies ist wohl die Haupt- ursache, weshalb man die 3 Zähne bei den Muriden Molaren nennt, mit wie viel Recht, weiss ich nicht. Bei den Myoxiden scheint freilich der vorderste Zahn, der ein Prämolar ist, in Reduction begriffen zu sein, aber bei Geoniyidae, Heteromyidae und Bathyergidae, wo mehr als ~ Backenzähne sich finden, ist kein Wechsel wahrgenommen und zeigt der 1. Zahn kein Zeichen von Reduction. Embryologische Unter- suchungen scheinen nicht viel Licht auf die Frage zu werfen, denn Freund 1) und Mahn 2), die Embryonen von Cricetus, 3Ius und Arvi- cola untersucht haben, konnten keine Spuren von verschwundenen Zähnen in der Zahnlücke auffinden. Ueber die Ursache, warum der vorderste Zahn so gross und com- plicirt ist, hat man viel speculirt. Es ist die Vermuthung geäussert worden, dass er sich aus dem hintersten Prämolar und dem vordersten Molar zusammensetzt. Aber nach Schlosser^) hat dieser Zahn bei den historisch Jüngern Cricetodon-Formen eine grössere Complication erworben als bei den altern, und nach Mahn 2) wird er bei Embryonen von Mus und Arvicola als eine einheitliche, glockenförmige Anlage bezeichnet, was ebenfalls gegen eine solche Deutung spricht. Eine Untersuchung über die rein mechanischen Verhältnisse kann vielleicht eine Lösung der Frage ergeben. Geomyidae {Geomys hispidus). Backenzähne f. Die 3 hintersten Zähne einfach, quer oval, der vorderste aus zwei ovalen zusammengesetzt, indem er durch zwei tiefe Falten abgeschnürt ist. 1) in: Arch. mikr. Anat., V. 39, 1892. 2) in: Morph. Jahrb., V. 16, 1890. 8) 1. c. 19* 274 ELIN CEDERBLOM, Offene Wurzeln. Ich hatte mehrere Schädel von verschiedenem Alter, doch alle mit 4 entwickelten Zähnen, und fand keine Spur eines Zahnwechsels. Ausserdem untersuchte ich an Schnittserien einen Embryo von 14 mm Kopflänge. An diesem waren 3 Backenzähne angelegt. Die 2 vor- dersten hatten glockenförmige Schmelzkeime, ungefähr auf demselben Entwicklungsgrad stehend, der vorderste war jedoch bedeutend grösser als der folgende. Der 3. war noch kolbenförmig. Am vordersten, der mit der Zahnleiste in directem Zusammenhang stand, befand sich an der lingualen Seite eine Knospe, umgeben von einem beginnenden Zahnsäckchen, Der 2. stand ebenfalls in directer Verbindung mit der Zahnleiste, hatte aber keine Knospe. Da ein so unbedeutender Unterschied in der Entwicklung zwischen dem 1. und 2. Zahn sich vorfindet, scheint es mir nicht wahrschein- lich, dass ein fötaler Zahnwechsel vor sich geht, wogegen ein post- fötaler Wechsel nicht ausgeschlossen ist. Sollte ein solcher nicht nach- zuweisen sein, so würde die fragliche Knospe lingual wärts von der Zahnaulage zur „postpermanenten" Dentition gehören. Im Vergleich mit den Muriden ist es von Interesse, dass die Schmelzleiste etwas vor diesen 3 Zähnen begann und da eine An- schwellung besass, die ohne Zweifel als eine Zahnanlage zu deuten ist. Heteromyidae (Dipodomys philUpsi, Perognathus fasciatus). Backenzähne f • Dipodomys. Der vorderste Zahn im Oberkiefer mit einer tiefen Innenfalte, im Unterkiefer mit einer Innen- und einer Aussenfalte. Die übrigen Zähne einfach. Alston^) giebt jedoch an, dass sich bei jungen Thieren Falten vorfinden, aber bald verschwinden. Zähne wurzellos. Perognathus. Alle Backenzähne, der hinterste des Oberkiefers ausgenommen, zweigetheilt und mit vollständigen Wurzeln versehen. Bei diesen Gattungen ist kein Zahnwechsel wahrgenommen. Dipodidae {Dipus, Älactagea). ^^ Backenzähne. Der vorderste Zahn im Oberkiefer ist, wo er sich findet, einfach, stiftförmig, dem vordersten Prämolar bei Sciurus gleich. Der hinterste Zahn ist in beiden Kiefern der kleinste. 1) in: Proc. zool. Soc. London, 1876. Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern. 275 Vollständige Wurzeln. Es scheint kein Wechsel beobachtet worden zu sein. Die untern Zähne mehr complicirt als die obern. Bathyergidae {Bathyergus maritimus, Georyclins crtpensis, G. hotten- toUus, G. damarensis, Heliophohius argentocinereus, Hetcrocephalus glaber, H. phülipsi). Bathyergus maritimus. Backenzähne f , der hinterste der kleinste. Ich hatte 3 Schädel zu meiner Verfügung. An dem jüngsten waren die Backenzähne mit Schmclzfalten versehen, am schärfsten im Ober- kiefer markirt. An den altern Schädeln waren keine Falten mehr zu sehen. Die Wurzeln scheinen lange otfen zu bleiben. Sie sind ein- fach an den 3 hintern Zähnen, am vordersten aber fand ich zwei- oder dreigetheilte Wurzeln. Georychus. G. capensis. 2 Schädel; der eine mit nur 3 Zähneni der andere mit 3 völlig ausgebildeten und dahinter einem 4. Zahn, der verkalkt, aber noch nicht durchgebrochen war. Sämmtliche Zähne waren mit Falten versehen, im Oberkiefer sowohl an der Aussen- als an der Innenseite. Im Unterkiefer hatten die 2 vordersten nur Aussenfalten, der 3. aber war den obern gleich. Gray^) bildet ein Exemplar mit nur 3 Zähnen ab und meint, diese Zahl sei charakteristisch für G. capensis. Seine Zeichnung stellt Zähne dar, die dasselbe Aussehen haben wie die des Jüngern der beiden erwähnten Schädel, weshalb es mir wahrscheinlich vor- kommt, dass er nur Schädel von nicht völlig ausgewachsenen Thieren gehabt hat. Thomas 2) sagt von G. capensis^ dass er zuweilen einen Prä- molar habe, zuweilen nicht. Nach dem oben Mitgetheilten zu ur- theilen, ist es wohl, wenn nur 3 Zähne vorhanden sind, der hinterste, der nicht entwickelt ist. G. hottentottus. Ein Schädel mit f Backenzähnen, alle einfach, ohne Falten. Die Wurzel des vordersten Zahnes im Unterkiefer war tief gefurcht. Giebel giebt an, dass die Backenzähne bei jungen Thieren mit Falten versehen sind, die jedoch bald verschwinden. G. damarensis. Ein Schädel mit 4 Backenzähnen ohne Falten. 1) in: Proc. zool. Soc. London, 1864. 2) ibid. 1885. 276 ELIN CEDERBLOM, Gray^) bildet Zähne ab mit einer schwachen Falte. Bei dem sehr nahe stehenden G. ocJiraceocinereus gicbt Leche -) an, dass bei jungen Thieren P'alten vorkommen, die später verschwinden. Die Wurzeln sind bei Oeorychus einfach und scheinen lange offen zu bleiben. Heterocephalus. H. glaber. f Backenzähne. Ich habe 2 Schädel untersucht; an dem einen waren alle Zähne mit Falten versehen, im Unterkiefer sowohl Aussen- als Innenfalten, im Oberkiefer nur Innen- falten. An dem andern Schädel waren die Falten nur im Unter- kiefer deutlich. H. pJiiUipsi. 2 Backenzähne. Nur ein Schädel, der mir von einem jungen Thier zu sein schien. Beide Zähne im Unterkiefer und der hintere im Oberkiefer waren mit Falten versehen. Thomas^) giebt als seine Ansicht an, dass „fl". philUpsi has in fact, no doubt, as a rule, the same number of molars as H. glaher even if both do not sometimes have either one or two prsemolars (!) developed in addition in front of the molars". Heliophobius argentocinereus. Mehrere Schädel ; Zahl der Backen- zähne variirend von f ^f. Bei dem jüngsten Thier mit nur f Backen- zähnen, waren alle mit Falten versehen. Bei dem altern waren die vordem Zähne einfach, die hintern aber mit Falten. Wenn 5 Zähne da waren, war der 1. so klein, dass er möglicher Weise nicht homolog war mit dem vordersten an den Jüngern Schädeln, sondern ein Prämolar, der sich sehr spät entwickelt hatte. Peters^) hat ^ Backenzähne gefunden und giebt an, dass die 3 ersten die kleinsten sind. Sämmtliche Gattungen haben also sehr einfache Zähne, dies ist wohl ohne Zweifel das Resultat einer Rückbildung^). Die jungen Zähne sind mit Falten versehen, aber weil diese sehr flach sind, ver- schwinden sie bald durch Abkauuug. Die vordem Zähne sind oft ganz einfach, während die hintern noch Falten besitzen, und das Aus- sehen der Zähne desselben Thieres variirt sehr mit dem Alter. Darum ist es schwer zu entscheiden, welche von diesen Gattungen die eiu- 1) in: Proc. zool. Soc. London, 1864. 2) in: Zool. Jahrb., V. 3, Syst., 1888. 3) in : Proc. zool. Soc. London, 1885. 4) Naturw. Reise nach Mozambique, 18,52. 5) Vgl. Lechk, in: Morph. Jahrb., V. 10, 1892. lieber den Zahnwechsel bei den Nagern. 277 fachsten, am meisten rückgebildeten Zähne hat. Um dies thun zu können, muss man Gebisse von entsprechenden Altersstufen ver- gleichen , was ein äusserst reichhaltiges Material erfordert. Dazu kommt die grosse Variation der Anzahl, was die Frage noch compli- cirter gestaltet. Bei dieser Gruppe ist kein Zahnwechsel constatirt, und ich fand ebenfalls keine Spur davon vor. Dies macht es schwer, die Backen- zähne bei den verschiedenen Gattungen zu homologisiren. Ihre Zahl variirt von § bei HeterocepJialus phillipsi, welche Zahl jedoch wahr- scheinlich nicht das völlig entwickelte Thier charakterisirt, und f bei Heliophobius. Gewöhnlich nimmt man bei den Glires an, dass, wenn mehr als 3 Backenzähne sich finden, die 3 hintern Molaren sind, die andern Prämolaren, und überall, wo man Zahnwechsel gefunden hat, ist es auch constatirt worden, dass es sich so verhielt. In üebereinstimmung hiermit könnte man also annehmen, dass bei Heliophobius sich ^ pr | »w finden und dass die Reduction bei den übrigen von vorn nach hinten vor sich gegangen sei. Aber wenigstens der hinterste Zahn ist bei Heliophobius sehr klein und entwickelt sich sehr spät, wie es auch mit dem hintersten Zahn bei Georychus der Fall ist. Dies veranlasste Thomas^), die Möglich- keit auszusprechen, dass die Reduction von hinten nach vorn vor sich geht. WiNGE^) nennt bei Heliophobius die hinteren Zähne überzählige, womit er wahrscheinlich sagen will, dass die 3 vordersten nicht alle als Prämolaren zu deuten sind. So interessant diese Frage auch ist, halte ich es doch für ver- früht, dieselbe an der Hand des vorliegenden Materials entscheiden zu wollen. Hystricomorpha. Pedetidae (Pedetes capensis). Backenzähne f. Sehr einfache Zähne; jeder durch eine Falte zweigetheilt. Einfache, offene Wurzel. Kein Zahnwechsel wahrgenommen. 1) in: Proc. zool. Soc. London, 1892. 2) Om Pattedyrenes Tandskifte isser med Hensyn til T?endernes Purin, in: Vidensk. Meddel. naturhist. Foren. Kjöbenhavn, 1882. 278 ELIN CEDERBLOM, Octodonüdae (Ctenodactylus, Pectinator, Octodon, Dadylomt/s, Loncheres, Echinomys, Mi/opotamus, Capromys, Abrocoma). Backenzähne 1 , Ctenodactylus ausgenommen, der nur ^ besitzt. Schnielzfalten trifft man bei sämnitlichen, gewöhnlich sehr regelmässig angeordnet. Der Anzahl nach variireu sie sehr bei den verschiedenen Gattungen, aber die Zähne erreichen doch niemals eine so grosse Complication wie bei den Hystriciden. Bei Ctenodactylinac und Abrocoma sind die untern Molaren com- plicirter als die obern. Bei Dactylomys und Loncheres dagegen waren die obern Backenzähne am complicirtesten. Bei diesen beiden wie auch bei Myopotamus war ausserdem der vorderste untere Zahn mit mehr Falten versehen als die folgenden. Das- selbe findet man nach Winge ^) bei Nelomys, Bicolpomys, Echinomys cayennensis. Bei dieser Familie ist kein Zahn Wechsel constatirt, obgleich Hensel '^) gerade in dieser Hinsicht an einem reichlichen Material Untersuchungen vorgenommen hat. Ebenso fand ich keine Spur eines Zahnwechsels. Mein jüngstes Exemplar war ein Loncheres, bei welchem nur 2 Zähne das Zahnfleisch durchbrochen hatten. Hier war kein verkalkter Ersatzzahn zu sehen. Die Wurzeln sind getheilt und scheinen sich sehr spät oder gar nicht zu schhessen. Hystricidae {Hystrix crisiata, H. crassispinis, AtJierura africana, Hystrix güntheri). Backenzähne 4; gehören zu den complicirtesten unter den Hystricomorphen. Die Anordnung der Schmelzfalten ist der Haui)t- sache nach überall die gleiche. Die untern Zähne sind einfacher als die obern. Hinsichtlich der Krone stimmt der Prämolar bei sämnit- lichen völlig mit den übrigen Zähneu überein. Doch konnte ich nur bei Hystrix cristata sowohl pd als p mit ihnen vergleichen. Bei //. crassispinis und Trichys konnte ich nur die permanente Dentition und von Athcrura nur die Milchdentition studiren, aber nirgends fand ich eine Abweichung im Bau. In Folge einer verschiedenen Ab- nutzung zeigten sie freilich beim ersten Anblick oft ein verschiedenes 1) .Jorfuiidne og nu levende Gnavere fra Lagoa Santa, Kjöben- havn 1887. 2) Beiträgo zur Keiintniss der Säugethiere Süd-Brasiliens, 1872. Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern. 279 Aussehen, aber bei sorgfältiger UntersuchuDg konnte man sie doch immer aus der gleichen Grundform herleiten. Sehr deutlich sah ich dies bei H. cristata nach künstlicher Abschleifung eines wenig abge- nutzten Prämolars. Gut liess sich auch bei diesem, von welchem ich über mehrere Schädel verfügte, wahrnehmen, dass, wie Forsyth Major ^) behauptet, der Milchzahn bei Abnutzung an Länge abnimmt. Bei Vergleichung gleich abgenutzter Zähne fand ich dagegen nicht, wie Schlosser 2) angiebt, dass der Milchzahn kürzer als sein Ersatzzahn war, sondern eher das Gegentheil. Der Zahnwechsel findet sowohl bei Hystrix als bei Atherura sehr spät statt. Bei Trichys habe ich den Wechsel nicht beobachtet. Aber an den beiden Schädeln von völlig ausgewachsenen Thieren, die ich gesehen habe, schien mir der vorderste Zahn weniger abgenutzt als die hintern, was mich annehmen liess, dass auch hier ein Wechsel stattgefunden hatte. Die Wurzeln zeigen mehrere Eigenthümlichkeiten. Wie Winge es für die Nager überhaupt angiebt, waren auch hier die Milchzähne mit wirklichen Wurzeln versehen, drei in beiden Kiefern. Bei Hystrix hat die permanente Dentition einfache Wurzeln, nur mit einer An- deutung von Drei- oder bei dem untern Prämolar von Zweitheilung. Bei Atherura^ wo der Milchzahn noch steckte, obwohl sein Ersatzzahn verkalkt war, war diese Dreitheilung beträchtlich schärfer markirt. Sowohl bei Hystrix als bei Atherura scheinen die Wurzeln sich sehr lange offen zu halten. Bei Trichys hatten säramtliche Zähne drei gut entwickelte W^urzeln, von einer kurzen Krone ausgehend. Also gilt für Trichys der von Brandt-') für die Hystriciden aufgestellte allgemeine Charakter nicht, dass die Backenzähne einfache Wurzeln haben, zum Unter- schied von dem Verhalten bei den Erethizontiden, und auch für Atherura gilt er nur mit Reserve. Man kann folgende Reihe auf- stellen : Trichys — Atherura — Hystrix^ die eine Entwicklung zu einfachen Wurzeln zeigen und in welchen 1) Nagerüberreste aus Bohnerzen Süddeutschlands u. der Schweiz, in: Paläontographica, V. 22, 1876. 2) 1. c. 3) in: Arch. Anat. Physiol., 1835. 280 ELIN CEDERBLOM, dann Trichys mit Bezug auf die Backenzähne wie auch in andern Charakteren der ursprünglichste ist ^). Eretlmontidae {Erethizon dorsatum, Sphingurus villosus^ S. prehensilis). Backenzähne f. Die Falten sind nach demselben Typus wie bei den Hystriciden angeordnet. Doch ist der Unterschied zwischen den obern und untern Zähnen nicht so deutlich. Die Falten sind schärfer niarkirt und halten sich bei der Abnutzung besser als bei den Hystri- ciden. Einen Zahnwechsel beobachtete ich nur bei Erethizon^ wo ich keinen Unterschied zwischen pd und p fand. Dasselbe giebt Schlosser 2) für SpMngurus an. Sämmtliche Backenzähne hatten vollständige Wurzeln, gewöhn- lich 3. Chinchillidae {Chinchilla^ Lagidium, Lagostomus). Backenzähne f . Nur 1 oder 2 Schraelzfalten, also relativ einfach. Bei Chinchilla und Lagidiuni ist im Oberkiefer der 1. Zahn der grösste, im Unterkiefer aber der kleinste. Bei Lagostomus ist der hinterste Zahn des Oberkiefers mit 2 Schmelzfalten versehen, alle übrigen mit nur einer. Ich beobachtete keinen Zahnwechsel. Dies stimmt mit frühern Untersuchungen überein, aber wie bei diesen, so hatte auch ich keine Embryonen. Das jüngste meiner Thiere war ein Lagostomus, bei welchem im Unterkiefer der 4. Zahn noch nicht durchgebrochen war, aber der vorderste war dem eines alten Thieres völlig gleich. Er er- schien nicht weniger abgenutzt als die folgenden und war mit einer einfachen, offenen Wurzel versehen, wie sämmtliche Zähne in dieser Familie. Dasyproctidae (Dasyprocta aguti, Coelogenys paca). Backenzähne f. Bei Dasyprocta im Ober- und Unterkiefer gleich, bei Coelogenys einfacher im Unterkiefer. Ihr Aussehen variirt sehr je nach der Abnutzung, wie bei den Hystriciden, deren Zähnen sie gleichen. Zahuwechsel findet statt, aber die Milchzähne bleiben lange stecken. 1) Vgl. meinen Aufsatz 1. c. 2) 1. c. Ueber den Zabu Wechsel bei den Nagern. 281 Wie Schlosser gefunden hat, ist der Milchzahn, speciell im Unterkiefer, complicirter als sein Ersatzzahn, der mit den folgenden Zähnen übereinstimmt. Schlosser 1) sagt hiervon: „Der D unterscheidet sich vom Fr dadurch, dass er noch einen Ansatz in seinem Vorderende aufweist, der mit dem eigentlichen Zahn nur in sehr loser Verbindung steht, indem sowohl von der Innen- als von der Aussenseite her eine Falte eindringt." Dies gilt jedoch nur von dem sehr jungen Zahn. Sobald die Ab- nutzung ein wenig fortgeschritten ist, verschwindet zum Theil diese Falte, die den vordersten Theil absondert, und man kann also nicht von einer sehr losen Verbindung sprechen. Die Milchzähne haben vollständige Wurzeln. An dem Prämolar war die Wurzel getheilt, scheint aber sehr lange offen zu bleiben, wie alle Wurzeln der permanenten Dentition. Diese erinnern sehr an die von Hystrix. Caviidae {Hydroclioerus capyhara, Cavia cohaya). HydrocJioerus. Backenzähne f. Im Oberkiefer sind die 5 vor- dersten Zähne einander gleich, der hinterste aber viel complicirter. Im Unterkiefer sind die Falten ungleich angeordnet, aber die Com- plication ist ungefähr dieselbe. Die Wurzeln schliessen sich nicht. Ein gerade im Zahnwechsel begriff ener Embryo. Die 3 ersten Zähne waren entwickelt; der 4. war im Begriff, das Zahn- fleisch zu durchbrechen. Unterkiefer. Der Milchzahn sehr klein, ohne Wurzel. Diese resorbirt oder, wahrscheinlicher, nie entwickelt. Der Milchzahn sass wie eine Kappe über dem P, nahe daran auszufallen. Jeder Zahn bestand aus zwei dreieckigen Prismen, die an der Innenseite mittels einer gebogenen Lamelle mit einander vereinigt waren. Oberkiefer. Die Kesorption vom Pd nicht so weit vorge- schritten wie im Unterkiefer. Man konnte an ihm die gleiche Form wie an den hintern Zähnen wieder erkennen, nämlich zwei dreieckige Prismen an der Aussenseite, die mittels einer gebogenen Lamelle ver- einigt waren. Er war kürzer als der P, welchen er nicht völlig deckte, und kürzer als die folgenden. Der 4. Zahn war, wie gesagt, noch nicht durchgebrochen, aber 1) 1. c. 282 ELIN CEDERBLOM, auch dieser schien von zwei Prismen gebildet zu sein, von welchen jedoch das hinterste eine Andeutung von Zweitheilung zeigte. Die Angabe Winge's^), dass der P sich vor den Molaren ent- wickelt, stimmt also nicht mit den hier oben erwähnten Verhältnissen. Der Embryo hatte eine Länge von 104 mm. Cavia. Backenzähne f mit 2 Schraelzfalten, einer grössern und einer kleinern, diese am besten entwickelt im Unterkiefer; sämmt- liche Zähne aber nach demselben Typus gebaut und alle mit offenen Wurzeln. Bei Embryoneu fand ich ähnliche Verhältnisse wie bei Hydro- choerus. ^Der Milchzahn wird erst gewechselt, nachdem wenigstens der 2. Zahn durchgebrochen ist ; der P ist also nicht der erste entwickelte von der permanenten Dentition. Fd war sehr klein, wahrscheinlich schon zum Theil resorbirt und sehr kurz. P aber erstreckte sich tief in den Kiefer hinein. Die Entwicklung findet so statt, dass das vorderste Prisma sich vor dem hintern entwickelt, weshalb ein scharfer Unterschied zwischen dem hintern Theil des P und dem vordem des folgenden Zahnes existirt. Dieser Unterschied wird aber nach dem Zahnwechsel bald verwischt. Duplicidentati. Lagomys. f Backenzähne- L. roylei. Ein junges, im Zahnwechsel begriffenes Exemplar. Im Unterkiefer waren die Milchzähne bereits ausgefallen. Der vorderste von der permanenten Dentition war noch nicht im Geringsten abgekaut, so dass wahrscheinlich der Milchzahn soeben erst verloren gegangen war, der 2. aber war hinsichtlich der Abkauung völlig dem 8. und 4. gleich. Der letzte Zahn war sehr klein, nur aus einem ein- fachen Cylinder gebildet. Im Oberkiefer waren die 2 vordersten Zähne durch die kleinen Milchzähne wie mit einem Käppchen bedeckt. Die 3 übrigen Zähne waren sowohl in Form als in Grösse einander gleich. Wie viele Zähne bei Lagomys gewechselt werden, wage ich nicht nach diesem Exemplar zu bestimmen. Wahrscheinlich ist es, dass im Unterkiefer 2 Zähne gewechselt werden, aber es war mir unmöglich, zu constatiren, dass der 2. Zahn weniger abgekaut war als der folgende, und man könnte es darum mit gleichem Recht für möglich halten, 1) in: Vidensk. Meddcl. naturhist. Toren. Kjöbenhavn, 1882. Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern. 283 dass der 3. Zahn im Oberkiefer einen Vorgänger gehabt habe. Die fossile Form Myolagus war nach Fraas ^) mit -|- Milchzähnen ver- sehen. WiNGE^) sagt, dass bei Lagomys der m^ im Oberkiefer fehlt. Ob er einen Wechsel der 3 vordersten Zähne gefunden hat oder es nur nach Analogie mit der Angabe von Fraas annimmt, geht aus seiner Darstellung nicht hervor. Bei Lepus cuniculus^ von welchem ich einige Junge mit •§ noch steckenden Milchzähnen untersucht habe, scheint es mir, als ob der vorderste Milchzahn ein wenig nach den andern zur Entwicklung kommt und als ob der Wechsel wirklich von hinten nach vorn vor sich geht ; dann ist es ja möglich, dass auch bei Lagomys | pr sich finden. Es ist sehr verlockend, anzunehmen, dass es sich so verhält, weil die vordersten Zähne im Oberkiefer, sowohl bei Lepus als bei Lagomys, von den folgenden abweichen, bei diesen beiden Arten aber einander sehr ähneln und der hinterste, 6. Zahn bei Lepus sehr klein ist und nahe daran zu sein scheint, zu verschwinden. Die Milchzähne haben Wurzeln, die permanenten sind wurzellos. Nach dieser Uebersicht hat also unter den Glires mit mehr als 3 Backenzähnen bei den Änomaluridae, Geomyidae, JSeteromyidae, Bathyergidae, Dipodidae, Pedetidae, Octodontidae und Chinchülidae ein Zahn Wechsel nicht constatirt werden können. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, da das Material in manchen Fällen nur sehr dürftig war. Besonders ist es nöthig, Embryonen zu untersuchen, da es möglich ist, dass der Wechsel, wie bei den Cavi- iden, fötal vor sich geht. Ueber die mögliche Ursache des fehlenden Zahnwechsels Be- trachtungen anzustellen, wenn man noch nicht weiss, ob er wirklich ganz fehlt oder nur sehr früh, fötal, vor sich geht, kann nicht von grossem Nutzen sein, es schien mir aber der Mühe werth, zu unter- suchen, ob die Beschaffenheit der Wurzeln vielleicht einigen Aufschluss geben könnte. Die Wurzeln sind aber bei dieser Familie sehr ver- schieden. Die Geomyidae^ Pedetidae und ChinchiUidae haben typische, einfache, offene Wurzeln. Änomalurus und Perognathus haben Backen- 1) Die Fauna von Steinheim, in: Jahresh. Ver. vaterländ. Naturk. Württemberg, Jahrg. 26, 1870. 2) Jordfundne og nu levende Gnavere fra Lagoa Santa, Kjöben- havn 1887. 284 ELIN CEDERBLOM, Zähne, die mit mehreren vollständigen Wurzeln versehen sind. Die Octodontiden nehmen eine Mittelstellung ein, ihre Wurzeln sind ge- theilt, scheinen sich aber sehr spät oder gar nicht zu schliessen. Also fand ich keinen Constanten Zusammenhang zwischen der Beschaffenheit der Wurzeln und dem fehlenden Zahnwechsel. Es Hesse sich jedoch denken, dass der Milchzahn sich vom Untergang retten konnte, indem seine W^urzel offen blieb. Wie die Vorderzähue sich verhalten, ob sie Milchzähne oder Ersatzzähne sind, scheint noch nicht vollständig entschieden zu sein. Da sich aber bei den Caviiden ein fötaler Wechsel findet, d. h. ein verkalkter Zahn entsteht, der nie verwendet wird, so könnte man auch annehmen, dass bei andern Formen die Rückbildung noch einen Schritt weiter gegangen sein könnte und der Milchzahn eben nicht verkalkt. In der Zahnlücke zwischen Incisiven und Backenzähnen ist ja, wie bereits erwähnt, bei mehreren Formen die Schmelzleiste gänzlich verschwunden. Hensel^) zog diese Frage, welcher Dentition die vordem Zähne zugehören, bei seiner Untersuchung der Octodontiden in Betracht. Er sagt, es sei „nicht unwahrscheinlich, dass der 1. Backenzahn der Muriformen als p^ zu deuten ist, dessen d^ niemals zur Entwicklung gelangt, also fehlt. Dagegen sprechen würde bloss die Reihe des Er- scheinens der Backenzähne, denn bekanntlich ist bei fast allen Säuge- thieren m^ der älteste Zahn aus der Reihe der bleibenden Backenzähne, während bei den Muriformen der vorderste Backenzahn auch der früheste ist. Doch erscheint der 2. Zahn unmittelbar nachher, und wir haben auch keinen Grund, bei fehlenden Milchzähnen die Mög- lichkeit eines frühern Erscheinens des betreffenden Prämolars von der Hand zu weisen". FoRSYTH Major 2) aber betrachtet den 1. Zahn als Milchzahn. Geht wirklich kein Wechsel vor sich, so scheint mir diese Frage, sowohl bei den Octodontiden als bei den übrigen, ganz unmöglich ohne Untersuchungen an Embryonen zu entscheiden zu sein. Wahrschein- lich würden sich wohl in manchen Fällen Spuren von einer zweiten Zahngeneration, wie bei Geomys, finden lassen, und bei genügendem Material würde sich feststellen lassen, welcher Generation die ent- wickelten Zähne angehören. Gewöhnlich nimmt man an, dass bei Nagern mit 4 Backenzähnen 1) 1. c. 2) 1. c. Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern. 285 der 1. Zahn einem Prämolar, die folgenden drei Molaren entsprechen, dies wohl wahrscheinlich, weil der Wechsel, wo er sich findet, dies bestätigt und weil man ausserdem unter den Sciuromorphen und auch unter den Myomorphen eine Reduction, die von vorn nach hinten geht, beobachtet hat. Doch ist es ja nicht unmöglich zu denken, dass sie die hintersten Molaren statt der Prämolaren getroffen hat. Bei den Bathyergiden und Lagomyiden scheint es mir sehr möglich, dass solch eine Reduction stattgefunden hat. Nur in wenigen Fällen (einige Octodontiden, Bathyergus^ Geomys, Bipodomys) findet man eine Verschiedenheit im Bau zwischen den vordersten und den hiutern Zähnen, aber diese findet sich auch bei Nagern mit 3 Zähnen {Mus^ Arvicola, Cricetus) und hängt wohl von rein mechanischen Ursachen ab. Ich möchte hier noch die Aufmerksamkeit auf eine andere Un- regelmässigkeit lenken. Bei den meisten Nagern sind, falls eine Ver- schiedenheit vorhanden ist, die untern Zähne einfacher wie auch der Anzahl nach geringer als die obern. Bei einigen Gattungen — Äno- malurus, Dipus, Ctenodadylus, Ährocoma — sind sie aber compli- cirter. Möglicher Weise ist die Erklärung hierfür in der gleichen Richtung zu suchen wie bei einigen Carnivoren. In den Fällen, wo ein Wechsel wahrgenommen worden ist, stimmte gewöhnlich die Krone des Milchzahnes mit der seines Nach- folgers überein. In einigen Fällen, wie bei dem vordersten Zahn der S c i u r i d e n, ist der Milchzahn bedeutend kleiner und auch bisweilen einfacher als sein Ersatzzahn. Da die Sciuriden mehr Zähne als alle übrigen Simplicidentaten haben und dieser vorderste Zahn in beiden Denti- tionen sehr klein ist, hat man angenommen, dass er in Rückbildung begriffen ist und dass diese mit grosser Stärke ihre Wirkung auf den Milchzahn ausübt. In Analogie hiermit würde es richtiger sein, anzunehmen, dass da, wo kein Zahnwechsel stattfindet, sich nur der 2^ entwickelt. Sonderbar nur, dass er in einigen Fällen besser ent- wickelt ist als alle übrigen. Könnte dies eine secundär erworbene Eigenschaft sein? Bei den Basyproctidae ist der Milchzahn complicirter als sein Nachfolger, der den hintern Zähnen gleicht. Hier ist also kein Zeichen von Reduction ersichtlich. Deutet die Verschiedenheit im Bau darauf hin, dass die Zähne sich aus einer den Milchzähnen gleichenden Ur- form entwickelt haben? 286 CEDERBLOM, Ueber den Zahnwechsel bei den Nagern. Will man diese Frage beantworten, so muss man sich erinnern, dass die Zähne bei den Dasyproctiden so complicirt sind, wie es überhaupt bei den Hystricomorphen vorkommt, und dass diese Ver- schiedenheit zwischen pd u)id p nach Schlosser schon unter eocänen Formen {Theridomys) sich vorfindet. Da die Krone sehr schwer zu deuten ist, kann man wohl das oft vorkommende Verhalten, dass der Milchzahn imm.er vollständige Wurzeln besitzt, auch wenn bei seinem Ersatzzahn solche fehlen, nur dahin deuten, dass der Milchzahn in dieser Hinsicht eine ursprüng- lichere Form besitzt. Die altern fossilen Formen scheinen in der Regel solche Wurzeln gehabt zu haben, und die Zähne bei den Hystri- ciden weisen bei den jetzt lebenden Formen auf eine Entwicklung nach offenen Wurzeln hin. Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht vorbehalten. Der Maulwurfsbau. Von Demetrius Rossiiisky in Moskau. Hierzu Tafel 24 u. 25 und 4 Abbildungen im Text. Obwohl der Maulwurf in ganz Europa eines der gewöhnlichsten Thiere ist, wollte es bisher nicht gelingen, den ganzen Kreislauf seiner Lebensführung genau zu erforschen. Der Maulwurf erscheint aber schon deshalb als eines der interessantesten Thiere, weil seine ganze Organisation, bis in die kleinsten Details hinein seiner originellen Lebensweise angepasst, ihn scharf von allen Thieren trennt. Ina Jahre 1887 lenkte der verstorbene Prof. A. Bogdanow meine Auf- merksamkeit auf die Bedeutung einer Erforschung des Nestes dieses Thieres, und ich beschloss daher, mir seinen Bau zu verschaffen. Ehe ich aber an die Beschreibung meiner Arbeit über diese Frage gehe, will ich kurz darlegen, was wir bisher über den Nestbau des Maul- wurfs wussten. Die ältesten Angaben, deren ich habhaft werden konnte, stammen von Cadet de Vaux (De la taupe, de ses moeurs, des ses habitudes et des moyens de la detruire, Paris 1803). Nach der von diesem Forscher gegebenen Zeichnung des Maulwurfsbaues erscheint derselbe aus mehreren Stockwerken bestehend: von einer centralen Halle gingen 3 Gänge zu einem obern Kreisgange aus, in radialer Richtung mit einer Neigung gegen den Horizont; von diesem Rundgange führten 5 ebensolche, radial geneigte Gänge zum untern Kreisgang. Ausser- dem stellt er einen über dem obern Kreisgang im Obertheil des Hügels liegenden Gang dar, der blind endet, und einen untern verticalen Gang, welcher von der Centralhalle unter den untern Kreisgang ge- richtet ist und sich mit einem der Gänge vereinigt, die nach ver- Zool. Jahrb. XIII. Abth. f. Syst. 20 288 DEMETRIUS ßOSSINSKY, Eig. A. Der Maulwurfsbau. 289 Fig. A. 1. Wiesenarbeiten des Maulwurfs auf der Fläche von 34 m. Das Maulwurfsnest ist nicht gefunden, weil das angrenzende Feld mit Getreide bedeckt war, weshalb die Untersuchung nicht fortgesetzt werden konnte, a Maulwurfshaufen, b Weg zum Nest, c einzelne Maulwurfshaufen. 2. Wiesenarbeiten des Maulwurfs, a Maulwurfsnest, c Arbeitsgallerien, d Eingangs- gallerien, e Begegnungsstege für ^ und 5. 3. Nest des jungen Maulwurfs (Plan), b oberer Kreisgang durch 3 geneigte Radial- gänge mit dem Loch verbunden, c unterer Kreisgang, durch 5 geneigte Radialgänge mit b verbunden, d Arbeitsgallerien, e Eingangsgallerie oder Hauptgang. 4. Nest des alten Maulwurfs (Plan), wie bei 3. 5. Maulwurfsnest (Profil), a Austrittsöfi"nung, b oberer Kreisgang, durch 3 geneigte Radialgänge mit dem Loch verbunden, c unterer Kreisgang, durch 5 geneigte Radial- gänge mit b verbunden, d Arbeitsgallerien, / blind endender Gang im Obertheil des Hügels, über dem Loch und dem obern Kreisgang liegend, g Austrittsgang, h die Bodeu- dicke über dem Gang. 6. Haufen des alten Maulwurfs. 7. Haufen des jungen Maulwurfs. 1 — 7 nach Cadet de Vaux, De la taupe, des ses moeurs, des ses habitudes et des moyens de la detruire, Paris 1803. schiedeiien Seiten aus dem untern Kreisgange hinausführen. Der ganze Bau erscheint somit vierstöckig: den 1. Stock bildet der obere blinde Gang, den 2. der obere Rundgang, den 3. der untere Kreisgang und den 4. der untere Verticalgang. Den Gang, welcher sich mit dem untern Verticalgang vereinigt, hält Cadet für den Hauptgang. Cadet führt 8 Seitengänge auf, die zum Nest führen. Ich will mich bei Cadet's Arbeit nicht länger aufhalten, da sie weiter das Leben des Maulwurfs in seinen Einzelheiten behandelt, welches mir zu erforschen nicht möglich war, da ich nur über wenig Zeit verfügte, eben nur über den Monat Juli. Die der Erscheinungszeit nach folgende Zeichnung eines Maul- wurfsbaues, über die ich verfügte, war die 1829 von Geoffrot St. Hilaire in seinen „Cours de l'histoire naturelle des Mamraiferes" gegebene. Diese nicht durch besondere Klarheit sich auszeichnende Abbildung stellt den Maulwurfsbau als dreistöckiges Gebäude dar. Auf der Zeichnung fehlt der obere blinde Gang des Hügels, den Cadet abbildet. Im Uebrigen ist das Nest, dieser Zeichnung nach, mit Cadet's Beschreibung übereinstimmend. Was die äussern Seitengänge des Nestes anbelangt, so sind ihrer ebenfalls 8 aufgeführt, von denen einer der Hauptgang ist. 1851 giebt Simaschko in seiner „Russischen Fauna" eine Hori- zontal- und eine Verticalzeichnung des Maulwurfsbaues, von denen die erstere eine genaue Copie der CADET'schen Zeichnung darstellt, die zweite aber als die noch undeutlicher gewordene GEOFFROT'sche Ab- 20* 290 DEMETRIÜS ROSSINSKY, Fig. B. . Der Maulwurfsbau. 291 FiK. B. 8. Mäuiiliche Maulwurfsarbeiten (März 1825). a Nest, B, b und E, e Galleriever- zweigungen, c, h, j, k, l, m, n, p, q, r, s, « und v einzelne Gallerien, y an der Oberfläche sich öffnende Copulalionsgallerien. Die Linie LM grenzt die neuen Copulationsgalleiien oben und die alten Gallerien unten ab. Nach GeoFFEOY SAINT HiLAIRE, Cours de l'Histoire naturelle des Mammifferes, 1829. 0. Maulwurfsnest (Plan), a Loch, b oberer oder innerer Kreisgang, durch 3 Radial- gänge mit dem Loch verbunden, e unterer oder äusserer Kreisgang, durch 5 Radialgänge mit b verbunden, d äusserer Radialgang, e innerer Radialgang, / Hauptgang, g secundäre Radialgänge. Nach SiMASCHKO, Russische Fauna (CuMaiUKO, PyccKaa *ayHa), 1851. 10. Maulwurfsnest (Profil), a gemeinschaftliche Laufröhre, b heberlörmiger Gang zur Kammer (c), d strahlenförmige Röhren zum untern Kreisgang e, / aufsteigende Ver- bindungsröhren vom untern Kreisgang zum obern (g»), h absteigende Verbindungsröhren von diesem zur Kammer c. Nach CARL VOGT, Vorlesungen über nützliche und schäd- liche, verkannte und verleumdete Thiere, 1864. 11, Maulwurfsnest (Profil), a Loch, b oberer oder innerer Kreisgang, c unterer oder äusserer Kreisgang, d äusserer Radialgang, e innerer Radialgang, / Hauptgang, g secundärer Radialgang. Nach SiMASCHKO, 1. c. 1851. bilduDg erscheiot. Simaschko hielt also, wie Geoffrot, den Maul- wurfsbau für dreistöckig. Derselben Ansicht war auch Gervais, der 1854 in seiner „Histoire naturelle des Mammiferes" ebenfalls ziemlich undeutliche Zeichnungen des Baues lieferte, auf denen auch 8 äussere Seitengänge angegeben waren. Endlich hatte ich noch Vogt's Zeichnungen in seinen „Vor- lesungen über schädliche und nützliche Thiere" aus dem Jahre 1864 zur Verfügung. Diese Abbildung giebt eine äusserst deutliche und genaue Darstellung des Baues, nach den Ansichten jener Autoren, die den Bau für dreistöckig hielten. Seitengänge scheinen 8 vorhanden zu sein. Die Mehrzahl der Autoren hält also den Bau für dreistöckig ; er hat einen Hauptseitengang und im Ganzen 8 Seitengänge. Nach Cadet ist noch ein oberer blinder Gang vorhanden. Jetzt gehe ich zur Beschreibung dessen über, was ich fand. Meine Untersuchungen führte ich im Laufe des Juli 1887 aus, beim Dorfe Kossino bei Moskau, auf einem Terrain, das mit niedrigem Gebüsch bestanden war und Ueberfluss an Maulwürfen hatte. Da ich damals mit der Literatur des Gegenstands nicht bekannt war, musste ich so zu sagen das Nest nach dem Gefühl suchen. Zuerst grub ich erfolglos eine Menge von Gängen auf, die deutlich durch die Maul- wurfshügel bezeichnet waren, welche sich über die Wiese zerstreut fanden — bis mir endlich der Gedanke kam, vor dem Aufgraben der Gänge die Anordnung der Gallerien aufzuzeichnen. Indem ich diese Zeich- nungen studirte, traf ich auf einige Vereinigungspuukte der Gallerien, auf die ich meine besondere Aufmerksamkeit lenkte. Beim Aufgraben derselben fand ich nun sehr bald das Nest und konnte später, indem 292 DEMETRIUS ROSSINSKY, Rh 15. K15.1G. fUL. Ij/f \m -f Fig C. Der Maulwurfsbau. 293 Fig. C. 12. Wiesenarbeiten des Maulwurfs, a an der Oberfläche sich öffnende Copulations- gallerieu, B Bettchen. Die Linie bc grenzt die neuen männlichen Copulationsgallerien links und die alten Gallerien rechts ab. 13. Maulwurfsnest (Plan). 14. Maulwurfsnest (Profil), i oberer oder innerer Kreisgang, u unterer oder äusserer Kreisgang, t äusserer Austrittsgang, A" Nesthaufen, g Loch, zz Oberfläche. 15. Maulwurfsnest (Profil). 16. Maulwurfsnest (Plan), i oberer oder innerer Kreisgang, u unterer oder äusserer Kreisgang, t äusserer Austrittsgang, A' äusserer Radialgang. 17. Maulwurfsnest (Profil). 14 und 16 nach GeoPFROY St. Hilaikb, 1. c. 1829, die übrigen nach GERVAIS, Histoire naturelle des Mammiferes, 1854. ich mir einige Merkmale einprägte, ziemlich leicht, wenigstens in der gegebenen Gegend, die mit niedrigem Gestrüpp bewachsen war, alle Nester erkennen. Diese Merkmale sind folgende: 1) das Convergiren einiger Richtungen in der Anordnung der Maulwurfshügel; 2) ein Hümpel am Orte dieses Zusammentreffens, besonders wenn darauf ein Strauch wuchs; 3) eine grössere Anzahl von Maulwurfshügeln in der Nähe eines solchen Hümpels im Vergleich zu ihrer Zahl auf den be- merkten Gangrichtungen. Jedermann, der Maulwurfshügel gesehen, wird sich erinnern, dass sie nicht alle von einer Grösse sind : die einen sind grösser, die andern kleiner. Es gelang mir, eine Verschiedenheit in deren Construction festzustellen. Die kleinern Maulwurfshügel, wie aus meinen Zeich- nungen ersichtlich, in geringerer Anzahl vorhanden, stellten einfache Erdhügel dar, die über der Oeffnung, welche in die unterirdische Gallerie führte, aufgeschüttet waren. Was die grössern anbelangt, so erwies es sich, dass diese Hügel an ihrer Basis von radial aus ein- ander gehenden Gängen, die an der Oberfläche der Erde von der Central- öffnung ausliefen, durchschnitten waren, wobei die Oeffnung nach der unterirdischen Gallerie ein wenig zur Seite verschoben war, nach einem der radialen Gänge hin im Hümpel. Die Grösse solcher Hümpel be- trug gegen 20,83 cm. Ich erkläre mir den Unterschied im Bau der Hügel folgendermaassen. Die kleinen Hügel spielen wahrscheinlich die Rolle von einfachen Ventilatoren für die unterirdischen Gallerien während der Zeit, wo der Maulwurf das Bedürfniss fühlt, sich an frischer Luft zu laben. Die grössern dienen 1) zur Entfernung der überflüssigen Erde aus der Gallerie und 2) zu leichterer Bewäl- tigung der im Grase befindlichen Insecten, an denen der Maulwurf sich gütlich thun will. Die Insecten werden schnell verschüttet, betäubt, und der Maulwurf macht, ohne sich an das ihm unangenehme Tages- licht zu begeben, auf dieselben in den im Hügel angelegten Gängen 294 DEMETRIUS ROSSINSKY, Fig. D. Der Maulwurfsbau. 295 Fig. D. 27. Wiesenarbeiten des Maulwurfs, a 6 Richtung des Schnittes, welcher auf Taf. 24, Fig. 4 abgebildet ist, 1, 2, 3, 4 Gänge. Nach der Natur, 1887. 28. Wiesenarbeiten des Maulwurfs. i, S, 5, 4 Gänge. Nach der Natur, 1887. 29. Wiesenarbeiten des Maulwurfs. Nach der Natur, 1887. 30. Wiesenarbeiten des Maulwurfs, ab Richtung des Schnittes, welcher auf Taf. 24, Fig. 1 abgebildet ist; cd Richtung des Schnittes, welcher auf Taf. 24, Fig. 2 abgebildet ist; 1, S, S Gänge. Nach der Natur, 1887. Jagd. Vielleicht sind die kleinen Hügel auch aus irgend einer Störenden Veranlassung unbeendigt gebliebene grosse. Was die Seiten- gänge anbetritft, die vom Neste auslaufen, so schwankt deren Anzahl in den von mir untersuchten Fällen bedeutend. Vom Mittelloch aus führte entweder ein Gang, der sich dann verzweigte, oder es waren ihrer drei, von denen einer nach der einen Seite, zwei nach der andern gingen, oder vier kreuzweis gelegene und schiesslich höchstens 5 Gänge, ohne den zu zählen, der dem untern Verticalgang der frühern Autoren entspricht, wie das z. B. der Fall bei dem von mir heraus präparirten Nest ist. Der Durchmesser des Nesthügels schwankte zwischen 42 — 50 cm. Das von mir ausgehobene Nest war folgendermaassen beschaffen : Vom eigentlichen Nest von 25 cm Länge und 14 cm Breite gingen 5 Gänge aus, 2 von einer Seite, jeder 5 cm breit, die sich bald zu einem Gange vereinigten, welcher Anfangs 12 cm breit war und sich im weiteren Verlauf allmählich auf 5 cm verengerte; von der andern, entgegengesetzten Seite des Nestes gingen 3 Gänge aus, 2 einander genäherte von je 5 cm Breite und ein von ihnen entfernter von 6 cm Breite. Zwischen diesen letztern Gängen und den beiden ersten, die sich vereinigten, befand sich im Boden des Nestraumes eine Oeffnung, die in einen untern Seitengang führte, von 4 cm Breite. Der äusserste der einander genäherten Gänge Hess von der Seite, wo die 3 Gänge ausgingen, einen neuen Gang abzweigen, der annähernd parallel zu den beiden Gängen der andern Seite verlief, die sich vereinigten. Die Breite dieses Ganges, der sich mit einem Rundgange vereinigte, war dieselbe wie die des gemeinsamen Ganges der andern Seite, nämlich 6 cm. Dieser Rundgang umgab annähernd einen Quadranten des Hügels und ging dann in den äussern Seitengang über. Ausserdem liefen vom Rundgang noch zwei äussere Seitengänge aus, die jeder mit dem entsprechenden Mittelgange verbunden waren. Aus der An- ordnung der weitern Gänge zu schliessen, und weil der Maulwurf im untern Seitengang gefangen wurde, muss man annehmen, dass dieses der Hauptgang war und der Rundgang der Fluchtweg. Die Gänge 296 DEMETRIUS ROSSINSKY, der Seite, auf welcher sich der Rundgang befand, waren nur etwa 1 cm höher gelegen als die Gänge der andern Seite. Alle von mir ge- fundenen Nester erwiesen sich also als einstöckig. In einem der Baue fand ichj ein Bett aus trocknem Grase. Ich beabsichtige nicht, durch die von mir gesammelten Thatsachen das umzustossen, was durch so erfahrene Beobachter wie Geoffroy, Gervais, Vogt u. A. gefunden wurde. Ich bin eher geneigt, anzunehmen, dass — in Anbetracht der verschiedenen Anzahl von Gängen, welche aus dem Nest führen und wie sie die Autoren angeben — alle diese Variationen so zu sagen verschiedene Stadien der Entwicklung des Nestbaues darstellen. Viel- leicht hängt diese Verschiedenheit im. Bau auch mit der verschiedenen Beschaffenheit des Bodens zusammen, in dem die Nester angelegt wurden und überhaupt mit verschiedenen andern localen Bedingungen. Dennoch kann ich mich nicht ganz von dem Gedanken los machen, den auch Prof. A. Bogdanow ausgesprochen hat, dass die geometrische Regelmässigkeit, mit welcher die Zeichnungen bei allen frühern Autoren ausgeführt sind, unwillkürlich unsern Zweifel hervorrufen rauss. Anm. Diese Arbeit war für die „Iswestija" der kais. Gesellsch. von Freunden der Naturwissenschaften, der Anthropologie und Ethno- graphie bestimmt, konnte aber aus von mir unabhängigen Gründen seiner Zeit nicht gedruckt werden. Der Bau selbst ist von mir schon 1891 dem Moskauer Polytechnischen Museum übergeben worden, wo er in der Abtheilung für angewandte Zoologie Aufstellung gefunden hat. Der Maulwurfsbau. 297 Erklärung der Abbildungen. Tafel 24. Fig. 1. Verticalschnitt des Maulwurfsnestes, welches in Fig. D 30 abgebildet ist. A Nesthaufen, l Loch, 1 erster an der Oberfläche sich öffnender Gang, 5 dritter Gang, ah Richtung des Schnittes, oo 0,13 cm, pq 22 cm, qr 4:4: cm. Nach der Natur, 1887. Fig. 2. Verticalschnitt des Maulwurfsnestes, welches in Fig. D 30 abgebildet ist. Ä Nesthaufen, l Loch, 1, 2, 3 erster, zweiter und dritter Gang, cd Richtung des Schnittes, pq 4A cm, qr 22 cm, op 22 cm. Nach der Natur, 1887. Fig. 3. Maulwurfsnest (Plan), welches in Fig. D 29 abgebildet ist. I und II Sträuche, l Loch, etwa 14 cm breit {ocx) und 25 cm lang {yy), in welchem das Bettchen aus trockenem Kraut gefunden wurde; mit dem Loch (V) sind folgende 5 Gänge verbunden: a 7 cm breit, C 6 cm breit, h und e 5 cm breit und /" 5 cm breit, etwas höher als die übrigen liegend, d Q crcv breiter Gang, dem innern oder obern Kreis- gang der Autoren entsprechend und etwas höher als die übrigen liegend, ä' sein in der Zeit der Untersuchung zerstörter Theil, welcher ihn mit dem etwa 6 cm breiten Gang 7^, dem äussern Kreisgang der Autoren, verbindet, h^ in der Zeit der Untersuchung zerstörter Theil des etwa 6 cm breiten, etwas höher als die übrigen liegenden Austrittsganges Äg, welcher die Fortsetzving des äussern Kreisganges h bildet; im Gange Ti^ ist der Maulwurf angetroffen worden ; g heberförmiger Untergang, 5 cm breit, dessen Oeffnung /*; 4 cm breit ist, ef^—e" und dh.^ äussere secun- däre Radialgänge der Autoren, vom äussern Kreisgang h abgehend, e' in der Zeit der Untersuchung zerstörter Theil des Ganges e, ihn mit dem äussern Kreisgang 7^ und dem äussern secundären Radialgang e" verbindend, ef 5 cm breiter Verbindungsgang der Gänge f und e, welcher den äussern Kreisgang h und den äussern secundären Radial- gang e/y mit dem Loch verbindet ; die Vereinigung mit den Gängen f und e ist 12 cm breit. AB und CD 94 cm, AC und BD 92 cm; x^x-^ — tt und ww Richtungen der Schnitte Fig. 7, 8 und 9. Nach der Natur, 1887. Fig. 4. Verticalschnitt des Maulwurfsnestes, welches in Fig. D 27 abgebildet ist. A Nesthaufen, l Loch, 4 vierter Gang, an der Ober- fläche sich öffnend, ab Richtung des Schnittes, oj; 22 cm, qr 49 cm. Nach der Natur, 1887. 298 DEMETRIÜS ROSSINSKY, Der Maulwurfsbau. Fig. 5. Horizontalschnitt des grossen Maulwurfshaufens, a ober- flächliche Radialgänge in der Mitte des Haufens, h Oeffnung in die unterirdische Gallerie. Nach der Natur, 1887. Fig. 6. Maulwurfsnest mit dem Anfang der Gänge (Fig. D 27). A Nesthaufen, a Maulwurfshaufen, 1, 2, 3, 4 Gänge, pr 49 cm, oq 22 cm. Nach der Natur, 1887. Tafel 25. Fig. 7. Verticalschnitt des Maulwurfsnestes, welches auf Taf. 24, Fig. 3 und Fig. D 29 abgebildet ist. I Strauch, A Nesthaufen, l Loch, C, Ic, f, e, d, h wie auf Taf. 24, Fig. 3, xx Richtung des Schnittes. Nach der Natur, 1887. Fig. 8. Verticalschnitt des Maulwurfsnestes, welches auf Taf. 24, Fig. 3 und Fig. D 29 abgebildet ist. I Strauch, A Nesthaufen, l Loch, f, e und d wie auf Taf. 24, Fig. 3, ww Richtung des Schnittes. Nach der Natur, 1887. Fig. 9. Verticalschnitt des Maulwurfsnestes, welches auf Taf. 24, Fig. 3 und Fig. D 29 abgebildet ist. II Strauch, A Nesthaufen, l Loch, a, h, e, e" h wie auf Taf. 24, Fig. 3, tt Richtung des Schnittes. Nach der Natur, 1887. Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Fohle) in Jena. — 2058 Nachdruck verholen, üebersetzungsrecht vorbehalten. Die paläarktischen Gattungen und Arten der Iclmeu- monidentribus der Lissonotinen. Von Dr. 0. Schmiedeknecht in Blankenburg (Thüringen). Bei der Durchsicht einer Anzahl Arten der Gattung Lissonofa, zumeist aus dem Ungarischen Nationalmuseum, kam mir der Gedanke, auch diese Gattung monographisch zu bearbeiten. Wenn sich diese Arbeit schliesshch auf die ganze Tribus der Lissonotinen ausdehnte, so, glaube ich, wird dies derselben eher zum Vortheil gereichen. Gleich den vor Kurzem von mir behandelten Pim2)la- Arten ge- hören die Lissonoten zu den häufigsten Erscheinungen unter den Ich- neumoniden, die Bestimmung der zahlreichen Arten war aber, wie bei wohl allen artenreichen Gattungen, eine sehr missliche. Gravenhokst's und nach ihm Holmgken's und Taschenberg's Arbeiten sind längst veraltet und ungenügend. Erst Thomson gab auch hier den richtigen Weg an; er hat die Gattung Lissonota wiederholt und zwar Opusc. Ent. VIII und XIII behandelt, aber er berücksichtigt fast nur die nördlichen Arten, so fehlen z. B. die zierlichen Sy0euctus-Arten zum grössten Theil, und die Arbeiten von Brischke und Tschek waren ihm nicht bekannt. So giebt es z. B, eine Lissonota hasalis Brischke und eine L. Itasalis C. G. Thoms. Verschiedene neue Arten sind dann später noch durch Bridgman und Krieche aumer veröffentlicht worden ; immerhin habe ich eine Reihe Arten unter den beschriebenen nicht unterbringen können und sehe mich deshalb genöthigt, so ungern ich es auch thue, sie als neu zu beschreiben. Von einer Anzahl Arten sind die SS noch nicht bekannt, und ich möchte also ganz besonders auf diese noch auszufüllende Lücke aufmerksam machen. Ganz neuer- dings hat Szepligeti eine Reihe hierher gehörender Arten veröffent- Zool. Jahrb. XIH. Abth. f, Syst. 21 300 0. SCHMIEDEKNECHT, licht. Leider hat sich der Autor vorher wenig mit dieser schwierigen Gruppe vertraut gemacht. So wird z. B. die Cryptopimpla errahunda Gray, als Xenacis Jiungarica neu beschrieben, das S der häufigen Lissonota commixta Holmgr. als L. opacula; die beiden Geschlechter der gemeinen Lissonota sulphurifera Gray, werden gar als zwei neue Arten betrachtet, Meniscus caudatus und affinis. Ich kann nur wiederholen, dass mit der Publication derartiger einzelner Arten aus schwierigen Gattungen nichts genützt und dem Monographen nur die Arbeit erschwert wird. Ich theile die Unterfamilie der Pimplinen in folgende 5 Tribus ein : 1. Kopf mehr oder weniger cubisch, selten kuglig. Mandibeln vor- gestreckt und mit dem an der Spitze fast ganz nieder gedrückten Clypeus eine Art Mundöffnung bildend. Hinterleib zuweilen fast gestielt. Xoridina Kopf quer, selten etwas aufgetrieben, die Mandibeln mit dem Clypeus keine scheinbare Mundöffnung bildend. 2 2. Hinterleib nach hinten mehr oder weniger comprimirt. Das letzte Bauchsegment meist pflugschaarförmig und abstehend, zuweilen sehr gross, lanzettförmig; selten klein und quer. Fühler gewöhn- lich kurz und gerade. Hinterbeine verlängert und meist stark ver- dickt. Acoenitina Hinterleib deprimirt, seltener an der Spitze schwach comprimirt. Die Hinterbeine nicht zugleich verlängert und verdickt. 3 3. Das 1. Hinterleibssegment lang und linear, fast cylindrisch, deut- lich gekrümmt, oben der ganzen Länge nach mit flacher Furche; seine Luftlöcher vor der Mitte, stark knotenförmig vortretend. Fühler ziemlich kurz. Metathorax deutlich gefeldert. Areola fehlend; Nervulus hinter der Gabel, sehr schief. Die hintersten Beine verdickt, aber nicht verlängert. Orthopelmina Das 1. Segment von anderer Beschaffenheit, meist nach hinten deutlich verbreitert; die Luftlöcher oft hinter der Mitte. 4 4. Hinterleib mit mehr oder weniger deutlichen Eindrücken oder Höckern, meist auch stark punktirt. Pimplina Hinterleib ohne oder mit ganz undeutlichen Eindrücken, selten stark punktirt, sondern meist fein querrissig oder lederartig. Lissonotina Die Lissonotinen lassen sich in folgende Gattungen und Arten zerlegen : Die paläarktischen Gattungen und Arten der Lissonotincn. 301 I. Procinetus Forst. 1. crassulus (Krieche.) 4. marginatus (Kriechb.) 2. aberrans (Krieche.) 5. crudelis (Krieche.) 3 frauenfeldi (Tschek) II. Echthrodoca n. g. 1. conflagrata (Grav.) 2. Uans (C. G. Thoms.) III. Anarthronota n. g. 1. thuringiaca n. sp. 2. manca (Brauns) IV. TascJienbergia Schmiedekn. modesta (Grav). V. Stenolabis Krieche. cingulata Krieche. VI. Xenacis Forst. caligata (Grav.) VII. Xenocornia n. g. solitaria n. sp. VIII. Cry^jtopimpla Tasche. 1. errabunda (Grav.) 4. genalis (C. G. Thoms.) 2. hrachycentra (Grav.) 5. hlanda (Grav.) 3. calceolata (Grav.) 6. anomala (Holmgr.) IX. Phytodietus Grav. 1. ruhricosus C. G. Thoms. 6. rußpes Holmgr. 2. segmentator Grav. 8. obscurus Desv. 3. crassitarsis C. G. Thoms. 9. femoralis Holmgr. 4. geniculatus C. G. Thoms. 10. plantarius Grav. 5. coryphaeus Grav. 11. astutus Grav. 6. albipes Holmgr. X. Campocineta n. g. varicornis n. sp. XI. Syseuctus Forst. 1. maculatorius (F.) 8. maculipennis (A. Costa) 2. tenuifasciatus n. nom. 9. elegans Szepl. 3. heluanensis n. S}). 10. irrisorius (P. Rossi) 4. multipictus (Krieche.) 11. bicolor Szepl. 5. stecki (Brauns) 12. decoratus (A. Costa) 6. luniger (Brauns) 13. apicalis (Grav.) 7. braunsi Szepl. 21* 302 0. SCHMIEDEKNECHT, XII. Diceratoj)s Forst. hicornis (Gray.) XIII. Arenetra Holmgr. pilosella (Gray.) XVI. Meniscus Schiödte. 1. elecior (Gray.) 2. murimis (Gray.) 3. setosus (FouRCR.) 4. catenator (Panz.) 5. agnatus (Gray.) 6. signatus Szepl. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. XV. Lissonota femorata Holmgr. 27. crassipes C. G. Thoms. 28. albicoxis Krieche. 29. hasalis Briscjhke 30. sulpJiurifera Gray. 31. atropos n. sp. 32. cylindrator (Vill.) 33. puberula Krieche. 34. parallela Gray. 35. insignita Gray. 36. lineata Gray. 37. lapponica Holmgr. 38. commixta Holmgr. 39. argiola Gray. 40. hellator Gray. 41. subaciculata Bridgm. 42. irrigua C. G. Thoms. 43. nitida Bridgm. 44. erythrina Holmgr. 45. halidayi Holmgr. 46. ruhricosa Brischke 47. versicolor Holmgr. 48. formosa Bridgm. 49. picticoxis n. sp. 50. strigifrons n. sp. 51. culiciformis Gray. 52. 7. büineatus (Gray.) 8. canaliculafus Szepl. 9. impressor (Gray.) 10. impressifrons (C. G. Thoms.) 11. scapularis Krieche. Gray. variahüis Holmgr. tenerrima C. G. Thoms. angusta Tasche. rufipes Brischke palpalis C. G. Thoms. thomsoni n. nom. unicincta Holmgr. trochanterata Bridgm. clypealis C. G. Thoms. gracilipes C. G. Thoms. hungarica n. sp. antennalis C. G. Thoms. excelsa n. sp. vicina Holmgr. mutanda n. nom. bistrigata Holmgr. biguUafa Holmgr. obsoleta Bridgm. maculata Brischke fletcheri Bridgm. dubia Holmgr. nigra Brischke distincta Bridgm. carbonaria Holmgr. melania Holmgr. gracilenta Holmgr. Die paläarktischen Gattungen und Arten der Lissonotinen. 303 53. errabunda Holmgr. 60. folii C. G. Thoms. 54. artemisiae Tschek 61. transversa Bridgm. 55. segmentator Grav. 62. varicoxa C. G. Thoms. 56. punctiveniris G G. Thoms. 63. humerella C. G. Thoms. 57. nigridens C. G. Thoms. 64. linearis Grav. 58. canm/Vöws C. G. Thoms. 65. accusator (F.) 59. deversor Grav. 66. occupator Grav. XVI. Himertosoma n. g. superba n. s^). XVII. Lampronota Hal. 1. melancholica (Grav. 3. marginator (Schiödte). 2. caligata (Grav.) Bestimmungstabelle der (xattungen. 1. Flügel mit Areola, der Aussennerv derselben zuweilen schwach. 2 Flügel vollständig ohne Areola, dieselbe auch nicht in der Anlage vorhanden. 16 2. Luftlöcher des Metathorax gross und lang gestreckt. Durchweg grössere Arten 3 Luftlöcher des Metathorax rund, meist klein. 6 3. Nervellus stark postfurcal und weit über der Mitte gebrochen. Das letzte Bauchsegment gross, zusammengedrückt und abstehend. Metathorax dicht runzlig punktirt, ohne Spur von Felderung, auch die hintere Querleiste fehlend. Flügel mit deutlichem Ramellus (Ast der Discocubitalader). Die hintersten Beine auffallend dicker und grösser als die vordem. Klauen den Pulvillus nicht über- ragend. Bohrer lang. Hinterleibsmitte roth. Habitus von Acoenites. I. Procinetus Forst. Nervellus deutlich unter der Mitte gebrochen. Metathorax mit deutlicher hinterer Querleiste. Das letzte Bauchsegment nicht be- sonders vortretend. Die hintersten Beine weniger auffallend dicker und länger als die vordem. 4 4. Metathorax grob runzlig punktirt, an den Seiten mit deutlicher Längsleiste. Klauen kräftig, weit länger als der Pulvillus. Radius nicht gleichmässig gekrümmt, Areola unregelmässig. Auffallend grosse Arten mit braunrother Hinterleibsmitte. IL Echthrodoca Schmiededkn. Metathorax mit groben Punkten, meist glänzend, an den Seiten 304 0. SCHMIEDEKNECHT, ohne oder mit ganz schwacher Längsleiste. Klauen zart, den Pul- villus nicht überragend. Radius mehr oder weniger gleichmässig gekrümmt, der Endabschnitt nicht viel länger als die Basis. Areola ziemlich regelmässig, lang gestielt, der Nervus areolaris gebrochen. Hinterleil) meist mit gelben Querbinden. 5 5. Stirn ohne Hörnchen oder Zapfen. Metathorax an den Seiten ohne feinen Längskiel. Bohrer kürzer als der Körper. XL Syseuctus Forst. Stirn mit zwei deutlichen Hörnchen. Metanotum von den Hinter- brustseiten durch einen feinen Längskiel geschieden. Bohrer fast länger als der Körper. XH. Biceratops Forst. 6. Hinterleib gestielt. 7 Das L Segment nach vorn nur schwach verschmälert, mehr oder weniger breit ansitzend. 8 7. Das 1. Segment flaschenförmig, vorn lang gestielt, nach hinten ver- breitert. Seiten des Metathorax mit starker Längsleiste. Hinter- leibsbasis gerunzelt, matt. Fühler gegen das Ende nicht verdünnt, das letzte Glied beim ? fast so lang wie die 3 vorhergehenden zu- sammen. Areola lang gestielt, der Aussennerv nur schwach, zu- weilen ganz fehlend. Bohrer von Hinterleibslänge. Hinterleibs- mitte trüb roth. Das S hat ganz den Habitus der Tryphoninen. IV. Taschenhergia Schmiedekn. Das 1. Hinterleibssegment lang und dünn, am Ende kaum verbreitert. Hinterleib etwas keulenförmig, die Segmente mit röthlichen, nach hinten mehr weisslichen Rändern. Kopf, Brust und Hinterleibsende glänzend. Areola gestielt. Bohrer wenig vorragend. V. Stenolabis Krieche. 8. Die letzten Fühlerglieder des $ perlschnur- oder knotenförmig. Bohrer aus einer Bauchspalte; das letzte Bauchsegment vom Hinter- leibsende mehr oder weniger entfernt ; der Hinterleib erscheint also schräg nach unten abgestutzt. Beine schlank, die hintersten ver- längert. Das 1. Segment gegen die Basis ziemlich verengt. Bohrer unter Hinterleibslänge. 9 Die letzten Fühlerglieder nur schwach abgesetzt. Das letzte Bauch- segment die Hinterleibsspitze meist erreichend oder noch darüber hinausragend. Die hintersten Beine nicht auffallend länger als die vordem. Bohrer meist lang. 11 9. Nur das letzte Drittel der Geissei mit deutlich abgesetzten Gliedern ; diese Endglieder sind aber nicht knotenförmig, sondern nur schwach eingeschnürt, oben und unten gerundet. Das letzte Geisselglied fast breiter und so lang wie die beiden vorhergehenden zusammen. VIH. Cryptoiylmpla Tasche. Die paläarktischen Gattuiigeji und Arten der Lissonotinen. 305 Die letzte Hälfte der Fühlergeissel beim ? mit knotenförmig ab- gesetzten Gliedern und deshalb auffallend verschieden von der Basalhälfte. Diese knotenförmigen Endglieder sind so breit wie lang, fast rhombisch, indem sie oben und unten eckig vor- treten. 10 10. Kopf und Thorax, namentlich der Metathorax, dicht runzHg punk- tirt, fast matt. Bohrer so lang wie das 1. Segment. Körper schwarz, Beine grösstentheils roth. VI. Xenacis Forst. Körper glänzend, Kopf und Thorax zerstreut und ziemlich grob punktirt. Hinterleib besonders an den Seiten mit zerstreuten Punkten. Bohrer etwas länger als der halbe Hinterleib. Hinter- leib und Beine grösstentheils roth. VII. Xenocornia Schmiedekn. 11. Metathorax ohne alle Leisten, auch die hintere Querleiste fehlend. 12 Die hintere Querleiste deutlich. 14 12. Der ganze Körper, besonders der Kopf, zottig behaart. Meta- thorax grob punktirt. Fühler etwas kürzer als der Körper. Augen weit von einander abstehend. Hinterleib beim ? am Ende etwas comprimirt, das 1. Segment etwas länger als breit, rauh, die folgenden glatter. Bohrer kürzer als der Hinterleib, leicht nach oben gekrümmt. Beine schlank, Klauen einfach, Pulvillus sehr klein. XIII. Ärenetra Holmgr. Körper, namentlich der Kopf, nicht auffallend zottig behaart. 13 13. Fussklauen dicht und lang gekämmt. Fühler fast von Körperlänge, schlank, die letzten Geisseiglieder kaum von einander abgesetzt. Hinterleib glatt, das 1. Segment ohne Kiele; die Luftlöcher des 2. Segments liegen dicht am Seitenrand ; das letzte Bauchsegment vom Hinterleibsende etwas entfernt. Bohrer so lang wie der Hinterleib oder etwas kürzer. Nervellus tief unter der Mitte ge- brochen. Hinterleib meist mit hellen Segmenträndern. IX. Phytodietus Grav. Fussklauen nicht gekämmt, den Pulvillus deutlich überragend. Die letzten Geisseiglieder deutlich von einander geschieden. Hinterleib breit ansitzend; Bohrer von Körperlänge. Der ganze Thorax dicht und stark punktirt. III. Änarthronofa Schmiedekn. 14. Fühlerschaft auffallend dick, Geissei hinter der Mitte verdickt, gegen das Ende zugespitzt, die Basalgiieder lang gestreckt, die Glieder hinter der Mitte quadratisch, die vorletzten quer, deutlich abgesetzt, das Endglied das schmälste, wenig länger als das vor- 306 0. SCHMIEDEKNECHT, letzte. Aussennerv der Areola undeutlich. Hinterleibsmitte roth, mit dunklen Querbinden. Bohrer fast von Körperlänge. X. Gampocineta Schmiedekn. Eühler gegen das Ende nicht zugespitzt, hinter der Mitte nicht oder ganz unmerklich verdickt, die vorletzten Glieder nicht quer, das Endglied deutlich länger als breit, oft etwas breitgedrückt. 15 15. Fussklauen, wenn auch nicht dicht, aber deutlich gekämmt oder gesägt. Durchweg robuste Arten von meist schwarzer Färbung. XIV. Meniscus Schiödte Fussklauen einfach, höchstens an der Basis mit einzelnen feinen Zähnchen oder Borstenhaaren. Meist kleinere und schlanke Arten. XV. Lissonota Gray. 16. Mesonotum ohne Spur von Parapsiden, wie der Kopf glatt und glänzend. Metathorax runzlig punktirt, matt, ohne Längskiele, hinten mit starker, fast lamellenartiger Querleiste, der abschüssige Raum fast senkrecht. Hinterleib dicht runzlig punktirt, rauh ; das 1. Segment mit starken Kielen bis fast an die Spitze ; die folgenden Segmente quer; Bohrer von Hinterleibslänge. Fühler des S ein- fach. Körperfärbung sehr zierlich. XVI. Himertosoma Schmiedekn. Mesonotum mit tiefen Parapsidenfurchen bis zur Mitte, 3 lappig. Metathorax mit 2 deutlichen Längskielen in der Mitte, der Raum hinter der Querleiste klein, wenig geneigt. Das 1. Segment runzlig, ohne Längskiele, die folgenden Segmente mehr und mehr glatt. Nervulus vor der Gabel. Beim S das 3. Geisselglied an der Spitze, das 4. an der Basis ausgenagt. XVII. Lampronota Hal. Bestimmimgstalbelle der Arten. I. I*rocinetus Forst. 1. Das 1. Hinterleibssegment nicht oder höchstens um die Hälfte länger als breit. Kopf nach hinten etwas aufgetrieben. Bohrer etwa 1^2™^! so lang wie der Körper. 2 Das 1. Hinterleibssegment wenigstens noch 1 mal so lang wie breit, stark nach vorn verschmälert. Bohrer etwa von doppelter Körper- länge. Kopf hinter den Augen beiderseits gerundet oder fast geradlinig etwas nach hinten verschmälert. Areola klein, ge- stielt. 4 2. Areola gross, fast dreieckig-trapezoidisch, sitzend. 2. dberrans (Krieche.) Die paläarktischen Gattungen und Arten der Lissonotinen. 307 Areola klein, trapezoidisch, deutlich gestielt. 3 3. Der rücklaufende Nerv mündet nahe dem Endwinkel. Hinterleibs- mitte mehr hell roth gefärbt. Beim S nur die Gesichtsseiten gelb. 1. crassulus (Krieche.) Der rücklaufende Nerv mündet ungefähr in der Mitte. Hinter- leibsmitte mehr braunroth. Beim S das Gesicht gelb mit schwarzer Mittellinie. Sehr grosse und robuste Art. 5. crudelis (Kriechb.) 4. Sehr grosse und robuste Art. Gesicht gelb, mit schmaler, schwarzer Längsbinde. Segment 2—4 und Endhälfte des 1. trüb roth. 5. crudelis (Krieche.) EKNECHT, ganz roth. Hinterleib länger und schmäler als Kopf und Thorax; das 1. Segment schwarz, am Ende roth, das 2. roth mit 2 schwarzen Punkten, die folgenden ganz roth. Bohrer kürzer als der Körper. Länge 10 mm. S unbekannt. — Ein ? aus Italien. 7. L. dorsalis Gray., 1. c. p. 78, ?. Taschb., 1. c. p. 290, ?, ist keine Lissonota, sondern gehört zu den Pimplinen. Diese und eine zweite Art werde ich demnächst als neue Gattung Gnathophya be- schreiben. 8. L. ruficornis Gray., 1. c. p. 98, ?. Taschb., 1. c. p. 290, $ mit vollständig gefeldertem Metathorax, grosser Bauchschuppe und auö'allend dickem Stigma, hat mit der Gattung Lissonota nichts zu thun, ist überhaupt ein räthselhaftes Thier. 9. L. scdbra Brischke, lehn. Prov. West- u. Ostpr., p. 123, S. „Kopf etwas breiter als der Thorax, hinter den Augen nicht ver- schmälert, Gesicht kurz, weisshaarig, Mesonotum vorn Slappig; Meta- thorax grob gerunzelt, mit scharf umleisteter, langer und schmaler Area superomedia. Segment 1 — 5 gleich breit, Segment 1 etwas länger als die Hinterhüften, oben gewölbt, grob längs runzlig, mit seichter Mittelfurche und glänzendem Hinterrand, Segment 2 und 3 länger als breit, 2 — 4 fein gerunzelt mit glänzenden Hinterrändern, die übrigen Segmente glänzend. Areola klein, sitzend, Radius aussen gerade. — Schwarz, Mund, Clypeus, Seitenstriche des Gesichts, Striche vor und unter den Flügeln, Hakenflecke der Schultern und Tegulae gelb. Flügel braun getrübt, Stigma braun. Beine roth, die vordem Hüften und Trochanteren gelb, Hintertarsen schwarz. Länge 6 mm. ? unbekannt. — Ost- und Westpreussen." 10. L. assimüis Brischke, 1. c. p. 124, S. „Matt; Kopf etwas breiter als der Thorax, hinter den Augen nicht verschmälert; Fühler fast körperlang; Mesonotum vorn Slappig, Schildchen viereckig; Meta- thorax ohne Felder. Hinterleib schmal, Segment 2 — 6 gleich breit, Segment 1 mehr als doppelt so lang wie breit, Segment 2 und 3 länger als breit. Areola sitzend oder kurz gestielt; Radius aussen fast ge- rade. — Schwarz, Mund, Clypeus, Wangen, Gesicht, Stirn- und Scheitel- ränder, die beiden ersten Fühlerglieder unten, Prothorax, breite Striche vor und unter den Flügeln, Hakenflecke der Schultern und damit zusammenhängende Linien , Schildchen und Hinterschilchen, Brust grössten Theils, Seiten des Metathorax und Tegulae gelb. Beine gelbroth, Hüften und Trochanteren gelb. Hinterränder aller Segmente Die paläarktischen Gattungen und Arten der Lissonotinen. 393 gelb. — Der L. culiciformis fast ganz gleich gefärbt, aber der Hinter- leib schmäler. Länge 7 mm. $ unbekannt. — Ost- und Westpreussen." Ich finde keinen Unterschied von L. culiciformis. 11. L. annulata Szepl., in: Termes. Füzetek, V, 23 (1900), p. 33 ?. „Punktirt und glänzend, Metanotum lederartig, Area postica klein. Flügel hyalin, Areola fast sitzend, Stigma schwarz mit weisslicher Basis, Squamula weiss. — Schwarz, Kiefer, Clypeus, Taster und 3 bis 4 Fühlerglieder gelb. Länge 6 mm, Bohrer 4 mm. — Durch die gelb gefärbte Flagellumbasis charakterisirt ; von L. vicina Holmgr. unter- schieden durch die rothen und nicht quer breiten Segmente (3—4) und durch den längern Bohrer. Ungarn." 12. L. vaga Szepligeti, 1. c. p. 33, S- „Schwarz, glänzend. Scheitel hinten nur wenig gebuchtet; Metanotum dicht lederartig punktirt und entlang der Mitte etwas runzlig, Stigma rund. Hinter- leib glänzend und zerstreut punktirt; das an der Basis verengte 1. Segment ist an der Mitte, hinter den Stigmen schwach eingeschnürt, das 2. Segment ist viereckig, nach vorn verschmälert, die Seiten der übrigen sind parallel. Areola mit mittellangem Stiel, der äussere Ab- schnitt der Radialader ist fast gerade, Nervellus gerade und ohne Ast. — Schwarz, Kiefer, innere Augenränder schmal, Schulterflecke, Tegulae und davor ein Punkt sowie darunter eine Linie gelb, Fühler roth, an der obern Seite schwach bräunlich; die 5 ersten Segmente (mit Ausnahme der Seitenränder) und die Füsse sind roth; die Basis der Trochanteren an der äussern Seite bräunlich, die Hintertarsen sind braun. Bauch mit verwischtem Fleck. Länge 8 mm. Ungarn." 13. L. rufitarsis Szepligeti, 1. c. p. 36, ?. „Kopf etwas dick, hinten buchtig ausgehöhlt. Metanotum rauh, nicht punktirt, in der Mitte schwach längs furchig. 2. und 3. Segment quer, fein lederartig, seidenartig glänzend; Pleuren matt. Areola unregelmässig fünfeckig. — Schwarz, Kiefer, Clypeus, Squamula gelb. Die Hinterränder von Segment 2 und 3 gefärbt. Füsse (Beine) roth. Länge 5 mm, Bohrer von Hinteileibslänge. Ungarn." XVI. Si^nertosoma n, g, Kopf glänzend, fast ohne alle Sculptur, hinten zugerandet ; Fühler fadenförmig, etwas länger als der halbe Körper, 26gliedrig, beim ? die Glieder am Ende etwas verdickt, Schaft tief ausgeschnitten, das 1. Geisseiglied kaum länger als das 2.; die Endglieder etwa so lang 394 0. SCHMIEDEKNECHT, wie breit, das letzte etwas dicker und länger als das vorletzte ; Clypeus deutlich getrennt, am Ende abgerundet; Augen gross, fast rund; Ge- sicht mit parallelen Seiten ; Mandibeln klein, mit 2 gleichen Endzähnen, Stirn kaum eingedrückt. Mesonotum glatt und glänzend, ohne Par- apsiden ; Seiten von Brust und Metathorax zerstreut punktirt, ziemlich glänzend ; Metathorax runzlig punktirt, matt, hinten mit starker, fast lamellenartiger Leiste, der abschüssige Raum fast senkrecht. Flügel ohne Areola; Entfernung des Nervus recurrens von der Cubitalader etwas kürzer als diese; Radialzelle kurz, Stigma breit; Nervulus weit hinter der Gabel; Nervellus antefurcal, unter der Mitte gebrochen. Die hintersten Beine kräftig; Fussklauen einfach. Hinterleib dicht runzlig punktirt, rauh, das 1. Segment mit starken Kielen bis fast zum Endrand, die folgenden Segmente quer; das letzte Bauchsegment von der Hinterleibsspitze etwas abstehend, am Ende schmal eingeschnitten ; Bohrer bei der einzigen bekannten Art von Hinterleibslänge. jBT. suj)erJ}a n. sp, ?. Kopf roth, Mund, Clypeus, die breiten Augenränder rings herum und ein Doppelfleck im Gesicht gelblichweiss ; Fühler schwarz- braun. Thorax roth, Prothorax gelb, seitlich schwarz gefleckt; breite Streifen vor und unter den Flügeln, die vordem Seiten ränder des Mesonotums und damit zusammenhängende Längsstreifen bis zum Schild- chen, dieses und das Hinterschildchen, Tegulae und Flügelwurzel sowie breite Längsstreifen der Brustseiten gelblichweiss, die Nähte um das Schild chen schwarz. Flügel gelblich, das Stigma blass gelb, unten dunkler gesäumt. Beine roth, Hüften und Trochanteren gelblichweiss, Hinterhüften zum Theil roth. Hinterleib roth, die breiten, mehr glatten Endsäume aller Segmente scharf abgegrenzt gelblichweiss. S. Fühlerglieder am Ende nicht verdickt. Das 1. Segment mit groben Längsrissen, die folgenden Segmente wie beim $ quer. — Kopf gelblich- weiss, Ocellenfleck und Streifen bis zu den Fühlern sowie Hinterhaupt glänzend schwarz. Thorax wie beim $ gefärbt, aber die Nähte um das Schildchen breiter schwarz, Metathorax vorn schwarz, ebenso eine damit zusammenhängende Makel über der Hinterleibseinlenkung. Flügel und Beine wie beim $. Hinterleib schwarz, die breiten Endränder und auch die Seitenränder gelblich ; Segment 2 und 3 vorn röthlich gesäumt. Länge 7 mm. Ich fand diese prächtige Art Ende April 1897 in 2 Pärchen bei Helouan in Unter-Aegypten an Tamarix. Die paläarktischen Gattungen und Arten der Lissonotinen. 395 XVII, Lanipronota Hal. 1839, Lamxironota Haliday, in: Ann. Mag. nat. Hist., p. 120. Kopf breiter als lang ; Clypeus am Ende niedergedrückt und ab- gestutzt; Fühler lang und dünn, die Basalglieder der Geissei sehr lang, beim $ das 3. Geisselglied an der Spitze, das 4. an der Basis aus- genagt. Mesonotum mit tiefen Parapsidenfurchen bis zur Mitte ; Meta- thorax mit 2 deutlichen Längskielen in der Mitte, Area postica klein und wenig geneigt. Flügel ohne Areola, Nervulus meist vor der Gabel. Fussklauen einfach. Hinterleib ziemlich glatt, das 1. Segment fein ge- runzelt, ohne Längskiele, matt. Bohrer aus einer Bauchspalte kommend, gekrümmt, wenigstens von Hinterleibslänge. 1. L. tnelancholica (Geav.). 1820. lehn, melancholicus Gkavenhorst, lehn. Ped., No. 123. 1829. Try^ihon melancholicus Gravenhoest, lehn. Eur., V. 2, p. 135, $. 1829. Phytodieius niger Gkavenhorst, ibid. p. 935, $. 1829, Lissonota defectiva Gravenhorst, lehn. Eur., V. 3, p. 38, 5- 1838. Bassus affinis Zetterstedt, Ins. Läpp., p. 382, $, ^. 1839. Cylloceria nigra Schiödte, Gen. et Spec. lehn., p. 23, $, $. 1 839. Lanipronota fracticornis Haliday, in : Ann. Mag. nat. Hist., p. 121. 1852. Chalinocerus longicornis Ratzbbukg , lehn. Forstins., V. 3, p. 130, ronota nigra Taschenberg, PimpL, p. 294, $, $. Man sieht aus dieser Menge von Namen, welche Schwierigkeit diese häufige und eigentlich recht leicht erkennbare Art den frühern Autoren bereitet hat. 9, S. Schwarz, schwach glänzend, Mund röthlich, auch die Ein- schnitte der Segmente zuweilen schmal braunroth. Flügel getrübt, Stigma und Tegulae braun, Flügelwurzel gelblich, Beine roth, Hüften und Trochanteren schwarz, die hintern Schienen und Tarsen dunkel- braun. Bohrerlänge schwankend, von Hinterleibs- bis Körperlänge. Länge 10 mm. Verbreitet in ganz Europa. In Thüringen häufig. 3. L, caligata (Gray.). ? 1829. Tryphon silvesfris Gravenhorst, lehn, Eur., V. 2, p. 138, ^. 1829. Phytodieius caligatus Gravenhorst, ibid. p. 936, $, $. 1838. Sassus nuntiator Zetterstedt, Ins. Läpp., p. 381, $, S- 1839. Cylloceria caligata Schiödte, Gen. et Spec, lehn., p.i25, $, ^, tab. 10, fig. 1. 26** 396 0. SCHMIEDEKNECHT, 1839. Lampronota crenicornis Haliday, in : Ann. Mag. nat. Hist., p. 121. 1854. Cylloceria caligata Holmgren, in: Act. Holm., p. 92, $, $. 1860, Lampronota caligata Holmgren, Mon. Pimpl., p. 48, $, $. 1863. Lampronota caligata Tasghenberg, Pimpl,, p. 295, ?, $. An merk. Der TrypJion silvestris Grav. enthält verschiedene Arten, wahrscheinlich auch aus der Gattung Mesoleius, denn Graven- HOßST führt auch Exemplare mit vollständiger Areola an; deshalb kann dieser Name, der sonst die Priorität hätte, nicht eintreten. $, S- In Färbung und Sculptur ganz wie die vorige Art, aber die Beine sind roth, nur die hintersten Schienen und Tarsen schwarz. Bohrer kaum von Hinterleibslänge. Länge 9 — 10 mm. Mit der vorigen Art zusammen. In Thüringen etwas seltener.] 3. L. marginator (Schiödte). 1839. Cylloceria marginator Schiödte, Gen. et Spec. lehn,, p. 24, 5, $. 1860. Lampronota marginator Holmgren, Mon. Pimpl., p. 47, $, $. Der Hinterleib ist bei dieser Art mehr oval als bei den vorher- gehenden, das 3. Segment viel breiter als lang. ?, S' Schwarz, Mund röthlich. Flügel leicht getrübt, Stigma und Tegulae braun, Beine roth, Hüften und Trochanteren schwarz, die hintersten Schienen und Tarsen etwas gebräunt, die erstem nament- lich an Basis und Spitze. Hinterleibssegmente mit breitem rothen Rand; Bohrerlänge, wie bei L. nigra, verschieden, kaum von Hinterleibs- bis Körperlänge. var. 1, $, Hüften und Trochanteren roth. var. 2, $, S. Segment 2 — 4 ganz roth. Länge 8 — 10 mm. Scheint eine nördliche Art zu sein. In Dänemark ist sie nach Schiödte häufig. In Thüringen habe ich nur 1 ? und 1 S gefunden, sie gehören zur var. 2, Die paläarktischen Gattungen und Arten der Lissonotinen. 397 Index. aberrans (Procin.) Krieche. 326 accusator F. 389 affinis (Men.) Szepl. 360 affinis (Bassus) Zett. 395 agnatus (Men.) Gray. 355 albicoxis Krieche. 359 albipes (Phytod.) Holmgr. 340 alticeps Holmgr. 337 Anarthronota Schmiedekn. 303, 330 angusta Tasche. 372 annulata (Liss.) Szepl. 393 anomala (Cryptop.) Holmgr. 338 antennalis C. G. Thoms. 376 apicalis (Syz.) Grav. 351 Areiietra Holmgr. 303, 352 argiola Gray. 365 artemisiae Tschek 383 arvieola (Liss.) Grav. 366 assimüis Brischke 371, 392 astutus (Phytod.) Grav. 342 atropos Schmiedekn. 360 basalis Brischke 359 basalis C. G. Thoms. 377 bellator Grav. 365 hicincta (Liss.) Szepl. 388 bicolor (Syz.) Szepl. 350 bicornis (Dicerat.) Grav. 351 biguttata Holmgr. 378 biguttata C. G. Thoms. 371 biüneatus (Men.) Grav. 356 bistrigata Holmgr. 378 bivittata Grav. 391 blanda (Cryptop.) Grav. 337 brachycentra (Cryptop.) Grav. 336 braunsi (Syz.) Szepl. 348 calceolata (Cryptop.) Grav. 336 caJigata (Xenacis) Grav. 333 caligata (Lampron.) Grav. 395 ealigatus (Phytod.) Grav. 395 Campocineta ' Schmiedekn. 304, 343 canaliculatus (Men.) Szepl. 356 carbonaria Holmgr. 381 carinifrons C. G. Thoms. 385 catenator (Men.) Panz. 354 caudatus (Men.) Szepl. 360 Ghalinocerus Rtzbg. 395 cingulata (Stenol.) Krieche. 332 clypealis C. G. Thoms. 375 commixta Holmgr. 364 conflagrata (Echthrod.) Grav, 329 continuus (Phytod.) C. G. Thoms. 342 corvinus Grav. 343 coryphaeus (Phytod.) Grav. 340 crassipes (Liss.) C. G. Thoms. 358 crassitarsis (Phytod.) C. G. Thoms. 340 crassulus (Procin.) Krieche. 326 crenicornis (Lampron.) Hal. 396 crudehs (Procin.) Krieche. 328 Cryptopimpla Tasche. 302, 335 cuUciformis Grav. 370 cylindrator Vill. 361 Cylloceria Schiödte 395 decoratus (Syz.) A. Costa 350 defectiva Grav. 395 deversor Grav. 386 Diceratops Forst. 302, 351 distincta Bridgm. 381 dorsalis Grav. 392 dubia Holmgr. 380 ducalis (Liss.) A. Costa 347 Echthrodoca Schmiedekn. 301, 328 elector (Men.) Grav. 353 elegans (Syz.) Szepl. 349 errabunda (Cryptop.) Grav. 335 errabimda (Liss.) Holmgr. 382 erythrina Holmgr. 367 excavator (Tryphon) Zett. 354 excelsa (Liss.) Schmiedekn. 376 femorahs (Phytod.) Holmgr. 342 femorata Homgr. 358 fletcheri Bridgm. 380 foUi C. G. Thoms. 387 formosa Bridgm. 369 fr acta Tascheg. 371 fraeticornis (Lampr.) Hal. 395 frauenfeldi (Procin.) Tschek 327 genalis (Cryptop.) C. G. Thoms. 337 geniculatus (Phytod.) C. G. Thoms. 340 gracilenta Holmgr. 382 gracilipes C. G. Thoms. 375 halidayi Holmgr. 368 heluanensis (Syz.) Schishedekn. 345 Heterolabis Krieche. 325 hians (Echthrod.) C. G. Thoms. 329 398 0. SCHMIEDEKNECHT, Die paläarktischen Lissonotineu. Himertosouia Schmiedekn. 304 393 hortorum Grav. 390 humerella C. G. Thojis. 388 hungarica (Liss.) Schmiedekn. 375 hungarica (Xenacis) Szepl. 335 impressifrons (Meu.) C. G. Thoms. 357 impressor (Men.) Grav. 356 insignita Gbav. 363 intermedia (Liss.) Szepl. 363 irrigua C. G. Thoms. 367 irrisorius (Syz.) P. Rossi 349 Lamprouota Hal. 304, 395 lapponica Holmgr. 364 lateralis (Liss.) Grav. 370 lateralis (Liss.) Holmgr. 371 lejjtogaster Holmgr. 330 leucogona Grav. 386, 391 linearis Grav, 388 lineata Grav, 363 Lissouota Grav, 304, 357 longicornis (Chalinoc.) Etzb. 395 luniger (Syz.) Brauns 347 maculata JBrischke 379 maculatorius (Syz.) F. 344 maculipennis (Syz.) A. Costa 349 manca (Anarthr.) Brauns 330 marginator (Lampr,) Schiödte 396 raarginatus (Procin.) Krieche. 327 marginella Grav. 390 melancholica (Lampron.) Grav. 395 melania Holmgr. 382 Meniscus Schiödte 304, 353 microtamius (Phytod.) Grav. 331 modesta (Taschenb.) Grav. 331 miütipictus (Syz.) Krieche. 346 murinus (Men.) Grav. 353 mutanda ScHJnEDEKN. 377 niger (Phytod,) Grav, 395 nigra Brischke 381 nigra (Larnj^ron,) Holinigr, 395 nigra (Cylloc) Schiödte 395 nigridens C. G, Thoms, 344, 385 nitida Bridgm, 367 nuntiator (Bassusj Zett. 395 obscurus (Phytod.) Desv. 341 obsoleta Bridgm. 378 occupator Grav. 390 opacula (Liss.) Szepl. 364 pallipes Grav. 391 palpalis C. G. Thoms. 373 parallela Grav. 362 pectoralis Grav. 339 perspicillator Grav. 363 petiolaris Grav. 351 petiolata Krieche. 327 Phytodietus (Grav.) Holmgr. 303, 338 picticoxis Schmiedekn. 369 pilosella (Aren.) Grav. 352 pimplator Zett. 356 plantarius (Phytod.) Grav, 342 pleuralis Brischke 371 polyxonias Grav. 339 Procinetus Forst. 301, 325 puberula Krieche. 361 punctiventris (Liss.) C. G. Thoms. 384 punctiventris iSyz.) C. G. Thoms. 345 punctulata (Liss.) Szepl. 379 quadrata (Liss.) Szepl. 380 quadrinotata Grav. 391 rimator C. G. Thoms. 360 rubricosa Brischke 368 rubricosus (Phytod.) C. G. Thoms. 339 ruficornis Grav. 392 rufipes (Phytod.) Holmgr. 341 rufipes Brischke 373 rufipictus (Phytod.) Brischke 339 rufitarsis (Liss'.) Szepl. 393 rufomedia Bridgm. 371 scabra Brischke 392 scapularis (Men.) Krieche. 357 segmentator (Phytod.) Grav. 339 segmentator (Liss.) F. 384 setosus (Men.) Grav. 354 solitaria (Xenocornia) Schmiedekn. 335 steckii (Syz.) Brauns 347 Stenolabis Krieche. 302, 332 strigifrons Schmiedekn. 370 subaciculata Bridgm. 366 stibfumata C. G. Thoms. 337 sulphurifera Grav. 359 superba (Himert.) Schmiedekn. 394 silvestris (Tryphon) Grav. 395 Syzeuctus Forst. 302, 344 Taschenberg-ia Schmiedekn. 302, 331 teuerrima C. G. Thoms. 372 tennifasciatus (Syz.) Schmiedekn. 345 thomsoni Schmiedekn, 373 thuringiaca (Anarthr,) Schmiedekn. 330 tomentosus (Banchus) Grav. 352 transversa Bridgm. 387 trochanterata Bridgm. 374 unicincta Holmgr. 374 unicincta C. G. Thoms. 373 vaga (Liss.) Szepl. 393 variabilis Holmgr, 371 varicornis (Campocin.) Schmiedekn, 343 varicoxa C, G. Thoms. 388 variipes (Men.) Szepl. 383 verberans Grav. 363 versicolor Holmgr. 369 vicina Holmgr. 377 Xenacis Forst. 303, 333 Xenocornia Schmiedekn, 303, 334 Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Fohle) in Jena, — 2070 Nachdruck verboten. üeber setzungsrecht vorbehalten. Some undescribed Trematodes. By J. Staiford, B. A., Toronto, Ph. D., Leipzig. (From the Biological Department, University of Toronto.) With Plate 26. 1. Distomum pelagicum n. sj)» This Trematode I obtained in Passamaquoddy Bay, off St. Andrew's, New Brunswick. It was to be found among the numerous small crustacea, nauplii and other crustacean larvae, insect larvae, small annelids, eggs etc., procured by dragging beside a boat and half im- mersed in the surface water a System of five small nets placed one inside of another. The moiiths of the nets were supported by strong wire rings about six inches across and the nets themselves were so arranged that the one with the largest meshes was on the inside, that with the smallest meshes to the outside. In this way a sorting of the objects caught took place — only the smallest ones making their way to the outer net. I had Seen this animal and had hurriedly examined it, under the microscope, while it was alive, but for want of time paid no further attention to it. I, however, dropped some of the Contents of the outer net into a little bottle of forraaline wliich I brought home. lipon looking over this material a few weeks ago, I could find but 2 specimens of the required Distomum. One I stained slightly and raounted in toto in Canada baisam. The cut, Fig. 1, is drawn from this prepa- ration. The other, smaller and more shrunken specimen, I laid into a series of transverse sections by the microtome; and althougli these did not prove altogether satisfactory yet they served to verify and correct my impressions to a considerable extent. Zool. Jahrb. XIII. Abth. 1. Syst. 27 400 J. STAFFORD, The animal mounted measures 0,92 mm in length (accurately *.i27 //), and 0,22 mm in greatest breadth. Sections of the other specinien show a circular outline. Most couspicuous, of the organs are the two suckers. They are equal in size and, in proportion to the mass of the animal, are relatively powerful adhesive organs. The oral sucker, in its natural position, looks downwards and forwards and the ventral sucker lies behind it at a distance of about one quarter of the length of the animal. The integument is supplied with a cuticle laid out into a suc- cession of rings of which the posterior rim of eaeh appears to project over the one succeeding it. Under high maguification it can be seen that each ring contains a circular row of small spines. So far as I have yet determined, the body walls and the paren- chyma filling the intervals between the several visceral organs agree in structure with other Trematodes. The intestinal System is composed of a mouth, a pharynx and two blindly ending lateral branches. A nervous System is present in the shape of a supra-pharyngeal transverse band, and I suppose lateral nerves are present although I have not distinguished them. The excretory System remains entirely unknown, unless a portion which I shall shortly have to refer to is to be considered the ex- pulsion canals. This Trematode is, as usual, hermaphrodite — both male and female reproductive organs being present in the same iudividual. Two testes are situated between the intestinal caeca immediately behind the ventral sucker. They lie right and left, one being partly behind the other; their greatest diameter is in the vertical axis. Behind these again, about the middle of the body, is the ovary, while laterally from it but slightly more posterior are two yolk glands. Before the worm was mounted, wheii, upon making a change of alcohol the ditfusion currents caused it to roll over and over, it seemed as if the yolk glands were lobed and connected with one another across the middle of the body. The connective was no doubt the transverse vitelline ducts which contained enough yolk to be made visible. The ducts of the reproductive glands I have not followed but their distal ends meet and open to the exterior just in front of the ventral sucker. One fold of the uterus, containing small nucleated spherical ova, crosses over the pharynx from side to side. I have now to describe an organ which appears to me to be of Some undescribed Tromatodes. 40l considerable interest both from a morphological point of view — in its large size and cliaracteristic structure, and from a physiological point of view — in the probability of its function. If it is as it appears in my mounted specimen, I think it may well count as new to Trema- tode Helmin thology. The scantiness of my material, however, compels me to accept only with some reservation any view as to the uses of the Organ in question. The posterior end of the animal appears to be invaginated and the cavity thus formed is continuous with the exterior through a nar- rowed opening. The walls of this relatively large cavity are folded longitudinally and its anterior end is pushed backwards to form a cup which receives the blind ends of the intestine and some unditferentiated meristem parenchyma. I suppose that two lateral excretory tubes open into this cavity behind the intestine and it seems likely that this whole structure is to be considered as au enormously enlarged ex- pulsion canal, The cuticle in some other Trematodes continues through the porus excretorius on to the inner surface of the expulsion canals, but here the thick muscular wall also appears to be continued. In a section falling through the anterior wall of this organ are apparently two openiugs, but, on account of the folds and creases of its inner walls, I could not be certain that they are the mouths of the excretory tubes. A longitudinal section here would be very instructive. The whole structure impressed me from the first with the idea that we have to do here with a specialization of the posterior end of the excretory System in adaptatiou to the requirements of a para- sitic animal which has acquired the habit of temporarily quitting one host and leading for a time a pelagic existence by forcibly squirting water from its expulsion canal in a fashion similar to what takes place in the jelly-fishes and squids until perchance it is thrown agaiüst a new host. While I observed it living, I saw no such Performance although it was very active in squirming, fixing and releasing its suckers etc. and it is possible that the structure in question may have quite a different function. Should it be found capable of the locomotion I suggest, it will be observed that the animal is pelagic; but it must also be for a time ectoparasitic, for which mode of life its suckers are well suited; and further, as is indicated by the structure of its cuticle, it is an endo- parasite, capable of wandering through the softer tissues of the animal it infests. 402 J. STAFPORD, 3. Monostomuni atniuvi n, sp. The only Distomes I have observcd in the cat-fisli are 2 species — oiie in the eye and the other in the liver of the young fishes, about au inch and a quarter long, that we use from which to prepare serial sections. This Trematode occurs in the swira-bladder of the adult cat-fish (Ämiurus nehulosus). Since it possesses but oue sucker — the oral — it falls in the group Monostomidae ; and the name Monosfomum amiuri, by which I have chosen to designate it, can not, so far as I at present see, prove either vague or conflicting. Monosfomum amiuri is a worm about 5 mm long and 2,25 mm broad. It is much flattened and is broadest in its posterior two thirds, the anterior third narrowing towards the mouth-sucker. The dorsal surface of the living worm reminds oue, in its pigmented appearance, of some of the free-living fresh-water Planaria. The colour is largely due to the Contents of the intestiue and to the numerous eggs. It is somewhat dark, not unlike the inner membrane of the air-bladder on which it rests, but with two longitudinal, rusty stripes. The living animals are very soft bodied, inactive creatures. The integuraent bears a cuticle and is apparently very thin ; the sub-cuticular and glandulär parts seem to have a similar structure to the sanie parts of the Distomes with which I am most acquaiuted. The intestinal System begins with the mouth whose thick muscular walls form the oral sucker. This is succeeded by a muscular pharynx after which follows a narrow Oesophagus. The latter gives rise to two lateral intestinal caeca, exteuding as broad tubes to near the posterior end of the body where they end blindly. The nervous System I have not yet undertaken to follow. Owing to the unfavourableness of the living worm, only the pos- terior unpaired part of the excretory System has been made out. The reproductive System is of the usual complex type for this group of animals. There is no sexual dimorphism, each individual being dioecious. The genital glauds of the male sexual orgaus — the testes — are situated most posterior in the body, between the median expulsion tube of the excretory System and the ends of the intestinal caeca. Vasa deferentia rise out of their anterior euds and proceed, by a direct course, to near the middle of the animal where they meet in the vesicula seminalis. The latter runs forwards and opeus by a muscular penis on the ventral surface of the worm, about one third from its anterior end. The structure of this portion of the genital Organs I have not satisfactorily made out. The female organs include Some undescribed Trematodes. 403 an ovary, located a little behind the middle of the animal, a long, folded oviduct — the uterus — filled vvith eggs, occupying most of the posterior two thirds of the body and opeuing by a bulbous vagina immediately behind and to the right of the penis. To these organs must be added two lobular yolk glands, lying outside of the forked intestine and extending from the level of the genital openings to the hind end of the animal. A longitudinal yolk duct receives the yolk cells from the numerous follicles ou each side and conducts thera, by a transverse tube in the region of the ovary, to a yolk reservoir that communicates with the oviduct close by the shell gland. The egg is 45 fi X 24 i^i in size and its blunt broader end is provided with a short hooked filameut. 8. Distomum hosjntale n. sjy. This is a worni 4 mm in length, taken from the raid-intestine of the Newt {DiemycÜlus viridescens). It is a delicate, flat Nvorm of long- elliptical outline. The feature first to be noted is the shortness of the intestinal caeca, which extend scarcely beyond the euclosed ventral sucker. Between the two is the opening of the genital glands. The ovary lies to the left, not quite half the length of the animal from its anterior end. The oviduct has a small receptaculum seminis, and, farther back, the uterus lies, in folds and spirals, across the posterior half of the body. An anterior testis is to be found on the right side, opposite to the ovary; and on the left side, behind the ovary, is the second testis. The vitellarium is paired — right and left — reaching from the Pharynx to the genital glands. The expulsion canal is long. In the cuticle of the anterior portion of the animal are fine spines. In the posterior half were three small, spherical sacks each con- taining a small, curved, square-headed, pointed-tailed Nematode. It is due to the presence of these guests that I have selected the above specific designation. 4. IHstonium quiettmi n, sp. This graceful little worm occurs in the intestine of the frog, in the brown region round the opening of the bile duct and posterior to this. It is somewhat cigar-shaped, compact and symmetrica! in form. It measures, when fixed, about 3 mm in length and scarcely 1 mm in breadth. The one from which the drawing, Fig. 4, was made measured 404 J. STAFFORD, 2.75 miu by 0.875 mm, ])ut I have measured living specimeiis 3.675 mm long and proportionately broad. Measuremeuts of differeut individuals, unless they are distorted by pressure, are likely to bear pretty ac- curately the same proportions ; for, as indicated in the specific name, tliis is a very quiet little creature, that may rest inactive for con- sidcrable time, and, wlien it does move, it is with slow and graceful raovements that cbange its dimensions only to a slight extent, chiefly in extending and withdravving the anterior end and not at all in vio- leutly flopping back and forward, wriggling and disfiguring itself as some otber frog-treraatodes do. The body is cylindrical, as shown by the circular transversal sections, the posterior end blunt or rounded and the anterior taperiug. The colour is white, except in the middle region of the posterior half which is brown — due to the eggs. This worm " is not at all evidently exposed when the in testine of the frog is slit open. They are easy to overlook even when one directs bis attention to a small surface. Often a minute light brown speek is all that can guide one's forceps to the object of bis search. It may be that this is the cause of our worm's having escaped the attention of helminthologists so long; or, on the other band, it may be that it is only local in its occurrence, or that it has been mistaken for Distomum endolohum to which I think it bears considerable resemblance. The iuteguraeut is furuished with a thick cuticle containing except at the anterior and posterior ends small backwardly slanting spines. These are arranged in longitudinal rows with great regularity. The rows are perhaps 15 /< apart and the spines of every second row are opposite the Spaces between those of the first and third rows. Be- tween two spines of the same longitudinal row is a Space of 30 /<, but this may vary a little according to the region of the body. The spines themselves appear narrow when looked at on the edge of the body, but more scale like when viewed at right angles to the surface of the body; they seem to be fixed to a circular basal plate and are 15 /t in length. The fixing organs are an anterior mouth-sucker and a ventral sucker of smaller dimensions. The mouth sucker, in the mounted specinien above described is 0.260 mm broad while the ventral sucker measures 0.175 mm. The ventral sucker is placed 1 mm from the anterior end and 1.75 mm from the posterior end, while between the two suckers is a space of 0.875 mm. In a living worm 3.675 mm in length the anterior sucker measured 0.350 mm across and the ventral sucker 0.210 mm. From the anterior Some undescribed Trematodes. 405 end to the middle ol" the ventral sucker was 1.487 mm while froiu this point to the posterior end was 2.187 mm and between the middle points of the two suckers intervened a distance of 1.225 mm. The intestinal System begins with the ventrally directed mouth in the mouth-sucker ; this passes into a muscular pharyiix and then into a narrow thiu walled Oesophagus; the latter gives origin to the bira- mous intestine, the two diverticula not reaching to the posterior end of the animal. A bunch of glands on each side of the Oesophagus sends its ducts forwards to open anterior to the pharynx and other long skin-glands extend forwards and open to the surface at the anterior end. The nervous System outside of the neckband I have not yet followed. The excretory system seems to me, so far, to be of a slightly dif- fereut type from those I have studied. From the first I missed the brightly gleaming capillaries that generally cross ones view. Again I searched faithfully in several animals before I found Üame cells. On obtaining young specimens just beginning to fill with eggs, however, I was able to find some of these funnel-organs. The cause of their being more difficult in this than in many other forms is perhaps due to the readiness with which the tissues begin to disintegrate and be- come dark and mirky when the worms are exposed to water or are compressed by the cover-slip. P'rom whatever cause, I, at any rate, searched harder in this than in any of the other worms of our district including Distomum cygnoides, Distomum variegafum, Distonium ovocaudatum, Distomum tetracystis^ Amphistomum subclavatum, Foly- stomum ohlongum, Sphyranura osleri, Planaria polycJiroa, Taenia dispar. The number and arrangement of the funnel-organs remain to be determined as does also the arrangement of the larger vessels. These do not bear cilia on their walls as occurs in some forms, e. g, Aspido- gaster, but their walls appear correlatively more muscular. This I have noticed in the worm under discussion even in the tubes of the secoud Order of size. The large collecting vessel or expulsion canal extends from the testes to the posterior end of the body in the centre of which lies the porus excretorius. Reproductive organs are represented by male and female genital glands and a yolk gland, together with their efferent ducts. Two spherical testes are situated in the middle of the body, side by side, the left one slightly more posterior than the right. Their vasa deferentia 406 J. STAFPORD, are delicate tubes running direct to tlie penis sack the broad posterior end of which lies above the right side of the ventral siicker and con- tains a vesicula seminalis. The anterior end curves round to the left and opens between the sucker and the fork of the intestine. The ovary is also a globular body, smaller than the testes, and to the left of the ventral sucker. Near the ovary the oviduct is joined by a receptaculum seminis and from the junction diverges a Laurer's canal which bends upwards to open in the raid-dorsal line, above the ventral sucker. Ootype, shell gland and receptaculum seminis uterinum follow; the latter passes into the uterus, which forms many foldings, right and left, between the branches of the intestine. The space beyond the blind ends of the caeca is also crowded füll to the body walls. From here the uterus returns in a similar fashion towards the middle of the body and opens by a vagina, with the penis, into the unpaired genital cloaca. Vitellaria or yolk glands lie between the prongs of the intestine and the lateral body walls and are composed of a considerable number of follicles, whose narrowed necks open into longitudinal vitelline ducts. These glands occupy the lateral regions of the middle half of the body. I have not foUowed the ducts in detail but I suppose there are two transverse vitelline ducts, that conduct the yolk cells from the before mentioned longitudinal ones to a vitelline reservoir and that this opens into the oviduct in the region of the shell gland. It will be Seen, as I have already intimated, that there are certain resemblances to D, endolohum. But there are also many difl'erences, some of which I shall enumerate. Small ventral sucker. Pharyngeal glands. Ovary left of sucker instead of right (I describe the position of the Organs as they appear in the Compound microscope). Testes spherical. Their lateral position, and in the middle of the body. Also left one most posterior. Vitellaria in middle region. Long Uterus, filling posterior part of body. Long expulsion canal. 5. Ulstonium chelydrae n. sp. The Distome thus conveniently designated occurs in the intestine of the Snapping Turtle {Chehjdra serpentina). — It measures about 6 mm in Icngth, and scctions are 0.735 mm broad and 0.420 mm Some undescribed Trematodes. 407 deep. It often exhibits a constriction at tlie middle of the body ; and at the sides of the mouth-sucker a pair of lateral expansions is often to be Seen. The suckers are nearly equal in size — about 0,275 mm, in sec- tions, although the ventral one appeared to me rather the smaller, in the living animal. It is situated near the middle of the anterior half of the animal. The integument has a cuticle, and the longitudinal muscle fibres are especially large. Mouth, pharynx, and lateral intestines are present, as usual; the latter being especially long, reaching to the posterior end of the animal. The median, unpaired expulsion canal of the excretory System is very long, extending from the posterior porus to the ovary, near the ventral sucker, where it divides into lateral, anteriorly directed branches. Of the reproductive System, the testes are conspicuous, near the middle of the body, in the broadest part, just behind the constriction. One is situated behind and to the right of the other. Narrow vasa deferentia connect them with the penis, lying to the right of the ventral sucker. A seminal vesicle lies in the base of the penis sack, and is contiuued, as a ductus ejaculatorius, to the genital sinus, which opens ventrally, immediately behind the forking of the intestine. A Single ovary lies behind and to the right of the ventral sucker, The oviduct soon gives off a Laurer's canal which curves upwards to open in the mid-dorsal line, above the posterior, inner edge of the ovary. At an equal distauce beyond this again is the duct of the yolk reservoir, from which latter proceed, sideways, the two transverse vitelline ducts. Following the mouth of the yolk reservoir the oviduct forms an ootyp with its shell gland, a receptaculum seminis uterinum, and then the uterus which lies between the anterior testis and the genital pore into which its distal end opens. Yolk glands are situated laterally from the intestinal caeca, in the second half of the body^). 6. Distonium angustum n, sp, The worm here referred to I found in the intestine of the Painted 1) In outline this animal resembles the one figured and described by A. Leakd, in: Quart. Journ. microsc. Sc, (N. S.) V. 2, 1862, pp. 168 — 170, under the name of D. constructum. Habitat and structure are, however, different. 408 J. STAFFORD, Turtle {Chrysemys picta). It is a long, narrow {anqustum)^ very thin aüinial. Its leiigth, wheu mouiited, is 3.150 mm, its breadth 0.455 mm, The anterior sucker measures 0.125 mm ; the posterior, ventral sucker 0.095 mm broad, is situated 0.875 mm farther back. The Pharynx, 0.075 mm long, is situated 0.050 mm from the mouth- sucker, and there is another, longer, constricted, piece, the Oesophagus, 0.225 mm, between it and the forking of the intestine. The latter is very like the correspouding part in the preceding species-parasitic in the Suapping Turtle. The unpaired part of the excretory System branches, I think, at the posterior testis. The testes are found, one behind the other, between the ends of the intestinal caeca, and the duct from the anterior one is turned to the right side. The penis is a long narrow organ (length = 0.5 mm), lyiug obliquely across the left caecum, with its base to the right of the ventral sucker and its apex opening on the ventral surface, near the left margin, a little posterior to the line traversing the forking of the intestine. There is a penis sack containing a vesicula seminalis and the end of the intromittent organ is, in the mounted specimen I am describing, exserted from the genital pore and bent back under the body. The ovary lies behind the ventral sucker, a little in front of the middle of the body and between two enhirged lateral vessels of the excretory System. Behind it is the yolk reservoir with the trans- verse vitelline ducts. The anterior end of the oviduct — the vagiua — lies on the opposite side of the ventral sucker from the penis sack and opens with the latter at the genital pore. Eggs occupy the body from the sucker to the anterior testis but chiefly behind the ovary and between the iutestines. The vitelline glands lie between the in- testines and the body walls, extending from the region of the genital pore to near the anterior testis. Remarks on otlicr Trematodes ^). In the frogs of this region are found other Trematodes besides the one already mentioned as a new species. Of these two si)ecies have been already reported. These are: 1) I at first inteuded to publish this })aper in Canada. Accordiugly, there will be found a few Statements that wore designed to assist students of the subject in this country to recognize the worms or to find the literature. For others this part of the subject will only be of value from the Standpoint of distribution. Some undescrlbed Trematodes. 409 1. JJlstomum variegatum Rud.^), 2. Dlstonimu cygnoides Zeder. Both of these species are very common here. Of the first — our largest frog-parasite — I have found as maay as 17 full-growu, deeply coloured specimeus in one lung — the other lung of the same buU- frog also containing 12, In some frogs I have found a greater niimber than this but I have no record of how many. I shall not describe these forms here. For B. variegatum, be- sides the reference ah'eady given, there is a short description by Leidy -) ; and for a leugthy account, giviug also its various synonyms, and an excellent Illustration I shall refer to the large work by Looss. Distomum cygnoides frora the urinary bladder of the frog is to be found in still greater uumbers. Illustrations are given in the paper by Bensley and in the work of Looss, as well as in many other places. 8. Distomum ovocaudatmn Vulpian. This species occurs, frequently two or three individuals together, in the mouth of our hirgest water-frog {Baiia catcshiana). I have seen it ou the tongue but not yet under the tongue — the only place named by Vulpian, Creutzbukg and Looss. I find it occurring more frequently at the entrance of the Eustachian tubes, in a fold along the inner edge of the jaw bone, at the entrance of the posterior nares and round the entrance to the Oesophagus. In one frog I lately found 11 specimens of this worm chiefly at the entrance and even deep in the Eustachian tube and at the entrance of the Oesophagus. One of these taken from the ear cavity was fully three times as big as I had ever seen before but it would not extend itself to permit of 1) For D. variegatum see R. Ramsay Wright, Contributions to American Helminthology, No. 1 , 23 pages and 2 plates , p. 8 , in : Proc. Canadian Inst., V. 1, No. 1, 1879, — Tor J). cygnoides see R. R. Bensley, Two Forms of Distomum cygnoides, 6 pages and 1 plate, in: Ctrbl. Bakt., V. 21, No. 8/9, 1897. 2) Leidy, Contrib. to Helminth., in : Proceed. Acad. nat. Sc. Phila- delphia, V. 6 (1840—47) 1852, pp. 205-209; 222—227; 239—244; 284 — 290, where reference may also be found to a couple of other Frog-Trematodes, viz. J). cygnoides and D. retusum Düj. — D. atri- ventre n. sp. Weinland, in: Proc. Boston Soc, V. G, 1856, p. 24, re- ferring to a blackish spotted Distomum in the lungs of frogs and toads doubtless means the same species. — Looss, Die Distomen unserer Fische und Frösche, in: Biblioth. zooL, Heft 16, 1894, 296 pages and 9 large double page plates. 410 J. STAFFORD, a favourable measurement. It was perhaps of the same size as the largest described byLooss while the normal ones are smaller, of the size given by Sonsino and Creutzburg, about 5 or 6 mm. An Illustration, literature, anatomy etc. are given in the book by Looss. 4. JDistotnuni tetracystis Gastaldi. This form I observed two years ago and in great numbers — apparently hundreds — in the thoracic cavity of small grass frogs. Being occupied with other work at the time, I did not follow up the question. lipon slitting open the ventral wall including the Shoulder girdle, these Trematodes could be drawn off in a pipette from the region in front of the heart. They were entirely free in the lymph which flowed into the thoracic cavity and I thought that it was pos- sible that they came from some lymph spage between the muscles. As they were all free I did not suppose that I had the same species as that of Gastaldi. A week or two ago I directed my attention again to this subject, using the bull-frog {B. catesUana). I find the worm encapsuled, in great numbers, in the region of the throat. By removing the skin, slitting through the mylohyoid muscle and liftiiig up the cartilaginous anterior end of the sternum, the capsules are exposed, lying imbedded in a gelatinous mass that extends over a considerable space, reaching back to the level of the heart and also spreading outwards and back- wards to the attachment of the anterior limbs. It was by cutting through this mass that the worms were freed in such numbers into the thoracacic cavity, upon my first noticiug them. Only a few days ago, however, I found a huge gelatinous mass containing abundance of Worms lying on the duodenum in the position of the pancreas which appeared to have been destroyed. The capsules measure about 0.8 mm by 0.7 mm and smaller, and the thickness of their walls is 0.085 mm. The worms are able to free themselves rapidly from their delicate, connective-tissue capsules as shown by the great numbers that speedily become free when disturbed. Gastaldi's .^) description although brief is remarkably correct, They are immature worms, about 700 /< long when alive, but possessed of great freedom in lengthening and shortening their bodies. 1) BiAGio Gastaldi, Cenni sopra alcuni nuovi elminti della Rana esculenta, Torino 1854. Some undescribed Trematodes. 411 They can extend to 1000 f.i, or contract to a rouncled lump about 350 /ii across. When killed in glacial acetic acid aud dehydrated with ascendiüg strengths of alcohol, stained and mounted they measure 450 LI in length and 210 /ii in greatest breadth, The ventral sucker is 186 /LI from the anterior end and is IS ^i across. It is situated in the middle of the ventral surface vvhere the body is broadest. The anterior sucker is never so piain as one is accustomed to find in Trematodes. Perhaps this is partly due to the mouth being at the end of the body aud, owing to the small size of the worm, is scarcely ever turned towards the observer by pressure of the cover glass. Following the mouth is a narrow Oesophagus in which is situated a Pharynx. The intestinal caeca are short and, viewed from the sur- face, appear to clasp between them the ventral sucker. Couspicuous objects are the four large glands situated round the forking of the intestine and between this and the ventral sucker. There are two on each side, each finely granulär, nucleated and send- ing ofl' from its centre a duct. The two ducts from each pair soon come together and run forwards side by side, enlarge in the lateral regions of the oral sucker and open on to the anterior end close by the mouth opening. These glands were regarded by Leuckart ^) as destined to supply a material by the help of which the worm could form its capsule. The excretory tubes are also conspicuous objects. Near the posterior pore are two lateral expulsion bulbs which narrow into vessels extending forwards as far as the level of the intestinal caeca. Later- ally from tliese they form a coil which becomes straightened out upon the extension of the animal. As far as I could make out there are two vessels given otf from this coil, one proceeds forwards to the mouth sucker, tlie other turns backwards towards the excretory pore. Each gives origin to lateral branches which are apparently in Clusters but whether these bear the fuunels or the capillaries I cannot yet decide. The rapid movements of the animal, when allowed sufficient Space to move, and the way in which the vessels coil about one another upon contraction of the animal, wlien its movements are arrested, make it difficult to obtain a satisfactory Observation. I have counted eight funnel organs whose capillaries converged apparently to the one spot but I cannot say at preseut whether there is such a regularity 1) Leuckart, Die Parasiten des Menschen, 2. Aufl., V. 1, Lief. 4, 132. 412 J. STAFFORt), in number and arrangenient as I liave shown to occur in Aspido gnster'^). Gastaldi must have seeu the cilia of the funnels for he nientions ciliated canals, and, as far as I can make out, tliere are no cilia on the inner walls of the tubes themselves. The funnels appear to be numerous and are tolerably easily found for such organs. The cuticle, especially of the anterior part of the animal, con- tains minute spines and there is also a double row of these round the opening of the ventral sucker. A bunch of cells, distinct frora the parenchyma, lies between the ends of the intestine and the confluence of the expulsion canals. This is doubtless the rudiinent of the genital glands. Where this worm reaches maturity is not knowu. One can imagine such a bird as a hawk eating the flesh of a frog and with it some of these worras; in its intestine, perhaps, they reach maturity and discharge their eggs, which may be voided with its faeces round ponds; the miracidia may creep into snails or insect larvae or crustaceans that fall prey to the frog. 5. Aniphistoniuni subclavatum Rud. This Trematode I have found, on several occasions, in the rectum of frogs — chiefly of the small grass frogs. It is easily distinguished fiom the other species on account of its broad ventral sucker, which in this worm is at the posterior end of the body, and its conical form tapering into the small anterior mouth-sucker. It is illustrated in Pagenstecher's "Trematodenlarven und Trema- toden", Heidelberg 1857. See also Looss, Ueber Amphistomum sub- clavatum und seine Entwicklung, in : Festschr. Leuckart, Leipzig 1892. 6, Distomum medians Olsson. It is only quite lately that two individuals of the species I thus provisionally designate have fallen in my way. Notwithstanding a dif- ference of habitat and numerous minor differences in form and Organi- zation yet on the whole the dispositions of the organs are the same as in the D. medians figured and described in "Die Distomen unserer Fische und Frösche" by Looss. My specimens I took from the liver of a bull-frog (Bana cates- hiana). Eacli was in au elliptically shaped capsule, lying immediately under the surfacc of the liver and showing through. The capsules were thick wahed and composed of a very tough connective-tissue 1) For Aspidogaster see Zool. Jahrb., 1896, V. 9, Anat., pp. 477 —542, tab. 1—4, p. 510. Some undescribed Trematodes. 413 raaterial that I could not tear open with forceps ; they must have measurcd from 3 to 4 mm in length and not quite so much in breadth. As tlie aninials appeared veiy sluggisli and somewhat non-trans- parent I was afraid to keep them under Observation for any length of time, in a changed medium, for fear they should becorae more turbid or even die ; I accordingly killed them at once in glacial acetic acid, washed in 70 7o alcohol, stained in alcoholic carmine, dehydrated, deared and mounted in baisam, The larger and, judging from the Contents of the uterus, the older of the two measures 1.9 mm in length and 1.28 mm in breadth. It is broadest across the ventral sucker and narrows more towards the anterior than the posterior end. The dorsal wall of the oral sucker projects a little, as a blunt cone, at the anterior end and the posterior end of tlie body has a broad but shallow indentation. The mouth sucker measures O.U38 mm across, while the ventral sucker is slightly broader, with its anterior rim in the middle of the length of the animal. The cuticle contains spines. The expulsion canals diverge from the excretory pore. The intestine agrees with the figure given by Looss, but the caeca are nearly filled with brown egg-shells like those in its uterus. Its testes are situated right and left of the ventral sucker, at the ends of the caeca, the right one slightly in advance of the left. The penis lies across the ventral surface of the left caecum and Stretches from close to the ventral sucker to a point half way between the caecum and the margin of the body and slightly behind the level of the fork- ing of the intestine. The ovary is placed between the prongs of the intestine but more dorsal and with its outer border overlying the middle of the right caecum, its right border in the median longitudinal axis of the animal. It appears to be a lobed body of irregulär out- line. Corresponding with the shortness of the post-acetabular portion of the body, the uterus does not fall in two long folds, right and left, with smaller secondary folds in the transverse direction, as sliown is the figure by Looss, but the primary folds are transverse and the secondary fall in the direction of the long axis of the worm. If it should turn out, however, that these worms are un-naturally contracted, then that might explain this difierence. I can find no indication of a gelatinous coat round the eggs but here again I must obstain from conclusions until I examine the living animal. Vitellaria lie between the testes and the pharynx and are not 414 J- STAFFORD, Some undeseribed Trematodes. plaiuly in two halves, neither are they confined to the lateral regions, but lie also across the ventral surface of the iutestine and ovary. I shall here mention a few of the ways in which the worms I have difter from the figure and description by Looss. If his figure is characteristic, and if my examples are normal, then there still remains the question whether the differences are of more than varietal importance. Leugth : breadth = 3:2 instead of 2:1. Broadest at middle and posterior. Posterior end broad and indented instead of drawn out and pointed. Ventral sucker rather larger than oral sucker instead of the reverse. Oesophagus shorter than would appear in the figure by Looss. Ovary inside instead of outside the right caecum, and with an irregulär lobed shape instead of rounded. Uterus in folds transversely instead of longitudinally. Eggs without a gelatinous coat. Vitellaria extending over a ruucli greater surface and not distinctly separate, instead of being confined to tvvo separate, small districts on each side of the Oesophagus. Occur encapsuled in the liver instead of free in the proximal portion of the small intestine. '7. JPolystotnum oblonguni Wright. In the paper by Wright, already referred to, he figures and de- scribes a new species from the urinary bladder of the rausk turtle and expresses the opinion that Polystomes would be found in the mouth of the painted turtle and of the snapping turtle. I have found a Single specimen on the palate of the first named turtle and I feel tolerably certain that it is the same species as the one described by Wright under the name Polystomum oblongum. I souglit to learn as mucli as possible from the Single animal and accordingly studied it first alive and afterwards killed and sectioned. As miglit be expected under such treatment neither method would give its best results. Explaiiatioii of tlie Plate. Fig. 1. Distomum peJagicum. »Surface of the ocean. Real length 0.92 mm. Fig. 2. Monostonmm amiuri. Swim-bladder, catfisb. Leugth 5 mm. Fig. 8. Distomum hospitale. Iutestine, newt. Leugth 4 mm. Fig. 4. Distomum quietum. lutestiue, frog. Length 2.8 mm. Fig. 5. Distomum chehjdrae. Intestine, snapping turtle. Leugth 6 mm. Fig. 6. Distomum angustum. Intestine, painted turtle. Length 3.15 mm. Nachdruck verboten. lieber setzungsrecht vorbehalten. Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen als Luftweg und Greruchsorgan. Von Ludwig Katliariiier, Dr. phil. et med. (Aus dem Zoologischen Institut zu Freiburg, Schweiz.) Hierzu Tafel 27 n. 28 und 4 Textabbildungen. Je tiefer wir in die Kenntniss eines Organismus eindringen, um so deutlicher treten uns die innigen Beziehungen zwischen seinem Bau und seiner Lebensweise vor Augen. Unter die Existenzbedingungen, welche dem Körper des Thieres ihren Stempel aufdrücken, gehört vor Allem das Medium, in dem es lebt. Wasserthiere lassen sich oft schon auf den ersten Blick als solche erkennen, ihre Besonderheiten fallen uns um so leichter auf, wenn die Mehrzahl ihrer nächsten Verwandten auf dem Lande lebt, und sie sind um so ausgeprägter, je ausschliesslicher die betreffenden Arten an den Wasseraufenthalt gebunden sind. Ein Beispiel der Art bieten aus der Ordnung der Schlangen, deren weitaus überwiegende Mehrheit Landbewohner sind, die Meerschlangen oder Hydrophidier, echte Wasserthiere, die freiwillig kaum jemals das nasse Element verlassen ; ihr anatomischer Bau ist so eigenartig, dass sie eine ganz scharf umschriebene Gruppe innerhalb der sonst anatomisch recht einförmigen und daher für die systematische Ein- theilung schwierigen Ordnung bilden. Im Gegensatz zu dem annähernd drehrunden Körper ihrer Ver- wandten ist der ihrige nach hinten zu stark seitlich comprimirt und endigt mit einem Ruderschwanz, dessen verticaler Durchmesser den transversalen um das Mehrfache übertrifft. Die Lage der Nasenlöcher auf der Oberseite der Schnauze gestattet ihnen Luft zu athmen, ohne dass sie dabei mehr als einen minimalen Theil des Kopfes aus dem Zool. Jahrb. XIII. AbtU. f. Syst. 28 416 LUDWIG KATHARINER, Wasser zu erheben und einem etwaigen Angriff seitens eines über der Oberfluche lauernden Feindes preiszugeben brauchten. Die colossal entwickelte Lunge, welche die ganze Leibeshöhle bis zum After durch- zieht und ein Reservoir für die Atheraluft darstellt, ermöglicht es ihnen, lange Zeit unter Wasser zu verweilen, um dort ihrer Nahrung nachzugehen oder sich einer von aussen drohenden Gefahr zu entziehen. In derselben Weise, nämlich als Anpassung an das Wasserleben, ist auch eine Einrichtung zu verstehen, welche die Nasenlöcher ver- schliesst und so beim Untertauchen das Eindringen des Wassers in die Nasenhöhle und die Athmungsorgane verhindert. Dieser Verschluss wäre nach Cantor (1) gegeben in Klappen der Haut: „The nostrils are small, horizontally situated, as in the genera Homalopsis and Cerherus, and furnished with a membranous valve, which is oi)ened to admit the air, and closed to prevent the entrance of the water." Nach DuMERiL u. Bibron (2) sind die Nasenlöcher der Wasser- schlangen überhaupt versehen mit „des membranes mobiles qui fönt a volonte l'office des soupapes, quand l'animal est oblig6 de plonger". Von Python und Ringelnatter heisst es: „Leur membrane muqueuse interne flexible se contractait dans son pourtour comme une Sorte de sphincter dont l'occlusion cessait des que le front ou le museau 6tait hors du liquide." Ph. Schmidt (3) spricht von „geschlossenen" Nasenlöchern bei Thalasso2)Ms am/uillaeformis und Th. anomdla. Die Angaben der altern Autoren sind in die Hand- und Lehr- bücher übergegangen: Pagenstecher (Allg. Zool., V. 3, 1878, p. 318): „Bei den Hydrophiden kann die äussere Oeffnung des Ganges durch eine Klappe gegen das Wasser fester geschlossen werden." Hoffmann (in: Bronn's Gl. u. Ordn., V. 6, p. 1841): „Die auf der Oberseite ge- legenen, durch eine Klappe verschliessbaren Nasenlöcher . . ." Brehm's Thierleben (3. Aufl., V. 7, p. 387) bringt dasselbe. Fleischmann (Lehrbuch der Zool., 1898, p. 140) : „Nasenlöcher durch Klappen schliessbar." Dem Sprachgebrauch nach würde man unter einer Klappe hier einen Hautlappen zu verstehen haben, der auf oder in den Umfang des Nasenloches passt und dieses sperrt, sobald er durch Muskelzug in die entsprechende Lage gebracht und darin erhalten wird. Eine solche Klappe, von deren Bau ich übrigens nirgends eine Darstellung finden konnte, existirt nach meinen Untersuchungen bei den Meerschlangen nicht; vielmehr ist ein e Ein richtung vor- Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 4l7 banden, welche dauernd und ohne Aufwand von Muskel- arbeit die Nasenlöcher und den Zugang zur Nasenhöhle verschliesst und erst dann eine Arbeit nöthig macht, wenn zum Zwecke der Respiration der Weg für die Atbemluft frei gelegt werden muss. Der Vorzug einer solchen Einrichtung liegt auf der Hand : Da die Seeschlangen weitaus den grössten Theil ihres Lebens unter Wasser zubringen, so übertritit die Zeit, für die ein Naseuverschluss nöthig ist, um ein Vielfaches die Zeit der Athmungsphasen, in der das Gegen- theil erfordert wird. Es bedeutet also eine grosse Ersparniss aii Arbeit, wenn nur für diesen letztern , gewissermaassen den Ausnahmefall, Muskeln in Thätigkeit gesetzt zu werden brauchen. Genannte Eigenthümlichkeit der Nase als Luftweg stellt die See- schlangen und, wie ich gleich hinzufügen kann, auch die übrigen vor- wiegend im Wasser lebenden Schlangen, in einen Gegensatz zu den Landformen; sie kann nur als Anpassungscharakter an das Wasser- leben verständlich erscheinen. Doch auch als Geruchsorgan zeigt die Nase der Seeschlangen Be- ziehungen zum umgebenden Medium : das specifische Sinnesepithel ist in seiner Ausdehnung autfallend beschränkt, zumal fehlt eine Muschel, wie sie bei andern Schlangen als Mittel der Oberflächenvergrösserung angetrotten wird, allen untersuchten Arten gänzlich. Es weist das auf die geringe Bedeutung des Geruchssinns für diese Thiere hin, welche Fische und andere Wasserthiere jagen, bei deren Verfolgung im bewegten Wasser vom Einhalten einer Geruchsfährte ja so wie so kaum die Rede sein kann. Diese von mir zuerst bei den Seeschlangen gefundenen Thatsachen veranlassten mich , auch andere auf das Wasserleben angewiesene Schlangen zu untersuchen, so Vertreter der Familie der Homalopsiden, der Familie der Acrochordier, beide aus den Flüssen der indo-malayischen Region, und eine paläarktische Wasserschlange, die zu den Colubriden gehörende Wasserviper, Tropidonotus viperinus Boie. Bei allen 4 Gruppen fand sich ein Verschlussapparat der Nase, der interessanter Weise bei jeder zwar auf demselben Princip beruht, aber in der Ausführung je einen selbständigen Typus repräsentirt. Das Material für vorliegende Untersuchung wurde theils käuflich aus einer Reiseausbeute erworben, theils verdanke ich es der mir gegenül)er schon wiederholt bewiesenen Liberalität des Senckenbergi- schen Instituts zu Frankfurt a. M., und ich sage auch bei dieser Ge- legenheit Herrn Prof. Boettger für seine liebenswürdige Vermittlung 28* 4l8 Ludwig kathaiiiner, meinen herzlichsten Dank. Vipernattern sammelte ich selbst in Al- gerien und brachte davon eine grössere Anzahl zur Beobachtung lebend mit nach Hause. Die nachfolgende Darstellung ist in der Weise gegliedert, dass an je einem Vertreter der verschiedenen Gruppen der im Wasser lebenden Schlaugen zuerst der Bau der Nase in ihren Beziehungen zur Athmung und darauf in derselben Reihenfolge in der zur Riechfunction be- sprochen wird. Im Anschluss an jeden Typus werden etwaige Ab- weichungen verwandter untersuchter Formen erläutert. Für die Wahl einer bestimmten Art unter mehreren als Vertreter war die Deutlich- keit maassgebeud, in der sie die betreffenden Verhältnisse aufzeigte. I. Die Nase als Luftweg. 1. Bei den Hydrophidiern. Typus : Enhydris hardtwickei Gray. Die Nasenlöcher liegen auf der Oberseite der Schnauze und sind von rundlich dreieckiger Form. Sie werden fast ganz ausgefüllt von einer etwa halbkugelförmigen wulstigen Erhebung ihres Bodens, die sich vorn durch eine seichte Furche gegen das Niveau der Schnauzenober- fläche abgrenzt, während zwischen ihrem hintern Umfang und der Um- randung des Nasenlochs ein sichelförmiger Spalt sichtbar ist (Fig. 1, linke Kopfhälfte und Fig. 2 von Enhydrina valakadjen Gray). Eine in diesen Spalt eingeführte Scheerenbranche dringt in einen nach hinten führenden Gang vor, der durch einen das Nasen- und Schnauzenschild durchtrennenden Schnitt eröffnet wird (Fig. 1, rechte Kopfhälfte). Die Innenfläche desselben ist am Dach concav; der Boden wird von einem Längswulst gebildet, welcher die Fortsetzung der in das Nasenloch fallenden P>hebung darstellt. Die Führungslinie des Ganges senkt sich von vorn nach hinten allmähhch, und in demselben Maasse, als der Bodenwulst niedriger wird, nimmt das Dach an Dicke zu. Dieser vorn an der Nasenöffnung beginnende und hinten durch eine quer ge- stellte Ringfurche gegen den sich anschliessenden Hohlraum, die eigentliche Nasenhöhle, abgegrenzte Gang ist der sonst bei Schlangen fast unentwickelte Nasen vor hof. Er ist nämlich ausgekleidet von Epidermis, die ganz den Charakter der äussern Haut zeigt. Die unterste Epithellage ist aus cubischen Zellen zusammengesetzt, die obersten Zellenschichten sind verhornt. Im subepithelialen Bindegewebe liegen zahlreiche Pigmentzellen (Fig. 11). In der erwähnten Ring- furche endigt die Epidermis, und es schliesst sich unmittelbar an sie das Cylinderepithel der Nasenhöhle an. Dass die Furche die Grenze Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 419 zwischen Vorhof und Nasenhöhle darstellt, geht ausserdem noch daraus hervor, dass in ihrem lateralen Theil die Mündung des Ausführungsgangs der Nasendrüse gelegen ist. Das die Hauptmasse der Wand des Nasenvorhofs ausmachende Bindegewebe besteht aus einem Geflecht sagittaler und transversaler Faserbündel, die grosse, mit Endothel ausgekleidete Bluträume {bl) zwischen sich fassen. Bündel glatter Musculatur (m) entspringen von einer das cavernöse Gewebe umhüllenden Fascie (Fig. 11 fa), die nach hinten und unten mit dem Periost des knöchernen Daches des Jacobson- schen Organs (J. 0.) zusammenhängt. Sie strahlen in radiärer Rich- tung nach der Auskleidung des Vorhofs hin und lösen sich unter der- selben auf, schliesslich in feinste Fasern, die durch die Pigmentschicht hindurch bis unmittelbar an die Epidermis sich verfolgen lassen. Die zu beiden Seiten des Längswulstes entspringenden Muskelbündel treten bogenförmig in denselben ein (Fig. 11). Den geschilderten Bau zeigt der Längswulst am Boden des Vorhofs in seiner ganzen Ausdehnung, also auch die in die Circumferenz des Nasenlochs fallende Erhebung; auch das Dach in seinem hintern, bis an die Grenzfurche im dorso- ventralen Durchmesser an Dicke immer zunehmenden Theil hat den- selben Bau. Aus dem anatomischen Befund geht wohl mit Sicherheit hervor, dass das cavernöse Gewebe beim lebenden Thier den Zugang znr Nasen- höhle von aussen vollständig versperrt. Das rundliche Polster füllt dann das Nasenloch aus, indem es sich dicht an dessen Rand an- legt, und die Lichtung des Vorhofs wird durch die Einlagerung des wulstigen Bodens in die längs verlaufende Concavität des Daches auf- gehoben. Wenn die Schlange athmet, wird der W'eg für die Luft auf einfache Weise dadurch frei gemacht, dass die glatten Muskelbündel sich contrahiren und das Blut zum Theil in benachbarte Gefässbezirke verdrängen. Indem dadurch das cavernöse Gewebe collabirt, wird das Nasenloch eröffnet, und durch Auseinanderweichen von Dach und Boden des Vorhofs dessen Lumen hergestellt. Zur theilweisen Ent- fernung des Blutes aus dem Schwellgewebe dürfte auch eine bei der Einathmung stattfindende Aspiration desselben nach hinten in Be- tracht kommen. Beobachtungen an der lebenden Wasserviper wenigstens machen eine solche Annahme in hohem Grade wahrscheinlich. Wenn wir am conservirten Thier einen spaltförmigen Eingang zum Nasen vorhof und in diesem selbst ein enges Lumen antreffen, so erklärt sich dies als nothwendige Folge zweier Ursachen: 1) aus der Schrumpfung der Gewebe im Alkohol, 2) daraus, dass die Schlange 420 LUDWIG KATHARTNER, beim Ersticken in Alkohol krampfhafte Inspirationsaustrengungen machte und beim Tode die Inspirationsstellung theilweise wenigstens fixirt wurde. Es sei gestattet, an das Vorstehende einige morphologische Er- örterungen zu knüpfen. Leydig (4) theilte zuerst den Binnenraum der Nase der Saurier in eine äussere Nasen- oder Vorhöhle und eine innere oder eigent- liche Nasenhöhle. Während Solger (5) bei Besprechung des Vorhofs der Eidechsen über die Ophidier nichts aussagt, äussert sich Born (7) ausführlich darüber: „Die mit den Schlangen nächstverwandten Saurier haben eine mit niedrigem Epithel bekleidete Vorhöhle, welche den Schlangen fehlt. Zwar öffnet sich bei der Ringelnatter die zur Nasenhöhle führende Rinne, wie bei den Sauriern, in einen vorn kuppeiförmig ab- geschlossenen Gang, der vor und über dem vordem Umfang des jAcOBSON'schen Organs gelegen ist, auch ist derselbe von einem ganz ähnlichen Knorpelskelet und denselben Knochen, dem Intermaxillare, Maxillare, dem vordem Ende des Septomaxillare, umgeben, aber bis in sein vorderes Ende mit hohem Riechepithel bekleidet, bei den Sauriern trägt er regelmässig Pflasterepithel." Und weiter: „Während die Nasendrüse bei den Sauriern im Innern der Nasenhöhle, an der Grenze zwischen Vorhöhle und eigentlicher Nasenhöhle, dem Product der em- bryonalen Riechgrube, ausmündet, geschieht dies bei den untersuchten Schlangen am Eingang in die Nasenhöhle und doch ist dies wieder derselbe Ort, es ist auch der Vorderrand der embryonalen Riechgrube, an der Grenze des geschichteten Pflasterepithels gegen das hohe Riechepithel." WiEDERSHEiM (9) Sagt gelegentlich der Besprechung der Nasen- muschel, dass den Ophidiern eine eigentliche Vorhöhle abgehe. Gegenbaur sprach früher den Schlangen gleichfalls den Vorhof ganz ab ; in der neuesten Auflage der „Vergl. Anat." (13) bezeichnet er ihn als unansehnlich. Aus dem Gesagten geht zur Genüge hervor, dass eine wohlent- wickelte Nasenvorhöhle bei Schlaugen bisher nicht gefunden wurde. Wenn nun bei Enhydris und andern See- und Süsswasserschlaugen der Vorhof vorhanden ist, ja bei Enhydris und Pclamis (Fig. 3) an Länge fast der Nasenhöhle selbst gleich konmit und im Verhältniss den der Saurier übertrifft, so kann für dieses abweichende Verhalten nur das Bedürfniss nach Raum zur Entfaltung des beschriebenen Ver- schlussapparats maassgebend gewesen sein. Die Entwicklung des Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 421 Nasenvorhofs selbst ist also auch eine Anpassungserscheinung an das Leben im Wasser. G. S. West (10) hat auf den Blutreichthum in der Mundschleim- haut der Hydrophidier aufmerksam gemacht, und ich selbst (12) habe seiner Zeit eine Abbildung von Enhydris hardtwickei Gray gebracht, auf der sich die Giftzahnanlagen förmlich als Inseln aus den grossen Blut- räumen herausheben, welche die ganze Schleimhaut so durchsetzen, dass nur schmale Gewebebrücken zwischen ihnen bestehen bleiben. West meint, dass durch den Blutreichthum der Mundschleimhaut wie bei manchen Seeschildkröten eine Art Mundhöhlenathmung vermittelt werde. An und für sich wäre dies nicht undenkbar, da ja auch bei gewissen Amphibien solches vorkommt. Aber bei den Seeschlangen ist doch die in Frage kommende Oberfläche zu klein, und die Blut- räume liegen nicht oberflächlich genug; was mich aber vor allem ver- anlasst, die Deutung West's abzulehnen, ist der Befund an einem jungen Trigonocephalus lanceolatus Wagl., einer auf dem Land lebenden Schlange also, die einen ähnlichen Blutreichthum der Mundhöhlenschleimhaut auf- wies. Vielleicht haben die Bluträume um die Zahnanlagen herum die Bedeutung, dass sie dieselben beim Verschlingen der Beute oder beim Einhauen des Giftzahns vor einseitigem Druck schützen ; da derselbe in einen hydrostatischen, allseitig auf die Anlagen wirkenden umge- wandelt wird, kann er dieselben nicht deformiren. Speciell bei den Wasserschlangen hat der Blutreichthum der Mundschleimhaut auch die Folge, dass diese eine hohe Turgescenz besitzt und bei geschlossenem Maul durch dichte Aneinanderlagerung von Boden und Dach der Mund- höhle ein wasserdichter Abschluss zu Stande kommt. Sei die Bedeutung der Bluträume in der Mundschleimhaut, welche sie wolle, jeden Falls werden lacunäre Bluträume überhaupt im Gewebe des Kopfes der Schlangen und besonders der See- schlangen häufig angetrofl"en. Da Andeutungen des Vorhofs auch bei Landschlangen zu finden sind, so folgt, dass die beiden Componenten des Nasenverschlussapparats, der Vorhof und das cavernöse Gewebe seiner Wand, nur in ihrer Ausdehnung und Anordnung specifisch sind. Die Verschlusseinrichtung der Nase der Wasserschlangen bietet ein weiteres Beispiel dafür, dass für ganz specifische Leistungen befähigte Organe, wenigstens innerhalb eines gewissen Formenkreises, doch keine Organe „sui generis", keine eigentlichen Neubildungen darstellen, sondern aus einem gemeinsamen Mutterboden hervorgewachsen sind. Auch die Giftdrüse der Schlangen und die „Wirbelzähne" der Basy- peltis sind Beispiele für diesen Satz. 422 LUDWIG KATHARINER, Pelamis hicolor Daud. verhält sich im Wesentlichen wie Enhjdris. Das cavernöse Gewebe erstreckt sich nach vorn bis in die Schnauzen- spitze. Die Grenze zwischen Nasenvorhof und Nasenhöhle ist aucii hier deutlich in der Ringfurche und der Verschiedenheit des beide Hohlräume auskleidenden Epithels gegeben (Fig. 3). Besonders be- merkenswerth ist das gänzliche Fehlen einer Nasen drüse. Platurus coluhrinus Schn. zeigt gegenüber den beiden vorigen Arten ziemlich erhebliche Unterschiede, welche sich aber durch die andere Lage der Nasenlöcher, nämlich an den Seiten der Schnauze statt auf ihrer Obertläche, erklären lassen. Wahrem! bei jenen die vom Nasen- loch durch den Vorhof und die Nasenhöhle zur Choane gehende Führungslinie annähernd in der Längsrichtung des Kopfes verläuft, geht sie hier vom Nasenloch durch den Vorhof in transversaler Rich- tung und biegt dann rechtwinklig in die nach hinten streichende Nasenhöhle um. Auch die Form des Vorhofs ist eine andere, seine grösste Ausdehnung hat er in dorsoventraler Richtung; nach oben reicht er etwas über den oberu Rand des Nasenlochs, nach unten steigt er tief herab, und man findet sein unteres, in Folge der Faltung seiner Schleimhaut buchtiges Ende in der Höhe der Wurzel des Gift- zahnes, also dicht über dem Dache der Mundhöhle. Seine Verbindung mit der Nasenhöhle wird durch einen verti- calen Spalt vermittelt, der in seiner Ausdehnung nach oben und unten nur wenig den Durchmesser des Nasenloches übertrifft und bei Weitem nicht bis zum Boden des Vorhofs herabreicht, so dass dieser unten als blinde Bucht endigt. Au der Grenze von Vorhof und Nasenhöhle springt von der Rückwand des erstem eine senkrechte Hautfalte vor (Fig. 12 /'). Ihrer Epithelbekleidung nach gehört sie noch dem Vor- hof an. In der tiefen Bucht nach aussen von ihr (Fig. 12 *) mündet die Nasendrüse. Es ist dies deshalb merkwürdig, weil sonst die Drüsen- müudung mit der Grenze zwischen Epidermis und Cyliuderepithel zu- sammenfällt. Das Secret der Nasendrüse erfüllte bei mehreren untersuchten Stücken als eine starr bröcklige Masse den Vorhof. Bei den Seeschlangen, deren Nasenlöcher oben auf der Schnauze liegen, durchbricht der Vorhof das cavernöse Gewebe schräg von vorn oben nach hinten unten und spaltet dasselbe so in eine obere Partie, die seine Decke, und eine untere, die seinen Boden bildet. Bei Platurus ist der Vorhof von der Seite her in dasselbe ein- geschnitten und zerlegt es in zwei, seine Vorder- und Rückwand aus- Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 423 machende Theile. Wenn diese sich prall an einander legen, ist die Lichtung des Vorhofs aufgehoben und der Zugang vom Nasenloch zur Nasenhöhle gesperrt. Den Ilauptantheil am Zustandekommen des Verschlusses hat wohl der vordere Theil des Polsters, der, schon in der Schnauzenspitze beginnend, sich nach hinten in den Vorhof vor- wölbt. Auch der Boden des Vorhofs ist cavernös und erhebt sich in Form eines Keiles ; er ergänzt von unten her die durch Vorder- und Rückwand bewirkte Sperrung (vergl. Fig. 4 von Fl. laticaudatus). Die Muskelbündel {m) verlaufen in jedem der 3 Verschlusstücke so, dass sie bei ihrer Contraction die sich berührenden Oberflächen derselben von einander abziehen. Die des vordem Wulstes entspringen an der Innenseite der knorpligen Nasenkapsel (Fig. 12 nk)., welche in weitem Rogen den Vorhof vorn umgreift, und verlaufen unter sich ziemlich parallel, zwischen zahlreichen lacunären Bluträumen zur Oberfläche. Die, welche an der Hinterwand sich ansetzen, kommen von dem vordem Umfang der bindegewebigen Hülle der Nasendrüse {nd)\ in ihrem Verlauf weichen sie unter spitzen Winkeln aus einander. Die des Bodens endlich haben eine verticale Richtung. An der Epidermis des Vorhofs fallen die der Keimschicht in etwa vierfacher Lage aufge- lagerten Epithelzellen wegen ihrer grossblasigen Beschafl'enheit auf; die obersten Schichten sind verhornt und abschilfernd. Eigenthümliche Bildungen trifl't man in der Vorhöhle von Tl. laticaudatus L. Schon mit der Lupe sieht man ihre Epidermis mit schlanken, kegelförmigen Zapfen bedeckt (Fig. 4). Deren Axe wird gebildet von einer mit Pigmentzellen durchsetzten Cutispapille, über welche die keine Besonderheiten darbietende Epidermis hinwegzieht. Die dünnen, verhornten Zellen der letztern täuschen auf Schnitten leicht haarförmige Stiftchen auf der Kegelspitze vor. 2. Bei den Acrochordiden. Eine Parallelgruppe zu den giftigen Hydrophidiern bildet unter den ungifiigen Schlangen die kleine Familie der Acrochordier. Sie halten sich ausschliesslich im Wasser auf, können Stunden lang unter der Oberfläche verweilen und gehen aus den Flüssen zuweilen 3 bis 4 Seemeilen weit aufs oflene Meer hinaus. Auch bringen sie wie jene lebendige Junge zur Welt. Als Vertreter dieser Gruppe wurde Cher- sydrus granidatus Günth. untersucht, eine durch den im hintern Ab- schnitt seitlich coraprimirten Körper noch besonders den Meerschlangen ähnliche Form. Kopf und Körper sind mit warzigen Höckern statt mit Schildern und Schuppen bedeckt. Die in den Flüssen der malay- 424 LUDWIG KATHARINER, ischen Halbinsel und der Inseln der indo-malayischen Archipels lebende Art ist auch in ihrer Heimath selten. Die Nasenlöcher liegen auf der Oberseite der wulstigen Schnauze nahe bei einander, sind sehr gross, dreieckig und mit einer Hautver- dickung umrahmt (Fig. 5). Auf dem Grund eines jeden bemerkt man zwei weisse, glatte Hautpartien, die von den Seitenrändern nach der Mitte liin abfallen und hier durcli eine sagittale Rinne von einander getrennt sind. Diese Kinne setzt sich in den Boden des spaltförmigen Vorhofs fort und gabelt sich alsbald in zwei seitliche, einen Längswulst zwischen sich fassende Furchen. Dadurch bekommt der Querschnitt des Vorhofs diese Gestalt: A (eines umgekehrten Y). Zu den beiden Längs- rinnen am Boden kommen weiter nach hinten noch solche an den Seitenwänden und an der Decke hinzu, so dass dann der Querschnitt des Vorhofs als ein Spaltensystem von der Form eines Sternes er- scheint. Wie bei den Seeschlangen wird auch hier der Boden der Nasenöfifnung und die Wand des Vorhofs in der Hauptmasse aus einem cavernösen Gewebe gebildet, das sich aus Bindegewebe, Bluträumen, (hl) und glatten, überall zur Oberfläche radiär verlaufenden Muskel- bündeln (m) aufbaut (Fig. 13). Die beiden schräg nach der Mittel- linie abfallenden Polster im Nasenloch werden von einer dünnen, glatten Epidermis und unpigmentirten Cutis überzogen, daher die weisse Farbe derselben. Geschichtetes Epithel kleidet den Vorhof aus. Die Art des Verschlusses ist, wie aus dem Gesagten hervorgeht, dieselbe wie bei den Hydrophidiern. Ganz erstaunlich ist der Blutreichthum des Gewebes des Kopfes bei Chersydrus auch an andern Stelleu, so dass grosse lacunäre Blut- räume an Querschnitten durch gewisse Partien des Kopfes dessen Haupt- masse ausmachen. Im Längswulst, welcher den Boden des Vorhofs in dessen vorderm Abschnitt einnimmt, trifft man noch einen röhrenförmigen, vorn und hinten blind endigenden Hohlraum, der mit einschichtigem Platten- epithel ausgekleidet und mit einem Gerinnsel angefüllt ist, in dem ganz kleine Zellen zerstreut liegen. Die Bedeutung dieser Bildung ist mir unbekannt. Einer besondern Erwähnung bedarf noch die Einmündung der Nasendrüse. Auf Querschnitten trifft man das Cylinderepithel der eigenthchen Nasenhöhle zuerst auf dem Boden (Fig. 13). Es erklärt sich das aus der schräg nach hinten und unten absteigenden Führungs- linie durch Vorhof und Nasenhöhle; bei Schnitten, die rechtwinklig zur horizontalen Längsaxe des Kopfes stehen, muss zuerst der ventrale Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 425 Theil der Nasenhöhle in den Schnitt fallen. An dieser Stelle nun zweigt sich eine röhrenförmige Ausstülpung des Vorhofs lateral und nach hinten ziehend ab (Fig. 13 *), und in deren hinteres Ende mündet der nur ganz kurze, mit hohem Cylinderepithel ausgekleidete Aus- führungsgang der Nasen drüse. Es besteht also hier das eigenthüm- liche Verhältniss, dass die Nasendrüse, vom morphologischen Standpunkt betrachtet, in den Vorhof, bezw. dessen seitliche Ausstülpung mündet; functionell aber fällt die Mündung an die Grenze von Nasenhöhle und Vorhof, da, wo jene Ausstülpung sich abzweigt. 3. Bei den Homal opsid en. In Bkonn's Classen und Ordnungen (8) heisst es von den Nasen- löchern der Homalopsiden, sie seien mit einer Klappe versehen, wie dies auch Cantor (I) angiebt. Solche sind indes hier ebenso wenig wie bei den Hydrophidiern vorhanden. Der Nasen Verschlussapparat hat zwar einen ganz andern Bau, seine Function beruht aber auf demselben Princip : automatischer Ver- schluss durch cavernöses Gewebe, Oetfnung durch Muskelzug. Als Vertreter sei Cerberus rhynchops Cuv. herausgegriffen, weil ich von dieser Art das am besten conservirte Material (aus der Senckenberg- schen Sammlung) besass. Die Nasenlöcher hegen als sichelförmige Spalten, mit nach vorn gerichteter Convexität, auf der Oberseite der Schnauze (Fig. 6). Da sie weiss gerandet sind, heben sie sich deutlich vom bleigrauen Grunde ab und sind verhältnissmässig leicht zu sehen, während sie beispiels- weise bei Homalopsis buccata Kühl im schwarzen Nasenschild selbst mit der Lupe schwer erkennbar sind. Der Vorhof bildet die vertical nach unten gehende Fortsetzung der Nasenöffnung, seine Vorderwand ist daher coucav (Fig. 7 vr), seine Hinterwand ihr) convex und genau in erstere passend. Die Form von Nasenloch und Vorhof kann man sich am besten vorstellen, wenn man sie sich durch den Einstich eines feineu Hohlmeissels hervorgebracht denkt. Unten setzt sich der Spalt des Vorhofs ein Stück weit nach vorn und nach hinten unter die Vorder- bezw. Hinterwand fort, so dass er im Sagittalschnitt etwa diese Form : 1 (eines umgekehrten T) hat (Fig. 14). Aus der Tiefe der hintern Rinne erhebt sich eine horizontal gelagerte, dünne, mit Pflasterepithel bedeckte Hautfalte. Die Nasenhöhle liegt vorn medial vom Vorhof und tiefer als dieser (Fig. 7 nh). Die Verbindung beider Hohlräume kommt dadurch zu 426 LUDWIG KATHARTNER, Stande, dass der annähernd horizontale Boden des Vorhofs an der Grenze zur Nasenliöhle, unter der medialen Ecke des Nasenlochs, schroff nach innen und unten abfällt und so in die Seitenwand der Nasenhöhle übergeht. An dieser Stelle hört auch das Pflasterepithel auf und beginnt das Cylinderepithel (Fig. 7). Wenn beim lebenden Thier die convexe Plinterwand des Vorhofs (Fig. 7 Tir) sich in die Concavität der Vorderwand {vr) einlagert, ist sowohl das Nasenloch geschlossen als auch das spaltförraige Lumen des Vorhofs aufgehoben. Würde nun letzteres durch Auseinander- weichen der beiden Wände hergestellt und das Nasenloch dadurch zu- gleich geöffnet, so könnte trotzdem noch keine Luft von aussen in die Nasenhöhle eintreten, da ja der Vorhof nach unten hin durch seinen Boden abgeschlossen ist. Letzterer müsste erst noch gesenkt werden. Dass auf diesem aus den äussern Formverhältnissen abgeleiteten W'ege nun auch wirklich Verschluss und Oeffnung zu Stande kommen, dafür spricht der mikroskopisch-anatomische Befund in überzeugender Weise. Die wulstige Kückwand des Vorhofs wird in ihrer Hauptmasse von Muskelbündeln gebildet, die von der Umhüllung der nach hinten vom Nasenloch gelegenen Nasendrüse entspringen und in sagittaler Richtung nach vorn verlaufen. Zwischen ihnen liegen zahlreiche Blut- räume (Fig. 14). Durch Contraction dieser Muskeln wird die Hinter- wand des Vorhofs aus der Vorderwand nach hinten herausgehoben und so Nasenloch und Vorhof geöffnet. Die Vorderwand bleibt dabei in ihrer Lage und Form unverändert; sie besteht aus Bindegewebe und ist durch eine Knorpelplatte (Fig. 14 nh) gestützt. In der form- veränderlichen Rückwand fehlt eine solche. Die zur Eröffnung des Zuganges zur Nasenhöhle erforderliche Senkung des Vorhofbodens wird bewirkt durch ein Muskelbündel, das vom Praemaxillare {pmx) ent- springend fächerartig in ihn einstrahlt. Wirken beide Muskelgruppen gleichzeitig, so wird das Nasenloch geöffnet, das Lumen des Vorhofs hergestellt und der Eingang von diesem in die Nasenhöhle freigemacht. Dies geschieht, wenn die Schlange an der Wasseroberfläche athmet, sonst ist die Nasenhöhle automatisch von der Aussenwelt abgesperrt. Bezüglich der Nasendrüse ist noch Folgendes zu bemerken : Sie liegt, nach hinten vom Nasenloch, der lateralen Wand der Nasenhöhle an. Ihre Mündung liegt in der Tiefe des nach hinten gehenden Spaltes des Vorhofs und zwar da, wo dieser im medialen Winkel endet, also genau an der Grenze zwischen Vorhof und Nasenhöhle. Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 427 Es wurden noch Homalopsis huccata Kühl und HypsirMna en- hydris Gray untersucht, die aber beide keine nennenswerthen Unter- schiede gegenüber dem von Cerherus geschilderten Verhalten zeigten. 4. Bei Tropidonotus viperinus Boie. Die Vipernatter wurde als Vertreter der den Aufenthalt am und im Wasser liebenden Gattung Tropidonotus deshalb gewählt, weil ich von dieser Art eine grössere Anzahl lebenden und conservirten Materials zur Verfügung hatte, hauptsächlich aber, weil sie in ihrem Vorkommen durchaus an das Wasser gebunden ist. Sie hält sich Stunden lang freiwillig unter dem Wasserspiegel auf und geht dort ausschliesslich ihrer aus Kaulquappen, Fröschen und Fischen bestehenden Nahrung nach. Während bei den seither besprochenen Formen die Function des Nasenverschlussapparats nur aus dem anatomischen Befund erschlossen werden konnte, beobachtete ich bei der Vipernatter seine Wirksamkeit auch am lebenden Thier. Wie schon gesagt, liegt diese Schlange mit Vorliebe auf dem Grunde des Gewässers, besonders gern unter Steinen, um zu ruhen oder auf Beute zu lauern. Ihre seitlich gelegenen Nasenlöcher erscheinen dann vollkommen ausgefüllt durch eine Hautpartie, welche sich nach oben und hinten ohne deutliche Grenze in die Haut der Umgebung fortsetzt; im übrigen Umfang des Nasenloches liegt sie dicht dem scharfen Rande desselben an (Fig. 8). Befindet sich der Kopf der Schlange ausser- halb des Wassers, so sieht man auch dann die Nasenlöcher ver- schlossen ; in bestimmten Zwischenräumen aber wird jene Hautpartie etwas nach innen eingezogen, so dass nun eine mehr oder minder weite Spalte zwischen ihr und dem Vorderrand der NasenöÜnung klafft^). Bei erregter Athmung verschwindet sie fast ganz nach innen, und der Naseneingang stellt ein rundliches Loch dar (Fig. 9). Die 1) Dass die Nasenlöcher auch ausserhalb des Wassers verschlossen sind und nur während der Athmung geöffnet werden, ist deshalb nicht ganz leicht festzustellen, weil die Thiere bei der Annäherung des Beobachters Anfangs immer in eine gewisse Erregung gerathen, die naturgemäss mit mehr oder minder lebhafter Athmung einhergeht. Ich habe, seit einem Jahre etwa, in unmittelbarer Nähe meines Arbeits- platzes 10 lebende Vipernattern ; dieselben sind an die Beobachtung durch mich so gewöhnt, dass dadurch ihr normales Verhalten kaiim mehr beeinflusst wird. 428 LUDWIG KATHARINER, Bewegung der Hautpartie hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der einer nach innen aufgebenden Thüre. Der Hohlraum, in den man bei tiefer Atbraung hineinsieht, ist der Nasenvorhof, an den sich nach innen die Nasenhöhle selbst an- schliesst (Fig. 10, 15). Wie bei Plaiurus öffnet sich nämlich der Vorhof von der Seite her in die Nasenhöhle, und seine Fülirungslinie biegt, wie dort, rechtwinklig in die der letztern um. Eine weitere Aehnlichkeit zeigt die Form des Vorhofs ; er ist in dorsoventraler Richtung am ausgedehntesten, sein Dach fällt mit dem obern Rande des Nasenlochs zusammen, während sein unteres Ende in der Höhe der Sockeln der Oberkieferzähne liegt. Seine Vorderwand ist concav, die Hinterwand convex. Unter der Epidermis der letztern findet sich ein der Hauptmasse nach aus grossen Bluträumen und Muskelbündeln bestehendes cavernöses Gewebe (Fig. 15). In den Athempausen, bei erschlaffter Musculatur, wölbt der Blutdruck die Hiuterwand so weit vor, dass sie sich dicht an die durcli eine Knorpellamelle versteifte Vorderwand anlegt und zugleich auch das Nasenloch von innen her verschliesst. Die Muskelbündel entspringen grössten Theils von der knöchernen Kapsel, welche das JACOBSON'sche Organ {J. 0.) ein- schliesst. Dass bei der Athmung das Blut aus den subepidermidalen Ge- webslücken nicht nur durch die Muskelcontraction hinausgepresst wird, sondern bei der Einathmung auch einer Aspirationswirkuug unter- liegt, kann man leicht am lebenden Thier beobachten. Während nämlich bei der Inspiration das betreffende Gewebe collabirt, schwillt es bei der Exspiration wieder etwas durch das Zurücktreten des Blutes in dasselbe an, so weit die contrahirten Muskeln dies zulassen. Auch bei Tr. viperinus ist, wie bei Platurus^ zwischen Vorhof und Nasenhöhle eine noch von Epidermis überzogene, senkrechte Haut- falte (f) vorhanden. In der Furche zwischen dieser Falte und der Hinterwand des Vorhofs, also noch in diesen selbst, mündet die Nasen- drüse (Fig. 10, 15 *). Auf Querschnitten durch den noch vor dem Nasenloch ge- legenen Theil der Schnauze trifft mau unter dem knorpligen Nasen- dache auf zahlreiche, dicht an einander gelagerte Schläuche, welche nach hinten horizontal verlaufen und sich in die vorderste Bucht des spaltförmigen Hohlraums öffnen, in dem Vorhof und Nasenhöhle ihr gemeinsames vorderes Ende erreichen (Fig. 10 * u. Fig. 16). Die Zellen, welche diese Schläuche auskleiden, sind kurz cylindrisch, fast cubisch, durchaus ähnlich denen der lateralen Nasendrüse; ihr Kern Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 429 ist grundständig, und peripher von ihm füllt eine homogene, mit Hämatoxylin färbbare Masse die Zelle aus. Die vorderste Bucht von Nasenhöhle und Vorhof ist mit einem Gerinnsel erfüllt. Ich möchte vermuthen, dass es sich um tubulöse Schleimdrüsen handelt. Eine mediale Nasendrüse kommt bekanntlich auch bei Che- loDiern zur lateralen hinzu. Die functionelle Bedeutung des Nasenverschlusses. Wir haben im Verschlussapparat der Nase der Wasserschlangen einen ähnlichen Anpassungscharakter an das Wasserleben zu erblicken, wie Th. Beer ^) einen solchen am Auge gewisser Wasserthiere, der Cephalopoden und der Fische, nachgewiesen hat. Das Auge derselben ist in der Ruhe für das deutliche Sehen in der Nähe eingestellt, ent- sprechend der relativen Undurchsichtigkeit des Mediums, in dem es fast ausschliesshch gebraucht wird; nur dann tritt der Accommodations- mechanismus in Thätigkeit, wenn ausnahmsweise einmal ein deutliches Sehen in die Ferne erforderlich wird. Die Fische treten dadurch in Gegensatz zu allen andern, für gewöhnlich in der Luft sehenden Wirbelthieren; bei diesen liegen die Verhältnisse gerade umgekehrt, wiederum in Uebereinstimmung mit der Beschaffenheit des für sie vorwiegend in Betracht kommenden Mediums: ihr Auge vermag ohne weiteres deutlich in die Ferne zu sehen und wird für die Nähe accommodirt. Die besprochenen Schlangen halten sich mehr unter als über dem Wasser auf, ihre im Gegensatz zu den das Land bewohnenden Formen geschlossene Nase ist ohne weiteres gegen das Eindringen des Wassers geschützt. Erst während der wegen der hohen Lungencapacität nur in grossen Zwischenräumen auftretenden und daher relativ kurzen Zeiten der Respiration wird Muskelarbeit zum Eröffnen des Eingangs zur Nasenhöhle beansprucht. Man wird noch die Frage ins Auge fassen müssen, welche phy- siologischen Gründe den Verschluss der Nase überhaupt nützlich oder nothwendig erscheinen lassen. Ständen die Athmungsorgane mit der Aussenwelt in offener Ver- bindung, so würde beim Untertauchen die in den Lungen mitgenom- mene Reserveluft, sei es in Blasenform oder durch Diffusion, entweichen 1) Th. Beer, Die Accommodation des Fischauges, in: Arch. ges. Physiol., V. 58, und Die Accommodation des Cephalopodenauges, ibid., V. 67. 430 LUDWIG KATHARINEß, und an ihre Stelle Wasser eintreten. Der Weg aus und in die Lunge kann nun an zwei Stellen verlegt werden, am Eingang zur Nasen- höhle und am Kehlkopfeingang. Die Kehlkopfverschliesser brauchen nur dann in Function zu treten, wenn die Schlange unter Wasser das Maul öffnet, etwa um ein Beutethier zu fassen und zu verschlingen. Sonst aber sind sie durch den Nasenverschluss entlastet, denn das durch seinen Blutreichthum turgescente Gewebe der Mundschleimhaut ermöglicht einen vollständig wasserdichten Verschluss des Maules; ausserdem liegt der Kehlkopfeingang auf einer kugelartigen Erhebung des Mundbodens, welche bei geschlossenem Maul sich in eine die Choanenmündungen enthaltende Vertiefung am Dache des Rachens einlagert. Es erscheint aber weiter plausibel, dass jener Abschluss der Nasenhöhle gegen das Wasser die weitere Aufgabe hat, das in ihr untergebrachte Sinnesepithel vor der Berührung mit Wasser zu be- wahren. Nach einer von Leydig bestätigten Angabe Max Schultze's sind die Riechhaare der Eidechsen ausserordentlich empfindlich gegen Wasser. Dasselbe scheint auch für die Seeschildkröten zuzutreffen. Hoffmann (8, p. 224) hält es für wahrscheinlich, dass in Folge der Einrichtung der Nasenhöhle und des Drüsenreichthums ihrer Schleim- haut, deren Secret sie erfüllt, niemals Seewasser in den olfactorischen Raum gelangt; für diese Annahme spricht ihm auch die Verliornung der obern Schichten des Pflasterepithels. Es liegt nun die Ver- muthung nahe, dass, wie bei den erwähnten Reptilien, auch bei den Schlangen das Sinnesepithel unter der Berührung mit Wasser leiden würde und dass es durch den Nasenverschluss davor bewahrt wird. Auch unter den solenoglyphen Giftschlangen findet sich eine ausschliesslich am Wasser vorkommende Art: Ancistodron piscivorus IIdlbrook. Ich erhielt je ein Exemplar dieser seltenen Schlange aus dem Museum of Comparative Zoology in Cambridge, Mass., durch Herrn S. Garman, und vom U. S. National Museum in Washington durch Herrn L. Stejneger zur Untersuchung übersandt, wofür ich beiden Herren meinen herzlichsten Dank ausspreche. Ein Nasenver- schlussapparat war bei dieser Schlange aber nicht zu entdecken. Leider vermag ich aus der Literatur nicht zu ersehen, ob dieselbe sich lange unter Wasser aufhält; vielleicht, dass sie nur gelegentlich des Fischfangs auf kurze Zeit unter die Oberfläche geht. t)ie Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 431 II. Die Nase als Greruclisorgaii. Wenu wir bei der Besprechung der Nase der Wasserschlangen als Sinnesorgan dieselbe Reihenfolge der einzelnen Gruppen wie vor- her einhalten, so tritt uns dasselbe in aufsteigender Organisations- höhe entgegen, so weit für diese die räumliche Ausbreitung des Riech- epithels als maassgebend angesehen werden kann. Am unvollkommensten bei den Hydrophidiern und Chersydrus, erscheint das Geruchsorgan bei den Homalopsiden schon bedeutend höher, endlich am besten bei der Vipernatter entwickelt, welche in dieser Beziehung den Uebergang zu den auf dem Lande lebenden Schlangen vermittelt. 1. Bei den Hydrophidiern. Bei Enhydris hardtwicJcei Gray ist der Vorhof gegen die eigent- liche Nasenhöhle durch eine ringförmige Furche, in welcher die Nasen- drüse mündet und in der das Pflasterepithel in das Cylinderepithel übergeht, scharf abgesetzt. Ihrer Form nach ist die Nasenhöhle im Querschnitt rundlich; weiter nach hinten hat sie die Gestalt eines stehenden, nach dem Nasen- rachengang zu die eines liegenden Ovals. Ihre Epithelauskleidung besteht aus Flimmer- und Becherzellen, und nur ein schmaler, kurzer Streifen am Dach wird von Riechzellen gebildet. Derselbe ist in seinem vordem Abschnitt rinnenförmig einge- ». senkt (Fig. A); der vorderste Abschnitt dieser Rinne läuft in ein kurzes, blind endigendes Rohr aus. Während im Be- reich des Riechepithels Drüsen fehlen. Fig. A. Querschnitt durch die Nasenhöhle von Enhydris hardtwickei Gray. Das Sinuesepithel ist durch Strichelung bezeichnet. Die Buchstaben haben die in der Figurenerklärung zu den Tafeln ange- gebene Bedeutung. 20 : 1. kommen im respiratorischen Epithel vereinzelt kurze, mit Becher- zellen ausgekleidete Krypten vor. Besonders beachtenswerth erscheint das gänzliche Fehlen einer Nasenmuschel. Das Knorpelblatt, welches die laterale Wand der Nasenhöhle bildet, ist, deren Form entsprechend, nach aussen gewölbt, ohne Spur einer Einfaltung. Es verdient dies, wie später erörtert werden soll, namentlich mit Rücksicht auf die mächtige Ent- Zool. Jahrb. XIII. Abth. f. Syst. 29 432 LUDWIG KATHARINER, Wicklung der Naseiidrüse, hervorgehoben zu werden. Diese gliedert sich in etagenweise über einander liegende, durch Bindegewebe von einander getrennte Läppchen, sendet einen Zipfel nach vorn an die Seite des Vorhofs, und erreicht ihre grösste Ausdehnung am vordem Abschnitt der Nasenhöhle, deren lateralen Umfang sie umfasst (Fig. A). So viel ich sehe, hat sie 2 Mündungen, eine im lateralen und eine im ventralen Theil der den Vorraum und die Nasenhöhle trennenden Ringfurche. Das jACOBSON'sche Organ beginnt etwas hinter dem Nasenloch, liegt unterhalb des Vorhofs und endigt unter dessen hinterer Grenze. Bei Pdamis hicolor Daud. steht das Sinnesepithel gleichfalls in einer rinnenförmigeu Vertiefung, an deren hinterm Ende aber breitet es sich auf das ganze Dach aus. Auch kommen einige wenige, kurze Drüsenschläuche (2—3) im Sinnesepithel vor, BowMAN'sche Drüsen. Dass eine Nasendrüse fehlt, wurde schon früher hervorgehoben. Merk- würdig erscheint der Umstand, dass die continuirliche Schicht von Pigmentzelleu, welche im Vorhof, der Nasenhöhle und dem Ductus naso-pharyngeus das subepitheliale Bindegewebe durchsetzt, unter den Sinneszellen fehlt. Eine eigenthümliche Lage hat das JACOBSON'sche Organ. Das- selbe liegt nicht unter der Nasenhöhle, sondern ist bis über den Vor- hof nach vorn verschoben; sein hinteres Ende fällt mit dem Hinterrand des Nasenloches zusammen, nach vorn reicht es noch ein Stückchen über dessen Vorderrand hinaus. Bei Platurus coluhrinus Schn. besetzt das Riechepithel nicht nur die Decke der Nasenhöhle, sondern reicht ein Stück weit an der lateralen Wand, an der medialen sogar bis zum Boden herab. Bow- MAN'sche Drüsen sind innerhalb desselben sehr zahlreich vorhanden. Das aus langen Wimperzellen und einzelnen Becherzellen zusammen- gesetzte respiratorische Epithel sitzt auf der in dichte, hohe Längs- falten gelegten Schleimhaut am Boden und im lateralen untern Winkel. Eine Nasenmuschcl fehlt auch hier. Das jAcOBSON'sche Organ er- streckt sich unterhalb des mittlem Drittels der Nasenhöhle. 2. Bei den Acrochordiden. Bei Chersydrus granulatus Güntil ist das Geruchsorgan sehr un- vollkommen entwickelt wegen der geringen Ausdehnung der Nasen- höhle; dieselbe hat die Form eines Ganges von rundlichem Querschnitt mit kleinem Durchmesser. Ihre Epithelauskleidung verhält sich folgendermaassen : Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 43a Am Boden und der untern Hälfte der lateralen Wand sind Flimmer- und Beclierzellen gemischt. Im obern seitlichen Winkel liegen die Becherzellen gruppenweise zwischen den Flimmerzellen eingesenkt. Die mediale Hälfte der Decke ist zu einer mit Sinneszellen ausgekleideten Rinne vertieft; auch trill't man daselbst BowMAN'sche Drüsen, während solche im Riechepithel der medialen Wand fehlen. Nach hinten wird das Sinnesepithel all- mählich von beiden Seiten her eingeengt und erhält sich eine Strecke weit nur noch in dem Winkel zwischen Decke und Mittelwand der Nasenhöhle. Zugleich beginnen im submucösen Bindegewebe zwischen dem knorpligen Dach und der Nasenscheidewand grosse Bluträume aufzutreten, welche die Schleimhaut weit von der Nasenwand abdrängen. Beim Uebergang in den Ductus naso-pharyngeus breiten sich diese Bluträume auch in der Seitenwand aus, zwischen ihnen steigen vom knorpligen und knöchernen Dach radiär zur Auskleidung des hier sehr engen Lumens Bündel contractilen Gewebes herab. ^-NcL 3. Bei den Homalopsiden. Bei Cerberus rhynchops Cuv. liegt das Vorderende der Nasenhöhle nach innen und unten vom Vorhof; sie dehnt sich nach hinten be- sonders nach der Seite hin aus und zieht über das JACOBSON'sche Organ weg. Am Grunde der Nasenhöhle findet sich ein Schleimhaut- lappen (Fig. 7 w), welcher von der medialen Wand ausgeht und lateral einen freien Rand besitzt. Das Riechepithel, mit einge- streuten BowMAN'schen Drüsen, besetzt vorn die mediale Wand sowie die angrenzende Hälfte des Daches und Bodens. Die es tragende Schleimhaut setzt sich mit scharfem Rand gegen den re- spiratorischen Theil ab. An der Stelle der grössten Ausdehnung des Sinnesepithels bleibt nur der laterale untere Winkel von ihm frei. Oberhalb des hintern Ab- schnitts des jACOBSON'schen Or- gans beginnt an der lateralen Wand der Nasenhöhle ein Schleimhautwulst aufzutreten, welcher durch einen Knorpelstreifen mit freiem Rand gestützt ist. Da derselbe 29* Fig. B. Querschnitt durch die Nasen- höhle von Cerberus rhynchops Cuv. 20 : 1. 434 Ludwig KATHARiNEü, Riechzellen trägt, haben wir in ihm eine, wenngleich wenig entwickelte Muschel vor uns (Fig. B c). Die nach aussen von ihm gelegene Naseudrüse steht ojffenbar in keiner Beziehung zur Einkrümmung des Knorpelblattes, da dieses ihr seine convexe Fläche zukehrt. 4. Bei Tropidonotus viperinus Boie. Das Sinnesepithel beginnt dem Vorderrand des Nasenlochs gegen- über mit einem Streifen an der medialen Wand, breitet sich alsbald Fig. C b. Fig. C a. Fig. Ca — c. Drei in Zwischenräumen auf einander folgende Querschnitte durch die Nasenhöhle von Tropidonotus viperinus Boie. 20 : 1. auf das Dach und die laterale Wand sowie auf den Boden aus; überall enthält es BowMAN'sche Drüsen in grosser Anzahl, lieber dem JAcOBSON'schen Organ nimmt die Nasenhöhle im Querschnitt die Form eines schräg liegenden Ovals an und ist mit Ausnahme der lateralen untern Bucht — respiratorische Rinne — ganz mit Riechzellen ausgekleidet. Die re- spiratorische Schleimhaut ist in hohe sagittale Falten gelegt. Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 435 Weiter nach hinten wird das Areal des Sinnesepithels noch vergrössert durch das Auftreten eines von ihm bedeckten Muschelwulstes an der lateralen Wand der Nasenhöhle. Die Grundlage der Muschel bildet eine Knorpellamelle, die sich in folgender Weise verhält. Vorn ist dieselbe von aussen her einge- faltet und wölbt sich nach der Nasenhöhle hin vor (Fig. Ca); indem die Einfaltung tiefer und tiefer wird, kommen die einander zugekehrten Flächen der eingefalteten Theile zur Berührung, schliesslich zur Ver- schmelzung und bilden, da sie anftinglich noch ein enges Lumen zwischen sich lassen, auf eine kurze Strecke ein Knorpelrohr, das einen Zipfel der Nasendrüse einschliesst (Fig. Cb). Durch Verschmelzung der Wandung wird das Rohr zum Knorpelstab, welcher mit einer nach unten gerichteten Lamelle sich auf einen aufsteigenden Fortsatz des Präfrontale stützt (Fig. Cc). MiHALcovics (14) will die Muschel der Saurier und Schlangen nicht als echte Muschel, sondern nur als muschelähnlichen Hügel gelten lassen, hauptsächlich weil sie der von Gegenbaur gegebenen Definition nicht entspräche. Mir scheint die Muschel der Homalopsiden und der Vipernatter den nach Mihalcovics an eine echte Muschel zu stellenden Forderungen zu entsprechen : sie ist ein mit schmaler Seite von der Nasenhöhlenwand abgehender Vorsprung, der von Skelettheilen mit freiem Rand gestützt wird. Wenn Mihalcovics meint, der freie Rand einer Nasenmuschel entstehe durch Resorption des untern Theiles der eingebogenen Knorpellamelle, so scheint mir dies für Tr. viperinus wenigstens nicht der Fall zu sein; man kann hier vielmehr von vorn nach hinten Schritt für Schritt die Umgestaltung verfolgen und dieselbe als auf einer Verschmelzung beruhend erkennen. Ueber das Verhältniss der Nasendrüse zur Nasenmuschel. Gegenbaur (13) leitet aus dem Umstand, dass bei den Reptilien häufig die Einbuchtung der die Muschel stützenden äussern knorpligen Nasenwand einen Theil der Nasendrüse aufnimmt, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen beiden Gebilden ab. Die successive Aus- bildung der Drüse war nach ihm begleitet von einer ebenso allmäh- lichen Einbuchtung der Nasenwand. „Aus dem Process entstand nach innen wie nach aussen ein Vortheil, innen für die Riechmembran zur Vergrösserung und aussen für die Drüse." Während Gegenbaur die beiden Processe mehr als neben einander verlaufend ansieht, betont Seydel (11) die Abhängigkeit des Entstehens der Muschel vom 436 LUDWIG KATHARINER, Wachsthum der Drüse. Bezüglich der Schildkröten sagt er: „Der Muschelwulst von Testudo liefert ein schönes Beispiel dafür, wie durch die Entfaltung der Drüse, also durch ein von aussen wirkendes Moment, eine gegen das Lumen gerichtete Hervorragung der Nasen- höhlenwand entsteht, deren Oberfläche zur Ausbreitung der Riech- schleimhaut benutzt wird." Und weiter: „den Anstoss zum erstem (Muschelwulst von Testudo und Emys) giebt die Gl. nasalis externa." Auch MiHALCOvics (14) hält die Entwicklung der Drüse für den primären Vorgang: „So wäre das erste Erscheinen einer Nasen- muschel durch äussere Umstände, hier durch die Einlagerung einer Drüse, bestimmt." Wie wir sahen , ist bei den Hydrophidiern — Feiamis ausge- nommen — und Chersydrus die Nasendrüse wohl entwickelt, trotzdem fehlt jede Spur einer Muschel. Besonders auffallend ist dies bei Fla- turus. Hier liegt die länglich runde Nasendrüse an der Aussenseite der Nasenhöhle, stösst unten an das Maxillare, nach oben an den untern Rand der knorpligen und knöchernen Nasenkapsel. In der zwischen Maxillare und Nasenkapsel befindlichen Lücke bildet sie die directe Begrenzung der Nasenhöhle in deren unterm seitlichen Theil. Obschon dies gerade in der Gegend ihres grössten Durchmessers ist und kein Knorpelblatt ihrer Vorwölbung nach der Nasenhöhle ent- gegensteht, ist doch von einer Vorbuchtung der Nasenschleimhaut nicht das Geringste zu bemerken. Wenn man dieses Verhalten als eine Rückbildung einer vorhanden gewesenen Muschel bei den auch sonst mannigfach von ihren Ord- nungsverwandten abweichenden W'asserschlangen deuten wollte, so hätte man die schwierige Erklärung zu übernehmen, wie denn die Ein- stülpung der Knorpelwand rückgängig gemacht werden konnte, trotz des unveränderten Wachsthumsdruckes der aussen anliegenden Drüse. Weiter finden wir bei den Homalopsiden eine Muschel ohne Ein- lagerung der Drüse; sie muss hier aus andern Gründen entstanden sein als durch den Druck der Nasendrüse, zumal die stützende Knorpel- lamelle dieser ihre Wölbung entgegen kehrt. Wenn sich aber bei der Vipernatter ein Zipfel der Nasendrüse in die Muschelbucht einlagert, so ist das eine ganz selbstverständliche Ausnutzung des ihr gebotenen Raumes. Die Beziehungen beider Gebilde im fertigen Zustand sprechen also durchaus nicht für einen gegenseitigen causalen Zusammenhang. Sehen wir uns aber in der Ontogenie der Schlangen um nach Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 437 [...a einer etwaigen Recapitulation des angenommenen phyletischen Ent- wicklungsprocesses der Nasenmuschel, so finden wir keinen Anhalts- punkt für die in Frage stehende Hypothese. Im Gegentheil. Bei einem Embryo der Kreuzotter von 3 cm Gesammtlänge ist der Muschel- wulst als eine Vorwölbung der lateralen Nasenwand schon da, ehe noch eine Spur von der Nasen- drüse oder von Knorpelgewebe vor- handen ist. Bei einem altern, 5 cm langen Embryo ist die Knorpel- laraelle der Nasenkapsel schon tief eingebuchtet, obschon von der Nasen- drüse noch nichts zu sehen ist (Fig. D). Ich schliesse aus dem Gesagten, dass sich die Nasenmuschel gänz- lich unabhängig von der Nasen- drüse entwickelt ; sie entsteht über- all da, wo das physiologische Bedürfniss für eine möglichst aus- gedehnte Verbreitung des Sinnesepithels vorliegt, und fehlt da, wo dieses Bedürfniss nicht besteht. Fig. D. Querschnitt durch die rechte Kopfhälfte eines Kreuzotterembryos von 5 cm Gesammtlänge. 18 : 1. Die functionelle Bedeutung des Geruchsorgans. Der letzte Fall scheint mir vor allem bei den ausschliesslich im Wasser lebenden Hydrophidiern und Acrochordiden vorzuliegen. Sie erjagen ihre Beute unter der Oberfläche eines Mediums, dessen ständige Bewegung für das Innehalten einer Geruchsfährte an sich möglichst ungeeignet ist. Wollten diese Schlangen trotzdem unter Wasser riechen, so müssten sie Wasser in die Nase einziehen, der ganze Apparat, welcher auf einen peinlichen Abschluss derselben gegen das Eindringen von Wasser eingerichtet ist, wäre dann nutzlos. Eine irgendwie wichtige Verwendung des Geruchsorgans an der Wasseroberfläche lässt sich hinsichtlich ihrer Bedeutung auch nicht denken. Bei der Wasserviper ist zwar das Geruchsorgan gut entwickelt, trotzdem glaube ich, dass es auch hier nur eine beschränkte Ver- wendung findet, und zwar hauptsächlich zur Erkennung der Ge- schlechter in der Paarungszeit. Zum Erkennen der Beute gebraucht die Schlange vor allem den fein entwickelten Tastsinn. Auch das Auge tritt hinter diesem zurück; dasselbe ist ohnedies während der häufigen Häutungen in Folge der damit verbundenen Trübung des 438 LUDWIG KATHARINER, uhrglasförmigen Hautüberzugs, welcher es nach aussen überdeckt, oft Tage lang functionsunfähig. Aber auch sonst wird ein Frosch zum Beispiel selbst in einer Entfernung von wenigen Decimeteru nicht er- kannt, so lange er ruhig sitzt. Springt er aber ins Wasser oder ver- ursacht sonst eine Erschütterung desselben, so geräth die Schlange sofort in lebhafteste Unruhe. Kommt ein Beutethier, etwa ein Fisch, in nächste Nähe der unter Wasser unbeweglich lauernden Schlange, so wird er fast stets erst mit der Zunge betastet, ehe er ergriffen wird ; oft genug entflieht der dadurch erschreckte Fisch noch rechtzeitig. Der Hautsinn und namentlich der in der Zungenspitze localisirte Tast- sinn scheinen beim Aufsuchen der Nahrung Nase und Auge vollständig zu ersetzen. Dass, wie Setdel (11) berichtet, auch den Seeschildkröten und Trionychiden, also gleichfalls echten Wasserthieren, eine Muschel fehlt und bei den Emyden dieselbe und die Pars olfactoria überhaupt weniger entwickelt ist als bei der auf dem Lande lebenden Testudo, spricht gleichfalls für die geringe Bedeutung des Geruchsorgans bei Wasserthieren. Im Gegensatz zum Geruchsorgan ist das JAcoBSON'sche Organ auch bei den Seeschlangen gut entwickelt. Auf die Frage, welche Rolle dasselbe im Leben der Thiere spielt, lässt sich nur das Eine sagen, dass dieselbe nach der ausserordentlich reichen Innervation zu schliessen, welche die des Geruchorgans um ein Mehrfaches übertrifft, eine wichtige sein muss. Welcher Art sie ist, darüber herrscht noch gänzliche Dunkelheit. Dass es sich nicht um ein Geruchsorgan handelt, geht meines Erachtens schon daraus hervor, dass es nur durch einen, dazu engen Gang mit der Mundhöhle communicirt; von einer für das Riechen notwendigen Circulation des sein Inneres erfüllenden Mediums kann daher keine Rede sein. Zusammenfassung. 1) Bei den ausschliesslich oder vorwiegend im Wasser lebenden Schlangen ist der Zugang zur Nasenhöhle — Nasenloch und Vorhof — automatisch durch Schwellgewebe verschlossen; eröffnet wird derselbe nur während der Athmung durch entsprechend angeordnete Muscu- latur, welche das cavernöse Gewebe comprimirt. 2) Der Nasenvorhof hat im Zusammenhang mit dieser Einrichtung namentlich bei den Hydrophidiern und bei Chersijdrus eine sonst bei Schlangen unbekannte Ausdehnung gewonnen. Die Nase der im Wasser lebenden SchlaDgen. 439 3) Bei Pelamis Ucolor fehlt eine Nasendrüse gänzlich; bei den andern im Wasser lebenden Schlangen ist sie gut entwickelt. 4) Das Sinnesepithel der eigentlichen Nasenhöhle ist in seiner Flächenausbreitung um so mehr beschränkt, je mehr die betretfende Schlangenform auf das Wasserleben angewiesen ist. 5) Eine Nasenmuschel fehlt bei den Hydrophidiern und Chersydrus, trotzdem — Pelamis ausgenommen — die Nasendrüse gut ausgebildet ist. Bei den Homalopsiden ist eine kleine Muschel vorhanden, jedoch ohne Beziehung zur Drüse. Die theilweise Einlagerung der letztern in die Knorpelfalte, welche bei Tropidonotus viperinus die Muschel stützt, ist eine secundäre Ausnutzung des vorhandenen Raumes. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten beider Gebilde (Seydel, MiHALcovics) kann aus diesen und aus ontogenetischen Gründen nicht angenommen werden. Ueber das Fehlen oder Vor- handensein der Nasenmuschel entscheiden physiologische Gründe. 6) Ein jACOBSON'sches Organ kommt allen in Frage stehenden Schlangen zu und ist gut ausgebildet. 440 LUDWIG KATHARINER, Literaturverzeiclmiss. (1) Cantor, Th., Observations upon pelagic Serpents, in : Trans, zool. Soc. London, V. 2, 1841. (2 (3 (4 (5 (6; (7 (8 (9 (lo; (11 (12 (13 (14 DumJikil et BiBRON, Erpetologie generale, V. 6, Paris 1844. Schmidt, Pii., Beiträge zur fernem Kenntniss der Meerschlangen, in: Abb. naturw. Ver. Hamburg, V. 2, Abth. 1, 1848. Leydig , F., Die in Deutschland lebenden Arten der Saurier, Tübingen 1872. SoLGER, B., Beiträge zur Kenntniss der Nasenwandung und be- sonders der Nasenmusclieln der Reptilien, in : Morph. Jahrb., V. 1, 1875. Born, Die Nasenhöhle der Saurier, ibid. V. 5, 1879. — , Nasenhöhle und Thränennasengang der anmieten Wirbelthiere, ibid. V. 8, 1883. Hoffmann , C. K., in : Bronn's Classen und Ordnungen , V. 6, Abth. 3, 1890. WiEDERSHBiM, R., Grundriss der vergleichenden Anatomie der Wirbelthiere, 3. Aufl., 1893. West, G. S., On the buccal glands and teeth of certain poisonous Snakes, in: Proc. zool. Soc. London, 1895 (Auszug in: Zool. Anz., V. 18). Seydel, 0., Ueber die Nasenhöhle und das jACOBSON'sche Organ der Land- und Sumpfschildkröten, in : Festschr. Gegenbaur, 1896. Katharinbr, L., Ueber Bildung und Ersatz der Giftzähne bei Gift- schlangen, in: Zool. Jahrb., V. 10, Anat., 1897. Gegenbauu, C, Vergleichende Anatomie der Wirbelthiere, V. 1, 1898. V. MiHAi>covics, V., Nasenhöhle und jACOBSON'sches Organ, in: Anat. Hefte Merkel u. Bonnet, Heft 34/35, 1898. Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. 441 Erklärung der Abbildungen. Allgemein gültige Bezeichnungen. hl Bluträume nd Nasendrüse c Muschelwulst nh Nasenhöhle J. 0 JACOBSON'sches Organ nJc Nasenknorpel J. N Nerven des J. 0 nph Ductus naso-pharyngeus m Muskelbündel nv Nasenvorhof u Nerven sch Schnauzendrüse In den Figg. 3, 7, 10 ist das Epithel der Nasenhöhle zum Unter- schied von dem des Vorhofs durch einen gelben Ton kenntlich gemacht. Tafel 27. Fig. 1. Kopf von Enhydris hardtwickei Gray, von oben. Das Dach des rechten Nasenvorhofs ist vom Nasenloch aus gespalten und nach beiden Seiten aus einander gezogen. Man sieht das cavernöse Polster im Bereich des Nasenlochs, das sich als Längswulst nach hinten fortsetzt und den Boden des Vorhofs bildet. Das Dach des letztern, gleichfalls von cavernösem Bau, nimmt von vorn nach hinten an Dicke zu und endet plötzlich an einer transversalen Furche, welche die Grenze zwischen Vorhof und eigentlicher Nasenhöhle bildet, 4:1. Fig. 2. Kopf von Enhydrina valakadjen Gray, von oben, um die Form und Lage der Nasenlöcher zu zeigen. 2 : 1. Fig. 3. Längsschnitt durch die rechte Kopfhälfte von Pelamis hicolor Daud. Derselbe hat den Vorhof, die Nasenhöhle und den Ductus nasopharyngeus bis zur Choane (ch) getroffen. Der Nasenvorhof kommt an Längenausdehnung der eigentlichen Nasenhöhle nahezu gleich und ist von ihr durch eine scharfe Ringfurche abgegrenzt. 4:1. Fig. 4. Linkes Nasenloch von Platurus laticaudatus L. Die Wand des Vorhofs ist mit kegelförmigen Hautpapillen dicht besetzt. 18: 1. Fig. 5. Kopf von Chersydrus granulatus Günth. Auf dem Grunde der sehr grossen Nasenlöcher erkennt man den weissen Hautüberzug der beiden Verschlusswülste jedes Nasenlochs. 8:1. Fig. 6. Kopf von Cerherus rhynchops Cuv., von oben. Die weiss gerandeten Nasenlöcher sind kleine, sichelförmige Spalten ; der Strich * giebt die Richtung an, in welcher der Schnitt geführt wurde, welcher der folgenden Figur zu Grunde liegt. 2:1. 442 KATHARINER, Die Nase der im Wasser lebenden Schlangen. Fig. 7. Vorhof und vorderer Theil der Nasenhöhle von Cerherus rhynchops der rechten Seite durch einen Schnitt eröffnet, welcher durch die mediale Ecke des Nasenlochs schräg nach hinten geht, vr Vorder- wand, hr Hinterwand des Vorhofs wv, w Schleimhautlappen am Grunde der Nasenhöhle nh. 10 : 1. Fig. 8. Schnauze der Vipernatter, Tropidonotus viperinus Boie, von links bei geschlossenem Nasenloch. 10 : 1. Fig. 9. Dieselbe bei geöffnetem Nasenloch. Der Strich * giebt die Richtung an, in welcher der Schnitt der folgenden Figur gelegt wurde. Fig. 10, Nasen vorhof und Nasenhöhle von Tr. viperinus^ durch einen horizontalen Schnitt freigelegt. 8 : 1. Tafel 28. Fig. 1 1. Querschnitt diirch den rechten Nasenvorhof von JEnhydris hardtwickei Gray, fa Fascie, von welcher die zur Auskleidung des Vorhofs ziehenden Muskeln entspringen. 20 : 1. Fig. 12. Horizontalschnitt durch den linken Vorhof und Nasenhöhle von Platurus coluhrinus Schn. * Furche, in welcher die Nasendrüse mündet, f senkrechte Falte an der Rückwand des Vorhofs. 20 : 1. Fig. 13. Querschnitt durch den linken Vorhof von Chersydrus granuJatus Günth. an der Stelle des Uebergangs in die Nasenhöhle nh, deren Cylinderepithel auf dem Grunde des Hohlraums sichtbar wird. * Seitliche Ausstülpung des Vorhofs, in deren Grund die Nasendrüse mündet. 25 : 1. Fig. 14. Sagittalschnitt durch den rechten Vorhof von Cerherus rhynchops Cuv. pmx Praemaxillare, p Palatinum. 20 : 1. Fig. 15. Horizontalschnitt durch den linken Vorhof von Tropido- notus viperinus Boie. * Furche, in welcher die Nasendrüse mündet. 20: 1. Fig. 16. Querschnitt durch die vor dem Nasenloch gelegene Bucht des rechten Vorhofs von Tr. viperinus. Links von dem spaltförmigen Lumen nv liegen die horizontalen, quer getroffenen, mit cubischem Epithel ausgekleideten Schläuche, welche vielleicht eine mediale Nasen- drüse darstellen. 70 : 1. Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht vorbehalten. Alcyonaceen des Breslauer Museums. Von August Pütter. (Aus dem Zoologischen Institut der Universität Breslau.) Hierzu Tafel 29 — 30. Die im Folgenden beschriebenen neuen oder wenig bekannten Alcyonaceen des hiesigen Museums, welche mir von Herrn Professor Kükenthal gütigst zur Bearbeitung überlassen wurden, sind meist in den 70 er Jahren von Salmin in Ost-Asien gesammelt worden. Bei 2 Stücken, Ammothea ruhriflora n. sp. und Spongodes mucronafa n. sp,, war weder Sammler noch Fundort vermerkt, doch stammen sie wahr- scheinlich gleichfalls aus der Chinasee. Herrn Professor Kükenthal erlaube ich mir an dieser Stelle meinen aufrichtigsten Dank für das dauernde Interesse an meiner Arbeit sowie die beständige Unterstützung und Förderung derselben auszusprechen; ebenso den Herren Assistenten des Zoologischen In- stituts zu Breslau für ihr in jeder Hinsicht liebenswürdiges Entgegen- kommen. Genus Bellonella Gray. 1862. Bellonella (Typus : B. granulata) Gray, in : Proc. zool. Soc. London, p. 35. 1870. Cereopsis Kent, in: Quart. Journ. micr. Sc, V. 10, p. 398. 1886. Itephitrus W. Koch, Diss. Bonn. 1887. Organidus Danielssen, in: Norske Nordhavs-Exp., 1876 — 1878, Zoologi. Alcyonida, Christiania, p. 130. 1899. Nidalia May, in: Jena. Zeitschr. Naturw., V. 33, p. 100. Diagnose: Colonie cylindrisch, mit halbkugligem Kopf, der mit Polypen bedeckt ist. Spicula verschieden. Historisches: Gray stellt 1862 das Genus mit der Diagnose 444 AUGUST PÜTTER, « auf: „Coral cylindrical, formed of a number of subcylindrical tubes agglutinated together and formiug at the top a hemispherical head of subcylindrical prominent cells, which are angular at the tip." 1899 vereinigt May das Genus Bellonella mit Nidalia Gray. Der Beschreibung des Genus Nidalia (1835 Gray, in: Proc. zool. Soc. London, p. 60) liegt aber nur ein Skelet, ohne irgend welche Polypen zu Grunde, auch wird es als verzweigt beschrieben , weshalb eine einigermaassen sichere Identificirung mit Bellonella nicht durchführbar und das Genus überhaupt wohl als unsicher anzusehen ist. Die 1870 von Kent als Cereopsis und 1886 von W. Koch als Itephitrus be- schriebenen Genera wurden von Wright u. Studer als identisch mit Nidalia atlantica Studer erkannt und im Chall Rep. als Bellonella hocagei Kent beschrieben. 1887 stellte Danielssen eine neue Species als Nidalia arctica auf. Die Kenntniss des Genus wurde 1890 von V. Koch durch die Beschreibung von Cereopsis studeri und 1896 von Brundin durch die zweier japanischer Formen, Bellonella rubra und B. cinerea, erweitert. May macht 1899 ausführliche Angaben über Literatur, Synonyma, Historisches und geographische Verbreitung des Genus und beschreibt eine neue Art als Nidalia foliacea. Im hiesigen Museum fand sich eine bisher unbekannte Art, die im Folgenden als Bellonella rigida beschrieben ist. Es dürfte sich empfehlen, die Unterfamilie Organinae, die Danielssen für eine arktische Form aufgestellt hat und in die Studer sein Genus Scliizopliytum rechnet, mit Bellonella zu vereinigen. Als Diagnose der Unterfamilie giebt Danielssen an: „The zoanthodem poor in sarco- soma. The polyp cells long, concreted together into a stem" ; eine Charakteristik, die auf Bellonella völlig zutrifft. Durch die Liebenswürdigkeit der Direction des Bergener Museums war ich in der Lage, eines der Originale von Organidus norden- sJcjöldi Dan. zu untersuchen. Die Nachuntersuchung ergab, dass es sich hier sicher nicht um eine selbständige Species, noch weniger um ein eigenes Genus oder gar Unterfamilie, sondern nur um die Jugend- form einer Bellonella, höchst wahrscheinlich B. arctica (Dan.) handelt. Die Colonie ist 8 mm lang und 4 mm breit, und trägt im Ganzen etwa ein Dutzend Polypen. Ausser der geringen Grösse spricht für die Jugend dieses Stückes das Verhalten der Polypen. Die grössten erreichen die im Verhältniss zur Länge der ganzen Colonie ungewöhn- liche Länge von 4 mm, bei 2 mm Dicke im untern Theil, 1 mm Dicke des Köpfchens; Dimensionen, die denen von Bellonella arctica gleich kommen. Daneben aber finden sich Personen, die nur wenig mehr als Alcyonaceen des Breslauer Museums. 445 die Hälfte der vorigen messen: 2,5 mm in der Länge, bei 1 mm grösster Dicke. An der Basis der Colouie stehen ausschliesslich solche kleine Polypen. Ein Stamm ist bei meinem Exemplar nicht vorhanden, bei dem von Danielssen (1. c. tab. 19) abgebildeten, über doppelt so grossen Exemplar (Länge 20 mm) ist er dagegen schon differenzirt, und bei dem Original von JBelloneUa arctica, das 35 mm lang ist, sind Stamm und Polyparium scharf gegen einander abge- setzt. Es ist also eine stufenweise Entwicklung an den 3 Exemplaren zu erkennen. Als unzweifelhaft zum Genus Bellonella gehörig docu- mentirt sich Organidus auch noch durch die Form seiner Spicula, die durchweg die für dasselbe typischen Formen zeigen : Spindeln, Keulen und Walzen , mit gürtelförmig angeordneten Warzen , sowie seltner Drillinge und Kreuze. Ob Organidus die Jugendform von Bellonella arctica oder viel- leicht einer neuen Species ist, wage ich nicht mit Sicherheit zu ent- scheiden ; kleine Unterschiede sind vorhanden, besonders in der Farbe. So viel steht aber fest, dass die Unterfamilie Organinae, die Dani- elssen auf diese Form gründet, ebenso wie das Genus Organidus einzuziehen und Organidus zu Bellonella zu stellen ist. Da eine zusammenfassende Uebersicht der Arten der Gattung Bello- nella noch aussteht, möchte ich eine solche vorausschicken. Bellonella granulata Gray. 1862. Bellonella granulata Gray, in: Proc. zool. Soc. London, p. 35. Diagnose (nach Gray, 1. c): Coral cylindrical, formed of a number of subcylindrical tubes agglutinated together and forraiug at the top a hemispherical head of subcylindrical prominent cells, which are angular at the tip. The outer surface of the coral is minutely granulär. The polypes are completely retractile; the base of their tubes is strengthened with very minute spicula, placed in a longi- tudinal series parallel to each other. Hab.: ßellona Reefs, 17 fathoms. Bellonella hocagei [Kent]. 1870. Cereopsis hocagei Kent, in: Quart. Journ. micr. Sc, V. 10, p. 398. 1878. Nidalia atlantica Studee, in: Monatsb. Akad. Wiss. Berlin, p. 685. 1886. liepMtrus speciosus W. Koch, Ueber die von Herrn Prof. Dr. Greepf im Golf von Guinea gesammelten Anthozoen, Inaug.-Diss. Bonn. 446 AUGUST PÜTTER, 1889. Bellonella hocagei [S. Kent] Wright and Studer, Chall. Rep., Zool., V. 31, p. 241. Diagnose: Colonie aufrecht unverzweigt, Polyparium abgerundet oder mehr oder weniger spitz zulaufend. Länge der Polypen 2,54 mm. Polypenspicula : warzige Spindeln, theils gebogen, lebhaft roth. Spicula des Cönenchyms: farblos, stärker aber kürzer als die Polypen- spicula. Länge der Spicula (nach Chall. Rep.): 0,45—0,04; 0,36-0,04; 0,32—0,02; 0,24-0,02; 0,16-0,06; 0,12—0,06 mm. Fundort: Portugal, Küste, 27 m. Rolas, Golf von Guinea. Azoren, 824 m. Atlantischer Ocean: Br. 15 <> 52' N., L. 23« 8' W., in 207 m. Bellonella arctica [Danielssen]. 1887. Nidalia arctica Danielssen, in: Norske Nordhavs Exp. 1876 — 1878, Zool., Alcyonida, p. 119. Diagnose: Stamm cylindrisch, Polyparium bildet eine stark ge- wölbte Scheibe, auf der die Polypen dicht gedrängt stehen. Länge der Polypen 4 mm, der Kelche 3 mm. Polypenspicula in Doppel- reihen angeordnet, Spindeln und Keulen, meist bedornt. Spindeln: Länge 0,18—0,32, Dicke 0,028-0,048 mm. Keulen: Länge 0,172, Dicke 0,048 mm. Polypenkelche: Walzen mit sehr starken, gürtelförmig angeordneten Warzen. Länge 0,148—0,164 mm, Dicke 0,064 mm. Spindeln bis 0,36 mm lang, bei 0,052 mm Dicke; Keulen sind seltner. Farbe: Stamm blass gelblichbraun, Polypen gelb, ins Röthliche spielend. Fundort: Nördliches Eismeer, 364 m. 73» 25' n. Br., SV 30' E. An diese Species schliesse ich die von Danielssen als Organidus nordensJcjöldi beschriebene Form an, von der ich oben nachwies, dass sie kein eigenes Genus, noch weniger eine eigene Unterfamilie bildet, sondern nur eine Jugendform darstellt. Die Unterschiede zwischen Organidus nordenskjöldi und Bello- nella arctica sind ungemein gering, nicht nur die Formen, sondern auch die meisten Maasse der Spicula stimmen mit einander überein. Der bedeutendste Unterschied liegt noch in der Farbe: Organidus ist weiss, für B. arctica lautet die Farbenangabe: Stamm gelblichbraun, Polypen gelb, ins Röthliche spielend. Der Fundort von Organidus liegt 475 m tief auf 80» 3' n. Br., 8» 28' E. Alcyonaceen des Breslauer Museums. 44? BeUonella studeri [G. Koch]. 1890. Cereopsis studeri v. Koch, Die Alcyonaceen des Golfes von Neapel, in: Mitth. zool. Stat. Neapel, V. 9, Heft 4, p. 671. Diagnose: Der sterile Theil bildet einen abgestumpften Kegel, dessen kleinere, etwas lappige, ausgezogene Endfläche festsass, während die grössere die Polypen trägt. Kelche nicht deutlich ausgebildet, Länge der Polypen 10 mm, bei 3 mm Dicke. Polypenspicula : lange, warzige Spindeln, in schwachem Bogen gekrümmt; Länge 0,8 mm. Tentakelspicula : meist plumpe, häufig gekrümmte, warzige Nadeln, Länge bis 0,6 mm. Rindenspicula des Polypars: 0,8—0,9 mm lang, und schlanke Nadeln von 0,25 mm Länge. Spicula des Cönenchyms : kräftige, hochwarzige Spindeln, im Innern nur sparsam und kleiner als die ähnlichen der Rinde, die an der Basis des Stammes bis 1 mm lang werden. Farbe: Gelbliche Polypen, Stamm gelbröthlich (in Alkohol). Fundort: Golf von Neapel, etwa 100 m tief. BeUonella rubra Brundin. 1896. Brundin, in : Bihang Svenska Vet. Akad. Handl., V. 22, Afd. 4, No. 3, Stockholm, p. 6. Diagnose: „Colonie cylindrisch oder pyramidenförmig, von derber Consistenz; Polypen meist bis 2 mm von einander entfernt; Spicula der Polypen und der äussern Haut roth." Länge der Polypen bis 2 mm, meist weniger. Polypenspicula: lange, warzige Spindeln, Warzen weniger entwickelt als bei denen der Canalwände, 0,2—0,3 mm lang, in 8 verticalen Reihen angeordnet. Cönenchymspicula gleichen denen der Polypen, haben aber stärkere Warzen ; sie sind 0,2 — 0,3 mm lang. Rindenspicula der Colonie: kleine, mit relativ grossen, ver- zweigten Warzen besetzte Spindeln. Länge 0,07 --0,08 mm, Dicke 0,042 mm. Farbe: Spicula der Polypen und der Rinde ziegelroth. Fundort: Japan, Korea-Strasse und Tsugar-Strasse. BeUonella cinerea Brundin. 1896. Brundin, in : Bihang Svenska Vet. Akad. Handl., V. 22, Afd. 4, No. 3, Stockholm, p. 6. Diagnose: „Colonie cylindrisch, von weicher Consistenz ; Polypen dicht gedrängt stehend; Spicula in allen Theilen des Polypenstocks farblos." Die stets farblosen Spicula haben im Allgemeinen dieselbe Form und Anordnung wie bei BeUonella rubra, nur in der Rinde Zool. Jahrb. XIH. Abth. f. Syst. 30 448 AUGUST PÜTTER, finden sich specilisch eigenthümliche Spicula: kleinere oder grössere Spindeln, charakterisirt dadurch, dass die Basis der Warzen in der Längsrichtung der Spicula ausgezogen ist. Länge der grössern 0,15 —0,18 mm, der kleinern 0,05—0,06 mm. Fundort: Hirudo-Strasse, Japan. Bellonella foliacea (May). 1899. Nidalia foliacea May, in: Jena. Zeitschr. Naturw., V. 33, p. 101. Diagnose: Cönenchymspicula: plumpe Walzen oder unregel- mässig gestaltete Körper, bis 0,57 mm lang und 0,285 mm breit. Rindenspicula : Blattkeulen von 0,12 mm Länge und 0,08 mm grösster Breite. Polypenspicula ähnlich denen der Rinde. Farbe: Die Colonie ist gelblich- weiss. Fundort: Albay (Luzon). Bellonella rigida n, sj), (Taf. 29, Fig. 1.) Diagnose: Auf kurzem, sterilem Stiel erhebt sich ein walzen- förmiges, nach oben verjüngtes Polyparium, mit dicht gedrängt stehenden Polypenkelchen. Polypen völlig retractil. Cönenchymspicula des Polypariums und der Polypenköpfchen: schlanke, schwach ge- bogene Walzen, mit kleinen, unregelmässigen Warzen. Länge 0,247 —0,383 mm, Dicke 0,02 — 0,0264 mm. Rindenspicula des Polypariums : kurze, gedrungene Walzen mit gürtelförmig angeordneten Warzen. Länge 0,059 mm, Dicke 0,013 mm. Spicula des Stammes: grosse, plumpe Walzen mit starken, unregelmässigen Warzen. Länge 0,442 —0,340 mm, Dicke 0,051-0,0425 mm. Farbe: Stamm grauweiss, Polypenkelche hell ziegelroth. Fundort: Japan, Nagasaki. Beschreibung: Es liegen zwei einanander äusserst ähnliche Exemplare vor. Der Stamm, der sich unten membranartig verbreitert, ist etwas abgeplattet, seine Durchmesser sind 10,5 und 8,0 mm. Auf der Oberfläche zeigt er runzlige Längsfalten von etwa 2 mm Breite. Die Höhe des Stammes beträgt bei der der Beschreibung zu Grunde gelegten Form 16 mm, bei der zweiten nur 7 mm. Das Polyparium ist schlank walzenförmig, 56 mm lang, nach oben verjüngt und abge- rundet und dicht mit Polypenkelchen besetzt, die keinen nennens- werthen Raum zwischen sich lassen. Durchmesser der Kelche 2,8— 3,0 mm bei 2,0 mm Länge. Die Länge der ganzen Colonie beträgt 72 mm. Die Polypen sind in die Kelche völlig retrahirt, ihr zwischen Alcyonaceen des Breslauer Museumä. 449 Kelch und Köpfchen gelegenes Mittelstück ist frei von Spiculis, die im Köpfchen in den bekannten 8 Doppelreihen augeordnet und leb- haft roth gefärbt sind. Die Polypen kelche, ausgezeichnet durch sehr zahlreiche, kleine Spicula, sind gleichfalls intensiv roth, bis auf einen schmalen, farblosen Ring, der die achtstrahlige Retractionsfigur des Polypen auf der Kuppe des Kelches umgiebt. Die starke Anhäufung der Spicula giebt der Colonie eine sehr bedeutende Rigidität, besonders dem Stamm, der zum grossen Theil aus den plumpen, walzenförmigen Spiculis besteht, in den aber auch die Polypenröhren bis zur Basis hin eindringen. Auch im Cönenchym fallen die Spicula durch ihre Menge auf. Systematische Stellung: Die neue Art steht gewisser- maassen zwischen Bellonella rubra und B. cinerea Brundin. An B. rubra erinnert sie besonders in der Färbung, weicht aber dadurch ab, dass die Polypenkelche bei ihr, sehr dicht, bei B. rubra dagegen 2 mm von einander entfernt stehen. Die dicht gedrängte Anordnung der Kelche findet sich wiederum bei B. cinerea, die in der Farbe von B. rigida stark abweicht. Unterschiede sind auch in den Dimensionen der Spicula vorhanden. Genus ElewtheroMa n, y. Diagnose: Frei lebende Alcyonaceen mit sterilem Stamm und walzenförmigem, unverzweigtem Polyparium. Eleutherobia japonica n, sp, (Taf. 29, Fig. 2 u. 11.) Diagnose: Charaktere der Gattung. Cönenchymspicula : schlanke Spindeln mit unregelmässig angeordneten Warzen. Länge 0,43 — 0,6 mm, Dicke 0,039 mm. Spicula der Oberfläche: kurze, gedrungene Walzen mit gürtelförmig angeordneten Warzen. Länge 0,0643 — 0,0923 mm, Dicke 0,018—0,024 mm. Länge der Polypen 3,65 mm bei 1 mm Dicke. Die Kelche sind 1,85 mm lang und 2 mm breit. Beschreibung: Es liegt ein in Alkohol conservirtes Exemplar vor. Die Colonie misst 162 mm in der Länge, wovon 117 auf das Polyparium, 45 auf den Stamm entfallen. Dieser ist annähernd cylindrisch, 8,5 mm dick und zeigt auf seiner Oberfläche zahlreiche runzlige Längsfalten, die jedoch sein Ende nicht erreichen, welches im Verhältniss zum übrigen Stamm etwas verdickt ist (es hat 9,5 mm Durchmesser) und wird dadurch bemerkenswerth, dass es nicht die geringste Spur einer Anheftung an fremde Gegenstände zeigt, vielmehr nach Art der Pennatulaceen abgerundet ist und so die Form mit 30* 450 AUGUST PÜTTEE, Sicherheit als frei lebend erkennen lässt. Das Polyparium ist walzen- förmig und unverzweigt, nur etwas unterhalb der Mitte trägt es einen etwa halbkugligen Auswuchs von 9 mm Durchmesser, der zwar für den Habitus der Colonie nicht bestimmend, aber doch bemerkenswerth ist, als Anlage, die bei stärkerer Ausbildung zu einer Anordnung der Polypen in Kätzchen führen würde, wie sie für das Genus Ämmothea charakteristisch ist. Die Polypen sind retractil, doch waren nur sehr wenige völlig retrahirt, die meisten hatten nur ihre Tentakel einge- schlagen, bei einigen waren sie ausgestreckt. Die Kelche der Polypen stehen sehr dicht gedrängt, sie sind stumpfkegelförmig und durch 8 den Septen entsprechende, seichte Längsfurchen gegliedert. Bei völlig retrahirtem Polypen sieht man auf ihrer Oberfläche eine achtstrahlige Figur, an der die Bilateralität des Polypen deutlich erkennbar ist, indem 2 Strahlen eine Symmetrieaxe für die 6 übrigen bilden. Die Kelche erhalten durch ihre überaus zahlreichen Spicula eine sehr be- trächtliche Festigkeit. Deutlich sind 2 Schichten solcher Skelet- elemente erkennbar : die oberflächliche, die von kurzen, walzenförmigen Spicula mit gürtelförmig angeordneten Warzen gebildet wird, und die tiefe, bestehend aus langen, schlanken Spindeln mit unregelmässig ver- theilten Warzen; solche Spicula kommen auch im Cönenchym vor, sie sind hier nicht gerade zahlreich und in der Längsrichtung der Polypen- röhren angeordnet. Auch Spicula anderer Typen, z. B. Vierlinge, kommen überall zerstreut vor. In den Polypen ist das Mittelstück frei von Spicula, die in den Köpfen zu 8 Doppelreihen vereinigt sind, welche in die Tentakel einstrahlen. Im untern Theil dieser Doppel- reihen sind die Spicula roth gefärbt, wie auch die Oberflächenspicula der Kelche, innerhalb der Tentakel dagegen farblos. Sie gehören dem Typus der schlanken Spindeln an, sind aber von den Cönenchym- spicula durch den fast völligen Mangel der Warzen unterschieden. Zu erwähnen sind noch die Spicula der Oberfläche des Stammes, die in der Grösse zwischen den beiden oben beschriebenen Typen stehen und ziemlich plumpe Walzen mit starken, unregelmässigen Warzen dar- stellen, sie liegen dicht gedrängt. Die Polypenröhren reichen bis gegen die Basis des Stammes herab. Farbe: Polypenkelche und -köpfchen hell roth, im Uebrigen grauweiss. Fundort: Japan. Systematische Stellung: Das neue Genus hat in seinem Habitus Aehnlichkeit mit Bellonella Gray, an die es auch in der Form der Spicula Anklänge zeigt; aber die Freilebigkeit der Form Alcyonaceen des Breslauer Museums. 451 zwingt dazu, für sie ein eigenes Genus aufzustellen. Resondere An- passungen an das freie Leben sind bei Eleutherohia nicht zu be- merken, wenn man nicht die geringe Verdickung des Stammes an seinem Ende als den Beginn der Ausbildung eines Apparats ansehen will, wie er bei Pennatulaceen weit verbreitet ist und zum Schutz gegen das Untersinken im Schlamm dient, lieber eine frei lebende Spongodes s. u. S. 456. Genus Afmnothea Sav. 1817. Ammothea (Typus: A, virescens) Savigny, in: Descr. Egypte, Hist. nat., V. 2, Polypes, tab. 2, fig. 6, Paris. Historisches und Synonyma siehe Kükenthal, Alcyonaceen von Ternate, Frankfurt a. M. 1896, p. 126. Literatur siehe May, in: Jena. Zeitschr. Naturw., V. 33, 1899, p. 129. Ammothea rubrißora n. sjj. (Taf. 29, Fig. 3 u. 10.) Diagnose: Mehrfach verzweigte, cylindrische Aeste , einem starken Stamm aufsitzend. Polypen auf sämmtlichen primären und secundären Aesten vertheilt. Abstand derselben an der Spitze der Aeste 1,2 mm, gegen die Basis hin bis 4 mm. Spicula des Polypen- köpfchens: schlank spindelförmig, schwach gebogen mit wenigen, kleinen Warzen. Länge 0,264 mm, Dicke 0,068 mm. Spicula der Aeste: sehr schlanke Walzen, mit unregelmässigen Warzen. An der Oberfläche der Aeste ; Länge 0,459 mm, Dicke 0,034 mm ; im Cönen- chym: Länge 0,901 mm, Dicke 0,0374 mm. Spicula des Stammes: a) plumpe, abgeplattete Walzen mit starken, unregelmässigen Warzen, Länge 0,204 — 0,444 mm, Dicke 0,025 — 0,051 mm. b) kurze, gedrungene Walzen mit gürtelförmig angeordneten Warzen. Länge 0,091 mm, Dicke 0,025 mm, Länge der Polypen 3,5 mm, Dicke 1 mm, Beschreibung: Auf einem 51 mm langen, abgeplatteten Stamm (Durchmesser senkrecht auf einander 17 und 10 mm) erheben sich 2 Haupt- und einige Nebenäste, deren grösste Länge 57 mm be- trägt, so dass die Colonie von der Basis zur Spitze 108 mm misst. Die mehrfach getheilten Aeste sind etwas durchscheinend, man kann in ihnen den Verlauf der Polypenröhren eine Strecke weit verfolgen. Die Polypen sind vorwiegend in Kätzchen angeordnet. An den Enden der Aeste ziemlich dicht gestellt wächst ihre gegenseitige Entfernung gegen die Basis hin auf mehr als das Dreifache. Wenige zerstreute Polypen stehen noch in der Uebergangszone zwischen Aesten und 452 AUGUST PÜTTER, Stamm. Die Oberfläche der Aeste ist mit quer verlaufenden Runzeln bedeckt, während der Stamm wenige schwache Längsfurchen zeigt. Seine Basis ist verdickt und unregelmässig gestaltet, in Folge der An- heftung an seine Unterlage. Die Polypen haben keine Kelche und scheinen nicht retractil zu sein. Ihr Mittelstück enthält wenige Spicula, die im Köpfchen sehr zahlreich und in den bekannten 8 Doppelreihen angeordnet sind. Die Spicula sind sehr vielgestaltig. In den Aesten kommen zwei Grössen sehr schlanker Walzen mit unregelmässigen Warzen vor, denen verschieden gestaltete, kleine Spicula beigemengt sind, die theils einfache Keulen, theils Drillinge und Vierlinge dar- stellen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den SpicuHs der Ober- fläche und denen des Cönenchyms der Aeste ist nicht festzustellen. Die Spicula sind theils roth, theils farblos, in der Oberfläche dicht gedrängt, im Cönenchym spärlicher, in undeutlichen Längszügen an- geordnet. Die Polypenköpfe enthalten lange, schwach gebogene, spindelförmige Spicula, die auch noch durch die geringe Ausbildung der Warzen gekennzeichnet sind. Am unregelmässigsten ist die Form der Spicula des Stammes. Als Durchschnittsformen erscheinen: a) plumpe, abgeplattete Walzen mit starken, unregelmässigen Warzen und b) kleine gedrungene Walzen mit gürtelförmig angeordneten Warzen, doch kommen Formen vor, die sich sehr weit von diesem Typus ent- fernen. Fundort: unbekannt, vielleicht Chinasee? Genus Spongodes Less. 1834. Spongodes Lbsson, K-P. (Typus: Spongodes florida [Esper]), Illustrations de Zoologie, Paris. Synonyma und Diagnose siehe bei Kükenthal, Alcyonaceen von Ternate, Frankfurt a. M. 1896, p. 97. Historisches bei Holm, Beiträge zur Kenntniss der Alcyoniiden- gattung Spongodes Less., in: Zool. Jahrb., V. 8, Syst., 1895, p. 10. Kükenthal unterscheidet folgende Gruppen: L Subgenus Spongodia: Polypen vereinzelt, nicht in Bündeln vereint, an langen, cylindrischen Aesten. H. Subgenus Spongodes: Polypen in Bündeln vereint. A. Glomeratae : Polypenbündel an einander gedrängt, ebenso wie die Aeste. B. Umbellatae: Polypen in Dolden an der Spitze der äussersten Zweige. Alcyonaceen des Breslauer Museums. 453 C. Divaricatae: Aeste wie Polypenbündel aus einander gespreizt. 1. Cylindratae: mit cylindrischen Aesteu. 2. Foliatae: die untern Aeste sind blattförmig verbreitert. Man kennt bis jetzt 69 Sj)ongodes- Arten, zu denen die im Fol- genden beschriebenen 5 neuen Arten kommen. Diese 74 Arten ver- theilen sich auf die einzelnen Gruppen wie folgt: Spongodia 5 Spongodes 69 Glomeratae 23 Umbellatae 16 Divaricatae 30 Cylindratae 12 Foliatae 18 Die hier beschriebenen neuen Arten stammen alle aus der China- see oder von Nordborneo; bei einem Exemplar, Spongodes mucro- nata n. sp., war kein Fundort angegeben, doch gehört sie vielleicht demselben Gebiet an, da sie von demselben Händler, Salmin, stammt. Spongodes sinensis n. sp., Sp. Candida n. sp. und Sp. microspicu- lata n. sp. waren schon von Herrn Prof. Kükenthal als für die Wissenschaft neu erkannt worden und hatten von ihm die genannten Bezeichnungen als nomina nuda erhalten. A. Glomeratae. Spongodes carnea Wrght. Stud. (Taf. 29, Fig. 4.) 1889. Wkight and Studer, in: Chall. Rep., ZooL, V. 31, p. 196. Das vorliegende Exemplar bleibt zwar in seinen Ausmessungen erheblich hinter dem im Challenger-Report beschriebenen zurück, stimmt aber sonst so gut mit den dort gemachten Angaben überein, dass es als Sp. carnea angesehen werden muss. Diagnose: Colonie baumförmig, Hauptäste stark, Nebenäste kurz, cylindrisch. Polypen selten einzeln stehend, meist in Bündeln von 2 — 8. Länge des Stammes etwa ein Drittel der Gesammtlänge der Colonie. Spicula: starke Spindeln, mit regelmässigen, sehr zahl- reichen, kleinen Warzen. Polypenspicula : Länge 0,34—0,85, Dicke 0,034-0,067 mm. Stützbündel: 1 bis 2 Spicula, bis 1 mm überragend. Stützbündel- spicula 2 mm lang, 0,17 dick. Spicula des obern Stammtheils: Länge 1,36—1,70, Dicke 0,204 -0,255 mm. 454 AUGUST PÜTTEK, Spicula des untern Stammtheils : Länge 0,85, Dicke 0,187 mm. Ausserdem zahlreiche kleinere, unregelmässige B'ormen. Spicula der Caualwäude : sehr spärliche, winzige Scheiben. Länge 0,014—0,036, Dicke 0,014—0,036 mm. Länge der Polypen 1,36 mm, bei 0,765 mm Breite. Polypenstiel 0,68 mm lang, 0,34 mm dick; der Polypenkopf setzt sich unter rechtem Winkel an den Stiel. Material: 2 Colonien, die eine noch sehr klein, die zweite, grössere, in zwei Theile gebrochen. Beschreibung: Die aus den beiden Bruchstücken zusammen- gesetzte Colonie ist 74 mm lang, wovon 25 auf den Stamm entfallen, der im Durchmesser 10—11 mm misst. Das Polyparium ist abge- plattet, in einer Ebene 20, in der darauf senkrechten nur 10 mm breit. Die Polypen sind selten einzeln, meist in Bündeln angeordnet, die in den distalen Theilen der Aeste dichter als in den proximalen stehen und auf dem Stamm nur zerstreut vorkommen. Die kleinern Formen der Polypenspicula sind durch einen auffallenden Mangel an Warzen, die bei den grossen so überaus zahlreich sind, charakterisirt. Die Spicula sind, mit Ausnahme des untern Stammtheils und der Canal- wände, sehr gleichmässig gestaltet und vertheilt, sie finden sich immer in zwei Grössenclassen neben einander. Farbe: Polypenspicula ziegelroth, Stamm und Aeste weisslich. Fundort: Ostasiatisches Meer. Spongodes mucronata n. sp, (Taf. 29, Fig. 5.) Diagnose: Massige Colonie mit kurzen, lappigen Aesten, denen dicht stehende Bündel von 8—12 Polypen aufsitzen. Stamm kurz und breit. Spicula : starke Spindeln mit sehr zahlreichen, gürtelförmig angeordneten, kleinen Warzen, zum Theil einfach oder S förmig ge- bogen, von sehr verschiedener Grösse. [0,187-0,255 [0,022 Polypenspicula: Länge | 0,51 —0,56 Dicke \ 0,037—0,043 (l,02 —1,36 [ 0,085 Stützbündel: Ein Spiculum bis 1 mm überragend. Stützbündel- spicula: Länge 2 mm. Breite 0,17 mm. Spicula des obern Stammtheils: Länge 0,85—1,19 mm, Dicke 0,136—0,170 mm. Spicula des untern Stammtheils: Länge 0,68-0,77, Dicke 0,085 —0,17 mm. Ausserdem andere unregelmässige, kleinere B'ormen. Alcyonaceen des Breslauer Museums. 455 Spicula der Canalwände: Länge 1,4—3,5, Dicke 0,17 — 0,31 mm. Länge der Polypen 2 mm, Breite 1 mm. Länge des Polypenstiels 1 mm, bei 0,58 mm Breite. Ansatz des Köpfchens an den Stiel erfolgt im stumpfen Winkel. Material: 1 ziemlich beschädigtes Exemplar. Beschreibung: Die Länge der Colonie beträgt 95 mm. Das massige Polyparium, das im Habitus mehr an ein Alcyonium als an Spongodes erinnert, trägt kurze, halbkuglige Aeste, auf deren Kuppen die Polypenbündel so dicht stehen, dass sie einzeln kaum zu unter- scheiden sind. In den untern Partien erweitert sich ihr Abstand, und es werden Bündel von 8 — 12, zuweilen auch erheblich mehr Polypen erkennbar. Die Form steht Spongodes carnea Wr, et Stud. sehr nahe. Der Hauptunterschied besteht darin, dass die Spicula der Canalwände bei Sp. carnea winzig klein und spärlich, bei Sp. mucronata dagegen die grössten der ganzen Colonie und stark angehäuft sind, auch ist der Habitus ein sehr wesentlich verschiedener. Die Spicula des Polypen- köpfchens sind in Doppelreihen angeordnet, in deren jeder überragende Spicula vorkommen. Farbe: Stamm und Aeste weisslich, Polypen dunkel roth. Fundort: unbekannt (vielleicht Chinasee?). B. ümbellatae. Spongodes sinensis n, siy. (Taf. 29, Fig. 6; Taf. 30, Fig. 12.) Diagnose: Stamm kurz und dick, am Grunde aufgelöst in zahl- reiche, wurzelartige Stolonen. Polyparium reich verzweigt, halbkuglig. Die untern Aeste sind gestielte Blätter. Die Polypen stehen bei den blattförmigen Aesten auf der ganzen Oberfläche zerstreut , einzeln ; im Uebrigen in Dolden von 10—20 Polypen terminal auf den End- ästen. Die Polypen sind 2 mm lang bei 0,85 mm Breite und setzen sich unter stumpfem Winkel an den Polypenstiel an, der 1,3 mm lang und 0,51 mm dick ist. Die Polypen spicula stehen in Doppelreihen von 4 — 6 Paaren, die keine überragende Spicula enthalten. Länge der Polypenspicula 0,34, 0,41, 0,97, 1,53 mm und die entsprechenden Dicken: 0,026, 0,043, 0,068, 0,102 mm. Das Stützbündel enthält Spicula von 2,72 mm Länge und 0,136 mm Dicke und überragt das Köpfchen nur wenig, selten bis 0,5 mm. Die Spicula der ganzen Colonie sind Spindeln mit vielen sehr kleinen, dornartigen Warzen. 456 AUGUST PÜTTER, Ihre Grösse wechselt stark, gebogene Spicula sind nicht selten. Die Warzen sind an den Polypenspiculis verschwindend klein, grösser an den Stammspiculis. Spicula des obern Staramtheils: Länge 1,87, Dicke 0,102 mm. Spicula des untern Stammtheils: Länge 1,7 — 2,6, Dicke 0,17 — 0,22 mm. Spicula der Canalwände : Länge 0,77—0,85, Dicke 0,051—0,085 mm. Beschreibung: Gesammtlänge 48 mm, Breite der halbkugligen Colonie 42 mm. Der dicke Stamm misst nur 6 mm in der Länge, an seine Basis schliesst sich ein Geflecht von wurzelartigen Stolonen an, das in der Längsrichtung der Colonie 10 mm misst, und sich horizontal bis 30 mm ausdehnt. Offenbar ist dieses Stolonengeflecht entwickelt, um ein Einsinken der Colonie in den Schlamm, dessen Reste man an den Stolonen findet, zu verhindern. Eine derartige Vorrichtung ist bei Alcyonarien selten ; meist wird zum Schutz gegen das Einsinken eine Auftreibung des Stammes gebildet, wie sie bei Pennatulaceen gewöhnlich ist, und neuer- dings von Römer u. Schaudinn^) auch an Alcyonaceen auf dem Schlamm der arktischen Tiefe beobachtet wurde, während die von den- selben Forschern ebenda gefundenen Hexactinelliden weit ausgebreitete Stolonen zum Schutz gegen das Untersinken benutzen. Bemerkens- werth ist bei dieser Art, dass ihre untern Aeste nicht wie gewöhnlich „sitzende", sondern gestielte Blätter sind und die Polypen über die ganze Blattfläche vertheilt stehen. Die Tentakel der Polypen enthalten eine einfache Reihe transversal gestellter, farbloser Spicula; unregel- mässige Walzen und Keulen, mit abgerundeten, relativ grossen Warzen. Farbe: Der Stamm, die Stiele der blattförmigen und alle obern Aeste sind weiss ; die blattförmigen Aeste, die Polypenstiele und Köpf- chen rosa bis hell ziegelroth. Die Tentakel weiss. Fundort: Chinasee. C. Divaricatae. 1) Cylindratae. Spongodes Candida n. sp. (Taf. 29, Fig. 7 ; Taf. 30, Fig. 13.) Diagnose: Colonie baumförmig. Stamm ziemlich schlank, Haupt- äste mehrfach dichotomisch getheilt, durchscheinend. Polypen einzeln oder in kleinen Bündeln auf den etwa 3 mm langen Endästen, Länge 1) Römer u. Schaudinn, in: Fauna Arctica, V. 1, Lief. 1, p. 49, 1900. Alcyonaceen des Breslauer Museums. 457 der Polypen 2,38, Breite 0,85 mm; von der Länge entfallen 1,19 mm auf den Polypenstiel, der 0,595 mm breit ist. Die Stützbündel be- stehen aus starken, bedornten, gelben Spindeln von 1,6—2,9 mm Länge und 0,136— 0,200 mm Dicke; meist überragen zwei, seltner drei den Polypenkopf bis 0,85 mm. In diesem sind die Spicula in 8 Doppel- reihen von meist 6 Paaren angeordnet, und dunkel roth gefärbt. Ueber die Reihen ragt je ein grösseres gelbes Spiculum hervor. Polypenspicula: aussen Länge Dicke Länge Dicke Dicke Dicke 0,068 0,077 0,085 0,136 0,068 0,068 0,119 0,170 0,034 0,051 0,085 0,119 (0; 10,' lo,< 034 034 .068 085 f 0,425 innen Länge \o544 Lange 1^^275 Spicula des obern Stammtheils: f 0,68 0,85 Länge < ^ j^g Dicke [iJO Spicula des untern Stammtheils: 0,68 0,731 1,445 1,7 Spicula der Canalwände : 0,204 0,476 0,680 0,850 Die Spicula sind überall Spindeln. Beschreibung: Die Colonie ist 36 mm lang, wovon 16 auf den 7 mm dicken Stamm kommen. Der Stamm ist membranös, ziem- lich schlank und, wie die wenigen grössern Aeste, die rigider sind, durchscheinend. Die Polypen bilden nie grössere Bündel, häufig stehen sie einzeln und sind hauptsächlich an den Enden der Aeste angeordnet. Die Spicula sind in allen Theilen der Colonie Spindeln, aber verschieden modificirt. Während die in der Oberfläche des untern Stammtheils gelegenen sehr gross, breit und mit starken Warzen be- setzt sind, finden sich im Polypenkopf schlanke Spindeln von sehr wechselnder Grösse, die zwar auch sehr zahlreiche, aber winzige Warzen tragen. Die Spicula des obern Stammtheils gleichen denen des untern. In den Canalwänden finden sich nur ganz wenige zer- 458 AUGUST PÜTTER, streute Spicula, die in ihren grössten Formen die Dimensionen der mittlem Rindenspicula erreichen, aber eine entschiedene Neigung zur Reductiou zeigen; die kleinsten Formen messen nur den 4. Theil der grössten. Farbe: Stamm und Hauptäste graugelb. Endäste und Stütz- bündel goldgelb, welche Farbe auch den die Doppelreiben der Polypen- spicula überragenden Spiculis zukommt. Polypenspicula dunkel roth. Fundort: Chinasee. 2) Foliatae. Spongodes flahellifera Stud. 1888. Studer, in: Ann. Mag. nat. Hist., (ser. 6) V. 1, p. 72. 1895. Holm, in: Zool. Jahrb., V. 8, Syst., 1895, p. 43. Beschreibung: Länge der Colonie 186 mm, davon kommen auf den Stamm 64 mm, bei 21 mm Dicke. Die Colonie ist vorwiegend in einer Ebene ausgebreitet, in der sie eine grösste Breite von 66 mm erlangt. Das Exemplar stimmt in seinen specifischen Charakteren sehr gut mit der von Holm gegebenen Beschreibung überein. Die Aus- messungen der Colonie sind erheblich grösser als bei den von Holm beschriebenen Stücken. Spongodes folifera n. sp, (Taf. 29, Fig. 8.) Diagnose: Colonie baumförmig, die untern cylindrischen Aeste blattartig verbreitert, die obern reich verzweigt, schlank. Die Aeste und in geringerm Grade auch der Stamm durchscheinend. Die Polypen stehen terminal auf den Endästen in kleinen Bündeln von 5 — 8 Polypen. Die Länge der Polypen beträgt 1,19 mm, die Breite 0,425 mm. Das Polypenköpfchen setzt unter stumpfem Winkel an den 0,75 mm langen und 0,17 mm dicken Stiel an. Stamm lang, mit starken Längsfalten. Spicula: schlanke Spindeln mit sehr kleinen, zahlreichen Warzen, im untern Stammtheil: plumpe Spindeln mit stärkern Warzen und andere Formen, z. B. Dreistrahler, gleichfalls von plumper Gestalt. . , _.. 10,255-0,425 ^. , f 0,017 -0,034 Polypenspicula : Lange | 0,595-0,935 ^''^'' 1 0,034-0,051 Stützbündelspicula: 1,9 lang, 0,128 breit; ein Spiculum überragt den Polypenkopf nur wenig, meist 0,34 mm. Spicula des obern Stammtheils: Län^e ( "'^^ "^'^ Dicke l O-O^l-O-^O* l.ange \o_289-0,425 10,017-0,026 Alcyonaceen des Breslauer Museums. 459 Spicula des untern Staramtheils: Länge 0,935 — 1,275, Dicke 0,204-0,221. Spicula der Canalwcände: Länge 1,275—1,7, Dicke 0,128—0,119. Beschreibung: Von den 72 mm, welche die Colonie misst, entfallen 30 auf den Stamm, der abgeplattet und mit starken Längs- falten versehen, einen grössten Durchmesser von 12 ram, einen darauf senkrechten kleinsten von 7 mm hat. Die Breite des Polypariums be- trägt in jeder Richtung etwa 16 mm. Die etwa 4 mm dicken Hauptäste tragen zahlreiche Endästchen von 1,5 mm Dicke, auf denen die Polypenbündel sitzen. Die beiden blattförmigen untern Aeste umgreifen den Stamm fast völlig, an ihren Rändern stehen die Polypen einzeln. Farbe: Der Stamm ist lebhaft roth. Die Farbe des Poly- pariums ist ein mattes Rosa, das an den Endästchen intensiver wird. Die Polypenköpfchen sind weiss. Fundort: Ostasiatische Küste. Spongodes micros2)iculata n, sp, (Taf. 29, Fig. 9; Taf. 30, Fig. 14.) Diagnose: Sehr schlanker Stamm. Die untern Aeste blatt- förmig, die obern cylindrisch, schlank dichotoraisch getheilt. Die Polypen stehen an den Blatträndern einzeln, sonst in Bündeln von 3 — 8 Polypen. Die Köpfchen sind klein, 0,34 mm lang, etwa ebenso breit und im rechten Winkel gegen den nicht deutlich abgesetzten Stiel und das Stützbündel geneigt. Ihre kleinen Spicula messen nur 0,119 — 0,221 mm in der Länge und 0,034 mm in der Breite, sind in grosser Zahl vorhanden und in Doppelreihen angeordnet. Das Stützbündel enthält Spicula von 1,45 mm Länge bei 0,1 mm Breite und überragt, meist mit 2—3 Spicula, das Köpfchen um 0,3 — 0,5 mm. Spicula des obern Stammtheils: ziemlich schlanke Spindeln mit wenigen kleinen Warzen. Länge 0,425—1,275 mm, Dicke 0,051 — 0,136 mm. Spicula des untern Stammtheils: starke Spindeln, Dreistrahler und Kreuze, mit gedrungenen Armen von sehr verschiedener Grösse, alle mit starken Warzen besetzt; dicht gedrängt. [0,119 (0,034 Länge j 0,476 Dicke 1 0,255 0,595 0,136 460 AUGUST PÜTTER, Spicula der Canalwände : starke Spindeln mit zahlreichen, grossen Warzen. Länge 0,85 mm, Dicke 0,136 mm. Beschreibung: Die Colonie ist 39 mm lang. Der Stamm misst bei 6 mm Dicke 23 mm in der Länge. Das Polyparium ist in der Horizontalen stärker entwickelt (etwa 18 mm breit) als in der Verticalen (Höhe nur IG mm). Die Endästchen, auf denen ohne deutlich abgesetzten Stiel die Bündel der Polypen aufsitzen, sind etwa 3 mm lang. Farbe: Der Stamm und die untern blattförmigen Aeste sind rosa bis weisslich, die obern dunkel roth; Polypenköpfchen hell gelb. Fundort: Chinasee oder Nord-Borneo. Alcyonaceen des Breslauer Museums. 461 Erklärung der Alblbil düngen. Tafel 29. Fig. 1. Bellonella rigida n. sp. a) Spicula des Polypenkopfes. 90 : 1. b) Spicula des Polypenkelches. 90 : 1. c) Cönenchymspicula des Polypariums. 90 : 1. d, e) Cönenchymspicula des Stammes. 90 : 1. f) Rindenspicida des Stammes. 90 : 1. Fig. 2. Eleutherohia japonica n. g. n. sp. a) Spicula des Polypenkopfes. 90 : 1. b, c) Spicula des Polypenkelcbes. 90 : 1. d) Cönenchymspicula. 90 : 1. e) Rindenspicula des Stammes. 90 : 1. Fig. 3. Ammothea rubriflora n. sp. a) Polypenspicula. 90 : 1. b) Rindenspicula. 90 : 1. c) Cönenchymspicula. 90 : 1. d, e) Spicula der Basis des Stammes. 90 : 1. Fig. 4. Spongodes carnea Wrght. Stud. a, b) Polypenspicula. 38 : 1. c) Spicula des obern Stamm theils. 38 : 1. Fig. 5. Spongodes mucronaia n. sp. a, b, c) Polypenspicula. 30 : 1. d) Cönenchymspicula. 30 : 1. Fig. 6, Spongodes sinensis n. sp. a) Stützbündelspiculum. 25 : 1. b) Polypenspiculum. 25 : 1. Fig. 7. Spongodes Candida n. sp. a, b) Polypenspicula. 38 : 1. c) Spicula des unteren Stammtheils. 38 : 1. 462 AUGUST PÜTTER, Alcyonaceen des Breslauer Museums. Fig. 8. Spongodes folifera n. sp. a) Polypenspiculum. 30 : 1. b) Spiculum des obern Stammtheils. 30 : 1. c) Spiculum des untern Stammtheils. 30 : 1. Fig. 9. Spongodes microspiculata n. sp. a) Polypenspiculum. 90 : 1. b) Spiculum des untern Stammtheils. 90 : 1. Fig. 10. Ämmothea rubriflora n. sp. Natürl. Grösse. Fig. 11. Eleutherobia japonica n. g. n. sp. Natürl. Grösse. Tafel 30. Fig. 12. Spmigodes sinensis n. sp. Natürl. Grösse. Fig. 13. Spongodes Candida n. sp. 2:1. Fig. 14. Spongodes microspiculata n. sp. 2:1. Nachdruck verboten. Ueber setzungsrecht vorbehalten. Verbreitung und Herkunft der hohem Thierwelt Japans. Von Dr. Arnold Jacobi in Berlin. Mit 1 Karte im Text. Durch eigene Untersuchungen über japanische Mollusken ('98) wurde ich auf Fragen über die Zoogeographie Japans hingeleitet, zu deren Klärung die Wirbelthiere dieses Gebiets nützliche Hinweise gaben. Da das Material über diesen Gegenstand in der Literatur sehr zerstreut ist und die Versuche zu seiner Zusammenfassung und Deutung mir der Abänderung in mehr als einer Richtung zu bedürfen scheinen, so halte ich es nicht für unangebracht, eine kurze Uebersicht von der Vertheilung der höhern Thierwelt auf der japanischen Inselgruppe zu liefern und Gedanken über den Werdegang des jetzigen Zustandes daran zu knüpfen. Die mancherlei Lücken in unserer Kenntniss über diesen Gegenstand, welche dabei aufgedeckt werden müssen, mögen hotfentlich für die japanischen Zoologen eine Anregung sein, der so interessanten Faunistik ihrer Heimath mehr Theilnahme zuzuwenden, als bisher geschehen. Dem Beginn der Besprechung möchte ich vorausschicken, dass ich unter „Japan" als thiergeographischer Unterabtheilung nur die Haupt- inseln Jesso, Hondo, Schikoku und Kiuschiu nebst Tsu- schima und dem Archipel der „Sieben Inseln" (Mijako-schima oder Schitschi-To) verstehe, während die Kurilen als rein holarktisch, die Lutschu- und Bonin-Inseln als überwiegend tropisch ausser Be- tracht bleiben. Alsdann stellt sich bei der Betrachtung der Choro- logie heraus, dass die Vertheilung der Fauna über den meridional ge- dehnten Gürtel von Eilanden, der nach Norden sich weit in die sub- arktische Zone, nach Süden aber schon beinahe ins Lebensgebiet der riä- Zool. Jahrb. XUI. Abth. f. Syst. 31 464 ARNOLD JA GOBI, bauenden Korallen erstreckt, eine recht gleichmässige ist ; z. B. kommen von den 154 Species an heiraathsberechtigten Landvögeln 101, also zwei Drittel, gleichzeitig auf Jesso, Hondo und Kiuschiu vor i). Trotz- dem stellen sich zwischen dem nördlichsten Theil Jessos und der süd- lichen Hälfte recht an- sehnliche Unterschiede heraus, die noch mehr ins Gewicht fallen, wenn man die einzelneu Arten auf ihre Herkunft und Verwandtschaft hin untersucht. Man gewinnt dann die Einsicht, dass die japanische Fauna aus Bestandtheilen tro- pischer Einwanderung, holarktischer Einwande- rung und einem ende- mischen Grundstock von gleichfalls holarktischem Typus besteht, und man ist durch die Ver- gleichuug mit geologi- schen Thatsacheu im Stande, sehr interessante Schlüsse auf die Wege jener Einwanderungen und ihren Zeitpunkt mit ziemlicher Wahrschein- lichkeit zu machen. Leider wird diese Arbeit sehr erschwert durch die nicht genug zu rügende Ungenauigkeit, welcher sich die Zoologen bei den Angaben über die Herkunft japanischer Thierarten schuldig machen. Seit dem grossen 1) Ueber die hühern Thiere von Schikoku ist fast nichts bekannt, doch dürften sie sich nur wenig von denen des nahen Hondo unterscheiden. Verbreituni? und Herkunft der höhern Thierwelt Japans. 465 Werk von Temminck u. Schlegel, „Fauna japonica", ist „Japan" eine Vaterlandhezeicbnung gewesen, unter der man sich die Kurilen mit ihrem sibirischen Charakter, das subtropische Kiuschiu, die Korallen- inseln der Lutschu oder irgend eine andere Oertlichkeit von beliebiger Breite und Meereshöhe vorstellen darf. Wenn ferner viele Autoren von systematischen üebersichten bei Anführung des ,,Habitat" gar keine Rücksicht darauf nehmen, ob ein Vogel da oder dort brütend, auf dem Durchzuge oder als zufälliger Irrgast beobachtet wurde, so zeigen sie, dass die Aufgaben einer wissenschaftlichen Thiergeographie ihnen so gut wie fremd sind. Auch das Werk Seebohm's ('90) über die Vogelwelt Japans zeigt in dieser Hinsicht einige Mängel, doch ist es trotz dieser und anderer Unvollkoraraenheiten für die Kenntniss dieser Thierclasse zur Zeit das beste Quellenwerk und diente als Grundlage für die folgenden Darlegungen, die ich unter Benutzung der neuern Literatur möglichst vollständig zu machen gesucht habe. Um mit der Verbreitung der Land- Sau gethiere zu beginnen, stelle ich ein Verzeichniss der Mammalia japonica auf, das die kritischen Beiträge der deutschen Autoren Nehring ('85), W. Blasius ('84) und Rein ('75) verwertet, da das von Wallace ('92) gebotene durch die gewohnte Beschränkung auf englische Literaturangaben fehlerhaft und unbrauchbar ist. Verzeichniss der S ä u g e t h i e r e Japans. 1. Ifacacus fuscaius 2. Rhinolophus ferrum-equinum 3. R. minor 4. Vesperugo pipistrellus 5. V. ahrnmus 6. V. nociula 7. Leuconoe cappacinii macro- dactylus 8. Miniopterus schreibersi 9. Mogera ivogura 10. Urotrichus talpoides 1 1 . Pachyura murina 12. Crocidura dzi-nezumi 1 3. C umhrina 14. Sorex vulgaris 15. Chimarrhogale platycephala IG. Ursus arctos yessoensis 17. ürsus japonicus 18. U. rexi 19. Meles anakuma 20. Maries melanopus 21. M. sibellinns hrachyurus 22. Mustela vulgaris 23. M. erminea 24 Lutreola itatsi 25. Lutra vulgaris 26. Enhydris marina 27. Canis lupus 28. C. hodophylax 29. Nyctereutes procyonoides 30. Vulpes alopex japonicus 31. Lepjus variahilis 32. L. hrachyurus 33. Pteromys leucogenys 31* 466 ARNOLD JACOBI, 34. Sciuropterus monioga 40. E. nezumi 35. Sciurus vulgaris varius 41. Mus argenteus 36. S. lis 42. M. molossimus 37. Tamias str latus 43. Pseudaxis sika 38. Myoxus elegans 44. Nemorhaedus crispus 39. Epimys speciosus 45. 5ms leucomystax Was die Verbreitung der einzelnen Arten anbelangt, so sind wir leider nicht immer in der Lage, uns auf zuverlässige Angaben über den Fauneuantheil der einzelnen Inseln stützen zu können, da die Angaben von Brauns ('83, '84, '84 a) und Fritze ('89— '92) wegen ihrer mangelhaften systematischen Unterlage nur mit Vorsicht zu be- nutzen sind. Doch genügt auch das beschrankte Wissen, das uns über die Chorologie der japanischen Säugethiere zu Gebote steht, um über ihre Herkunft und sogar über die Zeit ihrer Einwanderung mit einiger Wahrscheinlichkeit Schlüsse zu ziehen. Wir wollen zunächst dasjenige Element der Quadrupeden be- trachten, dem man eine Herkunft aus tropischen Gebieten zu- schreiben darf. Die fremdartigste Erscheinung ist ohne Zweifel der rothgesichtige Makak (Macacus fuscatus), ein Atfe, der die waldigen Gebirge von Hondo (und Rein zu Folge auch von Kiuschiu und Schi- koku) bewohnt und dank seinem warmen Pelze allen Unbilden des Winters trotzt; seine nächsten Verwandten {M. arctoides, villosus und lasioiis) finden sich unter ähnlichen Lebensbedingungen auf den grossen Erhebungen von Hochasien. Unter den Flatterthieren haben die kleine Hufeisenuase (Rhinolophus minor) und die auch vereinzelt in Deutschland 1) vorkommende schwarze Gebirgsfledermaus {Vesperuga abramus) eine ausgedehnte Verbreitung in der orientalischen Region; dagegen ist das Vorkommen eines fliegenden Hundes (Pteropus dasy- mallus) auf Kiuschiu wie auch dasjenige eines Schuppenthieres (Manis sp.) nicht bestätigt. Auch die Spitzmaus, Pachyura niurina, ist ein Bewohner vieler tropischer Gebiete Asiens, und ein weiterer Insecten- fresser, die eigenthümliche Chimarrhogale platycephala hat den einzigen Gattungsgenossen (C/^. himalaica) auf den Südabhängen des Himalaya, den Gebirgen Hinterindiens und dem Berge Kina Balu in Nord- Borneo. Die schwarzen japanischen Bären {ürsus japonicus und 1) „Vesperugo naihusii Blas." Verbreitung und Herkunft der höhern Thierwelt Japans. 467 TJ. rexi) schliessen sich an die Arten von Ostasien {TJ. thihetanus) und Forinosa {TJ. formosanus) an; auch der Wolf {Canis hodophylax) hat am meisten Verwandtes mit dem indischen C. paUipes (Nehring '85). Die Nagethiere sehen wir wiederum in einer echt orientalischen Oattung durch das fliegende Eichhorn {Pteromys leucogenys) vertreten. Was endlich die sonderbare Ziegenantilope (Nemorhaedus crispus) an- langt, so treffen wir die übrigen Angehörigen des Genus in ver- schiedenen Gebieten Süd- und Ost-Asiens bis zur Mandschurei. Das Wildschwein (Sus leucomystax) steht den südlichen Arten S. vittatus^ indicus^ taivanus etc. nahe. Es bleibt noch übrig, auf die Vertheilung dieser tropischen Bestandtheile der japanischen Säugethierfauna über die einzelnen Inseln des Gebiets einzugehen ; alsdann stellt sich folgendes Bild heraus: Macacus fuscatus: Kiuschiu, Schikoko, Hondo. Rhinolophus ferrum-equinum 1 ,,. , . . } Kiuschiu, Hondo. „ minor J Pachyura murina: „Süd-Japan". Chimarrhogale j9Za^^cep/. 1 1 1 1 1 3 5 23 4 26 22 10 1Ö~ 6 4 7 IV. Opliidia. 1. Typhlops lineatus Boje 2. „ braminus Daud. 3. „ nigroalbus DB. 4. „ muelleri SCHLEG. 5. Python molurus L. 6. „ curtus Schleg. 7. „ rcticulatus SCHN. 8. Anonialochtltis weheri v. L. de J eud. 9. Cylindrophis rufus Laur. 10. Xeiiopeltis unicolor Reinw. 11. Acrochordus javanicus Hörnst. 12. Chersydrus granulatus SCHN. 13. Xcnodermus javanicus Reinw. 14. Polyodontophis gemmatus BoiE 15. Tropidonotus consjncillatus Gthr. 16. „ trianguUgerus BoiE 17. „ chrysargus So H leg. IH. „ maadatns Edeling 1 9. Macropisthodon flaviceps DB. 20. „ rhodomclax BoiE 21. Opisthotropis rugosa v. L. de J. 22. Elapoides fuscus BoiE 23. Lycodon aulicus L. 24. „ effrcnis Cant. 5 19 1 4 13 15 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 4 8 2 4 1) Auf Sumiitr.i v(i,r. furcata Weber. Reptilien und Batrachier aus Sumatra. 501 w. V.I.JH.I. C. Ph. C. M. Ch. Transport 25. Lycodon albofmcus DB. 26. „ subcinctus BoiE 27. Dryocalarmis subannulatus DB. 28. Zaocys carinatus Gthk. 29. „ ftiscus Gthr. 30. Zamenis korros Schleg. 31. Xenelaphis hexagonotus Cant. 32. Coluber porphyraceus Cant. 33. „ taenwirus Cope 34. „ oxycephalus BoiE 35. „ melanurus Schleg. 36. „ radiatus Schleg. 37. Dend/rophis pictus Gmel. 38. „ formosus BOIE 39. Dendrelaphis caudolineatus Gray 40. Ablabcs tricolor Schleg. 41. „ baliodirus BoiE. 42. „ longicauda Ptrs. 43. (Diadophis bipunctatus Jeude) 44. Pseudorhabdimn longiceps Cant. 45. Simotes j)urpurasccns Schleg. 46. „ octolineatus SCHN. 47. „ signatun Gthk. 48. Oligodon tr iiineatus DB. 49. Calamaria vermiformin DB. 50. „ stdhlknechti Stol. 51. „ margaritifera Blkr. 52. „ (Aoet;e7ii Edeling) 53. „ sumatrana Edeling 54. ,, virgulata BoiE 55. „ leucocephala DB. 56. ,, agamensis Bleek. 57. „ leucogaster Bleek. 58. „ melanntM Jan. 59. Iguanognathus werneri Blngr. 60. Hypsirhina plumbea BoiE 61. „ albomacttlata DB. 62. „ punctata Gray 63. Homalopsis buccata L. 64. Cerberus rhynchops ScHN. 65. Dipsadomorphus multimaculatus BoiE 66. „ dendrophihis BOIE 67. ,, nigriceps Gthr. 68. „ drapiezi BoiE 69. ,, cynodon BoiE 70. Psammodynastes pidverulentus BOIE 71. „ pictus Gthr. 72. Dryophis prasinus BoiE 73. „ fasciolatus Fisch. 74. Dryojihiops rubescens Gray 75. Chrysopelea ornata Shaw 76. „ chrysochlora Reinw. 77. Bungarus fasciatus ScHN. 78. ,, candidu^ L. 19 1 1 2 Il7 |54 13 15 1 6 |50 148 I 15 1 19 6 13 3 502 FRANZ WERNER, w. v.l. H.I. C. B. J.l Ph. C. M. Ch. P. Tran8])ort : 2 17 54 6 50 48 15 10 G 13 3 79. Bungarus flaviceps Reinh. 1 1 1 80. Naja tripudians Merk. 1 1 1 1 1 1 1 1 81. „ bungarus Schleg. 1 1 1 1 1 1 82. Callophis gracilis Gray 1 83. Doliophis bivirgatus BüiE 1 1 1 84. „ intestinalis Lahr. 1 1 1 1 85. Amblycephalus laevis Bote 1 1 1 86. „ nialaccanus Ptrs. 1 1 87. Lachesis monticola Gthr. 1 1 1 1 88. „ purpureomaculatus Gray 1 1 89. ,, gramineus Shaw 1 1 1 1 90. ,, sumatranus Raffl. 1 1 91. „ puyiiccus BoiE 1 1 92. „ borneensis Ptrs. 1 93. „ waglcri BoiE 1 1 1 1 4 !22 67 7 61 55 18 22 1 17 T Batrachia salieutia. 1. Rana kuhli Schleg. 2. „ macrodon KUHL 3. „ limnocharis WiEGM. 4. ,. erythraea Schleg. 5. „ chalconota Schleg. 6. „ novaebrüanniae Werk. 7. „ signata Gthr. 8. Oxyglossus laevis Gthr. 9. 10. Rhacophorus leticomystax Gravh. „ leprosvs Schleg. 11. „ phyllopygus n. sp. 12. „ pulchellus n. sp. 12a. „ reimwardti Bote 12b. „ nigropalmatus Blngr. 13. „ colletti Blngr. 14. Phrynella pxdchra Blngr. 15. Microhyla achatina Boie 16. „ bedmori Blyth. 17. „ inornata Blngr. 18. Biifo sumatramis Ptrs. 19. „ melanostictus ScHN. 20. „ biporcatus Schleg. 21. „ Clav ige 7- Ptrs, 22. „ aspcr Gravh. 23. „ parvvs Blngr. 24. „ quadriporcalus Blngr. 25. Nectes subasper TSCHUDI 26. „ sumatranus n. sjy. 27. Megalophrys montana Kühl. | 28. „ nasuta SCHLEG. 17 15 12 5 14 1 Batrachia apoda. 1. Ichiltyophis yhitinoKiis \j. 2. „ nionocln-iivs Blkü. 1 1 1 1 1 1 1 1 Reptilien und Batracbicr aus Sumatra. 503 Die geographische Verbreitung der Reptilien und Batrachier Ton Sumatra und ihr Verhältniss zu denen von Ceylon, Borneo, Java und Celebes. Nach der vorstellenden Tabelle ergiebt sich, dass Suniatra die meisten {V21) Arten mit Hinter-Indien gemeinsam hat, was ja nach der Lage begreiflich ist; wenig geringer ist die Uebereinstimmung mit Borneo (118 Arten), während Java mit 93, die Philippinen mit 38, Celebes mit 39, Vorderindien mit 35, China mit 28, Ceylon und die Molukken mit 15 gemeinsamen Arten die Abnahme der letztern nach Westen und Osten darthun. Von den 154 Arten von Reptilien und 32 Batrachiern, welche nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse Sumatra bewohnen, sind 21 Arten von Reptilien und 6 Batrachier der Insel eigenthüm- lich, und unter erstem befinden sich 4 Arten, welche ebenso viele Gattungen vertreten, welche auf Sumatra beschränkt sind, nämlich Lophocalotes (Fundort zwar unbekannt, aber höchst wahrscheinlich Sumatra), Phoxophrys^ Anomalochilus und Iguanognathus. Borneo hat unter etwa 170 Reptilien 54 eigenthümiiche Arten und ebenfalls 4 eigeuthümliche Gattungen (LantJicmotus, Hydrahlabes, Idiopholis und Oreocalamus), Java unter 108 Arten nur 8 eigenthümiiche und nur eine einzige eigenthümiiche Gattung (Teiralepis), Celebes unter 83 Arten 29 eigenthümiiche und die Gattung Rhabdophidium ] dagegen Ceylon unter 100 Arten nicht weniger als 45 eigenthümiiche, dabei 6 Gat- tungen {CeratopJwra, Lyriocephalus, Chalcidoseps^ Uropeltis, Äspidura, Haplocercus). Es steht daher Ceylon von den grossen Inseln des indischen Oceans, was die Zahl der eigeuthümlichen Gattungen und Arten an- belangt, obenan: nämlich mit 45 Proc. der Arten und ü eigeuthüm- lichen Gattungen ; hierauf folgt Borneo mit über 30 Proc. der Arten und 4 eigenth. Gattungen Celebes „ „ 35 „ „ „ „ 1 „ Gattung Sumatra „ „ 14 „ „ „ „ 4 „ Gattungen Java „ „ 7,5 „ „ „ „ 1 „ Gattung Von Batrachiern hat Ceylon 32 Arten, davon 20 eigenthümlich (1 Gatt., Nannophrys) Borneo 54 „ „ 35 „ (1 „ Oreobratrachus) 5ü4 FRANZ WERNER, Sumatra 32 Arten, davon 6 eigenthümlich Java 27 „ „ 7 „ Celebes 21 „ „ 8 „ keine eigenthüra- liche Gattung Höchst merkwürdig ist nun, dass anscheinend manche Reptilien — und zwar theilweise grosse und ansehnliche Arten — auf der malayischen Halbinsel und auf Java, nicht aber auf Sumatra, theil- weise auch nicht auf Borneo vorkommen. Hierher wäre z. B. zu rechnen : Crocodilus siamensis , Damonia subirijuga^ Varanus nehu- losus ^), Typhlops hraminus (wohl auch Hemidactylus platyurus sowie Lepidodactylus ceylonensis), Tropidonotus piscator, Zamenis mucosus, Hypsirhina enhydris, Dipsadomorphus jaspidens, Dryophis xanthozona, Haplopeltura boa, Leptohrachium hasselti. Wie diese merkwürdige Er- scheinung zu erklären ist, kann ich mir nicht recht vorstellen, es sei denn, dass zuerst eine Landverbindung von Malakka mit Java, aber nicht mit Sumatra, bestanden habe, hierauf eine solche mit Sumatra gefolgt ist, welche später abermals gelöst wurde. Sumatra scheint aber mit Borneo niemals im Zusammenhang gestanden, sondern seine Reptilien direct aus Malakka erhalten zu haben. Denn, wenngleich die Fauna von Borneo um nicht viel reicher ist als die von Sumatra, so hat doch Borneo mit Malakka eine ansehnliche Anzahl von Arten gemeinsam, welche auf Sumatra zu fehlen scheinen (z. B, Gonyophis margari- tatus, Callagur picta, Aeluroscalahoies felinus, Mimetozoon craspe- dotus, GonyocepTialus horncensis, Lanthanotus horneensis u. a.), und besitzt auch überhaupt mehr mit der malayischen Halbinsel gemein- same Formen als Sumatra. Freilich ist die grosse Zahl derselben wohl dadurch entstanden, dass Sumatra anscheinend von den drei grossen Sunda-Inseln am wenigsten erforscht ist. Wenn eine Art von der Grösse des Tomisioma schlegeli erst im Jahre 1890 aus Sumatra bekannt wurde, und ebenso andere, wenn auch kleinere, so dass ver- hältnissmässig gewiss stattliche Reptilien, wie Python curtus, Gonyo- cephalus liogaster, Gonyocephalus heyschlagi, Äcanthosaura armata, Varanus rudicoUis bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, theilweise sogar bis ans Ende desselben keinem auf Sumatra sam- melnden Forscher in die Hände gelangten, so darf man wohl an- nehmen , dass auch noch andere , bisher theilweise als specifisch borneensisch betrachtete Arten später auch noch auf Sumatra auf- gefunden werden. Eine grosse Zahl der specifisch borneensischen 1) Fundort „Java" sicher, Belegexemplar im Wiener Hofmuseum! Reptilien und Batiachier aus Sumatra. 505 Arten wurde erst in den letzten 10 Jahren beschrieben, und diese können immerhin noch auf Sumatra gefunden werden. Eine sehr interessante Erscheinung ist die Vertretung gewisser Species Sumatras durch verwandte Species auf Java. Da ich grosse Mengen Reptilien von beiden Inseln untersucht habe, so glaube ich, dass meine Annahmen über diesen Punkt kaum der Wahrheit wider- sprechen. Solche vicarirende Arten sind: Sumatra Java Gecko stentor Gecko verticillatus Calotes cristatellus Calotes juhatus Bendragama houlengeri Bendragama fruhstorferi Harpesaurus heccarii Harpesaurus tricinctus Hypsirhina plumbea HypsirJiina enhydris Bryophis fasciolatus Bryophis xanthozona Amblycephalus laevis Amblycephalus carinatus Megalophrys nasuta Megalophrys montana Dabei soll im Allgemeinen nicht behauptet werden, dass die eine Art auf der einen Insel gänzlich fehlen muss; aber bei den hier ausgewählten Beispielen trifft dies fast ausnahmslos zu. Weniger auffallende Beispiele könnte ich noch in ziemlicher Anzahl nennen : so tritt auf Sumatra Coluber melanurus ebenso durch seine Anzahl hervor, wie auf Java C. oxycephalus ; auf Java tritt besonders Qda- maria Unnaei, auf Sumatra C. vermiformis, auf Java Simotes octo- Uneatus, auf Sumatra S. purpurascens, auf Java Tropidonotus pis- cator var. melanozosta und vittatus, auf Sumatra T. chrysargus und maculatus hervor; dabei wäre nur zu bemerken, dass der sumatra- nischen Fauna Calamaria linnaei und Rana tigrina fehlen. Wenn wir nun die einzelnen Ordnungen betrachten, so finden wir, dass Sumatra zwar reich an Schildkröten ist, dass aber keine einzige Art für die Insel charakteristisch ist. Dasselbe ist übrigens auch bei Java und Celebes der Fall, während Borneo eine Art {HardelUi baileyi Bartl.) und Ceylon ebenfalls eine (Emyda vittafa) besitzt. Alle bis auf Trionyx und Testudo gehören specifisch tropischen und zwar (bis auf Nicoria) rein indischen, tropisch-asiatischen Gattungen an. Was die Crocodile anbelangt, so stimmen darin Sumatra und Borneo vollkommen überein ; Java hat statt Tomistoma den Crocodilus siamensis. Da dieses Crocodil (vergl. Flower, in : Proc. zool. Soc. London, 1899, p. 623) auch in Slam sehr selten zu sein scheint, so wage ich an der Richtigkeit des Fundortes des einzigen javanischen Exemplares dieser Art, welches bisher bekannt geworden ist und sich 506 FRANZ WERNER, im Mus. Senckenberg. zu Frankfurt a. M. befindet, nicht zu zweifeln. Dass ein Crocodil, welches im Alter einen so auffallenden Kopf- schmuck trägt, auf der so oft von Naturforschern besuchten Insel Java nicht öfter gefunden wurde, giebt allerdings zu denken. Wenn man aber andererseits bedenkt, dass die Mehrzahl der Zoologen sich auf die Erforschung des botanischen Gartens in Buitenzorg beschränkt hat, so ist die Sache doch wieder verständlich. Strauch erwähnt (Synopsis der Crocodilideu) auch Java als Fundort für Tomistoma, und es würde auch hierfür das eben Gesagte anzuwenden sein. Von den Geckoniden wäre zu erwähnen, dass eventuell auch Ptychozoon horsfleldi Gray auf Sumatra vorkommen könnte. Die auf Nias, Engano und Sereinu oder Sipora (Mentawei-Inseln) beschränkten Arten habe ich in dem Verzeichniss der sumatra- nischen Arten ausgelassen. Daher wird man wohl Äphmiotis acutirostris, die ich von Sumatra besitze, nicht aber Draco modiglianii, Lygosoma relidum oder Coluber enganensis darin finden. Nias und die Men- tawei-Inseln scheinen keinerlei eigenthümliche Arten zu besitzen, ebenso wenig ist mir dies von den übrigeii kleinern Inseln, welche Sumatra benachbart sind, bekannt, so weit sie überhaupt erforscht sind. Die geringe üebereinstimmung, welche die Fauna von Ceylon mit der von Sumatra aufweist, ist darin begründet, dass beide Inseln die weit aus einander liegenden Enden eines ursprünglich allerdings zusammenhängenden Gebietes sind, dessen Fauna sich von einem centralen Territorium des Festlandes nach beiden Enden in ver- schiedener Weise entwickelt und differenzirt hat. So erklärt es sich, dass nur die verbreitetsten Arten beiden Inseln gemeinsam sind, wie z. B. Crocodilus porosus, Hemidactylus frenatus, Gehyra mutilata, Varanus salvaior, Typhlops hraminus, Lycodon aulicus, Chrysopelea ornata, Naia tripudians, Rana Umnocharis, Bufo melanostictus und IchthyopTiis glutinosus. Was Java anbelangt, so hat diese Insel im Vergleich zu Sumatra schon ganz deutliche Anklänge an die Fauna der Molukken und theilweise sogar Papuasiens aufzuweisen ; Draco lineatus, Lophura amhoinensis, Tiliqua gigas, Cornufer corrugdfus sind Beispiele hierfür. Es müssen grosse geologische Veränderungen oder — was weit un- wahrscheinlicher ist — ganz merkwürdige Wanderungen von Insel zu Insel stattgefunden haben, welche die gegenwärtige Vertheilung der Reptilienwelt auf den Sunda-Inseln hervorgerufen haben. Reptilien und Batrachier aus Sumatra, 507 Ein sehr interessantes Verhältniss obwaltet immer, nicht nur bei Sumatra , zwischen den grossen , kleine Continente darstellenden Inseln und den kleinen, welche sie umgeben. Es ist leicht erklärlich, dass die individuenreichsten und verbreitetsten Arten am ehesten von den grossen Inseln auf die kleinen übergehen ; wir werden uns daher nicht wundern, z. B. Hemidactylus frenntus, Geliyra muü- lata, Calofes cristatellus, Mabuia multifasciata, Dryoi^his prasinus, LacJiesis sumatrmms auf Nias wiederzufinden. Wie kommt es aber, dass ausser diesen gemeinen Arten nur gewisse andere aus der Fauna der grossen, und auf der einen Inselgruppe gerade diese, auf der andern gerade jene sich vorfinden ? Ich glaube, dass sowohl diese Erscheinung sowie auch die „Seltenheit" mancher Arten sich ganz ungezwungen darauf zurück- führen lässt, dass diese letztgenannten Reptilien eben auf der grossen Insel ein ganz beschränktes Verbreitungsgebiet besitzen und dass sie daher nur auf denjenigen kleinen Inseln vorkommen, welche diesem Verbreitungsgebiet am nächsten liegen, auf andern aber wieder fehlen, welchen das Verbreitungsgebiet der Art eben nicht nahe genug liegt; und dass man um eine seltene Art, von welcher nur ein Exemplar bekannt ist oder nur wenige, zu finden, das specielle Verbreitungsgebiet aufsuchen muss. Wenn aber von einer Art keine genauere Fundortsangabe vorliegt als ,, Sumatra", so ist das für unsere europäischen Verhältnisse nicht anders als der Fundort „Oesterreich". Wenn man z. B. von Lacerta oxycephala nur diesen allgemeinen Fundort wüsste, so würde ein Sammler, selbst wenn er vermuthet, dass es eine südliche Art sei, ganz Süd-Tirol, Istrien und einen ganz beträchtlichen Theil Dalmatiens und seiner Inselwelt durchsuchen können, ohne das Thier zu Gesicht zu bekommen ; ja sogar die doch gewiss genau erscheinende Angabe „Süd-Dalmatien" würde ihn nicht davor schützen, mit leeren Händen heimzukommen, da diese Eidechse selbst in Süd-Dalmatien in so fern ein beschränktes Gebiet bewohnt, als sie auf mehreren ganz ansehnlichen Inseln und und sogar im äussersten Süden selbst fehlt. Und das ist noch eine weiter verbreitete, und wo sie auftritt, durchaus nicht seltene, leicht sichtbare Art, welche die Nähe des Menschen nicht scheut und trotzdem wird von den ziemlich zahlreichen Reptilienfängern, welche z. B. auf den Reptilienmarkt Deutschlands liefern , niemals auch nur ein einziges Stück eingesendet, bezw. immer die ganz ver- schieden aussehende L. muralis neapolitana als oxycephala, ein Be- 508 FRANZ WERNER, Reptilien und Batrachier aus Sumatra. weis, dass diese Fänger die oxycephdla nicht kennen und nie ge- sehen haben. Aehnliche Verhältnisse mögen auch in den in Frage kommenden Tropeninseln obwalten ; und ebenso wie in der nördlichen Adria die Inseln keine Lacerta oxycephala beherbergen, weil sie auch auf dem gegenüber liegenden Festland fehlt, so kann auch dort der Kranz von Eilanden um eine grössere Insel nur solche Arten be- herbergen, welche auf dem gegenüber liegenden Theil derselben vor- kommen — und natürlich auch solche, welche auf ihnen entstanden und ihnen eigenthümlich sind. Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht vorbehalten. lieber die systematische Stellung der Nandinia binotata. Von Allbertiiia Carlsson. (Aus dem Zootoraischen Institut der Universität zu Stockholm.) Hierzu Tafel 36. Nandinia gehört zu den wenigen Raubthieren der Jetztzeit, über deren genealogische Beziehungen noch völlig Unklarheit besteht. Während Winge^) auf Grund des Zustandes der Bulla ossea, deren Verhalten zum Processus paroccipitalis und der Form der Zähne Nandinia zu der Familie Ämphictidae stellt, welche ausserdem nur ausgestorbene und zwar ältere miocäue Formen enthält, halten Flower^), Gray ^) und Mivart ^) sie für einen Viverriden und stellen sie Para- doxurus nahe. Gegen die letztere Auflassung könnte man einwenden, dass diese Forscher keine Rücksicht auf die ausgestorbenen Formen genommen haben, und dass Nandinia^ wenn sie sich den Viverridae anschliesst, gleichwohl einige Kennzeichen der AmpMctidae be- wahrt hat. Eine ganz abweichende und sehr überraschende Anschauung spricht NoACK aus, wenn er behauptet, dass ein vor der Genital- öffnung liegendes, unbehaartes Feld ihm als eine Bauchfalte, als ein Rückstand des Beutelthier-Typus , erscheint und dass es ihm noch unentschieden bleibt, ob Nandinia nicht vielleicht ein wirkliches Beutelthier ist '->). Ueber die Musculatur liegen keine Mittheilungen vor, und die- jenigen über Gehirn und Eingeweide sind äusserst spärlich*^). Es scheint mir deshalb der Mühe werth, durch eine genaue Untersuchung 1) 22, p. 46. 2) 5, p. 20. 3) 9, p. 529. 4) 15, p. 169. 5) p. 79 u. 80; 18, p. 176 u. 177. 6) 16, p. 500 ff. 17, 510 ALBERTINA CARLSSON, dieser Organe unter gleichzeitiger Berücksichtigung anderer, schon bekannter Befunde zu entscheiden, ob Nandinia wirklich als Amphic- tide von den übrigen Viverridae zu trennen sei. Diese Arbeit habe ich im Zootoniischen Institut der Stockholmer Hochschule ausgeführt, und dabei hatte ich zu meiner Verfügung ein ausgewachsenes weib- liches Exemplar, bei welchem jedoch die obern jp-^ noch nicht zum Vorschein gekommen waren, und theilweise ein jüngeres ? von 20 cm Länge. Für den werthvollen Beistand, welchen mein Lehrer, Herr Prof, Dr. W. Leche mir dabei gewährt hat, sage ich ihm hier meinen auf- richtigen Dank. ScLädeL Obschon dieser von Mivart ^) beschrieben und von Blainville ^) abgebildet ist, könnte es von Bedeutung sein, einige Bemerkungen über die Foramina in der Basis cranii (Fig. 1) hervorzuheben. In Bezug auf diese kommen wenige Abweichungen von dem Typus der Viverrinae vor. Wie gewöhnlich in dieser Gruppe besitzt Nandinia einen Canalis alisphenoideus (alisph). Der Canalis caroticus ist wie bei Viverra und Fossa durch eine tiefe Furche {car) ersetzt; im All- gemeinen ist bei den Viverrinae eine üeberbrückung derselben ein- getreten. Nandinia hat ein vom Foramen lacerum posterius ge- trenntes Foramen condyloideum {cond)\ bei den übrigen Vertretern der genannten Gruppe findet sich eine selbständige OeÖnung des N. hypoglossus nur bei Prionodon nach Mivart ') und wahrscheinlich auch bei Poiana. Durch die Bildung besagten Foramens sondert Nandinia sich von den meisten Viverrinae und nähert sich den Felidae. Viel- leicht darf man übrigens dessen Vorkommen nicht viel Bedeutimg bei- messen, denn Mivart*) hat beobachtet, dass das Foramen condyloideum innerhalb der Aeluroidea bei verschiedenen Individuen derselben Art bisweilen selbständig, bisweilen mit dem Foramen lacerum posterius vereinigt ausmündet. Wie Flower^) und Mivart") angeben, ist die Wand der Bulla ossea knorplig — Win(!e ') nennt sie häutig. Die Bulla ist folglich auf einem primitiven Stadium stehen geblieben und der Processus paroccipitalis hat sich nicht, wie bei den Viverridae^ blattförmig über 1) 15, p. 170. 2) 2, 6r. viverra^ tab. 6, Paradoxurus hamiltonii. 3) 15, p. 173. 4) 10, p. 4G8. 5; 5, p. 2U. 6) 15, p. 170. 1) 22, p. 52 u. 53. üeber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 511 dieselbe verbreitet. Durch das letzt genannte Kennzeichen und die mangelnde Verknöcherung der Bulla weist Nandinia — wie Winge betont hat — eine wichtige Aehnlichkeit mit Ämphicfis auf. Von den übrigen Skelettheilen mag erwähnt werden, dass Nan- dinia und Ärctictis die grösste Anzahl Wirbel unter den Viverridae, nämlich 60, besitzen. Der Condylus internus humeri ist wie bei Para- doxurus sehr verlängert; und in Folge der kräftigen Entwicklung des M. supinator longus tritt der Rand des äussern Winkels des Ober- armbeins stark hervor. Zähne. Nandinia stimmt im Zahnsystem mit Ämphicfis durch die Form der vordem Molaren überein; am untern m^ sind die zwei vordem Innern Spitzen und die vordere äussere hoch ; die 3. innere und die 2. äussere niedrig, d. i. der Talon, welcher dagegen bei den meisten Viverrinae wohl entwickelt ist, wird klein. Der obere m^ unterscheidet sich jedoch vom entsprechenden bei ÄmpJiictis durch das Fehlen des Cin- gulums um die 6. Spitze ^). Durch die geringe Entwicklung der hintern Molaren nähert Nan- dinia sich Ärctictis, Prionodon und Paradoxurus larvatus ^), bei welchen diese Zähne sehr klein sind, und weicht darin zugleich von Ämphictis ab. Bei diesem ist nach Schlosser ^) der untere m- durch eine be- deutende Länge charakterisirt, bei Nandinia ist er sehr klein, wird von MivART ^) rudimentär genannt. Der obere m^ besitzt nach Winge ^) dieselbe Form bei Ämphictis wie m\ ist aber schwächer; bei Nandinia ist er sehr klein, ermangelt eines Talons; er fehlt bisweilen bei Ärct- ictis und tritt bei Prionodon nie auf. Nach den scharfen, spitzen Prämolaren und den reducirten Molaren, besonders den hintern, zu urtheilen, scheint Nandinia ein mehr ausgeprägtes Carnivorengebiss als Ämphictis und die Mehrzahl der Viverrinae zu haben. Sie lebt im freien Zustand nach Lydekker ^) von Mäusen und Hühnern, kann sich jedoch an andere Nahrung ge- wöhnen, indem sie in der Gefangenschaft, wie Noack ^) erwähnt, nur Früchte frisst. Vor der Vulva liegt (Fig. 2 und 3 dr) ein haarloses Feld, 25 mm lang und 12 mm breit, dessen Ränder sich besonders bei dem Jüngern 1) 22, p. 52 u. 101. 2) 15, p. 162. 3) 19, p. 119. 4) 15, p. 170. 5) 22, p. 52. 6) 14, p. 230. 7) 18, p. 176 u. 177. Zool. Jahrb. Xm. Abth. f. Syst. oa 512 ALBERTINA CAELSSON, Exemplar ein wenig über die angrenzende Haut erheben ; der mittlere Theil bildet eine tiefe Furche, von der einige kleine Querfurchen aus- gehen. Es ergiebt sich aus der mikroskopischen Untersuchung, dass in derselben vereinzelte Haare sitzen, welche in Verbindung mit mächtig entwickelten, in dem verdickten Corium liegenden Talgdrüsen stehen ; sie sind aber so klein, dass sie als ein Anhängsel der grossen Drüsen erscheinen, welche in der Tiefe und an den Wänden der Furche ausmünden. Die Drüsenschicht scheint mit zunehmender Grösse des Thieres mächtiger zn werden; sie ist bei dem Jüngern Exemplar weder so dick, noch stehen die verschiedenen Drüsen einander so nahe wie bei dem altern. Sie findet sich bei beiden Geschlechtern, denn Flower^) hat sie bei einem Männchen beobachtet und nennt sie „a special super- added cutaneous scent gland". Wegen der Lage vor der Vulva kann diese Drüsenmasse nicht den bei den Viverrinae auftretenden Präscrotaldrüsen homolog sein, denn nach Leche^) liegen diese mehr caudalwärts zwischen der ürogenitalmündung und dem Anus. Ob die chemische Zusammensetzung ihres Secrets demjenigen der Zibetdrüse ähnlich ist, kann ich nicht entscheiden. Mivart^) verneint das Vorkommen von Präscrotaldrüsen bei Nandinia, erwähnt aber in einer Note, dass er bei einem Weibchen ein nacktes Feld gefunden, welches dieselbe Lage wie die Zibetdrüse bei Genetta einnimmt und wahrscheinlich Drüsenstructur besitzt. Die Haut zwischen der Vulva und dem Anus war bei diesem Exemplar nackt und entbehrte jeder Andeutung einer drüseuähnlichen Bildung. Wenn das fragliche Drüsenfeld kein zibetartiges Product absondert, so nähert Nandinia sich Prionodon und Cynogale, welchen Präscrotaldrüsen abgehen, während sie bei den übrigen Viverrinae vorhanden sind '*). Zweifelsohne ist Noack ^) durch ein ähnliches Drüsenfeld beim Männchen zu seiner Annahme verleitet, dass Nandinia ein Beutler sei, deren völlige Haltlosigkeit sowohl aus der obigen Untersuchung des fraglichen Integuments, als auch aus der Gesammtorganisation unseres Thieres hervorgeht. Selbst unter den männlichen Marsupialiern werden nach Katz ^) Beutelreste selten und zweifelhaft gefunden. Wäre Nandinia ein wirkliches Beutelthier, wie Noack andeutet, so sollte der Beutel in stärkerer Ausbildung beim Weibchen als beim Männchen auftreten und die Saugwarzen umschliessen. Aber wie aus 1) 6, p. 684. 2) 13, p. 961. 3) 15, p. 170. 4) 15, p. 158 und 174. 5) 17, p. 79. 6) 10, p. 628. Ueber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 513 Fig. 2 ersichtlich ist, liegen diese mehrere Centimeter kopfwärts von dem vordem Rande der fraglichen Vertiefung, welche darum nicht als ein Beutel gedeutet werden kann. Nandinia besitzt 2 Analdrüsen, welche sich durch eine enge Mündung an jeder Seite des Afters öffnen. Musculatur. Da die Muskeln der Carnivora fissipedia von Windle u. Par- SONS^) eingehend beschrieben worden sind, kann ich mich darauf be- schränken, nur dasjenige zu betonen, wodurch Nandinia sich an eine besondere Familie anschliesst, wenn die verschiedenen Abtheilungen der Raubthiere betreffs ihrer Musculatur von einander abweichen. 1. Hautmuskeln. Von diesen ist von grossem Interesse ein Hautmuskelstreifen (Fig. 4 pr), welcher caudalwärts von der Vulva ausgeht und dessen Fasern direct in diejenigen der andern Seite, ohne eine Raphe zu bilden, übergehen. Er wird durch eine Portion verstärkt, welche mehr kopfwärts liegt und ihren Ursprung in der Hautfalte der Vulva nimmt. Die beiden Muskeln verlaufen cranialwärts , umfassen ein muskelfreies Feld und inserireu an den Oberarmknochen, nachdem sie in ihren medialen Rändern einige zarte Bündel an die Haut des Ab- domens entsendet haben. Die Partie, welche am meisten caudalwärts entspringt, erreicht nicht dieselbe Länge, sondern endet in der Höhe der Urogenitalöflfnung. Obwohl dieser Hautmuskel die Vulva nicht völlig ringförmig um- giebt, wirkt er doch als ein Sphiucter derselben und in seinem vor- dem Theil als ein Compressor der vier bauchständigen Milchdrüsen und der grossen Talgdrüsenmasse, welche in einer Vertiefung vor der Mündung der Vagina liegt. Er kann sicherlich nach Function und Lage als einem Theil des von Eggeling ^) beschriebeneu M. sphincter cloacae subcutaneus der Carnivoren homolog angesehen werden, obwohl er nicht von der Schwanzwurzel ausgeht und nicht ringförmig ist, denn genannter Forscher hat gefunden ^), dass die ventrale Ausbreitung besagten Muskels bisweilen beschränkt ist und dass seine Fasern nicht immer die Vulva umfassen. Unter den von ihm untersuchten Felidae zeigt bei Felis leo ? und Felis pardus $ der subcutane Sphincter eine Aehnlichkeit mit dem Verhalten des fraglichen Hautmuskel- 1) 20 und 2L 2) 3, p. 425 ff. 3j 3, p. 424. 34* 514 ALBERTINA CARLSSON, Streifens bei Nandinia. Es findet sich bei dem erstgenannten Thiere nach Eggeling ^) auf jeder Seite ein Muskelzug, der eine craniale und laterale Kichtung verfolgt und ein muskelfreies Feld umgiebt, um auf der einen Seite in der Höhe des Nabels in der Haut zu enden und auf der andern mehr kopfwärts sich mit einem Haut- muskel zu verbinden. Er verhält sich bei Felis pardus $ auf die- selbe Weise 2), obgleich er nicht so weit cranialwärts in die Haut ausstrahlt. Man könnte nun die Frage aufwerfen : giebt es bei dem Männchen einen solchen Muskelzug? Eggeling^) hat bei Felis pardus cJ, aber nur bei diesem Thier, Muskelstreifen, die Mm. praeputio-abdominales, gesehen, welche auf der ventralen Fläche der Vorhaut entspringen, cranialwärts ziehen und einen muskelfreien Raum umschliessen, worauf sie in der Höhe des Nabels in die Bauchfascie übergehen. Weiter hat er nachgewiesen ^), dass der Ursprung der Mm. praeputio-abdominales aus dem weiblichen Befunde erklärt werden kann und dass sie ihre kräftige Ausbildung durch besondern Gebrauch erhalten. Nach dieser Auffassung könnten die besprochenen Hautmuskelstreifen bei Nandinia hinotata ? als den Mm. praeputio-abdominales von Felis pardus S homolog betrachtet werden. Bei einem jungen Männchen von Genetta vulgaris^ von 36 cm Länge, habe ich einen Muskel gesehen, welcher vom Praeputium ausgehend sich lateralwärts und cranialwärts erstreckt und sich in der Höhe der letzten Rippen an der Haut befestigt. Er begrenzt ein Feld, in dem kein Hautmuskel sich entwickelt hat, ist also ein M. praeputio-abdominalis. Der Vergleichung wegen habe ich die Hautmusculatur eines Canis familiaris ? untersucht, um zu erfahren, ob da eine Spur desselben Muskelzugs sich erhalten hat. Ellenberger u. Baum^) beschreiben beim Männchen einen M. praeputialis, welcher jedoch von dem Haut- muskel resp. dessen Aponeurose bedeckt ist. Beim Weibchen fand ich keinen Rest desselben, aber einen entwickelten M, sphincter mar- supii (Fig. 5 ms) in Uebereinstimmung mit der Angabe von Klaatsch ^). 2. Skeletmuskeln. M. sterno-mastoideus. Hängt am Ursprung mit demjenigen der andern Seite zusammen, ein Verhalten, welches sich sehr oft bei den Raubthieren, mit Ausnahme von den Felidae und Viverridae, 1) 3, p. 435 u. 436. 2) 3, p. 434 u. 479. 3) 3, p. 458, 459 u. 481. 4) 3, p. 494. 5) 4, p. Ifi6 u. 167. 6j 11, p. 627. Ueber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 515 wiederfindet. Unter den letztern ist eine solche Verwachsung bei Cryptoprocta und bisweilen bei Viverra civetta und Genetta vulgaris beobachtet worden. M. stylo-hyoideus. Weicht von der typischen Form bei Genetta^ Felis catus, Canis u. a. dadurch ab, dass die tiefe Portion oder der M. masto-hyoideus nicht vorhanden ist. M. m y 1 0 - h y o i d e u s. Erreicht gewöhnlich unter den Carnivoren die Symphysis menti, aber Nandinia schliesst sich dem Verhalten bei den Canidae und Hyaenidae an, indem der Muskel sich nicht so weit nach vorn erstreckt. M. digastricus. Wie bei Viverra civetta und GeneUa fehlt jede Andeutung einer Zwischensehne. Durch den N. facialis und N. trigeminus versorgt. M. mandibulo-auricularis. Entspringt von der Incisura semilunaris des Unterkiefers, zwischen dem Processus condyloideus und dem Processus angularis, von dem M. masseter bedeckt, und be- festigt sich am Tragus, unter der Glandula parotis, zvvischen den zwei vordem von den 3 Portionen des M. attrahens auris. Von dem N. massetericus innervirt. Der Muskel wird von Windle u. Parsons nicht erwähnt; nach Leche^) ist er bei den Prosimiae, einigen Mar- supialiern, wie Myrmecobius und Phascogale, ferner bei Orycteropus und der Katze gefunden, M. trapezius. Besteht, wie oft unter den Säugern, aus 3 Theilen. Der vordere oder der M. cephalo-humeralis ist nur durch eine Zwischensehne vom M. deltoideus getrennt, ist aber nicht mit dem M. sterno-mastoideus verwachsen. Der zweite — der M, acromio- cucullaris — und der dritte — der M. dorso-cucullaris — hängen mit einander am Ursprung zusammen ; bei den Viverridae, Hyaenidae, Procyonidae und Mustelidae sind sie durch eine sehnige Ausbreitung von einander getrennt. M. latissimus dorsi. Geht von den 10 letzten Brust- und den zwei ersten Lendenwirbeln aus und steht, wie bei Viverra, Ge- netta, Proteles und Hyaena nicht in Verbindung mit den Rippen. Gewöhnlich ist er bei den Raubthieren an der Insertion in 2 Schichten gespalten; hier zerfällt er, wie bei Procyon, in 2 Portionen. Die vordere von diesen verwächst mit dem M. teres major und giebt den M. dorso-epitrochlearis ab ; die hintere vereinigt sich mit dem Haut- muskel. 1) 13, p. 683. 516 ALBERTINA CARLSSON, M. rhomboideus. In Uebereinstimmung mit dem Verhalten bei den Viverridac^ Herpestes ausgenommen, erreicht der Muskel nicht das Occiput, sondern entspringt von dem Epistropheus, Ligamentum nuchae und den zwei ersten Brustwirbeln. Sehr oft, besonders bei den Mustelidae, scheint er in eine vordere Partie — den M. rhomboideus anterior — und eine hintere — den M. rhomboideus posterior — ge- sondert zu sein, hier und bei den Procyonidae ist er einheitlich. Mm. levator anguli scapulae und serratus magnus. Entspringen von den Processus transversi der Halswirbel und von den 8 vordersten Rippen, oder derselbe Ursprung wie bei Herpestes und Proteles, da sie bei Genetta und Viverra sich nicht so weit kopf- wärts erstrecken. M. deltoideus. Hinsichthch der Insertion des clavicularen Theils weicht er bei Nandinia von den meisten Viverridae ab, wo er sich an dem Vorderarm anheftet, und nähert sich den Procyonidae^ Ursidae und Mustelidae durch den Ansatz an den Humerus, distal- wärts vom M. pectoralis major. Mm. scaleni longus et brevis. Haben eine grössere Aus- dehnung als bei allen andern Carnivoren, denn sie gehen von den Processus transversi der Halswirbel aus; bei andern Raubthieren höchstens von den 5 letzten. Der M. scalenus longus befestigt sich wie bei Cercoleptes bis zur 8. Rippe, sonst erreicht er nur die 5. Bezüglich des Ansatzes bietet der M. scalenus brevis nichts Ab- weichendes dar. M. pectoralis. Ausser den vier gewöhnlichen Portionen be- sitzt der Muskel eine caudale Partie, welche, durch eine bindegewebige Verbreitung von diesen gesondert, von der Linea alba ausgeht und sich gemeinsam mit einem Zipfel des Hautmuskels am Humerus be- festigt. Sie scheint in Folge ihrer Lage dem von Leche^) beschrie- benen bei den Säugern oft vorkommenden M. pectoro-abdominalis zu entsprechen. M. subclavius fehlt. Ist bei Genetta und Viverra gefunden. M. triceps brachii. Die Anzahl der Köpfe scheint unter den Raubthieren von 3 bis 5 zu wechseln. Aber Windle u. Parsons geben an, dass darin keine systematische Bedeutung liegt, da sie bei verschiedenen Individuen derselben Art oft variirt. Die Viverridae besitzen theils 5 Köpfe — Cryptoprocta und Genetta — theils 4 — 1) 13, p. 764. lieber die systematische Stellunsf der Nandinia binotata. 517 Viverra und Herpestes. Den letztem schliesst sich Nandinia an, in- dem der innere Kopf verdoppelt ist. M. brachialis anticus. Wie bei den übrigen Carnivoren kommt nur der lange Kopf vor; er wird von dem N. radialis und dem N. musculo-cutaneus versorgt. Die doppelte Innervation deutet darauf hin, dass der Muskel durch eine Verschmelzung beider Köpfe entstanden ist. Wenn beide vorhanden sind, erhält nach Windle u. Parsons der lange einen Ast von dem N. radialis und der kurze einen von dem N. musculo-cutaneus. M. coraco-brachialis. Durch das Auftreten zweier Köpfe, des M. coraco-brachialis brevis s. rotator humeri und des M. coraco- brachialis longus, nähert Nandinia sich den Ursidae und einigen Mtistelidae und unterscheidet sich von den Felidae, Canidae, Frocyo- nidae und Viverridae, denen nur der kurze Kopf zukommt. M. biceps cubiti verhält sich wie bei Viverra und Herpestes in Bezug auf den Ursprung von dem Processus coracoideus. Er muss jedoch als der lange Kopf angesehen werden, weil er das Schulter- gelenk durchsetzt und im Sulcus intertubercularis verläuft. Mit Aus- nahme von den Ursidae und Procyonidae kommt bei den Raubthieren der kurze Kopf nicht vor. Mm. supinator longus et brevis. Starke Muskeln, wie bei den Viverridae entwickelt. M. Pronator radii teres. Im Gegensatz zu dem gewöhn- lichen Verhalten besitzt dieser Muskel 2 Köpfe, einen oberflächlichen, welcher demjenigen homolog ist, der bei den Raubthieren vorkommt, und einen tiefen, welcher mit dem M. flexor carpi ulnaris verbunden entspringt. Insertion an der distalen Hälfte des Radius, wie bei Cryptoprocta und Hemigalea. M. palmaris longus tritt unter den Carnivoren theils einfach, theils verdoppelt auf. Nandinia schliesst sich Genetta und Crypto- procta an, welche sowohl einen internus, als auch einen externus be- sitzen. Der letztere grenzt an den M. flexor digitorum sublimis und ist mit ihm am Ursprung verwachsen. Die Innervation ist eine ab- weichende: beide Köpfe erhalten bei Nandinia (bei Cercoleptes nur der innere) Aeste vom N. ulnaris ; nach Leche \) wird der Muskel bei den Säugern vom N. medianus versorgt. M. flexor sublimis digitorum erstreckt sich zum 2., 3. und 4. Finger wie bei den Viverridae. 1) 13, p. 827. 518 ALBERTINA CARLSSON, M. flexor carpi ulnaris. Der Ursprung von dem Condylus internus humeri und dem Olecranon ist allen Raubthieren gemein- sam; die Verschiedenheit liegt darin, ob und wo die Köpfe verwachsen. Nandinia verhält sich wie Genetta und Ilerpestes, indem die Ver- einigung im proximalen Theil des Vorderarms geschieht. M. Pronator quadratus ist am stärksten bei den Hyaenidae und den Canidae^ bei denen er sich über den ganzen Vorderarm er- streckt, bei den Felidae schwächer, wo er nur die distale Hälfte einnimmt. Unter den Viverridae besitzt er eine schwankende Grösse : theils verbreitet er sich über die distalen zwei Drittel {Crypto- procta)^ theils über das letzte Viertel ( FiwTra) und über die distalen zwei Viertel (Herpestes und Viverricula, mit welchen Nandinia über- einstimmt). M. flexor brevis digitorum manus tritt bisweilen unter den Carnivoreu auf, bei den Viverridae immer. Die Endsehne spaltet sich, um die Ausatzsehne zum 5. Finger des tiefen Fingerbeugers hindurch zu lassen, und heftet sich au die 2. Phalanx an. Bei Nan- dinia geht er von dem Ligamentum carpi volare, sonst auch vom Os pisiforme und der Fascia palmaris aus. M. ilio-tibialis (sartorius) ist einfach wie bei den Felidae und Cryptoprocta. Bei einigen Viverridae bisweilen einfach, bisweilen verdoppelt, bei andern stets verdoppelt. M. femoro-coccygeus und M. cau do-f emoralis werden nach Leche i) durch ihre verschiedene Lage zum N. ischiadicus ge- kennzeichnet. Der letztere liegt ventralwärts vom N. ischiadicus, der erstere dorsalwärts von demselben. Da Windle u. Parsons nur den M. caudo-femoralis (agitator caudae), nicht den M. femoro-coccygeus beschreiben und erwähnen, dass er zwischen dem M. ectogluteus und dem M. biceps femoris liegt, gewöhnlich mit dem erstem mehr als mit dem letztern vereinigt, scheint es mir, als ob der M. femoro- coccygeus gemeint sei. Unter den Raubthieren fehlt er bei einigen Familien, tritt bei den Viverridae constant auf, ist bei Paradoxurus und bisweilen bei Genetta verdoppelt. In diesem Fall muss wohl ein M. caudo-femoralis vorhanden sein. Nandinia verhält sich wie Paradoxurus, indem sich beide Muskeln finden; am Ursprung und Ansatz sind sie mit einander verwachsen. Der M. caudo-femoralis wird durch den N. ischiadicus und den M. tenuissimus von dem M. femoro-coccygeus getrennt. Mivart^) beschreibt bei Genetta tigrina V) 13, p. 84G u. 870. 2) IG, p. 496. Ueber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 519 einen M. agitator caudae, welcher vom N. ischiadicus gekreuzt wird und sich am distalen Drittel des Feraurs anheftet. Nach dem Ver- halten zum Nervenstamm möchte wahrscheinlich dieser Muskel dem hier besprochenen M. caudo-femoralis homolog sein. M. semitendinosus. Wird wie bei den Viverridae durch einen Kopf verstärkt, welcher von den Processus transversi einiger Schwanzwirbel entspringt ; den übrigen Carnivoren, mit Ausnahme der Procyonidae und einiger Mustelidae, fehlt der caudale Kopf. M. f 1 e X o r c r u r i s lateralis (Biceps femoralis) ist nicht wie gewöhnlich unter den Raubthieren mit dem M. ectogluteus und M. caudo-femoralis (M. femoro-coccygeus Leche) verwachsen und besitzt keinen caudalen Kopf. M. pectineus besteht wie bei Viverra civetta und bisweilen bei Genetta vulgaris aus 2 Portionen. Die eine ist sehr schwach, ent- springt vom Os pubis und heftet sich an die mittlem Theile des Femurs au ; die andere geht von der Fascia der Bauchmusculatur aus und befestigt sich distalwärts von der vorigen. Innervation durch den N. cruralis, M. peroneus longus. Unter den Carnivoren nimmt er bis- weilen sowohl von der Fibula als auch von der Tibia seinen Ursprung, bei Nandinia nur vom Wadenbein; inserirt am 1. Metatarsale, nicht wie bei einigen Viverridae ausserdem durch die Sehne oder die Sehnen- scheide am 5. Metatarsale. M. gastrocnemius ist wie bei den Viverridae Q\n zweiköpfiger Muskel ; der dritte, mediale Kopf ist nicht vorhanden. M. soleus endet an dem Calcaneus selbständig, ohne mit der Sehne des vorhergehenden Muskels verbunden zu sein, wie es gewöhn- lich bei den Raubthieren geschieht. M. flexor fibularis (M. flexor longus hallucis). Der Ursprung von der Tibia fehlt, wie bisweilen bei den Carnivoren; alle 5 Ansatz- sehnen von derselben Grösse; bei den Viverridae ist diejenige der 1. Zehe schwächer. M. accessorius verhält sich wie bei den Viverridae, indem einige Fasern in die Beugesehne des Hallux übergehen. M. abductor ossis metatarsi quinti. In diesen Muskel setzten sich einige Fasern fort, welche an der proximalen Phalanx der 5, Zehe inseriren und folglich einen M. abductor digiti minimi bilden, wie er bisweilen in dieser Ordnung gefunden wird. M. rectusabdominisist stark und reicht bis an die erste Rippe. Längs der Linea alba ist er kräftiger als am lateralen Rande, be- 520 ALBERTINA CARLSSON, sonders in der caudaleu Hälfte. Inscriptiones tendineae sind nicht vor- handen, die Raubthiere besitzen deren gewöhnlich 5 — 8. Die ventrale Wand der Vagina recta wird von der Aponeurose des M. obliquus abdominis externus und von dem ventralen Sehnenblatt des M. obliquus abdominis internus gebildet; die dorsale von der Apo- neurose des M. transversus abdominis, in der Regio epigastrica von dem dorsalen Sehnenblatt des innern schrägen Bauchmuskels verstärkt. Bei mehreren Raubthieren besteht die Aponeurose des M. obli- quus abdominis internus aus einem Blatt, und diejenige des M. trans- versus abdominis ist gespalten. M. pyramidalis fehlt. M. obliquus abdominis externus weist ein starkes Liga- mentum Poupartii auf. M. obliquus abdominis internus geht in eine Aponeurose über, die in ihrem cranialen Drittel auch eine dorsale Lamelle be- sitzt, sich dem Sehnenblatt des M. transversus anlegend. M. transversus abdominis. Abgesehen von dem Ursprung von den Rippen, geht er vom ventralen Rande des Darmbeins aus, erstreckt sich nicht so weit caudalwärts wie zum Ligamentum Pou- partii und steht in keiner Verbindung mit der Fascia lumbodorsalis. Magen. Nach MiVART ^) hat der Magen bei Genetta tigrina, Viverra civetta, Hemigalea, Prionodon u. a. seine grösste Ausdehnung in der Querrichtung des Körpers, bei Nandinia in dessen Längsrichtung. Er zeigt in seiner Form grosse Aehnlichkeit mit demjenigen von Arct- ictis nach Garrod-): er ist langgestreckt (Fig. 6); der Fundus ven- triculi (fund) ist gross, wie bei Arcticüs kopfwärts gerichtet und geht ohne Grenze in die Curvatura major über, bei Arcticüs ist er aber deutlich von derselben abgesetzt. Der pylorale Abschnitt biegt sich scharf cranialwärts, erstreckt sich jedoch nicht so weit wie bei Arct- icüs. In Uebereinstimmung mit dem Verhalten bei letztem) Thier bildet das Duodenum vor seiner ersten Krümmung eine directe Fort- setzung nach vorn von der pyloralen Abtheilung des Magens. In der Curvatura minor findet sich im absteigenden Theile des Ventriculus ein Blindsack {hl), welcher dünne Wände besitzt und bei Arcticüs nicht vorkommt. Eine Coecumbildung ist nicht vorhanden, wie auch Flower ^) an- 1) 16, p. 504. 2) 7, p. 197 u. 198, fig. 1. 3) 6, p. 683. Ueber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 521 giebt. Obwohl diese die Aeluroidea kennzeichnet, kann sie bei dieser Gruppe sehr klein sein wie bei Prionodon^) oder rudimentär wie bei Ärctictis^); ja sie fehlt diesem Thier bisweilen 3). Leiber. Die Leber ist von Mivart'^) beschrieben, und ich kann seine Angaben nur bestätigen sowie, auf seine Mittheilungen über die Leber der Viverridae gestützt, das charakteristische derselben hervorheben. Die Leber bei Nandinia ist viellappig; der rechte laterale Lobus ist wie bei Paradoxurus^ Genetta u. a. kleiner als der rechte centrale, bei Viverra sind sie von derselben Grösse, und liegt wie bei Para- doxurus triangelförmig zwischen dem Lobus caudatus und dem rechten Theile des rechten centralen Lappens. Die Gallenblase tritt wie bei Arctictis auf der abdominalen Fläche nicht hervor und liegt in dem eingeschnittenen ventralen Rande des letztgenannten Lobus, dessen mediale Portion wie bei Viverra und Herpestes kleiner als die laterale ist; bei Genetta ist der Unterschied zwischen diesen sehr gering. Der Lobus caudatus endet tief gespalten, die rechte Niere umfassend. Dieser Lappen verhält sich übrigens wie bei Paradoxurus , Oross- archus und Arctictis'-')^ indem er sehr gross ist und vom rechten lateralen nicht völlig bedeckt wird, sondern von der obern Fläche der Leber sichtbar ist. Der linke centrale Lobus ist kleiner als der linke laterale und wird von diesem von der abdominalen Fläche wie bei Viverra^ Cr ossär chus und Galidia verdrängt. Die Form der Lappen scheint wechseln zu können, so war hier der linke laterale im ven- tralen Rande nur ein wenig eingeschnitten, nicht wie bei dem von MivART untersuchten Thier tief getheilt, ein Verhalten, das sich bei Felis wiederfindet. Zuletzt habe ich zu erwähnen, dass der Lobus Spigelii wie im Allgemeinen bei den Viverridae entwickelt ist. Grehirn. Ueber das Gehirn von Nandinia liegen nur einige kurze Be- merkungen von MivART ^) vor. Es dürfte von Interesse sein, das Grosshirn dieser Gattung etwas näher zu studiren und an der Hand der Arbeit von Krueg ^) dasselbe mit demjenigen andrer Aeluroidea zu vergleichen. Durch das Vorkommen einer Fissura anterior (Fig. 7 a) stimmt 1) 16, p. 508. 2) 7, p. 199. 3) 8, p. 142. 4; 16, p. 511. 5) 7, p. 199. Q) 16, p. 515. 7) 12, p. 609—628. 522 ALBERTINA CARLSSON, Nandinia mit Herpestes, Suricata und Crossarchus in der hiesigen Sammlung überein ; bei Genetta und Viverra fehlt sie. Wie bei allen Aeluroidea ist die Fissura rhinalis mit der Fissura rhinalis posterior {rh, rhp) verbunden. Die Fissura Sylvii (s) verhält sich wie bei Her- pestes^ Suricata und Crossarchus, indem sie sehr kurz ist, bei Her- pestes Ichneumon fehlt sie ganz. Viverra, Genetta und Paradoxurus haben eine lange Fissura Sylvii. In Uebereinstimmung mit den Viverridae besitzt Nandinia keine Fissura diagonalis; bei den Felidae tritt diese immer, bei den Canidae bisweilen auf. Die Fissura prae- sylvia (ps) ist hier wie bei Viverra und Genetta lang; bei Herpestes und Suricata scheint sie vom Bulbus olfactorius verdeckt zu werden oder ist nicht entwickelt. Eine kurze Fissura cruciata (c) ist vorhanden und wie bei den Viverridae mit der Fissura splenialis vereinigt. Die Felidae haben diese nach Mivart ^) von einander ge- trennt. Wie bei Viverra und Genetta verbindet sich die Fissura suprasylvia mit der Fissura suprasylvia posterior (ss, ssp), bei Her- pestes und Suricata im Allgemeinen nicht. Nandinia verhält sich wie Viverra und Genetta in Bezug auf das Vorkommen einer langen Fissura coronalis (co), während die übrigen Viverridae nur eine kurze besitzen. Sie ist wie gewöhnlich in dieser Familie mit der Fissura ansata, Fissura lateralis und medilateralis verbunden. Aus Obigem geht also hervor, dass das Grosshirn von Nandinia mit dem der Viverridae übereinstimmt und keine nähern Beziehungen zu den Felidae aufweist. Nun hat Krueg nachgewiesen, dass inner- halb der Viverridae zwei verschiedene Gehirnformeu auftreten, von denen die eine von Viverra^ Genetta und Paradoxurus, die andere von Herpestes und Suricata repräsentirt wird. Nandinia steht nach ihrem Gehirn als ein Uebergangsglied zwischen diesen beiden Gruppen da. Sie hat wie Herpestes und Suricata eine Fissura anterior, welche Viverra u. a. fehlt, und wie die erstgenannten eine kurze Fissura Sylvii, welche bei den letztern lang ist. Sie nähert sich Viverra, Genetta und Paradoxurus durch die bedeutende Länge der Fissurae praesylvia und coronalis und durch die Vereinigung der Fissura suprasylvia mit der Fissura suprasylvia posterior, wogegen bei Her- pestes und Suricata hinsichtlich dieser Fissuren das Gegentheil gilt. Kehlkopf. Die Epiglottis ist sehr spitz; in den im hiesigen Zootomischen 1) 16, p. 515. üeber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 523 Institut befindlichen Präparaten von Viverricula malaecensis und Cryptoprocta ferox sowie bei Herpestes nach Albrecht ^) hat sie eine mehr abgerundete Form. Nandinia verhält sich übrigens bezüglich des Kehlkopfs wie Uerpestes, indem ein Taschenband fehlt, welches dagegen bei Viverricula und Cryptoprocta vorkommt. Der tiefe Sinus subepiglotticus wird abwärts von einer Falte begrenzt, die als eine Plica muscularis bezeichnet werden muss, weil sie vom Aryknorpel zum Schildknorpel zieht und sich aus dem tiefen MoRGAGNi'schen Ventrikel erhebt"). Sie kann nicht als eine Plica ary-epiglottica in- ferior angesehen werden, weil diese sich nach Albrecht ^) zur Epi- glottisbasis erstreckt. Ergebnisse. 1) In der weichen Beschaffenheit der Bulla ossea und der Form der Processus paroccipitales stimmt Nandinia — wie Winge nach- gewiesen — mit der Familie ÄmpMctidae überein. 2) Der vorderste Molar sowohl im Ober- als im Unterkiefer bietet grosse Aehnlichkeit mit dem entsprechenden Zahn bei Amphictis dar. Die hintern Molaren sind reducirt in ähnlicher Weise wie bei Prionodon und Ärctictis. 3) Präscrotaldrüsen nicht vorhanden. Vor der Vulva findet sich ein Drüsenfeld, dessen Structur talgdrüsenähnlich ist. 2 Analdrüsen sind vorhanden. 4) Die Mm. praeputio-abdominales entwickelt, erreichen den Humerus. 5) Die Musculatur verhält sich in den meisten Fällen wie bei den Viverridae. Windle u. Parsons*) haben 13 myologische Kennzeichen der Familie Viverridae aufgestellt. Bei Nandinia verhalten sich die Diese sind : fraghchen Muskeln folgender- maassen : (1) The sterno-mastoids of oppo- Die beiden Mm. sterno-mastoidei Site sides seldom fuse. sind mit einander verbunden. (2) The omo-hyoid is seldom Der M. omo-hyoideus fehlt, present. (3) The rhomboideus capitis is Der M. rhoraboideus erreicht das seldom seen. Occiput nicht. 1) 1, tab. 6, fig. 7. 2) 1, p. 309. 8) 1, p. 808. 4) 21, p. 178. 524 ALBERTINA CARLSSON, (4) The subclavius is sometimes present. (5) The cephalo-humeral usually reaches the forearm. (6) The Pronator radii teres is inserted into the raiddle of the radius. (7) There may be a palmaris longus externus, internus or both. (8) The Pronator quadratus is very variable. (9) The supinator longus is pre- sent. (10) The flexor brevis digitorum manus is often present. (11) The caudo-femoralis is in- serted into the lower third of the femur, (12) The ilio-tibialis (sartorius) may be Single or double. (13) The semitendinosus always has a caudal head. Der M. subclavius ist nicht vor- handen. Der M. cephalo-humeralis heftet sich an den Humerus an (wie bei den Ursidae, Frocyonidae und Mustelidae). Der M. pronator radii teres ist zweiköpfig und befestigt sich an der distalen Hälfte des Radius wie bei Cryptoproeta, Viverra und Hemigaha. Sowohl der M. palmaris longus externus als auch internus sind vorhanden. Der M. pronator quadratus ver- hält sich wie bei Herpestes und Viverricula. Der M. supinator longus ist vor- handen. Der M. flexor brevis digitorum manus ist vorhanden. Der Ansatz des M. caudo-feraoralis (M. femoro-coccygeus Leche) findet sich am distalen Ende des Femur. Der M. ilio-tibialis (sartorius) ist einfach. Der M. semitendinosus wird durch einen caudalen Kopf verstärkt. 6) Der Magen ist demjenigen bei Arctictis hinturong sehr ähnlich. 7) Eine Coecumbildung fehlt, wie bisweilen bei Arctictis. 8) Die Leber bietet nichts Abweichendes von derjenigen der Viverridae dar. 9) Das Gehirn schliesst sich an dasjenige der Viverridae an und stellt ein Uebergangsglied zwischen den zwei Gehirnformen dar, welche innerhalb dieser Familie auftreten. 10) Der Kehlkopf stimmt mit demjenigen bei Herpestes in dem Fehlen eines Taschenbandes und dem Vorkommen einer Plica muscu- laris überein. Ueber die systematische Stellung der Nandinia binotata. 525 Wie oben nachgewiesen ist, hat man Nandinia binotata als einen Viverrideu anzusehen. Sie stellt in mehreren Hinsichten ein Binde- glied zwischen den Viverrinae und den Uerpestidae dar. Das Gross- hirn bietet Aehnlichkeiten mit diesen beiden Abtheilungen dar, und wenn in der Musculatur ein deutlicher Unterschied zwischen Viverra und Herpestes gefunden wird, so scliliesst Nandinia sich bald der einen, bald dem andern an. Der Kehlkopf erinnert an den bei Her- pestes ; im Bau des Darmcanals stimmt sie mit Ärctictis überein. Das Fehlen der Präscrotaldrüsen hat sie mit den Herpestidae gemeinsam, obwohl diese Drüsen auch bei einigen Viverrinae nicht auftreten. In dem Vorkommen eines Drüsenfeldes vor der Genitalöflnung und dem knorpligen Zustand der Bulla ossea, ferner in der Form der Pro- cessus paroccipitales, welche sich nicht blattförmig über die Bulla verbreiten, steht Nandinia völlig isolirt unter den Viverridae und nähert sich durch die beiden letztgenannten Eigenschaften den Am- phictidae. 526 ALBERTINA CARLSSON, Literaturverzeichniss. 1) AjjBEBcht, Beitrag zur vergleichenden Anatomie des Säugethier- Kehlkopfes, in: SB. Acad. Wiss. 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Allgemein gültige Bezeiclinungen, a Fissura anterior acus Porus acusticus externus alisph Canalis alisphenoideus an Fissura ansata as Anus 1)1 Blindsack in der Curvatura minor C Fissura cruciata car Furche für die Arteria carotis CO Fissura coronalis cond Foramen condyloideum dr Drüsenfeld duod Duodenum eust OefFnung der Tuba Eustachii fund Fundus ventriculi glen Foramen glenoidale l Fissura lateralis lac Foramen lacerum posterius ml Fissura medilateralis orh Fissura orbitalis ov Foramen ovale pr Mm. praeputio-abdominales ps Fissura praesylvia rh Fissura rhinalis rhp Fissura rbinalis posterior S Fissura Sylvii sm M. sphiucter marsupii SS Fissura suprasylvia ssp Fissura suprasylvia posterior styl Foramen stylo-mastoideum V Vulva Tafel 36. Hinterer Theil der Basis cranii. Caudaler Theil des Thieres, von der Bauchfläche ge- 3. 4. Derselbe Theil bei dem Jüngern Exemplar. Partie des Hautmuskels im caudalen und ventralen Theil Fig. Fig. sehen. Fig. des Thieres. Fig. 5. Ventraler Theil des Hautmuskels eines Weibchens von Canis familiaris. ^/^ i^at. Grösse. Fig. 6. Ventriculus. Fig. 7. Grosshirn, von der Seite gesehen. Nachdruck verboten. lieber Setzung arecht vorbehalten . Die von mir in den Jaliren 1892—95 in Ost- und Central-AMca, speciell in den Massai-Ländern und den Ländern am Victoria Uyansa gesammelten und beobachteten Säugethiere. Von Oscar Neumann in Berlin. Mit 1 Bouten-Karte. Die folgende Arbeit ist nicht viel mehr als eine Liste der ge- sammelten Arten mit kurzen Bemerkungen. Einigermaassen eingehender wurden die Insectivoren und die Fledermäuse durchgearbeitet. Doch habe ich auch hier überall wegen der Kürze der mir für diese Arbeit zur Verfügung stehenden Zeit auf ein Wiedergeben bio- logischer Notizen und ein näheres Eingehen auf den Schädelbau etc. verzichten müssen. Um die Uebersicht zu erleichtern, gebe ich ein kurzes Itinerar meiner Reise und verweise im Uebrigen auf meinen Vortrag, welcher in den „Verh. Ges. Erdkunde Berlin", V. 22, p. 270—295, ver- ötfentHcht worden ist, und auf die Einleitung zu meiner Arbeit: Bei- träge zur Vogelfauna von Ost- und Central - Afrika , in: Journ. Ornithol., 1898, Aprilheft, p. 227—243. Auf meiner Reise habe ich folgende Orte an folgenden Tagen besucht : Nov. — Ende Dec. 92. Tanga Ende März — 27. April. Tanga Ende Dec. 92 bis 6. Jan. 93. San- 30. April — 6. Mai. Magila 1 TJsam- sibar (Stadt) 8. Mai. Potue J bara 8. — 12. Jan. Mojoni (Süden der 9. — 19. Mai. Korogwe am Pangani Insel) 20. „ Geresa „ „ 13. — 18. „ Jambiani (Westküste 21. „ Pambire „ „ der Insel) 22. — 26. „ Korogwe „ „ Ende Jan. — Anfang März. Tanga 28. Mai. Begu, Nord-Usegua Mitte März. Pangani 29. „ Nyembule „ 85* 530 OSCAR NEUMANN, 30. Mai— 2. Juni. Mgera (Nguru) 2. — 26. Juni. Kibaya Massai-Lancl 27. Juni. Burunge 28. Juni — 9. Juli. Irangi 10. — 16. Juli. Kwa Mtoro (Usan- dawe) 18.— 24. „ Irangi 25.-29. „ Burunge 31. Juli. Tisso, Nord-Ugogo 1. Aug. Nai, „ 2. „ Kwa Niagaru „ 3. „ Kongwa 4. — 5. Aug. Mpapwa 6.— 10. „ Expedition n. Inengi (Nord-Uhehe) 11. — 20. Aug. Mpapwa 22. Aug. Kwa Niagaru 23. „ Nai 24.-26. Aug. Tisso 26.-29. „ o d O a>5- im Fori west- licli Tisso 30. Aug. — 5. Sept. Usandawe 7.— 20. Sept. Irangi 21.— 27. „ am Bubu-Fluss 29. Sept.— 24. Oct. Gurui-Berg und Mangati 25. Oct.— 3. Nov. Ufiome 4. — 21. Nov. Umbugwe und Man- jara-See 22. Nov. — 5. Dec. Manjara-See 6. — 7. Dec. Mgogo 8. „ Lelela 9. — 10. „ Ngaruka 11. „ Kavinjiro-Berg 12.— 18. „ Donje Ngai und] | g Ndalalani 19. „ Jumba Msingi 20.— 21. „ Pinnini 22. — 27. „ Nguruman 28. „ Ssambu 29. „ Utim 30. Dec. 93 bis 1. Jan. 94 2. — 5. Jan, Loita-Berge" Mossiro 9-— 7. „ Ssubugo (Geri) 8.-11. „ Ssero 12.-23. „ Dadamuat n. Goilaie « CTO § B W 28.-3 1. „ 1. —3. Febr. 4. )5 5. )) 6. -7. V 8. —20. n 2] ./22. 5) 23. r 24. 24, Jan. Ngare Mbusse 25. — 27, Jan. Ngare Dobasch Ngoro'ine Mukenje Uturi \ Mori-Bay | Kwa Kissero j (Schirati) Kadem an der ' Kavirondo-Bay Mhugu, desgl. j Kwa Niadoto ! Kwa Buosch J 25. Febr. — 5. März. Kossowa 6. — 8. März. Kwa Baschuonjo" 9. „ Kwa Niango, an d. Ugowe-Bay lO./ll. „ Kwa Katsch, dgl. 12. März— 17. April. Kwa Ki- toto, dgl. 18. April. Kisumu, dgl. 19.— 21. April. Mioro. 22. April, Marama 24. April — 3. Mai. Kwa Mumia 4. Mai. Mapunda 5. „ Ssamia-Hügel 6. „ Ssio-Mündung 8. „ Kwa Marama 9.— 11. Mai. Kwa Matanda 12. 13.— 17. , d CG >§ OK? ?3 19. Mai. 20. 21. 22. d , Kwa Mbikilwa , Kwa Lubwa am Nil-Ausfluss Mkakanja, Provinz Chagwe „ Mradschi, dgl. „ Mtale, dgl. 28. Mai. Kampala oder Mengo 29. Mai— 8. Juni. Ntebbi 9./10. Juni. Ssesse-Inseln 11. Juni. Dumo, Prov. Buddu 13._19, Juni. Bukoba 21. Juni. Insel Iroba 23. „ Insel Maissome 25. „ Insel Kome 26. „ bis Mitte Juli. Muansa 17._20. Juli. Bukoba 26./27. Juli. Ssesse-Ins., Uganda Säugethiere von Ost- und Central-Africa. 531 28.— 30. Juli. Ntebbi ] d 1. — 4. Aug. Kampala od. Mengol'p 5. — 11. Aug. Provinz Chagwe ) o. 12. — 23. „ Kwa Lubwa, Ussoga 24. — 30. ,. Provinz Chagwe 2./3. Sept. Kwa Kago 4. — 21. Sept. Kwa Mtessa und Kwa Mlema am Maiandja-Fluss, Grenze der Provinzen Bulamwesi und Ssingo, Nord-Uganda 25. — 28. Sept. Mengo oder Kam- pala 29. Sept.— 7. Oct. Ntebbi 7. — 10. Oct. Mengo od. Kampala 10. — 16. Oct. Provinz Chagwe 17.— 20. „ Kwa Lubwa ] ci 21.— 25. „ Kwa Mbikilwa u.Ji Kwa MtandaJ^ 26. — 31. „ Sumpfgebiet am Kas- sinnie-Pluss 1.-3. Nov. 4. Ost-Ussoga Ssio-Ufer 7.-12. „ 13. „ Kwa Mumia ) "^ b^j !^ Lilelewa [ |^ ^ ? 14. „ Kabbaras j o V ?^ 15./16. „ 17./18. „ 19.-21. , Nollossegeli Angata anyuk Mau 22.-24. „ Eldoma Station 25. „ Guasso Massai 26. „ Nakuro-See 27./28. „ Elmenteita-See 29./30. Nov. Naiwascha-See I. Dec. Kedong-Thal, West- Kikuyu 2.-4. „ Fort Smith, Kikuyu 5. „ Kikuyu (Ost-Abfall) 6./7. „ Asi-Ebene 8./9. „ Machako's (Ulu) II. „ Zaowi (Ulu) 13./14. „ Kibuesi 1 Süd- 15. „ Kikumbuliu j Ukamba 16./17. „ Kyulu-Berge 18./19. „ Ngare Rongai, Tsawo, Useri 20./21. „ Taweta 22. — 25. Dec. Marangu 26. Dec. 94- 2. Jan. 95. Moschi 3. — 8. Jan. 9./10. „ 11.-14. , 15./16. „ 17.-22. „ hoch, an grenze 23./24. Jan. Marangu 25. Jan. Dschala-See 27. „ Taweta 29.— 31. Jan. Bura 1 1. Febr. Noara J 2. „ Maungu 3. „ Taro-Steppe 4. „ vor Mombassa 5. „ auf See 6. „ Tanga Kiboscho Moschi Kahe Marangu Kifinika, ca.3000 m der obern Urwald- Teita p B Simiidae. 1. Anthropopithecus troglodytes (L.). Ich selbst habe den Schimpansen nicht gefunden. Er kommt in Uganda nicht mehr vor, soll aber dort gelebt haben. An der West- grenze Buddus soll er noch vorkommen, ebenso in Unjoro hauptsäch- Hch in einem Walde am Südufer des Albert-Sees, ferner in Turu und in Ruanda. Im letztern Lande sammelte Hauptmann Langheld, auf meine briefliche Anregung hin, einen Schimpansenschädel, der augen- blicklich im Besitz des Berliner Pathologischen Instituts ist. Wir haben es hier überall vermuthlich mit der Form schweinfurthi zu thun. 532 OSCAR NEUMANN, Cercopithecidae. 3. Colohtts caudatus Thos. Zahlreiche Exemplare, Felle und Schädel, wurden am Kilima- Ndscharo gesammelt. Hier lebt er im obern Urwald, ebenso wie in der Ebene bei Kahe und am Märu-Berg bei Gross Aruscha. Der un- längst verstorbene Dr. Kolb sandte Felle dieser Art vom Kenia als Geschenk an das Berliner Museum. 3.' Colobus matschiei Neum. Zahlreiche Exemplare, Felle und Schädel, wurden bei Kwa Kitoto in Kavirondo gesammelt, ein Fellstück erhielt ich aus Unjoro. Ferner lebt er in Mau und wunderbarer Weise in Kikuyu, wo ich von den Officieren in Fort Smith gesammelte Felle dieser und nicht der vorigen Art sah. Zwei Felle, die ich durch Menges aus Harrar, der Grenz- stadt Abyssiniens zum Somali-Land, erhielt, gehören ebenfalls zu dieser Art, die dem westafrikanischen Colobus occidentalis Rchbr. sehr ähnlich ist. Diese Felle hat Herr Menges dem Berliner Museum für Naturkunde geschenkt. 4. Colobus palliatus Ptrs. Der Stummelaffe der Küstengegend von Deutsch Ost-Afrika und des daran grenzenden Britisch Ost-Afrika. Ich sammelte ihn bei Tanga und bei Pangani. Nordwärts dieser Fundorte ist er vom Umba und von Mombassa, südwärts vom Wami und von Dar-es-Salaam nachgewiesen. Ich sah ferner Felle aus Ukami. Ob der Stummelaffe vom Kondeland am Nyassa-See (ca. 9° 30' s. Br.), übrigens der südlichste Fundort des Genus Golohus überhaupt, ganz den Deutsch Ost-Afrikanern gleicht, ob er sich, wie mir scheint, durch stärkere Behaarung unterscheidet, kann erst durch die Unter- suchung grössern Materials aus dieser Gegend entschieden werden. Jeden Falls ist es nicht Colobus angolensis, welcher Art Sglater das erste Stück (in: Proc. zool. Soc. London, 1892, p. 97) irrthümlich zuschrieb. 5. Colobus kirki Gray. Dieser einzige rothe Stummelaffe Ost-Afrikas ist endemisch für die Insel Sansibar, wo er im südlichen Theil zwischen den Dörfern Mojoiii und Jambiani noch recht zahlreich vorkommt. Doch sind dort Säugethiere von Ost- und Central-Afrika. 533 seine Tage gezählt, da die wenigen Wälder stark abgeholzt werden. Zahlreiche Exemplare, Felle und Schädel, wurden an beiden Orten ge- sammelt. Auch besass ich einige Zeit lang mehrere Stücke der Art lebend. 6. Cercocehus aterrimus Oudem. Mehrere Exemplare dieser Art wurden in der Provinz Chagwe in Uganda in den Uferwäldern am Victoria Nyansa gesammelt, wo die Art ziemlich häufig war. Die auch bei ganz alten Thieren sehr dunklen, braunen Schultern unterscheiden diese Art hinreichend vom west- afrikanischen Cercocehus albigena, bei dem die alten Thiere hellgraue Schultern haben. Die jungen Thiere dieser Art sind einfarbig pech- schwarz. 7. Cercopithecus rufoviridis Is. Geoffr. Die gewöhnliche grüne Meerkatze Deutsch Ost-Afrikas, der ,,Tum- bili" der SuaheH, scheint im Küstengebiet zu fehlen und tritt zuerst mit Beginn des Akazienbuschwaldes auf. Ich sammelte Schädel und Felle bei Nai in Nord-Ugogo, bei Irangi und am Manjara-See und beobachtete diese Art ferner am Kilima-Ndscharo und am Ngare Dobasch. 8. Cercopithecus centralis n. sp. Ein Exemplar habe ich bei Bukoba, ein zweites auf der grossen Ssesse-Insel gesammelt. Diese Art gleicht der vorigen, doch sind alle Farben bedeutend heller und spielen mehr ins Graue. Gegen Felle der vorigen Art gehalten, sehen die Thiere dieser Art stark aus- gebleicht aus. Diese geographische Form der grünen Meerkatze bewohnt das Westufer des Nyansa, Uganda und die Ssesse-Inseln. 9. Cercopithecus alhigularis Sykes. Diese und die folgende Art sind der „Kima" der Suaheli. Im Gegensatz zu den grünen Meerkatzen lieben sie feuchtes, waldiges und Kultur terrain. Der echte alhigularis wurde von mir auf der Insel Sansibar und an der Küste bei Tanga und Pangani gesammelt. 10. Cercopithecus moloneyi Sclater. Vom Nyassa-See oder obern Sambesi zuerst beschrieben. Ich möchte dieser Art mehrere Exemplare zuschreiben, die ich in den 534 OSCAR NEUMANN, Bergwäldern am Kilima-Ndscliaro und bei Fort Smith in Kikuyu sammelte. Es ist eine stärker behaarte und viel lebhafter gefärbte Form, insbesondere ist der Hinterrücken schön rotlibraun gefärbt. Sie ersetzt die vorige Art in den Bergwäldern des Innern. 11. Cercopithecus stuhUnanni Mtsch. Mehrere Bälge und Schädel dieser schönen, eisengrauen Art mit glänzend schwarzem Oberkopf und Armen wurden bei Kwa Kitoto in Kavirondo gesammelt. Sonst ist sie bisher nur vom Ruwensori bekannt. 13. Cercopithecus neglectus Schleg. Diese herrliche Art, deren Identität mit Cercopithecus hrazzae ]\Iilne-Edwards von mir zuerst nachgewiesen wurde (in : SB. Ges. naturf. Fr, Berlin, 1899, p. 24), fand ich mit der vorigen zusammen in Kwa Kitoto (Kavirondo). Ich sammelte 3 Exemplare. Leider gingen mir jedoch 2 Bälge wieder verloren, so dass zur Zeit noch 3 Schädel und 1 Balg im Berliner Museum vorhanden sind. 13. Cercopithecus schmidti Mtsch. Diese Meerkatze ist die am weitesten nach Osten vorgeschobene der Weissnasen-Gruppe. Ich traf sie in den Uferwäldern der Pro- vinz Chagwe in Uganda zusammen mit Cercocehus nigerrimus, ebenso in den Wäldern zwischen Kampala und Ntebbi. Mehrere Bälge und Schädel wurden gesammelt. 14. Papio toth Ogilby. Diese hellere, graue Form des echten Papio cynocephahis scheint eine sehr grosse Verbreitung zu haben. Ein Stück, das von Holub an den Victoriafällen des Sambesi gesammelt worden ist und welches ich im Wiener Museum sah, unterscheidet sich durch nichts von Stücken Deutsch Ost-Afrikas und dem Typus des iheanus von Lamu im Londoner Museum. In Deutsch Ost-Afrika kommt er überall an der Küste, im Innern bis zum Kilima-Ndscharo und Ugogo vor. Im Süden des Gebiets scheint er noch weiter ins Innere zu gehen. Ich beobachtete ihn bei Tanga, Pangaui, Irangi und am Kilima- Ndscharo und brachte von beiden letztern Fundorten mehrere Schädel und Felle, mit einer Ausnahme, jüngerer Thiere zurück. Säugethiere von Ost- und Central-Afrika. 535 15. JPapio doguera Puch. Ein bei Kwa Kitoto (Kavirondo) erlegtes altes ?, von dem Haut und Schädel mitgebracht wurde, möchte ich am ehesten dieser Art zuschreiben. 16. JPapio neunnanni Mtsch. Eine sehr charakteristische, kleine Pavianart, an deren Schädel hauptsächlich die sehr tief gehenden Backengruben auffallend sind. Anscheinend ist die Art in dem Gebiet des grossen Massai- Salzgrabens endemisch. Ich sammelte 2 Exemplare, das eine am Vulkan Kavin- jiro, das andere bei Jumba Msingi am Westufer des Nguruman-Sees, das erste ein altes, das zweite ein etwas jüngeres $. Diese Pavian- art scheint auch in Kikuyu vorzukommen. Jeden Falls sah ich in Fort Smith mehrere junge Thiere in Gefangenschaft. Lemuridae. Halbaffen sind im Innern jeden Falls viel seltner als an der Küste. Ausser den hier unten erwähnten Fundorten entsinne ich mich nur ein Mal bei Mpapwa, ein andres Mal am obern Bubu einen „Komba" schreien gehört zu haben. 17. Otolicnus crassicaudattis Geoffr. 1 Exemplar bei Kahe am Kilima-Ndscharo, Januar 95 gesammelt. 18. Otolicnus agisymhanus Coqu. Diese braune Art erhielt ich mehrere Male auf Sansibar lebend, doch wurden die betreffenden Stücke leider nicht conservirt. Ist en- demisch für die Insel Sansibar. 19. Otolicnus hirhi Gray. Diese hellgraue, grossohrige Art ist dem Otolicnus monteiroi von Angola sehr ähnlich. 1 Exemplar wurde bei Tanga gesammelt. 20. Galafßo zanzibaricus Mtsch. Diese zimmetfarbene Art mit dem scharfen weissen Strich über die Nase scheint für die Insel Sansibar endemisch zu sein. Der „Ndele" der Wahadimu fehlt in der Nähe der Stadt Sansibar, ist aber an der Ostseite der Insel bei dem Dorfe Jambiani ungemein häufig. Auf jeder Cocospalme scheint einer oder mehrere zu sitzen. Ich be- sass wohl 20 dieser Halbäffchen lebend. 3 Exemplare wurden conservirt. 536 OSCAR NEUMANN, Ohiropterä. Die Fledermäuse wurden ausführlicher durchgearbeitet, die Mega- chiroptera ganz an der Hand des vorzüglichen Werkes Matschie's über diese Gruppe: „Fledermäuse des Berliner Museums", 1. Theil, 1899. Auch sonst nahm ich bei der Bearbeitung der Fledermäuse dankbar die liebenswürdigst angebotene Mitwirkung dieses ersten Chiropterenkenners an, wenn ich auch in einigen Fällen, so bei Nycfcris und Fhylorrhina, nicht ganz seiner Meinung bin, sondern hier mich mehr den Meinungen von Peters und Dobson anschliesse. Die einzelnen Stücke sind mit den Museumsnummern erwähnt. Sp. bedeutet Spiritusexemplar. Bei trocknen Stücken bezeichnet die erste Nummer den Balg, die zweite den dazu gehörigen Schädel. 21. Ejmmophorus stuhlmanni Mtsch. Epomophorus gamlnanus Matschie, in: D. Ost- Afrika, p. 16. — Epo- mopJiorus stuhlmanni Matschie, Flederm. Berl. Mus., 1. Tli., p. 50. No. 10 001, S, Sp. Mojoni (Insel Sansibar), Januar 93. — No. 10 002, Sp., S, ebendaher. — No. 11379 (80), Balg, ebendaher. Diese grösste Art der ostafrikanischen Flughunde ist auf die Insel Sansibar und die gegenüber liegende Küste beschränkt. O'-'Ö^ 32. Epomophorus neumanni Mtsch. Matschie, Flederm. Berl. Mus., 1. Th., p. 50. No. 9968, $ juv., Sp. Moschi (am Kilima-Ndscharo), Januar 95. Der erste Nachweis dieser Art in Deutsch Ost- Afrika. Diese Art, die vorher nur von Mombassa, Takaungu und Malindi nachgewiesen, dürfte sich wahrscheinlich als der Flughund des süd- lichen Somali-Landes herausstellen, welcher an den eben erwähnten Fundorten seine Südgrenze erreicht. 23. JE}poinophorus shoensis (Rüpp.?). Matschie, Flederm. Berl. Mus., 1. Th., p. 53. No. 11381, ? juv. Schädel und Flughautknochen, An der Nord- küste des Nyansa, wahrscheinlich in Lubwa's (Ussoga) gesammelt. Der Balg wurde durch Motten vollkommen zerstört. Der Schädel und die Beinknochen stimmen nach Matschie vollkommen mit dem von Stuhlmann in Kirimba am Albert Edward-See gesammelten Stück überein. Beide sind zu gross für E. minor und dürften zur Rüppell- schen Art gehören. Säugethiere von Ost- und Central-Afrika, 537 34. Upomophorus {Micropteropus) pusillus (Ptrs.). Matschie, Flederm. Berl. Mus., 1. Th., p. 58. No. 10052, Sp., $ juv. Ngoroine am untern Mara (Ngare Do- basch), östlich des Nyansa, November 92. — No. 10;053, ? juv. Sp., ebendaher. Es ist dieses der bei weitem östhchste Punkt der Verbreitung dieser Art, welche somit auch zum ersten Mal für Deutsch Ost-Afrika nachgewiesen worden ist. In der Nähe von Ngoroine am Ngare Dobasch fand ich auch zum ersten Mal mehrere westliche Vögel, wie z. B. Musophaga rossae, und viele westafrikanische Insecten. 35. Xantharpyfßia collaris Illiger. Matschie, in: D. Ost-Afrika, p. 17. — id., Flederm. Berl. Mus., 1. Th., p. 66. No. 10230, (?, Sp. Siga-Höhlen bei Tanga, März 94. — No. 10 231, cT, Sp., ebendaher. — No. 10226, Balg, ebendaher. — No. 10228, Balg, ebendaher. Diese Art bewohnt zu vielen Tausenden die Sigahöhlen am Mkulu- musi in der Nähe von Tanga. Der Boden der Höhlen ist mit einer dicken Guanoschicht bedeckt, die an manchen Stellen fusshoch liegt. Das Gewimmel, wenn man die Thiere stört, ist derart gross, dass man mit jedem Stockhieb mehrere zu Boden schlagen kann. 36. JVycteris capensis Smith. Nycteris capensis Dobson, Cat. Chiropt., p. 166. — Nycteris fuliginosa Ptrs., Reise Mosamb., p. 46. — Nycteris thehaica Matschie, in : D. Ost- Afrika, p. 18. No. 11382, ? grav., Sp. (hellgrau). Mojoni (Sansibar) Januar 93. — No. 11383, (?, Sp., ebendaher. — No. 11388, ? Sp., (braun) eben- daher. — No. 11384, ? pull., Sp., ebendaher. — No. 11385 (86) tr. B., ebendaher. — No. 11387, Sp., Usandawe, 3. Sept. 93. Ferner in Irangi und am Kilima-Ndscharo gesammelt. Nach dem Vorgange Dobson's lasse ich vorläufig noch Nycteris capensis von Nycteris thehaica getrennt, da bei meinen sämmtlichen Exemplaren die Länge des Ohres im Verhältniss zur Grösse des Kopfes länger erscheint als bei ägyptischen Stücken. Auch scheint bei den Ostafrikanern die Ohrbasis enger zu sein als bei den Aegyptern, so dass das Ohr etwas mehr den Eindruck einer geschlossenen Ellipse macht, während bei Nycteris thehaica die Ohrränder mehr senkrecht 538 OSCAR NEUMANN, aufsteigen, Sämmtliche Ostafrikaner des Berliner Museums sind übrigens viel dunkler als die Aegypter, doch habe ich leider keine frischen Aegypter (thehaica) zum Vergleich. Es kann dieses also dem langen Einfluss des Spiritus zuzuschreiben sein, insbesondere da auch älteres Spiritusmaterial vom Cap fast ganz entfärbt ist. Die bei weitem häufigste aller Nasenfledermäuse. Es kommen verschiedene Färbungen vor. Die meisten, welche ich in Mojoni auf der Insel Sansibar sammelte, hatten dunkel grauen Rücken und silber- graue Unterseite. Daneben kamen seltner Stücke mit dunkel braunem Rücken und hell brauner Unterseite vor. Auf diese letztere Färbungs- art dürfte sich Peters' Nycteris fuUginoa beziehen. Im Januar $ mit kleinem pullus. 37. Nycteris hispida Schreb. Matschie, in: D. Ost-Afrika, p. 18. No. 11389 (90), tr. B., Muansa am Victoria Nyansa, Juni 94. Der schlechte Erhaltungszustand des betreffenden Stückes lässt es nicht entscheiden, ob dieses die typische Form oder die Peters- sche Subspecies Nycteris villosa ist. 28. Megaderma frons Geoffr. Matschie, in: D. Ost-Afrika, p. 19. No. 11391, ?, Sp. Nguruman, 23. Dec. 93. — No. 11392, (?, Sp. Ssio-Bay (Kavirondo), Oct. 94. — No. 11393 (94), ?, tr. B. Ngu- ruman, Dec. 93. Färbung in frischem Zustand: Unterrücken bleigrau, alle andern Theile mit hell gelben Haarspitzen. Alle nackten Theile, Ohren, Nase, Maul, Flügel ockergelb, besonders stark, fast dunkel orange, die Flügel. Hinterseite der Ohren schwarzbraun überflogen. Diese Art habe ich auch in Umbugwe, dem nördlichen Massai- land, Kavirondo und bei Taweta angetroff'en. Sie ist bei Tage stets munter. Die betreffenden Stücke wurden von mir oder meinen Jägern des Morgens oder Nachmittags ge- schossen. Sie liebt sehr den Akazienbusch. Böhm's Beobachtung, dass man sie meist pärchenweise beisammen findet, kann ich bestätigen. 29. JRhinolophus capensis Lcht. Matschie, in: D. Ost- Afrika, p. 20. No. 11815, Sp. Mojoni (Sansibar), Januar 93. Die Hufeisennasen scheinen in Ost-Afrika relativ selten zu sein. Säugethiere von- Ost- und Central-Afrika. 539 In Mojoni wurde mir von den Negerjungen unter etwa 30 Nycteris nur dieses eine Stück gebracht. 30. JPhyllorhina caffra (Sund.) Hipposideros caffer Matschie, in: D. Ost-Afrika, p. 22. No. 11395, Sp., >n^.:^ Fig. H. Chamaeleon füUeborni n. sp. tempeli charakteristische doppelte Kinncrista.) Mundöflfnung gleich der Helmhöhe. Die Parietalcrista nur ganz schwach aufsteigend. Das Helminnere fällt schwach dachförmig von der Parietalcrista zu den seitlichen Helmrändern ab. Die Helmspitze wird durch einen kleinen knopfartigen Schuppenwulst gebildet. Zwei massig grosse Occipital- lappen, die sich bei grossen Thieren mit den gegenüberliegenden Rändern ein wenig berühren, bei andern durch Zwischenraum ein wenig von einander getrennt sind. Sie sind vorwiegend mit grossen, platten oder Crocodile, Schildkröten und Eidechsen von Deutsch Ost- Afrika. 617 schwach convexen, rundlichen Schildern bedeckt. Eine schrotsäge- förniige Reihe grosser Schuppen auf Rücken und Schwanz bis zur Mitte. Die Körperbeschuppung ist sehr ungleich : grosse runde Platten liegen in einem Bett von grössern und ganz kleinen Schuppen. Alle grossen Schuppen sind ganz platt oder ein wenig convex. Die grossen Platten überwiegen die kleinen auf den Unterschenkeln und Zehen. Das Thier hat einen Wickelschwanz. Dem Männchen fehlt ein Sporn an den Füssen. Farbe gelbbraun, ein Farbkleidmuster ist nicht ausgesprochen. In der Stellung der Hörner variiren die Individuen, wie das bei gehörnten Arten gewöhnlich ist: die Hörner sind bei allen Individuen vorwiegend nach vorn und ein wenig nach oben gerichtet ; bei stärkerer Entwicklung ist das Schnauzenhorn auch ein wenig nach oben ge- krümmt. Die Augenbrauhörner dagegen stehen entweder einander parallel oder convergiren etwas mit ihren Spitzen oder divergiren recht stark mit denselben, so bei einem alten Männchen. Maasszahlen des Männchens: Gesammtlänge 210 mm Kopf (von der Mundspitze bis Helmspitze) 29 „ Körper 90 „ Schwanz 120 „ Mund (bis Mundwinkel) 19,5 „ Helmhöhe (vom Mundwinkel bis zur Helmspitze) 19,5 „ Schnauzenhorn 9 „ Augenbrauhorn 9,5 „ Femur 20 „ Unterschenkel 17 „ Fuss (mit eingeschlagenen Zehen) 12 „ Die Art ist zu Ehren eines ihrer Entdecker benannt. Es dürfte einige Schwierigkeiten haben, allein nach einer Be- schreibung Chamaeleon werneri von der neuen Art zu unterscheiden, da die Unterschiede zwischen ihnen vorwiegend quantitativer Art sind. Die Objecte selbst dürften dagegen kaum mit einander zu ver- wechseln sein. Die Unterschiede sind: Chamaeleon werneri ist grösser, seine Hörner sind lang, schlank und nur schwach geringelt. Die Schuppen, welche diese Hörner umgeben sowie die der Canthus rostrales sind völlig platt, nicht kegelförmig. Der Canthus rostralis selbst ist abge- 618 G. TORNIER, Crocodile etc. von Deutsch Ost-Afrika, rundet. Auf den Kopflappen des Chamaeleon werneri sind die Schuppen annähernd gleich gross und von massiger Grösse. An der Mittellinie des Kinns sind bei Chamaeleon werneri die Schuppen nicht kleiner, sondern ebenso gross oder vielleicht gar noch ein wenig grösser als die der Kinnseiten. Das Chamaeleon werneri ist offenbar wesentlich grösser als Chamaeleon füllchorni. Seine Färbung ist grün, die des Chamaeleon füUeborni braungelb. Von dem dritten dreihörnigen Chamäleon Deutsch Ost-Afrikas, dem Chamaeleon deremensis Mtsch., unterscheiden sich die eben ver- glichenen beiden so stark, dass es mit ihnen überhaupt nicht zu ver- wechseln ist. l'rommannsche Buchdruckorei (Hermann Fohle) in Jena, — 2095 Zoolog Jahrhiichcr. Bd13Abthr Syst. loologJahrbuchcr. Bd.UAbtlt. r. Syst. li 'M ^n il 4/ 1 \ r,u-.ia»Fisther.,Jc Lith Ar.sl V. A'Gillsch. Jena /.oolon.lahrhiU'liiT^ M./JAMIi.f: Sysl. tM m< 1,.^ Sluiterg«2, ZnotOii.Iahrhuihtr BJ1XU>l!i f S\sf ^^^- .'ouioy.Juhrlmclier. Bfl.ß.. \hlli.r. Syst. Lith.Ansr.v. A.Gihsch.Jena. Zoolmi.Juliibäcliei: üd.UAtilh. /' Svsl. ^ •.>5s:&? iMboÜfi i v^ vf w;: U' i" V VI*»: ■* r fr ^^^^l^^iK'. 6'. Nu ¥ % Sluiler gez. Zoolog. Jahrbücher Bd. 13. Abth. f. Syst. Tai: 7. 4. / K-. 3 //. II h. in \f'''f^ d, ß \ ^' M w '^A n. CVerhoeff ad.Naturgez. Verl V, Gustav Kischer, Jena, Lith.Aiist.v.J4rridt,Jeric Zoolog. . Jahrbücher Bd. 15. Ablh. f. Syst. Taf. 8. - 19. ^ c 20. - /•' A k cpr "^ 21. 22. ■-_ CO ^s^ _^ 25. ^A "■r \f ' \ ,--'4- y cna. _ \ coh Ji iß y. CO «>«■ -„•• ■■■■''/■', i t coh / t-^ '""■%:Äi { '■■< :) coh ■ hr ■-"1 ^ \ br f* epr ^ -- ^ '! .pr V ; ^ X ^-■■■■epr. r X /^ c \\ V :y-w_^' L.A Am: \l\ %^^ Fe a *|Lr)--/b ^- qi[\ \/, y - x' \ \ CO ''■ b 26. "-K f7. s X..Tr ■ -s 7/i c ^^^^ y~^ 29. fa r~- 1 1] fl. 28. ! * :. 1 ' iiy^' L ( ''.Vi ■-•-rf cpr jf . Sl jc~~7\ "', b 30. cpr r P Fe ß cpr .sc. 6' /«/i. ß cnk L 31. r Fe 53. y Tr V r, --. : : ''i m 55. -:--■■ 'J -.; c X ^ ^- .--,-- ie le ' .-S?^v- 1 ßy>- " X ■ - _ /b b CVerhueff n.d.Natar gez. Verl.v Gustav Fischer, Jena.. Lith. Allst. -" Ti ■■■- _ ( ~ cpr 4/. ,., \ sa e ^ /^ f ~ ttO. v^ b ^^>^^ '%$^ ■a TU "" ''• Ti sa ] x Fe d V % sa c -\ - ..b Fe . f sa g>' (. epr - ,,' X y ^ cf Tr CO cpr k5. C.Verhoeff iLd.Naturgez Verl.v Gustav Fischer, Jena. LithAnst.vJ.Arndi Jeriä Zool. Jahrb. Bd. IH. Ahth. f. Si/st. Taf. 10. Fig. A. Pel ilnus segnipe.t \jOUk-n,\o\\ oh&n Fig \\. Eophrynus 2)restwic}ii Wdwd, von ohen, Fig C. Pelitnus se(jnipes Loman, von unten. Fig. D. Eojyhrynus presttvicJii Wdvvd, von unten Loman. Verlae von Gustav Fischer in Jena. /.onlof/isclw ■ JahrbüchfrBdßAbtlifSiist. Taf. //, I Bi a n to Ida e . ■■ Epe da u o ida e . Sa m oida c.rlc Meridofjasliii . ^ Onro/uicloidat' , ^ Trine iiont/c/i oida c. ^rkqHiusla'fther.Jena LiiTuAns'.vP Weise jer.i 7.ooUjlli.l.'Sfisl Tufli' h'iriM. ii ^Fischer /,M/offisrheM/iiMiher&l./ltMi./:.S:yst nylb. Tüll' /, CiuslafFischei-, Jena. Lith-Ans; y.o/ili>gitsrlu' ■ la}irl)iirlirrli(IRlblh.f:Slfst. Taf. ft NhUnlmg- ^^ «■•'isrluM-J.n;, Zmiliig Jaltrbüiitn- M 13 AbUi.t:S)sl. ZooltHj. Jiihrhiiiter IUI. l:S Ahth.f.Syxl. ZMlmj. . IiilirbiUim- Ihl. 13 AhUUSrxI. Zoolog Jahrbücher Bd. 15 Abth.f. Syst. Taf. IS. erhoeff.n.d.Natur gez. Verl V.Gustav Fischer, Jena. Lita.AnsivJ.Arrit,Jena, ■/(.olofi. Jalirl'iirliiT Bd 17.. .U'lh.f.'Si/st. Tu!: 19 ) ,0 .m " Zoolofj. JdhrhnrJicr A/./,> .IM/if.'Sipt. 'Ulf. 'M. ri Zoolog. JaMnicher BJ IX .VUJi.rSi/sl. Tai: IV. '/.oolog.Jahrbiicher. Bd 15. ÄbÜi.f.Syst. Tar22. • dir., Cordts del. Verlag vor-Sustar Fischer in Jena. lit'i.Anstv.Vtrr.trSiWirAiTrankfwrt'^M. Zoolog.JahrbücherM.13.Abih..f Syst. Taf.23. W.miilln'jix LltiAnslvPWeise.Jtn« /!()olog Jahrbücher Bd. 15. Abth. f. Syst. Fig. 18. Taf.2h. Fig. 19. -sinsky niNaturgez Verl.v Gustav Fischer.Jena. Llth.Anst.v.J.ArndUena. /oolog.JalirbiidurB(i15 Ablli.f Syst. Fig. 2^ Taf:25. Fig. 26 D.Rossinsky n.d.Murgez Vsjrl.v.Giislav Fischer, Jena. Iit)i Anst.v.J.Arndüeria. Zoolog Jalirbücher Bd. 15 Abtk.f.Syst. Tof.26. ■7 *QiKr jv^ ,^s Slafford qez. Verl V Gustav Fischer Jena. Lith.Anst.vJ.ArndtJena. lofllog.JaMücherBd.l.}.Abth.fSyst. Taf.2l %p 1; Kaiharinergez, Verl V. Gustav Filcher Jena. lithMstvJ Arndt, Jena. ioolo.g.JahrbiicherBtU5.Abth.fSyst. TafJS. /4. -^^VäT*^"'' ■S^vlij^^igt srA ^^ \ ^^'^ 3 a ^ Katliarir.ergez. VerlvriuslavFi(äier,Jena tf -liv^,^: LithAnstvJAnid! Jena ,,//.J/t/ir//w/iri:/ii/Jj.U)//i./:Sis/ (I. \ I.i!hAn.ilv.A.Cilisch,Jend Zoolog. Jalirhüchcr.Bd.l.iAbthf Syst. Taf.JO. 12. 'A. ^iA 13. U. Ver!vCusra\' Fischer, Jena. Lithlnsw.A.Giltsch.Jena. Zool. Jahrb., Abfk. f. Syst., Bd. 13. ra/: 31. ..^^^^^^^^^^^^^^^HIIHhIiiiCC&'^'^^^Ii^ ^^^^^^^^^^^^^^^^■P^^^^^^^^^^^^^H^Ml^ ^ <^^BIV^*' 1^^ »\ v^liB^ m ^R V 1 J^V Ifei m ^^■L-; ^^E; T^ ijl^ Mi ^H^HB^ i Ml w t Fig. 1. Lyijosoiua scJincideri n. sp. j^t^^^M h ^t' ^ypE^BHlP'^^^^^ ® § §^J ^Sk^"^ ivv \ v^- r \ Fig 2. Dendrayaiiia boulcngeri Dokia. Werner. Verlag von Oiistav Fischer in Jena. Zool. Jahrb., Abiheil. f. Syst., Bd. 13. Taf. 82. Fia;. 3. Raua novae brttanniae Werx. i Fig. 4. FJtacopJiorus collefti Blscr. Fig. 5. Rhacojjliorus pliyJlojnjfius n. sp. Werner. Verlag von Gustav Fischer in Jens». Zool. Jahrb., Abth. f. Syst., Bd. 13. Taf. 33. Fig. G. Rhacophorus reimuardtii BoiE rar. Fig. 7. Tihacopliorus pulclicllus n. sp. Werner. Verlag von Crustav Fischer in Jena. Zool Jahrb., Ahth. f. Syst., Bd. 13. Taf. 34. Werner. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Zool. Jahrb., Ahlh. f. Syst., Bd. IS. Taf. 35. Werner. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Zooloalnlirtmiherliit l.t.l/il/i i:s\si 0 Liih Ar.slv.A.U![i!h, Jena. Zoolog. JalirbnclierBrl Li Ahthf. Syst Taf.JJ. LithAostvJ.Aüiiir ':: Zooloi/iJithrhilchcrlkl 1^ Abfh.t'Sipt. 'Inf. öS. ■fciv.UiistwBscIierJena Zoolog. Jahrbücher Bd.13 Abt. f Syst. ^. l SU^ -O - So tili -VICTORIA. ■^^ ^J]iECek<2^<.^ ^|^°°*°j it&«3fa -6^ 'vy ,i .«■a 'I -i^X ^Ssubuqo JmnhaMszngv Douje Nga.i 'fy KavinürpB. T ^- BeiseAvege •* -von. in OST-&CENTRAL-AFRIKA 1893-1895. MaTsstab 1:4000000. e «J m fc> >-i h^ =3 ISLormeter. ^^' }'anga4j'- <■ .37 ssMat^ xU,. i^pG^z7 ;7i(*« '^u aj • ukxt , , j; , iffböp .' ) r>>,-- t^' -^ ^ k'^^. m 32. °J\.o7iffH^a>^. ym. 93 ^'' -i_^ T7-20VmlS3. £-V. BTSJ HUt^^S .r^ i.pf Xiorijoutv A- ^-.. 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